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Populismus durchschauen, Demokratie retten!

Zunehmend reißen Populist/-innen die Deutungs- und Debattenhoheit an sich. Das Frustrierende: Trotz der mangelnden Sachlichkeit gehen Populist/-innen als Sieger vom Platz. Sie gewinnen rhetorisch, obwohl sie inhaltlich Unsinn erzählen.

Dass die Populisten rhetorisch gewinnen, hat einen Grund: Ihre Zielgruppe verfügt meist über wenig Informationskompetenz. Konkret:

  • Viele Menschen glauben oft unkritisch, was sie erzählt bekommen.
  • Sie differenzieren nicht zwischen Informationen und Meinungen.
  • Sie erkennen viele Falschinformationen als legitime Meinung an.
  • Sie kennen das Prinzip »Wer behauptet, belegt« nicht.

Hirn aus, Wut an

Kurz: Diesen Menschen fehlt die gesunde Skepsis. Viele sind zudem leicht emotional steuerbar und lassen sich dadurch sehr leicht instrumentalisieren.

Populisten müssen nur Wut erzeugen, und ein relevanter Teil der Bevölkerung folgt ihnen.

Medienkompetenz und Faktenchecks genügen nicht

Wichtig ist zu verstehen: Die klassischen Wege über Medienkompetenz und Faktenchecks genügen nicht, um die Demokratie vor dem Populismus zu retten oder um Unternehmen resilient gegen »human engineering« zu machen. Entscheidend ist nicht nur die Fähigkeit, Medien zu nutzen oder einzelne Falschmeldungen zu erkennen, sondern es bedarf einer umfassenden Informationskompetenz: Menschen müssen lernen, wie Manipulation funktioniert, wie sich Meinungen auf belastbare Belege stützen und wie sie Denkfehler, Narrative und Desinformation erkennen.

Auf der Didacta 2026 in Köln hat Thilo Baum einen kleinen Test gemacht: Er hat alle neuen Kontakte gefragt, ob die Lüge in Deutschland von Art. 5 GG gedeckt ist. Erschreckend war: Fast niemand wusste es. Auch Lehrer/-innen und Medienkompetenztrainer/-innen wussten es nicht.

Dabei ist das Wissen entscheidend, wenn wir Populisten begegnen wollen: Populisten geben ihre Lügen gerne als Meinungen aus. Widersprechen wir, spielen sie das Opfer, dessen Meinungsfreiheit in Gefahr sei. Doch tatsächlich ist die bewusste Unwahrheit nicht von Art. 5 GG geschützt, weil wir uns auf ihrer Basis keine sinnvolle Meinung bilden können (BVerfG, 1 BvR 1376/79, Rn. 23f.).

Medienkompetenz ist sicher wichtig – doch wer nicht begründen kann, warum Lügen keine Meinungen sind, hat Schulungsbedarf.

Informationskompetenz bedeutet u.a. zu wissen:

  • Nach Hannah Arendt sind wir auf zutreffende Informationen angewiesen.
  • Auf der Basis der Lüge funktioniert keine Demokratie.
  • Diesen Gedanken hat das Bundesverfassungsgericht in dem erwähnten Urteil aufgenommen.
  • In einer Umgebung der Desinformation verlieren wir nach Hannah Arendt die Orientierung.
  • Deswegen greifen die Feinde der Demokratie die demokratische Öffentlichkeit u.a. mit Falschinformationen an.
  • Insofern geht es nicht nur darum, Informationskanäle kritisch zu sehen, sondern das Konzept dahinter zu begreifen.

Ebenso ist politische Bildung enorm wichtig. Doch auch hier sollten wir das Thema treffen: Das Wesentliche bei der politischen Bildung ist nicht, dass wir wissen, was der Vermittlungsausschuss macht. Stattdessen sollten wir …

  • erklären können, warum und wie Informationen die Demokratie zerstören können.
  • das auf Platon zurückgehende Demokratieparadoxon kennen, wonach die Demokratie sich selbst abwählen kann – das erklärte Ziel der Populisten.
  • das Toleranzparadoxon nach Karl Popper kennen, wonach die Toleranten nicht die Intoleranten tolerieren dürfen, weil die Intoleranten die Toleranten sonst vernichten.
  • wissen, dass bereits Joseph Goebbels 1935 über die Demokraten spottete, die den Nazis die Meinungsfreiheit gelassen hätten, was umgekehrt natürlich nicht der Fall sei.
  • Rudolf Bartels’ »Lehrbuch der Demagogik« von 1905 kennen, das die heutige Demagogie mit ihrem Geschimpfe und Gepöbel erklärt.
  • Steve Bannons Motto »Flood the zone with shit« kennen, das die Quantität vorgibt.
  • verstehen, dass kein Faktencheck die Destabilisierung der Demokratie aufhält. Wir können uns nur immun machen, indem wir die Mechanismen durchschauen.

Das Buch zum Thema

In seinem Buch »Krieg gegen die Köpfe« beschreibt Thilo Baum den kompletten Zusammenhang. Dieses Buch können Sie sich hier kostenlos als PDF runterladen. Dazu müssen Sie keine Daten angeben.

Bitte schicken Sie das Buch oder den Link zu dieser Seite an alle, die sich für die Demokratie einsetzen. Und geben Sie auch Thilo Baums Kontaktdaten (siehe unten) gerne weiter.

Radikalisierende Narrative

Ein weiterer wichtiger Punkt ist es, die »Narrative« der Täter zu verstehen.

Narrative sind Behauptungen bzw. Überzeugungen, die scheinbar plausible Wahrheiten transportieren, wie zum Beispiel:

  • »Die da oben unterdrücken uns.«
  • »Die Demokratie ist keine Demokratie, sondern eine Diktatur.«
  • »Wir dürfen unsere Meinung nicht mehr sagen.«

Alle diese Narrative sind im Ergebnis antidemokratisch und sollen das Vertrauen der Menschen in die Rechtsordnungen der freiheitlichen Demokratien erschüttern.

Demokratinnen und Demokraten müssen unbedingt verstehen, wie Narrative funktionieren und was sie bewirken.

Und wir müssen verstehen: In nahezu jeder Andeutung und Scheinfrage und nahezu jedem vorgeblich höflichen Angriff sind Narrative versteckt. Viele der Täter sind geschult. Und die Demokraten müssen die Narrative sehr schnell erkennen und thematisieren.

Die Manipulationstricks der Populisten

Damit kommen wir zu den wesentlichen Manipulationstricks der Populisten und zur Frage, wie wir darauf reagieren.

Manipulation 1: Populisten verkaufen uns ihre menschenfeindlichen und demokratiefeindlichen Überzeugungen als legitime Meinungen – ebenso wie ihre Lügen.

Darauf fallen viele Menschen rein – vor allem, wenn sie den Unterschied zwischen Behauptung und Meinung nicht kennen. Wer informationskompetent ist, kennt diesen Unterschied. Konkret:

  • Wir brauchen medienrechtliche Grundlagen. Wir müssen wissen, dass Tatsachenbehauptungen »dem Beweis zugänglich« sind, während Meinungsäußerungen rein subjektiv sind. Wir müssen eine Äußerung sofort als Behauptung, Meinung oder Zweifelsfall einordnen können. Ein Zweifelsfall ist beispielsweise: »Es gibt Außerirdische.« Für Juristen eine Meinung, für Wissenschaft und Publizistik eine Behauptung.
  • Wir müssen es sofort zur Sprache bringen, wenn Populisten ihre Behauptungen als Meinungen tarnen (»Meiner Meinung nach waren es die Marsmenschen.«)
  • Wir müssen Hannah Arendts Zitat kennen, wonach Meinungen eigentlich egal sind – wir können uns mit ihnen arrangieren, sie ablehnen, Kompromisse schließen. Aber steht eine Behauptung im Raum, haben wir möglicherweise ein Problem.

Manipulation 2: Populisten verkaufen der Öffentlichkeit Unwahrheiten, Halbwahrheiten und Verdrehungen als gesicherte Erkenntnisse.

Dabei braucht die Demokratie natürlich zutreffende Informationen – wer Lügen für wahr hält, bildet sich eher keine sinnvolle Meinung und trifft auch eher keine klugen Entscheidungen.

Dazu müssen wir u.a. wissen, …

  • was gesicherte Informationen sind,
  • wie sich Informationen sichern lassen,
  • was der Unterschied zwischen Fakt, Behauptung und Annahme ist,
  • wie Andeutungen, subtile Unterstellungen und Scheinfragen funktionieren (»Geschwurbel«),
  • warum Wissenschaft keine Glaubensfrage ist,
  • dass das Prinzip gilt: »Wer behauptet, belegt«,
  • dass die Forderung methodisch unzulässig ist, dass andere das Gegenteil einer unüberprüfbaren Behauptung beweisen (»Prove me wrong«).

Manipulation 3: Populist/-innen nutzen toxische Rhetorik, wie wir sie von Internet-Trollen kennen:

  • Sie missverstehen uns bewusst.
  • Sie werfen uns Dinge vor, die wir nicht gesagt oder getan haben.
  • Sie lenken vom Thema ab und verweigern die sachliche Auseinandersetzung.
  • Sie setzen auf Emotionalisierung und leichte Empörbarkeit.

Hier geht es um eine Liste von rhetorischen Fouls, die wir kennen müssen, um darauf reagieren zu können.

Wer diese Tricks nicht kennt, ist den Populisten schonungslos ausgeliefert und wird im Meinungsstreit unterliegen.

Denn Populisten sind Foulspieler, denen niemand eine rote Karte zeigt. Wer glaubt, als Fairplayer eine Chance gegen Foulspieler zu haben, täuscht sich, wenn es keinen Schiedsrichter gibt. Und aktuell gibt es keinen Schiedsrichter. Aktuell überholt der Populismus die Demokraten wie ein Leichenwagen, dessen Fahrer dem überholten Rettungswagen den Mittelfinger zeigt.

Populisten fälschen Informationen

Und alle müssen verstehen: Populismus überzeugt nicht sachlich. Er ist ein Trickbetrüger und arbeitet mit Methoden wie beim Enkeltrick, beim Phishing oder bei der Kurznachrichtenmasche »Papa, ich habe eine neue Handynummer«.

Populisten sind keine ehrlichen Gesprächspartner. Sie sind Betrüger. Darum brauchen wir im Umgang mit Populisten die gleiche gesunde Skepsis wie beim Einordnen von E-Mails als Betrugsversuche.

Geldfälscher fälschen Geld, Populisten fälschen Informationen.

Daher ist es nahezu unmöglich, Populisten »inhaltlich zu stellen«.

Das Ziel: Destabilisierung durch Angst

Und die Populisten schüren Angst. Wer die Tricks nicht durchschaut, lässt sich radikalisieren und glaubt irgendwann im Ernst, wir lebten in einer Diktatur und Putins Russland sei ein Hort der Freiheit.

Menschen mit Informationskompetenz dagegen fallen darauf nicht herein. Sie bleiben besonnen und lassen sich nicht radikalisieren.

Damit, dass wir unbesonnen sind, rechnen Populisten: Sie setzen auf unsere Verführbarkeit und unseren Mangel an gesunder Skepsis. Sie wollen uns emotional übertölpeln und skizzieren eine fürchterliche Welt, aus der nur noch radikale Wege herausführen.

Und ach ja: Wer informationskompetent ist, kennt das Prinzip der unüberprüfbaren Lüge. Die Populisten behaupten etwas – und weil wir nicht sofort ein Gegenargument finden, halten Menschen ohne Informationskompetenz die Behauptung für wahr. Wer dagegen Informationskompetenz hat, weiß: Ist eine Behauptung nicht überprüfbar, ist sie mit Vorsicht zu genießen.

Für Schlaubis: Sie widerspricht dem Falsifizierbarkeitsgebot Karl Poppers.

Für alle: Deswegen fallen Menschen ohne Informationskompetenz so oft auf Verschwörungsgeschichten rein. Sie glauben etwas, was ihnen einleuchtet und wofür es auf den ersten Blick keine Gegenargumente gibt. Und die Opfer dieser Manipulation merken nicht, dass sie Opfer einer Manipulation sind – stattdessen halten sie sich wie Sektenmitglieder für erleuchtet.

Debattenkompetenz und Sprechfähigkeit steigern

Angesichts der gesellschaftlichen Zerrüttung fühlen sich Vertreter/-innen demokratischer Kräfte derzeit sehr machtlos. Und sie sind auch machtlos, solange sie diese Prinzipien nicht durchschauen.

Dabei können Sie etwas tun: Sie können Ihre Debattenkompetenz steigern und sprechfähig im Umgang mit Populisten werden.

 

Was der Demokratie jetzt hilft:

Demokrat/-innen müssen die Demagogie durchdringen und thematisieren. Sie müssen Wähler/-innen zeigen, dass der Populismus sie für dumm verkauft.

Wer diese Zusammenhänge nicht sehen will, wird auch die nächste Umfrage und die nächste Wahl verlieren.

Für Demokrat/-innen gilt jetzt:

  • Werden Sie schlagfertiger!
  • Haben Sie alle Argumente stets griffbereit!
  • Benennen Sie sofort die hinterhältigen rhetorischen Tricks der Gegenseite!

Die gute Nachricht ist:

Alle diese Inhalte lassen sich vermitteln und verstehen. Es dauert nicht lange und ist auch nicht kompliziert.

Sprechen Sie Thilo Baum für einen Workshop an. Thilo Baum ist Autor der Bücher »Immun gegen Unsinn« und »Krieg gegen die Köpfe« sowie des Arbeitsheftes »Informationskompetenz«. 2025 hat er das Netzwerk der »Infolotsen« gegründet und inzwischen etwa 40 Trainer/-innen ausgebildet, die die Inhalte weitergeben.

Hier finden Sie Informationen zur Infolotsen-Ausbildung.

Sie wollen ins Thema reinschnuppern?

Dann laden Sie sich das Buch »Krieg gegen die Köpfe« hier kostenlos herunter. Der Link oder ein Klick aufs Buchcover führt direkt zum PDF. Sie müssen keine Daten hinterlassen. Das Buch ist frei verfügbar im Netz.

Und wenn Sie Fragen haben, gehen Sie gerne auf Thilo Baum zu.

Sprechen Sie Thilo Baum an!
thilo@thilo-baum.de
+49-2173-1018030

Grafiken: KI; Dialoge: Thilo Baum