Bald kommt ein neues Buch heraus – in Zusammenarbeit mit dem Kollegen Frank Eckert. Es geht um die Frage: Wie funktioniert öffentliche Kommunikation in diesen Zeiten?

Typisch für diese Arbeit sind Szenen wie diese:

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Götz Hamann schrieb im Sommer 2015 in der „Zeit“ eine so unfassbare Jammerstory über den armen Journalismus und seine bösen Kritiker, dass wir Hamanns Rhetorik analysieren müssen.

Hamann geht sehr geschickt vor und wendet das eine oder andere totalitäre Propagandainstrument an – indem er beispielsweise berechtigte Kritik kleiner bringt, sich auf die überzogene und aggressive Kritik konzentriert und damit so tut, als seien weite Teile der Kritik unberechtigt.

Oder Hamann schreibt im Zusammenhang mit der überstürzten Berichterstattung über den Absturz der Germanwings-Maschine in Südfrankreich Ende März 2015: „Dem Impuls folgend, bei einem Großereignis zu tun, was man als Journalist gelernt hat, nämlich schnell zu berichten, schlug die Redaktion die falsche Richtung ein.“ Wovon redet der Mann? Ich war an der Journalistenschule, erst als Schüler, dann als Dozent – und dort gilt die Lehrmeinung, vor allem fundiert zu berichten und nicht schnell.

Erhellend ist auch, wie Hamann die Spaltung der Gesellschaft charakterisiert: „auf der einen Seite diejenigen, die Stabilität und Orientierung wollen. Auf der anderen Seite jene, deren Lust am Skandal unstillbar ist.“ Wen meint Hamann genau? Meint er, die klassischen Medien wollen Stabilität und die Kritiker den Skandal? Vermutlich. Ich sehe es andersherum: Zahlreiche Kritiker vermissen eine Stabilität von einst, und zahlreiche Medien produzieren atemlos eine künstliche Aufregung nach der anderen. Tatsächlich teilt sich die Gesellschaft in die politisch Korrekten bis hin zu radikalen Linken einerseits und in die bürgerlich-traditionellen Konservativen bis hin zu radikalen Rechten andererseits.

Insgesamt ist die Methode: Sämtliche Medienkritiker am besten mit rechten Schreihälsen gleichsetzen und ihnen die Kompetenz absprechen. Konkrete unberechtigte Kritik an Medien detailliert richtigstellen – während falsche Berichterstattung über Politiker oder Medienkritiker in aller Regel unkorrigiert bleibt. Das ist der Zustand des Journalismus heute: getragen vor allem von Arroganz, Selbstgerechtigkeit und der unverfrorenen Bereitschaft zur Demagogie. Uns wundert es überhaupt nicht, wenn die Auflagen sinken.

Herzallerliebst war ja auch, wie die „Zeit“ seinerzeit die Story auf Seite eins anteaserte:

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Die Notiz „süß“ ist von mir, und ich finde es wirklich süß: Arme, unverstandene Medien – wie kommt es nur, dass euch keiner mehr glaubt? Dass der Grund dafür sein könnte, dass ihr seit Jahren das journalistische Handwerk mit Füßen tretet, kommt euch offenbar nicht in den Sinn.

Mal Tatsachenbehauptung von Meinung zu trennen und vor allem zu verstehen, dass die überall zu lesenden Polemiken nicht sachlich sind – schon das ist zu viel verlangt von den Journalisten von heute. Wobei das Publikum zunehmend merkt, wie man es verschaukelt. Was wiederum die Medien nicht merken – der Auflagenschwund liegt einzig an den dummen Leuten da draußen, die mal wieder nichts kapieren. Was die Leser wiederum ziemlich seltsam finden, denn die denken ja, sie hätten es bei Journalisten mit reflektierten Menschen zu tun.

Daher ist Frank Eckerts und mein neues Buch so wichtig: Statt sich weiter zu ideologisieren, sollten Journalisten sich aufs einfache journalistische Handwerk besinnen – uneitel, unarrogant, am Leser orientiert.

Im Augenblick läuft die Arbeit am Buch – wir hoffen, dass wir es demnächst fertigbekommen.