schach

 

Ein analoges Schachspiel (die Älteren werden sich erinnern) für ungefähr 30 Euro – das ist mein erster Last-Minute-Geschenktipp für Weihnachten. Auf dem Foto sehen Sie die Kombination aus einem sogenannten Schachplan, rollbar, und einem passenden Figurenset. Der Schachplan hat eine Feldgröße von 4,5 Zentimeter mal 4,5 Zentimeter (h1 ist ein „Feld“), ist also ordentlich groß, und die dazu passenden Figuren haben eine Königshöhe von 8,9 Zentimetern.

Den Schachplan gibt es bei Amazon für weniger als 10 Euro, die Spielfiguren im Foto sind die preiswerteste Holz-Variante, die ich in dieser Größe gefunden habe, ebenfalls bei Amazon für knapp über 20 Euro (Stand 16. Dezember 2016, keine Gewähr für Verfügbarkeit und Preise). Und noch ein Hinweis für Digital Natives: Die 3-D-Animation bei dieser analogen Variante ist der Hammer, völlig ruckelfrei und authentisch. Es ist nicht mal eine VR-Brille nötig, man braucht weder WLAN noch Strom. Die absolute Innovation!

Eine schöne Idee ist es übrigens, die lokal ansässigen Flüchtlinge mit Schachspielen zu versorgen und ab und zu mal einen Schachnachmittag zu veranstalten. Die Schachregeln sind weltweit dieselben und in zahllosen Kulturen bekannt – und Schach schult das analytische Denken und macht vor allem Spaß. Falls nicht mehr rechtzeitig lieferbar: Schachspiele gibt es auch im Spielwarenhandel. Wichtig beim Kauf ist die erwähnte Kombination aus Feldgröße und Königshöhe.

Wer an den kommenden langen Winterabenden den Stress vermisst, kann natürlich mit Schachuhr spielen, selbstredend ebenfalls analog.

Schach ist ein Klassiker, und ich empfehle Schach, weil dieser Klassiker in Vergessenheit zu geraten droht. Ein Klassiker, den wir nicht so leicht vergessen dürften, ist Nutella – also verschenken Sie doch mal das Fünf-Kilogramm-Glas. Falls Sie sich bei irgendwelchen Kindern einschleimen wollen, sind fünf Kilogramm Nutella das Mittel der Wahl.

Die nächsten Tipps sind Filmtipps. Und natürlich schauen wir Filme nicht bei Youtube an, sondern kaufen DVDs, alleine aus Respekt vor den Künstlern. Meine Filmempfehlungen haben vollständig mit Geschichte beziehungsweise Zeitgeschichte zu tun. Ich versuche mal eine Chronologie:

„Gottes mächtige Dienerin“: Christine Neubauer spielt Schwester Pascalina, die rechte Hand von Eugenio Pacelli, der ab 1917 zunächst apostolischer Nuntius in München und dann in Berlin war, ab 1930 Kardinalstaatssekretär unter Pius XI und ab 2. März 1939 selbst Papst (Pius XII). Die historische Frage um Pius XII ist nach wie vor, weshalb er seine Stimme nicht lauter gegen die Nazis erhob, und dieser Film nähert sich der Frage ebenso an wie die vatikanische Produktion „Pius XII“, in der Christine Neubauer interessanterweise ebenso Schwester Pascalina spielt. In „Gottes mächtige Dienerin“ ist Pascalina allerdings die Hauptfigur, die Geschichte ist aus ihrer Sicht erzählt – aus Sicht der ersten Frau, die im Vatikan wohnen durfte. Ich finde, „Gottes mächtige Dienerin“ zeigt nicht nur, wie Eigensinn zum Erfolg führen kann, sondern es ist auch ein Lehrbeispiel in Sachen Leadership. Historisch lohnt es sich, beide Produktionen miteinander zu vergleichen, selbstverständlich unter Beachtung der historischen Fehler in den Filmen, die in der Wikipedia gut dokumentiert sind – weniger zu „Gottes mächtige Dienerin“ als vielmehr zu „Pius XII“.

„Gelobtes Land“: Die BBC-Produktion ist hierzulande weitgehend unbekannt – nach meinen Informationen lief der Vierteiler bisher nicht im deutschen Fernsehen, sondern nur auf Arte (falls ich mich täuschen sollte, freue ich mich unbedingt auf einen Hinweis, wann „Gelobtes Land“ in Deutschland im Fernsehen war). Ich halte diesen Film für die beste aller mir bekannten Geschichte-Verfilmungen. Es geht um den Exodus der Juden aus Europa nach Palästina nach dem Zweiten Weltkrieg, um das britische Mandat des Völkerbundes dort und zugleich ums heutige Israel und sein Verhältnis zu den Palästinensern. Grandios finde ich, dass die Hauptfigur Erin (Claire Foy) eine naive und geschichtlich unbewanderte britische Studentin ist, die mit aller Arglosigkeit ans Thema herangeht. Sie ist in Israel zu Besuch, weil ihre Freundin Eliza (Perdita Weeks) dort ihren Wehrdienst leistet. Zugleich recherchiert Erin die Geschichte ihres im Sterben liegenden Großvaters, der 1946/1947 als britischer Soldat in Palästina war. Erin dringt bis in den Gaza-Streifen vor. Hier auch unbedingt das Making-of sehen. Ach ja: Mit dabei ist auch Yvonne Catterfeld in einer Rolle, die zu verraten vorher unfair wäre.

„Der Staat gegen Fritz Bauer“: Der großartige Burghart Klaußner spielt den hessischen Generalstaatsanwalt Bauer, der sich auf die Jagd nach dem NS-Verbrecher Adolf Eichmann macht. Wunderbar klar und einfach erzählt.

„Die Spiegel Affäre“ (leider marketingmäßig falsch geschrieben ohne Bindestrich). Wunderbar erzählt – und ganz großartig: Francis Fulton-Smith als Franz Josef Strauß, Alexander Held als Siegfried Buback – in der Handlung noch Staatsanwalt beim Generalbundesanwalt, später dann Generalbundesanwalt und ermordet durch die RAF. Besonders beeindruckend hier: der Atombombenangriff auf München. Großes Rätsel? Film anschauen.

„Der Baader Meinhof Komplex“ (hatte ich es erwähnt? Leider falsch geschrieben mangels Bindestrichen). Macht die Siebzigerjahre greifbar, wunderbare Ausstattung, tolle alte Autos. Moritz Bleibtreu als Andreas Baader in Höchstform, Thomas Thieme als Richter großartig humor- und ironiefrei. Übrigens spielt hier Tom Schilling den Rudi-Dutschke-Attentäter, später vor allem durch „Unsere Mütter, unsere Väter“ bekannt.

„Der blinde Fleck“: Benno Führmann als Journalist vom Bayerischen Rundfunk ist auf der Suche nach den Hintergründen des Bombenanschlags aufs Münchner Oktoberfest 1980 und stößt natürlich auf jede Menge Widerstand. Mit dabei sind die Darsteller beider Münchner „Tatort“-Kommissare, natürlich in anderen Rollen: Miroslaw Nemec spielt den Generalbundesanwalt Kurt Rebmann, Udo Wachtveitl spielt einen Journalisten. Wie nicht anders zu erwarten ganz großartig: Jörg Hartmann in der Rolle eines Opferanwalts. Ein Lehrstück zum Thema, wie manipulierende Presse funktioniert – vielleicht ist das ja auch in heutigen Zeiten für den einen oder anderen interessant.

Keiner dieser Amazon-Links ist mit einem Partnerkonto verknüpft. Ich wünsche viel Freude mit diesen Ideen und frohe Weihnachten!