<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Thilo Baum &#187; Alltagsphilosophie</title>
	<atom:link href="http://www.thilo-baum.de/category/lounge/alltagsphilosophie/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.thilo-baum.de</link>
	<description>Thilo Baum: Klartext-Experte</description>
	<lastBuildDate>Fri, 20 Jan 2012 08:57:51 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.1</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Der meistgelesene Blogeintrag &#8230;</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/der-meistgelesene-blogeintrag/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/der-meistgelesene-blogeintrag/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 07:42:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Buchtipps]]></category>
		<category><![CDATA[Mitdenken]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/der-meistgelesene-blogeintrag/</guid>
		<description><![CDATA[&#8230; in diesem Blog ist der &#8222;Egozentriker&#8220;. Seit Jahren kommentieren dort Opfer von Egozentrikern und auch der eine oder andere (sich selbst so bezeichnende) Egozentriker selbst. Da nun von mir bald ein Buch zu diesem Thema erscheint, erlaube ich mir, meinen dortigen j&#252;ngsten Kommentar hier zu posten:
Die Auseinandersetzung &#252;ber Egozentriker hat mich dazu bewogen, grunds&#228;tzlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; in diesem Blog ist der <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/egozentriker/">&#8222;Egozentriker&#8220;</a>. Seit Jahren kommentieren dort Opfer von Egozentrikern und auch der eine oder andere (sich selbst so bezeichnende) Egozentriker selbst. Da nun von mir bald ein <a href="http://www.thilo-baum.de/publikationen/denk-mit-erfolg-durch-perspektivenwechsel/">Buch zu diesem Thema</a> erscheint, erlaube ich mir, meinen dortigen j&#252;ngsten Kommentar hier zu posten:</p>
<p>Die Auseinandersetzung &#252;ber Egozentriker hat mich dazu bewogen, grunds&#228;tzlich dar&#252;ber nachzudenken, was denn das Gegenteil des Egozentrikers ist. Bisher reden viele von Empathie, also Einf&#252;hlungsverm&#246;gen, aber das war mir immer suspekt. Inzwischen wei&#223; ich, warum: Es ist mir zu &#8222;psychologisch&#8220;. Die F&#228;higkeit, die Perspektive eines anderen Menschen einzunehmen, bedarf keiner Empathie, sondern einer gedanklichen F&#228;higkeit, die man vielleicht Geistesgegenwart nennen kann. Zwei Beispiele:</p>
<p>- Ein Taxifahrer, der laut Musik h&#246;rt, braucht keine Empathie, um zu kapieren, dass er seine Musik leiser drehen sollte, wenn ein Fahrgast zusteigt. Er muss nur pr&#228;sent sein.</p>
<p>- Beim Schach brauche ich keinerlei Einf&#252;hlungsverm&#246;gen, um mich in die Lage meines Gegners zu versetzen und dessen Reaktion auf meinen n&#228;chsten Zug vorauszusehen.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund habe ich versucht, das Thema ein wenig zu entpsychologisieren, und ich habe als Gegenpart zum Egozentriker den &#8222;Mitdenker&#8220; ausgemacht. Mitdenker denken im Sinne der anderen mit, Egozentriker denken nur f&#252;r sich.</p>
<p>Dass wir immer mehr Egozentriker um uns herum haben, sehen wir vor allem an Produkten in der Wirtschaft: mangelnde Usability, Ignoranz der Kundenbelange, unverst&#228;ndliche Kommunikation. Von Egozentrikern gef&#252;hrt, verschwenden Unternehmen jede Menge Energie. Erfolgreicher ist, wer sich in die Lage seines Gegen&#252;bers versetzen und aus dessen Sicht denken und handeln kann.</p>
<p>Also erscheint dazu ein Buch: &#8222;Denk mit! Erfolg durch Perspektivenwechsel&#8220; (STARK Verlag, Fr&#252;hjahr 2012). Vielleicht interessiert es ja den einen oder die andere hier, denn nat&#252;rlich finden sich darin nicht nur Business- und Arbeitsplatz-Beispiele, sondern auch sehr viel von Mensch zu Mensch.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/der-meistgelesene-blogeintrag/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>G&#228;ste, bitte zahlen!</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/die-wunderbare-welt-der-medien/gaeste-bitte-zahlen/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/die-wunderbare-welt-der-medien/gaeste-bitte-zahlen/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 05 Jan 2012 06:42:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Stammtisch]]></category>
		<category><![CDATA[Vermischtes]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/lounge/die-wunderbare-welt-der-medien/gaeste-bitte-zahlen/</guid>
		<description><![CDATA[
Bei uns hier drau&#223;en gibt es ja keine Hotels. Die n&#228;chste M&#246;glichkeit, gegen Bezahlung zu &#252;bernachten, ist etwa sieben Kilometer entfernt. Doch es ist keine Option, nach einem Abend unter Freunden erst einmal auf Wanderschaft durch Nacht und Grausen zu gehen.
Was wir nun wissen: Bettina Schausten vom ZDF bezahlt, wenn sie privat bei Freunden n&#228;chtigt. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><iframe frameborder="0" width="400" height="254" src="http://www.youtube.com/embed/d2IymCuxmjQ" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Bei uns hier drau&#223;en gibt es ja keine Hotels. Die n&#228;chste M&#246;glichkeit, gegen Bezahlung zu &#252;bernachten, ist etwa sieben Kilometer entfernt. Doch es ist keine Option, nach einem Abend unter Freunden erst einmal auf Wanderschaft durch Nacht und Grausen zu gehen.</p>
<p>Was wir nun wissen: Bettina Schausten vom ZDF bezahlt, wenn sie privat bei Freunden n&#228;chtigt. Das hat sie dem Bundespr&#228;sidenten gesagt, als er sie danach fragte. 150 Euro. Schade, dass Frau Schausten uns nicht verraten hat, ob das brutto oder netto ist und ob in den erforderlichen Belegen die Mehrwertsteuers&#228;tze ordentlich getrennt sind: 7 Prozent f&#252;r die &#220;bernachtung, 19 f&#252;rs Fr&#252;hst&#252;ck.</p>
<p>Und die Frage stellt sich: Wenn ein Kollege sie ein paar Kilometer im Auto mitnimmt, zahlt sie dann auch 14,80 Euro? Zahlt sie auf Privatpartys 15 Euro Eintritt und f&#252;r ein Glas Wei&#223;wein 4,50 Euro? Ich sollte Frau Schausten von nun an zu jeder Party einladen. Irgendwelche Zimmer sind hier auf dem Hof immer frei, und 150 Euro pro Nacht sind f&#252;r ein Zimmer im Status 19. Jahrhundert echt gut. Da ist das Fr&#252;hst&#252;ck sogar inklusive.</p>
<p>Es war vermutlich das erste Mal, dass ein Bundespr&#228;sident auf diese Weise im Verh&#246;r stand, und k&#246;nnte man &#8222;ein Amt besch&#228;digen&#8220;, was ich f&#252;r Unfug halte, dann w&#228;re das gestern Abend in ARD und ZDF der Fall gewesen. Eine ZDF-Journalistin fragt den Bundespr&#228;sidenten, ob er nicht bei seinen Freunden 150 Euro pro Nacht lassen k&#246;nnte, wenn er dort &#252;bernachte. Da der Bundespr&#228;sident f&#252;r sich den Anspruch erhebt, ebenso Pers&#246;nlichkeitsrechte und ein Privatleben zu haben wie andere B&#252;rger auch, drehte er den Spie&#223; um, und das war sehr klug. So entlarvte er genau die Bigotterie der Medien, die er kritisierte.</p>
<p>Unabh&#228;ngig von der Frage, ob Christian Wulff Fehler gemacht hat, ob sein &#246;ffentliches Bekenntnis dazu ausreicht und ob er nun gehen oder bleiben sollte, hat diese Geschichte eine sehr unsch&#246;ne Folge: Gute Leute werden noch seltener in die Politik gehen. Kein Mensch will sich so etwas gefallen lassen, auch dann nicht, wenn er Fehler macht.</p>
<p>Eine Merkw&#252;rdigkeit in dieser Aff&#228;re, die mich sehr gewundert hat: Alle Welt tut so, als k&#246;nne sich jemand f&#252;r einen Fehler einfach entschuldigen. Meines Wissens <em>bittet</em> man um Entschuldigung, das jedenfalls ist die rhetorische Wendung. Der Gebetene kann dann stattgeben oder nicht. Eine Konvention sagt, es geh&#246;re sich, einer Bitte um Entschuldigung stattzugeben. Und dann entschuldigt das Opfer den T&#228;ter, nicht der T&#228;ter sich selbst.</p>
<p><a href="http://www.tagesschau.de/inland/wulffinterview114.html">Das gesamte Gespr&#228;ch ist f&#252;r einige Zeit bei der ARD online.</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/die-wunderbare-welt-der-medien/gaeste-bitte-zahlen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Eine Stunde Zeit</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/eine-stunde-zeit/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/eine-stunde-zeit/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 30 Oct 2011 05:59:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/eine-stunde-zeit/</guid>
		<description><![CDATA[Die Medien begleiten die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit meistens mit dem Spruch: &#8222;Morgen k&#246;nnen wir eine Stunde l&#228;nger schlafen.&#8220;
Ganz offenbar ist Schlafen die Lieblingsbesch&#228;ftigung von Journalisten. Warum sonst sagen sie ausgerechnet &#8222;schlafen&#8220;?
&#8222;Morgen&#8220; k&#246;nnen wir auch eine Stunde l&#228;nger arbeiten, schreiben, tanzen, Sport machen, essen, trinken, uns um unser Haustier k&#252;mmern oder um unsere Partnerschaft. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Medien begleiten die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit meistens mit dem Spruch: &#8222;Morgen k&#246;nnen wir eine Stunde l&#228;nger schlafen.&#8220;</p>
<p>Ganz offenbar ist Schlafen die Lieblingsbesch&#228;ftigung von Journalisten. Warum sonst sagen sie ausgerechnet &#8222;schlafen&#8220;?</p>
<p>&#8222;Morgen&#8220; k&#246;nnen wir auch eine Stunde l&#228;nger arbeiten, schreiben, tanzen, Sport machen, essen, trinken, uns um unser Haustier k&#252;mmern oder um unsere Partnerschaft. Wir werden mit dieser scheinbar geschenkten Stunde genau das tun, was wir am liebsten tun.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/eine-stunde-zeit/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Vereine: Bitte nichts bewegen!</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/vereine-bitte-nichts-bewegen/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/vereine-bitte-nichts-bewegen/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 29 Oct 2011 10:31:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Stammtisch]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/vereine-bitte-nichts-bewegen/</guid>
		<description><![CDATA[Ein altes Kloster, Landgasthof, &#220;bernachtung vor Vortrag. Am Morgen im Restaurant beim Fr&#252;hst&#252;ck: neben mir der Vorstand eines e.V. bei seiner Sitzung. Was der Verein macht, wird nicht klar, die Leute befassen sich mit Formalien. „Wie sind denn jetzt die Abl&#228;ufe?“, fragt ein &#228;lterer Herr.
In diesem Moment habe ich eines begriffen: Wir wollen nicht, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein altes Kloster, Landgasthof, &#220;bernachtung vor Vortrag. Am Morgen im Restaurant beim Fr&#252;hst&#252;ck: neben mir der Vorstand eines e.V. bei seiner Sitzung. Was der Verein macht, wird nicht klar, die Leute befassen sich mit Formalien. „Wie sind denn jetzt die Abl&#228;ufe?“, fragt ein &#228;lterer Herr.</p>
<p>In diesem Moment habe ich eines begriffen: Wir wollen nicht, dass das Volk an der politischen Mitbestimmung teil hat und jeder seinen Lobby-Club gr&#252;ndet. Wer schon einmal einen e.V. gegr&#252;ndet hat, wei&#223; das: Das Vereinsrecht ist so kompliziert, dass kaum ein ergebnisorientiert denkender Mensch sich dieses Elend antut.</p>
<p>In der Folge besch&#228;ftigen sich die in Vereinen engagierten B&#252;rger vor allem mit Vorschriften und Abl&#228;ufen. Dadurch ziehen Vereine eben Vereinsmeier an – der Nebentisch hier im Restaurant ist gl&#252;cklich, wenn er Vorschriften entsprechen darf und ein Vorgang „rund“ ist. Bewegen werden solche B&#252;rger nichts.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/vereine-bitte-nichts-bewegen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Alles ist m&#246;glich!</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/alles-ist-moeglich/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/alles-ist-moeglich/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 08 Apr 2011 19:27:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/?p=7900</guid>
		<description><![CDATA[Alles ist m&#246;glich! Rechnen wir mit allem:

In einem westlichen Land platzt ein Atomkraftwerk, weite Landstriche sind verseucht, es gibt Sperrbezirke, Lebensmittel lassen sich nicht mehr essen, und die EU schr&#228;nkt auch den Import von Produkten aus dem Land mit der radioaktiven Kontamination ein.
In Deutschland fordert ein Sandsturm Todesopfer.
In moslemischen L&#228;ndern erobert das Volk die Stra&#223;e [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alles ist m&#246;glich! Rechnen wir mit allem:</p>
<ul>
<li>In einem westlichen Land platzt ein Atomkraftwerk, weite Landstriche sind verseucht, es gibt Sperrbezirke, Lebensmittel lassen sich nicht mehr essen, und die EU schr&#228;nkt auch den Import von Produkten aus dem Land mit der radioaktiven Kontamination ein.</li>
<li>In Deutschland fordert ein Sandsturm Todesopfer.</li>
<li>In moslemischen L&#228;ndern erobert das Volk die Stra&#223;e und lehnt sich gegen seine Herrscher auf.</li>
<li>Die CDU kann in Baden-W&#252;rttemberg keine Regierung bilden, stattdessen wird voraussichtlich ein Gr&#252;ner Ministerpr&#228;sident.</li>
</ul>
<p>Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung, warum manche Menschen so tun, als k&#228;men diese Dinge &#252;berraschend. <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/unvorstellbar-kernkraft-ist-gefaehrlich/">Es mag sein, dass es ihnen einfach an Vorstellungskraft fehlt, wie ich schon mal vermutet habe.</a></p>
<p>Aber vielleicht sind sie auch einfach zu dumm dazu, sich daran zu erinnern, dass es bereits eine ganze Menge unvorhergesehener Ereignisse gab, und zu fantasielos dazu, um daraus zu schlie&#223;en, dass es noch weitere unvorhergesehene Ereignisse geben wird:</p>
<ul>
<li>In der Ukraine ist ein Kernkraftwerk geplatzt.</li>
<li>Die Deutsche Bundespost ist privatisiert.</li>
<li>Die Berliner Mauer ist weg.</li>
<li>Die D-Mark ist abgeschafft, und mir ihr die Drachme, die &#228;lteste W&#228;hrung der Welt.</li>
<li>Polen ist in der EU und in der NATO.</li>
<li>Die Schweiz weicht ihr Bankgeheimnis auf.</li>
<li>Ein Schwarzer ist US-Pr&#228;sident.</li>
<li>Eine Frau ist Bundeskanzlerin.</li>
<li>Ein Schwuler ist Bundesau&#223;enminister.</li>
<li>Banken droht der Bankrott, so dass der Staat sie retten muss.</li>
<li>Die Regierung versucht, Super-Benzin abzuschaffen.</li>
</ul>
<p>Manche dieser Ereignisse sind Folgen der Dummheit der Menschen, andere nicht. Aber warum nur tun so viele Menschen so, als seien all diese Ereignisse  &#220;berraschungen? Weil sie kleinkariert denken. Weil sie nur f&#252;r m&#246;glich halten, was aufgrund ihrer Erfahrungen bereits real war. Fr&#252;her gab es das eben nicht. Dabei ist jedes Ereignis irgendwann mal erstmals der Fall. Auch f&#252;r die Denkmuster unserer Vorv&#228;ter lassen sich in der Geschichte jede Menge Beispiele f&#252;r unvorhergesehene Ereignisse finden, und irgendwie scheint es, als w&#252;rde keine Generation aus den Erfahrungen ihrer Eltern lernen.</p>
<p>Vorurteile sind Ausreden zur Beibehaltung des Status Quo, der Komfortzone.  Nicht anzuerkennen, dass die Welt sich &#228;ndert, und zwar massiver, als wir uns das vorstellen k&#246;nnen, ist ein Sicherheitsmotiv. Vorurteile sind Denkmuster der Dummen, Feigen und Faulen.</p>
<p>Sie sind dumm, weil sie Neues nicht f&#252;r m&#246;glich halten; sie sind feige, weil sie sich nicht trauen, sich ihm zu stellen; sie sind faul, weil sie sich weigern, die Realit&#228;t selbst zu gestalten und das Neue zu bestimmen. Ihre Motive sind Sicherheit, die Angst und die Feigheit, die Ver&#228;nderung f&#252;r m&#246;glich zu halten. Um sie entweder – wenn sie schlecht sind – zu verhindern, oder – wenn sie gut sind, – zu forcieren.</p>
<p>Was wir daraus lernen k&#246;nnen? Dass wir unsere Vorurteile abstreifen sollten. Und endlich alles f&#252;r m&#246;glich halten. Damit uns keine falschen Vorstellungen mehr daran hindern, in M&#246;glichkeiten zu denken statt nur in stupiden Abgleichen unserer bisherigen Erfahrungen mit dem, was wir prognostizieren. Es kann einfach nicht sein, dass Politiker aus allen Wolken fallen, weil sie es echt nicht f&#252;r m&#246;glich hielten, dass ein westliches Atomkraftwerk kaputtgeht. So einen krassen Beweis f&#252;r die Dummheit der Regierenden hatten wir selten.</p>
<p>Was ist der Denkfehler hinter der Annahme, das bisher nicht Dagewesene sei unwahrscheinlich? Unter anderem: Statistik-Missbrauch. Es muss Schluss damit sein, dass wir aus Verteilungen auf Wahrscheinlichkeiten schlie&#223;en. Wenn die R&#252;ckfallquote bei einem bestimmten Delikt 30 Prozent betr&#228;gt, glaubt der Knast-Psychologe, die R&#252;ckfallgefahr des individuellen T&#228;ters betrage ebenfalls 30 Prozent. <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/die-wunderbare-welt-der-medien/schwimmen-zu-10-prozent-toedlich/">Ganz so, als sei die individuelle Gefahr, zu ertrinken, identisch mit dem Nichtschwimmeranteil in der Bev&#246;lkerung.</a></p>
<p>Diese Ideologie, von der Statistik auf das Individuum zu schlie&#223;en, ist einer der grundlegenden Denkfehler unserer Wissenschaftslandschaft. Diesem Denkfehler haben wir es zu verdanken, dass alle Regierungen der Welt es bislang f&#252;r nahezu unm&#246;glich gehalten haben, dass ein Ereignis wie in Fukushima eintritt, und dass diese Regierungen aufgrund ihrer mangelnden Vorstellungskraft jetzt umdenken m&#252;ssen. Vermutlich hat bisher auch niemand mit einem t&#246;dlichen Sandsturm in Deutschland gerechnet.</p>
<p>Also ist die Frage nat&#252;rlich: Was geschieht morgen? Niemand kennt die Antwort. Aber egal, was es ist: Ich will niemanden h&#246;ren, wie er sich angeblich dar&#252;ber wundert. Und darum brauchen wir kreative Menschen statt nur Abgleichs- und Regeldenker, um k&#252;nftig sinnvoll auf die Anforderungen der Realit&#228;t reagieren zu k&#246;nnen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/alles-ist-moeglich/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Unvorstellbar: Kernkraft ist gef&#228;hrlich</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/unvorstellbar-kernkraft-ist-gefaehrlich/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/unvorstellbar-kernkraft-ist-gefaehrlich/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 15 Mar 2011 19:26:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/?p=7630</guid>
		<description><![CDATA[Von Kabarettisten ist sicher die Bemerkung zu h&#246;ren, dass CDU/CSU nach vierzig Jahren erkannt haben, dass Kernkraft gef&#228;hrlich ist. Von Kernkraftgegnern d&#252;rfte mitunter auch ein &#8222;Wir haben es schon immer gewusst&#8220; zu vernehmen sein. Aber das politische Hickhack finde ich im Falle des Reaktorunfalls von Fukushima gar nicht so spannend.
Warum k&#246;nnen sich manche etwas vorstellen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von Kabarettisten ist sicher die Bemerkung zu h&#246;ren, dass CDU/CSU nach vierzig Jahren erkannt haben, dass Kernkraft gef&#228;hrlich ist. Von Kernkraftgegnern d&#252;rfte mitunter auch ein &#8222;Wir haben es schon immer gewusst&#8220; zu vernehmen sein. Aber das politische Hickhack finde ich im Falle des Reaktorunfalls von Fukushima gar nicht so spannend.</p>
<p><strong>Warum k&#246;nnen sich manche etwas vorstellen und andere nicht?</strong></p>
<p>Spannender finde ich die Frage: Warum h&#228;lt der eine Teil der Menschheit ein bestimmtes Geschehen f&#252;r m&#246;glich und der andere nicht? Wie kann es sein, dass angesichts der Katastrophe in Fukushima auch nur irgendjemand aus allen Wolken f&#228;llt und allen Ernstes sagt, er habe einen solchen Reaktorunfall niemals f&#252;r m&#246;glich gehalten?</p>
<p>Eine der &#252;blichen Begr&#252;ndungen daf&#252;r, dass etwas nicht m&#246;glich oder nahezu unm&#246;glich sei, ist der Umstand, dass es dieses Geschehen bislang so oder &#228;hnlich nicht gab. Das klingt absurd, denn danach w&#228;re ja nur m&#246;glich, was bisher schon geschehen war – aber da wohl alles einmal zum ersten Mal geschah, h&#228;tte demnach nichts zum ersten Mal geschehen d&#252;rfen. Alles, was eintritt, war einmal neu.</p>
<p>Und dennoch: Einige Menschen betrachten wirklich nur die Vergangenheit und schlie&#223;en von ihr auf die Zukunft. Sie glauben, die Welt verhalte sich so, wie sie sich bisher verhalten hat. Wenngleich dieses empirische Denken in der Praxis manchmal mit Denkfehlern behaftet ist, <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/die-wunderbare-welt-der-medien/schwimmen-zu-10-prozent-toedlich/">sobald Wissenschaftler von einem Studienergebnis aufs Individuum schlie&#223;en</a>, hat es im Grundsatz zu einem Teil seinen Sinn. Denn die Empirie ber&#252;cksichtigt Erfahrungen. Und Erfahrungen sind wichtig, ebenso wie Daten. Exakt gemessene Erfahrungen und Daten sind aber nur ein Teil dessen, was wir zum Denken brauchen.</p>
<p><strong>Dreistellige Totenzahlen angesichts von Horror-Bildern</strong></p>
<p>Andere Menschen dagegen verf&#252;gen &#252;ber <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/es-lebe-die-vorstellungskraft/">Vorstellungskraft</a>. Sie sehen die Bilder der verw&#252;steten japanischen K&#252;ste, auf denen das Wasser Autos, Boote und H&#228;user zerst&#246;rt, und fragen sich, wie ein Journalist bei Verstand eine nur dreistellige Totenzahl kommunizieren kann, w&#228;hrend diese Bilder laufen. Wer auch nur ein F&#252;nkchen Vorstellungskraft hat, wei&#223;, dass hier Tausende ums Leben kamen, und braucht dazu keine von irgendeiner offiziellen Stelle best&#228;tigte Zahl. Denn die Dimension ist sofort klar. Exakte Zahlen zu fordern, w&#228;re in den ersten Tagen des Geschehens nur absurd, penibel und vor allem unrealistisch. Dass das so ist, erfasst der Mensch mit Vorstellungskraft. Er braucht zur Einordnung keine &#252;bertriebene Pr&#228;zision.</p>
<p>Nur der Mensch ohne Vorstellungskraft scheint offiziell best&#228;tigte  Zahlen zu brauchen, um die Realit&#228;t anzuerkennen. Er befasst sich  beispielsweise jahrelang als Forscher mit der abstrusen Frage, ob  Passivrauchen sch&#228;dlich ist. Obwohl es um Gifte in der Lunge geht und die Antwort klar ist, l&#228;sst er sich durch jede von wem auch  immer finanzierte Studie die Zeit rauben und setzt sich damit  ernsthaft auseinander. Er sieht die Bedeutung nicht und dass man ihn m&#246;glicherweise instrumentalisiert – die Zahlen geben ihm Sicherheit.</p>
<p><strong>Warum gilt als widerlegt, was nicht bewiesen ist?</strong></p>
<p>F&#252;r den Menschen ohne Vorstellungskraft gilt nur, was bewiesen ist – und darum <em>muss immer erst etwas passieren, bis sich etwas &#228;ndert</em>. Der Fachidiot glaubt etwas erst, wenn es geschehen ist. Zu erkennen ist er an der Argumentation &#8222;Bislang gibt es  keine Studie, die belegen w&#252;rde, dass &#8230;&#8220;. Solange nichts passiert ist, verh&#228;lt sich der Fachidiot so, als sei das nicht  Bewiesene widerlegt, und sagt pauschal: &#8222;Westliche Atomkraftwerke sind sicher.&#8220; Beste systemimmanente Begr&#252;ndung: &#8222;Sonst h&#228;tten wir sie l&#228;ngst stilllegen m&#252;ssen.&#8220;</p>
<p>Viele Menschen mit Vorstellungskraft haben sich jahrzehntelang den  Mund fusselig geredet mit ihrer These, auch ein modernes Atomkraftwerk  in einem High-Tech-Land k&#246;nne einen GAU erleben. Es hat aber niemanden der  Entscheider interessiert. Und das entweder wegen des Lobbyeinflusses oder aber auch, weil es im Denken der Entscheider schlicht keine  Referenz gab f&#252;r das skizzierte Szenario und sie es auf naive Weise<em> in der Tat</em> nicht f&#252;r m&#246;glich gehalten haben. Sie haben die Vision mit ihren  Erfahrungen verglichen, keine Entsprechung gefunden und daher stumpf  gesagt: &#8222;Kann nicht sein.&#8220; Im Denken vieler Politiker und Fachleute spielt Vorstellungskraft kaum eine Rolle.</p>
<p><strong>Zwei Denkweisen</strong></p>
<p><a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/es-lebe-die-vorstellungskraft/">Die beiden Denkweisen</a>, um die es hier geht und mit denen sich das Verhalten von Politikern angesichts der Fukushima-Katastrophe m&#246;glicherweise ein wenig erkl&#228;ren l&#228;sst, sind leicht zu differenzieren:</p>
<p><em>Denken in Abgleichen</em> entspricht der konvergenten Intelligenz  nach Malcolm Gladwell: Hier pr&#252;fen wir nur, ob ein Ereignis mit der  Referenz &#252;bereinstimmt, die wir f&#252;r dieses Ereignis in unserem Denken  abgelegt haben. Der perfekte Vertreter dieses Denkens ist der Jurist: Er  pr&#252;ft, ob mein Verhalten mit der Referenz meines Verhaltens im  Gesetzestext konform ist oder nicht. Wenn konform – gut. Wenn nicht – schlecht.</p>
<p><em>Denken in M&#246;glichkeiten oder auch in Sinn-Kategorien</em> dagegen  entspricht der divergenten Intelligenz nach Malcolm Gladwell: Hier ist  intelligent nicht, wer m&#246;glichst schnell auf einer Liste von Ereignissen deren Konformit&#228;t mit einer Regel feststellen kann, sondern  wer die besten Ideen hat, wenn es darum geht, einen spannenden Ausflug  f&#252;rs Unternehmen zu organisieren.</p>
<p><strong>Dem einen f&#228;llt nicht viel ein, der andere gestaltet die Welt</strong></p>
<p>Im Grunde also gibt es zwei Denktypen:</p>
<p>Der eine erkennt nur an, was  nach seinen Ma&#223;st&#228;ben bereits existiert, und der andere h&#228;lt Dinge f&#252;r m&#246;glich. Der eine lehnt als unm&#246;glich ab, was nicht in sein Weltbild  passt, und ihm f&#228;llt auch nicht viel mehr ein als das, was er schon  kennt und wei&#223;. Der andere gestaltet die Welt.</p>
<p>Der eine ist aufgeschmissen, wenn die Routinen versagen, weil er nur auf ablauforientiertes Handeln gebrieft ist und das Bildungssystem ihm so gut wie kein divergentes Denken mitgibt. Der andere f&#228;llt in der Schule durch sein Divergenz-Denken darum unangenehm auf, ist aber realit&#228;tstauglicher, weil er improvisiert, wenn es darauf ankommt, und weil er M&#246;glichkeiten findet, wenn er sie braucht.</p>
<p>Arbeiten beide nun politisch oder journalistisch, h&#228;lt der eine ein  ungew&#246;hnliches Ereignis deswegen nicht f&#252;r m&#246;glich, weil es ein solches  Ereignis bislang nicht gab. Und um diese Einstellung zu festigen, passt  er seine Parameter so an, dass sie sein bisheriges Weltbild festigen und  ihn somit best&#228;tigen. Der andere  dagegen h&#228;lt unabh&#228;ngig von Statistiken und Berechnungen von  Wahrscheinlichkeiten Dinge generell f&#252;r m&#246;glich. Ihm geht es <a href="../../lounge/business/sache-oder-bedeutung/">um die Bedeutung eines Ereignisses und um seine Einordnung</a>.</p>
<p><strong>Ohne Vorstellungskraft keine Vorstellung von Vorstellungskraft</strong></p>
<p>In Sachen Atomkraft sagt der Konvergenzdenker: &#8222;In Deutschland gibt es keine so schlimmen Erdbeben wie in Japan!&#8220; Der Divergenzdenker dagegen fragt: &#8222;Auf welche Weisen k&#246;nnte sich das K&#252;hlsystem eines Reaktors st&#246;ren lassen?&#8220; Die Idee eines Anschlags per entf&#252;hrter Passagiermaschine kommentiert der Konvergenzdenker mit dem Einwand: &#8222;Auf Milit&#228;rjets sind einige Reaktoren ausgelegt, wir haben auch Nebelmaschinen gebaut, die den Anflug erschweren.&#8220; Der Divergenzdenker wundert sich, dass der Konvergenzdenker das offenbar ernst meint, und sagt: &#8222;Wenn ich einen Anschlag plane, werde ich einen Weg finden, dass der Anschlag gelingt.&#8220;</p>
<p>Diese Herangehensweise ist dem Konvergenzdenker mangels Kreativit&#228;t und Vorstellungskraft fremd. Er kann es sich einfach nicht vorstellen, dass jemand in M&#246;glichkeiten denkt statt nur in Entsprechungen. Wie auch, ohne Vorstellungskraft?</p>
<p>Eben wegen des Mangels an Vorstellungskraft ist es dem Konvergenzdenker nicht m&#246;glich, in Erw&#228;gung zu ziehen, dass andere Menschen durchaus Kreativit&#228;t und Vorstellungskraft haben. Ohne Vorstellungskraft kann man sich nun mal nicht vorstellen, dass jemand anderes Vorstellungskraft besitzt. Daher bezeichnet der Konvergenzdenker die Argumente des Divergenzdenkers als Spinnerei.</p>
<p>Letztlich hilft das Schubladendenken des Konvergenzdenkers somit jedem Terroristen – und wir k&#246;nnen nur hoffen, dass Terroristen nur deswegen noch keinen ordentlichen Anschlag in Deutschland hinbekommen haben, weil es ihnen an divergentem Denken mangelt.</p>
<p><strong>Hinterfragen wir das regelorientierte Ablaufdenken!</strong></p>
<p>Nun &#228;ndern die Ereignisse im Kernkraftwerk Fukushima m&#246;glicherweise zaghaft die Dominanz des konvergenten Denkens in unserer Gesellschaft. Die bisherigen Kernkraft-Bef&#252;rworter &#246;ffnen sich dem divergent gedachten Argument &#8222;Wenn ich einen Anschlag plane, werde ich einen Weg finden, dass er gelingt&#8220;. Das ist neu, und das h&#228;tte ich den Protagonisten bis vor kurzem nicht zugetraut. Haben sie pl&#246;tzlich Vorstellungsverm&#246;gen durch die Ereignisse in Japan? Oder war Japan nur das f&#252;r Konvergenz-Denker n&#246;tige Referenz-Ereignis?</p>
<p>Ich habe Hoffnung. Was wir derzeit erleben, k&#246;nnte ein Paradigmenwechsel sein: weg vom Denken in Abgleichen hin zum Denken in M&#246;glichkeiten. Das ist nicht bei denen n&#246;tig, die bisher schon Vorstellungskraft hatten – die haben da kein Defizit aufzuf&#252;llen. Aber bei denen, denen die Vorstellungskraft bisher fremd war, ist es n&#246;tig und – wenn man sich die Fernseh-O-T&#246;ne ansieht – vielleicht sogar eine Frage echter Einsicht und nicht nur Wahlkampfged&#246;ns. Den Ausgewechselten ist jegliche Form von Vorstellungskraft offenbar so fremd, dass sie angesichts der Ereignisse in Japan v&#246;llig &#252;berrascht sind. Sie stellen ihre &#220;berraschung v&#246;llig arglos im Fernsehen dar und belegen damit ihren Mangel an Vorstellungskraft.</p>
<p>Ein solcher Paradigmenwechsel w&#228;re genial. Wenn sich nun tats&#228;chlich weite Teile der Politik vom Denken in Abgleichen l&#246;sen und sich dem Denken in M&#246;glichkeiten zuwenden, w&#228;re ich positiv &#252;berrascht. Denn dann k&#246;nnten wir m&#246;glicherweise das weit verbreitete konvergente Denken in unserer Gesellschaft generell hinterfragen. Wir k&#246;nnten – ebenso wie wir jetzt die Kernenergie neu thematisieren – dar&#252;ber sprechen, inwieweit wir uns bisher M&#246;glichkeiten versagen, indem in unserer Gesellschaft so viele regelorientierte Fachleute den Ton angeben statt Menschen mit Vorstellungskraft. Und wie wir es anstellen, dass das sinnorientierte Denken in M&#246;glichkeiten Vorrang bekommt vom reinen Regelabgleich.</p>
<p>Vielleicht haben wir in der Tat dadurch irgendwann eine Welt, in der der Sinn etwas z&#228;hlt.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/unvorstellbar-kernkraft-ist-gefaehrlich/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Praxis und Handwerk!</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/praxis-und-handwerk/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/praxis-und-handwerk/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 20 Jan 2011 14:23:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Business]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/?p=7192</guid>
		<description><![CDATA[Das Seminargesch&#228;ft ist ja nett und h&#252;bsch – eine Menge Leute verdienen ihr Geld damit, indem sie ihrem Publikum abstraktes Zeug erz&#228;hlen. Zeug, das sie gelernt haben und f&#252;r richtig halten. Klingt zun&#228;chst normal und plausibel, allerdings unterschl&#228;gt der Ansatz den Gedanken, dass nicht unbedingt das gelernte Korrekte wichtig ist, sondern m&#246;glicherweise viel mehr das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Seminargesch&#228;ft ist ja nett und h&#252;bsch – eine Menge Leute verdienen ihr Geld damit, indem sie ihrem Publikum abstraktes Zeug erz&#228;hlen. Zeug, das sie gelernt haben und f&#252;r richtig halten. Klingt zun&#228;chst normal und plausibel, allerdings unterschl&#228;gt der Ansatz den Gedanken, dass nicht unbedingt das gelernte Korrekte wichtig ist, sondern m&#246;glicherweise viel mehr das erfahrene Praktikable.</p>
<p>Was eine notwendige Folge immer schnellerer Entwicklungen und dichterer Informationen ist: Die Menschen wollen dieses theoretische Rauschen nicht mehr. Sie wollen keine Studien mehr, keine langweiligen Statistiken mehr, keine &#220;bersichtsdaten mehr. Sie wollen Handwerk.</p>
<p>Handwerk bedeutet die Antworten auf die Fragen: Wie geht etwas? Was brauche ich dazu? Was kostet es? Welche Schritte sind dazu konkret in meinem Fall n&#246;tig? Mit welcher Perspektive und in welcher Frist erreiche ich damit welches Ziel? Ganz egal, ob klassische Unternehmenskommunikation oder eine Strategie im Web 2.0: Die Frage ist, wie etwas funktioniert.</p>
<p>Nun sind wir meist anders sozialisiert – wir denken, akademische Bildung sei die einzige Form von Bildung. Was bedeutet, dass unser halbes Bildungssystem an der Realit&#228;t vorbeirennt: Eine Seminarteilnehmerin bittet mich, an ihrer Fachhochschule ein Blockseminar zu Klartext zu machen, weil die Studenten dort nicht lernen, sich verst&#228;ndlich auszudr&#252;cken, sondern nur, sich wissenschaftlich korrekt auszudr&#252;cken. &#8222;Im Marketing bringt das nichts&#8220;, lautet ihr vernichtendes Urteil.</p>
<p>Viele Seminare verschwenden ihre Zeit mit &#220;berblicken: Soundso viele Leute sind bei Facebook, Twitter ist so und so gewachsen, soundso viele Videos landen pro Minute in Youtube – w&#228;hrend das Publikum wartet, wie es denn nun konkret handeln soll. Die Zahlen kann jeder nachschlagen, der sich f&#252;r Zahlen interessiert. Wie man die Plattformen bedient, ist die Frage, die die Menschen interessiert.</p>
<p>Unser traditioneller Fokus auf das akademische Denken als das einzig Wahre bewirkt, dass wir st&#228;ndig die Themen verfehlen: Statt &#252;ber das Rauchen sprechen weite Teile des wissenschaftlichen Establishments &#252;ber die Folgen des Rauchens. Statt Best-Practice-Ans&#228;tze zum Schlanksein anzubieten, erkennt ein Arzt bei &#8222;Maischberger&#8220; nur an, was in Studien publiziert ist. Vermutlich schenkt er seiner Frau nie Blumen, weil er keine seri&#246;se Studie kennt, die beweisen w&#252;rde, dass Blumen Frauen gl&#252;cklich machen.</p>
<p>Und deshalb haben wir derzeit eine Goldgr&#228;berstimmung f&#252;r <em>Hard Facts</em>. Wem es gelingt, die Theorie zu verlassen und anwendbares Wissen zu vermitteln, gewinnt die Menschen. Nicht nur in der Unternehmenskommunikation, in der viele derzeit einen Hype des Hippen erzeugen, ohne zu ber&#252;cksichtigen, dass letzten Endes die Botschaft, ihr Ziel und der Nutzen f&#252;r die Menschen z&#228;hlen. Sondern es funktioniert vermutlich in vielen anderen Bereichen auch. Die Konkurrenz schl&#228;ft dabei weitestgehend, denn fast &#252;berall h&#246;ren wir nur Larifari-Zeug. Warum? Wir haben den Blick f&#252;r die einfachen Dinge verloren, die zugleich gro&#223; sind, weil wir uns verk&#252;nsteln und wissenschaftlich perfekt sein wollen.</p>
<p>Wer mit dieser Tradition bricht und die wichtigen Dinge bringt, d&#252;rfte damit vermutlich Erfolg haben.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/praxis-und-handwerk/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Es gibt keine perfekten Systeme</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/es-gibt-keine-perfekten-systeme/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/es-gibt-keine-perfekten-systeme/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 25 Dec 2010 10:20:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Stammtisch]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/?p=7016</guid>
		<description><![CDATA[&#8230; au&#223;er jenem, das der Fehler als entscheidendes Merkmal ausmacht. Ebenfalls eine gewisse Perfektion haben die Denksysteme mancher Leute, die beharrlich versuchen, perfekte Systeme zu schaffen und auf ihnen zu bestehen. Der Irrglaube an die fehlerlose Perfektion wirkt in den Gehirnen mancher Menschen perfekt.
In Systemen wie Bahn- und Flugverkehr scheinen Menschen zu arbeiten, die nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; au&#223;er jenem, das der Fehler als entscheidendes Merkmal ausmacht. Ebenfalls eine gewisse Perfektion haben die Denksysteme mancher Leute, die beharrlich versuchen, perfekte Systeme zu schaffen und auf ihnen zu bestehen. Der Irrglaube an die fehlerlose Perfektion wirkt in den Gehirnen mancher Menschen perfekt.</p>
<p>In Systemen wie Bahn- und Flugverkehr scheinen Menschen zu arbeiten, die nur unter Optimalbedingungen einen guten Job machen k&#246;nnen. Sobald der Laden l&#228;uft, f&#228;llt es ihnen leicht, gem&#228;&#223; ihren Routinen zu arbeiten. Doch sobald Einfl&#252;sse von au&#223;en die Routinen st&#246;ren, und sei es nur Schnee, f&#228;llt ihnen nichts mehr ein. Und das, obwohl sie f&#252;r diesen Fall eine Routine vorsehen und diese in zahllosen &#220;bungen ge&#252;bt haben. Doch angesichts der Realit&#228;t sind sie hilflos. Was sich vor allem in mangelnder Kommunikation zeigt, &#252;ber die festsitzende Passagiere auf Bahnh&#246;fen und Flugh&#228;fen klagen.</p>
<p><strong>Wie k&#246;nnen komplexe Systeme perfekt sein?</strong></p>
<p>Mich erinnert das Geschehen im Reiseverkehr bei Schnee – wie vieles, was mit Fehlern und einem Anspruch an Perfektion zu tun hat – an die IT-Industrie. Der Menschenschlag dort geht &#252;berwiegend davon aus, beliebig viele Faktoren, Parameter und Bedingungen lie&#223;en sich beliebig kompliziert miteinander verbinden, und sofern das Detail fehlerfrei sei, m&#252;sse auch das Gesamte funktionieren. Dass dem nicht so ist, wei&#223; jeder, der mit IT-Produkten zu tun hat: So mancher klagt &#252;ber ein superschickes Smartphone mit zahlreichen Features, das nur leider nicht mehr zum Telefonieren taugt, weil es Empfangsprobleme hat. Vor lauter Konzentration auf die Perfektion von Nebensachen &#252;bersehen wir das Wichtige. Die Hilflosigkeit der Verfechter solcher Systeme erleben wir dann an der Hotline. Wie auch k&#246;nnen komplexe Systeme perfekt sein? Je komplexer, desto entfernter ist das Einfache, und die Chance zur Perfektion schwindet.</p>
<p>Ein Navigationssystem in einem Auto, das f&#252;r jede Stadt Europas eine ganze Menge Geldautomaten, Postfilialen und Polizeidienststellen auflistet, aber bei der Suche &#8222;in der N&#228;he des Autos&#8220; nichts davon zeigt, obwohl Hotels und andere Features problemlos bei beiden Arten der Suche auftauchen – und vor allem ein Autohaus und ein Hersteller, die dieses Problem nicht l&#246;sen k&#246;nnen. Noch nie etwas davon geh&#246;rt, nicht nachvollziehbar, als probierten sie ihre eigenen Produkte nicht aus. Ein Auto, das gem&#228;&#223; Kilometerz&#228;hler und Tankquittung deutlich mehr Sprit verbraucht als laut &#8222;Fehlerauslese&#8220; in der Vertragswerkstatt – und vor allem Mitarbeiter, die ihrem offenbar fehlprogrammierten System mehr glauben als dem Kilometerz&#228;hler und den Tankquittungen. Darin besteht das Elend. Die oft kritisierte Ignoranz von Unternehmen gegen&#252;ber Kunden ist oft in Wirklichkeit verblendeter Glaube an Theorie und vor allem Ignoranz der konkreten Realit&#228;t.</p>
<p>So ist beispielsweise der Bahnsteig eines bestimmten Bahnhofes laut Datenbank in Ordnung, laut Realit&#228;t aber nicht: &#8222;Ein Kollege hat bei fr&#252;heren Fahrten in Berichten an seinen zust&#228;ndigen Fachreferenten auf diesen beileibe nicht einmaligen Missstand hingewiesen&#8220;, hei&#223;t es in einem <a href="http://www.welt.de/wirtschaft/article11817478/Es-ist-ein-Wunder-dass-ueberhaupt-was-faehrt.html">Bericht in der &#8222;Welt&#8220; &#252;ber das Versagen der Deutschen Bahn</a>, der zeigt, dass Menschen der grauen Theorie oft lieber glauben als der Wirklichkeit. &#8222;Der Hinweis wurde abgeschmettert, weil in der DB-Bahnsteigdatenbank steht, in Bullay seien alle Bahnsteige so hoch und lang, dass sogar ICE-Z&#252;ge bequem dranpassen. Die Realit&#228;t kann jeder sehen, der das will. Auf die Frage des Kollegen, was der Eisenbahnbetriebsleiter zu diesen Zust&#228;nden wohl sagt, wurde ihm erkl&#228;rt, man solle ,keine schlafenden Hunde wecken‘.“</p>
<p>Es sind nur wenige Beispiele f&#252;r das Versagen des Menschen, der nur glaubt, was er m&#246;glichst kompliziert abstrahiert hat, statt einfach die konkrete Realit&#228;t zu betrachten. Dieser &#228;u&#223;erst dumme Mensch predigt perfekte Systeme, die dann nicht halten, was sie versprechen. De facto herrscht dieses fatale wirre Denken nahezu &#252;berall, wo der Glaube ans System die Realit&#228;t ignoriert. Genau dieser Typus Fachidiot, meist hochgebildet und intelligent, bringt uns mit seiner Dummheit in Gefahr.</p>
<p>Und so ignorieren auch wir Normalmenschen gerne das Konkrete und abstrahieren stattdessen umst&#228;ndlich, und wir akzeptieren, dass dieses Denken uns regiert, weil wir glauben, es sei normal: Das gesamte Rechtssystem scheint darauf zu beruhen, dass wir greifbare Dinge abstrahieren und in einer abstrusen Fachsprache verschriftlichen, statt gleich dar&#252;ber zu befinden. Nur was aktenkundig ist, gilt, und dazu bedarf es genau der Abstraktion, die uns von der Realit&#228;t entfernt. Irrt sich ein Gericht, kann es seine Fehlentscheidung nicht einfach aufheben – erst bedarf es erneut der Ochsentour einer weiteren Abstraktion. Wir haben uns offenbar damit abgefunden, dass die Theorie und das Abstrakte schwerer wiegen als die Praxis und das Konkrete. Horden von Akademikern sind davon &#252;berzeugt, nur das ersch&#246;pfend Diskutierte sei Realit&#228;t. Solange es keine Studien dazu gibt, dass drau&#223;en Schnee liegt, liegt drau&#223;en kein Schnee.</p>
<p><strong>Der intelligente Dummkopf denkt nur in Bahnen</strong></p>
<p>Das Ph&#228;nomen bei den Protagonisten der perfekten theoretischen Systeme: Ihnen selbst scheint an ihrem Tun nichts aufzufallen. Sie denken ausschlie&#223;lich in Schienen und Bahnen. Ihr Handlungskonzept f&#252;rs Leben gleicht einem Flussdiagramm. Und tritt eine au&#223;ergew&#246;hnliche Situation ein, sind sie v&#246;llig aufgeschmissen und ohnm&#228;chtig. Ihr auf Routinen geeichtes Gehirn dreht hohl wie ein aufgeh&#228;ngtes Computerspiel. Dass diesen Menschen etwas Entscheidendes fehlt, erkennen sie ganz offenkundig nicht. Und wir als Gesellschaft spielen dieses absurde Spiel bereitwillig mit, weil man uns beigebracht hat, auf Spezialisten und Fachleute zu h&#246;ren, und weil man es uns aberzogen hat, die Relevanz des Konkreten zu erkennen und auf ihrer Basis Entscheidungen zu treffen.</p>
<p>Unser Anspruch an perfekte Systeme raubt uns mit der Zeit die F&#228;higkeit zu leben. Wer kann heute noch sein Auto selbst reparieren? Wir sind abh&#228;ngig geworden von einer Infrastruktur, die uns eigentlich helfen soll. Statt zu mehr Freiheit durch Infrastruktur zu gelangen, haben wir uns zu ihren Sklaven gemacht. Das k&#246;nnte uns bald auf die F&#252;&#223;e fallen – in einem Krieg, bei einer Naturkatastrophe. Der moderne Mensch ist passiv geworden, faul, lethargisch. Er verl&#228;sst sich auf die Systeme. Darauf, dass er im Supermarkt etwas zu essen und an der Tankstelle Kraftstoff bekommt. F&#228;llt ein System aus, lehnt sich der moderne Mensch zur&#252;ck und verweist auf den Systemausfall: Was soll man schon tun? Das Individuum kann doch nichts daf&#252;r, daran sind andere schuld. Diese Passivit&#228;t haben wir &#252;berall: Die Menschen erwarten, dass man ihnen Jobs und Geld gibt, statt dass sie selbst aktiv werden. Wir benehmen uns in unserem eigenen Leben wie Hotelg&#228;ste, obwohl es doch letztlich unser Hotel ist.</p>
<p><strong>Die konkrete Realit&#228;t sp&#252;ren</strong></p>
<p>Das Leben auf dem Land kann einen ein wenig daf&#252;r sensibilisieren, dass wir unterm Strich in einer Natur leben, die ihre Spielchen mit uns spielt. Hier l&#228;sst sich die Realit&#228;t konkret sp&#252;ren, und hier z&#228;hlt weniger, was Theoretiker sagen, weil sie es gelernt haben. Es bringt nichts, wenn die Stromversorgung nur theoretisch funktioniert, und Stromausf&#228;lle sind hier h&#228;ufiger als in der Stadt. Auch Schnee zu schippen, w&#228;hrend es nachschneit, verweist einen auf das mitunter sisyphoshafte Dasein.</p>
<p>Sinkt die Temperatur von minus 1 Grad Celsius auf minus 8 Grad Celsius, gen&#252;gt es nicht, den Thermostaten weiter auf plus 21 Grad Celsius stehen zu lassen, sondern wir m&#252;ssen mehr heizen. Schon der Gedanke, sich auf ein theoretisches System zu verlassen, sei es eine Heizungselektronik oder der Paketdienst p&#252;nktlich zu Weihnachten bei Glatteis und Schneegest&#246;ber, ist hier fremd. Nat&#252;rlich schaut man, dass die Systeme m&#246;glichst gut sind, aber wenn sie doch ausfallen, sind die Folgen sehr schnell sehr klar sp&#252;rbar.</p>
<p>Unter &#8222;Vollkaskogesellschaft&#8220; verstehen Kritiker eben diese Haltung, bei der wir uns nach allen Seiten hin abgesichert w&#228;hnen, obwohl diese Sicherheit ein tr&#252;gerisches Phantom ist. Vielleicht ist es wirklich einmal an der Zeit, dass wir anerkennen, dass eine Flugreise eben doch eine Flugreise ist und eine Bahnreise eben doch eine Bahnreise. Funktionieren die Systeme, fliegen wir mal eben von Berlin nach Rom und erwarten, dass die Reise so einfach wird wie der Gang zum B&#228;cker um die Ecke. Wir sind verw&#246;hnt. Wir sind so verw&#246;hnt, dass Flugg&#228;ste bei einem Notfall die Schuhe ausziehen m&#252;ssen, bevor sie &#252;ber die Notrutsche das Flugzeug verlassen, wobei es mitunter sehr l&#228;stig sein kann, sich in der Wildnis ohne Schuhe durchzuschlagen. Aber das interessiert eben niemanden von den Systemmachern, weil die eben zu kurz denken. Die so genannten &#8222;Sicherheitsbestimmungen&#8220; resultieren nun einmal aus dem sehr begrenzten Denken der Routine-Denker, die glauben, alles systematisieren und kontrollieren zu k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Die Perfektionisten gef&#228;hrden unser Dasein</strong></p>
<p>Unsere Systeme sind hochkomplex geworden. Und der Irrglaube ihrer Entwickler an Perfektion gef&#228;hrdet uns hochgradig. Als litten diese Leute nicht selbst st&#228;ndig unter Computerfehlern, als w&#252;rden nicht Freunde und Verwandte ebenso &#252;ber inkompetente IT- und TK-Hotliner klagen, halten die Verfechter der Perfektion unerbittlich an ihrer L&#252;ge fest, mit ihren Systemen das Unerwartbare ausschlie&#223;en zu k&#246;nnen, nur weil es ihnen an Vorstellungsverm&#246;gen f&#252;r das Unerwartbare mangelt. Mir selbst ist es ein R&#228;tsel, wie diese Leute die einfachen Dinge in ihrem Leben erledigen. Ist es f&#252;r sie denkbar, ohne vorherige Studie und ohne Flussdiagramm f&#252;r die Routine Kaffee zu kochen, die alle theoretisch denkbaren Eventualit&#228;ten ber&#252;cksichtigt? Woher kommt der Kontrollwahn? Mir scheint er in vielerlei Hinsicht psychopathologisch, und ich sehe es nicht ein, dass wir als Gesellschaft unter den Pers&#246;nlichkeitsproblemen Einzelner leiden sollten, die sich in bestimmten Organisationen bevorzugt tummeln.</p>
<p>Wieder jedenfalls haben wir das Ph&#228;nomen, dass wir einen anderen Typ von Denker brauchen, wenn es um unsere Systeme geht. Wieder k&#246;nnte die L&#246;sung – <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/machdeinding/weg-mit-den-wissenschaftsbuerokraten/">ebenso wie beim Schulsystem</a> – darin liegen, dass wir <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/die-dummen-intelligenten/">divergente Denker statt nur konvergente</a> brauchen. Menschen mit Empathie und Vorstellungskraft, mit Weitsicht und der F&#228;higkeit zum Perspektivenwechsel, statt nur Fachidioten mit einem v&#246;llig irrationalen Wahn technischer Perfektion. Wir sollten anerkennen, dass das theoretische und akademische Denken nur ein Bruchteil dessen darstellt, was Denken an sich ausmacht, ebenso wie wir anerkennen sollten, das juristisches Denken nur eine Variante dessen darstellt, was Denken an sich ausmacht. Beides ist wichtig, der hochspezialisierte Ingenieur ebenso wie der Spitzenjurist, aber sie sind Vertreter von Nischen. Diese Denkweisen sind Minderheiten, die gleichwohl &#252;ber uns herrschen. Einmal festgelegt, gilt eine Regel unumst&#246;&#223;lich, so sinnlos sie auch sein mag. Warum? <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/business/sinn-oder-regeln/">Weil uns Regeln wichtiger sind als Sinn</a>.</p>
<p><strong>Platz f&#252;r Sinn!</strong></p>
<p>Das Gl&#252;hbirnenverbot ist eines der deutlichsten Beispiele: Erst umst&#228;ndlich festgelegt und wider alle Vernunft durchgepaukt, als Vorschrift wichtigtuerisch und mit allen Konsequenzen auf die Menschen losgelassen, und <a href="http://www.tlz.de/web/zgt/klar/detail/-/specific/EU-Politiker-wollen-Verbot-von-Gluehbirnen-aussetzen-436240891">jetzt schwant sogar EU-B&#252;rokraten, dass sie Unsinn beschlossen haben</a>. Wie viel Zeit, Energie, Geld, Raum f&#252;r Wichtigeres w&#252;rden wir gewinnen, wenn eine Sinn-Instanz das Treiben entfesselter B&#252;rokraten rechtzeitig stoppen w&#252;rde? Wir h&#228;tten endlich die Chance, die wirklich wichtigen Probleme anzugehen, die wir zweifelsohne haben. Dazu m&#252;ssen wir den B&#252;rokraten aber die Herrschaft &#252;ber unser Leben entrei&#223;en und d&#252;rfen die EU nicht l&#228;nger als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zwanghafte_Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung">Therapieplatz f&#252;r Kontrollfreaks</a> missbrauchen, deren h&#246;chstes Gl&#252;ck in der absoluten Durchorganisation aller Lebensbereiche liegt, nur weil das Unkontrollierte und Unkontrollierbare nicht in ihr Weltbild passt. Beh&#246;rden sollten frei sein von jeder Art entfesselten Kontrollwahns, sie sollten stattdessen den Menschen das Leben erleichtern. Dazu geh&#246;rt es, dass dort Menschen arbeiten, die keine Symptome von Kontrollfreaks zeigen Marke <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zwanghafte_Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung">&#8222;besch&#228;ftigt sich &#252;berm&#228;&#223;ig mit Details, Regeln, Listen, Ordnung,  Organisation oder Pl&#228;nen, sodass der wesentliche Gesichtspunkt der  Aktivit&#228;t dabei verloren geht&#8220;</a>.</p>
<p>Um das Leben wirklich zu vereinfachen, sollten wir darum unseren geistigen Horizont jenen &#246;ffnen, die &#252;ber aller Theorie und allen Regeln den Sinn erkennen. Wir sollten st&#228;ndig pr&#252;fen, ob unsere Routinen noch irgendetwas mit dem Konkreten und dem Realen in unserer Welt zu tun haben. Dabei kommen wir nicht umhin, die Denkmuster unter die Lupe zu nehmen, die in ma&#223;geblichen Organisationen herrschen, und sie n&#246;tigenfalls zu hinterfragen oder auch zu &#228;ndern.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/es-gibt-keine-perfekten-systeme/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Schade, Brand eins!</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/schade-brand-eins/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/schade-brand-eins/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 01 Dec 2010 20:27:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Mach dein Ding!]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/?p=6970</guid>
		<description><![CDATA[Haben Kinder aus armen Familien wirklich schlechtere Chancen als Kinder aus reichen Familien? Wenn man sie z&#228;hlt und misst, kommt das vielleicht raus. Aber na und? Was interessiert das Individuum die Statistik? Mich interessiert doch auch nicht, wie andere rothaarige methodistisch aufgewachsene Schwaben aus Arbeitnehmerhaushalten leben, die Klavier spielen. Denn ich wei&#223;, dass deren Leben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Haben Kinder aus armen Familien wirklich schlechtere Chancen als Kinder aus reichen Familien? Wenn man sie z&#228;hlt und misst, kommt das vielleicht raus. Aber na und? Was interessiert das Individuum die Statistik? Mich interessiert doch auch nicht, wie andere rothaarige methodistisch aufgewachsene Schwaben aus Arbeitnehmerhaushalten leben, die Klavier spielen. Denn ich wei&#223;, dass deren Leben f&#252;r mich keine Rolle spielt – ich bestimme selbst, was ich mache und wie ich lebe. Also denke ich auch bei den armen Kindern und bei jeder anderen sozialen Gruppe: Es kommt aufs individuelle Handeln an.</p>
<p>In der Geschichte &#8222;Ein Nachteil ist kein Defizit&#8220; in der &#8222;Brand eins&#8220; (12/2010, Seite 116) nimmt sich der Psychologe Amedeo D&#8216;Angiulli die Gehirnaktivit&#228;ten armer Kinder vor. Ein v&#246;llig sinnloses akademisches Unterfangen. Und wie es zu erwarten war, kommt der Punkt, der uns akademisch verbl&#246;det, wenn wir das Zeug glauben, gleich am Anfang:</p>
<p><em>&#8222;Es ist in den Neurowissenschaften bereits in den neunziger Jahren nachgewiesen worden, dass Armut die Physiologie und Funktion des Gehirns ver&#228;ndert&#8220;, sagt D&#8216;Angiulli.</em></p>
<p><strong>Kaum wird jemand arm, m&#252;sste er dumm werden</strong></p>
<p>Seltsam. So formuliert, m&#252;sste jemand, der infolge eines Unfalls unterversichert seine Erwerbsgrundlage verliert und verarmt, ruckzuck sein Gehirn &#228;ndern. Das soll wissenschaftlich erwiesen sein? Glaube ich nicht. Der Fehler ist schnell ausgemacht. D&#8216;Angiulli sagt:</p>
<p><em>&#8222;&#220;ber das Messen der Hirnstr&#246;me erkennen wir, dass Kinder aus armen Verh&#228;ltnissen relevanten wie irrelevanten Informationen zun&#228;chst die gleiche Aufmerksamkeit beimessen und dann entscheiden. Kinder aus der Mittelschicht hingegen blenden Irrelevantes bereits vor der Entscheidung regelrecht aus. Sie sind ungemein effizient und schnell. Arme Kinder kommen zwar meist zu ebenfalls richtigen L&#246;sungen, allerdings langsamer und &#252;ber Umwege, vor allem aber unter gr&#246;&#223;erer Anstrengung.&#8220;</em></p>
<p>Ich kann mir also gut vorstellen, dass man wie D&#8216;Angiulli die Gehirnaktivit&#228;ten armer und reicher Kinder vergleicht und auf Unterschiede st&#246;&#223;t. Und ich kann mir auch vorstellen, dass solche Forschungen eine passende Therapie f&#252;r Zahlen-Daten-Fakten-Fetischisten sind und viel Geld kosten, das letztlich aus der Tasche des Steuerzahlers kommt. Aber ist die Folgerung richtig, das eine (Armut) sei die Ursache des anderen (Denkmuster)? Ist es nicht vielmehr zun&#228;chst einmal umgekehrt?</p>
<p><strong>Denkfehler in der Statistik</strong></p>
<p>Wie schon bei der &#8222;wissenschaftlichen Tatsache&#8220;, <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/die-wunderbare-welt-der-medien/schwimmen-zu-10-prozent-toedlich/">dass Ihr individuelles Risiko zu ertrinken bei zehn Prozent liegt, weil zehn Prozent der Bev&#246;lkerung Nichtschwimmer sind</a>, vermute ich auch hier einen Statistik-Denkfehler. Denn dass etwas laut Messung irgendwie ist, muss noch lange nicht identisch sein mit der Bedeutung, die diese Messung hat, egal ob f&#252;r die Gesellschaft oder f&#252;r das Individuum.</p>
<p>Wie w&#228;re es, wenn wir Henne und Ei einfach umdrehen:</p>
<p>1. Relevante und irrelevante Informationen unterscheiden zu k&#246;nnen, ist eine Basis f&#252;r materiellen Erfolg.</p>
<p>2. Wer sich mit Unwichtigem besch&#228;ftigt, bleibt im Kleinkram verhaftet, bewegt daher nicht die gro&#223;en Brocken und ist somit erfolgloser. Wer Informationen dagegen nach &#8222;relevant&#8220; und &#8222;irrelevant&#8220; selektiert und nicht nach Konventionen wie &#8222;eins nach dem anderen&#8220; handelt, neigt eher zum Erfolg.</p>
<p>3. Beides ist eine logische Folge individuellen Handelns. Wie wir handeln, bestimmt vorwiegend die Sozialisation, es bestimmen Vorbilder. Unser heutiges Leben ist die Folge unseres gestrigen Handelns. Wer in einem bayerischen Bergdorf aufw&#228;chst, wird nicht mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit katholisch, sondern er ist nun mal katholisch, weil er eben in diesem Bergdorf aufgewachsen ist. Jedes Individuum kann selbst entscheiden, dem katholischen Glauben den R&#252;cken zu kehren, und damit ist die individuelle Prognose unabh&#228;ngig von dem, was die anderen tun. Es geht also um den <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/irrtumer-an-die-wir-glauben/das-leben-hat-einen-sinn/">Unterschied zwischen dem Woher und dem Wohin</a>.</p>
<p>4. Wie jemand denkt, ob er also relevant/irrelevant unterscheidet oder nicht, ist eine Frage des Wissens &#252;ber Priorit&#228;ten, etwa &#252;ber das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eisenhower-Prinzip">Eisenhower-</a> oder das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pareto-Prinzip">Pareto-Prinzip</a>. Es ist keine Frage des Erbgutes oder der Gestalt des Gehirns, sondern eine Frage dessen, was wir nun einmal gelernt haben und damit wissen. Wenn ich nicht wei&#223;, dass Verben die Sprache lebendig machen, verwende ich eben Substantive, sofern mich B&#252;rokraten erzogen haben, weil ich diese Art zu sprechen und zu schreiben eben f&#252;r normal halte, selbst wenn ich damit niemanden sprachlich erreiche.</p>
<p>5. Was jemand an Denkmustern gelernt hat, gibt er an seine Kinder weiter. Damit sind sehr viele Verhaltensweisen anerzogen und nicht genetisch, obwohl Kinder nun mal von ihren Eltern abstammen. Dass wir in Europa bevorzugt mit Messer und Gabel essen und nicht mit St&#228;bchen, ist sozialisiert und keine Frage der Hirnstruktur, sondern die Hirnstruktur bildet sich erst durch die Konvention und ist somit deren Folge und nicht Ursache. Nat&#252;rlich sind in unseren westlichen Gehirnen die Informationen &#8222;Essen&#8220; und &#8222;Messer/Gabel&#8220; qua Lernen st&#228;rker miteinander verkn&#252;pft als bei Asiaten. Das hei&#223;t, unsere Gehirne sehen an dieser Stelle in der Tat anders aus, und das ist auch messbar. Aber es ist eine Binsenweisheit, weil wir unser Gehirn eben an dieser Stelle anders trainiert haben. Das zu messen, w&#228;re herausgeworfenes Geld, weil das unterschiedliche Ticken nur eine logische Folge der jeweiligen Konditionierung ist.</p>
<p>6. Weil sich Denkmuster &#252;ber die Sozialisation und Erziehung fortpflanzen, lernen Kinder armer Eltern die Denkmuster, die in die Armut f&#252;hren, und Kinder reicher Eltern die Denkmuster, die in den Reichtum f&#252;hren. Nicht die Gestalt des Gehirns vererbt sich, sondern Verhaltensmuster tradieren sich via Vorbildwirkung und Sozialisation, und erst dadurch formt sich das Gehirn. So wie Asiaten das Denkmuster weitergeben, mit St&#228;bchen essen sei die Regel, w&#228;hrend Europ&#228;er das Denkmuster weitergeben, mit Messer und Gabel essen sei die Regel. Untersucht ein Forscher das Ergebnis, st&#246;&#223;t er nat&#252;rlich auf lauter gleiche Gehirnstrukturen. Ist er dumm, zieht er daraus die falschen Schl&#252;sse: Vorsicht, wenn Sie asiatisch essen gehen und St&#228;bchen verwenden, sind Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Asiate!</p>
<p>7. Da der Mensch umdenken kann, etwa von Messer und Gabel auf St&#228;bchen, wenn er nach Tokio zieht, k&#246;nnen wir den Armen die Denkmuster der Reichen beibringen.</p>
<p>Und pl&#246;tzlich w&#228;re Schluss mit dem falschen Fatalismus, mit dem &#252;berraschenderweise sogar ein sonst kluges Medium wie &#8222;Brand eins&#8220; den Irrglauben transportiert, meine Herkunft bestimme in irgendeiner Weise, was aus meinem Leben wird. Sie tut es nicht. Arme Kinder sind nicht zur Erfolglosigkeit verurteilt, wie das die &#8222;Brand eins&#8220; mit ihrem Interviewpartner suggeriert. Sie k&#246;nnen und d&#252;rfen, ebenso wie alle anderen Menschen, Denkmuster durchschauen, hinterfragen und &#228;ndern und daraufhin anders entscheiden und handeln.</p>
<p><strong>Gesunder Menschenverstand vs. Technokratie</strong></p>
<p>Der gute D&#8216;Angiulli misst mit seinem Gehirnzeug genau das, was er mit gesundem Menschenverstand auch ohne jede Maschine rein mit Logik und klugem Denken erkl&#228;ren k&#246;nnen m&#252;sste. Und verkehrt aufgrund seiner technokratischen Herangehensweise, in der er das Selbstverst&#228;ndliche misst und f&#252;r eine wahnsinnig beeindruckende Erkenntnis h&#228;lt, Henne und Ei: Er misst das Ergebnis einer Sozialisation und interpretiert sie als Ursache.</p>
<p>Fatal dabei ist die Bedeutung des Ganzen: die vorgebliche Ohnmacht des Individuums aufgrund seiner statistisch gemessenen und im EKG best&#228;tigten Verurteilung zur ewigen Armut. Die ist die Botschaft. Dass der Psychologe so weit denkt, die Botschaft seiner Worte zu ermessen, wage ich zu bezweifeln – ansonsten m&#252;ssten wir ihm Absicht unterstellen.</p>
<p>Auch dem &#8222;Brand-eins&#8220;-Autor Dirk B&#246;ttcher f&#228;llt beim Interview nichts Ungew&#246;hnliches auf, sonst w&#252;rde er als guter Journalist die wesentlichen naheliegenden Fragen stellen. Tut er aber nicht. Schade,  Brand eins! Beide, Interviewer und Interviewter, haben ganz offenkundig nicht auf dem Schirm, dass es einen  riesigen <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/die-dummen-intelligenten/">Unterschied gibt zwischen &#8222;intelligent&#8220; und &#8222;klug&#8220;</a>.</p>
<p>Der allerdings ist wesentlich: Einerseits macht D&#8216;Angiulli klar, strukturiertes Denken sei die F&#228;higkeit, den Weg von A nach E ohne Umwege hinzubekommen; andererseits &#252;bersieht er diesen einfachen Zusammenhang, indem er selbst einen erkenntnistheoretisch absolut banalen Denkfehler macht und zu intelligent ist, um einfach zu denken.</p>
<p>Womit er in bester Gesellschaft ist: Peter Sloterdijk, der warum auch immer als &#8222;Philosoph&#8220; gilt, darf im &#8222;Spiegel&#8220; ab und zu Beitr&#228;ge schreiben. Und jeder einzelne dieser Beitr&#228;ge zeigt mir, dass es ganz offenkundig nicht jedem gegeben ist, einfach mal einen Gedanken klar zu formulieren. Bei vielen der intelligentesten Leute fehlen die Basics. Womit wir das klassische Verst&#228;ndnis von Intelligenz in der Pfeife rauchen k&#246;nnen. Es bedeutet noch lange nicht Klugheit, geschweige denn Weisheit.</p>
<p>Wir sind eben eine &#252;berakademisierte und zugleich dumme Gesellschaft, was kein Widerspruch ist. Aus diesem Grunde zeigt die Schule unseren armen und reichen Kindern kaum, worauf es wirklich ankommt im Erwachsenenleben. Verknotete Gedankenakrobatik gilt als &#8222;elaboriert&#8220;, das Einfache und Klare als &#8222;restringiert&#8220;, also beschr&#228;nkt, dank der Dominanz der akademisch Gebildeten und ihrem unrealistischen Anspruch, Bildung sei per se nur akademisch. Einmal abgesehen von der Frage, warum Germanisten, aus deren Disziplin die Begriffe &#8222;elaborierter&#8220; und &#8222;restringierter Sprachcode&#8220; stammen, Latein brauchen, obwohl sie angeblich Experten f&#252;r deutsche Sprache sind: Wer will schon beschr&#228;nkt sein? Und schon &#252;berlagert das Akademische, mithin nur ein kleiner Teil der f&#252;rs Leben n&#246;tigen Bildung, den Rest, das Relevante.</p>
<p><strong>Der Realit&#228;tsferne fragt: &#8222;Gibt es dazu Studien?&#8220;</strong></p>
<p>Bei einem Workshop k&#252;rzlich habe ich das <a href="http://www.youtube.com/watch?v=4ba1BqJ4S2M">Video mit dem J&#228;ger und dem B&#228;ren</a> gezeigt als Beispiel f&#252;r virale Unternehmenskommunikation. Ein Teilnehmer fragte mich allen Ernstes, ob es Studien gebe, die beleuchten w&#252;rden, inwieweit solche Filme das Image oder den Verkauf f&#246;rdern w&#252;rden. Ich antwortete, das interessiere mich im Blick auf 12,9 Millionen Klicks auf das Video und die heutigen Kosten f&#252;r so ein Filmchen nicht wirklich – ich argumentierte also mit Relevanz. Das Symptom des Mannes: der f&#252;r Akademiker typische Crash zwischen Faktenhuberei einerseits und Relevanz andererseits. Es ist oft den gebildetsten und intelligentesten Menschen nicht verg&#246;nnt, in Relevanzkriterien zu denken. Das bedeutet, wir m&#252;ssten nach der &#8222;Brand-eins&#8220;-These auch bei intelligenten Dummk&#246;pfen das Ph&#228;nomen finden, das D&#8216;Angiulli bei armen Kindern findet – die Unf&#228;higkeit, Informationen als wichtig oder unwichtig zu klassifizieren.</p>
<p>Gut an dem Interview in der &#8222;Brand eins&#8220; ist die Kritik des Psychologen am Bildungssystem. Denn in der Tat verschlechtert das System die Chancen der Armen und f&#246;rdert die Reichen. Das muss sich dringend &#228;ndern. Diese &#196;nderung allerdings gelingt nicht, wenn Fachleute ein umfassendes Problem mit Methoden aus ihrem Fachgebiet beleuchten. Es gelingt eher dann, wenn wir anerkennen, dass niemand aufgrund seiner Herkunft allein benachteiligt oder bevorzugt ist, sondern dass es letztlich um Wissen geht, das wir sowohl armen als auch reichen Kindern geben m&#252;ssen – damit die armen erfolgreich werden k&#246;nnen und die reichen auch als Chefs keine Charakterschweine werden m&#252;ssen. Dieses Wissen ist wichtiger als jede akademische Faktenhuberei und tausend hochgeistige Studien, die nichts bringen.</p>
<p>Nur was ich wei&#223;, kann ich auch denken. Darum geh&#246;ren das Wissen um Relevanz, Priorit&#228;ten und eben Eisenhower und Pareto in die Schule, damit es alle erwerben k&#246;nnen. Was wir nach wie vor nicht brauchen, sind Theoretiker, die in ihrer wissenschaftlichen Perfektion am Relevanten vorbeidenken und einfache Probleme so verkomplizieren, dass sie nicht mehr fassbar sind.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/schade-brand-eins/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Alles richtig gemacht – ohne Ergebnis</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/orientieren-wir-uns-am-ziel/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/orientieren-wir-uns-am-ziel/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 27 Oct 2010 07:01:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Business]]></category>
		<category><![CDATA[Coaching]]></category>
		<category><![CDATA[Mach dein Ding!]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/?p=6684</guid>
		<description><![CDATA[
Wie kann es sein, dass ein Hubschrauber auch nach mehr als zwanzig Jahren Entwicklungszeit nicht einsatzf&#228;hig ist? Die Antwort ist ganz einfach: Weil in gro&#223;en Strukturen meist ablauforientieres Denken statt ergebnisorientiertes Denken herrscht. Die Menschen dort machen alles richtig, das haben sie gelernt. Und oft machen sie die Dinge so richtig, dass zwanzig Jahre vergehen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.tagesschau.de/inland/bundeswehr398.html"><img class="alignnone size-full wp-image-6683" title="bundeswehr001" src="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/10/bundeswehr001.jpg" alt="" width="400" height="56" /></a></p>
<p>Wie kann es sein, dass ein Hubschrauber auch nach mehr als zwanzig Jahren Entwicklungszeit nicht einsatzf&#228;hig ist? Die Antwort ist ganz einfach: Weil in gro&#223;en Strukturen meist ablauforientieres Denken statt ergebnisorientiertes Denken herrscht. Die Menschen dort machen alles richtig, das haben sie gelernt. Und oft machen sie die Dinge so richtig, dass zwanzig Jahre vergehen ohne Ergebnis. Ihr Denken ist auf Abl&#228;ufe gerichtet, nicht auf Ergebnisse und Sinn. Halb Deutschland tickt so.</p>
<p>Wir finden das Ph&#228;nomen <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/machdeinding/sinnlose-bildungsberichte/">in der Schulb&#252;rokratie, in der Wissenschaftler sinnlose Bildungsberichte schreiben</a>, ohne dabei die gro&#223;en Fehler des Bildungssystems auch nur zu erw&#228;hnen. <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/business/sinn-oder-regeln/">In Billig-Jobs, in denen Regelbefolger oft nicht anders k&#246;nnen</a>, weil empathiefreie Chefs ihnen das Mitdenken verbieten. In der Gastronomie nat&#252;rlich, wo jemand den Befehl &#8222;Tische f&#252;rs Mittagessen eindecken&#8220; befolgt und bei der Abfolge der dazu n&#246;tigen Schritte &#252;bersieht, dass dort ein Gast sitzt und nicht bedient wird.</p>
<p><strong>Die Regeldenker machen unsere Gesellschaft ergebnislos</strong></p>
<p><a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/produktquark/marketing-die-kunst-der-verkomplizierung/">Selbst im Marketing gro&#223;er Unternehmen</a> versagen die Ablauforientierten dabei, ihre Ziele im Auge zu behalten. Das sind hochgebildete Menschen, intelligent, studiert, hoch bezahlt, aber f&#252;r das wirklich Wichtige sind sie nicht f&#228;hig: zur Empathie. Warum? Weil unsere Gesellschaft ihren Mitgliedern die wichtigen Dinge nicht beibringt. Und der Philosoph <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/buchtipps/precht-die-kunst-kein-egoist-zu-sein/">Richard David Precht schreibt ein dickes Buch zu dem Thema, ohne das Problem wirklich beim Namen zu nennen</a>. Selbst in der Meta-Ebene bleibt er in der Ablauforientierung verhaftet – er macht das, was er als Intellektueller gelernt hat: Er zerpfl&#252;ckt die Details, kreist immer sch&#246;n um den hei&#223;en Brei und betrachtet nicht das gro&#223;e Ganze. Auch sein Helikopter wird nicht fertig, denn aus seinem Buch folgt &#252;berhaupt nichts.</p>
<p>Die Leute folgen den Abl&#228;ufen ihrer Jobs und machen innerhalb dieser Abl&#228;ufe alles richtig, aber merken dabei nicht, dass sie an sich das Falsche tun. Denn Schule und Hochschule bringen uns in erster Linie bei, innerhalb der bestehenden Strukturen zu funktionieren, und nicht, uns selbst Ziele zu setzen und so eigene Strukturen zu schaffen. <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/machdeinding/der-arbeitnehmer-irrtum/">Viele Arbeitnehmer vergessen sogar, dass sie letztlich einen Nutzen bringen</a>. Logischerweise sind wir ein Volk von ablauforientierten Denkern, das seine einstige F&#228;higkeit verloren hat, Ergebnisse zustandezubekommen.</p>
<p><strong>Viel Arbeit f&#252;r eine unbrauchbare Datenbank</strong></p>
<p>Wir sind verkopfte Spezialisten geworden, die sich so lange in ihren Details verstricken, bis die Entwicklung einer Datenbank mehr als ein Jahr braucht, ohne dass sie am Ende anwendbar ist, weil der Entwickler das Interface zum Nutzer nicht sinnvoll mit den Daten verkn&#252;pft hat und die n&#246;tigen Funktionen nicht laufen. Innerhalb ihrer selbst ist die Datenbank nat&#252;rlich perfekt, mathematisch ausgefeilt, aber sie ist ebenso wenig anwendbar wie der Helikopter, um den es bei der Bundeswehr unterm Strich geht. Und genau daran krankt unser Land. Statt zu &#252;berlegen, worum es unterm Strich geht, werfen wir uns in die Perfektion der Abl&#228;ufe, ins Unwesentliche, und wir blenden die Notwendigkeit von Ergebnissen aus und ignorieren damit das Wichtige. Was unwichtig ist, blasen wir zu riesigen &#8222;Vorg&#228;ngen&#8220; auf, was dagegen wichtig ist, f&#228;llt unter den Tisch.</p>
<p>Sehr klug daher ist der Titel des Berichtes &#252;ber die Bundeswehr, <a href="http://www.tagesschau.de/inland/bundeswehr398.html">wie die &#8222;Tagesschau&#8220; berichtet</a>: &#8222;Vom Einsatz her denken&#8220;. Das ist der Versuch, einen Apparat von aufgrund ihrer Ausbildung naturgem&#228;&#223; regelorientiert denkenden Menschen zur Zielorientierung zu bringen. Das kann sogar gelingen, denn letztlich kann der Mensch Priorit&#228;ten umlernen und insofern &#8222;umdenken&#8220;. Aber es ist zugleich auch ein Paradigmenwechsel in den Priorit&#228;ten unserer Gesellschaft, der Ziele und Ergebnisse ansonsten so piepegal sind wie den Polizisten bei einer routinem&#228;&#223;igen Verkehrskontrolle, dass Sie wegen dieser Kontrolle m&#246;glicherweise zu sp&#228;t zu Ihrem Gesch&#228;ftstermin kommen. Ihre Ziele sind dem Staat v&#246;llig gleichg&#252;ltig. Es interessiert ihn null, was f&#252;r Sie wichtig ist und wie Sie jetzt gerade Ihre Ziele erreichen wollen.</p>
<p>Ich finde es darum sehr spannend, dass der Impuls zur Zielorientierung ausgerechnet aus dem Umfeld des Milit&#228;rs kommt, das per se mit Befehlen arbeitet. Und ich hoffe inst&#228;ndig, dieser Impuls verbreitet sich durch unser Land und dringt in die Finanzbeh&#246;rden, in die Schule, ins Gesundheitssystem – und in all die anderen Lebensbereiche, die der regelorientiert denkende <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/der-fachidiot/">Fachidiot</a> mit seinen Abl&#228;ufen so kompliziert gemacht hat, dass ihre Institutionen nahezu absurd geworden sind.</p>
<p><strong>Flipchart? Von Papier war nie die Rede &#8230;</strong></p>
<p>Bei einem Seminar f&#252;r eine Beh&#246;rde lief das Briefing einmal &#252;ber ein Ministerium. Wir forderten unter anderem ein Flipchart an, dann ging das Briefing die Befehlskette in Richtung unten. Was fanden wir vor? Ein Flipchart. Aber ohne Papier und ohne Stifte. Einen Edding hat man als Seminarleiter m&#246;glicherweise noch dabei, aber Flipchartpapier? Der eingewiesene Mitarbeiter sagte, von Papier sei keine Rede gewesen, auf dem Briefing stehe nur &#8222;Flipchart&#8220;.</p>
<p>Wird jemand mit dieser Haltung in der Wildnis &#252;berleben? Ohne die F&#228;higkeit mitzudenken?</p>
<p>Gestern hatte ich auf einer Veranstaltung ein Gespr&#228;ch mit einer Dame, die mir von ihren Kindern berichtete. Die n&#228;hmen jede Ansage w&#246;rtlich und hypergenau. In der Flipchartgeschichte w&#252;rden diese Kinder genau auf der Ansage &#8222;Flipchart&#8220; herumreiten und dem Ansager den Vorwurf machen, er habe das Papier und die Stifte nicht erw&#228;hnt. Ich selbst nenne so etwas &#8222;Spielchen spielen&#8220;: Ich unterlasse es absichtlich, gedanklich den Kontext zu erschlie&#223;en, und stelle mich dumm. Es kann nat&#252;rlich auch sein, dass die Kinder der Dame wirklich dumm sind, aber das glaube ich nicht. Ich bin &#252;berzeugt, sie spielen Spielchen. Machen sie damit so weiter, werden sie sp&#228;ter vielleicht mal ein Einser-Abitur haben, weil sie exakt tun, was man von ihnen verlangt, aber sie werden dann ebenso bald zu jener Armee empathiefreier Arbeitnehmer geh&#246;ren, die Dienst nach Vorschrift schieben und nicht wissen, was Mitdenken ist.</p>
<p><strong>Wer Spielchen spielt, bremst die Gesellschaft</strong></p>
<p>Menschen, die Spielchen spielen, wollen nicht sinnvoll handeln. Sie str&#228;uben sich, sie stellen sich an. Im Dienstleistungsgewerbe w&#252;rde sich ihre Unf&#228;higkeit besonders gut zeigen: Im Restaurant bestellen Sie ein Essen, das bekommen Sie auch, aber von Besteck war nie die Rede. H&#228;tten Sie sagen m&#252;ssen! Ach, Sie wollen Ihren Mietwagen mit Reifen? H&#228;tten Sie dazusagen m&#252;ssen. Und dass in Ihrem Hotelzimmer ein Bett stehen sollte, kann auch niemand wissen. Lauter Bremser-Argumente. Mir scheint oft, ein halbes Volk stellt sich dumm.</p>
<p>Warum also dauert es zwanzig Jahre, einen Hubschrauber zu entwickeln, und er wird trotzdem nicht fertig? Weil die Beteiligten Abl&#228;ufe befolgen und diese perfektionieren, wie man es ihnen beigebracht hat, weil sie allesamt Spezialisten sind in ihren Fachgebieten, wie man es ihnen beigebracht hat, und weil sie m&#246;glichst ergebnislos denken, wie man es ihnen ebenfalls beigebracht hat. Insofern kann eine Reform eines solchen Apparates nur dann sinnvoll werden und ein Ergebnis zustandebringen, wenn es gelingt, dass die Menschen innerhalb des Apparates vom ablauf- aufs ziel- und sinnorientierte Denken umschalten.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/orientieren-wir-uns-am-ziel/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

