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	<title>Thilo Baum &#187; Einfache Erkenntnisse</title>
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	<description>Thilo Baum: Klartext-Experte</description>
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		<title>Komm zum Punkt und denk mit!</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Sep 2011 13:05:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
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Im M&#228;rz 2012 erscheint es, und es ist auch schon vorbestellbar: mein neues Buch „Denk mit!“. Es ist die logische Folge in der bisherigen Reihe meiner B&#252;cher.
In „Komm zum Punkt!“ ging es darum, wie wir uns klar ausdr&#252;cken und sagen, was wir meinen. In „Mach dein Ding!“ ging es darum, wie wir klar ausdr&#252;cken, was [...]]]></description>
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<p>Im M&#228;rz 2012 erscheint es, und es ist auch <a href="https://www.amazon.de/Werden-erfolgreich-erkennen-Gegen%C3%BCber-wirklich/dp/386668567X/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1316004810&amp;sr=1-1">schon vorbestellbar</a>: mein neues Buch „Denk mit!“. Es ist die logische Folge in der bisherigen Reihe meiner B&#252;cher.</p>
<p>In <a href="http://www.thilo-baum.de/publikationen/komm-zum-punkt-das-rhetorik-buch-mit-der-anti-laber-formel/">„Komm zum Punkt!“</a> ging es darum, wie wir uns klar ausdr&#252;cken und sagen, was wir meinen. In <a href="http://www.thilo-baum.de/publikationen/mach-dein-ding/">„Mach dein Ding!“</a> ging es darum, wie wir klar ausdr&#252;cken, was uns ausmacht, und wie wir die Schlagzeile f&#252;rs Arbeitsleben finden. Der n&#228;chste Schritt ist die Frage: Wie bekommen wir heraus, was von dem, was wir k&#246;nnen und lieben, anderen n&#252;tzlich ist? Und das ist ganz einfach: indem wir uns in die Perspektive unserer Mitmenschen versetzen und mitdenken.</p>
<p>Mitdenken ist ein riesiges Thema, und es taucht bislang nirgends entsprechend auf. Es gibt eine Menge Literatur &#252;ber Empathie, Altruismus und soziale Kompetenz, es gibt eine Menge Zeug &#252;ber Werteverfall und abnehmende R&#252;cksicht, aber das Thema Mitdenken ist unterrepr&#228;sentiert. Vielleicht, weil unsere Gesellschaft dazu neigt, die Realit&#228;t zu theoretisch anzugehen.</p>
<p>Die meisten Leute verbinden „mitdenken“ mit Mitgef&#252;hl und sind schnell beim moralischen Anspruch der emotionalen Intelligenz. Was ihnen den Zugang zum Thema versperrt. Wenn wir die Z&#252;ge unseres Schachpartners voraussehen und &#252;berlegen, wie er wohl reagieren wird, wenn wir den L&#228;ufer ziehen, brauchen wir keinerlei Empathie. Wir brauchen Geistesgegenwart.</p>
<p>Und wenn ein Hotel nicht mitdenkt, weil es uns ein vierzig Zentimeter langes Netzwerkkabel zumutet, wobei die Steckdose am Bett ist, hilft keine empathische Entschuldigung. Denn es geht nicht um die Korrektur des Patzers oder um eine nette Atmosph&#228;re, sondern ums Mitdenken von Anfang an. Mitdenken ist eine Form von Gehirnaktivit&#228;t, die uns zu dem bef&#228;higt, was das Mitdenken ausmacht: zum Wechsel der Perspektive, weg aus unserer Binnensicht hin zum externen Blick auf uns und unser Business.</p>
<p>Die meisten Unternehmen suchen Kunden f&#252;r ihre Produkte. Kl&#252;ger ist es, Produkte zu finden f&#252;r die Kunden. Es ist immer klug, die Perspektive seiner Mitmenschen einzunehmen. Doch die allerwenigsten Unternehmen tun das. Seltsam, denn die meisten Menschen, die in Unternehmen arbeiten, sind doch selbst in vielerlei Hinsicht Kunden!</p>
<p>Und die Egozentrik zieht sich durch die Unternehmenskommunikation. Die meisten Unternehmen denken im Warum-Schema. Warum tun wir etwas? Weil wir es schon immer so gemacht haben. Statt dass sie im Wozu-Schema denken: Was ist das Ergebnis, was steht am Ende unseres Handelns, was wollen wir bewirken? Statt zu &#252;berlegen, was Kunden interessiert, schreiben die meisten nur von sich.</p>
<p>Wer im Wozu-Schema denkt, wird kaum einen so egozentrischen Newsletter verschicken wie das Hotel aus meinem kurzen Film. Man stelle sich vor: Die Top-Story des Newsletters eines Hotels ist die neue Direktorin. Doch eine intern sicher relevante Nachricht muss drau&#223;en noch lange nicht relevant sein. Besser ist da der Newsletter der <a href="http://www.detektive-kocks.de">Detektive Kocks</a>. Lassen Sie sich &#252;berraschen!</p>
<p>Der Film zeigt Ausschnitte aus meinem Auftritt am 12. September 2011 beim <a href="http://www.vip-bc.ch/">VIP-Business-Club </a>in St. Gallen. Viel Spa&#223;!</p>
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		<title>Gef&#252;hle schaffen Fakten</title>
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		<pubDate>Fri, 27 May 2011 22:36:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Nein, nicht Fakten z&#228;hlen, nicht Genauigkeit, ersch&#246;pfende  Beschreibung. Menschen denken nicht mit dem Kopf. Nur eine Minderheit  von Theoretikern denkt abstrakt. Theoretiker m&#246;gen unsere Welt  beherrschen, aber sie sind eine Minderheit. Und meist unf&#228;hig, Menschen zu ber&#252;hren. Obwohl es genau darum geht.
Die meisten Menschen f&#252;hlen  konkret. Und sie denken direkt statt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><iframe frameborder="0" width="400" height="254" src="http://www.youtube.com/embed/BhywSsvowW4" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Nein, nicht Fakten z&#228;hlen, nicht Genauigkeit, ersch&#246;pfende  Beschreibung. Menschen denken nicht mit dem Kopf. Nur eine Minderheit  von Theoretikern denkt abstrakt. Theoretiker m&#246;gen unsere Welt  beherrschen, aber sie sind eine Minderheit. Und meist unf&#228;hig, Menschen zu ber&#252;hren. Obwohl es genau darum geht.</p>
<p>Die meisten Menschen f&#252;hlen  konkret. Und sie denken direkt statt um Ecken. Und darum sind Menschen  ber&#252;hrbar. Menschen sind anf&#228;llig f&#252;r die Bedeutung der Dinge.</p>
<p>Wenn Sie mit Ihrer Botschaft Menschen erreichen wollen, hat es keinen  Sinn, sie mit Details zu bel&#228;stigen. Es ist nicht klug, sich nur an  eine Minderheit zu richten, etwa an die Theoretiker. Kl&#252;ger ist es, die Bedeutung der Dinge zu vermitteln.</p>
<p>Wenn Sie die Menschen erreichen wollen, dann geben Sie ihnen einen  Rahmen und einen emotionalen Anker! Nur dann werden die Menschen sich  mit Ihren Fakten befassen. Ob es dabei um wissenschaftliche Studien geht  (die in Ermangelung griffiger Sprache bisher einer Minderheit  vorbehalten bleiben) oder um Unternehmensbotschaften (die aufgrund  verknoteter Management-Sprache bisher Unternehmen eher von den Kunden  entfernen, statt beide miteinander zu verbinden) – sofern Sie in  einfacher Sprache sagen, worum es geht, werden die Menschen Ihnen  folgen.</p>
<p>Eine gute Schlagzeile (Newsletter-Betreffzeile, Twitter-Tweet,  &#220;berschrift in Ihrer Pressemitteilung) vermittelt nie Ihre Fakten in  ihrer ersch&#246;pfenden Pr&#228;zision – auch wenn Ihnen Schule und Universit&#228;t  das beigebracht haben. Sondern sie vermittelt die Bedeutung.</p>
<p>Vergessen Sie nicht: Akademiker sind eine  Minderheit, die ihr akademisches Bildungsideal auf die gesamte Bildung  &#252;berst&#252;lpen mit der Folge, dass Arbeitgeber von Schulabg&#228;ngern nichts  halten.</p>
<p>Und eine gute Schlagzeile vermittelt auch nicht das, was Sie wollen. &#8222;Kauf mich!&#8220; ist eine schlechte Schlagzeile. Denn sie ist egozentriert und vermittelt nicht, was Ihre Leistung Ihrem Publikum bringt. Kaufappelle sind Spam.</p>
<p>Vermitteln Sie lieber, was Sie den Menschen bringen! Eine gute Schlagzeile transportiert darum die  Bedeutung dessen, was Sie sagen wollen.</p>
<p>Was also bedeutet Ihre Nachricht? Und vor allem: Worin besteht der  emotionale Anker? Wie ber&#252;hren Sie die Menschen, genau wie die junge  Dame mit ihrem Text f&#252;r den Blinden? Es geht um eine F&#228;higkeit, die die  Korrektdenker nicht beherrschen. Denn hier geht es um Gestaltung,  Vorstellungskraft und Einf&#252;hlungsverm&#246;gen!</p>
<p>Wenn Sie diese Fragen  klar beantworten – und &#8222;klar&#8220; bedeutet: keine theoretischen Exkurse,  keine akademischen Definitionen, sondern nur konkrete und greifbare  Anwendbarkeit –, dann sind Sie auf dem besten Weg!</p>
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		<title>Es gibt keine perfekten Systeme</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Dec 2010 10:20:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Stammtisch]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8230; au&#223;er jenem, das der Fehler als entscheidendes Merkmal ausmacht. Ebenfalls eine gewisse Perfektion haben die Denksysteme mancher Leute, die beharrlich versuchen, perfekte Systeme zu schaffen und auf ihnen zu bestehen. Der Irrglaube an die fehlerlose Perfektion wirkt in den Gehirnen mancher Menschen perfekt.
In Systemen wie Bahn- und Flugverkehr scheinen Menschen zu arbeiten, die nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; au&#223;er jenem, das der Fehler als entscheidendes Merkmal ausmacht. Ebenfalls eine gewisse Perfektion haben die Denksysteme mancher Leute, die beharrlich versuchen, perfekte Systeme zu schaffen und auf ihnen zu bestehen. Der Irrglaube an die fehlerlose Perfektion wirkt in den Gehirnen mancher Menschen perfekt.</p>
<p>In Systemen wie Bahn- und Flugverkehr scheinen Menschen zu arbeiten, die nur unter Optimalbedingungen einen guten Job machen k&#246;nnen. Sobald der Laden l&#228;uft, f&#228;llt es ihnen leicht, gem&#228;&#223; ihren Routinen zu arbeiten. Doch sobald Einfl&#252;sse von au&#223;en die Routinen st&#246;ren, und sei es nur Schnee, f&#228;llt ihnen nichts mehr ein. Und das, obwohl sie f&#252;r diesen Fall eine Routine vorsehen und diese in zahllosen &#220;bungen ge&#252;bt haben. Doch angesichts der Realit&#228;t sind sie hilflos. Was sich vor allem in mangelnder Kommunikation zeigt, &#252;ber die festsitzende Passagiere auf Bahnh&#246;fen und Flugh&#228;fen klagen.</p>
<p><strong>Wie k&#246;nnen komplexe Systeme perfekt sein?</strong></p>
<p>Mich erinnert das Geschehen im Reiseverkehr bei Schnee – wie vieles, was mit Fehlern und einem Anspruch an Perfektion zu tun hat – an die IT-Industrie. Der Menschenschlag dort geht &#252;berwiegend davon aus, beliebig viele Faktoren, Parameter und Bedingungen lie&#223;en sich beliebig kompliziert miteinander verbinden, und sofern das Detail fehlerfrei sei, m&#252;sse auch das Gesamte funktionieren. Dass dem nicht so ist, wei&#223; jeder, der mit IT-Produkten zu tun hat: So mancher klagt &#252;ber ein superschickes Smartphone mit zahlreichen Features, das nur leider nicht mehr zum Telefonieren taugt, weil es Empfangsprobleme hat. Vor lauter Konzentration auf die Perfektion von Nebensachen &#252;bersehen wir das Wichtige. Die Hilflosigkeit der Verfechter solcher Systeme erleben wir dann an der Hotline. Wie auch k&#246;nnen komplexe Systeme perfekt sein? Je komplexer, desto entfernter ist das Einfache, und die Chance zur Perfektion schwindet.</p>
<p>Ein Navigationssystem in einem Auto, das f&#252;r jede Stadt Europas eine ganze Menge Geldautomaten, Postfilialen und Polizeidienststellen auflistet, aber bei der Suche &#8222;in der N&#228;he des Autos&#8220; nichts davon zeigt, obwohl Hotels und andere Features problemlos bei beiden Arten der Suche auftauchen – und vor allem ein Autohaus und ein Hersteller, die dieses Problem nicht l&#246;sen k&#246;nnen. Noch nie etwas davon geh&#246;rt, nicht nachvollziehbar, als probierten sie ihre eigenen Produkte nicht aus. Ein Auto, das gem&#228;&#223; Kilometerz&#228;hler und Tankquittung deutlich mehr Sprit verbraucht als laut &#8222;Fehlerauslese&#8220; in der Vertragswerkstatt – und vor allem Mitarbeiter, die ihrem offenbar fehlprogrammierten System mehr glauben als dem Kilometerz&#228;hler und den Tankquittungen. Darin besteht das Elend. Die oft kritisierte Ignoranz von Unternehmen gegen&#252;ber Kunden ist oft in Wirklichkeit verblendeter Glaube an Theorie und vor allem Ignoranz der konkreten Realit&#228;t.</p>
<p>So ist beispielsweise der Bahnsteig eines bestimmten Bahnhofes laut Datenbank in Ordnung, laut Realit&#228;t aber nicht: &#8222;Ein Kollege hat bei fr&#252;heren Fahrten in Berichten an seinen zust&#228;ndigen Fachreferenten auf diesen beileibe nicht einmaligen Missstand hingewiesen&#8220;, hei&#223;t es in einem <a href="http://www.welt.de/wirtschaft/article11817478/Es-ist-ein-Wunder-dass-ueberhaupt-was-faehrt.html">Bericht in der &#8222;Welt&#8220; &#252;ber das Versagen der Deutschen Bahn</a>, der zeigt, dass Menschen der grauen Theorie oft lieber glauben als der Wirklichkeit. &#8222;Der Hinweis wurde abgeschmettert, weil in der DB-Bahnsteigdatenbank steht, in Bullay seien alle Bahnsteige so hoch und lang, dass sogar ICE-Z&#252;ge bequem dranpassen. Die Realit&#228;t kann jeder sehen, der das will. Auf die Frage des Kollegen, was der Eisenbahnbetriebsleiter zu diesen Zust&#228;nden wohl sagt, wurde ihm erkl&#228;rt, man solle ,keine schlafenden Hunde wecken‘.“</p>
<p>Es sind nur wenige Beispiele f&#252;r das Versagen des Menschen, der nur glaubt, was er m&#246;glichst kompliziert abstrahiert hat, statt einfach die konkrete Realit&#228;t zu betrachten. Dieser &#228;u&#223;erst dumme Mensch predigt perfekte Systeme, die dann nicht halten, was sie versprechen. De facto herrscht dieses fatale wirre Denken nahezu &#252;berall, wo der Glaube ans System die Realit&#228;t ignoriert. Genau dieser Typus Fachidiot, meist hochgebildet und intelligent, bringt uns mit seiner Dummheit in Gefahr.</p>
<p>Und so ignorieren auch wir Normalmenschen gerne das Konkrete und abstrahieren stattdessen umst&#228;ndlich, und wir akzeptieren, dass dieses Denken uns regiert, weil wir glauben, es sei normal: Das gesamte Rechtssystem scheint darauf zu beruhen, dass wir greifbare Dinge abstrahieren und in einer abstrusen Fachsprache verschriftlichen, statt gleich dar&#252;ber zu befinden. Nur was aktenkundig ist, gilt, und dazu bedarf es genau der Abstraktion, die uns von der Realit&#228;t entfernt. Irrt sich ein Gericht, kann es seine Fehlentscheidung nicht einfach aufheben – erst bedarf es erneut der Ochsentour einer weiteren Abstraktion. Wir haben uns offenbar damit abgefunden, dass die Theorie und das Abstrakte schwerer wiegen als die Praxis und das Konkrete. Horden von Akademikern sind davon &#252;berzeugt, nur das ersch&#246;pfend Diskutierte sei Realit&#228;t. Solange es keine Studien dazu gibt, dass drau&#223;en Schnee liegt, liegt drau&#223;en kein Schnee.</p>
<p><strong>Der intelligente Dummkopf denkt nur in Bahnen</strong></p>
<p>Das Ph&#228;nomen bei den Protagonisten der perfekten theoretischen Systeme: Ihnen selbst scheint an ihrem Tun nichts aufzufallen. Sie denken ausschlie&#223;lich in Schienen und Bahnen. Ihr Handlungskonzept f&#252;rs Leben gleicht einem Flussdiagramm. Und tritt eine au&#223;ergew&#246;hnliche Situation ein, sind sie v&#246;llig aufgeschmissen und ohnm&#228;chtig. Ihr auf Routinen geeichtes Gehirn dreht hohl wie ein aufgeh&#228;ngtes Computerspiel. Dass diesen Menschen etwas Entscheidendes fehlt, erkennen sie ganz offenkundig nicht. Und wir als Gesellschaft spielen dieses absurde Spiel bereitwillig mit, weil man uns beigebracht hat, auf Spezialisten und Fachleute zu h&#246;ren, und weil man es uns aberzogen hat, die Relevanz des Konkreten zu erkennen und auf ihrer Basis Entscheidungen zu treffen.</p>
<p>Unser Anspruch an perfekte Systeme raubt uns mit der Zeit die F&#228;higkeit zu leben. Wer kann heute noch sein Auto selbst reparieren? Wir sind abh&#228;ngig geworden von einer Infrastruktur, die uns eigentlich helfen soll. Statt zu mehr Freiheit durch Infrastruktur zu gelangen, haben wir uns zu ihren Sklaven gemacht. Das k&#246;nnte uns bald auf die F&#252;&#223;e fallen – in einem Krieg, bei einer Naturkatastrophe. Der moderne Mensch ist passiv geworden, faul, lethargisch. Er verl&#228;sst sich auf die Systeme. Darauf, dass er im Supermarkt etwas zu essen und an der Tankstelle Kraftstoff bekommt. F&#228;llt ein System aus, lehnt sich der moderne Mensch zur&#252;ck und verweist auf den Systemausfall: Was soll man schon tun? Das Individuum kann doch nichts daf&#252;r, daran sind andere schuld. Diese Passivit&#228;t haben wir &#252;berall: Die Menschen erwarten, dass man ihnen Jobs und Geld gibt, statt dass sie selbst aktiv werden. Wir benehmen uns in unserem eigenen Leben wie Hotelg&#228;ste, obwohl es doch letztlich unser Hotel ist.</p>
<p><strong>Die konkrete Realit&#228;t sp&#252;ren</strong></p>
<p>Das Leben auf dem Land kann einen ein wenig daf&#252;r sensibilisieren, dass wir unterm Strich in einer Natur leben, die ihre Spielchen mit uns spielt. Hier l&#228;sst sich die Realit&#228;t konkret sp&#252;ren, und hier z&#228;hlt weniger, was Theoretiker sagen, weil sie es gelernt haben. Es bringt nichts, wenn die Stromversorgung nur theoretisch funktioniert, und Stromausf&#228;lle sind hier h&#228;ufiger als in der Stadt. Auch Schnee zu schippen, w&#228;hrend es nachschneit, verweist einen auf das mitunter sisyphoshafte Dasein.</p>
<p>Sinkt die Temperatur von minus 1 Grad Celsius auf minus 8 Grad Celsius, gen&#252;gt es nicht, den Thermostaten weiter auf plus 21 Grad Celsius stehen zu lassen, sondern wir m&#252;ssen mehr heizen. Schon der Gedanke, sich auf ein theoretisches System zu verlassen, sei es eine Heizungselektronik oder der Paketdienst p&#252;nktlich zu Weihnachten bei Glatteis und Schneegest&#246;ber, ist hier fremd. Nat&#252;rlich schaut man, dass die Systeme m&#246;glichst gut sind, aber wenn sie doch ausfallen, sind die Folgen sehr schnell sehr klar sp&#252;rbar.</p>
<p>Unter &#8222;Vollkaskogesellschaft&#8220; verstehen Kritiker eben diese Haltung, bei der wir uns nach allen Seiten hin abgesichert w&#228;hnen, obwohl diese Sicherheit ein tr&#252;gerisches Phantom ist. Vielleicht ist es wirklich einmal an der Zeit, dass wir anerkennen, dass eine Flugreise eben doch eine Flugreise ist und eine Bahnreise eben doch eine Bahnreise. Funktionieren die Systeme, fliegen wir mal eben von Berlin nach Rom und erwarten, dass die Reise so einfach wird wie der Gang zum B&#228;cker um die Ecke. Wir sind verw&#246;hnt. Wir sind so verw&#246;hnt, dass Flugg&#228;ste bei einem Notfall die Schuhe ausziehen m&#252;ssen, bevor sie &#252;ber die Notrutsche das Flugzeug verlassen, wobei es mitunter sehr l&#228;stig sein kann, sich in der Wildnis ohne Schuhe durchzuschlagen. Aber das interessiert eben niemanden von den Systemmachern, weil die eben zu kurz denken. Die so genannten &#8222;Sicherheitsbestimmungen&#8220; resultieren nun einmal aus dem sehr begrenzten Denken der Routine-Denker, die glauben, alles systematisieren und kontrollieren zu k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Die Perfektionisten gef&#228;hrden unser Dasein</strong></p>
<p>Unsere Systeme sind hochkomplex geworden. Und der Irrglaube ihrer Entwickler an Perfektion gef&#228;hrdet uns hochgradig. Als litten diese Leute nicht selbst st&#228;ndig unter Computerfehlern, als w&#252;rden nicht Freunde und Verwandte ebenso &#252;ber inkompetente IT- und TK-Hotliner klagen, halten die Verfechter der Perfektion unerbittlich an ihrer L&#252;ge fest, mit ihren Systemen das Unerwartbare ausschlie&#223;en zu k&#246;nnen, nur weil es ihnen an Vorstellungsverm&#246;gen f&#252;r das Unerwartbare mangelt. Mir selbst ist es ein R&#228;tsel, wie diese Leute die einfachen Dinge in ihrem Leben erledigen. Ist es f&#252;r sie denkbar, ohne vorherige Studie und ohne Flussdiagramm f&#252;r die Routine Kaffee zu kochen, die alle theoretisch denkbaren Eventualit&#228;ten ber&#252;cksichtigt? Woher kommt der Kontrollwahn? Mir scheint er in vielerlei Hinsicht psychopathologisch, und ich sehe es nicht ein, dass wir als Gesellschaft unter den Pers&#246;nlichkeitsproblemen Einzelner leiden sollten, die sich in bestimmten Organisationen bevorzugt tummeln.</p>
<p>Wieder jedenfalls haben wir das Ph&#228;nomen, dass wir einen anderen Typ von Denker brauchen, wenn es um unsere Systeme geht. Wieder k&#246;nnte die L&#246;sung – <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/machdeinding/weg-mit-den-wissenschaftsbuerokraten/">ebenso wie beim Schulsystem</a> – darin liegen, dass wir <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/die-dummen-intelligenten/">divergente Denker statt nur konvergente</a> brauchen. Menschen mit Empathie und Vorstellungskraft, mit Weitsicht und der F&#228;higkeit zum Perspektivenwechsel, statt nur Fachidioten mit einem v&#246;llig irrationalen Wahn technischer Perfektion. Wir sollten anerkennen, dass das theoretische und akademische Denken nur ein Bruchteil dessen darstellt, was Denken an sich ausmacht, ebenso wie wir anerkennen sollten, das juristisches Denken nur eine Variante dessen darstellt, was Denken an sich ausmacht. Beides ist wichtig, der hochspezialisierte Ingenieur ebenso wie der Spitzenjurist, aber sie sind Vertreter von Nischen. Diese Denkweisen sind Minderheiten, die gleichwohl &#252;ber uns herrschen. Einmal festgelegt, gilt eine Regel unumst&#246;&#223;lich, so sinnlos sie auch sein mag. Warum? <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/business/sinn-oder-regeln/">Weil uns Regeln wichtiger sind als Sinn</a>.</p>
<p><strong>Platz f&#252;r Sinn!</strong></p>
<p>Das Gl&#252;hbirnenverbot ist eines der deutlichsten Beispiele: Erst umst&#228;ndlich festgelegt und wider alle Vernunft durchgepaukt, als Vorschrift wichtigtuerisch und mit allen Konsequenzen auf die Menschen losgelassen, und <a href="http://www.tlz.de/web/zgt/klar/detail/-/specific/EU-Politiker-wollen-Verbot-von-Gluehbirnen-aussetzen-436240891">jetzt schwant sogar EU-B&#252;rokraten, dass sie Unsinn beschlossen haben</a>. Wie viel Zeit, Energie, Geld, Raum f&#252;r Wichtigeres w&#252;rden wir gewinnen, wenn eine Sinn-Instanz das Treiben entfesselter B&#252;rokraten rechtzeitig stoppen w&#252;rde? Wir h&#228;tten endlich die Chance, die wirklich wichtigen Probleme anzugehen, die wir zweifelsohne haben. Dazu m&#252;ssen wir den B&#252;rokraten aber die Herrschaft &#252;ber unser Leben entrei&#223;en und d&#252;rfen die EU nicht l&#228;nger als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zwanghafte_Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung">Therapieplatz f&#252;r Kontrollfreaks</a> missbrauchen, deren h&#246;chstes Gl&#252;ck in der absoluten Durchorganisation aller Lebensbereiche liegt, nur weil das Unkontrollierte und Unkontrollierbare nicht in ihr Weltbild passt. Beh&#246;rden sollten frei sein von jeder Art entfesselten Kontrollwahns, sie sollten stattdessen den Menschen das Leben erleichtern. Dazu geh&#246;rt es, dass dort Menschen arbeiten, die keine Symptome von Kontrollfreaks zeigen Marke <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zwanghafte_Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung">&#8222;besch&#228;ftigt sich &#252;berm&#228;&#223;ig mit Details, Regeln, Listen, Ordnung,  Organisation oder Pl&#228;nen, sodass der wesentliche Gesichtspunkt der  Aktivit&#228;t dabei verloren geht&#8220;</a>.</p>
<p>Um das Leben wirklich zu vereinfachen, sollten wir darum unseren geistigen Horizont jenen &#246;ffnen, die &#252;ber aller Theorie und allen Regeln den Sinn erkennen. Wir sollten st&#228;ndig pr&#252;fen, ob unsere Routinen noch irgendetwas mit dem Konkreten und dem Realen in unserer Welt zu tun haben. Dabei kommen wir nicht umhin, die Denkmuster unter die Lupe zu nehmen, die in ma&#223;geblichen Organisationen herrschen, und sie n&#246;tigenfalls zu hinterfragen oder auch zu &#228;ndern.</p>
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		<title>Denken verboten!</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Sep 2010 18:50:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>
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		<category><![CDATA[Vermischtes]]></category>

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		<description><![CDATA[
Schon wieder so ein Werk irgendwelcher Dummdenker: Ein Hotel l&#228;sst mit viel Aufwand und hohen Kosten Schilder anbringen mit der Aufschrift &#8222;Kurzzeitparker max. 60 Minuten&#8220;. Einen Referenten kratzt das nicht, weil au&#223;er diesen Kurzzeitparkpl&#228;tzen sowieso keine andere Chance zu parken besteht, und wenn&#8217;s &#196;rger gibt, war das eben der letzte Auftritt in dem Hotel.
Die Frage [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/06/kurzzeitparker.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-5161" title="kurzzeitparker" src="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/06/kurzzeitparker.jpg" alt="" width="400" height="267" /></a></p>
<p>Schon wieder so ein Werk irgendwelcher Dummdenker: Ein Hotel l&#228;sst mit viel Aufwand und hohen Kosten Schilder anbringen mit der Aufschrift &#8222;Kurzzeitparker max. 60 Minuten&#8220;. Einen Referenten kratzt das nicht, weil au&#223;er diesen Kurzzeitparkpl&#228;tzen sowieso keine andere Chance zu parken besteht, und wenn&#8217;s &#196;rger gibt, war das eben der letzte Auftritt in dem Hotel.</p>
<p>Die Frage &#8222;Schleppt man mich ab?&#8220; an der Rezeption f&#252;hrt zu Gel&#228;chter: &#8222;Ach, vergessen Sie die Schilder einfach.&#8220; Ich frage: &#8222;Sie meinen, die sind sinnlos?&#8220; Antwort der aufgeweckten jungen Dame: &#8222;Ja, die haben &#252;berhaupt keine Bedeutung.&#8220;</p>
<p>Das gef&#228;llt mir. Das hei&#223;t, es geht. Sogar in Deutschland. Wenn ich mir vorstelle, dass sich irgendwann irgendein Kleingeist f&#252;rchterlich wichtig extra wegen der Schilder eine R&#252;be gemacht hat, das Zeug bestellt, aufgebaut und jede Menge Zeit verschwendet hat &#8230;</p>
<p>Ich finde das sch&#246;n, wenn die sinnlosen Kopfgeburten von Regeldenkern an der Realit&#228;t scheitern. Auch hier geht Bedeutung gnadenlos vor Rechthaberei. Es w&#228;re vielleicht mal an der Zeit, den Menschen zu empfehlen, nicht in Regeln zu denken, sondern in Sinn.</p>
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		<title>Technologie echter gro&#223;artigen</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Apr 2010 22:14:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/04/technologie.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-4327" title="technologie" src="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/04/technologie.jpg" alt="" width="400" height="62" /></a></p>
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		<title>Beweis oder Argument?</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 07:22:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Klartext-Rhetorik]]></category>

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		<description><![CDATA[Momentan lese ich ein wenig auf Rhetorik- und Dialektik-Webseiten herum, und mein Eindruck aus der Uni best&#228;tigt sich, dass Begriffe wie &#8222;These&#8220; und &#8222;Argument&#8220; ziemlich verwirren. Gerade wenn es darum geht, jemanden zu &#252;berzeugen, also auf dem klassischen Hoheitsgebiet handels&#252;blicher Rhetorikanbieter, sind diese Begriffe selten klar. Denn sie &#252;berspringen eine wesentliche Differenzierung: die zwischen Tatsachenbehauptung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Momentan lese ich ein wenig auf Rhetorik- und Dialektik-Webseiten herum, und mein Eindruck aus der Uni best&#228;tigt sich, dass Begriffe wie &#8222;These&#8220; und &#8222;Argument&#8220; ziemlich verwirren. Gerade wenn es darum geht, jemanden zu &#252;berzeugen, also auf dem klassischen Hoheitsgebiet handels&#252;blicher Rhetorikanbieter, sind diese Begriffe selten klar. Denn sie &#252;berspringen eine wesentliche Differenzierung: die zwischen <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/die-wunderbare-welt-der-medien/tatsache-oder-meinung/">Tatsachenbehauptung und Meinungs&#228;u&#223;erung</a>. &#220;ber das Thema habe ich schon &#246;fter mal geschrieben. Es ist elementar, wenn man Kommunikation verstehen und betreiben will. Der Kern ist:</p>
<p><em>Eine Tatsachenbehauptung ist beweisbar oder widerlegbar, eine Meinungs&#228;u&#223;erung ist nicht beweisbar oder widerlegbar.</em></p>
<p>Der Satz &#8222;Drau&#223;en liegt Schnee&#8220; ist beweisbar oder widerlegbar, der Satz &#8222;Schnee ist sch&#246;n&#8220; ist nicht beweisbar oder widerlegbar. Wissenschaftlich gesehen, k&#246;nnte man den Satz &#8222;Drau&#223;en liegt Schnee&#8220; als &#8222;These&#8220; oder &#8222;Hypothese&#8220; gelten lassen, dann hinaus gehen und den Beweis f&#252;hren oder die These widerlegen. Ein Beweis mag f&#252;r &#252;berzeugte Philologen ein &#8222;Argument&#8220; sein. Doch das Ganze hinkt: Schon beim Verb &#8222;argumentieren&#8220; h&#246;rt der Volksmund den Aspekt der Meinung und erkennt, dass es dabei nur schwer um einen Beweis gehen kann. Das Wort trifft nicht ganz, und darum schlage ich vor, Beweis und Argument zu trennen.</p>
<p>&#8222;Argumente&#8220; passen nicht in die Linie der Tatsachenbehauptungen. Denn ob Schnee liegt, kann ich nicht argumentieren, ich kann es bestenfalls beweisen oder widerlegen. Anders bei den Meinungs&#228;u&#223;erungen: Bei der Frage, ob Schnee sch&#246;n sei, kann ich argumentieren. Warum meine ich das, und wieso sollte meine Umwelt das auch meinen? Das w&#228;re dann eine Argumentation. Zugleich ist die Aussage &#8222;Schnee ist sch&#246;n&#8220; in diesem Sinne keine These, selbst wenn auch das die Philologen anders sehen. Doch es bleibt eine Meinung. Denn was soll ich mit einer These tun, die eine Meinung ist? Beweisen l&#228;sst sie sich nicht. Ich kann h&#246;chstens in ihrem Sinne argumentieren.</p>
<p>Ein Argument ist also bei den Meinungs&#228;u&#223;erungen, was der Beweis bei den Tatsachenbehauptungen ist. Wer das durcheinanderbringt, wird kaum eine schl&#252;ssige &#220;berzeugung aufbauen k&#246;nnen. Ich vermute, dass Rhetorik und Dialektik diese Begriffe deswegen so verwirrend verwenden, weil beide Str&#246;mungen aus der Linguistik und der Philosophie kommen und nicht aus der Praxis, etwa dem Medienrecht, wo die Unterscheidung zwischen Tatsachenbehauptung und Meinungs&#228;u&#223;erung eine der wichtigsten S&#228;ulen ist.</p>
<p><a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/die-wunderbare-welt-der-medien/holocaust-leugnung-ansichtssache/">Holocaust-Leugnung</a> beispielsweise kann nicht unter das Grundrecht der freien Meinungs&#228;u&#223;erung fallen, weil sie keine Meinungs&#228;u&#223;erung ist. Es ist keine Ansichtssache, ob es einen Massenmord gab oder nicht, ebenso wie es keine Ansichtssache ist, ob Schnee liegt oder nicht. Der Holocaust ist beweisbar. Die Aussage, <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/reisen/auschwitz/">Auschwitz</a> habe es nicht gegeben, ist damit keine Meinungs&#228;u&#223;erung. Sie ist eine Tatsachenbehauptung, weil widerlegbar, und sie ist zudem auch noch falsch. Und Falschbehauptungen sind aus guten Gr&#252;nden nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt.</p>
<p>Wenn ich nun also jemanden anhand der Wirklichkeit von etwas &#252;berzeugen will, brauche ich Beweise, damit er die Fakten anerkennt; und ich brauche Argumente, um ihn zu einer erw&#252;nschten Meinung zu bewegen. Zwei Kan&#228;le also: Fakten erl&#228;utern und Erkenntnis erschaffen – das ist das <em>Wissen</em>. Und dann die Meinungsbildung draufsatteln – das ist das <em>Meinen</em>. Sobald ich beides vermische, etwa indem ich meine Meinung als beweisbar darstelle, n&#228;here ich mich dem <em>Totalitarismus</em>, der seine Ideologie als Tatsache predigt. Die Trennung ist also enorm wichtig, auch im Alltag der Rhetorik: Ohne Beweise wird eine Argumentation nicht wirken; und ohne Argumentation tragen die Beweise nicht zu einer Meinungs&#228;nderung bei.</p>
<p>Eine &#220;berzeugung besteht demnach aus zwei Aspekten: Fakten als Grundlage und die Meinung dazu.</p>
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		<title>Das: Doppelpunkt: Dogma:</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/das-doppelpunkt-dogma/</link>
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		<pubDate>Sat, 23 Jan 2010 21:31:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Klartext-Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Musik-Tipps]]></category>

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		<description><![CDATA[
Liebe &#8222;Tagesschau&#8220;. Lasst doch die Finger vom Print, vom Web und &#252;berhaupt vom geschriebenen Wort. Eure St&#228;rke ist das gesprochene Wort. Und jeder Mensch mit ein wenig Musikalit&#228;t h&#246;rt beim stillen Lesen eurer Geschichte hier: Dass was in der Melodie nicht stimmt: Mehrere Doppelpunkt-S&#228;tze hintereinander sind Humbug: Als Einstieg schon drei Mal:
Also bitte. Tut sowas [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/01/nixgut0002.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-3696" title="nixgut000" src="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/01/nixgut0002.jpg" alt="nixgut000" width="400" height="83" /></a></p>
<p>Liebe &#8222;Tagesschau&#8220;. Lasst doch die Finger vom Print, vom Web und &#252;berhaupt vom geschriebenen Wort. Eure St&#228;rke ist das gesprochene Wort. Und jeder Mensch mit ein wenig Musikalit&#228;t h&#246;rt beim stillen Lesen <a href="http://www.tagesschau.de/inland/lafontaine284.html">eurer Geschichte hier</a>: Dass was in der Melodie nicht stimmt: Mehrere Doppelpunkt-S&#228;tze hintereinander sind Humbug: Als Einstieg schon drei Mal:</p>
<p>Also bitte. Tut sowas nie mehr. Punkt! Ende. Aus. Absatz.</p>
<p>Vermutlich ist es ein Redigierfehler, okay. Ihr habt euch gegen den alten Einstieg entschieden und einen neuen geschrieben, den alten aber leider nicht gel&#246;scht, vermute ich. Und leider ist der erste Satz auch noch v&#246;llig krautig und salatig. Warum soll etwas ausgerechnet f&#252;r die &#252;berraschend sein, die einem jede &#220;berraschung zutrauen? H&#228;? Sorry, da steigen Herr und Frau Leser/in aus. Wahrscheinlich wolltet ihr den Satz deswegen auch killen. Gute Entscheidung.</p>
<p>Anyway: W&#228;re das ein Teleprompter-Text gewesen, h&#228;ttet ihr den Holperer mit der Satzmelodie auch bemerkt. Da kann Lafontaine hinschmei&#223;en, so oft er will und aus welchen Gr&#252;nden auch immer. Euer Einstieg ist schlicht misslungen. Nicht, weil ihr euch nicht der Wirkung von Satzzeichen bewusst w&#228;rt, nein. Aber weil ihr euch halt verhaspelt habt. Au&#223;erdem k&#246;nnten deutsche Journalisten auch mal wieder von dem Trip runterkommen, jeden Beitrag mit einem angeblich &#8222;anteasernden&#8220; Doppelpunktsatz zu beginnen, das erm&#252;det auf Dauer. H&#246;rt halt mal auf mit diesem affektierten, pr&#228;tenti&#246;sen Gehabe. Das f&#252;hrt vom Inhalt weg und lenkt die Aufmerksamkeit auf euer Problem, m&#246;glichst schick r&#252;berkommen zu wollen. Doch genau das tut ihr damit leider nicht. Ihr kommt bem&#252;ht r&#252;ber.</p>
<p>Doppelpunkte erzeugen eine enorme Spannung in der Satzzeichen-Dramaturgie. Nur das Fragezeichen kann diese Spannung toppen – allerdings l&#228;sst sich das kaum vergleichen, da das Fragezeichen das einzige Spannung schaffende Satzzeichen bei den Fragen ist und der Doppelpunkt nur eine von mehreren M&#246;glichkeiten bei Aussagen. Innerhalb der Aussagen also schafft der Doppelpunkt die gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Spannung. Die Satzmelodie auch beim stillen Lesen geht h&#246;her als etwa beim Gedankenstrich.</p>
<p>Ein No-Go ist es aufgrund der Spannungsentwicklung nat&#252;rlich, Doppelpunkts&#228;tze hintereinander zu bringen. Eine Klimax will erst einmal aufgel&#246;st sein, alles andere w&#228;re ein Coitus Interruptus. Auf einen H&#246;hepunkt darf kein weiterer H&#246;hepunkt folgen. Erst, wenn die Spannung gel&#246;st ist, kann man wieder eine Spannung aufbauen. Das ist jedenfalls in der Sprache und in der Sprachdramaturgie so.</p>
<p>Es ist auch okay, eine Spannung steigernd aufzubauen nach dem Hollywood-Prinzip &#8222;Mit einem Erdbeben beginnen und dann langsam steigern&#8220;:</p>
<p><em>Bla bla bla bla bla – bla bla bli bl&#228; bl&#246;h:</em></p>
<p>Aber dann muss der folgende Satz, sofern es um eine Aussage geht, mit einem Punkt enden – das finde ich &#252;brigens viel st&#228;rker als ein Ausrufezeichen, weil das Gebr&#252;ll des Ausrufezeichens die Aussage schw&#228;cht. Br&#252;llen muss nur, wessen Aussage nicht eindr&#252;cklich ist.</p>
<p>Oder aber, und das ist ein extrem starkes dramaturgisches Mittel, endet der auf einen Doppelpunkt folgende Satz mit einem Fragezeichen. Das hebt die Satzmelodie noch einmal und stellt wieder eine Klimax her. Aussehen tun tut das dann so aussehen:</p>
<p><em>Bla bla bla – bli bl&#228;h blub bla bl&#246;h: Bli bl&#228;h blub?</em></p>
<p>Dass diese Inszenierungen von H&#246;hepunkten mit Musik zu tun haben, verstehen nicht unbedingt Germanisten, nur weil sie Germanisten sind, denn f&#252;r ein Germanistikstudium bedarf es keinerlei Musikalit&#228;t oder dessen, was E.T.A Hoffmann das &#8222;kindlich-poetische Gem&#252;t&#8220; nennt.</p>
<p>Es ist aber allen klar, die Musik machen. Begriffe wie H&#246;hepunkt, Climax und Dominante sind Musikern gel&#228;ufig. Spannungserzeugung ist viel mehr eine Gef&#252;hlssache als eine Frage der Systematik, die sich geisteswissenschaftlich objektivieren lie&#223;e, auch wenn nat&#252;rlich die Musikwissenschaft versucht, solche Dinge festzuhalten (wie ich hier ja auch). In der Sprache jedenfalls ist der Aufbau einer solchen Erdbebensteigerungsspannung begrenzt, das soeben dargestellte Beispiel aus Gedankenstrich, Doppelpunkt und Fragezeichen l&#228;sst sich h&#246;chstens noch durch ein paar Kommata vorher steigern:</p>
<p><em>Bli bla blu, bla bla bl&#246;h – blie bl&#228;h blub: Bla bla bla?</em></p>
<p>Mehr ginge nicht, denn nach einem &#8222;Bli bla blu, bla bla bloh, bli bla blu&#8220;, w&#228;re ein Punkt an der Reihe, wenn danach eine Spannung entstehen soll – das erfordert eine solche Trias nun einmal.</p>
<p>Anders in der Musik, in der sich Spannung nahezu unendlich steigern l&#228;sst – indem man einfach st&#228;ndig die Dominante der Dominante bildet. Jede Tonika einer Dominante ist ihrerseits eine Dominante, und so l&#228;sst es sich damit wunderbar durch den Quintenzirkel springen.</p>
<p><em>A-Dur – D-Dur – G-Dur – C-Dur – F-Dur – B-Dur</em></p>
<p>&#8230; und so weiter. Am besten jeweils als Septakkorde.</p>
<p>Mir f&#228;llt auch immerhin ein St&#252;ck ein, das dieses Spannungsprinzip einigerma&#223;en nutzt, und zwar der gute alte Marsch &#8222;Pomp and Circumstance&#8220; von Edward Elgar. Um es mal ganz fu&#223;ballerisch und iTunes-gebr&#228;uchlich zu beschreiben: Mit Beginn der dritten Minute (sinnigerweise ab 02:00) beginnt das Hauptmotiv dieses einfachen, aber beeindruckenden St&#252;ckes in der Grundtonart D-Dur, und der &#8222;Refrain&#8220;, wenn man ihn so nennen will, bezieht seine Spannung komplett aus dem Aufbau von Dominanten von Dominanten. Ein billiger Trick, wenn man ihn mal durchschaut hat, aber eben wirkungsvoll.</p>
<p>Dass Dramaturgie emotional wirkt, wei&#223; jeder Filmwissenschaftler, der an bestimmten Stellen hundertfach gesehener Filme immer noch weint. Es wei&#223; jeder Musiker und auch mancher Musikwissenschaftler. Und es wei&#223; auch jeder Mensch mit Sprachgef&#252;hl, der die Wirkung von Sprache, Satzzeichendramaturgie und Melodief&#252;hrung einerseits systematisierend durchschaut und bis hin zur Demagogie einsetzt, selbst aber angesichts einer ergreifenden Rede affektiv die Segel streicht. Kopf und Herz sind zweierlei Kan&#228;le, und was die Sprache angeht, sind Satzzeichen ein unglaublich effektiver und zugleich leichter Zugang zum Empfinden anderer Menschen.</p>
<p>Relevant dabei ist nicht die Sachebene. Sondern es geht um den emotionalen Zugang. Etwas anderes z&#228;hlt nicht. Menschen treffen Entscheidungen emotional. Selbst der n&#252;chternste Kopfmensch handelt deswegen rational, weil er damit ein gutes Gef&#252;hl hat.</p>
<p>In der Sprache gilt jedenfalls, anders als in der Musik, klar das Dogma: Niemals: Mehrere: S&#228;tze: Mit: Doppelpunkten: Hintereinander! Sonst steigen die Leute emotional aus, weil sie sich affektiv nicht richtig durch den Text gef&#252;hrt f&#252;hlen. Und: Ob jemand bis zum Schluss dabei bleibt, ist eine Frage der Dramaturgie. Daher geht es darum, die Leute genau bis zu diesem Punkt zu f&#252;hren.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>No more Mismatcher!</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/no-more-mismatcher/</link>
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		<pubDate>Thu, 21 Jan 2010 20:04:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Coaching]]></category>
		<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>

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		<description><![CDATA[Was ist ein Mismatcher? Ein Mensch, der auf einen neuen Gedanken mit einem alten Muster reagiert. In der heutigen Wirtschafts- und Arbeitswelt beispielsweise sagen Sie jemandem, dass heute so gut wie jeder in der westlichen Welt &#252;ber die wesentlichen Produktionsmittel verf&#252;gt, um mit seinen Gedanken erfolgreich zu werden, seien da Textverarbeitungsprogramme, Internet, Blogs, Twitter und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was ist ein Mismatcher? Ein Mensch, der auf einen neuen Gedanken mit einem alten Muster reagiert. In der heutigen Wirtschafts- und Arbeitswelt beispielsweise sagen Sie jemandem, dass heute so gut wie jeder in der westlichen Welt &#252;ber die wesentlichen Produktionsmittel verf&#252;gt, um mit seinen Gedanken erfolgreich zu werden, seien da Textverarbeitungsprogramme, Internet, Blogs, Twitter und so weiter – und der Mismatcher sagt Ihnen, dass ein Computer &#8222;aber doch&#8220; Geld koste. Der Matcher dagegen klopft neue Gedanken auf ihr Potenzial ab und erkennt Hindernisse als das, was sie meist sind: umgehbar oder &#252;berwindbar. Wer will, sucht Wege, wer nicht will, sucht Gr&#252;nde.</p>
<p>Im Grunde beruht die Differenzierung auf einem <a href="http://www.nlp-bibliothek.de/nlp-master/068-gleichheit-unterschiede.html">Metaprogramm aus dem NLP</a>, worauf mich <a href="http://www.zeitzuleben.de">Ralf Senftleben</a> mal stie&#223;. Es tut mir Leid f&#252;r Sie, wenn Sie Mismatcher sind – vielleicht k&#246;nnen Sie es &#228;ndern. Aber wenn Ihr Gegen&#252;ber Mismatcher ist, was dann?</p>
<p>Gegen&#252;ber Mismatchern hat man – wie in jeder Situation – drei M&#246;glichkeiten: Love it, change it or leave it. Da &#8222;change it&#8220; hinsichtlich anderer Menschen in aller Regel ausf&#228;llt, bleiben im wesentlichen zwei. &#8222;Love it&#8220; hat sich meiner Erfahrung nach als extrem Energie raubend erwiesen, und darum neige ich angesichts von Mismatchern zum &#8222;Leave it&#8220;. Ich will in meinem Leben schlicht keine Mismatcher mehr haben. Ich nehme sie nicht ernst, ihre Gedanken interessieren mich nicht, sie sollen andere mit ihrem negativen Kram bel&#228;stigen, aber nicht mich.</p>
<p>Warum so hart? Weil ich, wie viele andere in der Seminarszene auch, ein gebranntes Kind bin. Wer neue Gedanken in die Welt bringt, Seminare, Ideen, Konzepte, die in irgendeiner Weise den Status Quo hinterfragen, der hat es bald mit der geballten Macht der Mismatcher zu tun, die ihre Pfr&#252;nde verteidigen. In dieser von Mismatchern bestimmten Welt ist der Wille zur Innovation und zur Verbesserung der Welt ein Gang &#252;ber ein Minenfeld. Das wei&#223; jeder, der in einer Xing-Gruppe schon einmal neue Gedanken gepostet hat. Auch offline h&#228;ngt alles an Mismatchern und scheitert an Mismatchern: Neue Modelle in der Gesundheitspolitik scheitern an &#196;rzten und der Pharmaindustrie, neue psychologische Ans&#228;tze an Psychologen, neue Didaktikkonzepte an Lehrern. Merkw&#252;rdigerweise haben alle diese Berufe etwas gemeinsam, aber nicht nur.</p>
<p>Nicht nur in diesen Berufen geht es oft darum, Ph&#228;nomene mit Mustern abzugleichen. Auch der Bereich, der wohl am ma&#223;geblichsten unser Leben bestimmt, beruht auf dem st&#228;ndigen simplen, wenn nicht gar primitiven Abgleich von Ph&#228;nomenen mit Mustern: die Juristerei. Ein Ph&#228;nomen (Tatbestand) entspricht entweder den Mustern (Regeln) oder nicht. Danach f&#228;llt die Entscheidung aus. Einen Systemfehler melden Juristen, wenn nicht klar ist, ob sich etwas entspricht – und obwohl weiterhin die Sonne scheint, beginnen pl&#246;tzlich einige Leute herumzuspinnen, weil da etwas nicht definiert ist. Unbekannter Zustand f&#252;r Musterabgleicher! Grund zur Panik! Mit einem Mal beharken sich Juristen beider Seiten, bis die Sache gekl&#228;rt ist – als sei es so schlimm, wenn einmal etwas Ungekl&#228;rtes im Raum stehen bleibt. Als Au&#223;enstehender w&#228;hnt man sich bisweilen im Jack-Nicholson-Film &#8222;Besser geht&#8217;s nicht&#8220; und fragt sich, auf welchem Planeten die Beteiligten leben und welche Probleme sie haben – ebenso wie man sich bei Vertretern des Bildungssystems nach deren F&#228;higkeit zur Priorisierung fragt, die Kindern in konsequenter Blindheit einseitige Inhalte vermitteln und minutenlang auf Kommafehlern herumreiten.</p>
<p>Ich vermute und f&#252;rchte, dass der Mismatcher nahezu deckungsgleich ist mit dem konvergenten Denker, den ich ja f&#252;r brandgef&#228;hrlich halte, <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/es-lebe-die-vorstellungskraft/">wie Sie wissen, wenn Sie mein Blog lesen</a>. Sicher, nat&#252;rlich, auf jeden Fall gibt es viele gute Lehrer und auch viele hervorragende Juristen, die in Bedeutungen und Sinn denken und nicht nur irgendwelchen absurden Schemata entsprechen, Hauptsache, es sind Schemata. Es gibt innerhalb dieser Gruppen auch jede Menge Divergenzdenker, ich kenne viele, die &#252;ber den Tellerrand hinaus denken und oft auch handeln. Aber diese guten Vertreter ihrer Zunft bewegen sich eben au&#223;erhalb des Rasters. Im Zweifel bekommen sie Probleme, wenn sie ihrer Haltung folgen. Ich kenne eine Menge kreativer und divergent denkender Lehrer, die mit ihren Ideen am System scheitern. Sind sie jung, steigen sie aus und machen was anderes, sind sie alt, resignieren sie und spielen das Spiel weiter mit. Was mag das f&#252;r ein Gef&#252;hl sein, wenn man sich selbst so sehr untreu ist? Redet man sich das mit den Kompromissen sch&#246;n?</p>
<p>Pervers daran ist: Diese guten Lehrer scheitern letztlich an Lehrertypen. Das Mismatching ist letztlich lehrerimmanent, wie schon <a href="http://www.ted.com/talks/ken_robinson_says_schools_kill_creativity.html">Ken Robinson </a>in seinem legend&#228;ren Vortrag durch die Blume vermittelt, es kann wegen der starken Fehlerfokussierung des Bildungssystems gar nicht anders sein. Und es ist aufgrund des st&#228;ndigen Abgleichs der Realit&#228;t mit &#8222;Fehlern&#8220; und &#8222;Regeln&#8220; auch juristenimmanent. Im Rechtsstreit geht es oft nicht um L&#246;sungen, sondern um Machtk&#228;mpfe, und beides sind grundverschiedene Dinge. Unsere Gesellschaft – von konvergenten Mismatchern dominiert – hat sich dazu entschieden, nicht l&#246;sungsorientiert zu handeln, sondern vernichtend. Wer mehr Geld hat, klagt den anderen mal eben kaputt, weil es dem gar nichts bringt, wenn er in acht Jahren vor dem BGH vielleicht Recht bekommt. Und dass unser Rechtssystem nicht Menschen hilft, die im Recht sind oder eine sinnvolle Sache tun, sondern Menschen, die Geld haben, verdanken wir abstruserweise einem Denken, das vor lauter inflation&#228;rer Regelorientierung den Sinn verfehlt und die Realit&#228;t nicht mehr trifft.</p>
<p>Gleichwohl h&#228;lt der Unselige sein Handeln f&#252;r selig. &#220;blich ist selektive Wahrnehmung, wie es <a href="http://www.stefan-fraedrich.de/podcast/leo-tolstoi">Stefan Fr&#228;drich in einem Podcast beschreibt</a>: Wer in einem therapeutischen Beruf arbeitet, neigt dazu, Krankheiten zu sehen. Und das zu sehen, was man – bewusst oder unbewusst – sehen will, ist Konvergenz, mit der oft die Ablehnung neuer und ungewohnter Gedanken einhergeht, also das Mismatching. Und nun haben wir das Problem, dass ausgerechnet diese Geisteshaltung unser &#246;ffentliches Leben bestimmt und entscheidet, wer vor Gericht Recht bekommt und wer nicht.</p>
<p>Was mich betrifft, will ich keine Mismatcher mehr in meinem Leben. Ich habe f&#252;r Mismatcher schon viel zu viel Energie verbraten. Vor einigen Jahren wusste ich gar nicht, was Mismatcher sind. Ich habe mir von ihnen ein Ohr abkauen lassen, weil ich davon ausging, alles, was Menschen denken, f&#252;hlen und sagen, sei relevant. Erst wenn man sich mit M&#252;ll besch&#228;ftigt, erkennt man, was M&#252;ll wirklich ist – und daher sollten Trolle in Xing-Gruppen und Trolle im Blog niemals die Zielgruppe der pers&#246;nlichen Kommunikation sein. Es hat schlicht keinen Sinn. Sollen die konvergent denkenden Mismatcher doch konvergente Mismatcher bleiben und ihr regelorientiertes Leben der Musterabgleichung f&#252;hren, eine Konkurrenz werden sie ohnehin kaum werden, dazu gebricht es ihnen zu sehr an Schaffenskraft. Und wird man von einem Mismatcher dumm von der Seite angemacht, so ist das ein Kollateralschaden, der zu vernachl&#228;ssigen ist. Einfach nicht ernst nehmen, Trolle verdienen keinerlei Energie und Aufmerksamkeit.</p>
<p>Stattdessen ist es viel kl&#252;ger und sinnvoller, wenn man seine Energie in die Potenziale steckt, in die M&#246;glichkeiten, die Welt wirklich sinnvoll zum Besseren zu ver&#228;ndern, denn das hat sie dringend n&#246;tig. Die Mismatcher werden die Welt sicher nicht retten, daf&#252;r bedarf es divergent denkender Matcher.</p>
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		<title>Nieder mit dem DLF-Verkehrsfunk!</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Jan 2010 19:18:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwelt]]></category>

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		<description><![CDATA[Das beste Beispiel daf&#252;r, dass beh&#246;rden&#228;hnliche Strukturen von sinnorientiertem Handeln weit entfernt und eher der Egozentrik nahe sind, ist der Verkehrsfunk vom Deutschlandfunk (DLF): Die braten ganz Deutschland auf von der A1 Hamburg-L&#252;beck bis zur A99 rund um M&#252;nchen und bringen die ganze Liste. Obwohl der Rezipient nur einen klitzekleinen Ausschnitt dieser umfassenden Information braucht.
Sinnvoll [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das beste Beispiel daf&#252;r, dass beh&#246;rden&#228;hnliche Strukturen von sinnorientiertem Handeln weit entfernt und eher der Egozentrik nahe sind, ist der Verkehrsfunk vom Deutschlandfunk (DLF): Die braten ganz Deutschland auf von der A1 Hamburg-L&#252;beck bis zur A99 rund um M&#252;nchen und bringen die ganze Liste. Obwohl der Rezipient nur einen klitzekleinen Ausschnitt dieser umfassenden Information braucht.</p>
<p>Sinnvoll w&#228;ren vielleicht regionale Fenster. Aber kl&#252;ger w&#228;re es vermutlich, einfach mal so realit&#228;tsbewusst zu sein und den Verkehrsfunk beim DLF komplett zu knicken. Ach, da besteht Umschaltgefahr? Nein. Weil die unn&#252;tzen Verkehrsinfo nerven, motiviert der DLF-Verkehrsfunk eh nur zum Umschalten.</p>
<p>Das wiederum zu erkennen und einzusehen, bedarf gewisser Denkweisen, wie sie in solchen Strukturen eher un&#252;blich sind. Insofern ist der DLF-Verkehrsfunk ein Pars-pro-toto f&#252;r ignorantes Handeln staatlicher oder &#246;ffentlich-rechtlicher Institutionen.</p>
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		<title>Fehler gesucht</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Jan 2010 16:07:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Vermischtes]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie nennt man den Fehler, eine ungeeignete Methode zu evaluieren und anhand ihrer leidlich geringen Wirkung zu behaupten, sie sei die richtige Methode, obwohl andere Methoden offenkundig besser funktionieren? Wer beispielsweise meint, man bek&#228;me Schrauben mit der Zange in die Wand, wird eine gewisse Erfolgsquote messen und die Wirksamkeit der Methode auch evidenzbasiert belegen k&#246;nnen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie nennt man den Fehler, eine ungeeignete Methode zu evaluieren und anhand ihrer leidlich geringen Wirkung zu behaupten, sie sei die richtige Methode, obwohl andere Methoden offenkundig besser funktionieren? Wer beispielsweise meint, man bek&#228;me Schrauben mit der Zange in die Wand, wird eine gewisse Erfolgsquote messen und die Wirksamkeit der Methode auch evidenzbasiert belegen k&#246;nnen – w&#228;hrend die Verfechter der Schraubendreher-Fraktion in ihren Studien nicht einmal eine Kontrollgruppe brauchen. Gibt es f&#252;r diesen Knoten im wissenschaftlichen Denken ein Wort?</p>
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