<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Thilo Baum &#187; Einfache Erkenntnisse</title>
	<atom:link href="http://www.thilo-baum.de/category/lounge/einfache-erkenntnisse/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.thilo-baum.de</link>
	<description>Thilo Baum: Klartext-Experte</description>
	<lastBuildDate>Wed, 08 Sep 2010 03:54:59 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.1</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Denken verboten!</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/denken-verboten/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/denken-verboten/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 04 Sep 2010 18:50:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Vermischtes]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/?p=5162</guid>
		<description><![CDATA[
Schon wieder so ein Werk irgendwelcher Dummdenker: Ein Hotel l&#228;sst mit viel Aufwand und hohen Kosten Schilder anbringen mit der Aufschrift &#8222;Kurzzeitparker max. 60 Minuten&#8220;. Einen Referenten kratzt das nicht, weil au&#223;er diesen Kurzzeitparkpl&#228;tzen sowieso keine andere Chance zu parken besteht, und wenn&#8217;s &#196;rger gibt, war das eben der letzte Auftritt in dem Hotel.
Die Frage [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/06/kurzzeitparker.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-5161" title="kurzzeitparker" src="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/06/kurzzeitparker.jpg" alt="" width="400" height="267" /></a></p>
<p>Schon wieder so ein Werk irgendwelcher Dummdenker: Ein Hotel l&#228;sst mit viel Aufwand und hohen Kosten Schilder anbringen mit der Aufschrift &#8222;Kurzzeitparker max. 60 Minuten&#8220;. Einen Referenten kratzt das nicht, weil au&#223;er diesen Kurzzeitparkpl&#228;tzen sowieso keine andere Chance zu parken besteht, und wenn&#8217;s &#196;rger gibt, war das eben der letzte Auftritt in dem Hotel.</p>
<p>Die Frage &#8222;Schleppt man mich ab?&#8220; an der Rezeption f&#252;hrt zu Gel&#228;chter: &#8222;Ach, vergessen Sie die Schilder einfach.&#8220; Ich frage: &#8222;Sie meinen, die sind sinnlos?&#8220; Antwort der aufgeweckten jungen Dame: &#8222;Ja, die haben &#252;berhaupt keine Bedeutung.&#8220;</p>
<p>Das gef&#228;llt mir. Das hei&#223;t, es geht. Sogar in Deutschland. Wenn ich mir vorstelle, dass sich irgendwann irgendein Kleingeist f&#252;rchterlich wichtig extra wegen der Schilder eine R&#252;be gemacht hat, das Zeug bestellt, aufgebaut und jede Menge Zeit verschwendet hat &#8230;</p>
<p>Ich finde das sch&#246;n, wenn die sinnlosen Kopfgeburten von Regeldenkern an der Realit&#228;t scheitern. Auch hier geht Bedeutung gnadenlos vor Rechthaberei. Es w&#228;re vielleicht mal an der Zeit, den Menschen zu empfehlen, nicht in Regeln zu denken, sondern in Sinn.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/denken-verboten/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Technologie echter gro&#223;artigen</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/einfache-erkenntnisse/technologie-echter-grossartigen/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/einfache-erkenntnisse/technologie-echter-grossartigen/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 04 Apr 2010 22:14:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/lounge/einfache-erkenntnisse/technologie-echter-grossartigen/</guid>
		<description><![CDATA[
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/04/technologie.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-4327" title="technologie" src="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/04/technologie.jpg" alt="" width="400" height="62" /></a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/einfache-erkenntnisse/technologie-echter-grossartigen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Beweis oder Argument?</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/beweis-oder-argument/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/beweis-oder-argument/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 07:22:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Klartext-Rhetorik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/beweis-oder-argument/</guid>
		<description><![CDATA[Momentan lese ich ein wenig auf Rhetorik- und Dialektik-Webseiten herum, und mein Eindruck aus der Uni best&#228;tigt sich, dass Begriffe wie &#8222;These&#8220; und &#8222;Argument&#8220; ziemlich verwirren. Gerade wenn es darum geht, jemanden zu &#252;berzeugen, also auf dem klassischen Hoheitsgebiet handels&#252;blicher Rhetorikanbieter, sind diese Begriffe selten klar. Denn sie &#252;berspringen eine wesentliche Differenzierung: die zwischen Tatsachenbehauptung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Momentan lese ich ein wenig auf Rhetorik- und Dialektik-Webseiten herum, und mein Eindruck aus der Uni best&#228;tigt sich, dass Begriffe wie &#8222;These&#8220; und &#8222;Argument&#8220; ziemlich verwirren. Gerade wenn es darum geht, jemanden zu &#252;berzeugen, also auf dem klassischen Hoheitsgebiet handels&#252;blicher Rhetorikanbieter, sind diese Begriffe selten klar. Denn sie &#252;berspringen eine wesentliche Differenzierung: die zwischen <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/die-wunderbare-welt-der-medien/tatsache-oder-meinung/">Tatsachenbehauptung und Meinungs&#228;u&#223;erung</a>. &#220;ber das Thema habe ich schon &#246;fter mal geschrieben. Es ist elementar, wenn man Kommunikation verstehen und betreiben will. Der Kern ist:</p>
<p><em>Eine Tatsachenbehauptung ist beweisbar oder widerlegbar, eine Meinungs&#228;u&#223;erung ist nicht beweisbar oder widerlegbar.</em></p>
<p>Der Satz &#8222;Drau&#223;en liegt Schnee&#8220; ist beweisbar oder widerlegbar, der Satz &#8222;Schnee ist sch&#246;n&#8220; ist nicht beweisbar oder widerlegbar. Wissenschaftlich gesehen, k&#246;nnte man den Satz &#8222;Drau&#223;en liegt Schnee&#8220; als &#8222;These&#8220; oder &#8222;Hypothese&#8220; gelten lassen, dann hinaus gehen und den Beweis f&#252;hren oder die These widerlegen. Ein Beweis mag f&#252;r &#252;berzeugte Philologen ein &#8222;Argument&#8220; sein. Doch das Ganze hinkt: Schon beim Verb &#8222;argumentieren&#8220; h&#246;rt der Volksmund den Aspekt der Meinung und erkennt, dass es dabei nur schwer um einen Beweis gehen kann. Das Wort trifft nicht ganz, und darum schlage ich vor, Beweis und Argument zu trennen.</p>
<p>&#8222;Argumente&#8220; passen nicht in die Linie der Tatsachenbehauptungen. Denn ob Schnee liegt, kann ich nicht argumentieren, ich kann es bestenfalls beweisen oder widerlegen. Anders bei den Meinungs&#228;u&#223;erungen: Bei der Frage, ob Schnee sch&#246;n sei, kann ich argumentieren. Warum meine ich das, und wieso sollte meine Umwelt das auch meinen? Das w&#228;re dann eine Argumentation. Zugleich ist die Aussage &#8222;Schnee ist sch&#246;n&#8220; in diesem Sinne keine These, selbst wenn auch das die Philologen anders sehen. Doch es bleibt eine Meinung. Denn was soll ich mit einer These tun, die eine Meinung ist? Beweisen l&#228;sst sie sich nicht. Ich kann h&#246;chstens in ihrem Sinne argumentieren.</p>
<p>Ein Argument ist also bei den Meinungs&#228;u&#223;erungen, was der Beweis bei den Tatsachenbehauptungen ist. Wer das durcheinanderbringt, wird kaum eine schl&#252;ssige &#220;berzeugung aufbauen k&#246;nnen. Ich vermute, dass Rhetorik und Dialektik diese Begriffe deswegen so verwirrend verwenden, weil beide Str&#246;mungen aus der Linguistik und der Philosophie kommen und nicht aus der Praxis, etwa dem Medienrecht, wo die Unterscheidung zwischen Tatsachenbehauptung und Meinungs&#228;u&#223;erung eine der wichtigsten S&#228;ulen ist.</p>
<p><a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/die-wunderbare-welt-der-medien/holocaust-leugnung-ansichtssache/">Holocaust-Leugnung</a> beispielsweise kann nicht unter das Grundrecht der freien Meinungs&#228;u&#223;erung fallen, weil sie keine Meinungs&#228;u&#223;erung ist. Es ist keine Ansichtssache, ob es einen Massenmord gab oder nicht, ebenso wie es keine Ansichtssache ist, ob Schnee liegt oder nicht. Der Holocaust ist beweisbar. Die Aussage, <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/reisen/auschwitz/">Auschwitz</a> habe es nicht gegeben, ist damit keine Meinungs&#228;u&#223;erung. Sie ist eine Tatsachenbehauptung, weil widerlegbar, und sie ist zudem auch noch falsch. Und Falschbehauptungen sind aus guten Gr&#252;nden nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt.</p>
<p>Wenn ich nun also jemanden anhand der Wirklichkeit von etwas &#252;berzeugen will, brauche ich Beweise, damit er die Fakten anerkennt; und ich brauche Argumente, um ihn zu einer erw&#252;nschten Meinung zu bewegen. Zwei Kan&#228;le also: Fakten erl&#228;utern und Erkenntnis erschaffen – das ist das <em>Wissen</em>. Und dann die Meinungsbildung draufsatteln – das ist das <em>Meinen</em>. Sobald ich beides vermische, etwa indem ich meine Meinung als beweisbar darstelle, n&#228;here ich mich dem <em>Totalitarismus</em>, der seine Ideologie als Tatsache predigt. Die Trennung ist also enorm wichtig, auch im Alltag der Rhetorik: Ohne Beweise wird eine Argumentation nicht wirken; und ohne Argumentation tragen die Beweise nicht zu einer Meinungs&#228;nderung bei.</p>
<p>Eine &#220;berzeugung besteht demnach aus zwei Aspekten: Fakten als Grundlage und die Meinung dazu.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/beweis-oder-argument/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das: Doppelpunkt: Dogma:</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/das-doppelpunkt-dogma/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/das-doppelpunkt-dogma/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 23 Jan 2010 21:31:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Klartext-Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Musik-Tipps]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/?p=3697</guid>
		<description><![CDATA[
Liebe &#8222;Tagesschau&#8220;. Lasst doch die Finger vom Print, vom Web und &#252;berhaupt vom geschriebenen Wort. Eure St&#228;rke ist das gesprochene Wort. Und jeder Mensch mit ein wenig Musikalit&#228;t h&#246;rt beim stillen Lesen eurer Geschichte hier: Dass was in der Melodie nicht stimmt: Mehrere Doppelpunkt-S&#228;tze hintereinander sind Humbug: Als Einstieg schon drei Mal:
Also bitte. Tut sowas [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/01/nixgut0002.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-3696" title="nixgut000" src="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/01/nixgut0002.jpg" alt="nixgut000" width="400" height="83" /></a></p>
<p>Liebe &#8222;Tagesschau&#8220;. Lasst doch die Finger vom Print, vom Web und &#252;berhaupt vom geschriebenen Wort. Eure St&#228;rke ist das gesprochene Wort. Und jeder Mensch mit ein wenig Musikalit&#228;t h&#246;rt beim stillen Lesen <a href="http://www.tagesschau.de/inland/lafontaine284.html">eurer Geschichte hier</a>: Dass was in der Melodie nicht stimmt: Mehrere Doppelpunkt-S&#228;tze hintereinander sind Humbug: Als Einstieg schon drei Mal:</p>
<p>Also bitte. Tut sowas nie mehr. Punkt! Ende. Aus. Absatz.</p>
<p>Vermutlich ist es ein Redigierfehler, okay. Ihr habt euch gegen den alten Einstieg entschieden und einen neuen geschrieben, den alten aber leider nicht gel&#246;scht, vermute ich. Und leider ist der erste Satz auch noch v&#246;llig krautig und salatig. Warum soll etwas ausgerechnet f&#252;r die &#252;berraschend sein, die einem jede &#220;berraschung zutrauen? H&#228;? Sorry, da steigen Herr und Frau Leser/in aus. Wahrscheinlich wolltet ihr den Satz deswegen auch killen. Gute Entscheidung.</p>
<p>Anyway: W&#228;re das ein Teleprompter-Text gewesen, h&#228;ttet ihr den Holperer mit der Satzmelodie auch bemerkt. Da kann Lafontaine hinschmei&#223;en, so oft er will und aus welchen Gr&#252;nden auch immer. Euer Einstieg ist schlicht misslungen. Nicht, weil ihr euch nicht der Wirkung von Satzzeichen bewusst w&#228;rt, nein. Aber weil ihr euch halt verhaspelt habt. Au&#223;erdem k&#246;nnten deutsche Journalisten auch mal wieder von dem Trip runterkommen, jeden Beitrag mit einem angeblich &#8222;anteasernden&#8220; Doppelpunktsatz zu beginnen, das erm&#252;det auf Dauer. H&#246;rt halt mal auf mit diesem affektierten, pr&#228;tenti&#246;sen Gehabe. Das f&#252;hrt vom Inhalt weg und lenkt die Aufmerksamkeit auf euer Problem, m&#246;glichst schick r&#252;berkommen zu wollen. Doch genau das tut ihr damit leider nicht. Ihr kommt bem&#252;ht r&#252;ber.</p>
<p>Doppelpunkte erzeugen eine enorme Spannung in der Satzzeichen-Dramaturgie. Nur das Fragezeichen kann diese Spannung toppen – allerdings l&#228;sst sich das kaum vergleichen, da das Fragezeichen das einzige Spannung schaffende Satzzeichen bei den Fragen ist und der Doppelpunkt nur eine von mehreren M&#246;glichkeiten bei Aussagen. Innerhalb der Aussagen also schafft der Doppelpunkt die gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Spannung. Die Satzmelodie auch beim stillen Lesen geht h&#246;her als etwa beim Gedankenstrich.</p>
<p>Ein No-Go ist es aufgrund der Spannungsentwicklung nat&#252;rlich, Doppelpunkts&#228;tze hintereinander zu bringen. Eine Klimax will erst einmal aufgel&#246;st sein, alles andere w&#228;re ein Coitus Interruptus. Auf einen H&#246;hepunkt darf kein weiterer H&#246;hepunkt folgen. Erst, wenn die Spannung gel&#246;st ist, kann man wieder eine Spannung aufbauen. Das ist jedenfalls in der Sprache und in der Sprachdramaturgie so.</p>
<p>Es ist auch okay, eine Spannung steigernd aufzubauen nach dem Hollywood-Prinzip &#8222;Mit einem Erdbeben beginnen und dann langsam steigern&#8220;:</p>
<p><em>Bla bla bla bla bla – bla bla bli bl&#228; bl&#246;h:</em></p>
<p>Aber dann muss der folgende Satz, sofern es um eine Aussage geht, mit einem Punkt enden – das finde ich &#252;brigens viel st&#228;rker als ein Ausrufezeichen, weil das Gebr&#252;ll des Ausrufezeichens die Aussage schw&#228;cht. Br&#252;llen muss nur, wessen Aussage nicht eindr&#252;cklich ist.</p>
<p>Oder aber, und das ist ein extrem starkes dramaturgisches Mittel, endet der auf einen Doppelpunkt folgende Satz mit einem Fragezeichen. Das hebt die Satzmelodie noch einmal und stellt wieder eine Klimax her. Aussehen tun tut das dann so aussehen:</p>
<p><em>Bla bla bla – bli bl&#228;h blub bla bl&#246;h: Bli bl&#228;h blub?</em></p>
<p>Dass diese Inszenierungen von H&#246;hepunkten mit Musik zu tun haben, verstehen nicht unbedingt Germanisten, nur weil sie Germanisten sind, denn f&#252;r ein Germanistikstudium bedarf es keinerlei Musikalit&#228;t oder dessen, was E.T.A Hoffmann das &#8222;kindlich-poetische Gem&#252;t&#8220; nennt.</p>
<p>Es ist aber allen klar, die Musik machen. Begriffe wie H&#246;hepunkt, Climax und Dominante sind Musikern gel&#228;ufig. Spannungserzeugung ist viel mehr eine Gef&#252;hlssache als eine Frage der Systematik, die sich geisteswissenschaftlich objektivieren lie&#223;e, auch wenn nat&#252;rlich die Musikwissenschaft versucht, solche Dinge festzuhalten (wie ich hier ja auch). In der Sprache jedenfalls ist der Aufbau einer solchen Erdbebensteigerungsspannung begrenzt, das soeben dargestellte Beispiel aus Gedankenstrich, Doppelpunkt und Fragezeichen l&#228;sst sich h&#246;chstens noch durch ein paar Kommata vorher steigern:</p>
<p><em>Bli bla blu, bla bla bl&#246;h – blie bl&#228;h blub: Bla bla bla?</em></p>
<p>Mehr ginge nicht, denn nach einem &#8222;Bli bla blu, bla bla bloh, bli bla blu&#8220;, w&#228;re ein Punkt an der Reihe, wenn danach eine Spannung entstehen soll – das erfordert eine solche Trias nun einmal.</p>
<p>Anders in der Musik, in der sich Spannung nahezu unendlich steigern l&#228;sst – indem man einfach st&#228;ndig die Dominante der Dominante bildet. Jede Tonika einer Dominante ist ihrerseits eine Dominante, und so l&#228;sst es sich damit wunderbar durch den Quintenzirkel springen.</p>
<p><em>A-Dur – D-Dur – G-Dur – C-Dur – F-Dur – B-Dur</em></p>
<p>&#8230; und so weiter. Am besten jeweils als Septakkorde.</p>
<p>Mir f&#228;llt auch immerhin ein St&#252;ck ein, das dieses Spannungsprinzip einigerma&#223;en nutzt, und zwar der gute alte Marsch &#8222;Pomp and Circumstance&#8220; von Edward Elgar. Um es mal ganz fu&#223;ballerisch und iTunes-gebr&#228;uchlich zu beschreiben: Mit Beginn der dritten Minute (sinnigerweise ab 02:00) beginnt das Hauptmotiv dieses einfachen, aber beeindruckenden St&#252;ckes in der Grundtonart D-Dur, und der &#8222;Refrain&#8220;, wenn man ihn so nennen will, bezieht seine Spannung komplett aus dem Aufbau von Dominanten von Dominanten. Ein billiger Trick, wenn man ihn mal durchschaut hat, aber eben wirkungsvoll.</p>
<p>Dass Dramaturgie emotional wirkt, wei&#223; jeder Filmwissenschaftler, der an bestimmten Stellen hundertfach gesehener Filme immer noch weint. Es wei&#223; jeder Musiker und auch mancher Musikwissenschaftler. Und es wei&#223; auch jeder Mensch mit Sprachgef&#252;hl, der die Wirkung von Sprache, Satzzeichendramaturgie und Melodief&#252;hrung einerseits systematisierend durchschaut und bis hin zur Demagogie einsetzt, selbst aber angesichts einer ergreifenden Rede affektiv die Segel streicht. Kopf und Herz sind zweierlei Kan&#228;le, und was die Sprache angeht, sind Satzzeichen ein unglaublich effektiver und zugleich leichter Zugang zum Empfinden anderer Menschen.</p>
<p>Relevant dabei ist nicht die Sachebene. Sondern es geht um den emotionalen Zugang. Etwas anderes z&#228;hlt nicht. Menschen treffen Entscheidungen emotional. Selbst der n&#252;chternste Kopfmensch handelt deswegen rational, weil er damit ein gutes Gef&#252;hl hat.</p>
<p>In der Sprache gilt jedenfalls, anders als in der Musik, klar das Dogma: Niemals: Mehrere: S&#228;tze: Mit: Doppelpunkten: Hintereinander! Sonst steigen die Leute emotional aus, weil sie sich affektiv nicht richtig durch den Text gef&#252;hrt f&#252;hlen. Und: Ob jemand bis zum Schluss dabei bleibt, ist eine Frage der Dramaturgie. Daher geht es darum, die Leute genau bis zu diesem Punkt zu f&#252;hren.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/das-doppelpunkt-dogma/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>No more Mismatcher!</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/no-more-mismatcher/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/no-more-mismatcher/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 21 Jan 2010 20:04:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Coaching]]></category>
		<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/?p=3677</guid>
		<description><![CDATA[Was ist ein Mismatcher? Ein Mensch, der auf einen neuen Gedanken mit einem alten Muster reagiert. In der heutigen Wirtschafts- und Arbeitswelt beispielsweise sagen Sie jemandem, dass heute so gut wie jeder in der westlichen Welt &#252;ber die wesentlichen Produktionsmittel verf&#252;gt, um mit seinen Gedanken erfolgreich zu werden, seien da Textverarbeitungsprogramme, Internet, Blogs, Twitter und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was ist ein Mismatcher? Ein Mensch, der auf einen neuen Gedanken mit einem alten Muster reagiert. In der heutigen Wirtschafts- und Arbeitswelt beispielsweise sagen Sie jemandem, dass heute so gut wie jeder in der westlichen Welt &#252;ber die wesentlichen Produktionsmittel verf&#252;gt, um mit seinen Gedanken erfolgreich zu werden, seien da Textverarbeitungsprogramme, Internet, Blogs, Twitter und so weiter – und der Mismatcher sagt Ihnen, dass ein Computer &#8222;aber doch&#8220; Geld koste. Der Matcher dagegen klopft neue Gedanken auf ihr Potenzial ab und erkennt Hindernisse als das, was sie meist sind: umgehbar oder &#252;berwindbar. Wer will, sucht Wege, wer nicht will, sucht Gr&#252;nde.</p>
<p>Im Grunde beruht die Differenzierung auf einem <a href="http://www.nlp-bibliothek.de/nlp-master/068-gleichheit-unterschiede.html">Metaprogramm aus dem NLP</a>, worauf mich <a href="http://www.zeitzuleben.de">Ralf Senftleben</a> mal stie&#223;. Es tut mir Leid f&#252;r Sie, wenn Sie Mismatcher sind – vielleicht k&#246;nnen Sie es &#228;ndern. Aber wenn Ihr Gegen&#252;ber Mismatcher ist, was dann?</p>
<p>Gegen&#252;ber Mismatchern hat man – wie in jeder Situation – drei M&#246;glichkeiten: Love it, change it or leave it. Da &#8222;change it&#8220; hinsichtlich anderer Menschen in aller Regel ausf&#228;llt, bleiben im wesentlichen zwei. &#8222;Love it&#8220; hat sich meiner Erfahrung nach als extrem Energie raubend erwiesen, und darum neige ich angesichts von Mismatchern zum &#8222;Leave it&#8220;. Ich will in meinem Leben schlicht keine Mismatcher mehr haben. Ich nehme sie nicht ernst, ihre Gedanken interessieren mich nicht, sie sollen andere mit ihrem negativen Kram bel&#228;stigen, aber nicht mich.</p>
<p>Warum so hart? Weil ich, wie viele andere in der Seminarszene auch, ein gebranntes Kind bin. Wer neue Gedanken in die Welt bringt, Seminare, Ideen, Konzepte, die in irgendeiner Weise den Status Quo hinterfragen, der hat es bald mit der geballten Macht der Mismatcher zu tun, die ihre Pfr&#252;nde verteidigen. In dieser von Mismatchern bestimmten Welt ist der Wille zur Innovation und zur Verbesserung der Welt ein Gang &#252;ber ein Minenfeld. Das wei&#223; jeder, der in einer Xing-Gruppe schon einmal neue Gedanken gepostet hat. Auch offline h&#228;ngt alles an Mismatchern und scheitert an Mismatchern: Neue Modelle in der Gesundheitspolitik scheitern an &#196;rzten und der Pharmaindustrie, neue psychologische Ans&#228;tze an Psychologen, neue Didaktikkonzepte an Lehrern. Merkw&#252;rdigerweise haben alle diese Berufe etwas gemeinsam, aber nicht nur.</p>
<p>Nicht nur in diesen Berufen geht es oft darum, Ph&#228;nomene mit Mustern abzugleichen. Auch der Bereich, der wohl am ma&#223;geblichsten unser Leben bestimmt, beruht auf dem st&#228;ndigen simplen, wenn nicht gar primitiven Abgleich von Ph&#228;nomenen mit Mustern: die Juristerei. Ein Ph&#228;nomen (Tatbestand) entspricht entweder den Mustern (Regeln) oder nicht. Danach f&#228;llt die Entscheidung aus. Einen Systemfehler melden Juristen, wenn nicht klar ist, ob sich etwas entspricht – und obwohl weiterhin die Sonne scheint, beginnen pl&#246;tzlich einige Leute herumzuspinnen, weil da etwas nicht definiert ist. Unbekannter Zustand f&#252;r Musterabgleicher! Grund zur Panik! Mit einem Mal beharken sich Juristen beider Seiten, bis die Sache gekl&#228;rt ist – als sei es so schlimm, wenn einmal etwas Ungekl&#228;rtes im Raum stehen bleibt. Als Au&#223;enstehender w&#228;hnt man sich bisweilen im Jack-Nicholson-Film &#8222;Besser geht&#8217;s nicht&#8220; und fragt sich, auf welchem Planeten die Beteiligten leben und welche Probleme sie haben – ebenso wie man sich bei Vertretern des Bildungssystems nach deren F&#228;higkeit zur Priorisierung fragt, die Kindern in konsequenter Blindheit einseitige Inhalte vermitteln und minutenlang auf Kommafehlern herumreiten.</p>
<p>Ich vermute und f&#252;rchte, dass der Mismatcher nahezu deckungsgleich ist mit dem konvergenten Denker, den ich ja f&#252;r brandgef&#228;hrlich halte, <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/es-lebe-die-vorstellungskraft/">wie Sie wissen, wenn Sie mein Blog lesen</a>. Sicher, nat&#252;rlich, auf jeden Fall gibt es viele gute Lehrer und auch viele hervorragende Juristen, die in Bedeutungen und Sinn denken und nicht nur irgendwelchen absurden Schemata entsprechen, Hauptsache, es sind Schemata. Es gibt innerhalb dieser Gruppen auch jede Menge Divergenzdenker, ich kenne viele, die &#252;ber den Tellerrand hinaus denken und oft auch handeln. Aber diese guten Vertreter ihrer Zunft bewegen sich eben au&#223;erhalb des Rasters. Im Zweifel bekommen sie Probleme, wenn sie ihrer Haltung folgen. Ich kenne eine Menge kreativer und divergent denkender Lehrer, die mit ihren Ideen am System scheitern. Sind sie jung, steigen sie aus und machen was anderes, sind sie alt, resignieren sie und spielen das Spiel weiter mit. Was mag das f&#252;r ein Gef&#252;hl sein, wenn man sich selbst so sehr untreu ist? Redet man sich das mit den Kompromissen sch&#246;n?</p>
<p>Pervers daran ist: Diese guten Lehrer scheitern letztlich an Lehrertypen. Das Mismatching ist letztlich lehrerimmanent, wie schon <a href="http://www.ted.com/talks/ken_robinson_says_schools_kill_creativity.html">Ken Robinson </a>in seinem legend&#228;ren Vortrag durch die Blume vermittelt, es kann wegen der starken Fehlerfokussierung des Bildungssystems gar nicht anders sein. Und es ist aufgrund des st&#228;ndigen Abgleichs der Realit&#228;t mit &#8222;Fehlern&#8220; und &#8222;Regeln&#8220; auch juristenimmanent. Im Rechtsstreit geht es oft nicht um L&#246;sungen, sondern um Machtk&#228;mpfe, und beides sind grundverschiedene Dinge. Unsere Gesellschaft – von konvergenten Mismatchern dominiert – hat sich dazu entschieden, nicht l&#246;sungsorientiert zu handeln, sondern vernichtend. Wer mehr Geld hat, klagt den anderen mal eben kaputt, weil es dem gar nichts bringt, wenn er in acht Jahren vor dem BGH vielleicht Recht bekommt. Und dass unser Rechtssystem nicht Menschen hilft, die im Recht sind oder eine sinnvolle Sache tun, sondern Menschen, die Geld haben, verdanken wir abstruserweise einem Denken, das vor lauter inflation&#228;rer Regelorientierung den Sinn verfehlt und die Realit&#228;t nicht mehr trifft.</p>
<p>Gleichwohl h&#228;lt der Unselige sein Handeln f&#252;r selig. &#220;blich ist selektive Wahrnehmung, wie es <a href="http://www.stefan-fraedrich.de/podcast/leo-tolstoi">Stefan Fr&#228;drich in einem Podcast beschreibt</a>: Wer in einem therapeutischen Beruf arbeitet, neigt dazu, Krankheiten zu sehen. Und das zu sehen, was man – bewusst oder unbewusst – sehen will, ist Konvergenz, mit der oft die Ablehnung neuer und ungewohnter Gedanken einhergeht, also das Mismatching. Und nun haben wir das Problem, dass ausgerechnet diese Geisteshaltung unser &#246;ffentliches Leben bestimmt und entscheidet, wer vor Gericht Recht bekommt und wer nicht.</p>
<p>Was mich betrifft, will ich keine Mismatcher mehr in meinem Leben. Ich habe f&#252;r Mismatcher schon viel zu viel Energie verbraten. Vor einigen Jahren wusste ich gar nicht, was Mismatcher sind. Ich habe mir von ihnen ein Ohr abkauen lassen, weil ich davon ausging, alles, was Menschen denken, f&#252;hlen und sagen, sei relevant. Erst wenn man sich mit M&#252;ll besch&#228;ftigt, erkennt man, was M&#252;ll wirklich ist – und daher sollten Trolle in Xing-Gruppen und Trolle im Blog niemals die Zielgruppe der pers&#246;nlichen Kommunikation sein. Es hat schlicht keinen Sinn. Sollen die konvergent denkenden Mismatcher doch konvergente Mismatcher bleiben und ihr regelorientiertes Leben der Musterabgleichung f&#252;hren, eine Konkurrenz werden sie ohnehin kaum werden, dazu gebricht es ihnen zu sehr an Schaffenskraft. Und wird man von einem Mismatcher dumm von der Seite angemacht, so ist das ein Kollateralschaden, der zu vernachl&#228;ssigen ist. Einfach nicht ernst nehmen, Trolle verdienen keinerlei Energie und Aufmerksamkeit.</p>
<p>Stattdessen ist es viel kl&#252;ger und sinnvoller, wenn man seine Energie in die Potenziale steckt, in die M&#246;glichkeiten, die Welt wirklich sinnvoll zum Besseren zu ver&#228;ndern, denn das hat sie dringend n&#246;tig. Die Mismatcher werden die Welt sicher nicht retten, daf&#252;r bedarf es divergent denkender Matcher.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/no-more-mismatcher/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Nieder mit dem DLF-Verkehrsfunk!</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/die-wunderbare-welt-der-medien/nieder-mit-dem-dlf-verkehrsfunk/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/die-wunderbare-welt-der-medien/nieder-mit-dem-dlf-verkehrsfunk/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 14 Jan 2010 19:18:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwelt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/lounge/die-wunderbare-welt-der-medien/nieder-mit-dem-dlf-verkehrsfunk/</guid>
		<description><![CDATA[Das beste Beispiel daf&#252;r, dass beh&#246;rden&#228;hnliche Strukturen von sinnorientiertem Handeln weit entfernt und eher der Egozentrik nahe sind, ist der Verkehrsfunk vom Deutschlandfunk (DLF): Die braten ganz Deutschland auf von der A1 Hamburg-L&#252;beck bis zur A99 rund um M&#252;nchen und bringen die ganze Liste. Obwohl der Rezipient nur einen klitzekleinen Ausschnitt dieser umfassenden Information braucht.
Sinnvoll [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das beste Beispiel daf&#252;r, dass beh&#246;rden&#228;hnliche Strukturen von sinnorientiertem Handeln weit entfernt und eher der Egozentrik nahe sind, ist der Verkehrsfunk vom Deutschlandfunk (DLF): Die braten ganz Deutschland auf von der A1 Hamburg-L&#252;beck bis zur A99 rund um M&#252;nchen und bringen die ganze Liste. Obwohl der Rezipient nur einen klitzekleinen Ausschnitt dieser umfassenden Information braucht.</p>
<p>Sinnvoll w&#228;ren vielleicht regionale Fenster. Aber kl&#252;ger w&#228;re es vermutlich, einfach mal so realit&#228;tsbewusst zu sein und den Verkehrsfunk beim DLF komplett zu knicken. Ach, da besteht Umschaltgefahr? Nein. Weil die unn&#252;tzen Verkehrsinfo nerven, motiviert der DLF-Verkehrsfunk eh nur zum Umschalten.</p>
<p>Das wiederum zu erkennen und einzusehen, bedarf gewisser Denkweisen, wie sie in solchen Strukturen eher un&#252;blich sind. Insofern ist der DLF-Verkehrsfunk ein Pars-pro-toto f&#252;r ignorantes Handeln staatlicher oder &#246;ffentlich-rechtlicher Institutionen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/die-wunderbare-welt-der-medien/nieder-mit-dem-dlf-verkehrsfunk/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Fehler gesucht</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/verschiedenes/fehler-gesucht/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/verschiedenes/fehler-gesucht/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 03 Jan 2010 16:07:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Vermischtes]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/lounge/verschiedenes/fehler-gesucht/</guid>
		<description><![CDATA[Wie nennt man den Fehler, eine ungeeignete Methode zu evaluieren und anhand ihrer leidlich geringen Wirkung zu behaupten, sie sei die richtige Methode, obwohl andere Methoden offenkundig besser funktionieren? Wer beispielsweise meint, man bek&#228;me Schrauben mit der Zange in die Wand, wird eine gewisse Erfolgsquote messen und die Wirksamkeit der Methode auch evidenzbasiert belegen k&#246;nnen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie nennt man den Fehler, eine ungeeignete Methode zu evaluieren und anhand ihrer leidlich geringen Wirkung zu behaupten, sie sei die richtige Methode, obwohl andere Methoden offenkundig besser funktionieren? Wer beispielsweise meint, man bek&#228;me Schrauben mit der Zange in die Wand, wird eine gewisse Erfolgsquote messen und die Wirksamkeit der Methode auch evidenzbasiert belegen k&#246;nnen – w&#228;hrend die Verfechter der Schraubendreher-Fraktion in ihren Studien nicht einmal eine Kontrollgruppe brauchen. Gibt es f&#252;r diesen Knoten im wissenschaftlichen Denken ein Wort?</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/verschiedenes/fehler-gesucht/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>7</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Jahresr&#252;ckblick 2009</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/einfache-erkenntnisse/jahresrueckblick-2009/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/einfache-erkenntnisse/jahresrueckblick-2009/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 25 Dec 2009 15:14:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/?p=3459</guid>
		<description><![CDATA[Jede Menge Erkenntnisse aus dem Jahr 2009! Noch dauert es eine Woche, aber dass genau in dieser Woche etwas Entscheidendes geschieht, was das Jahr in seiner Bedeutung dreht, betr&#228;gt ein Zweiundf&#252;nfzigstel, und daher sehe ich dar&#252;ber hinweg.
Erkenntnisse des Jahres:
- Man sollte keine Nachrichten mehr lesen. Es macht keinen Spa&#223; mehr. Der Journalismus ist qualitativ an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jede Menge Erkenntnisse aus dem Jahr 2009! Noch dauert es eine Woche, aber dass genau in dieser Woche etwas Entscheidendes geschieht, was das Jahr in seiner Bedeutung dreht, betr&#228;gt ein Zweiundf&#252;nfzigstel, und daher sehe ich dar&#252;ber hinweg.</p>
<p>Erkenntnisse des Jahres:</p>
<p>- Man sollte keine Nachrichten mehr lesen. Es macht keinen Spa&#223; mehr. Der Journalismus ist qualitativ an einem Punkt angelangt, der den Begriff &#8222;Journalismus&#8220; kaum mehr verdient. Um einen &#220;berblick &#252;ber die Ereignisse zu bekommen, gen&#252;gt es, jeweils am Jahresende einen der R&#252;ckblicke zu lesen. Beispielsweise den vom &#8222;Spiegel&#8220;. Alles steht drin. Letztlich hat man nichts verpasst.</p>
<p>- Die Figuren in Soaps schauen keine Soaps.</p>
<p>- Kartfahren auf Glatteis macht extrem viel Spa&#223;. Nun wei&#223; ich, dass diese Dinger Hinterradantrieb haben. Schade, dass die Truppe der Michael-Schumacher-Bahn in Kerpen die Rennstrecke nach unserer ersten Tour wegen des Glatteises geschlossen haben. Vermutlich sahen sie uns in die Reifen fliegen.</p>
<p>- Mac ist um Welten besser als Windows, weil es im Denken vom Nutzer aus konstruiert ist und nicht vom Entwickler. Auch wenn XP stabil war und ich jahrelang auf XP vertraute, nachdem ich bis 2003 immer wieder an einfrierenden Mac-Bildschirmen verzweifelte. Der Fehler mit Vista und die Tatsache, dass mein Windows-Rechner wegen eines Hardwarefehlers in Reparatur musste, bewirkten meine R&#252;ckkehr zum Mac. Viele in meiner Umgebung kaufen sich derzeit Macs und kehren Windows den R&#252;cken. Gerne h&#228;tte ich den 17-Zoller aus der &#8222;MacBook Pro&#8220;-Reihe, aber dann ist die Maschine zu gro&#223; f&#252;rs Schreiben im Flieger. So habe ich den 15-Zoller. Das Effizienzstreben der Luftfahrt sabotiert insofern den Wunsch der IT-Industrie, vor allem teure Ger&#228;te zu verkaufen.</p>
<p>- Die katastrophalen Zust&#228;nde bei der Deutschen Bahn zeigen, dass grundlegende Funktionen des Gemeinwesens nicht privatisiert werden sollten. Nur wenn der Staat sich selbst zerst&#246;ren will, privatisiert er seine Hauptaufgaben. Wenn Land Eins seine Wasserversorgung privatisiert, kann Land Zwei sie ganz einfach kaufen und damit viel leichter einen Krieg gegen Land Eins gewinnen. Die Bahn ist zentral. Wann privatisieren wir das Milit&#228;r?</p>
<p>- Eine Form von Dummheit hat sich breitgemacht, und zwar die der konvergenten Intelligenz. Dieser Begriff stammt aus Malcolm Gladwells Buch &#8222;&#220;berflieger&#8220; und bezeichnet die Form von Intelligenz, in der Menschen Muster abgleichen und meinen, damit klug zu handeln. Das klassische Listenf&#252;hren und K&#228;stchenausf&#252;llen ist Konvergenz; konvergente Denker arbeiten nach Schema F und finden, wenn es aufs Querdenken ankommt, keine L&#246;sungen, weil es f&#252;r das Unkonventionelle keine Entsprechung in ihren Mustern gibt. Im Unterschied zu konvergenter Intelligenz dient die divergente Intelligenz dazu, jenseits der vorgesehen Wege L&#246;sungen zu finden. Bl&#246;derweise bestimmt nicht der divergente, sondern der konvergente Typ Mensch das Geschehen in unserer Gesellschaft.</p>
<p>- Der Anteil von Idioten und b&#246;swilligen Menschen da drau&#223;en ist h&#246;her als bislang gedacht. Es ist wirklich angebracht und an der Zeit, sich zu sch&#252;tzen und eine Verteidigungslinie gegen die Dummheit zu errichten.</p>
<p>- Ich nehme weder den Staat noch die Juristerei noch ernst. Sie &#252;bersetzen deine Belange erst in eine Fremdsprache, um dann wirre Briefe hin- und herzuschicken, inhaltlich gerne v&#246;llig an der Realit&#228;t vorbei, und dann kann es sein, dass aufgrund dieser alienartigen Codes ein Gericht &#252;ber dich entscheidet, ohne dass man dich selbst dazu angeh&#246;rt hat. Das ist nicht rechtsstaatlich, sondern krank.</p>
<p>- Dass man f&#252;r Steuern Steuerberater braucht und f&#252;r Rechtssachen Anw&#228;lte, zeigt, dass das System in seiner Komplexit&#228;t den Anschluss an die Menschen verloren hat. Und es zeigt, dass wir die Dominanz der Konvergenzdenker dringend bek&#228;mpfen sollten.</p>
<p>- Webinare sind eine hervorragende Plattform, um Menschen ohne gro&#223;e Reisen mit Inhalten zu versorgen. Auch sind sie wunderbar f&#252;r die Akquise.</p>
<p>- Wirsing ist ein untersch&#228;tztes Gem&#252;se. Das Muss dazu: Muskat.</p>
<p>- Die Schule bedarf einer grundlegenden Reform. Doch alle Bildungsgipfel helfen nichts, wenn dort nur Konvergenzdenker tagen und die Schulen weiterhin unbrauchbares Wissen vermitteln und Lehrer nur die Schule und die Uni von innen kennen. Wir brauchen einen anderen Typ Lehrer und einen anderen Typ Schulfunktion&#228;r. In diesem Zusammenhang noch einmal der Verweis auf den <a href="http://www.ted.com/talks/ken_robinson_says_schools_kill_creativity.html">Vortrag von Ken Robinson</a>, der erkl&#228;rt, warum die Schule die Kreativit&#228;t zerst&#246;rt – auch wenn der Vortrag aus dem Jahr 2006 und nicht aus dem Jahr 2009 stammt. Wen ein Bildungssystem auf Fehlervermeidung drillt, der wird kaum etwas Originelles zustande bringen.</p>
<p>- <a href="http://www.thilo-baum.de/podcast/keine-ausreden-mehr/">Jeder kann heute theoretisch etwas Originelles zustande bringen</a> und mit Rechner, Video- und Audiotechnik weltweit multiplizieren – sofern ihm die Konvergenzdenker in Erziehung und Schule nicht jegliche Kreativit&#228;t und jeglichen Mut dazu ausgetrieben haben.</p>
<p>- Gute Freunde bleiben gute Freunde, auch wenn man sie &#252;ber Monate oder gar Jahre nicht sieht.</p>
<p>- Gute Freunde werden auf Dauer wichtiger sein als je zuvor.</p>
<p>- Das Jahr 2010 wird voraussichtlich ein Jahr der Produktion. Erfolg hat nur, wer Sinnvolles produziert, das anderen Menschen n&#252;tzt. Da alles m&#246;glich ist, z&#228;hlt Qualit&#228;t mehr denn je.</p>
<p>- Wer mit Musik rauskommt, muss dank iTunes nicht mehr neun mittelm&#228;&#223;ige Titel mit einem Hit verbinden, um ein Album zu verkaufen, sondern es gen&#252;gt, den Hit herauszubringen. Auch das k&#246;nnte die Qualit&#228;t steigern.</p>
<p>- Wer in Zeiten des Internets auch heute noch glaubt, er k&#246;nne mit Warenh&#228;usern und Versandkatalogen Geld verdienen, kann noch so gut rasiert sein – er wird j&#228;mmerlich einfahren und darf sich vors&#228;tzliche Blindheit respektive verantwortungslose Ignoranz vorwerfen lassen. Und auch keiner der fr&#252;heren Arbeitnehmer dort, die heute auf der Stra&#223;e sitzen, soll sagen, er h&#228;tte es nicht gewusst. Jeder von denen kauft l&#228;ngst &#252;bers Internet ein, da kann man doch nicht denken, so ein Job habe noch Zukunft.</p>
<p>- Die Menschen ersticken im Info-M&#252;ll. Wer geh&#246;rt werden will, sollte nicht lauter sein, sondern klarer.</p>
<p>- Der Staat versteht das Internet noch immer nicht. Insofern ist es begr&#252;&#223;enswert, wenn Minister nun auch in Deutschland ein normales Alter haben wie auch in L&#228;ndern wie D&#228;nemark, Holland und &#214;sterreich.</p>
<p>- Irgendjemand in Deutschland will verhindern, dass Menschen selbstbestimmt leben. Wenn ich nur w&#252;sste, wer!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/einfache-erkenntnisse/jahresrueckblick-2009/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Weg nach Paris</title>
		<link>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/der-weg-nach-paris/</link>
		<comments>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/der-weg-nach-paris/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 26 May 2009 19:32:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Coaching]]></category>
		<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/der-weg-nach-paris/</guid>
		<description><![CDATA[In Seminaren und Beitr&#228;gen zur Verhaltens&#228;nderung und zum Pr&#252;fen von Denkmustern verwende ich gerne diese Metapher:
Es gibt einen Weg nach Paris. Wenn Sie diesen Weg gehen, gelangen Sie nach Paris. Wenn Sie diesen Weg nicht gehen, gelangen Sie nicht nach Paris. Wenn Sie nach Paris wollen, gehen Sie diesen Weg!
Diese Metapher existiert sicherlich in vielen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Seminaren und Beitr&#228;gen zur Verhaltens&#228;nderung und zum Pr&#252;fen von Denkmustern verwende ich gerne diese Metapher:</p>
<p><em>Es gibt einen Weg nach Paris. Wenn Sie diesen Weg gehen, gelangen Sie nach Paris. Wenn Sie diesen Weg nicht gehen, gelangen Sie nicht nach Paris. Wenn Sie nach Paris wollen, gehen Sie diesen Weg!</em></p>
<p>Diese Metapher existiert sicherlich in vielen Varianten. Sehr viele Trainer und Coaches verwenden Sinnbilder dieser Art. Die Aussage ist klar: Dein Handeln f&#252;hrt zum Ziel, wenn du auf dem richtigen Weg bist. Du verfehlst dein Ziel, wenn du den falschen Weg gehst.</p>
<p>In Seminaren, die ich bislang in Deutschland, Luxemburg und &#214;sterreich gegeben habe, haben in den vergangenen vier Jahren sch&#228;tzungsweise 2500 Menschen dieses kleine Gedankenmodell aus meinem Munde geh&#246;rt. Und bei allen Seminaren erfahre ich an dieser Stelle Zustimmung. Die Formulierung ist pr&#228;gnant, und die Leute geben mir das Signal: Wir haben verstanden.</p>
<p>Oft sprechen die Menschen die zweite H&#228;lfte des vorletzten Satzes und den letzten Satz im Chor selbst zu Ende, vor allem in Seminaren mit mehr als 150 Menschen. So etwas nenne ich als Trainer einen Seminarerfolg. Der emotionale Appell hat die Leute erreicht. Die Metapher ist eing&#228;ngig, klar und f&#252;r jeden sofort reproduzierbar.</p>
<p>Irgendwann erreichte mich ein Kommentar. Von einer Frau, die noch nie eines meiner Seminare gesehen und mich noch nie als Trainer auf der B&#252;hne erlebt hat. Sie hatte die Metapher hier irgendwo im Blog gefunden. Mein Sinnbild sei falsch. Insbesondere der dritte und der vierte Satz (also die S&#228;tze, die die Leute gerne mitsprechen). Begr&#252;ndung: Wenn man diesen Weg nicht gehe, k&#246;nne man immer noch gut und gerne &#252;ber einen anderen, bislang nicht erw&#228;hnten Weg nach Paris gelangen. Schlie&#223;lich k&#246;nne es derer mehrere geben.</p>
<p>Ich dachte: Diese Frau denkt wirklich nur mit dem Kopf.</p>
<p>Am Ende eines Seminars, wenn die Menschen kognitiv und affektiv erkannt haben, worum es geht, bringt niemand einen solchen Einwand. Es sei denn, er war die ganze Zeit &#252;ber mental zugenagelt (und solche Leute gibt es nat&#252;rlich, oft hochintelligent, was sie vom Verst&#228;ndnis einfacher Dinge oft abh&#228;lt). Auch am Ende eines Textes, so will ich sagen, wird ein aufgeschlossener Mensch die Bedeutung der Metapher erkennen. Die Leute sind meist eher dankbar f&#252;r das Know-how, als dass sie den Urheber dumm anmachen.</p>
<p>Da ich mich bei der Beurteilung von W&#228;ldern ungern mit einzelnen Bl&#228;ttern aufhalte, und weil die Metapher bislang &#228;u&#223;erst gute Dienste geleistet hat, war meine Erwiderung einfach: Nein. Definitives Nein. Harte, aber klare Worte. Ich sagte: Es gibt in dieser Metapher <em>einen</em> Weg nach Paris. Von anderen Wegen ist nicht die Rede. Der narrative Rahmen, die Pr&#228;misse ist klar. Die Frau hielt mir das Schlagwort &#8222;Aussagenlogik&#8220; entgegen, und nach dieser ergebe sich ihr Einwand.</p>
<p>Ich sagte: Ja. Sicher. Ich hatte auch Aussagenlogik an der Uni. Im Rahmen der empirischen Sozialforschung und letztlich der Bewertung von Umfrageergebnissen und sonstigen Erhebungen. Viel akademisches Gebr&#252;ll, mit dem man &#8222;Recht haben&#8220; kann. Aber au&#223;er Medienrecht, Dramaturgie und Stilistik war aus Unizeiten sp&#228;ter wenig von realem Wert. Inhaltlich gebe ich der Frau Recht: Die Aussagenlogik erlaubt weitere Wege. V&#246;llig klar. Na und? Es spielt keine Rolle! Was wichtiger ist, ist die Einordnung des Gedankens: Der Einwand ist im Rahmen seines Denkmusters korrekt, aber der Rahmen ist irrelevant. Das Denkmuster ist das falsche.</p>
<p>Und noch wichtiger ist die Eing&#228;ngigkeit. Einen einfachen Gedanken und Zusammenhang ohne intellektuelles Geschwurbel und den Ausschluss jeder denkbaren Eventualit&#228;t einfach zu benennen. Wenn jemand schreit: &#8222;Feuer!&#8220;, kapieren das normale Menschen sofort. Nur alltagsuntaugliche Akademiker fragen: &#8222;Wo? Wann? In welchem Zusammenhang?&#8220; Und verbrennen. Man muss an der Metapher nichts schrauben. Alles ist klar, wenn man sich nicht dumm stellt.</p>
<p>Den Einwand, die S&#228;tze drei und vier seien falsch, finde ich in etwa so dumm wie den Einwand, Rotk&#228;ppchen h&#228;tte im Wald per Handy die Polizei rufen k&#246;nnen. Denn der narrative Rahmen der Story &#8222;Rotk&#228;ppchen&#8220; erlaubt keine Handys. Und das, ohne dass der Erz&#228;hler sie zuvor explizit h&#228;tte ausschlie&#223;en m&#252;ssen. Ich sagte der Frau, dass Metaphern eher mit Dramaturgie arbeiten als mit Aussagenlogik und dem Anspruch des in jeder Hinsicht Korrekten.</p>
<p>No way: Die Frau, Informatikerin, blieb bei ihrer Haltung. Und sie behauptete, nur bei mir solche Unsch&#228;rfen zu finden. Nicht im Rest der Coaching-Literatur, die sie so l&#228;se. Und jetzt wurde es spannend.</p>
<p>Da ich nicht die gesamte Coaching-Literatur im Kopf habe und nicht exakt wei&#223;, was sie so liest, kann ich den Vorwurf nicht entkr&#228;ften. Skeptisch gegen&#252;ber solchen Totschlagargumenten witterte ich ein Ph&#228;nomen selektiver Wahrnehmung und dachte &#252;ber die B&#252;cher und H&#246;rb&#252;cher nach, die ich mir in den vergangenen Jahren so reingezogen habe. Und ich h&#246;rte mir im Auto noch einmal &#8222;Unlimited Power&#8220; von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anthony_Robbins" target="_blank">Anthony Robbins</a> an – von dieser CD wei&#223; ich, dass die betreffende Dame sie hat (bitte folgen Sie <a href="http://twitter.com/tonyrobbins" target="_blank">Anthony bei Twitter</a>, der Mann ist in Sachen Metaphorik und Dramaturgie gro&#223;artig).</p>
<p>Anthony Robbins erz&#228;hlt die Geschichte von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Harland_D._Sanders" target="_blank">Colonel Sanders</a>, dem Gr&#252;nder von &#8222;Kentucky Fried Chicken&#8220;. Sanders war &#252;ber sechzig und hatte nichts – au&#223;er dem &#8222;besten H&#252;hnchen-Rezept der Welt&#8220;. Er ging auf Gastronomen zu mit einem Vorschlag: &#8222;Du verkaufst H&#252;hnchen nach meinem Rezept, und die Leute werden dir die Bude einrennen. Was ich will? Nur eine Beteiligung am Umsatz.&#8220; Robbins fragt das Publikum, was man glaube, wie viele &#8222;Neins&#8220; sich Sanders auf seiner Tour eingehandelt habe. Antwort: 1009! Erst dann kam das erste &#8222;Ja&#8220;. Die Moral von der Geschicht: Wer (u.a.) hartn&#228;ckig ist, kann selbst &#228;lter als sechzig mit einer Idee viel Geld verdienen.</p>
<p>Die Moral von der Geschicht ist jedem klar, der Anthony Robbins zuh&#246;rt. Als ignoranter Kopfmensch h&#228;tte ich eine Menge Einw&#228;nde:</p>
<p>- Wer sagt denn, dass es wirklich &#8222;das beste Rezept der Welt&#8220; ist? Wer beurteilt das? Ist das nicht ein wenig vermessen und pauschal?<br />
- Wenn 1009 Leute &#8222;Nein&#8220; sagen, kann das dann nicht auch ein Zeichen daf&#252;r sein, dass die Idee schlecht ist? Gibt es bessere?<br />
- Ist &#8222;KFC&#8220; nicht wegen Tierschutzverst&#246;&#223;en im Gerede?<br />
- Gibt es nicht jede Menge Leute, die hartn&#228;ckig sind und trotzdem scheitern? Die widerlegen diesen Guru Robbins doch!<br />
- Es kann sich doch nicht jeder selbstst&#228;ndig machen!<br />
- Fastfood ist doch ungesund!<br />
- Okay, das ist jetzt eine Tellerw&#228;scher-Story, aber sonst herrscht doch Armut in Amerika!<br />
- Amerika – waren das nicht die, die den Irak &#252;berfallen haben?</p>
<p>Wer etwas von Didaktik und Seminaren versteht, wei&#223;: Alle diese Einw&#228;nde f&#252;hren auf Nebengleise. Sie sind in sich, innerhalb ihrer Denkmuster, &#8222;korrekt&#8220;, aber sie sind im Rahmen der Metapher irrelevant. Die Aussage der Geschichte von Colonel Sanders ist treffend, und sie benennt trotz aller Unsch&#228;rfen ihren Kern: Wer das Richtige tut, kann Erfolg haben. Wer sich auf diesen Gedanken einlassen will, l&#228;sst sich darauf ein. Wer dagegen anwettert, wird seine Gr&#252;nde haben. Und verpasst die Story. Wer hat das noch mal gesagt? &#8222;Wer will, sucht Wege. Wer nicht will, sucht Gr&#252;nde.&#8220; Das gilt bei der Organisation sinnvoller Kooperationen ebenso wie bei der Frage, ob man den Gedanken eines anderen folgen will oder nicht.</p>
<p>Die Seminar- und Coachingliteratur ist voll von Unsch&#228;rfen. Und das zu Recht. Coaches, Trainer und Autoren verwenden Modelle und Metaphern im Vertrauen darauf, dass die Menschen sich auf Modelle und Metaphern einlassen und nicht von vornherein auf Kontra gehen. Die Branche wei&#223;, dass Modelle ab einem bestimmten Punkt hinken. Das macht Modelle aus. Aber sofern die Leute offen sind, lassen sie sich auf Modelle ein und zerreden sie nicht.</p>
<p>Inzwischen stelle ich mir eine ganz andere Frage: Wie nennt man die Eigenart, den Modellen anderer Leute nicht einfach im Sinne ihrer Aussage zu folgen, sondern auch ein klares und einleuchtendes Modell mit abwegigen akademischen Scheinargumenten anzugreifen zu versuchen? Wie nennt man Leute, die so ticken?</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.thilo-baum.de/lounge/alltagsphilosophie/der-weg-nach-paris/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
