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	<title>Thilo Baum &#187; Klartext-Rhetorik</title>
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	<description>Thilo Baum: Klartext-Experte</description>
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		<title>Wer in ganz Deutschland lebt &#8230;</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Apr 2013 11:29:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klartext-Rhetorik]]></category>

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		<description><![CDATA[
Ein sch&#246;nes Beispiel f&#252;r die Satzbaufalle: „Verd&#228;chtige leben in ganz Deutschland“. Gemeint ist sicher: „In ganz Deutschland leben Verd&#228;chtige“. Der Satzbau ver&#228;ndert den Sinn – schlie&#223;lich ist „prinzipiell nicht“ etwas v&#246;llig anderes als „nicht prinzipiell“.
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/04/verdaechtige1.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-11232" title="verdaechtige" src="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/04/verdaechtige1.jpg" alt="" width="400" height="43" /></a></p>
<p>Ein sch&#246;nes Beispiel f&#252;r die Satzbaufalle: <a href="http://www.tagesschau.de/inland/nsverbrechen102.html">„Verd&#228;chtige leben in ganz Deutschland“</a>. Gemeint ist sicher: „In ganz Deutschland leben Verd&#228;chtige“. Der Satzbau ver&#228;ndert den Sinn – schlie&#223;lich ist „prinzipiell nicht“ etwas v&#246;llig anderes als „nicht prinzipiell“.</p>
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		<title>Sagen Sie, was Sie meinen?</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Feb 2013 09:20:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchtipps]]></category>
		<category><![CDATA[Klartext-Rhetorik]]></category>

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		<description><![CDATA[
Tess Gerritsen, „Schwesternmord“, Seite 106: „Die K&#252;chenuhr tickte an der Wand“. Wir ahnen, was gemeint sein soll. Aber weshalb steht nicht da, was gemeint ist? Gemeint ist: „Die K&#252;chenuhr an der Wand tickte.“ Denn wie beispielsweise soll eine K&#252;chenuhr, die auf dem Tisch liegt, an der Wand ticken?
Bei „Die Uhr tickte an der Wand“ bezieht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/02/kuechenuhr.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-10924" title="kuechenuhr" src="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/02/kuechenuhr.jpg" alt="" width="400" height="46" /></a></p>
<p>Tess Gerritsen, „Schwesternmord“, Seite 106: „Die K&#252;chenuhr tickte an der Wand“. Wir ahnen, was gemeint sein soll. Aber weshalb steht nicht da, was gemeint ist? Gemeint ist: „Die K&#252;chenuhr an der Wand tickte.“ Denn wie beispielsweise soll eine K&#252;chenuhr, die auf dem Tisch liegt, an der Wand ticken?</p>
<p>Bei „Die Uhr tickte an der Wand“ bezieht sich das „an der Wand“ aufs Ticken. Die Frage ist: Da ist eine Uhr. Wo tickt die? Bei „Die Uhr an der Wand tickte“ dagegen bezieht sich das „an der Wand“ auf die Uhr. Hier ist die Uhr an der Wand.</p>
<p>Sprachliche Erbsenz&#228;hlerei? Ja, genau. Wenn Sie etwas sagen wollen, oder genauer: Wenn Sie wollen, dass die Menschen etwas Bestimmtes verstehen, dann geht es um Pr&#228;zision. Dann ist es klug, genau das zu sagen. Und eben nichts anderes.</p>
<p>Was sagen Sie denn so? Was steht auf Ihrer Webseite? Treffen Sie den Kern dessen, was ankommen soll? Oder steht da irgendwas, was Ihre Leute eben getextet haben in dem Glauben, es sei auch aus Lesersicht relevant? Oder haben die daran gar nicht gedacht, weil sie meinten, ein Unternehmen m&#252;sse auf seiner Webseite nur erkl&#228;ren, was es macht?</p>
<p>Es wird Zeit f&#252;r die Baumschen Gesetze. Die gelten nicht nur f&#252;r Pilzesammler, sondern auch f&#252;r Sprach-Detektive und Usability-Agenten:</p>
<p>1. „Wenn du glaubst, da ist was, dann ist da auch was.“ Das hei&#223;t: Wenn Sie das Gef&#252;hl haben, dass Ihr Text nicht trifft, dann stimmt das vermutlich. Auch wenn es eine filigrane Kleinigkeit ist wie der Satzbau. Und: Vertrauen Sie Menschen, die solche Kleinigkeiten ersp&#252;ren.</p>
<p>2. „Wenn da was ist, dann ist da noch was.“ Bedeutet: Wenn Sie schon sp&#252;ren, dass Ihr Text nicht l&#228;uft und flie&#223;t, dann sollten Sie ihn komplett unter die Lupe nehmen.</p>
<p>Das Prinzip ist simpel:</p>
<p>1. Sie meinen etwas. Beziehungsweise: Sie wollen, dass etwas Bestimmtes ankommen soll.</p>
<p>2. Wenn Sie wissen, was ankommen soll, formulieren Sie den Text. Sie w&#228;hlen dazu die W&#246;rter, die bezeichnen, was Sie meinen.</p>
<p>Das Prinzip „Erst denken, dann formulieren“ – das &#252;brigens im Schriftlichen ebenso gilt wie im M&#252;ndlichen – verhindert, dass Sie Unsinn erz&#228;hlen. Wenn Sie beispielsweise sagen wollen, dass sich Ihr Erfolg herumspricht, werden Sie das n&#228;chstliegende Wort suchen. Und das ist „Mundpropaganda“. Sie haben also das Wort. Weshalb sollten Sie „Mund-zu-Mund-Propaganda“ sagen, wie es viele tun? Das tun Sie nur dann, wenn Sie zuerst formulieren und dann denken (oder gar nicht denken). Wer nicht denkt, plappert Phrasen nach.</p>
<p>Menschen sp&#252;ren an Ihren Texten, ob sie Substanz haben oder rein aus gedroschenen Phrasen bestehen. Wieder geht es ums Gesp&#252;r. Etwas, was zahlreichen Unternehmen abgeht, in denen Juristen, &#214;konomen und Angeh&#246;rige der MINT-Berufe das Sagen haben. Mein Tipp an die Vertreter dieser Richtungen: Akzeptieren Sie, dass Formulieren ebenso ein Handwerk ist wie Ihres. Die meisten Menschen glauben, sie h&#228;tten Schreiben in der Schule gelernt, und das ist ein Irrtum. Die Schule hat uns beigebracht, dass wir keine Fehler machen sollen, aber sie hat uns nicht beigebracht, etwas aus Empf&#228;ngersicht Relevantes redundanzfrei und aus Empf&#228;ngersicht verst&#228;ndlich zu sagen.</p>
<p>Wenn Sie wollen, checken Sie mal Ihre Texte. Einen Gutschein f&#252;r einen kostenlosen Text-Check finden Sie &#252;brigens in meinem <a href="http://www.thilo-baum.de/shop/audioseminar/audioseminar-unternehmenserfolg-durch-kundensicht/">neuen Audio-Seminar</a>.</p>
<p>Und &#252;brigens: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442366151/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3442366151&amp;link_code=as3&amp;tag=thibau-21">Tess Gerritsens Thriller</a> ist wirklich klasse.</p>
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		<title>Nicht so machen wie Sloterdijk!</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Nov 2012 14:48:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchtipps]]></category>
		<category><![CDATA[Einfache Erkenntnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Klartext-Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Mitdenken]]></category>
		<category><![CDATA[Vermischtes]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute habe ich mal versucht, Peter Sloterdijk zu lesen. Es war noch viel schlimmer als bef&#252;rchtet:
„Durch ihre Entspiritualisierung beweist die olympische Bewegung des 20. Jahrhunderts, wie eine ‚Religion‘ sich spontan auf das Format ihres wirklichen Gehalts zur&#252;ckzuentwickeln vermag – auf die anthropotechnische Basis, wie sie sich in einem System gestufter &#220;bungen und diversifizierter Disziplinen verk&#246;rpert, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute habe ich mal versucht, Peter Sloterdijk zu lesen. Es war noch viel schlimmer als bef&#252;rchtet:</p>
<p>„Durch ihre Entspiritualisierung beweist die olympische Bewegung des 20. Jahrhunderts, wie eine ‚Religion‘ sich spontan auf das Format ihres wirklichen Gehalts zur&#252;ckzuentwickeln vermag – auf die anthropotechnische Basis, wie sie sich in einem System gestufter &#220;bungen und diversifizierter Disziplinen verk&#246;rpert, integriert in einen &#220;berbau aus hierarchisierten Verwaltungsakten, routinisierten Vereinsbeziehungen und professionalisierten Medienrepr&#228;sentationen.“</p>
<p>Hm. Oder:</p>
<p>„Den Menschenk&#252;nstler des 17. Jahrhunderts dr&#228;ngt der Auftrag der <em>emendatio mundi</em> eine F&#252;lle weiterer Folgerungen auf: Was eiligst zu schaffen ist, sind universale B&#252;cher (der Plural wird hier &#252;brigens nur noch pro forma verwendet), universale Schulen, ein universales Kollegium und eine universale Sprache.“ Ach so. Gut zu wissen. Die Klammer ist &#252;brigens nicht von mir, die ist vom K&#252;nstler. Steht so im Text. Plural nur pro forma. Aaaaha. Was war noch mal ein Menschenk&#252;nstler?</p>
<p>Schon die Einleitung hei&#223;t: „Zur anthropotechnischen Wende“. Mhm. Zur Erkl&#228;rung dieses Kunstwortes hei&#223;t es sp&#228;ter: „Warum ihre Webst&#252;hle mit dem k&#252;hlen Ausdruck ‚Anthropotechniken‘ bezeichnet werden, mag sich im Gang der Darstellung selbst erl&#228;utern.“ Danke. Meine Auffassung und Erwartung war es bisher, dass ein Autor verr&#228;t, was er meint. Sp&#228;ter erkl&#228;rt er seine Anthropotechnik dann: „Ich verstehe hierunter die mentalen und physischen &#220;bungsverfahren, mit  denen die Menschen verschiedenster Kulturen versucht haben, ihren  kosmischen und sozialen Immunstatus angesichts von vagen Lebensrisiken  und akuten Todesgewissheiten zu optimieren.“ Wahnsinn. Das Lernen also, um zu &#252;berleben?</p>
<p>Ich habe insgesamt keine Ahnung, was der Mann da schreibt. Warum schreibt er Latein und Passivs&#228;tze, statt die Leserperspektive einzunehmen? Warum begleitet er uns nicht durch seine Gedanken hindurch, sondern beh&#228;lt sie mithilfe seiner unverst&#228;ndlichen Sprache f&#252;r sich? Ganz offenbar hat Sloterdijk kein Interesse, uns an seinen Ideen teilhaben zu lassen, sondern er macht es uns m&#246;glichst schwer. Warum? Kann er nicht schreiben? Oft ist wirre Sprache ja auch ein Spiegel wirren Denkens.</p>
<p>A propos Sprache: „Von seltener sprachlicher Sch&#246;nheit“, schreibt Adam Soboczynski in der „Zeit“ &#252;ber <a href="http://www.amazon.de/mu%C3%9Ft-dein-Leben-%C3%A4ndern-Anthropotechnik/dp/3518419951/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;qid=1353162868&amp;sr=8-2">Sloterdijks Buch „Du musst dein Leben &#228;ndern“</a>, das schlie&#223;lich auch auf der „Spiegel“-Bestseller-Liste steht. Warum das? Gilt denn immer noch, dass diffuse, verschwurbelte und angeberische Sprache voller Protzerei mit akademischer Bildung „sch&#246;n“ sein soll? Ich kapiere das nicht. Tun sich die Leute das wirklich an? Oder kaufen sie es halt, und das Buch landet im Regal? Ist das Ganze vielleicht gar nur ein weiteres Indiz f&#252;r unsere <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/buchtipps/die-diktatur-der-akademiker/">Diktatur der Akademiker</a>?</p>
<p>Vielleicht sollte Sloterdijk sein st&#246;rrisches Buch eher „Es gibt keine Religion“ nennen, denn konkretes Handeln, auf das der anma&#223;ende Titel „Du musst dein Leben &#228;ndern“ anspielt, ist von der theoretischen Luftblasenrhetorik dieses Buches denkbar weit entfernt. Ja, wir sollen eben nicht konform sein. Gut.</p>
<p>Inhaltlich gen&#252;gt sich das Buch ansonsten mit beliebig kombinierten Gedanken, die oft sogar unsinnig erscheinen: „… im Wechselspiel mit dem ‚eigenen Gott‘, bei dem sich die B&#252;rger der Moderne privat versichern. Damit wird die leidige Unterscheidung zwischen ‚wahrer Religion‘ und Aberglauben gegenstandslos“ – nat&#252;rlich wird sie das, wenn wir davon ausgehen, dass es die Religion selbst nicht gibt. Stattdessen gebe nur „&#220;bungssysteme“, und auch „der falsche Gegensatz zwischen den Gl&#228;ubigen und den Ungl&#228;ubigen entf&#228;llt und wird durch die Unterscheidung zwischen Praktizierenden und Unge&#252;bten bzw. anders &#220;benden ersetzt.“</p>
<p>Ach ja: Es gehe um die „immunit&#228;re Verfassung des Menschenwesens“. Was ist noch mal „immunit&#228;r“? Und was ist ein „Menschenwesen“? An anderer Stelle: Was ist ein „apothekarisches Niveau“? Oder was sind „seminale Ideen“? Hat der Suhrkamp-Verlag kein Lektorat?</p>
<p>Gut ist das Buch zum Lachen und als Trainingsger&#228;t f&#252;rs Gehirn, vergleichbar mit komplizierten mathematischen Gleichungen, die sich mit einigem Nachdenken auf einfache Aussagen reduzieren lassen, was aber am Ende au&#223;er der &#220;bung selbst keinen Sinn hat. Und es eignet sich f&#252;r alle, die sich klar ausdr&#252;cken wollen: Einfach Sloterdijk lesen und dann beschlie&#223;en, es niemals, niemals, niemals so zu machen wie er. Sloterdijk ist der Gegenentwurf f&#252;r empathische, mitdenkende und einnehmende Kommunikation. Wertsch&#228;tzung gegen&#252;ber Lesern und damit Kunden sieht wirklich anders aus.</p>
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		<title>Die Wirkung von Anf&#252;hrungszeichen</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Nov 2012 12:17:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klartext-Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwelt]]></category>

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		<description><![CDATA[Zu Zeiten der Teilung Deutschlands schrieben manche Medien den Begriff „DDR“ konsequent in Anf&#252;hrungszeichen. Das zeigte: Diese Medien erkannten die DDR nicht an. Was wir nicht anerkennen, dessen Namen respektieren wir ebenso wenig. Sondern wir relativieren die Gewohnheit, diesen Namen wie selbstverst&#228;ndlich zu benutzen. Die Anf&#252;hrungszeichen bewirken genau diese Relativierung.
Heute haben wir einen „NSU“, und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu Zeiten der Teilung Deutschlands schrieben manche Medien den Begriff „DDR“ konsequent in Anf&#252;hrungszeichen. Das zeigte: Diese Medien erkannten die DDR nicht an. Was wir nicht anerkennen, dessen Namen respektieren wir ebenso wenig. Sondern wir relativieren die Gewohnheit, diesen Namen wie selbstverst&#228;ndlich zu benutzen. Die Anf&#252;hrungszeichen bewirken genau diese Relativierung.</p>
<p>Heute haben wir einen „NSU“, und damit sind nicht die alten Autowerke in Neckarsulm gemeint, wo Audi-NSU einst Autos baute. Sondern mit „NSU“ ist die Abk&#252;rzung „Nationalsozialistischer Untergrund“ gemeint. Mit der Besonderheit, dass diese Abk&#252;rzung in unserem Land inzwischen als g&#228;ngig gilt. Denn fast niemand setzt sie in Anf&#252;hrungszeichen. Was bedeutet: Wir haben diesen „Nationalsozialismus im Untergrund“ zumindest lexikalisch als Institution ebenso akzeptiert wie die SPD und die USA. Beziehungsweise: Kaum jemand scheint sich von diesem „Nationalsozialismus“ distanzieren zu wollen, obwohl das durch Anf&#252;hrungszeichen ganz einfach w&#228;re.</p>
<p>Auf mich wirkt das einigerma&#223;en fatal. Stehe ich damit denn alleine? Vermutlich will ja niemand unter den zeitgen&#246;ssischen Journalisten ernstlich einen „NSU“ w&#252;rdigen. Aber was bedeutet die konsequente Schreibweise NSU dann? Dass ebenso wenige in der Branche noch etwas von der Wirkung von Anf&#252;hrungszeichen verstehen?</p>
<p>Anf&#252;hrungszeichen kennzeichnen Zitate, noch nicht g&#228;ngige Namen und  Abk&#252;rzungen, und sie sind nat&#252;rlich auch ein Mittel der Ironie. Wenn der  Chef einen Mitarbeiter lobt, ist das etwas anderes, als wenn er ihn  „lobt“. Insofern ist eben auch die DDR etwas anderes als die „DDR“ und der NSU etwas anderes als der „NSU“.</p>
<p>K&#252;rzlich ging es in einem Seminar um den Begriff, Daten umzuziehen. Das Wort „Umzug“ stand im Original in Anf&#252;hrungszeichen. Ich wollte diese Anf&#252;hrungszeichen weg haben, denn schlie&#223;lich <em>war</em> es ein Umzug von Daten. Entweder wir meinen etwas, dann sagen wir es – und dazu bedarf es keiner Relativierung. Oder wir meinen etwas nicht, dann sagen wir es eben nicht. Und wenn jemand eine menschenfeindliche Propagandaidee anbringt, dann d&#252;rfen wir uns als Zivilgesellschaft dagegen auch wehren, indem wir diese Propagandaidee in Anf&#252;hrungszeichen setzen und somit als nicht etabliert kennzeichnen.</p>
<p>F&#252;r die Akteure hinter dem sogenannten NSU bedeutet die Schreibweise ohne Anf&#252;hrungszeichen nat&#252;rlich einen Propagandaerfolg: Man muss seine Morde und Sprengstoffanschl&#228;ge einfach nur mit einem ideologischen Begriff labeln. Die Presse wird das Label mit hoher Wahrscheinlichkeit &#252;bernehmen – und dem Gedanken dahinter dadurch einen offiziellen Status zusprechen.</p>
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		<item>
		<title>Die Sicht der anderen</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Aug 2012 11:44:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klartext-Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Mitdenken]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist bekannterma&#223;en eine Unsitte, andere Menschen ungefragt einer Facebook-Gruppe hinzuzuf&#252;gen – denn die Hinzugef&#252;gten bekommen pl&#246;tzlich auch per E-Mail Meldungen von jedem einzelnen Kommentar zu irgendwelchen Themen, mit denen sie m&#246;glicherweise nicht viel am Hut haben.
Obwohl sich das im Grunde herumgesprochen hat, geschieht es immer wieder. Da liest man dann in seinen E-Mails (Namen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist bekannterma&#223;en eine Unsitte, andere Menschen ungefragt einer Facebook-Gruppe hinzuzuf&#252;gen – denn die Hinzugef&#252;gten bekommen pl&#246;tzlich auch per E-Mail Meldungen von jedem einzelnen Kommentar zu irgendwelchen Themen, mit denen sie m&#246;glicherweise nicht viel am Hut haben.</p>
<p>Obwohl sich das im Grunde herumgesprochen hat, geschieht es immer wieder. Da liest man dann in seinen E-Mails (Namen abgek&#252;rzt): &#8222;Sandra S. hat dich zu der Gruppe ‚Citrin Netzwerk‘ hinzugef&#252;gt&#8220;, &#8222;Tanja S. hat dich zu der Gruppe ‚Wir Alle sind Mustapha Salma Ould Sidi Mouloud‘ hinzugef&#252;gt&#8220;, &#8222;Michael F. hat dich zu der Gruppe ‚Werke und Freuden‘ hinzugef&#252;gt&#8220;, &#8222;Clemens A. hat dich zu der Gruppe ‚Umsatzbremsenl&#246;ser‘ hinzugef&#252;gt&#8220;, &#8222;Ulrike K. hat dich zu der Gruppe ‚High Performance Selling‘ hinzugef&#252;gt&#8220; oder eben: &#8222;Stephanie M. hat dich zu der Gruppe ‚Keine Eifelzeitung‘ hinzugef&#252;gt&#8220;.</p>
<p>Immerhin hie&#223; es bei Facebook fr&#252;her virtuos: &#8222;Kein Interesse? Leave the group jederzeit.&#8220; Mit Abmelde-Link schon in der E-Mail. Heute muss ich in die Gruppe reingehen, um sie zu verlassen. Man stelle sich das vor: Ich muss etwas verlassen, dem ich nie beigetreten bin. Ist das logisch? Nein, das ist Facebook.</p>
<p><strong>Ich bin Mustapha Salma Ould Sidi Mouloud</strong></p>
<p>Wer war noch gleich Mustapha Salma Ould Sidi Mouloud? Ein politischer Dissident. Aaaaaha. H&#228;tte ich wohl wissen m&#252;ssen. Ist sicher interessant. Aber nichts wie raus aus der Gruppe – denn ich entscheide schon gerne selbst, womit ich mich befasse. &#8222;Citrin&#8220;? Sagt mir nichts. Eine kurze Recherche f&#252;hrt zu der Information, dass es ein Netzwerk sei. Sch&#246;n. Die Gruppe beschreibt sich selbst so (Fehler im Original): &#8222;Wir sind eine Gruppe von Unternehmern,  die sich ein Mal pro Woche treffen um durch Empfehlungsmarketing Umsatz  zu generieren.&#8220; Sollen sie doch gerne machen, aber ich w&#252;sste nicht, was ich da soll. Ich bin bereits in einem Netzwerk – es hei&#223;t &#8222;Markt&#8220;.</p>
<p>Was mich besonders fasziniert bei dieser Gruppen-Hinzuf&#252;gerei, ist ein Ph&#228;nomen, das sehr eng mit meinem <a href="http://www.thilo-baum.de/publikationen/denk-mit-erfolg-durch-perspektivenwechsel">Buchthema &#8222;Mitdenken&#8220;</a> zu tun hat. Es ist die kontinuierliche Missachtung der Sicht der anderen. Kaum jemand unter denen, die andere zu Gruppen hinzuf&#252;gen, scheint sich zu &#252;berlegen, wie sich das Ganze aus deren Perspektive darstellt. Der Gruppenhinzuf&#252;ger kennt sein Denken und st&#252;lpt es anderen &#252;ber. Aus der Sicht der Reingezogenen stellt sich das Ganze allerdings vollkommen befremdend oder irritierend dar und zumindest unklar und unplausibel.</p>
<p><strong>Wer oder was ist die Eifelzeitung?</strong></p>
<p>Nehmen wir meine Integration in die Gruppe &#8222;Keine Eifelzeitung&#8220;. Ich wei&#223; von diversen Reisen, dass die Eifel der perfekte Drehort f&#252;r Mystery- und Gruselfilme ist. Die Eifel war im &#8222;Stern&#8220; k&#252;rzlich neben dem Pf&#228;lzerwald als eine der sch&#246;nsten Gegenden Deutschlands zu bestaunen – alles super. Aber warum &#8222;keine Eifelzeitung&#8220;? Wollen die Leute in der Eifel lieber keine Zeitung? Als Erstes dachte ich, da k&#228;mpfe eine B&#252;rgerinitiative f&#252;r eine zeitungsfreie Region. Dann begriff ich: Es gibt tats&#228;chlich eine &#8222;Eifelzeitung&#8220;! Das Ding ist ein Name! Dann vermutete ich anhand des Slogans &#8222;Keine Eifelzeitung&#8220;, ein Gratisblatt missachte notorisch Verbotsschilder an Briefk&#228;sten. Ich dachte, da wolle jemand die Zeitung nicht.</p>
<p>Ja, es tut mir leid, liebe Eifel, aber es gibt tats&#228;chlich Menschen, die nicht in eurer Gegend leben und eure lokalen Konflikte nicht kennen, so wichtig sie f&#252;r euch vielleicht sein m&#246;gen. Auch wenn ihr bei Facebook so kommuniziert, als m&#252;sse sich bei euch jeder auskennen. Aber wenn ich die Deutschlandkarte nehme und einen Strich von uns in die Eifel ziehe, lande ich bei der H&#228;lfte der Strecke irgendwo zwischen Salzgitter und G&#246;ttingen. Warum nur denken in der Eifel manche Leute, nur weil bei ihnen irgendeine lokalpolitische Suppe kocht, k&#246;nnte jemand wie ich am anderen Ende der Republik etwas mit dem Slogan &#8222;Keine Eifelzeitung&#8220; anfangen?</p>
<p><strong>Kein Netto-Umzug!</strong></p>
<p>Hm. Vielleicht werde ich das ab sofort genauso machen. Ich gr&#252;nde eine Facebook-Gruppe mit dem Titel &#8222;Kein Netto-Umzug!&#8220; und f&#252;ge alle m&#246;glichen Leute hinzu, beispielsweise in Rheinland-Pfalz. Was, denke ich mir dabei, soll mein Gruppentitel diesen Fremden sagen? Ich denke gar nichts, ich nehme die Perspektive dieser Anwender gar nicht erst ein. Ich gehe einfach davon aus, ohne jedes vorherige Denken, ein regional relevantes Thema sei auch f&#252;r den Rest der Welt verst&#228;ndlich und relevant. So geht Egozentrik.</p>
<p>Die Folge w&#228;re erstens, dass die von mir der Gruppe &#8222;Kein Netto-Umzug!&#8220; Hinzugef&#252;gten nat&#252;rlich erst mal &#246;ffentlich in der Gruppe fragen, weshalb man sie ungebeten zu der Gruppe hinzuf&#252;gt. Zweitens w&#228;re es abzusehen, dass die Gruppe niemandem etwas sagt und recht bald jemand fragt: Was bitte bedeutet &#8222;Kein Netto-Umzug!&#8220;? Warum &#252;berhaupt &#8222;Netto-Umzug&#8220;? Wer ist &#8222;Netto&#8220;? Ist der Supermarkt gemeint? Oder eine Steuerreform? Ist vielleicht gemeint: &#8222;Kein Netto-Abzug!&#8220;? Oder sind Umz&#252;ge ab sofort ohne Umsatzsteuer?</p>
<p><strong>Was ich wei&#223;, m&#252;ssen doch auch andere wissen</strong></p>
<p>Aus meiner Sicht und aus meinem Wissen heraus ist nat&#252;rlich v&#246;llig klar, dass es um den Supermarkt &#8222;Netto&#8220; in Stendal in Sachsen-Anhalt geht. Worum auch sonst? Das frage ich dann als Egozentriker augenrollend jeden, der mein Denken nicht auf Anhieb nachvollzieht. Es geht um einen Supermarkt, der ins innere Stadtgebiet von Stendal umziehen m&#246;chte, ist doch sonnenklar!</p>
<p>Es ist eben nicht sonnenklar. Auch ich selbst wei&#223; alles, was ich wei&#223;, nur deswegen, weil ich es irgendwann zum ersten Mal erfahren oder gedacht habe. Wir erfahren alles, selbst das inzwischen Gewohnte, irgendwann zum ersten Mal. Und es sollte aus dieser Erfahrung heraus ein Leichtes sein zu verstehen, dass auch andere von einem uns bekannten Zusammenhang irgendwann zum ersten Mal h&#246;ren. Und es sollte nicht schwer sein, den eigenen Blick zu kalibrieren und die Bedeutung dieser Sache aus Sicht der anderen zu sehen: Der Netto-Umzug ist eine Riesen-Geschichte – f&#252;r Stendal. Dem Umzug entgegen steht ein Stadtratsbeschluss, der der Stendaler Altstadt eine Art Bestandsschutz garantiert. Jetzt geht es darum, ob &#8222;Netto&#8220; eine Ausnahmeerlaubnis bekommt oder nicht. Dieses Geschehen in Stendal ist sicher unfassbar interessant f&#252;r die Leute in der Eifel.</p>
<p>Also poste ich &#8222;Kein Netto-Umzug!&#8220; durch ganz Deutschland, auch in die Eifel. Und wundere mich dann, wenn die Leute mit Unverst&#228;ndnis reagieren. Und mich fragen: Wer oder was ist &#8222;Stendal&#8220;? War das nicht ein Schauspieler? Irgendeiner aus der DDR?</p>
<p><strong>Die Gedankenwelt der anderen akzeptieren<br />
</strong></p>
<p><strong></strong>Es geht im Grunde um einen ganz einfachen Unterschied: Die einen versuchen, Menschen mit der Sache zu gewinnen, mit Fakten und Informationen, die eben Thema sind. Die anderen versuchen, Menschen mit der Bedeutung zu gewinnen, die diese Fakten f&#252;r diese anderen Menschen haben. Das ist ein elementarer Unterschied. Wer von seiner Gedankenwelt auf andere schlie&#223;t, unterl&#228;sst diesen kurzen Schritt des Perspektivenwechsels und postet lauter Zeug aus seiner Sicht. Wer wei&#223;, dass die anderen mit anderen Dingen und Themen zu tun haben und eben in ihrer eigenen Gedankenwelt stecken, versetzt sich zuerst in deren Lage, bevor er oder sie zu kommunizieren beginnt.</p>
<p>Und Mitdenken bedeutet ja gerade, das Unwissen seiner Mitmenschen zu antizipieren. &#8222;Antizipieren&#8220; kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie &#8222;vorwegnehmen&#8220;. Es geht also darum, das Unwissen der Mitmenschen in seinem Denken und Handeln als gegeben vorauszusetzen – und eben nicht das eigene Wissen auch bei anderen zu vermuten. Und es geht auch darum, dieses Unwissen zu respektieren und darauf einzugehen. Schon bei der Frage, wie eine &#246;ffentliche Facebook-Gruppe hei&#223;en soll, ist kurzes Innehalten angebracht, um zu &#252;berlegen, was der Titel unwissenden Unbeteiligten wohl sagt. <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/klartext-rhetorik/sind-claims-und-schlagzeilen-dumm/">So wie immer bei Titeln und &#252;berhaupt bei Texten.</a> Eine gute &#220;berschrift vermittelt stets den Rahmen dessen, worum es geht. Sie gibt dem Gegen&#252;ber die Chance zur Einordnung.</p>
<p><strong>Meine Meinung ist gefragt – aber wozu bitte?<br />
</strong></p>
<p>Ich bin also in die Gruppe &#8222;Keine Eifelzeitung&#8220; reingezogen worden. Hinzugef&#252;gt wurde ich, weil Stephanie M. vergangenen November in einem Vortrag von mir sa&#223; und, wie sie schreibt, gerne meine Kommentare verfolgt. Ich erwidere, dazu sei es doch nicht n&#246;tig, mich einer Facebook-Gruppe hinzuzuf&#252;gen und mein Postfach zu verstopfen – aber die Dinge sind nun einmal so gelaufen.</p>
<p>Ein anderer aus der Gruppe, Andy A., schreibt in einem Kommentarstrang an mich: &#8222;Sorry daf&#252;r, aber ich freue  mich sehr &#252;ber Ihre Meinung zur Eifelzeitung. Ich suche aber gerade auch  eine Meinung von Ihnen. Will Ihre Meinung etwas kennen lernen, k&#246;nnen  Sie mir kurz sagen wie Sie diese Gruppe und das Engagement sehen?&#8220;</p>
<p>Meine Meinung wor&#252;ber? Ich wei&#223; doch gar nicht, worum es geht! Man hat mir die Einordnung doch eben verweigert! Ich sitze am anderen Ende Deutschlands und kenne weder diese Zeitung noch irgendein Engagement. Und insofern frage ich mich, ob Andy A. meine Perspektive einnimmt oder nicht. Okay, bei ihm in der Eifel scheint die H&#246;lle los zu sein mit dieser Zeitung und einem Landrat, der nun aufh&#246;ren will. Und Herr A. sucht &#8222;gerade auch&#8220; eine Meinung von mir. Ich soll ihm &#8222;kurz&#8220; sagen, was ich denke. &#8222;Kurz&#8220;. Ob er mir wohl auch &#8222;kurz&#8220; seine Meinung zum Netto-Umzug in Stendal erkl&#228;ren k&#246;nnte? Ohne die Hintergr&#252;nde zu kennen, die bis zu einer B&#252;rgerbefragung reichen, weil sich durch eine Gemeindereform die Mehrheitsverh&#228;ltnisse irgendwie ge&#228;ndert haben und alles saukompliziert ist? Mindestens so saukompliziert wie der Komplex aus Eifelzeitung, Landrat und Eifelzeitungsgegnern?</p>
<p><strong>Die verzweifelte Frage, worum es geht<br />
</strong></p>
<p>Also frage ich in der Hoffnung, er m&#246;ge nun wirklich erkennen, dass ich ein Externer bin, zur&#252;ck: &#8222;‚Keine Eifelzeitung?‘ Was bedeutet das? Wer oder was ist die Eifelzeitung? Warum ist sie schlimm?&#8220; Wer das liest, m&#252;sste sofort merken: Hier fragt ein Externer nun wirklich nach den Grundlagen. Seine Antwort: Ich m&#252;sse mir nur f&#252;nf Minuten Zeit nehmen, unter http://www.keine-eaz.de schauen, und ich sei im Bilde.</p>
<p>Okay – die Initiative &#8222;Keine Eifelzeitung&#8220; hat die Domain &#8222;keine-eaz.de&#8220;. Hm. Kapiere ich nicht. Warum das &#8222;a&#8220;? Bei URLs ist es wie bei Titeln: Sie sollten dem Au&#223;enstehenden sofort plausibel sein. Das jedenfalls w&#228;re ein Zeichen daf&#252;r, dass die Macher es den Au&#223;enstehenden nicht auf vermeidbare Weise schwer machen wollen. Dabei ist doch auch die Domain http://www.keine-eifelzeitung.de auf Andy A. eingetragen. Warum nutzt er stattdessen eine Domain mit einem unplausiblen &#8222;a&#8220;?</p>
<p><strong>Gute Servicetexte sind aus Anwenderperspektive geschrieben<br />
</strong></p>
<p>Ich liebe ja Gebrauchsanweisungen. Wenn sie gut sind. Gebrauchsanweisungen sind musterg&#252;ltige Servicetexte. Die besten Servicetexte sind Kochrezepte. Darin finden sich so gut wie nie Usability-M&#228;ngel. Und das ist auch klar: Kochrezepte entstehen aus der Anwenderperspektive. Darum ist das gedankliche Gel&#228;nder, das den Leser durch den Text leitet, meist perfekt. Ein Kochrezept beginnt meist schon beim Einkaufen – die Liste der Zutaten ist nichts anderes als ein Einkaufszettel. Damit sp&#228;ter, wenn der Prozess am Laufen ist, nichts fehlt. Der Einstieg muss also klar sein. Und dann leiten gute Kochrezept-Autoren Leserin und Leser Schritt f&#252;r Schritt durch die Produktion eines Alt-Eifeler Pfannkuchens oder von Rosenkohl mit karamelisierten Zwiebeln. Der ideale Servicetext begleitet den Leser. Er setzt kein Insiderwissen voraus, das der Leser nicht haben kann.</p>
<p>Und sollte der Leser tats&#228;chlich an keiner Stelle stolpern – weil ihm ein unklares Wort begegnet, ein unplausibler Zusammenhang, eine Insiderinformation, die er nicht kennen kann – dann d&#252;rfen wir auch bei Texten von etwas sprechen, was die meisten nur aus der IT kennen: von Usability.</p>
<p>Und Usability im Text ist absolut entscheidend. Der Kern von Usability im Text ist: Ein Text kann aus Sicht des Autors noch so korrekt sein – wenn er aus Sicht des Lesers nicht performt, ist er schlecht. Usability im Text bedeutet in allererster Linie Plausibilit&#228;t: Er muss sich beim Lesen von selbst erschlie&#223;en, und das Bild, das er zeichnet, muss rund sein. Alles, was den Lesefluss hemmt – ob ungl&#252;ckliche Silbentrennungen wie &#8222;bein-halten&#8220; oder dem Brandenburger Leser unbekannte Abk&#252;rzungen wie &#8222;EAZ&#8220; – macht den Text unplausibel und sagt etwas aus &#252;ber die mangelhafte Bereitschaft des Autors, die Perspektive des Unwissenden einzunehmen.</p>
<p><strong>Was f&#252;r eine geniale Seiten-Info: „Home“<br />
</strong></p>
<p>Ein besonderer Anspruch an Usability gilt umso mehr, wenn man jemanden ungefragt in eine Facebook-Gruppe holt. Denn genau dort geht es darum, v&#246;llig unbeteiligte Leute mit Themen zu konfrontieren, die m&#246;glicherweise nur f&#252;r die Gruppen-Macher selbst wichtig sind (von &#246;ffentlichen Aufregern Marke &#8222;Pro Guttenberg&#8220; oder &#8222;Contra Guttenberg&#8220; abgesehen). Und wie das bei engagierten Menschen eben so ist, schlie&#223;en viele gerne in ihrem Engagement von sich auf andere und setzen das Interesse f&#252;r Mustapha Salma Ould Sidi Mouloud oder f&#252;r &#8222;Werke und Freuden&#8220; auch bei allen anderen Menschen voraus.</p>
<p>Ich gehe also auf die Seite http://www.keine-eaz.de, aus der ich in f&#252;nf Minuten schlau werden soll. Sobald die Seite ge&#246;ffnet ist, ist sie unter meinen s&#228;mtlichen ge&#246;ffneten Tabs im Browser am Begriff &#8222;Home&#8220; zu erkennen. Ist das nicht gro&#223;artig? &#8222;Home&#8220;. Da steht nicht etwa &#8222;Impressum – Eifelzeitung&#8220; wie bei der Eifelzeitung oder &#8222;T-Online Navigationshilfe&#8220; wie bei dem URL http://www.keine-eifelzeitung.de, der sinnigerweise nicht auf http://www.keine-eaz.de umgeleitet ist, was wieder f&#252;r fehlendes Usability-Verst&#228;ndnis spricht. Sondern da steht einfach nur &#8222;Home&#8220;.</p>
<p><strong>Ich soll aus etwas schlau werden, werde es aber nicht</strong></p>
<p>Sp&#228;testens jetzt wei&#223; ich, dass der Sinn f&#252;r den Anwenderblick fehlt. Da ber&#252;cksichtigt jemand nicht die Situation und die Sicht der Leute, die zwanzig Browser-Tabs offen haben. Der Begriff &#8222;Home&#8220; ist aus der Seite heraus gedacht und formuliert, nicht aus der Performance der Seite als eine unter vielen in der Browserdarstellung in den Augen des Besuchers. Aus Sicht des Anwenders fehlt die Information, wo wir &#252;berhaupt sind. Der Rahmen. Und das ist ja nun mal ein spannendes Element der Plausibilit&#228;t: Es geht zun&#228;chst gar nicht um Fakten und Details. Sondern zun&#228;chst einmal geht es um die grobe Orientierung. Wir wollen den Rahmen kennen, in dem wir uns bewegen. Bevor die Fakten kommen, muss der Zusammenhang klar sein. Und die Gegner der &#8222;Eifelzeitung&#8220; wollen zwar meine Meinung wissen, mir aber nicht sagen, worum es geht. Denn das &#8222;Home&#8220; im Reiter ist nur ein Pars pro toto: Auch aus dem Rest der Webseite werde ich nicht schlau.</p>
<p>Ich lese auf der Seite der Eifelzeitungs-Gegner, die Eifelzeitung treibe laut Landrat eine Hetzkampagne gegen den Landrat. Worin die besteht, lese ich nicht. Unter den aufgef&#252;hrten Presseberichten finde ich bei meiner Recherche keinen aus der Eifelzeitung selbst, also keinen Originaltext, aus dem ich eine Hetzkampagne ersehen k&#246;nnte. Ich finde nur Sekund&#228;res. Immerhin erfahre ich unter dem Link „Wie wir die EAZ sehen“, dass &#8222;EAZ&#8220;  die Abk&#252;rzung f&#252;r die „Eifeler Allgemeine Zeitung“ ist und dass diese  mit der Eifelzeitung identisch ist. Aha! Muss man wissen. Ob die Leute  in der Eifel auch gleich auf Anhieb wissen, was die &#8222;MAZ&#8220; ist, das &#8222;HT&#8220;  oder die &#8222;MOZ&#8220;?</p>
<p><strong>Wer ist Omega? Was wollen die?<br />
</strong></p>
<p>Und so gr&#228;bt man sich als Externer eben m&#252;hsam durch jede Menge in beeindruckender Selbstverst&#228;ndlichkeit hingeschriebene Insider-Informationen, beharrlich auf der Suche nach konkreten Indizien. Wer wohl beispielsweise hinter &#8222;Omega&#8220; steckt, von dem immer wieder die Rede ist? Wir hatten mal einen Wurf Katzen und nannten sie &#8222;Alpha&#8220;, &#8222;Beta&#8220; und &#8222;Gamma&#8220;. Ansonsten f&#228;llt mir zu &#8222;Omega&#8220; der physikalische Widerstand ein. Sollte mir was anderes einfallen aus Sicht der Eifelzeitungsgegner?</p>
<p>Meine Bitte als Externer, den man um seine Meinung bittet, war dann ganz simpel: Zeigen Sie mir doch einfach ein paar Texte, aus denen sich der Vorwurf einer Hetzkampagne ableiten l&#228;sst. Ich will mir ja eine Meinung bilden. Und damit ich das kann – das dachte ich, w&#252;rde mein Gegen&#252;ber sich denken k&#246;nnen –, brauche ich URLs von Originaltexten der Eifelzeitung &#252;ber den Landrat. Aber man schickt mir keine URLs, sondern man verweist mich auf die Webseite der Eifelzeitung. Okay. Ich gehe also dorthin. Und was lese ich? Regionale Schlagzeilen wie &#8222;Ohne Kreisfusion keine Kommunalreform&#8220; und &#8222;Lkw-Fahrer mit 3,18 Promille auf der Autobahn unterwegs&#8220;.</p>
<p>Was hei&#223;t das nun? Ganz einfach: Man bittet mich zwar um meine Meinung, macht es mir aber schwer und veranstaltet eine Info-Schnitzeljagd. Wieder fehlt es am Mitdenken, denn bevor ich jemandem einen URL mit der Behauptung schicke, er w&#252;rde daraus schlau, schaue ich doch selbst mal drauf. Warum schickt man mir nicht einfach einen Link zu einem b&#246;sen Artikel? Weil man es offenbar nicht will oder kann. Selbst wenn es eine Kampagne sein sollte: Wie soll ein Au&#223;enstehender  den Vorwurf verstehen, wenn diejenigen, die den Vorwurf erheben, ihn  nicht plausibel machen?</p>
<p><strong>Ein Landrat wirft hin – aber erst im M&#228;rz 2013<br />
</strong></p>
<p>Weiter unten fand ich dann das Interview zum Landrat, das die Frage aufwirft: Hat der Landrat denn nun mit der im Interview genannten Begr&#252;ndung seinen Posten erst zu M&#228;rz 2013 hingeworfen oder nicht? Wenn dem so ist, wirkt das auf mich seltsam, denn wenn jemand krank und frustriert ist, warum erkl&#228;rt er dann seinen R&#252;cktritt zwar im Juli 2012, aber erst mit Wirkung im Jahr 2013?</p>
<p><a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/politisches-mobbing-in-der-eifel-grosser-unternehmer-kleiner-landrat-1.1406412">Auch die &#8222;S&#252;ddeutsche Zeitung&#8220; schreibt</a>, der Landrat habe &#8222;Ich kann nicht mehr&#8220; gesagt und deswegen angek&#252;ndigt, &#8222;Ende M&#228;rz in den Ruhestand zu gehen&#8220; – und gemeint ist M&#228;rz 2013. Warum jemand so lange wartet, wenn er fix und alle ist, beantwortet auch die &#8222;S&#252;ddeutsche&#8220; nicht. Obwohl es aus Lesersicht eine naheliegende Frage ist und damit entscheidend f&#252;r die Usability des Textes in der &#8222;S&#252;ddeutschen&#8220;.</p>
<p><strong>Man macht mich zum Kronzeugen gegen etwas</strong></p>
<p>Die Gegner der Eifelzeitung ziehen mich in ihre Facebook-Gruppe, und ich darf irgendwo lesen, dass 1384 Gruppenmitglieder ein deutliches Signal f&#252;r &#8222;die Verantwortlichen&#8220; seien. So wird man eben instrumentalisiert. Nur weil ich in einer Facebook-Gruppe bin, zumal gegen meinen Willen, gelte ich als Gegner von irgendwas und halte als Kronzeuge her.</p>
<p>V&#246;llig unabh&#228;ngig davon, wie jemand die ganze Geschichte bewertet, die sicher ein spannendes St&#252;ck Medienpolitik ist – sie stellt sich aus Sicht eines externen Betrachters vollkommen wirr und unplausibel dar. Denn die Eifelzeitungsgegner kommunizieren leider aus ihrer Sicht statt aus Sicht der &#214;ffentlichkeit. Sie wollen etwas sagen, aber sie machen es nicht plausibel.</p>
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		<title>Beeren Brom</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Aug 2012 08:12:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Nach „Leiter Marketing“ und „Kundenbetreuer Gesch&#228;ftskunden“ bietet die nach au&#223;en dringende interne St&#252;mmelsprache der Unternehmenswelt inzwischen auch „Beeren Brom“. Wann gibt es „Meister Haus“, „F&#252;hrer Gesch&#228;ft“, „Lehrer Chemie“, „Manager Produkt“ und „F&#252;hrer Lokomotive“?
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/08/brombeere1.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-9916" title="brombeere1" src="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/08/brombeere1.jpg" alt="" width="400" height="200" /></a></p>
<p>Nach „Leiter Marketing“ und „Kundenbetreuer Gesch&#228;ftskunden“ bietet die nach au&#223;en dringende interne St&#252;mmelsprache der Unternehmenswelt inzwischen auch „Beeren Brom“. Wann gibt es „Meister Haus“, „F&#252;hrer Gesch&#228;ft“, „Lehrer Chemie“, „Manager Produkt“ und „F&#252;hrer Lokomotive“?</p>
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		<title>&#8222;Denk mit!&#8220; bei &#8222;Gedankentanken&#8220;</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Aug 2012 14:59:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
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Mitdenken! Thilo Baums Vortrag &#8222;Denk mit! Wie Sie durch Perspektivenwechsel erfolgreich werden&#8220; bei der 1. K&#246;lner Rednernacht am 30. Juni 2012 jetzt bei &#8222;Gedankentanken&#8220; online.
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.gedankentanken.com/denk-mit/"><img class="alignnone size-full wp-image-9893" title="gedankentanken-denkmit" src="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/08/gedankentanken-denkmit.jpg" alt="" width="400" height="239" /></a></p>
<p>Mitdenken! Thilo Baums Vortrag &#8222;Denk mit! Wie Sie durch Perspektivenwechsel erfolgreich werden&#8220; bei der 1. K&#246;lner Rednernacht am 30. Juni 2012 jetzt <a href="http://www.gedankentanken.com/denk-mit/">bei &#8222;Gedankentanken&#8220; online</a>.</p>
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		<title>Der Sinn des Lebens</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Aug 2012 18:04:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es mag ern&#252;chternd erscheinen. Aber der Sinn des Lebens, das sind die anderen.
Im Jahr 2006 habe ich bereits einmal &#252;berlegt, ob nicht die Frage nach dem Sinn des Lebens falsch gestellt sein k&#246;nnte. Sinn, das bedeutet Zweck, Ziel, Zukunft, anders als etwa ein Grund, der Ursache sein kann, Anlass, Motiv, in jedem Fall Vergangenheit. Meine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es mag ern&#252;chternd erscheinen. Aber der Sinn des Lebens, das sind die anderen.</p>
<p>Im Jahr 2006 habe ich bereits einmal &#252;berlegt, <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/irrtumer-an-die-wir-glauben/das-leben-hat-einen-sinn/">ob nicht die Frage nach dem Sinn des Lebens falsch gestellt sein k&#246;nnte</a>. Sinn, das bedeutet Zweck, Ziel, Zukunft, anders als etwa ein Grund, der Ursache sein kann, Anlass, Motiv, in jedem Fall Vergangenheit. Meine Argumentation war simpel: Weil das Leben eben kausal ist, es ergibt sich aus sich selbst heraus, hat es keinen Sinn.</p>
<p>Von der Logik her denke ich das immer noch. Nur dass es inzwischen noch einen weiteren Gedanken gibt: Wir k&#246;nnen selbst einen Sinn schaffen. Wir k&#246;nnen einfach einen Zweck definieren. Und schon hat das Leben einen Sinn. N&#228;mlich genau den, den wir ihm geben.</p>
<p>Als ich mich im Jahr 2004 selbstst&#228;ndig gemacht habe, dachte ich anfangs, es ginge nur darum, Unternehmen das fachliche Know-how zu vermitteln, das rein sprachlich gesehen die Kunst der Zuspitzung ausmacht. Schlie&#223;lich war ich ge&#252;bter Redakteur, hatte an einer Journalistenschule Wissen gefressen und sp&#228;ter auch dort unterrichtet. Die Pressemitteilungen, die man als Redakteur so auf den Tisch bekommt, sind gro&#223;teils grottig, unterirdisch, handwerklich armselig, so dass der Gedanke nahe liegt, der Gesch&#228;ftswelt die Kunst des Formulierens beizubringen. Das Buch dazu, <a href="http://www.thilo-baum.de/publikationen/komm-zum-punkt-das-rhetorik-buch-mit-der-anti-laber-formel/">„Komm zum Punkt!“</a>, erschien 2009.</p>
<p><strong>Was ist die Schlagzeile des Individuums?</strong></p>
<p>Der n&#228;chste gedankliche Schritt war die Frage: Was ist eigentlich die Schlagzeile des Individuums? Jedes einzelnen Menschen? Was zeichnet uns aus? In beruflicher Hinsicht geht es hier um nichts anderes, als ebenfalls etwas zuzuspitzen, und zwar eine Positionierung. Das Buch dazu erschien 2010, hie&#223; <a href="http://www.thilo-baum.de/publikationen/mach-dein-ding/">„Mach dein Ding!“</a> und bekam im gleichen Jahr den Trainerbuchpreis von German Speakers Association und Managementbuch.de.</p>
<p>Was aber der Kern des Ganzen ist, Zuspitzung von Sprache und Inhalt, Positionierung im Beruf, zeigt sich letztlich erst im dritten Buch: <a href="http://www.thilo-baum.de/publikationen/denk-mit-erfolg-durch-perspektivenwechsel">„Denk mit! Erfolg durch Perspektivenwechsel“</a>. Ganz egal, ob wir formulieren oder etwas verkaufen – erfolgreich sind wir im Grunde erst dann, wenn wir das, was wir tun, aus Sicht der anderen tun und deren Belange in unser Handeln einbeziehen. Dieser Perspektivenwechsel ist der Schl&#252;ssel. Die Pressemitteilungen vieler Unternehmen sind nur deshalb so schlecht, weil ihre Verfasser nicht willens und / oder nicht in der Lage sind, mit ihrer Botschaft so etwas wie Relevanz aus Lesersicht zu erzeugen. Sie wollen und / oder k&#246;nnen sich nicht so ausdr&#252;cken, dass die Menschen sofort verstehen. Sehr viele Unternehmen setzen sogar interne Codes bei Externen voraus.</p>
<p><strong>Es geht nicht nur um uns</strong></p>
<p>Und nun lese ich die aktuelle „Brand eins“, Thema „Nichtstun. Und was sich daraus machen l&#228;sst“. Vom Essayisten Wolf Lotter lese ich: „Doch Nichtstun – das hie&#223; zu allen Zeiten ja immer auch, das zu tun, was man will, was man gern und ebenso wichtig an und f&#252;r sich tut. M&#252;&#223;iggang bedeutete stets die Zeit, die man f&#252;r sich verwendete (&#8230;).“</p>
<p>Hm. Ja. Schon. Aber: Nein. Also: Da bin ich mir nicht ganz so sicher.</p>
<p>Denn: Was ist denn das, was wir wollen? Wenn ich gefragt w&#252;rde, was ich am liebsten t&#228;te, w&#228;re es genau das, was ich jetzt bereits tue: arbeiten. Mit Sinn und Freude.</p>
<p>Nat&#252;rlich, wenn wir die Leute fragen, was sie t&#228;ten, wenn sie nicht arbeiten m&#252;ssten – die alte Coaching-Frage –, dann w&#252;rden erschreckend viele antworten, sie w&#252;rden nun ewig Urlaub machen. H&#228;ngematte, Strand, Cocktails. Wiederum andere w&#252;rden eben den Selbstfindungstrip anf&#252;hren, die Suche nach sich selbst, Erkenntnis, Indienreise und so weiter und so weiter. Alles klar. Es ist auch richtig, dass wir Zeiten zur Besinnung brauchen, ohne Frage. Aber so dargestellt, als sei das Nichtstun Ziel der Menschen, erscheint mir das alles ein wenig einseitig und auch arm. Wo sind denn bei diesen &#220;berlegungen die anderen? Unsere Mitmenschen?</p>
<p><strong>Geld nur deswegen verdienen, weil wir m&#252;ssen?</strong></p>
<p>Die Basis einer jeden Gesch&#228;ftsidee ist es, anderen einen Nutzen zu bringen. Ein Produkt verkauft sich im Kern dann, wenn es jemand braucht oder will. Die Sichtweise des anderen ist ma&#223;geblich. Der grundlegende Gedanke dabei ist immer das „Wozu“. Wozu tun wir, was wir tun? Um jemandem zu nutzen. Also letztlich um zu dienen. Denken wir so und handeln wir danach, verdienen wir logischerweise unser Geld. In diesem Setting macht Arbeit Spa&#223;.</p>
<p>Die meisten Unternehmen und Menschen denken andersherum: Wir m&#252;ssen Geld verdienen, also m&#252;ssen wir eben ein Produkt entwickeln und das an die Leute bringen. Das klingt pushy, das klingt anstrengend, das klingt verkrampft. In diesem Setting ist Arbeit eine Last, und wir tun das alles nur f&#252;r Feierabend, Wochenende, Urlaub und Ruhestand. Klar macht Hamsterrad keinen Spa&#223;. Und wer nichts anderes kennt, neigt vielleicht auch dazu zu glauben, nur M&#252;&#223;iggang k&#246;nne entsch&#228;digen.</p>
<p><strong>Die Unterschicht genie&#223;t es, nichts zu tun</strong></p>
<p>Zu Recht stellt Lotter fest, dass es gerade die Angeh&#246;rigen der Unterschicht sind, „die kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie nichts tun, eine Klasse, in der Freizeit und reine Unterhaltung noch etwas wert sind“. Stimmt. Aber will man diesen M&#252;&#223;iggang, wenn man sinnorientiert denkt?</p>
<p>Was also tun, wenn jemand ausgesorgt hat? H&#228;ngematte? Ja, auch mal kurz. Aber dann: Die Welt wartet! Es gibt Aufgaben ohne Ende. Wir haben Kriege, Hunger, leidende Kinder, leidende Tiere. Wir haben Gemeinwesen, die sich selbst zerst&#246;ren. Das Geld wandert kontinuierlich weg vom Volk hin zu jenen, die wissen, wie Geld funktioniert. W&#228;re unser Steuersystem ein Mensch, g&#228;lte er als nicht ganz dicht. Das Gesundheitswesen sieht den Menschen nicht. Im Land z&#228;hlt nicht Sinn, sondern Entsprechung mit Regeln. Den Ton geben regel- und ablauforientiert denkende Theoretiker an.</p>
<p><strong>P&#228;dagogische Propaganda, die uns zum Misserfolg verdammt</strong></p>
<p>Und zugleich haben immer mehr Menschen Hunger nach relevanter Bildung, nach konkretem Know-how, weil sie allm&#228;hlich merken, dass man sie systematisch auf die Pfade des Misserfolgs konditioniert hat. Und insofern ist es richtig, wenn Lotter auf Bertrand Russell verweist, der die Lohnarbeit als Instrument der Machtaus&#252;bung betrachtet, und es ist auch richtig zu erw&#228;hnen, dass das mit „p&#228;dagogischer Propaganda“ zu tun hat. Unser Schulsystem unterrichtet ja nicht ohne Grund am Leben vorbei (und das Buch dazu, <a href="../../publikationen/die-bildungsluecke/">„Die Bildungsl&#252;cke“</a>, ist jetzt f&#252;r den Trainerbuchpreis nominiert). Wir haben immens viel zu tun.</p>
<p>Also gilt doch erst einmal: Wer sich nur an den Strand legt, denkt ganz offenbar nur an sich selbst.</p>
<p>Was wir tun w&#252;rden, wenn wir ausgesorgt h&#228;tten – genau das ist ja im Kern das, was wir wollen. Was wollen wir wirklich? Wer jetzt intuitiv denkt, er werde dieses oder jenes Gesch&#228;ft aufmachen oder diese oder jene Idee in die Tat umsetzen, tickt im Sinne dessen, was ich mit Perspektivenwechsel meine. Es ist nicht nur auf Dauer langweilig, sich keine Ziele zu setzen und den Lauf der Welt von der H&#228;ngematte aus zu ignorieren, sondern es ist auch ignorant. Nur weil wir selbst ausgesorgt haben, endet doch nicht unsere Pflicht, etwas f&#252;r die Menschen und die Welt zu tun. Und genau deswegen gibt es beispielsweise bei der <a href="http://www.entrepreneurship.de/gruender-garage/idee-einreichen/">„Gr&#252;nder-Garage“ des Autors G&#252;nter Faltin die Frage: „Wof&#252;r engagierst du dich mit deiner Idee? Welches Anliegen ist dir wichtig?“</a> Genau hier zeigt sich der Sinn. Und zwar im Sinne eines „Wozu“, eines Zwecks.</p>
<p><strong>Denken in Ziel und Zweck bedeutet Altruismus</strong></p>
<p>Das „Wozu“ geh&#246;rt in dem Moment zum Leben, in dem wir das entscheiden. Die Orientierung an Ziel und Zweck ist nicht per se b&#246;se oder neoliberal, weil das ja so industrialisiert ist, wie das die aktuelle „Brand eins“ suggeriert. Sondern der Zweck bedeutet Altruismus an sich. Wenn man einmal verstanden hat, dass jedes Gesch&#228;ft letztlich auf dem Geben basiert, sind s&#228;mtliche Vorw&#252;rfe Marke „Der will ja nur Geld verdienen“ und „Arbeitswut“ vom Tisch. Sobald wir uns Ziele setzen und unser Handeln einem Zweck unterwerfen, hat das Leben einen Sinn. Und genau dieser Sinn, das sind die anderen.</p>
<p>Die anderen sind nicht die H&#246;lle, wie Sartre formuliert, sondern sie sind der Sinn genau unseres Lebens. Und genau das macht Wirtschaft aus. Ohne „Arbeitswut“. Das Gerede, es g&#228;be im Zuge der Automatisierung immer weniger zu tun, entspringt lediglich der &#220;berzeugung, es sei nur f&#252;r uns selbst zu sorgen und nicht f&#252;r andere.</p>
<p>Wenn Sie also Zeit haben, um nichts zu tun, dann tun Sie vielleicht doch was: &#220;berlegen und formulieren Sie, wof&#252;r Sie sich engagieren und welche Anliegen Ihnen wichtig sind. Gehen Sie bei allem, was Sie tun, nicht von sich aus und von dem, was Sie wollen und erwarten, sondern immer nur von dem, was die anderen brauchen und wollen. Und wenn es Pflanzen und Tiere sind, die Ihre Hilfe brauchen. Aber glauben Sie nicht, das Gegenteil von M&#252;&#223;iggang sei zwangsl&#228;ufig und ausschlie&#223;lich die „Arbeitswut“.</p>
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		<title>Ich Nerd nix Sprache</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Jul 2012 11:19:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Sehr schr&#228;g: Ein Benutzername darf nicht dem nat&#252;rlichen Namen entsprechen. Denn der enth&#228;lt ja nun einmal mindestens ein Leerzeichen. Nicht besonders mitgedacht, wenn sich Leute anmelden sollen.
Aber ausgerechnet der Unterstrich (_), dieses Unzeichen, ist erlaubt. Das als Zeichen in der Sprache gar nicht existiert, sondern auf der Schreibmaschine nur dazu diente, andere Zeichen zu unterstreichen.
Kann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/07/nerd-1.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-9840" title="nerd-1" src="http://www.thilo-baum.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/07/nerd-1.jpg" alt="" width="400" height="66" /></a></p>
<p>Sehr schr&#228;g: Ein Benutzername darf nicht dem nat&#252;rlichen Namen entsprechen. Denn der enth&#228;lt ja nun einmal mindestens ein Leerzeichen. Nicht besonders mitgedacht, wenn sich Leute anmelden sollen.</p>
<p>Aber ausgerechnet der Unterstrich (_), dieses Unzeichen, ist erlaubt. Das als Zeichen in der Sprache gar nicht existiert, sondern auf der Schreibmaschine nur dazu diente, andere Zeichen zu unterstreichen.</p>
<p>Kann es sein, dass wir nach wie vor daf&#252;r k&#228;mpfen sollten, dass auch Nerds so etwas wie Sprache lernen?</p>
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		<title>Peinlich f&#252;r Unternehmen</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jul 2012 15:04:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thilo Baum</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8230; wenn sie nicht den Ton treffen. Sch&#246;ne Sammlung von gruseligen Recruiting-Videos bei &#8222;Spiegel Online&#8220;. So unauthentisch, dass man sich fragt, ob man sich verbiegen muss, wenn man dort arbeitet. Denn wieso sollte jemand in einem Unternehmen, das authentisch ist und Klartext spricht, solche &#252;berspannten und peinlichen Videos drehen?
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; wenn sie nicht den Ton treffen. Sch&#246;ne Sammlung von <a href="http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/peinliche-recruiting-videos-wie-sich-firmen-im-internet-blamieren-a-841093.html">gruseligen Recruiting-Videos bei &#8222;Spiegel Online&#8220;</a>. So unauthentisch, dass man sich fragt, ob man sich verbiegen muss, wenn man dort arbeitet. Denn wieso sollte jemand in einem Unternehmen, das authentisch ist und Klartext spricht, solche &#252;berspannten und peinlichen Videos drehen?</p>
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