Derzeit machen wir ja sehr erfolgreiche Tierversuche. Die Katze hat gelernt, dass sie nicht aufs Sofa springt und schon gar nicht auf den Tisch. Also hat sie ein Problem, wenn man ihr ein Leckerli hinhält, das sie zu einer entsprechenden Grenzüberschreitung nötigt. Das Tier im Interessenkonflikt: Breche ich eine Konvention, weil es sich lohnt? Oder ist der Konventionsbruch undenkbar?
Manche Versuche sind auch sehr überraschend: Man wirft ein Leckerli, für die Katze sichtbar, an eine Stelle, die für die Katze wiederum nicht einsehbar ist. An sich müsste die Katze wissen, was wo liegt. Aber in dem Moment, in dem das Leckerli aus dem Katzenblickfeld verschwindet, orientiert sie sich neu. Kein Plan. Vergesslich? Konvention? In jedem Fall irgendeine Art von Realitätsverlust – entweder sie verdrängt die Wirklichkeit, oder sie nimmt sie aus irgendwelchen Gründen tatsächlich nicht wahr.
Tiere sind eben auch nur Menschen: Ignoranz gründet sich entweder auf mangelnde Wahrnehmungsfähigkeit und also Empfindsamkeit, oder sie ist Folge einer Verdrängung, oft determiniert durch Konventionen.
Nun denke ich nicht, dass Menschen einmal erlernten Mustern unweigerlich folgen müssen. Der Satz „Ich bin halt so“ ist oft genug eine Ausrede. Bestenfalls gilt „Ich handele halt immer so“. Was demjenigen die Möglichkeit einräumt, beim nächsten Mal anders zu handeln. Auch unsere Katze kann ihre alten Muster überdenken, und es ist eine Wonne, ihr dabei zuzusehen, wie sie langsam und beharrlich neu lernt. Inzwischen ist diese mindestens zwölf Jahre alte Hof-, Feld-, Wald- und Wiesenkatze eine Hauskatze geworden.
Ob auch Menschen umdenken können? Viele akademisieren ja die einfachsten Dinge. Auf Xing gibt es eine Debatte, wo jemand einen Begriff für „einfaches Restaurant“ sucht. Die Antwort lautet „einfaches Restaurant“. Aber statt diese einfach Antwort einfach zu bringen, brechen die Leute eine philologische Diskussion vom Zaun und ergießen sich in Nebensächlichkeiten. In vielen Debatten scheint der Sinn in der Debatte an sich zu liegen, Erbsenzählerei und übertriebene Präzision, so dass man sich fragt, was die Leute eigentlich für Ziele haben.
Das beliebige Gelaber ist immerhin der Wettbewerbsvorteil jener, die sich lieber auf Ergebnisse konzentrieren. Denn solange die Erbsenzähler weiter Erbsen zählen, besetzen sich keine Pole Positions. Damit aber auch übertheoretisiert denkende Schulabgänger und Hochschulabsolventen auf Dauer jenseits ihrer Routinen sinnvoll Erfolge planen können, auch falls ihnen der Job im Uni-Mittelbau mal zu dröge wird, könnten sich die Theoretisierer auch mal ein Beispiel an unserer Katze nehmen – vielleicht brauchen sie ja nicht einmal ein so langes Training.






„Also hat sie ein Problem, wenn man ihr ein Leckerli hinhält, das sie zu einer entsprechenden Grenzüberschreitung nötigt. Das Tier im Interessenkonflikt: Breche ich eine Konvention, weil es sich lohnt? Oder ist der Konventionsbruch undenkbar?“
.. und hält sie die Regeln auch ein, wenn Sie nicht im Haus sind? Kontrolle ist ein Instrument, um Tiere und Menschen an Grenzüberschreitungen zu hindern. Sobald das Kontrollorgan außer Sicht ist, gelten mitunter neue Bestimmungen.
„Tiere sind eben auch nur Menschen: Ignoranz gründet sich entweder auf mangelnde Wahrnehmungsfähigkeit und also Empfindsamkeit, oder sie ist Folge einer Verdrängung, oft determiniert durch Konventionen.“
..oder die Motivation ist nicht gegeben. Wieso ein unattraktives „Leckerchen“ suchen, wenn Katze keinen Hunger hat? Wieso ein uninteressantes Such-Spiel spielen (sie ist ja keine Spür-Hund), wenn sie Lust auf ein Fang-Spiel hätte? Motive spielen bei Tieren wie auch bei Menschen eine entscheidende Rolle. Ca. 120 Katzen und 12 Hunde, die ich zur Pflege hatte sowie unzähligen Menschen, die ich mit Tiere als Co-Trainer in Seminaren trainiert habe, bestätigen das.
Sie wünschen sich einen Kater, der mit Begeisterung versteckte Käse-Häppchen sucht? Roter Kringelkater Zorro ist noch in der Vermittlung.
http://www.p-ep.de/Tiere
Wenn wir nicht im Haus sind, ist die Katze auch nicht im Haus, insofern kann sie die Regeln nicht halten … Und: Diese Katze hat so gut wie immer Hunger.
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