In Sachen Geld denken Menschen meist erst einstellig, dann zweistellig, dann dreistellig und so weiter. In der ersten Epoche des Lebens, meinetwegen von 0 bis 7, haben wir mal 2 Mark, mal 5 Mark, und 10 Mark erscheinen uns viel. In der zweiten Epoche, sagen wir von 8 bis 14, denken wir zweistellig: Wir haben mal 20 Mark oder Euro in der Tasche, und empfinden 100 Euro als viel – sowas gibt’s höchstens mal von der Oma. Dritte Epoche: Von 15 bis 21 denken wir dreistellig, und vierstellige Beträge gehören aufs Sparbuch. Vierte Epoche: Von 22 bis 28 denken wir vierstellig. Wir sind raus ausm Haus, studieren irgendwo, haben Wohnung und Auto.
Im Idealfall denken wir in der nächsten Epoche, von 29 bis 35, fünfstellig. In aller Regel ist das auch so. Doch statt in dieser Folge dann weiterzumachen, bleiben die meisten Leute auch in der Epoche von 36 bis 41 fünfstellig. Manche bleiben auch in Entwicklungsstufe 4 stehen und denken mit 36 noch vierstellig. Nur wenige denken sechsstellig und noch weniger denken ab 42 siebenstellig und ab 50 achtstellig. Das mag mathematische Gründe haben, da sich Geld beim Normalarbeiter und -verbraucher ja kumuliert und nicht exponenziell vermehrt. Der Schritt von 100.000 Euro zu 1.000.000 Euro ist nun mal größer als der Schritt von 100 zu 1000 Euro. 900.000 Euro versus 900 Euro! Aber der Unterschied liegt auch in den Menschen begründet. Worin unterscheiden sich diese Leute?
Erstens unterscheiden sie sich in ihrer Haltung zum Geld. Die einen wollen es, die anderen eher nicht. Die einen sagen: „Geld ist toll! Mit Geld kann man viele gute Dinge tun!“ Die anderen sagen: „Geld stinkt!“ und lehnen alles „Kommerzielle“ ab.
Zweitens liegt der Unterschied in der Frage, worauf die Menschen ihre Vier- oder Fünfstelligkeit beziehen: nur auf die Einnahmen oder auch auf die Ausgaben? Und hier liegt der wichtigste Schlüssel.
Ob die Leute beim vier- oder fünfstelligen Denken bleiben oder nicht: Sie denken meist nicht nur bezüglich der Einnahmen in ihrer Dimension, sondern auch bezüglich der Ausgaben. Und das sorgt für den Stillstand. Wer 10.000 Euro im Monat verdient und 10.000 Euro im Monat ausgibt, wird nicht reich. Wer 10.000 Euro im Monat verdient und genauso viel Geld ausgibt wie zu vierstelligen Zeiten, wird reich und denkt bald sechsstellig. Nur so lässt sich die Mathematik überlisten: Man bleibt einfach stur in der alten Dimension, und plötzlich liegen die 900.000 Euro auf dem Konto.
Letzten Endes stellt man fest: Man hat in der vorigen Epoche auch überlebt. Ist also das Segelboot nötig mit seinem schweineteuren Liegeplatz? Nein. Muss ein Zweitwagen her? Nicht wirklich.
Heißt: Machen Sie sich Ihre Dimension bewusst, aber wenden Sie sie nur für Ihre Einnahmen an. Wenden Sie für die Ausgaben die jeweils niedrigere Stufe an. Nehmen Sie vierstellig ein, geben Sie dreistellig aus. Nehmen Sie sechsstellig ein, geben Sie fünfstellig aus. Oder eben sogar vierstellig, dann sind Sie schneller sieben- und achtstellig. „Sparen“ ist das eigentlich nicht, denn Sie haben ja auch schon vorher akzeptabel gelebt. Kein Grund, dabei Statusprobleme zu haben. Manch ein richtiger, hemdsärmeliger Selfmade-Milliardär ist sich nicht zu fein, in einer miesen Absteige zu übernachten. Er hat das durch und kennt das. Per aspera ad astra. Das ist ja eben sein Erfolgsgeheimnis. Nicht Sparen macht reich, sondern Demut.
Dann differenzieren Sie zwischen Investitionen und Konsumausgaben. Investitionen sind Ausgaben, die das Finanzamt anerkennt. Sie bekommen etwas für Ihr Geld, das Sie weiterbringt. Je nach Modell sind das unterschiedliche Dinge – bei manchen ist es ein guter Rechner, bei anderen ein Traktor. Konsumausgaben sind Ausgaben, die Ihnen nichts bringen. Essen gehen, sinnlose und teure Hobbys. Und dann wenden Sie eine Faustregel an: Niemals bei Investitionen sparen. Allerdings so gut es geht bei Konsumausgaben. Dann kommt das Geld von alleine.
Und jetzt übertragen Sie das Modell auf andere Ressourcen. Geld ist auch nur eine Ressource von mehreren. Unterm Strich haben Sie Geld, Zeit und Energie. Unterscheiden Sie also auch bei Zeit- und Energieausgaben zwischen Investitionen und Konsumausgaben. Eine Investition ist es, mit den richtigen Leuten die richtigen Gespräche zu führen. Eine Konsumausgabe ist, sich von einem Energievampir ein Ohr abkauen zu lassen. Eine Investition ist es, mit guten Leuten gute Projekte zu planen. Eine Konsumausgabe ist es, sich von Schaumschlägern substanzfreien Blödsinn erzählen zu lassen und Projekte anzuschieben, die letztlich nur heiße Luft sind.
Wenn Sie auch Zeit und Energie massiv investieren und dort keine Konsumausgaben mehr tätigen, fliegen Ihnen Zeit und Energie zu.



Sehr einleuchtender Artikel, wenn auch sehr schwer umzussetzen :( Irgendwie steigen die Ausgaben nämlich fast automatisch mit den Einnahmen wenn man versucht vorwärts zu kommen.So gehts jedenfalls mir …