Die so genannte Bildungsschere ist ganz einfach erklärt: Kaum geben wir den Dummen ein Tool, um klüger zu werden, stürzen sich nur die eh schon Klugen drauf und werden noch klüger. Die Bildungsschere klafft noch weiter auseinander als zuvor.
In Zeiten, in denen jeder Mensch mit Zugang zu Strom und Internet öffentlich kommunizieren kann, geht es mehr als zuvor darum: Sind die Menschen klug oder dumm? Daran werden sich in den kommenden Jahren die Geister scheiden.
Dumm sind die zwei Typen, die heute in meinem eh schon engen und stickigen Hotelflur im Schweizer Kanton Solothurn den Teppichboden mit viel zu viel Reinigungsmittel eingesprüht haben, wenn das überhaupt Reinigungsmittel war. Lösungsmittel ohne Ende in der Luft, schwächere Gemüter bekommen Nasenbluten. Dumm ist, nicht zu kapieren, dass man da gerade ganz gehörig Mist baut. Solche Leute werden es kaum zu etwas bringen, und es wird stets die Aufgabe des Staates sein, dafür zu sorgen, dass sie überleben. Gut so.
Dumm sind Hunderte von Typen, die in Diskussionen um große Gedanken sich irrelevante Einzelheiten mit Schwächen herauspicken, um angeblich das große Ganze zu hinterfragen oder zu widerlegen. Wie blöd muss man sein, um nicht die Story einer Aussage zu sehen? Oft stehen verletzte Egos dahinter, Eitelkeit, Rivalitäten – lauter Blödsinn, der nicht den Lauf der Welt aufhalten sollte. Und auch diese Menschen werden es kaum zu etwas bringen, denn sie werden sich stets mit Details aufhalten und anhand geringfügiger Fehler in Blättern leugnen, dass wir in einem Wald stehen.
Sinn hat es in meinen Augen nur, sich auf die Klugen zu konzentrieren. Es gibt eine Menge Menschen mit hohem Interesse an wertvollem Know-how. Leute, die klugen Menschen zuhören und aufnehmen, was sie sagen. Menschen mit der Fähigkeit hinzuhören – etwas, was jenen abgeht, die sofort mit ihren Einwänden zur Stelle sind und eh schon alles wissen.
Ein befreundeter Coach berichtete von einem Seminar zu den Wegen des Erfolgs in einem sehr armen Land dieser Erde, simultanübersetzt. Das Publikum hörte begeistert zu und löcherte den Redner mit Tausenden von Fragen. Dieses Publikum war vielleicht nicht gebildet, aber es war sehr, sehr klug.
Also lassen Sie uns bitte unsere Konzentration auf die richten, die offen sind für die wichtigen Erkenntnisse dieser irren und wirren Zeit. Egal, ob es um neue Kommunikationswege geht, um neue Arbeitsformen. Sich ernsthaft auf die Bedenkenträger einzulassen, ist Energie- und Zeitverschwendung. Lassen Sie uns, wenn wir sinnvolle Inhalte verbreiten wollen, uns auf die konzentrieren, die hinhören.
Wichtig dabei ist: „Klug“ heißt nicht gebildet. Sehr viele Menschen ohne Bildung sind sehr klug. Und „klug“ heißt auch nicht intelligent. Sehr viele hochintelligente Menschen sind strohdoof, sie sind geradezu lahm vor Intelligenz, unfähig, vor lauter Eventualitäten den Kern des Wesentlichen zu sehen.
Klug sind Menschen dann, wenn sie offen dafür sind, neue Perspektiven zu entwickeln. Dumm sind sie dann, wenn sie sich neuen Gedanken verschließen. Blöd wie Brot sind sie, wenn sie mit Gewalt dagegen ankämpfen, neue Gedanken gelten zu lassen, etwa in Xing-Diskussionen, in denen hochvergeistigte Moralmenschen ihre bisherigen Denkmuster auf alles Neue anwenden und nichts gelten lassen, was nicht ihrem bisherigen Denken entspricht. Gerade Xing strotzt vor tausenden Dummköpfen, wenngleich die Plattform an sich genial ist. Das Problem ist: Die Qualität kippt möglicherweise bald, das Medium ist kurz davor, zu einem Spam-Topf von Mismatchern zu verkommen.
Wenn die Bildungsschere weiter auseinanderklafft, können wir es ohnehin nicht verändern. Aber wir müssen dringend dafür sorgen, dass diese Welt die Kurve kriegt. Dazu muss unser Know-how raus in die Welt. Wer es nicht annimmt – dessen Sache. Lassen Sie uns uns an die Klugen richten!
Wichtig bleibt dabei in jedem Fall, die Inhalte des heutigen wesentlichen Wissens auch armen Menschen und Menschen ohne Bildung zugänglich zu machen – denn in diesen Gruppen gibt es sehr viele kluge Menschen, die zuhören. TED ist dafür das Vorbild. Aber bitte, bitte, bitte verweigern Sie Diskussionen mit Besserwissern aus dem intelligenten Bildungslager, dem die Klugheit abgeht. Das lähmt nur, das stiehlt Zeit, das raubt Energie. Wir brauchen diese Energie viel dringender, um die Aufmerksamkeit jener Menschen zu erreichen, die offen sind für die anstehenden Veränderungen.



Erfrischend zu lesen. Sie haben soo recht!
Einfach toll auf den Punkt gebracht. Weiter so!
LG
Martin