
Im Haus im Wald gibt es derzeit weder Heizung noch Warmwasser.
Warum? Aus ein- und derselben Ursache.
„Haaaaaaalt!“, brüllen welche und sagen: Das kann nicht sein, dass beides dieselbe Ursache hat. Denn Heizungssysteme sind geschlossene Systeme — Wasser wird einfach nur aufgeheizt und weitergepumpt und kommt dann wieder zurück zum Aufheizen. Dagegen ist Warmwasser ein offenes System — Kaltwasser kommt irgendwoher, wird aufgeheizt und dann weitergeleitet. Es kommt nicht mehr zurück, um wieder aufgeheizt zu werden.
Zwei Systeme also.
So weit, so gut. Trotzdem behaupte ich: Dass ich derzeit weder Heizung noch Warmwasser habe im Haus im Wald, hat dieselbe Ursache. „Kaaaaann nicht sein“, wettern die Logiker, die von Heizungen keine Ahnung haben.
Bei Zaubertricks ist es so: Versteht man sie nicht, staunt man. Doch sobald man sie versteht, staunt man nicht mehr. So ist das mit vielen Dingen im Leben. Sobald man einen Trick durchschaut, eine Masche, eine Finte, einen Vorwand, eine Ausrede — fällt genau diese Ausrede unten aus der Gleichung raus. Vereinfacht dargestellt:
Das Heizungssystem im Haus im Wald hat einen „Kessel“. Der besteht aus einem Ofen, der Holz verbrennt. Die Hitze aus dieser Verbrennung erhitzt das Wasser in den Rohren, die durch den Kessel laufen. Sobald das Wasser in den Rohren 30 Grad hat, springt eine Pumpe an und schiebt das heiße Wasser um so viel weiter, dass ebenso viel kaltes Wasser nachkommt, um aufgeheizt zu werden.
Dieser intervallweise Warmwasserstrom fließt in Rohren in meine Heizung und heizt Fußböden und Wände. Heizkörper gibt es bei mir nicht. Ein Öko-Lehmhaus mit der wohl angenehmsten Wärmeabstrahlung, auf die man so stehen kann.
Nun heizt der Kessel aber und heizt und heizt. Holz verbrennt. Es entsteht Hitze ohne Ende. Viel Energie. Das Wasser hat also relativ schnell 30 Grad. Was passiert, wenn das Wasser 30 Grad hat? Wenn der Bedarf der Heizung gesättigt ist und das Wasser im Heizungssystem 30 Grad hat?
Jetzt schaltet ein T-Rohr mit Ventil um und zweigt den Wasserstrom ab. Dadurch dringt kaltes Wasser aus einem zweiten Kreislauf in den Kessel. Und dieses heizt der Kessel bis auf 60 Grad auf. Wie? Die Pumpe schickt das Wasser einfach später weiter. Das heiße Wasser fließt durch einige Meter Rohr statt in die Heizung in den „Boiler“. Der Boiler selbst füllt sich dadurch nicht; die Heißwasserrohre führen nur durch den Boiler hindurch, und der speist sich wiederum aus einer anderen Quelle: aus Grundwasser. Und unser 60 Grad heißes Wasser aus der überschüssigen Heizungsenergie heizt nun dieses Grundwasser aus der Erde auf etwa 45 Grad auf. Dieses Warmwasser kommt dann aus der Leitung.
Heißt vereinfacht: Das Heizungswasser erwärmt das Leitungswasser. Ergo kann das Leitungswasser erst warm sein, wenn die Heizung versorgt ist. Die Heizung hat Priorität vor dem Warmwasser. Es ist nicht so, dass beide Wasserströme im Kessel erhitzt würden (beide gleichberechtigt), und auch erhitzt nicht das Warmwasser das Heizungswasser (Warmwasser vor Heizungswasser, was logischer wäre, da das Warmwasser heißer ist als das Heizungswasser), sondern das Heizungswasser wird dann, wenn es nicht mehr gebraucht wird, weil die Heizung gesättigt ist, stärker erhitzt als für die Heizung nötig, und erhitzt dadurch das Warmwasser.
Erstens: Erkläre das mal einer einem Marsmenschen. Und zweitens: Ist die Heizung nicht warm, gibt es kein Warmwasser.
Warum gibt es nun in meinem Haus kein Warmwasser und keine Heizung? Warum schlafe ich am Kamin und dusche beim Nachbarn (keine Sorge, es sind nur ein paar Meter ins andere Haus vom Hof, das hat einen anderen Wasserkreislauf)? Warum werden am Montag stramme Handwerker mit aufgekrempelten Ärmeln den Holzfußboden in meinem Schlafzimmer im Obergeschoss aufstemmen?
Weil es leider ein Leck in einem der Heizungskreisläufe im Obergeschoss gibt. Das warme Wasser in meinem Haus fließt den Schornstein herab. Eine Menge Fachleute von nah und fern, aus den Tälern und von den Höh‘n sind daran, diese Havarie zu beseitigen. Aber hier geht es nicht um Business, Stammtisch oder Verbraucherschutz, sondern schlicht um Logik, darum lässt sich schlicht sagen: Der Grund dafür, dass ich kein Warmwasser aus der Leitung habe, ist der, dass ich keine Heizung habe, und beides hat im Kern eine gemeinsame Ursache. Das Leck im Heizungskreislauf. Ohne das ich Warmwasser hätte, weil das überschüssige Heizungswasser das Warmwasser aufheizen würde. Das ist Logik für Heizungsmonteure und Leute, die Heizungsmonteure werden wollen.
Ich bin gespannt.
Die Ofentür klappert und draußen rauscht es: Es kommt Sturm auf. Wie der wohl entsteht?



gibt’s im Sommer denn kein Warmwasser? *nixblix*
Nahe liegende Frage. Rätsels Lösung: Sobald die Sonnenenergie im Frühjahr ausreicht, schaltet das Heißwassersystem auf die Solarzellen auf meinem Dach um. Dann macht die Sonnenenergie das Warmwasser heiß. Heizen kann man dann immer noch mit Holz, wenn man will, aber braucht dann eben weniger.
Das Leck befindet sich in Heizkreis 4. Wir haben jetzt Heizkreis 4 abgestellt. D.h. erst mal funktioniert’s wieder, jedenfalls ohne Heizkreis 4. Das Leck liegt so blöd, dass demnächst wahrscheinlich wilde Kerle kommen und den Schlafzimmerboden aufstemmen.
Ich hab noch von keinem Leck oder Rohrbruch gehört, der nicht blöd läge.
Hurra! Die Temperatur des Warmwassers beträgt 50,6 Grad Celsius. Am Abend schon war sie auf 35 Grad gestiegen, den Rest besorgte das System in der Nacht.
Mein erstes Bad im eigenen Bad seit Tagen.
Heizung geht auch, abgesehen von Heizkreis 4.
Es wäre sinnvoll, nun das Schlafzimmer auf Heizkreis 4 zu verlegen.
Hm. Heizkreis 4 *ist* das Schlafzimmer.