Traumfänger

 

Sie bestehen aus zu Kreisen zusammengedrehten Weidenschnüren, Leder, Holz -oder Tonkügelchen und aus Hühnerfedern oder Pferdehaaren und hängen in so manchem Schlafzimmer: Traumfänger, als traditioneller Indianerschmuck nett anzusehen, deren Aufgabe ist, die Träume des Schlafenden zu fangen, so dass er sich am Morgen an sie erinnert. Doch weil Indianer eine vom weißen Mann bekämpfte und fast ausgerottete Minderheit sind, schmücken sich manche Menschen gerne mit den Attributen der unterdrückten Indianer. Mit Hilfe indianischer Attribute versuchen viele Esoteriker, ein wenig an der Naturnähe der Indianer teilzuhaben, und da sie dennoch weiterhin in einer übertechnisierten Welt voller Laptops und Handys leben, betrügen sie sich ähnlich perfide selbst wie „American-Spirit“-Raucher, die ihre Zigaretten im Bioladen kaufen und allen Ernstes meinen, das sei gesund.

Esoteriker verteidigen ihre Traumfänger damit, dass sie tatsächlich oft funktionieren: Die Träume bleiben in den geschnürten Netzen hängen und sublimieren in der Erinnerung des Schlafenden. Dieses Phänomen genügt Esoterikern, um an Traumfänger zu glauben. Dabei dient dank Placebo-Effekt jede leere Gießkanne als Traumfänger, wenn man sie sich übers Bett hängt und damit die bewussten Gedanken an Träume und die Erinnerung daran aufrechterhält.

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