Jäger und Bauern

 

Existenzgründerkurse sind ja leider meistens keine Existenzgründerkurse. Existenzgründerkurse sind meistens Checklisten-Abcheck-Kurse für einige juristische und ökonomische Dinge, die mit Existenzgründung zu tun haben. Sie bringen einem bei, was der Unterschied ist zwischen einer GmbH und einer GbR. Aber aus einem Arbeitnehmertypen einen Unternehmertypen machen – das leisten sie nicht. Dabei wäre genau das in diesem Land gerade jetzt so wichtig.

Worin besteht der Unterschied zwischen Arbeitnehmertypen und Unternehmertypen? Folgende Analogie: Bauern und Jäger.

Bauern sind sesshaft. Sie hegen und pflegen, was sie haben. Motto: Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Unsicherheit ist ihnen ein Gräuel. Bauern ertragen keine Schwebezustände. Sie fühlen sich nur wohl, wenn keine Gefahr besteht und wenn abends das Tagwerk rechtschaffen verrichtet ist. Bauern sind auf eine zuverlässige Umwelt angewiesen, weil sie ohne Verlässlichkeit nicht leben können. Viele Bauern wissen nicht, dass das Jägerleben eine Alternative ist – manche wissen nicht einmal, dass es Jäger gibt. Auf der Jägerschule sind Bauern oft überfordert.

Jäger sind unterwegs. Sie sind ständig auf der Suche nach Neuem. Motto: Wer nichts wagt, gewinnt nichts. Sicherheit ist für sie uninteressant. Jäger suchen den Wandel und die Bewegung, sie hassen den Stillstand. Jäger fühlen sich nur wohl, wenn sie spannende Aufgaben haben. Jäger wissen, dass nichts im Leben verlässlich ist außer ihr eigenes Handeln. Alle Jäger wissen, dass es Bauern gibt, aber deren Leben ist für sie keine Alternative. Auf der Bauernschule sind Jäger oft gelangweilt.

Wer in einer Bauernfamilie aufwächst, wird wahrscheinlich Bauer. Wer in einer Jägerfamilie aufwächst, wird wahrscheinlich Jäger. Da es mehr Bauern- als Jägerfamilien gibt, vermehren sich die Bauern viel stärker als die Jäger. Und weil dadurch überall Bauern zu sehen sind, erscheint das Bauernleben für die allermeisten Bauern als normal.

Aber selbst manch ein Bauer kann ein Jäger werden. Er muss nur wissen, wie es geht. Man kann es ihm zeigen. Und ist ein Bauer mal zum Jäger geworden, will er meistens Jäger bleiben. Es ist, wie wenn man nach Jahren des Fastfoods die Haute Cuisine entdeckt.



3 Kommentare zu „Jäger und Bauern“

  1. Babette

    hä? was ist denn aus den Frauen geworden? Nicht mehr am Start? Jäger und Sammler beschreibt doch spätestens seit Caveman die Gewohnheiten und somit typischen Unterschiede bei Männern und Frauen. Eines schönen Sonntags macht nun ein Jäger aus den Frauen genügsame Bauerntrampel? Oder sind Männer in Jäger und Bauern unterteilt und die Ladies nicht mehr im Spiel? Na dann, meine Herren, seht mal zu…..

  2. holgi

    Mir war bisher gar nicht klar, dass deine Schwäche für ein Leben im Wald Ausdruck einer allgemeinen Zivilisationsmüdigkeit ist.

  3. Thilo

    Das Jäger-Bauern-Modell hat mit Männern und Frauen nichts zu tun, es sind zwei verschiedene Metaphern:

    1. Jäger/Sammler = Männer/Frauen nach Caveman-Prinzip: Männer zielgerichtet, oft alleine und schweigsam (angeln, jagen, Tunnelblick, Einkaufszettel abarbeiten), während Frauen in Gruppen sammeln und nicht leise sein müssen, weil Pilze und Beeren nicht fliehen können (viel reden, beim Einkaufen mal sehen, was es so gibt und am Ende alles andere gekauft haben als sie vorhatten)

    2. Jäger/Bauern = Selbstständige/Arbeitnehmer nach Frädrich-Baum-Prinzip.

    Wobei Frauen im Sinne von (2) NATÜRLICH Jäger sein können und Männer NATÜRLICH auch Bauern.

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