Sinn oder Regeln?

 

Offenbar bin ich nicht der Einzige, der unter stupiden Regelbefolgern in irgendwelchen McJobs leidet, die ohne Sinn handeln. Auch Herrn Pilawa trifft es. Das ablauf- bzw. regelorientierte Denken wird uns als Gesellschaft noch mal das Genick brechen, wenn es darum geht, wie wir unsere kreativen Potenziale ausschöpfen. Wir werden untergehen, wenn wir den Leuten nicht bald beibringen, wie sinnorientiertes und ergebnisorientiertes Handeln funktioniert, sondern sie weiter zu stumpfen Regelbefolgern erziehen.

Die wesentliche Frage bei all diesen nicht mitdenkenden Leuten an Entscheiderpositionen ist: Betrachten sie das, was sie tun (Ablauf eingehämmert bekommen, ziehe ich durch), oder betrachten sie das, was es bedeutet (welchen Sinn hat mein Handeln?)? Wer die Sinnfrage nicht stellt, tötet auch, wenn man es ihm befiehlt. Wer die Sinnfrage dagegen stellt, hinterfragt sein Handeln und handelt klug.

Kürzlich war ich auf einer Messe im Berliner Hotel Estrel, fürchterlich schlecht organisiert, und die Messedamen schickten mich (und viele andere) bei meiner Frage nach „Raum 3″ in den Keller durchs halbe Hotel auf eine Baustelle – das habe man ihnen „so gesagt“. Selbst die Routine zu prüfen, auf die sie da die Besucher schicken, auf diese Idee kommt dieses dumme Volk nicht. Und damit bekommen sie selbst für ihre unterbezahlten Jobs noch zu viel Geld. Besser wäre es, sie täten diesen Job lieber erst gar nicht.

Ich bin sicher: Empathie ist ein großes Thema unserer Zeit, und dabei geht es vor allem darum, statt Routinen und Regeln den Sinn des eigenen Handelns und seine Bedeutung zu erkennen.

5 Kommentare zu „Sinn oder Regeln?“

  1. wolframcgn

    Klingt reichlich nach arrogantem Selbstständigen der noch nie einen dieser „McJobs“ (geiler Falschausdruck übrigens: „Regierungsgefördertes Wirtschaftsprogramm“ wäre richtiger) machen musste.

    Natürlich hast Du Recht: Man darf *eigentlich* nicht stummpfsinnig ausschließlich Anweisungen ausführen wenn man einen solchen Job hat – aber diese Leute haben oft keine andere Wahl.

    Ich habe (als ich noch solche Jobs gemacht habe) auh versucht die bestehnden, teilweise unlogischen + auch kundenfeindlichen Prozesse mit einfachen, kleinen (und nicht teuren) Dingen umzubiegen – und ich habe deswegen nicht nur einmal meinen McJob verloren.

  2. Markus Väth

    Ich glaube, dass es nicht nur um Empathie oder Klugheit geht. Meiner Meinung nach handeln Menschen in ihren Jobs meistens aus Angst strikt nach den Regeln.

    Es ist diese Furcht vor Verantowrtung, vor Konsequenz, vor dem Gefeuertwerden, das sie umtreibt und zu Automaten macht. Denn dazu werden wir erzogen. In der Schule konzentriert man sich auf unsere Fehler. Im Berufsleben landen wir in einer „Kultur“ der Negativkritik. Lob ist selten.

    Wenn Sie oder ich dann auf einen eisernen Regelbefolger in einem McJob treffen, ist der schon so angstkonditioniert, dass ihm selbständiges Handeln gar nicht mehr in den Sinn kommt.

    Das ist es, was wir solchen Leuten nehmen müssten: dieses permanente Angst- und Bedrohungsgefühl. Und die Politik müsste mit dieser Haltung den Anfang machen.

  3. Hartmut

    Gut gebrüllt, (Klartext-)Löwe!

    Nur gefällt mir das Wort „hinterfragen“ überhaupt nicht!!!

  4. Thilo Baum

    Wolfram: Da muss ich widersprechen, ich bin weder arrogant noch habe ich noch nie einen McJob gemacht. Und wenn du durch verantwortliches Handeln deinen McJob verloren hast, dann ist das in meinen Augen gut so, denn du hast gemerkt, dass du darin sowieso nicht glücklich wirst. Deswegen werfe auch ich dir keine Arroganz vor. Im Gegenteil. Darin besteht gerade die Empathie.

    Ich bin zugleich überzeugt, dass jeder Mensch die freie Wahl hat, die Sinnfrage zu stellen oder nicht. Und zwar ganz gleich, in welcher Lage.

    Auch wenn der Kopf vom Fisch stinkt, was im Falle vieler McJobs der Fall ist, dann darf sich das Individuum selbstverständlich wie immer im Leben zwischen „Love it“, „Change it“ und „Leave it“ entscheiden.

    Wer sich für „Love it“ entscheidet, darf sich dann aber den Vorwurf gefallen lassen, dass er Menschen bewusst schlecht behandelt, weil er sich dazu entschieden hat. Beispielsweise die stumpfen Messehostessen bei erwähnter Messe. Sie tun es aus freien Stücken, indem sie die Verantwortung für ihr Handeln ablehnen. *Das* ist arrogant in meinen Augen.

  5. Thilo Baum

    Ach so, Nachtrag. Definitionsdiskussionen sind zwar pillepalle, aber „McJob“ ist in Wikipedia ganz gut beschrieben:

    McJob is slang for a low-paying, low-prestige job that requires few skills and offers very little chance of intracompany advancement.

    http://en.wikipedia.org/wiki/McJob

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