Was machst du?

 

Auf dem Markt der Selbstständigen tummeln sich eine Menge Leute. Manche knallt es aus dem einstmals festen Job raus, und weil sie sich nie eine Rübe über eine Alternative gemacht haben, eiern sie mit schlecht durchdachten Pseudo-Geschäftsideen durch den Orbit. Die vielen miesen Webseiten mit sinnlosen Inhalten kennen wir. Andere Selbstständige arbeiten nach Plan.

Bei allen will ich letztlich wissen: Was machst du? Und wer diese Frage nicht einfach und klar und verständlich beantworten kann, soll einpacken. Bringt der- oder diejenige sein oder ihr Business einfach auf den Punkt, oder dauert es mehrere Schachtelsätze, bis man eine Ahnung vom Business hat?

Am Anfang steht der Gedanke, und der muss klar sein. Gute Ideen sind immer klar zu beschreiben. Für ein Konzept muss eine DIN-A-4-Seite reichen, sonst stimmt etwas nicht. Um jemandem einen Eindruck von der Idee zu vermitteln, muss eine Minute genügen. Mir ist klar, dass das den Präzisions- und Perfektionsfanatikern nicht schmeckt, aber denen sei der Misserfolg auch gegönnt.

Nun geht es nicht darum, den Leuten irgendeinen Müll zu verkaufen. Den zwanzigsten Aufguss einer alten Idee. Die will keiner. Es mag sein, dass der eine oder die andere auf diesem Trip gut fährt – natürlich kann man alte Gedanken neu aufbrühen. Aber Format hat das nicht. Sicher leben einige gut von ihren Kopien. Aber wer kreativ und fantasievoll ist, der will etwas Neues schaffen.

Viele Gedanken beim Brainstorming drehen sich leider nur um den eigenen Willen. Was liegt mir? Das ist nur eine von mehreren wichtigen Fragen. Kern ist die Frage: Wofür bezahlen andere? Und um das herauszufinden, bedarf es einer unter Menschen selten gewordenen Fähigkeit: der Gabe, die Sicht der anderen einzunehmen.

Empathie ist der Schlüssel unserer Zeit. Wenn die sozialversicherungspflichtigen Jobs abschmieren, die Bundesanstalt für Arbeit („Agentur“? Wieso „Agentur“?) nur noch ihre Statistiken pflegt und die BfA („Rentenversicherung Bund“? Wieso „Rentenversicherung Bund“?) nur noch ein Relikt alter Zeiten ist, das keinen Bezug zur Realität der meisten Menschen mehr hat – dann geht es darum, zu erkennen, was die Leute wollen. Jenseits der bürokratischen Alibi-Kampfplätze unseres gesellschaftspolitischen Diskurses, dem die Presse auf den Leim geht, indem sie das Thema verfehlt.

Und statt dass Hauptschüler lernen, wie man Hartz-IV-Anträge stellt, sollten sie vielleicht lernen, wie man den Markt empfindet, nutzt und füllt. Ebenso wie Gymnasiasten, die weitgehend sinnloses Zeug mitbekommen, das vielleicht dem theoretischen Denken irgendwelcher Altphilologen und Naturwissenschaftler entspricht, deren Leben aus Schule, Uni und wieder Schule besteht, oder dem Denken von Schulfunktionären, die ebenso niemals auch nur das Geringste dessen verspürt haben, was Wirtschaft ausmacht. Was fehlt, ist Wissen, das Menschen erfolgreich macht. In der Praxis verlassen jährlich Tausende von Verlierern die Schulen. Was mir sagt, dass unser Schulkonzept das falsche Konzept ist. Kein Wunder, wenn man in der Schule lernt, wie man Hartz-IV-Anträge stellt.

Was machst du? So lautet die Frage. Was ist dein Job? Dein Geschäft? Es mag sehr wirtschaftsfreundlich und BWL-fetischistisch klingen, wenn man fragt: Worin besteht dein Nutzwert? Aber vielleicht klingt die gleiche Frage in den Ohren der Sozialpädagogen, Theoretiker und BAT-Wissenschaftler sozialverträglicher, wenn man sie anders stellt: Worin und wie hilfst du deinen Mitmenschen beim Leben? Beide Fragen fragen dasselbe.

Wer die Antwort auf diese Frage gefunden hat, soll loslegen. Wer sie noch nicht hat, soll Augen und Ohren öffnen und auf die vielen Belange der Umwelt reagieren. Selbstverwirklichung ist weniger ein Selbstfindungsprozess als vielmehr Interaktion mit den Mitmenschen. Indem ich erkenne, was sie brauchen, und indem ich ihnen das gebe, gelingt es mir umso leichter, so zu leben, wie ich mir das wünsche.

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