Überstehen Sie die Krise! Wer die derzeitige Wirtschaftslage unbeschadet hinter sich bringen und auch sinnvoll gestalten will, sollte die Augen aufmachen und nachdenken. Auf welcher Basis steht Ihr Leben? Fahren Sie die Taktik „Augen zu und durch“? Die verdient es kaum, „Taktik“ genannt zu werden. Oder vertrauen Sie auf Rettungsschirm und Konjunkturpaket? Na, aber! Ihren Kindern sagen Sie es doch auch ins Gesicht, wenn sie naiv sind. Also: Acht Tipps, wie Sie hier wieder heile rauskommen!
Ökonomie-Tipp 1:
Hinterfragen Sie alle Tabus!
In Zeiten wie diesen, in denen uns Medien und Politik die Krise geradezu ins Gehirn hämmern, rütteln die Menschen an Tabus. Dass der Staat sich bei Banken wie der Commerzbank einmischt beispielsweise, war bislang ein Tabu. Doch wo ein Tabu fällt, können auch andere fallen – es müssen nur die richtigen sein. Wie so oft im Leben, hat es keinen Sinn, die falschen Dinge zu tun – selbst, wenn man sie richtig macht. Es geht einzig darum, das Richtige zu tun.
Das Spannende an Tabus ist: Im Grunde gibt es sie nicht, jedenfalls nicht objektiviert. Wenn, dann existieren sie im Kopf. So wie die Mauer oder Vorurteile. Ein Tabu ist etwas, wovon jemand denkt, es sei unantastbar. Unantastbar ist es nicht. Und so ist ein Tabubruch bestenfalls eine Geschmacksverletzung des Individuums, mehr nicht. Denkbar ist alles, möglich ist alles.
Damit die Krise nicht zur Katastrophe wird, sollten wir noch ein paar andere Tabus hinterfragen. Die Krise, so sie eine ist, bietet die Gelegenheit dazu. Indem wir bisherige Selbstverständlichkeiten hinterfragen, können wir eine neue und bessere Art des Arbeitens und Wirtschaftens entwerfen. Es ist nicht damit getan, nun komplexe Bankprodukte böse zu finden. Das Umdenken bedarf der Analyse dessen, worauf unser ökonomisches Handeln bislang beruht hat und trotz Regierungsintervention noch immer beruht.
Ökonomie-Tipp 2:
Arbeiten Sie mit Ihrem „inneren Finanzamt“!
Um sich der Antwort auf die Frage anzunähern, welches denn nun das richtige Intervenieren ist, fangen wir am besten bei uns selbst an. Wir müssen nicht über Protektionismus diskutieren oder über sinkende Zinssätze. Sondern zunächst betrachten wir den Menschen an sich. Was tut er? Er lebt, er will leben, er will überleben. Er will seine Familie ernähren. Und vielleicht reich werden. Wie gelingt das?
Es gelingt, indem man seine Ressourcen (Geld, Zeit, Energie) möglichst wenig verschwendet. Sondern sie sinnvoll einsetzt. Rätselt beispielsweise ein Beschäftigter einer untergehenden Branche über seine Zukunft, und bei Jobverlust wird das ratenfinanzierte Haus schnell zur Belastung, dann ist es rausgeworfene Zeit, die falschen Bücher zu lesen oder ins Kino zu gehen. Ebenso wäre das die pure Verschwendung, wenn ich arbeitslos bin: Ich hätte als Arbeitsloser vermutlich gar keine Zeit dazu, ins Kino zu gehen. Denn habe ich kein Einkommen, so muss ich jede, aber auch wirklich jede meiner Ressourcen so einsetzen, dass ich damit bald wieder ein Einkommen generiere, und wenn die Ressource noch so klein ist. Das ist Arbeit, und die wertvollste Ressource der Arbeitslosen ist die Zeit.
Wir können also mit Zeit so umgehen wie mit Geld: Wir können sie sinnvoll einsetzen oder zum Fenster rauswerfen. Investieren oder verschwenden. Das Gleiche betrifft unsere Energie: Hirnaufwand für buchhalterische Details sind rausgeworfene Energie, wenn das Ganze ein Steuerbüro erledigen kann. Ein aussichtsloser Streit mit einem dummen Menschen bindet zu viel Kraft. Ständig mit falschen Konzepten gegen Wände zu laufen, ist Ressourcenverschwendung.
Damit wir erkennen, ob eine Ausgabe eine Investition ist oder eine Verschwendung, habe ich das „innere Finanzamt“ erfunden. Unsere Intuition erkennt eine Ausgabe als Investition an oder nicht. 1000 Euro für einen Urlaub zum Nachdenken erkennt es nicht an, denn nachdenken kann ich auch zu Hause. Um zu einer Lösung innerhalb meiner selbst zu finden, muss ich nicht woanders hin. Regelmäßigen Sport erkennt es an, denn dadurch werde ich fitter und gesünder. Einen guten Mitarbeiter zu fördern, erkennt es an. Endlose Diskussionen mit Dummköpfen erkennt es nicht an. Gute Coaching-Bücher zur beruflichen Neuorientierung erkennt das „innere Finanzamt“ an, Filme auf DVD für den privaten Genuss nicht. So einfach ist das. Sinnvoll ist nur, was nötig ist. Der Rest ist Luxus.
Das „innere Finanzamt“ will Ihnen nur eines sagen: Tun Sie die richtigen Dinge und nicht die falschen. Stehen Sie am Abgrund, hat es keinen Sinn, Ihnen zweckgebundene Mittel für den kurzfristigen Erwerb eines neuen Autos zu geben. Denn Sie brauchen momentan kein neues Auto. Das „innere Finanzamt“ würde ein neues Auto nicht anerkennen, jedenfalls nicht jetzt, solange das alte noch fährt.
Ökonomie-Tipp 3:
Es zählt nur, was Sie brauchen – nicht, was Sie wollen!
Und damit sind wir beim Kern des Umdenkens: Besinnen wir uns auf das, was wir brauchen. Auf unseren Bedarf. Denn hier liegt ein grundlegender Denkfehler unserer Ökonomie: Sie basiert zum überwiegenden Teil auf der Vorstellung dessen, was wir wollen. Und was wir wollen, ist etwas ganz anderes als das, was wir brauchen.
Wenn Sie momentan keinen neuen Rechner brauchen, dann arbeiten Sie auf dem alten weiter, wenn er es noch tut. Das ist für Sie besser, als sich einen neuen zu kaufen, zumal Ihr „inneres Finanzamt“ einen neuen Rechner auch erst dann akzeptiert, wenn Sie ihn brauchen.
Sicher: Sie stehen dann mit dem politischen Common Sense auf Kriegsfuß. Denn nach dem Willen der Lauten hier im Land sollen Sie auch dann konsumieren, wenn es sinnlos ist – Hauptsache, Sie geben Geld aus. Und das staatliche Finanzamt erkennt im Unterschied zum „inneren Finanzamt“ auch eine ganze Menge sinnlosen Blödsinn an, was einen Teil der Absurdität heutigen Wirtschaftens erklärt. Aber ein Argument ist das nicht: Dass der Markt in seiner jetzigen Form zur Absurdität neigt, sehen wir schon anhand der überflüssigen Auslagen von Tankstellen oder an unserem Briefkasten, den Unternehmen teuer mit Abfall füllen, um uns Zeug zu verkaufen, das wir nicht brauchen. Aus Sicht des Verbrauchers und Nutzers bedeutet „sinnloser Konsum“, Ausgaben zu tätigen, die das „innere Finanzamt“ nicht anerkennt. Hören Sie also nicht auf das PR-Gebrüll und auf die Befehle, um jeden Preis Geld auszugeben. Es wäre versenkt. Nur Ihr „inneres Finanzamt“ zählt: Geld ausgeben ja – für Dinge mit ökonomischem Rücklauf. Nicht zum Selbstzweck.
Ein Denken, das für Sie sinnvoll ist, kann auch fürs Gemeinwesen sinnvoll sein. Beispiel Abwrackprämie: Würden Sie Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn 2500 Euro beisteuern, um ein Auto zu kaufen, obwohl es das alte noch tut? Vermutlich eher nicht, wenn Sie nicht im Geld schwimmen (und der Staat schwimmt nicht im Geld). Was wäre also, wenn die Regierung gegenüber dem Volk ebenso verantwortungsvoll handeln würde wie Sie gegenüber Ihren Kindern? Wenn sie uns vielmehr nur dazu anhielte, sinnvolle Ausgaben zu tätigen und nicht irgendwelche? Was, wenn die Regierung diese feine, aber wichtige Unterscheidung zöge zwischen sinnvollen und sinnlosen Ausgaben?
Dann hätten wir einen Aufstand in der Industrie. All die Hersteller von sinnlosem Zeug würden das Arbeitsplatzargument bemühen und behaupten, ihr Trash sei sinnvoll, weil Leute Jobs hätten. Ergo sollten die Menschen den Müll bitte auch kaufen, und ihre „inneren Finanzämter“ mögen diese Verschwendung anerkennen. Diesem Denken folgt die Politik und hilft so langfristig niemandem.
Sie sehen, worauf es hinausläuft: Es ist volkswirtschaftlich vielleicht ganz gut, wenn Industrien pleitegehen, die Müll produzieren. Und ebenso wie das Individuum sich in der Krise auf das besinnt, was es braucht, sollte das auch der Staat tun. Was brauchen wir?
Ökonomie-Tipp 4:
Hinterfragen Sie das Wachstum!
Eines der bislang wichtigsten und unangetasteten Tabus ist das Wachstum. Die Öffentlichkeit hinterfragt es kaum. Man denkt: Je mehr Wachstum, desto besser – und je weniger, desto schlechter. Kurze Frage an Sie: Gilt das für Sie zu Hause auch? Müssen Sie auf Teufel komm raus immer das neuste Auto haben, den stärkeren Rasenmäher? Und wenn Sie ein Haus gebaut haben: Müssen Sie sich sofort ein größeres kaufen? Sie haben zwei Kinder – wollen Sie deren Zahl innerhalb der folgenden drei Quartale unbedingt um 50 Prozent steigern? Wie sehr sind Sie dem Wachstums-Wahn verfallen?
Sobald wir den Gedanken des Wachstums anhand unserer persönlichen, individuellen Mikroökonomie hinterfragen, stellen wir fest: Wir leben eigentlich nicht nach dem Konzept „Wachstum um jeden Preis“. Die Wirtschaft draußen suppt zwar via Fernsehen mit ihren Werbebotschaften in unser Wohnzimmer und lärmt uns voll, wir sollten Dinge kaufen, die wir nicht brauchen. Und um Geld zu verdienen, machen wir bei dem Lärm möglicherweise mit und sind Produktmanager für Trash oder Werbeexperten fürs Lügen. Aber sobald wir uns auf uns und unsere Familie besinnen, überlegen wir genau, ob wir das neue Handy brauchen, die neue Spielkonsole, den schnelleren DSL-Anschluss. Wer Kinder hat, erlebt vermutlich täglich den medieninduzierten Krieg zwischen dem, was wir laut Werbung angeblich brauchen und dem, was wir nicht brauchen. Dass nur Nachfrage ein Geschäft erzeugt, ist allen klar – allerdings ist es den Unternehmen egal, ob die Nachfrage auf einem realen Bedarf beruht oder künstlich erschaffen und somit ein Pseudo-Bedürfnis ist, das das „innere Finanzamt“ uns nicht durchgehen lässt.
Nun stellt sich die Frage: Hat es in einer Krise Sinn, ausgerechnet dieses auf sinnlosen Produkten und Scheinbedürfnissen basierende Handeln zu fördern? Wir verbrennen Geld, wenn wir ein Handy kaufen, obwohl das alte noch geht. Warum sollten wir nun weiter im großen Stil Geld verbrennen? Warum soll die Regierung mit ihrem Rettungsschirm Kredite schützen, mit denen irgendwelche Industrien wieder Schwachsinn produzieren? Mir scheint es eher, als sei auch die sogenannte „Realwirtschaft“ zum Großteil auf Sand gebaut. Eben weil sie uns sinnloses Zeug als nötig verkaufen will. Wegen der Arbeitsplätze sagen die Verfechter des Trashs, sei Trash sinnvoll.
Die Autoindustrie ist ein gutes Beispiel für den Denkfehler, der hinter den Pseudo-Bedürfnissen steht. Statt lang haltbare Autos zu bauen, kalkuliert man mit einer kurzen Lebensdauer und erzeugt das Bedürfnis des Neukaufs mit dem PR-mäßig aufgeladenen Zwang zum immer neuen, aktuellen Design. Wir merken es nicht nur bei Autos: Der Produktionsdruck ist so hoch, dass langlebige Konsumgüter kaum noch sorgfältig gearbeitet sind. Logik-Fehler bei PC-Betriebssystemen, mieser Support, Software-Fehler in Autos und so weiter. Und hat man einmal das optimale Auto, wird es umentwickelt. Wozu elektronische Zündschlüssel? Manche Produkte sind ausgereift: beispielsweise der Sechsfach-CD-Wechsler in der Stereoanlage HU 850 im Volvo XC 70. Jede CD hat einen Knopf, von 1 bis 6. Wozu muss ich in einem neueren XC 70 unter einer Menüführung leiden, die es nahezu verbietet, das Auto als Mietwagen zu halten, weil das Reindenken unzumutbar viel Zeit kostet? Das „innere Finanzamt“ erkennt den Aufwand durch diesen vermeidbaren Zwang sicher nicht an: Letztlich ist er nur ein Zeugnis für die Unfähigkeit, sich in Kunden hineinzuversetzen, für die das Produkt nicht der Nabel der Welt ist – und somit Ressourcenverschwendung.
Ökonomie-Tipp 5:
Unterscheiden Sie zwischen sinnvollen und sinnlosen Jobs!
Ausgereifte Produkte zu verändern, ist nicht nur volkswirtschaftlich Blödsinn, sondern auch betriebswirtschaftlich. Statt ein perfektes Produkt als Cashcow zu nutzen, stecken Unternehmen Geld in eine sinnlose Entwicklung. Das „innere Finanzamt“ sollte das nicht anerkennen, aber das staatliche Finanzamt tut es. Denn das Wirtschaftssystem hinterfragt nicht, ob eine Ausgabe sinnvoll ist oder nicht. Hauptsache, das Geld geht raus und fließt. Egal, wohin. Weil Politiker und Wirtschaftsführer so ticken, meinen sie auch, uns als Einzelkonsumenten dazu bringen zu müssen, unser Geld ebenfalls für sinnlose Dinge auszugeben. Sie glauben diesen Unsinn allen Ernstes.
Brechen wir das nächste Tabu: Erkennen wir, dass Arbeitsplätze sinnlos sind, wenn sie unnützes Zeug produzieren. Nach der Theorie, Wachstum sei per se gut, schaffen sogar Graffiti Arbeitsplätze: Der Putzer ernährt seine Familie, indem er die Stadt von Geschmier befreit. Manch einer denkt, das sei eine sinnvolle Aufgabe, weil die Flächen hinterher sauber seien. Zu eng gedacht. Denn das Problem „Geschmier“ ist vermeidbar. Der Putzer generiert durch seine Arbeit keine eigenen Potenziale, sondern er stellt nur den Ursprungszustand wieder her. Der Putzer ist wie die Reparatur eines Gerätes, das vorsätzlich auf einen Defekt kurz nach Ablauf der Gewährleistung konstruiert ist. Der Putzer ist wie ein EDV-Experte, der mit absichtlich eingebauten Software-Problemen kämpft. Der Putzer ist wie ein Steuerberater in Deutschland, der von einem kranken Steuersystem lebt, das andere Länder durchaus zu vermeiden wissen. Der Putzer ist volkswirtschaftlicher Humbug.
Zudem könnten wir Jugendbanden dafür bezahlen, dass sie die Wände erst vollschmieren, damit stünden noch mehr Menschen in Lohn und Brot. Das Bruttoinlandsprodukt würde auf zweierlei Weise steigen: Einmal ist das Schmieren eine Dienstleistung, und dann kommt die Reinigung dazu. Verdient also jeder Schmierer und Putzer 1000 Euro im Monat, haben wir übers Jahr ein Wachstum von 24.000 Euro. Und das ohne jeden sinnvollen Effekt.
Schlauer wäre es, den Leuten das Geld gleich fürs Rumsitzen zu schenken – dann hätten sie Zeit, sich eine Beschäftigung mit sinnvoller Wertschöpfung auszudenken, statt ihre Zeit mit volkswirtschaftlichem Nonsens zu verschwenden (was das „innere Finanzamt“ ja wiederum nicht anerkennt).
Wir sollten so ehrlich sein und anerkennen, dass es nicht sinnvoll ist, Schmierer und Putzer gleichermaßen zu bezahlen. Und dass auch viele Arbeitsplätze der Wirtschaft eher schaden als nützen. Die komplette Tabakindustrie beispielsweise. Gäbe es diese Gift-Produzenten nicht mehr, würde das Gejammer folgen über die armen arbeitslosen Ärzte. Woraus wir sehen, dass sich Tabakindustrie und ein Teil der Ärzteschaft verhalten wie Schmierer und Putzer. Vermeidbare Krankheiten zu heilen, ist wie teuer bezahlte Graffiti an den Wänden teuer entfernen zu lassen. Sinnvoll wäre es, die Krankheiten zu vermeiden – also erst gar keine Graffiti sprühen zu lassen. Und statt überflüssige Ärzte zu bezahlen (viel von ihrer Arbeit wäre vermeidbar, gäbe es keinen Tabak), könnten diese vielen intelligenten Menschen nach Möglichkeiten suchen, wahre Bedürfnisse der Menschen zu decken. Wenn ich es richtig sehe, herrscht in dieser Gesellschaft durchaus hoher Bedarf an Bildung, Sicherheit, Qualität und vielen Dienstleistungen. Es spricht im Sinne der Marktwirtschaft überhaupt nichts dagegen, sich auf anderen Märkten umzutun, wenn ein Markt gedeckt ist. Es wäre vielmehr sogar Dummheit, auf einem gesättigten Markt durch die Schaffung von Pseudo-Produkten eine künstliche Nachfrage zu schaffen.
Ökonomie-Tipp 6:
Langsamer! Tiefer! Leiser!
Entgegen dem „Schneller! Höher! Lauter“ des Wachstumsdenkens lässt sich leicht erkennen: Die wahren Bedürfnisse sind andere. Menschen wollen leben und ihre Ruhe haben. Sie wollen keinen Stress. Menschen wollen nicht wie die Tiere für drei arbeiten für wenig Geld und dabei schwachsinnige Produkte herstellen. Hier ist mein Lieblingsbeispiel das Verlagsmarketing: Eine Zeitung lebt von Inhalten, und trotzdem reißen sich Unmengen schlecht bezahlter Marketingfuzzis die Beine dafür aus, den Leuten absurde Gimmicks anzudrehen wie Reisen und bedruckte Kaffeetassen. In meinen Augen ist das wider jede Vernunft und rausgeworfenes Geld.
Die Drehzahl unseres Wirtschaftslebens ist vermutlich nur deswegen so hoch, weil wir uns mit vermeidbarer Arbeit aufhalten und mit Produkten, die keiner braucht. Würden wir uns auf die wahren Bedürfnisse besinnen, würde ein wenig Ruhe einkehren und die Wirtschaftsleistung würde auf ein normales Maß sinken (sic!). Wir hätten Produkte, die die Menschen brauchen, und insgesamt würden die Umsätze zurückgehen. Für den klassischen Burn-out-Angestellten würde der Zeitumsatz fallen – wäre das nicht erstrebenswert? Zugleich könnte etwas Interessantes passieren: Die Qualität der wichtigen Produkte würde steigen, und die Preise mit. Denn plötzlich haben die Dinge einen Wert. Anders als das elfte Handy.
Da jeder Mensch Bedürfnisse hat (leben, wohnen, essen), besteht kaum Anlass zur Sorge, dass diese Bedürfnisse unter den Tisch fallen oder jemand ohne Erwerb wäre. Gehen wir einmal zurück zu den Anfängen des Marktes: Gäbe es keinen Markt, würde jeder für sich selbst sorgen. Weil das für den Einzelnen sehr viel vermeidbare Arbeit bedeutet, haben die Menschen schon vor Jahrtausenden das Outsourcing erfunden: Sie backen ihr Brot nicht mehr selbst, sondern kaufen es beim Bäcker. Mithilfe des Marktes sorgen wir gegenseitig für uns: Der Bäcker macht das Brot für alle, der Schlosser die Türschlösser für alle. Das Medium dieses Tausches ist Geld.
Nun muss im Grunde jeder nur so viel erwirtschaften, wie er selbst braucht, und es anderen verkaufen, und jeder hat damit einen Lebensunterhalt. Das Problem des Burn-out-Angestellten ist ja nicht nur seine eigene miserable Lage. Sondern indem er weit über seinen persönlichen Bedarf hinaus arbeitet (in aller Regel für weniger Geld, als er für seinen Arbeitgeber in Form von Ergebnissen erwirtschaftet), nimmt er anderen die Möglichkeit, ökonomisch sinnvoll zu handeln.
Im Übrigen wäre diese Rückbesinnung auf die individuelle Wertschöpfung im Sinne wahrer, echter Werte kein „Sozialismus“, sondern eher eine aufs Wesentliche reduzierte Form des freien Marktes. Denkbar natürlich nur, wenn die Leute runterkommen von dem Trip zu glauben, es sei normal, in einem Konzern zu arbeiten. „Mehr Selbstständigkeit“ zu fordern ist daher auch nicht neoliberal, sondern eine Art Gesundschrumpfung einer monströs und überkomplex gewordenen Wirtschaft. Es ist eine Verschlankung eines durchgeknallten Systems zugunsten der Menschen. Deren Bedürfnisse werden nach dem Modell des Marktes eines mittelalterlichen Dorfes in dem Moment gedeckt, in dem jeder Einzelne die wahren Bedürfnisse der anderen im Blick hat. Somit stecken wir unsere Ressourcen automatisch nur in Dinge, die unser „inneres Finanzamt“ als sinnvoll anerkennt.
Ökonomie-Tipp 7:
Checken Sie Ihre Lage! Wovon leben Sie?
Und jetzt zu Ihnen. Wir müssen nicht gleich die ganze Wirtschaft umkrempeln, sondern wir beginnen beim Einzelnen. Es genügt zu schauen, inwieweit Sie mit Ihrer Arbeit einem sinnvollen Verständnis von Nachfrage und Markt entsprechen oder auf die Luftblase der Realwirtschaft in Gestalt von Pseudo-Nachfragen hereinfallen. Und das ist wichtig. Denn wenn die Leute auf Produkte „verzichten“, dann zunächst auf die, die sie nicht brauchen. Nun basiert ein Großteil unserer Wirtschaft nicht auf den wirklichen Bedürfnissen der Menschen, sondern nur auf Scheinbedürfnissen – und solange Sie das wissen, haben Sie gegenüber den Blendern und Geblendeten einen Wettbewerbsvorteil. Was andere für normal halten, erkennen Sie als desaströs: Die Mehrzahl dessen, was wir kaufen, brauchen wir nicht.
Also: Und Sie? Was machen Sie? Womit verbringen Sie Ihre Zeit?
Sind Sie Arbeitnehmer? Dann sollten Sie vielleicht mal darüber nachdenken, ob Ihr Arbeitgeber sinnvolle Produkte verkauft oder Schwachsinn. Wenn Schwachsinn, dann sollten Sie Ihre Zeit möglicherweise künftig anders einsetzen – und zwar so, dass Ihr „inneres Finanzamt“ die Ausgabe als sinnvoll anerkennt. Stellt Ihr Arbeitgeber sinnvolle Dinge her, die die Menschen wirklich brauchen, dann stehen Sie schon stabiler da, denn Sie sind nicht auf PR- und Werbelügen angewiesen, die bald auffliegen könnten.
Sind Sie selbstständig? Dann haben Sie zunächst mal einen Vorteil: Sie haben Ihr Leben selbst in der Hand, statt es in die Hände fremder und zum Teil schwer durchgeknallter Manager zu legen. Sie sind frei zu entscheiden: Was Sie heute tun, bestimmt Ihre morgige Situation. Überlegen Sie also: Was ist Ihr Produkt? Tun Sie etwas Sinnvolles? Sie definieren Ihre Arbeitsplatzbeschreibung selbst.
Egal, ob Sie Arbeitnehmer oder selbstständig sind: Ihres Glückes (oder Pechs) Schmied sind Sie in beiden Fällen. Der Unterschied ist nur der, dass Sie als Arbeitnehmer mit Ihrer Leistung nur einen Kunden bedienen und daher in der Regel auch nur eine Einkommensquelle haben – während Selbstständige sich aus mehreren Quellen speisen dürfen, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen. Wie auch immer: Eine Zukunft haben Sie in beiden Fällen nur, wenn Sie im Sinne der Wertschöpfung „Werte schaffen“. Als Arbeitnehmer müssen Sie für Ihren Arbeitgeber mehr schaffen, als Sie kosten. Als Selbstständiger müssen Sie mehr schaffen, als Sie ausgeben. Im Grunde sind sich beide daher gar nicht so unähnlich. Wichtig ist einzig die Frage: Ist der Deal mit Ihnen gut?
Ökonomie-Tipp 8:
Drei Elemente Ihres Erfolgs
Sofern Sie nichts Sinnvolles tun, sollten Sie schauen, dass Sie das ändern. Es geht um drei Dinge:
1. Tun Sie etwas, was Sie erfüllt und Ihnen Spaß macht.
2. Tun Sie etwas, was Sie wie niemand anderes können.
3. Tun Sie etwas, was andere brauchen und wofür sie bezahlen.
Wollen Sie die „Krise“ überstehen, geht es im Wesentlichen um nichts anderes als um diese drei Punkte. Überlegen Sie. Denken Sie nach. Was sind Ihre drei Punkte? Dann schärfen Sie Ihren Sinn zur Entwicklung von Geschäftsideen. Denn noch mal: Auch wenn Sie angestellt sind, zählt im Grunde nur die Geschäftsidee Ihres Arbeitgebers. Entweder sie trägt, oder sie trägt nicht.
Und übrigens: Um herauszufinden, was Ihre drei Punkte sind, müssen Sie nicht verreisen. Nachdenken können Sie überall, auch zu Hause. Denken Sie einfach daran: Ihr „inneres Finanzamt“ würde die Reisekosten sowieso nicht als absetzbar anerkennen. Verwenden Sie Ihre Ressourcen lieber für echte Investitionen in Ihre Zukunft.



Wäre übrigens eine schöne Keynote … ;-)
Klasse Beitrag, Thilo! Es gibt nur wenige, die dies alles auch so sehen und erkannt haben! Ich selbst denke über diese Themen unabhängig von Krisen nach und bin ständig dabei, für mich neu zu selektieren, strukturieren und abzuändern. Da ich Arbeitnehmerin im Gesundheitswesen bin, stellt sich für mich nicht die Frage, ob dieses/mein Unternehmen Sinnloses produziert. Dennoch denke ich darüber hinaus und sehe meine frei verfügbare Zeit als kostbares Gut, die ich auch so verwerte. Am Ende zählt für mich die sogenannte Bilanz des Tages oder die Bilanz der Woche etc.. Viele, und das hast Du sehr richtig erkannt, hören nach „getaner Arbeit“ auf, darüber nachzudenken und widmen sich vielleicht lieber der DVD, dem Shoppen von Nonsens oder dem Klatsch und Tratsch mit wem auch immer. Diese Menschen sind aus meiner Sicht stumpf und fad, Mitläufer oder Mitschwimmer, Ja-Sager und am Ende -aus meiner Sicht- Verlierer, was sie aber nicht wissen. Sie unterscheiden sich von denen, die halt über Eigenantrieb, dem Drang und Wunsch nach Verbesserung/Änderung oder denen, die über die Dinge hinausdenken und handeln und fahren aus diesen Gründen verdient auch andere Gewinne ein. Sie werden sich eher ein neues Handy kaufen, ein neues Auto, sich inzwischen mit ihrer eigenen Krise arrangiert haben und vielleicht auch mit stolzer Brust öffentlich berichten, dass sie mit ihren Neuanschaffungen etwas für die Wirtschaft getan haben und wie furchtbar es derzeit um das arme Deutschland und ihnen somit selbst steht.
Diese Zusammenfassung der notwendigen Lebenseinstellung gefällt mir. Ich würde nur einen Punkt anders sehen: Es zählt nur, was Sie brauchen – nicht was Sie sich wünschen! Das sind nämlich Wünsche, die unser Denken bestimmen.