
So stellt sich der Anriss einer Geschichte bei der Online-Ausgabe der „Berliner Zeitung“ dar. Jede Menge Fragen: Wer soll mit Tolstoi gemeint sein? Der Schriftsteller? Wer stirbt? Wer ist tot? Wer ist sexy? Zu viele Fragen, um in eine Geschichte einzusteigen. Geht es um Sachsen-Anhalt? Um dümmliche Slogans für Bundesländer? Und wer ist auf dem Foto? Tolstoi? Frau Mirren? Ihre Doppelgängerin? Oder worum geht es auf Seite eins eines Online-Mediums, das mich dazu bringen soll, mich in ein Thema zu vertiefen?
Wessen Job der Journalismus ist, weiß: Die Bildunterschrift fehlt, obwohl Bildunterschriften unter Fotos Muss Nummer eins sind, selbst wenn sie Angela Merkel zeigen. Weiß ich als Leser, ob ein Foto Frau Merkel zeigt oder ein Double? Und in den Kommentaren in den Blogs zum Relaunch manifestiert und häuft sich die Kritik — nicht am Detail, sondern eher am ganzen neuen Web-Auftritt.
Zunächst: Ein Grundfehler, den auch schon andere Printmedien bei ihren ersten Gehversuchen in der Blogwelt gemacht haben, ist die falsche Anordnung von Kommentaren. Die Kommentare in den Berliner-Zeitung-Blogs ordnen sich nicht normal von oben (ältester Kommentar) nach unten (neuester Kommentar), sondern sie ordnen sich wie Blog-Posts selbst (neuer Kommentar verdrängt älteren nach unten). Und das ist genau falsch herum. Fortgeschrittenen Netznutzern und vor allem -machern sollte man das nicht erklären müssen. Aber leider denken Medienmanager offenbar zunehmend, man könne Nachrichten, Inhalte und Usability verticken wie Dosenwurst. Blogs sind Beiträge mit Diskussionen. Es hat keinen Sinn, Diskussionen von unten nach oben zu lesen. Wer andersherum tickt, weiß nicht, wovon er spricht — man nennt das mangelnde Internet-Affinität. Für diese Leute erhebe ich meine alte Forderung: Buchstabensperre! Lasst eure Finger auf der Zehnertastatur!
In Unternehmen gibt es viele gute Leute, die manche Dinge besser wissen. Man müsste sie nur fragen. Doch was, wenn keiner auf sie hört, nur weil sie eben in dem Laden arbeiten und nun mal keine teuren externen Unternehmensberater sind? Ihre Stimmen verhallen in der endlosen Ignoranz ihrer Chefs. Es ist das Schicksal angestellter Leute, die wissen, wie es geht, ohne dass man sie anhört. Und zugleich handelt es sich um das tausendfach schwerere Pfund, mit dem externe Berater wuchern können, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben. Eine Goldgrube!
Dann wäre es natürlich noch im Sinne eines positiven Geschäftsgebarens, wenn man hielte, was man verspricht, indem man etwa das Angebot der Diskussion in einem Blog tatsächlich auch erfüllt. Die Moderation fehlt! Internetmacher und -nutzer wissen: Blogs sind Diskussion, diese bedarf fast durchgängiger Begleitung und Erwiderung, und das ist Arbeit. Findet diese Moderation auf einer professionellen Plattform statt, ist der Anspruch entsprechend hoch.
Schwächelnde Unternehmen jammern jetzt, dass das Geld kostet. Wer bei einem so schwächelnden Unternehmen arbeitet, sollte seinen Job hinwerfen und sich was Neues aufbauen. Damit meine ich explizit auch hohe Tiere: Eure Fallhöhe ist tiefer als die der Indianer, und viele von euch werden sich noch wundern, wie schnell sie weg sind aufgrund von Fehlern, die andere begangen haben.
Ich spüre die Tendenz: Man nimmt halt ein bisschen Geld in die Hand, um mal irgendwie was zu machen. Ich verstehe nur nicht, wie man als Unternehmer oder Manager Leute für etwas bezahlt, was sie nicht wirklich können. Als Inhaber würde ich vorher schauen, ob die fraglichen Mitarbeiter das draufhaben. Warum oberflächlich handelnde Manager wie in Konzernen üblich viel Geld verdienen und man das ihnen bei mangelhafter Leistung durchgehen lässt, werde ich vermutlich nie verstehen.
Jetzt aber zum Feedback der Leute zum Relaunch der Online-Ausgabe! Ich zitiere und habe entsprechend gekürzt und zusammengefasst. Viel Spaß beim Lesen — und falls jemand bei einem etablierten Medium ohne Online-Ahnung ein Projekt aufzieht, künftig bitte vorher den professionellen Rat externer Blogger und Journalisten einholen, um solche PR-Patschen zu vermeiden. Da draußen gibt es Leute, die es können.
Wollen Sie Ihre Leser eigentlich veräppeln? Was genau macht denn die „eigene kleine Redaktion“ der Berlin-Seite? Unter ausnahmslos allen Artikeln auf der Berlin-Seite steht, dass sie von der dpa übernommen sind. Das kann jeder Schulpraktikant. (Verfasst von: Tobias | 04.04.08, 21:15 Uhr)
Liebe Frau Ahlrichs, Sie schreiben, dass man per Klick auf „Weitere Artikel aus der heutigen Zeitung“ oder auf die „Zeitung vom“ heutigen Datum, in der gewohnten Seitenstruktur landet. Das ist leider nicht so, sondern man landet auf einer Seite, über der Textarchiv steht, und die die Zeitung vom Vortag beinhaltet. (Verfasst von: Susanne Lenz | 05.04.08, 01:20 Uhr)
Offensichtlich hat man den Brandenburg Teil und anderes herausgenommen. Ich habe den Verdacht, dass die Berliner auf dem Weg zu ihrem Ende ist. Seit einiger Zeit schon faellt mir der Qualitaetsverlust auf und nun das veraenderte Layout, welches die Online Ausgabe nur noch in abgespeckter Form anbietet. (Verfasst von: Ben | 05.04.08, 07:00 Uhr)
Ich finde den neuen Auftritt sehr gelungen. Allerdings bin ich immer noch auf der Suche nach der Meinungsseite und wäre für sachdienlich Hinweise, die zum Auffinden der Meinungsseite führen, äußerst dankbar. (Verfasst von: Michael Schuth | 05.04.08, 09:40 Uhr)
bitte keine DPA Berichte- sondern eigene, dies dürfte doch im Onlinezeitalter kein Problem sein, z.B. der Sport- das Spiel Hertha : Werder ist schon lange zu Ende und was steht drin- Bericht ja- aber dpa- haben Sie keine Sportjournalisten- ich hätte da jemand der exzellent schreibt und das ohne Geld. (Verfasst von: Bernd | 05.04.08, 21:21 Uhr)
Habe mich gerade zum Magazin durchgeklickt und die Restaurantkritik gelesen. Verwundert war ich das am Ende keine Angabe über den Ort des Restaurants zu finden ist. Diesen findet man dann unter einem eigenen Link unter der Rubrik „Weitere Artikel“ – sehr seltsam.
Ebenfalls in dieser „Rubrik“ zwei!! Links zu Isabel Allende. Beide enthalten jeweils einen Satz über ihr Leben – was soll das denn ?
Ebenso informativ sind alle anderen Links dieser „Rubrik“ . Dieses fügt sich leider nahtlos in die unprofessionel neugestaltete Seite an. (Verfasst von: es war einmal | 05.04.08, 22:15 Uhr)
wo, bitte schön, ist jetzt das feuillton zu finden??? (Verfasst von: borkmann | 03.04.08, 10:43 Uhr)
In der Leiste unterhalb Ihres Schriftzuges fehlen etliche Ressorts – Media, Feuilleton, Seite 3, Brandenburg . Ich versende immer wieder Artikel, die andere dann dazu bewegen, sich Ihr Blatt einmal selbst zu kaufen – die angesprochenen Bereiche gehören vornehmlich dazu. Schade, übersichtlicher ist das erst einmal nicht. (Verfasst von: Thomas | 03.04.08, 10:46 Uhr)
Das war’s dann, Berliner Zeitung! Tagesspiegel und Morgenpost stellen sich nicht so dusselig an! (Verfasst von: Thomas Behrend | 03.04.08, 11:33 Uhr)
so, jetzt macht sich der finanzinvestor langsam bemerkbar und saugt die zeitung aus. super! kultur ist in dieser zeitung wohl jetzt gestorben.
auf zum westberliner taagesspiegel. schade. (Verfasst von: michael fleischmann | 03.04.08, 12:06 Uhr)
Das Verschwinden des Feuilletons von der Hauptnavigation ist offensichtlich ein Ausdruck mangelnder Wertschätzung dieser Rubrik – ganz auf der Linie des Geschäftsführer-Chefredakteurs! Ich hoffe auch in diesem Sinne auf den Kampf der Redaktion gegen die Geschäftsführung. (Verfasst von: Götz von Randow | 03.04.08, 12:15 Uhr)
kann mich nur anschließen: es ist unsäglich dumm, was hier geschehen ist. offenbar hat man geglaubt, dass keiner das feuilleton auf der startseite vermissen wird. und offenbar haben das leute entwickelt, die ins feuilleton nie schauen. das ist ein armutszeugnis. und es ist unverschämt, weil die macher dieser seite das publikum als dumm betrachten. im kultur-teil schreiben die besten leute dieser zeitung, wissen das die online-hanseln nicht. wie peinlich. jetzt hat sich die berliner aber richtig blamiert. das ruiniert mehr den ruf als die stasi-geschichte. (Verfasst von: Heinz | 03.04.08, 13:13 Uhr)
was ich mich frage: hat niemand von der kultur-redaktion vorher auf die neue homepage geschaut? ist denen das nicht aufgefallen? das kann ich mir nicht vorstellen? wie will eine redaktion da weiterarbeiten? ist ihre stellung so mies, dass sie sich noch nicht einmal in so einem punkt behaupten kann? und bitte: es wäre mehr als angemessen, wenn die macher der seite, die verantwortlichen dieses ganzen desasters sich nicht nur schnellstens zu wort melden und mal ihre gründe vorbringen und dann bitte schön UNBEDINGT die seite noch mal überarbeiten. vor allem: kultur oben in die menüleiste. das ist ein muss. (Verfasst von: olaf | 03.04.08, 13:16 Uhr)
Ich lebe seit einiger Zeit in Norwegen und hatte mir die wichtigsten Informationen zu Berlin und Brandenburg immer gern auf Ihrer Seite geholt. Aber so wird das wohl nichts mit uns. Wo sind die Rubriken Brandenburg und Feuilleton? Auf einem 19-Zöller sieht die Seite auch arg mickrig aus. Bitte nachbessern! (Verfasst von: Petra | 03.04.08, 13:48 Uhr)
Liebe Frau Ahlrichs, wo bleibt die Reaktion? (Verfasst von: Alex | 03.04.08, 14:44 Uhr)
in der Tat wäre nach 90 Kommentaren mal eine Erläuterung fällig oder? (Verfasst von: Manu | 03.04.08, 14:52 Uhr)
„Wir möchten mit Ihnen ins Gespräch kommen, denn wir arbeiten kontinuierlich an weiteren Verbesserungen – dies tun wir für Sie, deshalb auch gern mit Ihnen.“ Kann man auch übersetzen mit: „Wir machen was wir wollen. Wenn es ihnen nicht passt können Sie hier antworten, wir werden das aber ignorieren“ (Verfasst von: Anonymous | 03.04.08, 15:07 Uhr)
Hallo Redaktion! Das Kommentare keine Leserbriefe sind, ist euch aber schon bekannt, oder?
Und wo ist eigentlich das Feuilleton hin? (Verfasst von: Harald Ahrend | 03.04.08, 15:09 Uhr)
Ich meide Kaufhäuser seit die Sachen nicht mehr nach Art des Artikels sondern nach Herstellern sortiert ausgestellt werden. Mit der neuen Form Ihrer Zeitung ist es genauso, einfach nur unübersichtlich. Wo finde ich z.B. die Kommentare? Ich werde nicht zum Stöbern angeregt, sondern gehe woanders einkaufen. Das ganze Jahr wie Ostern mit Suchen verbringen ist eben nicht jedermanns Sache. (Verfasst von: M. Richter | 03.04.08, 15:09 Uhr)
Ist das hier der Vorbote dessen, was wahrscheinlich so mancher Leser ob der beängstigenden Besitzverhältnisse des Berliner Verlags befürchtet hat? Das Feuilleton verschwindet erst im Internet im unerträglichen Wust von Beckham-, Backstreet-Boys-, Madonna- und Mariah-Carey-Meldungen (ALLES HEUTE!!!) unter der Überschrift „Vermischtes“, so passiert das dann erst im Internet, dann möglicherweise in der gedruckten Ausgabe. Oder wird es zusammengeschnürt, auf eine Seite, wie bei manch anderer, nahezu unlesbarer Zeitung, die ich noch immer keineswegs als Konkurrenzprodukt oder gar als Alternative bezeichnen würde. Ich hoffe nicht! Mr. Montgomery, das schon mal vorab, sie sind ja nicht von hier, Ihre Leser wollen nicht mit Rolf Eden und ähnlichen Gestalten in den Tag starten, auch wenn Sie der Meinung sein sollten, dass das Berlin ist (weil für Sie wahrscheinlich alles Berlin ist, was die Zahlen hochtreibt). (Verfasst von: Anonymous | 03.04.08, 16:16 Uhr)
vollmundige Anküdigungen großer Dialoge sind nur dann nicht peinlich, wenn man bereit ist sich an diesen zu beteiligen… (Verfasst von: ABC | 03.04.08, 16:42 Uhr)
Liebe Leser, danke für all Ihre Kommentare. Wir sammeln sie – und lassen Sie in unsere weiteren Überlegungen miteinfließen. Selbstverständlich werden wir auf die Haupt-Kritikpunkte reagieren. (Verfasst von: Domenika Ahlrichs | 03.04.08, 18:18 Uhr)
Es ist ein Armutszeugnis für eine Hauptstadtzeitung, die Startseite fast komplett mit dpa-Meldungen zu füllen! Wenn es Ihr Ziel war, die „Berliner Zeitung“ zu Grabe zu tragen, dann Glückwunsch! Mich haben Sie jetzt endgültig als Online- wie Offline-Leser verloren. (Verfasst von: Mark S | 03.04.08, 19:42 Uhr)
Vielen Dank, mit dieser neuen Aufmachung haben sie meine Beziehung gerettet!!! Jeden Abend gegen 21:00 Uhr begann ich ihren, einer Zeitung ähnlichen, Online-Auftritt, sehr zum missfallen meiner Freunden, zu genießen. Das ist nun vorbei. Endlich kann ich Filme komplett sehen und nicht nur die erste Hälfte. Leider muss ich mich den vernichtenden Kommentaren anschließen und damit auch auf den Genuss der Seite 3 verzichten, da ich diese nicht mehr finden kann! Viel Erfolg beim Weiterverhunzen dieser, meiner ehemals vergötterten, Zeitung. (Verfasst von: Andreas Winkler | 03.04.08, 21:21 Uhr)
Auch die Konkurrenz liest Ihre Zeitung. Die Hingabe, mit der ich als Mitarbeiter eines anderen Mediums Ihr Blatt konsumiere, hängt mit der eindrucksvollen Tradition zusammen, die sich Ihre Redaktion in der Nachwendezeit durch Formatexperimente, journalistische Hartnäckigkeit und – ein engagiertes, handwerklich hohen Standards folgendes, immer wieder mit Genuss zu lesendes Feuilleton erarbeitet hat. Das man diese Zeitung auch dann schnell schätzen gerlernt hat, wenn man sie nicht so lange wie Ihre Stammleserschaft kannte, hing gerade mit ihrer Kulturredaktion zusammen, die bis heute eine vernehmliche Stimme in der Stadt ist, auch wenn man zuletzt mit Argwohn verfolgt, wie die Blattmacher offenbar zunehmend ihrer anspruchsvollen Leserschaft müde zu werden scheinen und mit einem eisernen verlegerischen Regiment den Eindruck erwecken, als wollten sie sich neue erziehen. Dass aber eine solche Zeitung ihr Feuilleton in der Navigation des Internetauftritts einfach vergisst, seine gesamte Kulturredaktion auf die hinteren Ränge verbannt, auf denen die Leser sie kaum finden können, ist wirklich wider alle Vernunft. Vielleicht ist alles Zufall und nur die beauftragte Media-Agentur mag keine Kultur, sonder präferiert Sport und Vermischtes. Gern aber wäre ich bereit, als in Berlin ansässiger Leser Opfer zu bringen. Ich nähme es jederzeit auf mich, aus dem Fenster zu schauen, um selbst herauszufinden, dass sich bei 9 Grad Celsius der Himmel bewölkt hat. An Stelle der Rubrik Aktuelles Wetter im Seitenkopf könnte man dann einen barocken Strahlenkranz statt dräuender Wolken anzeigen und einen Link zum Feuilleton legen. Ihre Kulturredaktion hätte es verdient. (Verfasst von: Gerrit Gohlke | 03.04.08, 22:07 Uhr)
Na, wessen Kopf rollt da jetzt? (Verfasst von: burghard breitner | 04.04.08, 15:27 Uhr)



Sehr spannend ist die Tatsache, dass hier sogar Redakteure und Mitarbeiter der Zeitung anmerken, was für ein schlechter Auftritt ihrer Printausgabe da stattfindet. Susanne Lenz (ganz oben 2. Kommentar) ist möglicherweise [Einfügung von T.B.] so eine. Bis vor drei Jahren war sie Redakteurin, dann ging sie auf die Philippinen und schreibt heute ab und zu über das Leben dort auf der Horizonte-Seite – der letzten Seite des ersten Buches in der Berliner.
Nun kann es ja sein, dass es bei dem nicht so außergewöhnlichen Namen es eine andere Frau Lenz ist. Wenn ich mir aber die Uhrzeit anschaue, dann würde ich sagen, se ist es. Denn 1:20 Uhr hier ist dort ungefähr 10:20 Uhr; also vormittags. Da sitzt man schon mal vorm Rechner.
Was ich sagen will ist, es gibt genug Kritik, auch von außen. Doch die interne Kritik sollte auch Frau Ahlrichs dazu bringen, Ihr Konzept grundlegend zu überarbeiten. Und was grundlegend heißt, muss wohl nicht weiter erläutert erden: zurück auf Anfang, und nochmal von vorn überlegen, was heutzutage das Internet ausmacht. Zuallererst Innovation, und die fehlt grundsätzlich bei der Berliner mit ihrem Online-Auftritt.