Der „Schätzerkreis“ schätzt laut tagesschau.de, dass die gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2010 ein „Defizit“ von vier Milliarden Euro erwarten dürfen. Wundert Sie das? Mich nicht. Ich brauche doch keine Schätzung, um zu kapieren, dass die Medizin kurativ arbeitet und den Symptomen hinterherrennt, und dass wir Unmengen sinnloser Medikamente verkauft bekommen, damit Industrien davon leben. Neu ist das ja nun wirklich nicht. Und es ist ja nun nicht so, dass alle diese Ausgaben nötig wären, wie der „Schätzerkreis“ mit dieser Meldung offenkundig suggiert.
Und dann schreibt auch noch die Redaktion der Tagesschau, den Krankenkassen fehlten vier Milliarden Euro. Was für ein Denken! Fehlen die? Nein! Man sollte nur mit dem Geld sinnvoll umgehen, was da ist. So, wie es das Hochamt des deutschen Journalismus darstellt, muss irgendwer die „Finanzlücke“ füllen. Verschwindet Geld, muss halt jemand für neues Geld sorgen. Als sei Geld nichts wert. Als könne man ein Finanzloch einfach stopfen. Ist ja nur verlorene Kohle, na und? Man könnte ja auch mal, nur ganz vielleicht, auf die Idee kommen, dass hier was grundlegend falsch läuft, und aufhören, mit Defizit-Meldungen das Volk zu verarschen.
Super für die Pharmabranche, dass niemand den Schaden ahndet, den sinnlose Produkte anrichten. Denken die beteiligten Gesundheitsfunktionäre denn alle kameralistisch? Warum ticken die nicht normal und denken ökonomisch? Jeder der Beteiligten, ob Politiker, Schätzer oder Journalist, ist doch selbst privat stets dahinter her, seine Ausgaben zu überprüfen – warum ist diese Funktion im Job deaktiviert? Ist es „nur“ Dummheit? Und wenn der Bundesrechnungshof keinen Spielraum für Steuersenkungen sieht, dann frage ich mich auch, was da für Leute sitzen, wenn wir gleichzeitig erleben, dass intakte Straßen mehrfach aufgerissen werden, nur weil Behörden nicht miteinander sprechen, und wenn die Konjunkturhilfen für Flüsterasphalt draufgehen, den keiner braucht. Sollten wir vielleicht mal den Rechnungshof neu besetzen?
Wofür wir unter normalen Umständen das Wort „Dummheit“ zur Verfügung hätten, dürfen wir es in unserer übertheoretisierten Welt so beschreiben: Schätze, der Schätzerkreis schätzt halt mal und besteht ansonsten nicht aus Menschen mit globalem Blick, sondern aus Leuten, die sich in Zahlenkolonnen verlieren und allen Ernstes am Ende meinen, eine qualifizierte Aussage zu treffen. Wissenschaftler vermutlich. Also Experten, Spezialisten. Menschen, die sich mit Zahlen auskennen. Rechner. So ein Schätzerkreis scheint gerade mal darin qualifiziert zu sein, ein „Ist“ und ein „Soll“ zu erkennen und die Differenz zwischen beiden als „Defizit“ festzustellen. Schätze, das könnte auch ein Zehntklässler leisten, dem man die Zahlen zur Verfügung stellt. Plus Rechenmaschine. Die tumbe Leistung besteht ja nur darin, eine Prognose für den Fall abzugeben, dass sich das Denken nicht ändert. Was ist daran sinnvoll?
Jegliches Verständnis für die Hintergründe scheint diesen Leuten abzugehen. Nach dem Sinn der Ausgaben scheinen sie nicht zu fragen, offenbar fehlt für den Sinn der Blick. Sie sehen nur, dass Kohle rausgeht. Sie sehen das Sujet, nicht aber seine Bedeutung. Sie sehen ihre Zahlen, machen diesbezüglich alles richtig, gehorchen ihren Algorithmen und tun dabei dennoch genau das Falsche. Wo haben die ihre Finger? Auf dem Nummernblock? Offenbar ausschließlich. Denken ist aus.
Krasse Fehlleistung auch von der Presse, dass Meldungen wie diese ohne die Zusammenhänge rausgehen. Ich bin überzeugt: Um finanzielle Miseren wie die des Gesundheitswesens zu kurieren, brauchen wir dringend Menschen, die anders denken. Die die Zusammenhänge erkennen. Sonst können wir das Ganze knicken und noch so viele junge Gesundheitsminister verschleißen. In der Sache und ihrer Beurteilung muss sich was tun. Wir brauchen echt keine Funktionäre mehr, die Verwaltungslaufbahnen mitsamt ihrem typischen prozessorientierten Denken hinter sich haben. Die haben genug Mist gebaut. Wir brauchen Menschen, die den Sinn sehen!




Ja verdammt! Bloß her mit anders Denkenden. Das ist sonst nicht zum Aushalten. Ich bin gerade auf einem Gesundheitskongress. Und was passiert: All die, die sowieso gleich denken, hauen sich und leider auch mir Studien um die Ohren, die bestätigen, was sie denken. Und dann freuen sich alle Redner. Weil sie sich das Ergebnis der Studie schon dachten. Ach nee…..
Ach stimmt, du bist auf dem DKFZ-Kongress in Heidelberg! Du tust mir Leid. Der Kongress derer, die über die Folgen des Rauchens sprechen statt über das Rauchen, über psychische Störungen statt über normale Raucher, über Therapien statt über die Tatsache, dass die meisten ehemaligen Raucher es einfach gelassen haben. Glaub mir: Denen ist nicht wirklich an Mitteln gegen das Rauchen gelegen. Die wollen weiter Nikotinprodukte und anderes Pharmazeug verkaufen und ihre Stellen sichern durch pseudowissenschaftliche Expertisen. Viel Geduld wünsche ich dir im Umgang mit den Vertretern dieser veralteten Lehrmeinung.
Es stellt sich echt die Frage, wie man jahrzehntelang Allen Carr nicht zur Kenntnis nehmen und immer noch behaupten kann, zum Rauchstopp bedürfe es eines langwierigen therapeutischen Prozesses. Wie ignorant muss man dazu eigentlich sein? Jeder kennt jemanden, der es einfach gelassen hat, aber für die Leute auf deinem Kongress zählen Fakten nicht, sondern nur theoretische Studien. Vielleicht sollten wir die einfach aussterben lassen?
Studien sind die Waffen derer, die die Wirklichkeit nicht sehen, denke ich oft. Und es sind die Waffen von Mismatchern, also Leuten, die Fehler suchen statt Möglichkeiten. Ich denke, viele so genannte kluge Menschen in Deutschland wenden sehr viel Energie auf, um zu beweisen, dass Dinge *nicht* gehen, obwohl kluges Denken eher Möglichkeiten zutage fördern sollte.
Medizin bleibt Medizin und wird immer Geld kosten. Wer den Symptomen symtomatisch hinterherrennt ist die Politik, die Gesundheitspolitik oder besser die Krankmachpolitik.
Wenn ein Arzt einem Raucher ein Asthmaspray verschreibt, rennt auch die Medizin den Symptomen hinterher und nicht nur die Politik.
Vielleicht ist das Asthamspray auch nur ein Ergebnis von Politik? Für die Ursachenbekämpfung fehlt Geld. Den Ärzten fehlt Geld, das ihnen – abgesehen von Schönheitsmedizin – der Finanzminister überweist, das der/die Gesundheitsminister rechtfertigen dürfen und das alles zunehmend weniger. Konsequent wäre also, wenn der Arzt seine Praxis zumacht. Dann hört er auf, den Symptomen hinterherzulaufen. Und nur dann. Einen anderen Einfluss hat er nicht.
Doch. Er könnte dem Raucher beim Aufhören helfen.