
Zitat aus dem „Spiegel“ — Hochamt des Journalismus
Selten ein so klares Beispiel für die Relativsatzfalle gesehen wie im „Spiegel“ der zu Ende gehenden Woche (33/2007) auf Seite 56. Falle deshalb, weil Relativsätze Doppelbedeutungen erzeugen, wenn man sie nicht fachgerecht einsetzt.
Fachgerecht eingesetzt ist ein Relativsatz in folgendem Beispiel: „Auf der Party traf ich die Frau wieder, die neben mir in der U-Bahn gesessen hatte.“ Der Relativsatz definiert die Frau näher, und da es sehr viele Frauen gibt, hat die Einschränkung auf diese eine gemeinte Frau auch Sinn (genau: sie macht nicht, sondern hat Sinn), denn darin besteht ja die Aussage. Und nur für Präzisierungen dieser Art sind Relativsätze sinnvoll.
Falsch, aber oft gelesen und für Otto Normaljournalist im allgemeinen Trott der sprachlichen Wichtigtuerei nicht mehr als Unsinn zu erkennen, wäre der Relativsatz schon hier: „Auf der Party traf ich Kathrin wieder, die neben mir in der U-Bahn gesessen hatte.“ Ausgehend vom Anspruch der Präzisierung würde das bedeuten, es gebe eine gewisse Auswahl von Kathrins, von denen genau diese neben mir gesessen hatte.
Prinzipiell geht das schon, aber wenn wir ehrlich sind, ist es Quatsch, zunächst von einer gewissen Menge an Kathrins auszugehen, wo es doch von Anfang an nur um eine geht. Gewiss stellen sich da manche stur. In Seminaren sind das weniger die Volontäre, Praktikanten und Quereinsteiger, sondern eher jene Profi-Journalisten, deren sprachliches Denken verkorkst und kaum noch zu retten ist — wobei der Relativsatz hier („deren …“) richtig ist, weil er eine Auswahl aus den Profi-Journalisten trifft und eben nicht behauptet, alle Profi-Journalisten dächten verkorkst. Jenen mit dem verkorksten Denken sei empfohlen, sie mögen vor dem Referenzsubstantiv des Relativsatzes ebenso ein „jene“ einfügen, wie es hier im Profi-Journalisten-Satz steht. Denn das „jene“ ist die Nagelprobe. So tut sich der tiefe Schlund gemeinen Sprachmülls stinkend auf:
„Auf der Party traf ich jene Frau wieder, die neben mir in der U-Bahn gesessen hatte.“ Das erscheint noch sinnvoll. Aber „Auf der Party traf ich jene Kathrin wieder, die neben mir in der U-Bahn gesessen hatte“ ist Dünnsinn, weil keine sinnvolle Einschränkung. Hier scheint die Marotte durch, Aussagen mit Relativsätzen zu beschreiben, die in Hauptsätze gehören, weil es Hauptsachen sind: „Auf der Party traf ich Kathrin wieder. Sie hatte schon in der U-Bahn neben mir gesessen.“
Leider missbrauchen immer mehr Journalisten den Relativsatz, um Aussagen zu treffen, die in Hauptsätzen klarer und geschmeidiger wären. Und in Text- und Redaktionskursen gehört die Relativsatzfalle zu den am schwierigsten zu beschreibenden beziehungsweise am schwierigsten zu verstehenden Fallen der Sprache. Vor allem Politik- und Sportjournalisten tun sich offenbar schwer damit, denn die Sprache ihrer Ressorts ist voll von Sprachmüll, den sie selbst in privaten Briefen niemals einsetzen würden:
„Nach einem ersten bilateralen Gespräch trennten sich beide Seiten ohne Ergebnis.“ Oder: „Einmal mehr verwies der Stuttgarter den Leipziger auf die Plätze, gefolgt vom Hamburger, der den vierten zweiten Platz in Folge einnahm.“ Um es mal zu übertreiben. Es ist eine äußerst dumme Sprache, die im Alltag Sätze hervorbrächte wie „Nach einem ersten koffeinhaltigen Heißgetränk hätte ich gerne einmal mehr ein weiteres in Folge“ oder „Lisa hat eine Eins, gefolgt von Marc“ oder „Mein Vater, der Stuttgarter, seine Frau und ihre Tochter aßen zum dritten Mal in Folge Bratkartoffeln mit Spiegelei.“ Wie viele Menschen haben gegessen? Wer ist mit wem verheiratet und hat mit wem eine Tochter?
Nun sitzt also beim „Spiegel“ ein Gefangener auf einem Plastikstuhl. Und dieser Stuhl „ist der einzige Gegenstand in diesem Raum, den er nicht in eine Waffe verwandeln kann“. Wie stellen wir uns diesen Raum vor? Welche Gegenstände befinden sich im Raum?
Entweder ist der Raum voller Dinge, die man in Waffen verwandeln kann – und nur der Stuhl eignet sich nicht dazu. Das sagt der Satz aus, so wie er dasteht, denn der Relativsatz dient der präzisierenden Einschränkung des Genannten. Dann allerdings stellt sich die Frage, warum der Autor nicht thematisiert, dass dort allerhand Gerümpel für Revolten jedweder Art bereitsteht und warum das Gefängnispersonal nicht endlich einmal aufräumt, sei es auch nur der Sicherheit und nicht der Ordnung halber.
Oder der Stuhl ist tatsächlich der einzige Gegenstand im Raum, und der Schreiber wollte möglicherweise sagen: „Der Gefangene sitzt mit erhobenen Füßen auf einem weißen Plastikstuhl, es ist der einzige Gegenstand in diesem Raum. Unmöglich, den Stuhl in eine Waffe zu verwandeln“ – tat es aber nicht, sondern stolperte blind in die Relativsatzfalle, weil er den Missbrauch des Relativsatzes für normale Sprache hält. Es ist zu vermuten, dass der Schreiber zu wenig Sprachgefühl besitzt, um diesen Zusammenhang zu kennen und diese einfachste aller Deutungen seines hingeschluderten Satzes zu verstehen. Es wird eben ein Routinier sein, der den Sprachmüll schon für normal hält oder schlimmer: für besonders schick.
Wie wir es auch drehen – es bleibt blöd.
Danke jedenfalls, lieber „Spiegel“, für dieses Textbeispiel eines Autors, der zwar wenig von Relativsätzen versteht, aber trotzdem Dinge „im Vielleicht verschwimmen“ lassen kann, wie der Satz davor zeigt. Bitte bring demnächst noch ein knackiges Beispiel für die Adjektiv-Falle, denn die ist ähnlich verzwickt.
Sprachlich unbegabte Journalisten packen eigene Sätze verdienende Aussagen über Eigenschaften von Menschen oder Dingen gerne schlicht in ein einsames Adjektiv vor das betreffende Substantiv: „Der Außenminister nahm seine blaue Aktentasche und verschwand im Dunkel.“ Daraus könnte folgen, der Außenminister besitze mehrere Aktentaschen, und in diesem einen Fall nahm er eben die blaue und ließ die schwarze stehen.
Ebenso tappe ich in die Adjektiv-Falle, wenn ich oben vom „tiefen Schlund des gemeinen Wortmülls“ spreche. Denn durch die Adjektive impliziere ich, dass es noch einen weiteren, weniger tiefen Schlund gibt, und weiteren Wortmüll, der nicht gemein ist. Denn auch Adjektive dienen wie Relativsätze der Präzisierung, der einschränkenden Beschreibung. Aus Gründen der Rhetorik tappe ich gerne sehenden Auges in die Adjektiv-Falle. Und in einfachen Fällen klarer Rhetorik will ich das natürlich auch anderen Schreiberlingen zugestehen. Doch oft ist die Rhetorik so bemüht, dass Adjektive ebenso sinnlos werden wie der Plastikstuhl-Relativsatz im „Spiegel“. Und genau so ein Beispiel suche ich.
Hier die gestrenge Argumentation: Bedarf die Farbe der Aktentasche überhaupt der Erwähnung? Wenn ja, dann verdient sie auch einen eigenen Satz: „Der Außenminister nahm seine Aktentasche und verschwand im Dunkel. Die Tasche war blau“ – hier offenbart sich schon die hohe Sinnfreiheit des Gesagten.
Wie gesagt, das Beispiel ist lasch. Die Adjektiv-Falle deutlicher machen Fragen wie: „Wie war das eingenommene Mittagessen?“, „Wie war die verbrachte Nacht?“, „Wie war der getrunkene Kaffee?“ Doch auch das ist alles noch nicht kernig genug. Ich suche ein härteres Beispiel aus der journalistischen Praxis – und lese den „Spiegel“ daher eifrig weiter.



Wieder mal ein sehr schöner Beitrag :)
Wie wärs mit „Zur Zustimmung der Demokraten zum „NSA-darf-alles“ Gesetz hat die amerikanische Bürgerrechtsorganisation ACLU eine Anzeige in den Zeitungen der Heimatstädte der Demokratin Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses und Harry Reid, Führer der demokratischen Mehrheit im Senat des US-Kongresses, geschaltet, was natürlich auch eine Methode ist, Protest auszudrücken und Druck auf Politiker auszuüben:“ ? Da ist der liebe Kai (Zitat Rabenhorst -blog.kairaven.de) doch sicher auch in mind. eine Falle getappt?
Der Gefangene kann also den Raum nicht in eine Waffe verwandeln, oder wie? Was für Spiegel-Leute uns mal wieder
deutsch nahebringen.
Cujau hat Recht! Das Relativpronomen bezieht sich im Grunde auf den Raum, weil der das zuletzt genannte mögliche Referenzwort ist. Und ich komm nicht drauf? Na da denke ich wohl selbst schon zu verkorkst …
Abgesehen davon, dass ich Ihre Ausführungen für dezent korinthenkackerisch halte: Wie sitzt man eigentlich mit erhobenen Füßen?
Korinthenkackerisch? In der Tat! Denn es geht ums Kleine, um die Mikrostruktur von Texten. Aber Sie haben Recht. Es ist kleingeistig. Wie medizinisches Personal, das Medikamente mit Krämerseele millilitergenau abfüllt. Oder diese Korinthenkacker von Architekten, die von Millimetern sprechen, obwohl es um riesige Häuser geht … ;-)
Wie man mit erhobenen Füßen sitzt? Vielleicht im Yoga-Sitz?
„mit erhobenem Haupt“
„mit erhobenem Zeigefinger“
„mit rotem Kopf“
„mit ausgestrecktem Arm“
„mit angezogener Handbremse“
Habe ich Dich richtig verstanden, man sollte diese Ausdrücke nicht innerhalb eines Satzes verwenden, sondern jeweils einen extra Satz formulieren?
Oh Drama! Menschenleben stehen auf dem Spiel! Der Spiegel baut falsche Relativsätze!
Also bitte, Ihre Vergleiche sind selbst mir als Freundin des gepflegten Übertreibens etwas zu – genau, übertrieben. Aber damit Ihre Bemühungen um mein Verständnis nicht gänzlich unnütz war, möchte ich abschließend noch eines Ihrer Beispiele nutzen, um zu betonen, dass Sprache beweglich ist … und bleiben sollte (auch in geschriebener Form). Im Gegensatz zu millimetergenau geplanten Häusern etc.pp., Sie wissen schon …
:-)
@ Birgit: Die Sache mit den Hauptsätzen bezieht sich auf die Relativsatzfalle, nicht auf die Adjektive. Klassische Fälle von Adjektivsmissbrauch wären Tautologien wie „geballte Faust“ oder sowas wie „warnender Hinweis“, der ja einfach nur eine Warnung ist …
@ Thilo: Ich hatte mich auf Deinen zweitletzten Abschnitt bezogen. Dort geht es um die Adjektivfalle. Anhand dieses Abschnitts hatte ich versucht, Deine „gestrenge Argumentation“ auf meine Beispiele anzuwenden, um zu prüfen, ob es sich um Adjektivfallen handelt. Wie Du es dort anhand Deines Satzes mit „seine blaue Aktentasche“ demonstrierst.
Die Frage „bedarf das Adjektiv überhaupt einer Erwähnung“ ließ sich in meinen Beispielen in allen Fällen klar mit Ja beantworten. Dann galt aber laut Deiner „gestrengen Argumentation“:
„Das Adjektiv verdient einen eigenen Satz.“
In Deinem Beispiel hast Du dann aus der „hohen Sinnfreiheit“ der beiden resultierenden Sätze („… Die Tasche war blau.“) geschlossen, dass es sich um eine Adjektivfalle handelt.
Angewandt auf den Satz „Mit rotem Kopf kehrte ich an meinen Platz zurück“ würde das bedeuten, „rot“ ist wirklich notwendig, bedarf also einer Erwähnung. Laut der „gestrengen Argumentation“ verdient „rot“ also einen eigenen Satz. Also: „Mit Kopf kehrte ich an meinen Platz zurück. Der Kopf war rot.“
Aus der resultierenden „Sinnfreiheit“ könnte ich (analog zu Deinem Beispiel in der „gestrengen Argumentation“) dann aber schießen, dass es sich beim Ausdruck „mit rotem Kopf“ um eine Adjektivfalle handelt.
Ist es aber nicht in Wirklichkeit so: Wenn ein Adjektiv notwendig ist wie in meinen Beispielen, dann kann man es gerade *nicht* in einem Extrasatz unterbringen?
Also vermute (und verstehe) ich inzwischen, Du hast Deine „gestrenge Argumentation“ gar nicht so allgemein als Testkriterium für Adjektivfallen gemeint (das hatte ich wohl missverstanden), sondern von vornherein nur auf bestimmte Konstruktionen bezogen, die eben Deinen erwähnten Beispielen (Schlund, Tasche) ähnlich sind. Ohne Anspruch auf weitere Verallgemeinerung. Korrekt?
Hab hier noch ein witziges Beispiel für die von mir missverstandene „gestrenge Argumentation“:
„Ich kam mit einem blauen Auge davon“
würde ergeben:
„Ich kam mit einem Auge davon. Das Auge war blau.“
:-)
Der „rote Kopf“ und das „blaue Auge“ sind keine Adjektiv-Fallen, weil Idiome … der Kopf ist per se nicht rot und das Auge per se nicht blau, insofern handelt es sich nicht um Tautologien (Pleonasmen), sondern es geht um Idiome (feststehende „Redewendungen“). Der Kopf ergibt ohne „rot“ und das Auge ohne „blau“ keinen Sinn, außer dass es eben um Köpfe und Augen geht. Anders: „weißer Schimmel“ (Pleonasmus) oder „weißes Pferd“ (=Schimmel, weil es ein definiertes Substantiv gibt).
Quasi, um an deinen Beispielen zu bleiben: „Ich ritt mit einem Schimmel davon. Das Pferd war weiß.“ ;-)))
Das Beispiel „Nach einem ersten koffeinhaltigen Heißgetränk hätte ich gerne einmal mehr ein weiteres in Folge“ ist wirklich sehr schön.
Was die Relativsätze angeht, bin ich anderer Meinung. Es ist eher eine Frage des Rhythmus, ob ich zwei Hauptsätze nebeneinander reihe oder einen Relativsatz einfüge.
Ja. Es ist oft eine Frage der Rhetorik, gegen Gesetze der Stilistik zu verstoßen. „Verboten“ ist nie etwas.
@Petra: Es geht um Genauigkeit, um die millimetergenaue, trennscharfe Sprache. Das unterscheidet jene, die das anstreben, von der Masse.
Ungenauigkeit ist Beliebigkeit, ist verwechselbar, ist jenes Mittelmaß, mit dem man diejenigen betrügt und einnebelt, die etwas Besseres verdient haben – die Leser, die Lernenden, die Heranwachsenden. Die kommen nicht mit einem blauen Auge davon, sondern mit Frust im Kopf.
Sie haben ein sehr befremdliches Verständnis von Sprache und ich frage mich etwas beklommen, wo man dieses lernen kann. Wenn ich Ihnen dies entlocke, wäre meine Empfehlung an alle Mitlesenden: Diesen Ort keinesfalls aufsuchen!
Sprache ist nicht millimetergenau und trennscharf. Das wäre dann ja auch die Lösung aller Kommunikationsprobleme zwischen den Menschen. Ihre Deutung von Sprache (besser vielleicht: Grammatik?) aus der Logik heraus, ist, milde ausgedrückt, weltfremd und unmöglich.
Prinzipiell ist mein größtes Problem an Ihrem Text, dass Sie ganz unspezifisch von Sprache sprechen (z.B. einer „fachgerechten“ Anwendung dieser), dabei aber unspezifisch bleiben: Beziehen Sie sich auf syntaktische, semantische, pragmatische, stilistische usf. Aspekte?
Für alle Verängstigten ob der „Relativsatzfalle“ kann ich Entwarnung geben: Wie sie von Herr Baum beschrieben wird, gibt es sie nicht. D.h., kommen Sie einmal in die Verlegenheit, auf einer Party Kathrin zu treffen, und saß diese Kathrin noch am Morgen mit Ihnen in der U-Bahn, dann hat die deutsche Sprache keinefalls nur folgende Möglichkeit parat, diese Begebenheit in Worte zu fassen: „Auf der Party traf ich Kathrin wieder. Sie hatte neben mir in der U-Bahn gesessen.“ Was nach Herr Baums Meinung falsch sein soll („Auf der Party traf ich Kathrin wieder, die neben mir in der U-Bahn gesessen hatte.“), ist es nicht. Grammatisch schon erst einmal gar nicht, denn der Relativsatz bezieht sich mit seinem Relativpronomen einfach nur auf ein Satzglied des ihn einbettenden Satzes. Dass ein Relativsatz dabei präzisierende Funktion hat, ist richtig. Daran knüpfen sich aber keinesfalls semantische Wirkungen, wie Sie, Herr Baum, sie beschreiben – also: Nein, durch die Verwendung eines Relativsatzes vermehrt sich das Denotat des Satzgliedes, auf die sich das Relativpronomen bezieht, nicht. Oder umgekehrt: Nein, ein Relativsatz kann keinesfalls nur dann gebraucht werden, wenn sein Bezug(pro)nomen mengenmäßig unspezifisch ist. Schönstes und grammatisch richtiges Deutsch, stilistisch unbedenklich: „Glotz doch mal den, der da läuft, an!“
Die Adjektivfalle letztendlich würde im Grunde jegliche poetische und bildliche Ausdrucksweise als unsprachlich ausweisen und entpuppt sich mithin als Produkt höchster Fantasielosigkeit! Wenn es nun einmal eine blaue Aktentasche war, spricht für mich nichts dagegen, dem Leser diese Farbe vorstellig zu machen. Wenn sie allerdings in Wirklichkeit schwarz war, ist dies auch nicht weiter schlimm. Warum allerdings aus der attributiven Angabe einer Farbe eines Gegenstandes ergehen soll, dass dieser sich wiederum vermehrt, weiß ich nicht. Ob diese Angabe von einem pragmatisch-journalistischen Standpunkt von Belang ist, ist eine andere Frage – wenn es diese ist, die Sie zu diskutieren versucht haben, hätten Sie dies klarer ausweisen müssen. Sprachliches Falsch-Sein können sie der Wendung der „blauen Aktentasche“ aber schlichtweg nicht vorwerfen…
Danke für den Kommentar. Schön, dass hier mal ne Auseinandersetzung tobt. :-)
Ich bin froh, dass endlich mal jemand weiß, dass es nicht „macht Sinn“ heißt; allerdings ist es falsch zu behaupten, dass man Relativsätze nur zur Einschränkung benutzen darf.
Relativsätze, die eben dies nicht tun, bezeichnet man als „explikative Relativsätze“.
Wenn man von einer bestimmten Kathrin einer ganzen Reihe Kathrins spräche, würde man ohnehin sagen: „Auf der Party traf ich DIE Kathrin wieder,…“
Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass die Verwendung von „wo“ in „…wo es doch von Anfang an nur um eine geht“ auch falsch ist; schließlich ist nicht von einem Ort die Rede.
Wenn man andere belehren will, sollte man erst mal darauf achten, dass man selbst Ahnung hat, wovon man spricht!
Treffen sich zwei in ihrer Phantasielosigkeit. Der eine, der einen Plastikstuhl nicht als Waffe verwenden kann und der andere, der es einem Journalisten nicht erlaubt, eine Aktentasche farblich zu beschreiben.
Die blaue Aktentasche hebt sich ihrer Farbe von den gebräuchlichen schwarzen Aktentaschen ab. Sie stellt somit eine Ausnahme von der ‚Norm‘ dar. Was für Rückschlüsse der Leser daraus zieht, bleibe ihm überlassen. Jedenfalls schließe ich mich insofern dem Kommentar von bekay an.
Mich führt aber ein ganz anderer Fall sprachlichen Unwissens auf Ihre Seite: Hr. Westerwelles Erklärung zum Abschied von der Parteispitze der FDP.
Zitat, lt. ‚www.tagesschau.de‘:
‚Nachdem ich aus Asien, China und Japan zurückgekehrt bin, habe ich eine Anzahl von weiteren Gesprächen auch mit dem engeren Kreis der Parteiführung geführt, aber auch darüber hinaus.‘
Nun hängen sich viele Kommentatoren dieser Stellungnahme daran auf, daß Hr. Westerwelle als Außenminister wissen sollte, daß China und Japan asiatische Länder seien und er sie folglich nicht gleichberechtigt mit dem Kontinent aufzählen dürfe.
Meines Erachtens hat der Protokollant schlicht ein Komma nach ‚…Japan‘ vergessen. Dann wären China und Japan nur präzisierend zu Asien verwendet.
Leider bin ich kein Germanist und deshalb auf der Suche nach der richtigen Bezeichnung für die richtige Satzkonstruktion. Den Rest des Zitates will ich hier nicht besprechen. Obwohl mir auch der einigermaßen mißraten scheint.
Ich bin momentan im Ausland unterwegs und schaffe es nicht, deutsche TV-Nachrichten zu suchen. Gibt es den Satz Westerwelles denn auch gesprochen und damit hörbar? Die Betonung dürfte die Bedeutung klarmachen. Vermutlich betrachtet Westerwelle „Asien“ nicht als gleichrangig mit „China“ und „Japan“.
Da haben wir etwas gemeinsam. Ich arbeite derzeit in China und habe deswegen die Ansprache auch nicht sehen können, sondern lediglich die Pressemeldung dazu gelesen.
Gibt es denn eine linguistisch korrekte Bezeichnung für die Konstruktion ‚…Asien, China und Japan,…‘? Ist das eine präzisierende Aufzählung?
Ich nehme schon an, daß Hr. Westerwelle hinter Japan eine entsprechende Pause gemacht hat.