An dieser Stelle möchte ich um Vergebung bitten dafür, dass ich mir ab und an übermäßig viel Zeit lasse mit der Freigabe und Veröffentlichung von Kommentaren in diesem Blog. Das tut mir Leid. Es ist der Situation geschuldet, dass derzeit zu viel zu tun ist. Anlässlich dieses Anlasses hier einige Erkenntnisse der jüngsten Zeit:
1. „Keine Zeit“ ist ebenso wenig ein Argument wie „kein Geld“: Grund ist immer eine niedere Priorität.
2. Blogs sind Arbeit. Dass manche Blogger Kommentare ungeprüft zulassen, wird ihnen immer wieder juristischen Ärger einhandeln. Es ist möglicherweise eine Frage der Reife zu erkennen, dass es nicht ohne Grund redaktionelle Prüfungen von Volkes Maul gibt: Die Grenzen der Freiheit der Meinungsäußerung und die Frage nach ungeprüften Tatsachenbehauptungen werden weiterhin die Debatte um Kommentare in Blogs befeuern.
3. Derzeit ist so viel zu tun, dass ich mir mitunter zu viel Zeit lasse, um hier reinzuschauen. Ich gelobe Besserung. Wann die eintritt, vermag ich nicht zu sagen.
4. Bei einem Rechtsstreit ist ungeachtet der Meinungen der Parteien alles offen. Es gibt Chancen und Wahrscheinlichkeiten, aber keine genauen Vorhersagen. Gipfelt ein Rechtsstreit, stehen einander zwei „Maximalforderungen“ gegenüber, und es ist eine Frage der Verhandlung, also der Politik, einen Kompromiss zu finden. Recht zu bekommen hat mit Recht in der Praxis wenig zu tun.
5. Meist stören einen Leute mit Rechtsproblemen beim Arbeiten, die weder vom Recht noch vom Business eine Ahnung haben. Daher: Kopf hoch und auf Briefe vom Anwalt mit einem Lachen reagieren. Die Leute sollen ihre Drohungen erst mal wahrmachen. Dann dürfen sie immer noch unterliegen.
6. In konkreten Rechtsstreitigkeiten haben viele Unternehmen gar keine Zeit oder Begabung oder Muße, den Rechtsstreit wirklich zu verstehen. Sie schätzen nur grob ab: Gewinnen wir, oder verlieren wir? Emotionen sind ihnen egal. Ebenso wenig geht es ihnen um die Sache oder um ihre Ehre oder um ihr Image. Unternehmen denken meist nur von jetzt auf gleich. Das ist einerseits pragmatisch, kann andererseits aber fürs Image desaströs sein.
7. Trenne dich von Menschen, die dir deine Energie und deine Zeit rauben. Es hat keinen Sinn, wenn nicht innerhalb vernünftiger Zeit ein Lerneffekt eintritt.
8. Vertraue Fachleuten nicht, aber vertraue Fachleuten deines Vertrauens. Es ist ein gutes Gefühl, schwierige Dinge in gute Hände geben zu können.
9. Auch nach Jahren kann es sein, dass dich einer deiner vertrauten Fachleute enttäuscht, so dass du ein Vierteljahr verlierst, um den Details hinterherzurennen, die du deinem Fachmenschen vertrauensvoll in die Hand geben wolltest. Verliere dennoch nicht das Vertrauen in die Menschen.
10. Auch wenn du früher als Idealist gesagt hast, Lenin hätte Unrecht gehabt und Vertrauen sei dann doch besser als Kontrolle: Weder das eine noch das andere ist richtig. Finde die Mitte.
Auch wenn ich mich derzeit zu selten in die Lounge einwähle: Welche Erkenntnisse gibt es noch? Hat jemand Anregungen?



ich finde es buruhigend zu erfahren, dass man auch mit voll moderierten und geprüften kommentaren nicht vor „juristischem Ärger“ gefeit ist.
@ ix: Das ist ja schön, ausgerechnet von dir hier zu lesen. :-) Meine juristischen Überlegungen entspringen keinen Auseinandersetzungen, die ich durch mein Blog hätte. Das läuft störungsfrei.
Die SCHUMAB Schutzgemeinschaft Abmahnung, Berlin, hilft allen, die von missbräuchlichen Abmahnungen betroffen sind.
In diesem Sommer wurde eine Abmahnfabrik auf diese Weise und nach diesen Bemühungen sodann durch die Staatsanwaltschahft stillgelegt, und 100 bis 300 Abgemahnte erhielten ihr Geld zurück (nach Hausdurschsuchung von 2 Anwaltskanzleien der Abmahner). Rückzahlung insgesamt wohl 100 000 Euro – möglicherweise mehr.
(Ebay-Händler – Kleinst- Gewerbetreibende)
Da von Problemen Betroffene gewöhnlich die Hilfe kostenlos haben wollen, sind diverse Hilfen gegen anwaltliche Abmahnungen kostenfrei zugänglich auf infos7.com –
dort ins Suchfeld eingeben: Abmahnung
Die Schutzgemeinschaft streitet zur Zeit von Gesetzesänderungen, damit missbräuchliche Abmahnungen eindeutiger verboten werden.
Auch Verfahren wegen Dritteinträgen auf Sites erscheinen absurd.
Wem etwas auf einer Site nicht gefällt, der hat ja das Recht, erst einmal kostenfrei mit einfacher E-Mail um Berichtigung zu bitten.
Erst bei Verweigerung der Änderung innerhalb von beispielsweise 1 Monat (sofern ohne Eilbedar) darf ein Anwalt auftreten.
Eigentlich ist die Rechtslage wohl schon jetzt so – also Kostenfreiheit des Erst-Widerspruches.
Aber da ein Abgemahnter sich meist an seinen eigenen Rechtsanwalt wendet, entsteht eine ihrer Natur nach ambivalente Situation: Der eigene Rechtsanwalt, will er den eigenen Gebührenanspruch zu sichern, darf den des abmahnenden Anwalts nicht in Frage stellen…
Also sollte man die Verweigerung von anwaltlichen Kosten erst einmal selbst als Faktum schriftlich in den Vorgang einfügen, bevor man den eigenen Anwalt aufsucht…?
Ich denke, das entspricht in etwa der im Eingangs-Haupttext ausgedrückten Strategie-Variante; hier also nur noch mit einem halb-juristischen Opportunitäts- Aspekt ergänzt.
Das klingt echt beeindruckend. Aber: Worüber sprichst du da?