Die Deutsche Gesellschaft zur Förderung von Legasthenie und Analphabetismus e.V. hat wieder zugeschlagen: Dieses Mal besudelte sie mit ihren schmierigen Griffeln die Zeitschrift „Neon“, erscheinend im Hause Gruner+Jahr, beim „Stern“. „Neon“, dieses naive Werk für Mittzwanziger, mit dem sich alte Knacker wie ich vermeintlich jung halten, gereicht der Generation zunehmend ungebildeter Mittzwanziger zur Ehre.

Auf den ersten Blick eine gewöhnliche Kundenhascherei mit nutzlosen „Geschenken“ zur Abonnentenwerbung – das übliche Leid heutiger Medienhäuser, die ihr Zeug losprügeln. Auf den zweiten Blick möglicherweise eine Erklärung dafür, warum Unternehmer zunehmend über die Schreibunfähigkeit von Schulabsolventen jammern. Ist ja auch kein Wunder, wenn man mal schaut, was bei „Neon“ mutmaßlich mit Absicht so durchgeht:

Dümmer geht’s nümmer: „e.Mail-Adresse“ ist so ziemlich die schwachsinnigste Schreibweise des einfachen Wortes „E-Mail-Adresse“, die einem so begegnen kann. Obwohl: „eMail“ wäre denkbar, ebenso „eMailAdresse“: eben der ganze Dumpfbackenblödsinn, den das ungebildete Marketingpraktikantenpack so von sich gibt, wenn die nervigen Meetings langweilig werden und einem kein Kundennepp mehr einfällt, mit dem man der Öffentlichkeit Reisen und Kaffeetassen und andere Ladenhüter als „attraktive Pakete“ schönlügt.

„GeburtsDatum“ erinnert mich an „FrühlingsErwachen“, und kaum sieht man so einen Ausbrecher mit Binnen-Versalie, fahndet das typographisch geschulte Auge nach mehr und wird fündig:

„HausNr.“! Ja! Das steht da! Aber andererseits „TelefonNummer“! Auf einem bunten Marketing-Schnipsel eines Magazins aus dem Hause Gruner+Jahr. Früher hat man dort mal etwas von Journalismus verstanden und davon, wie Sprache funktioniert, aber heute:

Und da wird es Zeit für das behäbige Urteil, nur der Meister möge die Form brechen: Denn wenn schon „WiderRufsrecht“, dann bitte „WiderrufsRecht“, um wenigstens die Sinneinheiten in den Wörtern richtig zu trennen – oder wenigstens WiderRufsRecht. Denn wenn man bei Gruner+Jahr, meiner Erinnerung nach ein großer Verlag, die Sprache zerschrotet, warum schreiben diese Marketingbanausen dann nicht WiDerrufsreCht? Auch weitere Inkonsequenzen wie „Hamburg“ statt „HamBurg“ und „Unterschrift“ statt „UnterSchrift“ fallen unschön auf bei der Sichtung des Materials, mit dem man bei Gruner+Jahr offenbar neue Leser gewinnen will (in der Tat, das scheint das Ansinnen zu sein, wie skurril).
Geradezu spießig steht das Wort „E-Mail“ im Kleingedruckten dann doch zwei Mal richtig da, ebenso wie „Einzelverkauf“ statt „EinZelVerKauf“. Auch bei der laufenden Nummer des KundenWerbeZettels durfte die Deutsche Gesellschaft zur Förderung von Legasthenie und Analphabetismus e.V. keine Späßekens machen und schrieb brav „595 977″ statt „%95 )77″. Wie langweilig!



Vielleicht glaubt man dort, dass die angesprochene Leserschaft diese schwierigen Wörter, die z.T. sogar Komposita sind, in regulärer Schreibweise nicht versteht.
Obwohl… nein, ich glaube eher, dass man sich bloß richtig cool fühlt mit solch hippen Schreibweisen. Creativ sozusagen.
Nix hipp – Made in China.