Wozu es führen kann, wenn Unternehmen statt Inhalten hohle Marketingsprüche vermitteln und Blogger dafür die Authentizität inszenieren sollen, die das Unternehmen von sich aus nicht hat:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,637444,00.html
http://blog.vodafone.de/2009/07/20/twittermom/
http://twitter.com/schnutinger
http://toonblog.squarespace.com/postings/tja.html
„Mit untrüglicher Sicherheit jedenfalls erkannten die Leser des Vodafone-Blogs den typischen ‚Public-Relations-Sound‘, eine Übung, die manchen Etat-Verantwortlichen in den Agenturen verzweifeln lassen dürfte, weil er das eben nicht hört, und weil er auch nicht versteht, wieso das jemand hört“, schreibt Stilstand dazu. Das ist der Kern. Ich dachte bislang, jeder Mensch erkennt beim Zappen nach einer halben Sekunde, ob er es mit einem fiktionalen oder einem nicht-fiktionalen Format zu tun hat, also mit Authentizität.
Doch offenbar ist diese Fähigkeit manchen Leuten nicht gegeben – oder sie meinen allen Ernstes, das Konsumentenvolk sei so dumm und merke es nicht. Aufgrund genau dieser anmaßenden Fehlinterpretation reagieren die Leute auf dümmliche PR-Blogeinträge schätzungsweise so aggressiv. Sie wollen sich nicht weiter für dumm verkaufen lassen von Marketingleuten ohne Gemüt für Text.
Das Lustigste ist dann noch ein Kommentar im Vodafone-Blog inmitten des Gezeters um Schnutingers Beitrag:
„Mich interessiert, mit welchen Telefonen meine Freunde telefonieren und welche Erfahrungen sie mit anderen Communities gemacht haben! Ich freue mich, wenn ich den Kontakt zu Bekannten halten kann. […] Das HTC Magic mit Internetanschluss werde ich sicher einmal ausprobieren. Es ist sehr praktisch und genau auf meine Bedürfnisse zugeschnitten.“
Großartig! Es gibt tatsächlich Leute, die in der überbordenden Fülle der technischen Gadgets keine überbordende Fülle sehen und ganz brav auf die absurden Werbebotschaften Marke „Jedem sein individuelles Massenprodukt“ reagieren. Und die das schlecht getarnte Marketing-Gerede eines TK-Riesen nicht erkennen, sondern für bare Münze nehmen. Oder die zumindest so tun, als ob, weil sie zum Team gehören und damit den Zorn der für dumm verkauften Zielgruppe des so genannten Web 2.0 noch steigern.
Warum arbeiten Unternehmen eigentlich nicht einfach an ihren großteils unausgegorenen Produkten vor allem in der IT- und TK-Industrie, um damit Käufer zu finden, sondern inszenieren auf Nebenschauplätzen so ein wirres Zeug?


