Rufmord?

 

Wenn eine Journalistin über eine andere Journalistin schreibt …

Diese Mitarbeiterin – ich kann sie keinesfalls Kollegin nennen – ist für ihre maßlose Selbstüberschätzung in der Branche bekannt. Leider nicht für ihre gute Arbeit. Rufmord ist für sie kein Problem, die Liste ihrer Falschbehauptungen ist endlos. Aber sie hat ein „Talent“, ihre quasi kriminelle Kraft zu rechtfertigen.

… wie nennt man das dann?

Die Versuche etablierter Printmedien, Blogs zu unterhalten, treiben seltsame Blüten. Hier geht es mal wieder um die „Berliner Zeitung“. Redakteurin Abini Zöllner zieht in ihrem Blog über jemanden vom Leder, den wir nicht kennen. Wie seriös ist das?

Mag ja sein, dass die Vorbehalte der Autorin gegenüber der „in der Branche“ für dies und das bekannten Dame gerechtfertigt sind. Doch wer die Journaille kennt, weiß, dass es dort nicht anders zugeht als auf anderen Unternehmensfluren auch: Mobbing und hinterhältiges Taktieren sind ebenso an der Tagesordnung wie überall, der „Ruf“ spielt eine enorme Rolle. Und das, obwohl Journalisten eingehende Informationen zunächst auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen sollten — und wobei es dem klugen Mann egal sein kann, wenn eine Mehrheit von dummen Menschen sich über ihn eine öffentliche Meinung bildet.

Aber wie gesagt, vielleicht ist an den Vorwürfen ja auch was dran? Das Ding ist nur: Wir wissen es nicht. Abini Zöllner lässt uns im Ungewissen darüber, worum es geht. Und zeigt damit, dass selbst unter professionellen Journalisten und Buchautoren nicht jeder zum Glossen- oder Kolumnenschreiben taugt.

Dank an Cujau für den Hinweis — und natürlich, das ist eindeutig jede Menge Seminarstoff fürs Thema Online-Journalismus.

8 Kommentare zu „Rufmord?“

  1. Cujau

    Da gibt’s aber hübsche Kommentare:

    http://www.berlinonline.de/ber.....fmord.html

  2. Thilo

    Was ist eigentlich, wenn A über B sagt, er sei unglaubwürdig, B das gleiche über C sagt und C über A? Das ist dann vielleicht ungefähr so, wie wenn A B 5 Euro leiht, B C und C A. :-)

  3. Birgit

    Rein aussagenlogisch betrachtet:

    Wenn A über B sagt, er sei unglaubwürdig, dann wissen wir, dass mindestens einer der beiden unglaubwürdig ist. Wir wissen aber nicht, ob A oder B oder beide.

    Wenn A es über B sagt, B es über C, und C es über A, dann wissen wir, dass mindestens zwei von den dreien unglaubwürdig sind.

  4. Cujau

    Wenn A sagt, „ich lüge immer“. Was wissen wir dann? NICHTS!

  5. Abini Zöllner

    ich bitte im Interesse der beiden Anrufer/Leser um Geduld. Ich habe in beiden Fällen etwas unternommen, kann aber derzeit leider nicht mehr schreiben. Es ist schon nicht angenehm, wenn einem „die Hände gefesselt“ sind. Aber auch noch „die Füße stillhalten“ – das wollte ich auf keinen Fall. Ganz ernsthaft: Was ist schon mein Ruf, der auf dem Spiel steht gegen zwei Leben, die auf dem Spiel stehen? Ich nehm mich da nicht so wichtig, antworte aber diesmal, weil ich verstehe, dass nicht alles zu verstehen ist.

  6. Thilo

    @ alle: Frau Zöllner hat mir per E-Mail geschrieben, dass sie ihre Geschichte umformuliert hat. Das o.g. Zitat ist dort nicht mehr drin, und die Gründe meines Angriffes sind weg.

    Ich habe aufgrund von Kritiken auch schon Texte geändert, das geht im Netz leichter als im Print.

    Insgesamt denke ich, dass ich in meiner Beurteilung ein wenig hart war. Es ging wohl tatsächlich um eine extreme Situation, der Frau Zöllner ausgesetzt war. Und ich habe diese Situation nur aus rein publizistischen Gesichtspunkten heraus bewertet. Das tut mir Leid.

    Auch wenn Abini Zöllner bei einer Zeitung wie der „Berliner“ arbeitet, die momentan im Kreuzfeuer der öffentlichen Beobachtung und Kritik steht, weiß ich, dass sie eine sehr gute Journalistin ist, vielleicht hat mich daher diese Geschichte so irritiert.

    Ich möchte Frau Zöllner wie mir und anderen natürlich das Recht einräumen, in einem Blog auch affektiv und gefühlsbetont zu schreiben und vielleicht auch gerade jenseits der üblichen Kommunikationssperren der Verlage zu kommunizieren. Im Grunde ist es Unsinn, den durch Verlage und Redaktionen gefesselten Menschen die Freiheit zu versagen, zu schreiben, was sie denken.

    Insofern: Pardon.

  7. Peter Disch

    @thilo baum: herr baum, was ich an ihrem jüngsten eintrag nicht verstehe: frau zöllner hat ihren blogeintrag geändert, allerdings nur, was die schlussfolgerungen angeht. das „o. g. zitat“ ist doch immer noch drin, und damit auch der grund für ihre kritik, herr baum. haben sie das übersehen? Und: wofür entschuldigen sie sich also, herr baum?

    noch was grundsätzliches: wenn blogeinträge nachträglich überarbeitet werden, sollten blogautoren das auch kurz vermerken.

  8. Thilo

    Ich kann’s mir nicht erklären. Jetzt, wo ich den Text wieder nachschlage, sehe ich auch wieder die alte Version. Keine Ahnung. Zum Zeitpunkt meines Kommentars vom 22. April stand da was anderes.

    Und ja: Man sollte bemerken, wenn etwas geändert wird.

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