Tatsache oder Meinung?

 

Was ist der Unterschied zwischen einer Tatsachenbehauptung und einer Meinungsäußerung?

Tatsachenbehauptungen sind beweisbar, Meinungsäußerungen sind argumentierbar. Tatsachenbehauptungen sind nicht argumentierbar, Meinungsäußerungen nicht beweisbar. Aus dem Grunde sind beispielsweise Meinungsäußerungen nicht gegendarstellungsfähig. Beide Begriffe sind exakt abgegrenzt. Sie sind definiert.

Tatsachenbehauptungen müssen nicht bewiesen sein, um Tatsachenbehauptungen zu sein. Sie müssen nur beweisbar sein. Sie müssen nicht einmal stimmen. Eine Tatsachenbehauptung muss keine Tatsache behaupten, die der Fall ist.

Der Satz: „Die Sonne scheint“ ist eine Tatsachenbehauptung. Man geht raus und sieht: Es stimmt, oder es stimmt nicht. Wenn die Sonne scheint, stimmt unsere Tatsachenbehauptung. Scheint sie nicht, ist unsere Behauptung eben falsch. Macht gar nichts: Sie bleibt eine Tatsachenbehauptung und wird deshalb nicht zur Meinungsäußerung, nur weil sie nicht stimmt. Sie ist verifizier- oder falsifizierbar, und wir haben sie eben widerlegt.

Der Satz: „Ich bin der Meinung, dass die Sonne scheinen sollte“ ist eine Meinungsäußerung. Wer das sagt, hat dafür Argumente und kann argumentieren. Er sagt: „Es wäre schöner“, und ein anderer mag seinerseits mit einer Meinungsäußerung kontern: „Ich finde es ohne Sonne besser.“ Beweisen lässt es sich nicht, dass die Sonne scheinen sollte.

Ein klassischer Umfragefehler wird uns im Wahlkampf sicher wieder ereilen. Eine Zeitschrift fragt: „Welche Partei, glauben Sie, gewinnt die Wahl?“ Eine völlig andere Frage als die Frage: „Wen würden Sie wählen, wäre am Sonntag Wahl?“ Die erste Frage fragt nach einer Einschätzung, nach einer Vermutung, also nach einer Prognose, welche Tatsache eintreffen wird. Und da müsste der Grünen-Wähler antworten: „Ich schätze, dass die CDU oder die SPD stärkste Partei werden.“ Obwohl er das nicht will. Doch man hat ihm leider die erste und nicht die zweite Frage gestellt. Viele sind dumm und beantworten statt der ersten die zweite Frage, und so ist das Umfrageergebnis kaum brauchbar.

Die Schlagzeile „Schummel-Verdacht bei Plasberg-Show“ in der „Bild“ ist keine Meinungsäußerung. Es ist die Frage nach einer Tatsache. Wie ist es denn nun? Scheint die Sonne oder nicht? Es ist eine Vermutung. Es hat nichts von einer Frage wie: „Ist es gut, dass die Sonne scheint oder nicht?“ Ebenso siedeln sich Schlagzeilen wie „XY schwanger?“ oder „Verlor sie ihr Baby?“ auf dem Terrain der Tatsachenbehauptungen an. All das sind keine Meinungsäußerungen. Denn wir könnten eine Antwort bekommen: Ja, nein, oder die Justizministerin legt eine eidesstattliche Versicherung ab und sagt: „Ja, alles war Schmu.“ Oder eben nicht.

Das Bedürfnis, in solchen Fragen Antworten zu bekommen, ist ein legitimes Interesse der Öffentlichkeit. In meinen Augen ist es eine Aufgabe der Medien, solche Fragen zu beantworten. Und nur weil die „Bild“ nach Ansicht vieler Leute in vielerlei Hinsicht keine schönen Dinge schreibt, ist ihre Frage nach den Umständen nicht falsch. Fragen nach Umständen sind nie falsch, sondern zu recherchieren.

Ein Kommentar zu „Tatsache oder Meinung?“

  1. kakadu

    Danke! Ihr habt mir bei den Hausaufgaben geholfen xD

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