Da hat der Stefan Winter von jetzt.de wirklich etwas Dummes verzapft. Was der Mann über „Bildblog“-Macher Stefan Niggemeier schreibt, ist so etwas von dermaßen vom Mars, dass ich extrem am ungetrübten Blick Stefan Winters auf die Wirklichkeit zweifele. Stefan Niggemeier ist einer, der sich selbst wehren kann, und das tut er auch. Gleichwohl schreibe auch ich darüber, nicht um ihm zur Seite zu stehen, sondern um anhand des Konflikts einen Grundirrtum zu thematisieren: Wer Gutes tut, möge das nicht für Geld tun.
Ja, ich weiß, es ist ein paar Jahre her, dass dieses Postulat Mainstream war. Es ist eine dümmliche, moralische Sichtweise, die Geld verteufelt. Die es in Frage stellt, wenn jemand für gute Taten Geld verdient. Zumal eine unrealistische. Denn ohne Geld kann der Mensch seine Miete nicht bezahlen und landet unter der Brücke.
Ärzte helfen Kranken und Unfallopfern und bekommen dafür Geld. Verwerflich? Ein Journalist enthüllt einen Skandal und bekommt dafür Geld. Unmoralisch? Stefan Niggemeier kritisiert die „Bild“, tut also was für die Medienkompetenz in diesem Land wie kaum jemand vor ihm, und baut das Blog dazu zum Unternehmen aus. Na und?
Gerade von der Plattform „jetzt.de“ einen solchen Unsinn abzufeuern, erscheint mir vor allem deswegen absurd, weil „jetzt.de“ eine kommerzielle Plattform ist, nämlich vom Süddeutschen Verlag. Welcher Schreiberling ist so dusselig und erkennt nicht den offenkundigen Widersinn, von dieser Plattform aus zu kritisieren, dass jemand kommerziell (also professionell und ökonomisch) arbeitet – schlicht nach den gleichen Maßstäben wie ein Verlag es tut, der eben ein Wirtschaftsunternehmen ist? Und dann noch von einer Plattform aus, auf der man sich erst aufwändig immatrikulieren muss, um einen Kommentar absetzen zu können? Was eher nach Schöpfung von Marketinghand und nicht nach Web 2.0 riecht? Sorry, aber diesen Widerspruch möge sehen, wer für „jetzt.de“ schreibt.
Mir ist nicht klar, wie man in heutigen Zeiten das „Kommerzielle“ an sich anprangern kann. Wen das „Kommerzielle“ nervt, kommt letztlich nur dagegen an, indem er selbst im herrschenden Chaos nach Geschäftsideen fahndet und sie aufzieht. Die einzige Freiheit im Kapitalismus ist das Eigentum, um mal einen alten Spruch zu bemühen. Stefan Niggemeier hat eine Geschäftsidee gefunden und zieht sie auf. Wunderbar. Er geht ein unternehmerisches Risiko ein und setzt auf seinen Erfolg. Wer groß und in Möglichkeiten denkt, ist gespannt. Wer klein und in Problemen denkt, sucht Haare in der Suppe (und wird immer, bei jedem Projekt, welche finden – egal!). Wer kreativ und ein Mensch der Tat ist, erkennt das Große, was Stefan Niggemeier da tut, und gönnt ihm den Erfolg sehr, sehr gerne. Wer fantasielos rummeckert, erkennt es nicht und pinkelt ihm ans Bein. Mein Tipp an Stefan Niggemeier: nicht mal ignorieren.
Dieses Land ist derzeit wirklich in einem merkwürdigen Zustand. Journalisten, oft von Verlagen geknechtete und ausgebeutete arme Schlucker, suchen momentan nach Freiräumen, wie sie endlich wieder normal arbeiten können. Ohne dass ihnen das Management ihre Recherchen kaputtspart und die Kilometerpauschalen drückt. Einfach eben mal wieder normal arbeiten können, wie früher, mit einem ordentlichen Output, effektiv und effizient. Dass das den wenigsten Journalisten derzeit vergönnt ist, erkennen wir an der sinkenden Qualität der Medien. Kurz vor dem Abgrund erkennen die Medien das Geschäft mit dem Internet, sie ziehen es viel zu spät und viel zu schlecht auf (Immatrikulation vor Kommentar), und genau aus dieser Ecke kommt neidische, niedere Kritik an jenen, die die Zeit verstehen. Das kapiere ich nicht. Ich kapiere nur, dass kleine Geister es wahrscheinlich nicht schaffen, sich über kurz oder lang von der Knute ihrer Verlage zu emanzipieren und wirklich erfolgreich zu sein.
Und das geht schon gar nicht mit diesem veralteten Ehrenamtlichen-Denken – völliger Unsinn. Gute Leute werden niemals ehrenamtlich arbeiten, denn sie werden immer erkennen, dass ein gesellschaftliches Defizit eine Geschäftsnische darstellen könnte. Und wenn sie wollen, machen sie eben etwas daraus. Mag sein, dass Stefan Winter die Dimension nicht erkennt, um die es da gerade geht. Doch ich glaube kaum, dass er bei anderen Innovationen der Vergangenheit gemeckert hätte, dass die Macher für ihre Leistung gerne Geld einnehmen. Sei es beim Roten Kreuz, bei Greenpeace oder Foodwatch – dass die Menschen dort Geld verdienen, ist ein Mechanismus, auf dem mithin unser ganzes gesellschaftliches Handeln und Bewegen beruht.
Nachvollziehbar wäre für mich eher der Vorwurf, warum die Bösen Geld verdienen. Aber die Guten? Das anzugreifen, ist Sache dümmlicher Neider. Lassen wir sie reden – sie verstehen nicht, worum es geht. Und lassen wir die Guten Gutes tun und damit Geld verdienen! Und gönnen wir es ihnen von ganzem Herzen!



„Gute Leute werden niemals ehrenamtlich arbeiten“ – Wie bitte??? Wo lebst denn Du?
Im Hier und Jetzt gibt es sehr viele gute Leute, die ehrenamtlich arbeiten. Und warum? Weil sie wissen, sie selbst, ihr Einsatz und ihre Fachkompetenz werden gebraucht. Im Hier und Jetzt.
Klar wäre es wünschenswert, wenn Leute, die ehrenamtlich arbeiten, besser bezahlt würden. Klar sollte man versuchen, die Situation zu ändern.
Aber ich finde es völlig falsch, ehrenamtlich Tätige abzuwerten. Was Du in diesem Satz jedoch tust. Du suggerierst, dass Leute nicht gut sein können, wenn sie ehrenamtlich arbeiten.
Sicher sind viele Ehrenamtliche in dem, was sie tun, gut. Ohne Frage. Das meinte ich nicht. Ich meinte es andersherum: Die Guten arbeiten nicht ehrenamtlich. Denn wer seine eigene Arbeit zu schätzen weiß und will, dass gute Arbeit entlohnt wird, wird kaum ohne Lohn arbeiten. Übrigens halte ich den dem Ehrenamt zugrunde liegenden alten Altruismus-Gedanken für überholt, den viele Gutmenschen vertreten. Dass manche kostenlos arbeiten, wird immer die Ausrede dafür sein, dass man diese wichtigen Jobs nicht anständig honorieren muss, weil sich ja genug Leute finden, die es auch ohne Geld machen. Andersrum: Solange es Ehrenamtliche gibt, wird es keine Lösung für die Probleme geben, auf deren Gebieten die Ehrenamtlichen ackern. Noch mal andersrum: Wer ehrenamtlich arbeitet, trägt selbst zu dem Dumping bei, das in den entsprechenden Nischen, vor allem sozialen Nischen, herrscht. Und verhindert, dass richtige Jobs entstehen.
Thilo, Du selbst arbeitest doch auch ehrenamtlich, lobenswerterweise. Du hast den Verein „Deutsche Gesellschaft für Nikotinprävention“ mit aufgebaut, ackerst engagiert zum Wohle anderer und bist sogar im Vorstand. Nach Deiner eigenen Aussage „Die Guten arbeiten nicht ehrenamtlich“ wirst Du folglich nie zu „den Guten“ gehören können. Eigentlich schade, oder?
Zum Glück für Dich ist Dein Satz „Die Guten arbeiten nicht ehrenamtlich“ eine unzutreffende Verallgemeinerung. Es gibt nämlich etliche Gegenbeispiele. Wenn Du Deutschland ignorieren willst, dann schau mal in die USA. Hier sind Ehrenämter höchst populär und gehören zu einem vorzeigbaren Lebenslauf, gerade auch für „die Guten“. Ehrenamtliche Tätigkeit wird von der Gesellschaft erwartet, ebenso wie hohe Spenden an gemeinnützige Organisationen (ob von Firmen oder Privatpersonen). Probier’s in den USA einfach mal aus, Deine Behauptung „Die Guten arbeiten nicht ehrenamtlich“ vom Stapel zu lassen. :-)
Diskussionen über Ehrenämter gibt es schon seit Jahrzehnten. Jedoch habe ich noch von keinem realistischen, wirklich durchdachten Vorschlag gehört, wie ein gesellschaftliches und politisches System ganz und gar ohne ehrenamtliche Tätigkeit funktionieren kann. Was Du aber offenbar anstrebst (jedenfalls klingt es so).
Um in großem Stil Ehrenämter durch bezahlte Stellen zu ersetzen, wäre eine gesellschaftliche Umverteilung nötig, z. B. durch Steuererhöhungen oder einen gesicherten Fluss von Spenden. Jedenfalls mindestens für diejenigen der jetzt ehrenamtlichen Tätigkeiten, für die es keinen (leicht nachweisbaren) oder nur geringen wirtschaftlichen Nutzen gibt und die als Dienste gerade den eher mittellosen Menschen gegenüber erbracht werden. Nischen zum Geldverdienen ohne entsprechende Beiträge der Allgemeinheit gibt es da wohl kaum. Die Ehrenamtlichen tragen hier nicht zum Dumping bei. Die Tätigkeit fände ohne sie einfach nicht statt.
Stellen können auch dadurch neu geschaffen werden, dass man über einige Jahre durch eine ehrenamtliche Tätigkeit zeigt, dass Bedarf besteht und sich diese Tätigkeit für die Gesellschaft letztlich auszahlen würde. Für eine solche Aufbauarbeit werden – wen wundert’s – aber gerade wieder „die Guten“ gebraucht.
Übrigens gibt es auch ehrenamtliche Tätigkeit, die als Geschenk betrachtet wird. Sollen etwa Bettlägerige dafür bezahlen, wenn der Kirchenchor kommt und für sie singt? Vielleicht tun die Chormitglieder das sogar lieber ohne Bezahlung. Und auch unter ihnen können „die Guten“ sein.
OK, überzeugt.
Vielleicht habe ich das ein wenig pauschal gesehen (oder naiv, wie bei der Bedarfshaltestelle zu lesen ist: http://www.bedarfshaltestelle......ehrenamt/) und habe damit wie ein Neoliberaler gewirkt. Ist ja auch nicht so, dass meine Meinung in Beton gegossen ist, auch wenn es so aussieht, weil ich sie vehement vertrete.
Es ist richtig, dass es viele gute Ehrenämter gibt. Die Beispiele von dir, Birgit, sind zutreffend, vor allem das Singen am Krankenbett. Die Leute dahinter sind engagierte Menschen, und es sind auch gute Menschen. „Gut“ im Sinne von wohltätig und sicher auch „gut“ im Sinne von kompetent (hängt natürlich vom Chor ab).
Am liebsten würde ich zwei Dinge differenzieren. „Ehrenamt“ und „Investition“. Ich meine mit Investition das, was Birgit beschreibt, wenn sie sagt, dass sich ein Ehrenamt „hinterher auszahlen“ kann. Wenn jemand arbeitet, ohne zunächst Geld oder Ähnliches damit zu verdienen, kann weit später etwas zurückkommen. Seien es gesellschaftliche Anerkennung, Geschäftskontakte oder auch die Schaffung von Stellen, wenn die ehrenamtliche Tätigkeit sich so zu einer bezahlten Tätigkeit mausert. Das würde ich dann eher als Investition sehen. Das machen weite Teile der Geschäftswelt so.
Das Singen am Krankenbett wäre für mich in dem Sinne keine „Investition“, sondern tatsächlich ehrenamtlich. Meist sind das Leute, die aus eigenem Antrieb Gutes tun und die den Gedanken, dass etwas zurückfließen könnte, gar nicht im Sinn haben. Sie denken „karitativ“ im Sinne von charity. Nun könnte es ja sein, dass plötzlich einer von ihnen merkt, dass er eigentlich die ganze Zeit kostenlos ein Produkt anbietet, von dem er auch leben könnte. Gelingt es ihm, das entsprechende Geschäft aufzuziehen, lebt er sein Leben im Einklang mit der Arbeit wie kaum jemand anderes. Ich sehe solche Leute halt selten.
Und dann gibt es ja noch die Theorie, dass wir nichts tun, was uns kein gutes Gefühl macht. Wonach der Lebensretter in der strengen Konsequenz nur Leben rettet, weil er kein schlechtes Gewissen oder Schuldgefühle haben will. Oder dass der Chor am Krankenbett nur singt, damit die Sänger hinterher das angenehme Gefühl haben, etwas Gutes getan zu haben. Dieser Ansatz vernichtet einerseits so ziemlich unsere ganze westliche Ethik, beinhaltet aber andererseits, dass sich im Idealfall alle Bedürfnisse aller Menschen über Angebot und Nachfrage befriedigen lassen, sogar das Singen am Krankenbett. Und dieser politisch unkorrekte Gedanke ist vielleicht ein Kern dieser Diskussion, hinter dem der naive Wunsch steckt, aus all den guten Dingen auf dieser Welt Geschäftsmodelle ableiten zu können, damit die, die es tun, auch davon leben können.
Noch ein Beispiel. Warum soll ein Arzt einen mittellosen Kranken versorgen? Wieso? Der kann doch nicht zahlen? Das wäre der Markt-pur-Denkansatz. Aus Gründen der Ethik bezahlen wir ärztliche Leistungen also meistens über ein relativ komplexes Geld-Verschiebe-System namens Krankenkasse. Warum? Damit auch der Arme Hilfe bekommt, und zwar durch Rückhalt der Gemeinschaft. Im Grunde eine Art kollektives karitatives Handeln. Erachtet man nun das Singen am Krankenbett als erstrebenswert und wäre das Land nicht pleite, könnte man es ja als Versicherungsleistung anerkennen, und schon wäre ein angeblich brotloser Job eine Leistung, die die Gesellschaft honoriert. Wenn ich mich recht entsinne, ist das Rote Kreuz auf ähnliche Weise entstanden: Zuerst lagen da verwundete Soldaten (ohne Cash und ohne Krankenversicherungskarte), dann half man ihnen ehrenamtlich, und dann wurde daraus ein kollektiv bezahlter Job und heute eine der größten NGOs der Welt, die allerdings durchaus ökonomisch rechnet.
Also eine Menge Gedanken, die vielleicht weiterführen, wichtig für mich vor allem der Gedanke der Investition, aber im Kern stimmt es natürlich: Auch gute Leute arbeiten ehrenamtlich, und sie tun es auch aus karitativen Gründen.
Es ist immer wieder erfreulich wenn jemand Texte schreiben kann. Und wenn dann der Inhalt auch noch …
Ich habe heute ehrenamtlich den ganzen Tag an einem 33 Seiten Text gearbeitet, der Laien einmal helfen soll die Qualitätsberichte von Krankenhäusern zu verstehen. Rechts und links von mir saß eine Frau und ein Mann, die das ebenso tun (die sind heute vor 5 aus dem Haus und erst gegen Mitternacht zurück, ich habe mir hier ein gemütliches Hotel gesucht und bekomme das bezahlt). Die anderen Menschen am Tisch erledigten ihre Arbeit. Wenn wir es nicht täten wären andere ehrenamtlich dran. Wenn die auch nicht wollten bliebe die Patientenseite unvertreten. Es bekäme der Aufgabe nicht unbedingt.
Heute hat es auch noch Spaß gemacht, wir waren alle guter Laune. Noch drei Termine und wir sind fertig. Ob es sich dann mal gelohnt haben wird? Kann sein. Dann ist das eine Art Lohn. Sonst eben nicht. Es ist möglich das so locker und weit weg vom Geld zu sehen.
Daraus ergibt sich für mich noch ein Ansatz. Die 33 Seiten schreibst du vielleicht nicht für ein „Vergelt’s Gott“, sondern möglicherweise für das gute Gefühl, etwas Sinnvolles und Wertvolles getan zu haben.
Nachtrag @ Birgit: Übrigens ist meine Arbeit für die DGNP e.V. nicht ehrenamtlich. Es ist mein und unser Ziel, die DGNP zu einem machtvollen Instrument für eine neue Prävention aufzubauen, das natürlich bitte professionell und ökonomisch handelnd arbeitet. Es ist auf keinen Fall das Ziel, dass die Menschen kostenlos für die DGNP arbeiten. Wir schauen selbstverständlich nach Möglichkeiten der Finanzierung und Schaffung von Stellen.
@ Thilo: Klar, das Abhalten der Seminare bekommt Ihr aus den Spendenmitteln bezahlt. Tatsächlich gemeint hatte ich die gesamte Aufbauarbeit von der ersten Idee bis zu dem gemeinnützigen Verein, wie Ihr ihn als Ziel im Sinn habt. Und vor allem die damit verbundene Öffentlichkeitsarbeit, die doch sicher viel Zeit verschlingt. Und Deine Arbeit im Vorstand. Ich drücke mich manchmal auch missverständlich aus. :-)
@Thilo: also für Gefühle zu arbeiten ist so eine Sache. Ohne Dir direkt widersprechen zu wollen sollten wir vielleicht doch den Weg ins Esotherische vermeiden. Bei Gefühlen käme sonst vor dem „etwas Sinnvolles“ vielleicht auch der „Spaß“ und damit eine andere Art von „Profit“ … das wird mir dann zu abgehoben. Wenn Du bestreitest, dass ein Mensch uneigennützig arbeitet, dann ist das zu ungenau. Wenn ich behauptete, dass jede ehrenamtliche Arbeit völlig frei von egoistischen Gründen wäre, dann wäre das bestimmt zu romantisch. Überfordern wir Menschen nicht: es ist mal so und mal so. Aber schaden möchten Menschen mit ehrenamtlicher Arbeit nicht. Meist tun sie es auch nicht. Jedenfalls schaden sie nicht mehr als jene, die hauptamtlich arbeiten.
Zum Thema Prävention können wir uns dann ein andermal streiten, da bin ich in meiner ehrenamtlichen Arbeit öfter mit befasst.
Bei Geld hört die Freundschaft auf, wird sprichwörtlich kolportiert. Aufs Internet heißt es dann übersetzt, einer, der WErbung auf seinem Blog schaltet, ist jetzt einer von denen und keiner der Bloggemeinschaft. Wer richtet hier eigentlich? Einer, der das ungeschriebene Gesetz bricht, mit dem Bloggen nur ja kein Geld zu verdienen, das sei dann gegen die Blogger-Ethik.
Eine hübsche, naive Denke von gestern, würde ich sagen. Deshalb ist Winter keine Silbe wert; es lohnt sich nicht, solchen Leuten mit Argumenten entgegen zu stellen. Man sollte sie ignorieren. Oder noch besser: Man sollte sie gar nicht erst ignorieren.
Was ehrenamtliche Arbeit betrifft, das geht nirgends ohne Geld. Das ging es noch nie. Ehrenamtlich heißt nämlich nicht ohne Geld, sondern ohne Gewinn. Das ist ein Unterschied; und zwar ein bedeutender. Jeder selbstgebackene Kuchen, der von einem Verein auf einem Dorffest angeboten wird, muss entgeltich abgeben werden, damit die Kuchen-Unkosten von Mehl, Eiern, Milch, Zucker, Hefe und dergleichen genauso beglichen werden kann wie die Stromrechnung des Vereins, der mit dem Kuchenerlös Schulmatrial in der dritten Welt mitfinanzieren will.
Und wenn ich Niggemeiers Initiative richtig verstehe, dann ist sie ein gesellschaftlich wertvolles Projekt, in welchem es um Medienkompetenz geht, die mehr und mehr unterwandert wird und welche jener Winter kaum besitzt.
Insofern muss Niggemeier weiter unterstützt werden, weil wir – zumindest die aufgeklärte Hälfte des Internets und der Blogger – wollen, dass Niggemeier mit seinem Projekt erfolgreich bleibt. Wer macht es sonst, wenn nicht Niggemeier, der zugegebener Maßen auch zuspitzt und polarisiert. Bitte weiter so.
Ach, Cujau. Aus dem ehrenamtlichen Urlaub zurück? ;-)
@ Birgit: Wir bekommen kein Geld aus Spendenmitteln bezahlt, wenn wir Seminare geben. Momentan machen wir das alles ohne Honorar, einfach weil wir den Verein aufbauen. Meine Arbeit im Vorstand beschränkt sich auf ein wenig Vereinsmeierei, das Verfassen von Texten für Broschüren und Webseite, auf Interviews, Koordination unseres Expertenpools und das Abstecken der groben Richtung. Die Initiative von so etwas ist oft ohne Honorar, aber es ist nicht ehrenamtlich, sondern eine Investition in die Zukunft. Ziel ist wie gesagt ein schlagkräftiger e.V., und den bauen wir eben auf. Alle aktiven Beteiligten sind übrigens hauptberuflich Selbstständige. Keiner verlangt für die Aufbauarbeit kleinkariert Geld, sondern alle wissen, dass sie etwas Gutes aufbauen, was später einige Arbeitsplätze schaffen wird. Es ist kein Ehrenamt, sondern wie gesagt eine Investition.
@ Wolf: Ja klar, stimmt schon – Gefühle als Honorar, das klingt schon ein wenig abgedreht … Dennoch bin ich überzeugt, dass wir letztlich alles tun, um ein gutes Gefühl zu haben. Dass so wenige Entscheidungen auf unserer schönen grausamen Welt rational sind, ist dafür ein Indiz. Ich gehe sogar noch weiter: Selbst der extremste Kopfmensch lässt sich von Argumenten letzten Endes doch nur deswegen überzeugen, weil er damit ein gutes Gefühl hat. ;-)
@Thilo: Cujau urlaubt weiter; ehrenamtlich sicher nicht, weil er dafür gar Geld hergibt; und das mit Freuden, denn das Leben hier in Asturien scheint liebenswert lebenswert – Spanien, Berge, schroffe Küste, guter Wein, bester Käse – auch das ist Spanien. Bekomme hier ehrenamtliches Internet; kostenlos, aber nicht umsonst. ;-)