Übertreibungen bagatellisieren

 

„Ich glaube, wir sollten alles daran setzen, weder die Dinge zu sehr zu dramatisieren, noch sollten wir sie bagatellisieren.“ Ein Zitat von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Thema Terrorismus-Gefahr in Deuschland im Sommerinterview der ARD.

Es ist gut, dass die Regierung der Bundesrepublik Deutschland Dinge weder aufblasen noch kleinreden will. Es ist merkwürdig, dass es nötig ist zu erklären, dass die Dinge Dinge sind und weder aufgeblasen noch kleingeredet gehören.

Wenn in meiner Küche die Milch überkocht, dann kocht die Milch über. „x ist x, da gibt’s nix“, wie einmal mein Mathelehrer sagte. Da setze ich alles daran, aber auch wirklich alles, dass wir die überkochende Milch weder sehr dramatisieren, noch dass wir sie bagatellisieren. Überkochende Milch ist überkochende Milch, nicht mehr und nicht weniger. Terrorismus-Gefahr ist Terrorismus-Gefahr, nicht mehr und nicht weniger.

Mein Wunsch an die Medien wäre, auch in der Sommerpause nur Politiker-Zitate mit Substanz zu bringen. Kein Thema, dass der Kanzlerin in einem Interview einmal ein Satz mit wenig Aussage herausrutscht, kommt vor, kein Problem, wir alle sind Menschen. Aber warum landet es als erstes Zitat in einem Fließtext wie hier bei der „Tagesschau“? Dann scheinen ja wohl keine Bringer mehr zu kommen. Merkwürdig angesichts der Überschrift „Merkel will Online-Durchsuchungen“.

Wobei ein bisschen Dramatik ja offenbar auch in den Augen der Kanzlerin in Ordnung ist: „weder die Dinge zu sehr zu dramatisieren“, heißt für mich, dass Frau Merkel gegen ein wenig Dramatik nichts hat. Vielleicht durch Online-Durchsuchungen. Oder ist es die Bemühung, nichts Hartes zu sagen, sondern im Unklaren zu bleiben?

Erinnere ich mich eigentlich falsch, oder waren die Sommerinterviews mit Kanzler Helmut Kohl (CDU) immer schön im Grünen am Wolfgangsee und nicht in einem Fernsehstudio?

2 Kommentare zu „Übertreibungen bagatellisieren“

  1. Cujau

    Einspruch! Ein solches Zitat, wie Du es anführst, ist authentisch und gehört an die Öffentlichkeit; allerdings in einem anderen Kontext als ihn die ARD gebracht hat als Sensationsmeldung.
    Es spiegelt Frau Merkels Gedankenwelt. Sie sagt fortlaufend derartige Nicht-Inhalte. Das rutscht bei ihr nicht so raus; das gehört zu ihrem Stil: bedeutugnsschwer tun und schwindsüchtiges Zeug reden.
    Es ist merkwürdig, dass die Bundeskanzlerin diese Dinge so oft so ausspricht. Sie hält es für notwendig, uns derartig einzusalben und ganz nebenbei nichts, aber auch rein gar nichts zu sagen. Sie will uns im Unklaren lassen, das ist die Botschaft an uns von ihr.

  2. Thilo

    Ja, du hast Recht. Das Zitat an sich charakterisiert die Bundeskanzlerin schon ein Stück weit.

    Vielleicht ist es ja auch nicht nur schwindsüchtiges Zeug, das uns im Unklaren lassen soll, wie du sagst, sondern es ist integrativ? ;-)

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