tagesschau.de: Rolle des Internets in autoritäten Staaten
Haben Sie schon einmal in einer Demokratie Geschäfte gemacht? Natürlich, sagen Sie? Dann sage ich Ihnen: Auf Geschäfte in einer wirklichen Demokratie müssen sich die meisten Unternehmen erst noch einstellen. Die Demokratie im eigentlichen Sinne kommt erst noch. Ihr Vehikel ist das Internet mit seinen vielen Kommunikationskanälen, und in deren Entwicklung sind wir erst am Anfang.
Das Internet spiele in autoritäten Staaten eine zentrale Rolle für Oppositionelle, schreibt die „Tagesschau“. Das ist die übliche arrogante Haltung klassischer Medien: Man tut so, als sei der Demokratiegedanke des Internets auf totalitäre Systeme beschränkt, und man tut so, als erfülle man hierzulande die Aufgaben der Medien als Instrument der Machtkontrolle auf sinnvolle Weise. Aber das stimmt nicht. Das Internet spielt auch in Ländern wie Deutschland eine enorm wichtige Rolle für Demokratie und Pluralismus, indem es den Informationsfluss stärkt. Und die klassischen Medien sollten sich wahrlich nicht rühmen, Verteidiger der Demokratie zu sein – sie waren in vielerlei Hinsicht bislang eher Verteidiger von Kungeleien.
Noch vor wenigen Jahren war es ein Hindernis für eine Meinung, wenn der Herausgeber der Lokalzeitung mit der lokalen Wirtschaft kungelte oder ihm eine politische Meinung nicht genehm war. Dann kamen unliebsame Informationen und Ideen möglicherweise gar nicht erst ans Licht. Missstände blieben unter dem Teppich, weil Unternehmer in Gemeinderäten saßen, sinnvolle Gedanken fanden nicht den Weg ins Blatt. Und so saß man letztlich über der lokalen Heimatzeitung und las kopfschüttelnd Berichte, in denen irrelevantes Geseier den Eindruck einer heilen Welt schaffen sollte, während die wahren Probleme kein Forum fanden. Die Medien wurden ihrer Aufgabe als Kontrollinstanz nur sehr unzulänglich gerecht.
Bürgerrechtlich engagierte Radiosender versuchten schon in den Siebziger und Achtziger Jahren, diese Lücke zu füllen, allerdings mit mäßigem Erfolg, weil meist auch linksalternativ und teestubenmäßig angehaucht und damit nur auf eine kleine Zielgruppe begrenzt. Stand auf der einen Seite die Arroganz der lokalen Wirtschaft und der etablierten Presse gegenüber unliebsamen Meinungen, stand auf der anderen Seite die Arroganz der Alternativen gegenüber allem Populären. Dadurch blieben die Medienkritiker schön klein. Denn das Volk trank Bier statt Tee und interessierte sich für billiges Einkaufen und Fußball statt fürs südliche Afrika und Gender-Themen. Was fehlte, waren businessorientierte Medienalternativen.
Heute überholt das Internet die klassischen Medien mal eben. Der Herausgeber der Lokalzeitung verliert von nun an schlicht Auflage, wenn er an der Realität vorbeiberichtet und das Internet zur besseren Quelle wird. Der Geschäftsmann im Gemeinderat fliegt auf, weil man, hübsch an der Lokalpresse vorbei, im Internet liest, wer wen kennt. Und das zwingt nicht nur die Medien zum Umdenken, sondern auch die Wirtschaft.
Die klassischen Medien haben als „Gatekeeper“ und „Agenda Setter“ erstklassig funktioniert: Sie haben entschieden, was als Nachricht durch darf und worüber die Öffentlichkeit spricht. Was nicht in den Medien war, war nicht Thema. Sebst heute noch berichten viele herkömmliche Medien an der Realität vorbei: Wir lesen und hören Jubelgeschichten über Produkte, die im Internet viel schlechter wegkommen – oft krachen widersprüchliche Bilder aufeinander, und viele klassische Medien geraten damit immer mehr in den Verdacht der Käuflichkeit.
Manche Journalisten fahren tatsächlich noch immer die alte Tour, als würden die Menschen nicht längst jede mutmaßliche Lüge oder versteckte Werbung übers internet aufdecken. Das Internet ist das Korrektiv geworden. Traut man einer Story nicht, schaut man mal in den Foren, was die Leute sagen, und spätestens dort finden sich die unterdrückten Wahrheiten. Während der Beruf des Journalisten in Sachen Glaubwürdigkeit etwa auf dem Level von Konzernmanagern rangiert, ist das Internet der direkte Draht der Menschen zur Bildung der öffentlichen Meinung geworden.
Und wer ist das Internet? Wir alle. „Demokratie“ manifestiert sich im Internet auf machtvolle Weise. Während in den Hauptstädten an der Realität vorbeiregiert wird, herrscht im Internet das Volk. Und dabei vergessen wir oft, dass nicht nur der Pullover strickende Bürgerrechtler das Volk ist, sondern auch der Unternehmer – vom kleinen Handwerker bis zum Konzernmanager. Seit jeher spielt der Lobbyismus eine Rolle, wenn es darum geht, dass die Bürger ihre Meinungen und Interessen der Politik zugänglich machen. Dieser Zugang war bisher allerdings nur jenen vorbehalten, die den entsprechenden langen Atem hatten. Über das Internet geht das heute viel direkter.
Letztlich überholt das Volk also die Medien, die bisher gemeinsam mit Wirtschaft und Politik den Zugang zur Macht begrenzt haben. Und das ist wahre Demokratie und ist wahrer Pluralismus: Jeder und jede kann heute neue Gedanken in die Öffentlichkeit bringen, ohne an der Arroganz von Redaktionen zu scheitern oder der Anzeigenabteilung Geld hinlegen zu müssen. Aus bürgerrechtlicher Sicht ist das ein enormer Demokratiefortschritt. Der natürlich erklärt, weshalb totalitäre Systeme das Internet und den Zugang dazu immer wieder gerne beschränken – und weshalb hiesige Medien so tun, als betreffe diese Demokratie-Entwicklung nur totalitäre Systeme.
Die Folgen sind drastisch: Wollen die Medien nicht weiter an Reichweite verlieren, bedeutet das, dass sie ihr realitätsfernes Spiel tunlichst bleiben lassen und wieder über die Dinge berichten sollten, die die Menschen interessieren (was sie nach meiner Beobachtung auch zunehmend tun). Für Unternehmen bedeutet das: Ich kann selbst an diesem Prozess teilnehmen und die Medien mit meinen Botschaften ganz einfach umgehen. Allerdings muss ich dabei offen und ehrlich sein. Das Gekungel muss ebenso aufhören wie der übliche Kundennepp, denn heute kommuniziert das Volk direkt. Die Maulsperre ist weg, man kann sich in der Redaktion nicht mehr zurücklehnen und sagen: „Zum Glück kommt an uns keine Information vorbei.“ Sobald irgendeine Art von Volksverarsche auffliegt, ist das Feedback im Internet kaum noch zu beherrschen. Und darum müssen Unternehmen künftig ein wenig anders kommunizieren als bisher.
Im alten Setting, vor dem Internet, wie wir es heute haben, unterlag die Politik zwei Filtern: 1. Was erzählen die Lobbyclubs? 2. Was bringt die Presse? Tauchte ein Problem in der Presse nicht auf, war das vielleicht ganz gut. Im neuen Setting geht das nicht mehr unbedingt. Da zählt möglicherweise viel mehr, was „die Leute“ sagen. Denn ein Gedanke lässt sich nicht mehr so leicht unterdrücken oder wegreden. Ist ein Gedanke gut, wird er sich verbreiten. Finden die Menschen eine Idee oder eine Meinung relevant, multiplizieren sie sie, ohne die Entscheidung einer Redaktionskonferenz abzuwarten. Und irgendwann kommt auch die Politik nicht mehr daran vorbei. Das ist eine Form von Demokratie jenseits der Volksentscheide, deren bürokratische Hürden offenbar eher den Sinn haben, Volksentscheide zu verhindern.
Für alle, die neue Gedanken und Meinungen in die Politik oder die öffentliche Meinung lancieren wollen, ist das die Chance, die das Internet bietet: Wir können direkt zur Meinungsbildung beitragen statt nur indirekt. Wozu noch ganzseitige Anzeigen in Zeitschriften buchen? Sinnvoller mag es sein, sämtliche Kanäle zu nutzen, die das Internet bietet. Gerade als Lobbyist. Durch das Internet fliegt die miese Tour sowieso immer häufiger auf, und wenn Lobbyismus transparent wird, wird er vielleicht auch besonders spannend.
Zugleich muss klar sein: Die Schere des Internets ist letztlich die Schere der Menschen. Menschen entscheiden, was relevant ist und was sie weitererzählen. Darum tun es keine Fake-Blogs und keine hohlen Marketingsprüche. Gerade weil sich das Volk durch das Internet nun vernehmbar machen kann, sollten Unternehmen dem Volk aufs Maul schauen wie niemals zuvor. Eine Menge PR und Werbung erweisen sich im Spiegel der Menschen als verlogen – wer ständig nur Werbesprüche twittert, dem folgen die Menschen eben bald nicht mehr. Stattdessen zählen Geschichten, Nutzen und Sinn. Da sich nur wertvolle Informationen durchsetzen, sind wir alle zu wesentlich mehr Qualität verdammt als jemals zuvor. Nicht die Idee des Mächtigsten wird sich durchsetzen, sondern die beste.
Wenn es also darum geht, wie Sie mit Ihren Botschaften am besten Menschen erreichen, sollten Sie sehr genau darauf achten, wie das Volk im Internet PR, Marketing und Werbung aufnimmt und kommentiert. Möglicherweise brechen nicht nur die klassischen Medien weg und damit die vielen Möglichkeiten, das Volk einzuseifen. Sondern möglicherweise ist nun auch eine Zeit angebrochen, in der Unternehmen nicht mehr lügen sollten, wenn sie mit ihren Produkten erfolgreich sein wollen.
Wie sieht diesbezüglich Ihre individuelle Strategie aus? Wie nutzen Sie diese neue Entwicklung, um Ihre Gedanken und Produkte zu multiplizieren?




Reality check: Welches Blog macht tatsächlich dem Lokalteil einer Tageszeitung Konkurrenz? Außerhalb von Heddesheim: keines.
Wenn wir hier nur über den Status Quo sprechen würden, wäre das ja auch langweilig. Jede Entwicklung beginnt mit einem Schritt. Vielleicht ist es hier Heddesheim.
menschen sagen/schreiben im netz, was für sie relevant ist.
ob sie damit näher am leben sind???? jeder kann neue gedanken unters volk bringen – stimmt. es stimmt aber auch, dass es die kuriosesten, dümmsten und verquersten gedanken sein können.
internet=mehr demokratie=mehr pluralität
nur narren sind so einfältig.
sie schreiben:
Heute überholt das Internet die klassischen Medien mal eben.
haben sie dafür belege mal eben zur hand??
Zitat:
„Der natürlich erklärt, weshalb totalitäre Systeme das Internet und den Zugang dazu immer wieder gerne beschränken – und weshalb hiesige Medien so tun, als betreffe diese Demokratie-Entwicklung nur totalitäre Systeme.“
Da gebe ich Ihnen recht und das ist in der Tat merkwürdig. Demokratie ist kein Zustand, sondern muss immer wieder neu gewonnen werden, von jeder Generation. Aber dieses Bild wäre viel zu kompliziert zu vermitteln, wer will sich schon anstrengen? Das Internet ist zunächst einmal eine riesige Klatsch- und Tratschbörse und nicht zwingend der Tummelplatz unterdrückter Heroen der Straße.
Aber immerhin: Es bietet die Möglichkeit zur Darstellung und Wahrnehmung alternativer Sichtweisen, wenn die Suchmaschine mitspielt.
Zitat:
„Traut man einer Story nicht, schaut man mal in den Foren, was die Leute sagen, und spätestens dort finden sich die unterdrückten Wahrheiten.“
Ob das alles „Wahrheiten“ sind und ob die wirklich „unterdrückt“ werden, mag aber bezweifelt werden. Oft genug sind es nur unreflektierte Meinungen und auch hier, Stimmungsmache. Was „wahr“ ist, muss immer noch selbst herausgefunden werden.
Zitat:
„Eine Menge PR und Werbung erweisen sich im Spiegel der Menschen als verlogen – wer ständig nur Werbesprüche twittert, dem folgen die Menschen eben bald nicht mehr.“
Ja, die Möglichkeiten zur Aufdeckung werblichen Unfugs sind deutlich gestiegen.
„Wollen die Medien nicht weiter an Reichweite verlieren, bedeutet das, dass sie ihr realitätsfernes Spiel tunlichst bleiben lassen und wieder über die Dinge berichten sollten, die die Menschen interessieren (was sie nach meiner Beobachtung auch zunehmend tun). “
SZ-Online zum Beispiel tut das mehr und mehr: Heute war es ein großer Bericht über die Tätowierungen einen britischen Fussballers (Beckham). Anzunehmen ist leider, dass „die Menschen“ sowas am meisten interessiert.
Noch besseres Beispiel ist die Blödzeitung: die bringt ausschließlich das, was „die Menschen interessiert“.
Mit anderen Worten: so einfach isses nich.
Willi: Pardon, ich denke nicht in Belegen und werde Ihnen auch keine liefern. Mir sind Belege egal.
Andreas: Vielleicht sind Sie ja in der Lage und erkennen in den Foren, was Unsinn ist und was nicht? Davon gehe ich doch aus. Wenn Sie in der Presse lesen und hören, wie leicht und toll Windows 7 ist, inklusive dem Update von Vista, und Sie erleben mit Ihrem Rechner das exakte Gegenteil, dann finden Sie das nicht in den offiziellen Medien wieder, sondern in den Foren. Und die Trolle dort wegzufiltern, gehört inzwischen zur Informationskompetenz, denke ich.
Jeeves: Aus meiner Sicht sind die Beispiele von SZ Online und der „Bild“ kein Teil der Entwicklung, die ich beschreibe.
tja thilo,
ihr prinzip:
ich behaupte was, ob es stimmt oder nicht ist egal.
ich verzichte auf solchen unsinn.
Dann bitte. Es wird Frühling draußen. Wer braucht dafür Belege? Ich bezweifle, dass das Belege-Denken geeignet ist, für die Probleme dieser Welt originelle Lösungen zu finden.
Zum Thema Denkweisen siehe bitte hier:
http://www.thilo-baum.de/loung.....ungskraft/
Schön wäre es, wenn es denn wirklich so wäre. Aber ich nehme die Entwicklung eher in die andere Richtung wahr. Die demokratische Zeit des Internet nähert sich dem Ende. Die bisher überraschten und digital überforderten Gegner sammeln sich zum Gegenangriff. Dieser erfolgt dann nicht peinlich und vorhersehbar ebenfalls im Internet, z.B. durch Gegenblogs oder lancierte Informationen. Nein, er erfolgt AUF das Internet und die damit verbundene Freiheit und Demokratie. Blogger sagen etwas, was uns nicht gefällt? Eine Abmahnung mit Strafandrohung in sechsstelliger Höhe beendet dann dieses Ärgernis. Ob das nun unerwünschte Informationen waren oder nur der Markenname in ein schlechtes Licht gerückt wurde. Sicher, viele Gerichtsverfahren würden für den Blogger entschieden werden, aber im Gegensatz zu Politikern und Wirtschaftsgrößen verfügen die meisten nicht über genug Geld und Freizeit (bzw. eben mehr Geld, um sich jemanden zu leisten, der sich darum kümmert), um das in mehreren Instanzen durchzuziehen. Und vor allem: Geht es daneben, ist der Privatmensch pleite. Verliert die Gegenseite sind das Peanuts.
Die andere Maßnahme geht noch weiter: Man „verbietet“ das Internet. Weil ja alles im Netz nur der Kinderpornographie, dem Terrorismus und den „Raubkopierern“ dient, muß es verboten werden. Aber weil man so gnädig ist, wird man es nicht stillegen, sondern nur überwachen. Ja, jede kleine Äußerung, ob in einem Blog, in einer Email oder über Skype, wird überwacht werden. Und wenn da was kommt, was dem Regime…pardon, der Regierung nicht gefällt, dann kommt die Exekutive vorbei.
Man will den Geist der Freiheit und Demokratie im Netz wieder in seine Flasche stopfen, wo man ihn kontrollieren kann. Dazu nutzt man Lügen, Halbwahrheiten, faktenlose Unterstellungen und unbewiesene Aussagen von selbsternannten Experten. Eine Konfrontation auf Augenhöhe, also im Netz Politik/WirtschaftBürger traut man sich nicht. Denn da wäre man ja tatsächlich zur Ehrlichkeit gezwungen und das läuft dem System entgegen. Die letzte glaubwürdige Äußerung eines Politikers war vermutlich „Hol‘ mir mal ’ne Flasche Bier, sonst streik ich hier“ vom angesäuselten Schröder.
Man muß sich von der Vorstellung verabschieden, daß die Politik irgendetwas tun wird, was tatsächlich dem Bürger einen Vorteil bringt, aber nicht ihnen selbst oder einem ihrer Lobbyfreunde. Den idealistischen Politiker gibt es nicht. Den, der sich tatsächlich als Angestellter des Volkes sieht und der einen guten Job machen will, damit es allen Menschen besser geht. Und aus diesem Grunde wird JEDER Politiker alles daransetzen, echte Demokratie und kontrollfreie Meinungsäußerung zu unterbinden.
Und sie haben die Mittel dazu, denn sie sind die Gesetzgeber. Bisher hat uns zwar das Bundesverfassungsgericht noch vor den verfassungsfeindlichsten Einwürfen geschützt, aber das kann es nicht ewig schaffen. Auch Richter sind bestechlich oder haben eine persönliche Agenda. Und es ist leider auch kein Verbrechen, immer wieder verfassungsfeindliche Gesetze einzubringen, die dann vom BVerfG gekippt werden.
Wenn wir nicht massive Änderungen bewirken, in der Art und Weise, wie Politiker schalten und walten dürfen, wie Gesetze legitimiert werden, ist das Ende der Demokratie bald erreicht. Vermutlich per Gesetz und mit der Begründung, daß es ja undemokratisch wäre, wenn Kinderpornoraubkopierterroristen auch an Wahlen teilnehmen dürften und weil man ja nie wissen kann, wer so einer ist, sollte lieber niemand mehr wählen. Und wer das nicht gut findet, ist ein Verfassungsfeind.
Das Internet wird zum Zwischennetz, Zugriff auf ausländische Seiten erfolgt nur mit Berechtigung von oben und unter voller Kontrolle. Inländische Seiten dürfen nur von wohlgelittenen Personen betrieben werden. Sämtliche Zugriff werden überwacht.
Alles ist damit wie es sein soll. Die Politiker wissen doch auch viel besser, was für jeden einzelnen am besten ist. Wer anderer Meinung ist, hat einfach die falsche Meinung und sowas kann man doch nun wirklich nicht zulassen. Schon der Lehrauftrag des Staates gebietet, solche Fehler zu korrigieren…
Daher, lieber Thilo, sind wir solange nicht auf einem guten Weg in die Demokratie, solange die Mächtigen im Staate noch die Möglichkeit haben, korrigierend einzugreifen. Mag sein, daß ich das zu schwarz sehe, aber die Erfahung lehrt uns, daß man lieber nicht auf Einsicht und Weisheit bei Regierungen hoffen sollte.
D.
Bei solchen Artikeln erinnere ich mich wieder daran, dass die ganzen „Nerds“ und „Computerfreaks“ immer noch so belächelt und verachtet werden.
Offensichtlich haben diese Leute, die mit 40 noch das von der Mutter gekaufte Karohemd tragen ( :-D ) etwas geschaffen, was in Bezug auf die Wirkung auf Politik und Medien mindestens der Erfindung des Buchdrucks ebenbürtig ist.
Das sollte mal gesellschaftlich ein wenig anerkannt werden!
Sicher, das waren nur einzelne Pioniere, die an der Entstehung des Internets mitgearbeitet haben, aber die Vorurteile gegenüber Computerfreaks basieren auch nur auf einzelnen introvertierten „Versagern“.
Davon unabhängig sollten heutige Schüler noch stärker an den Umgang mit Medien herangeführt werden, als das im Rahmen des Sozialkunde- und Deutschunterricht geschieht. Gerade durch das Überangebot an Meinungen und Informationen im Internet wird es immer wichtiger, selbst journalistische Fähigkeiten zu entwickeln! Der Journalismus scheint nun auch demokratisiert zu werden und das sollte die Bildungspolitik nicht auch noch verschlafen.
Davidoff, danke! Endlich mal jemand, der die Aussage erfasst, statt sich in Details zu verbeißen.
Ich sehe das weitestgehend so wie du, und darum halte ich es für enorm wichtig, dass wir diese Dinge so formulieren, wie du und ich das tun. Ich sehe die Tendenz bei den klassischen Medien, das Demokratiepotenzial des Internets nur hinsichtlich totalitärer Systeme zu würdigen. Alleine das hilft schon jenen, die bei uns das Internet beschränken wollen.
Und indem ich dazu motiviere, das Internet im Sinne eines demokratiestiftenden Mediums zu nutzen, möchte ich der Entwicklung, wie du sie beschreibst, entgegenwirken. Ich sehe nämlich beide Entwicklungen – die pro und die contra Demokratie. Wichtig ist, dass wir diesen Konflikt thematisieren.
Unterscheiden würde ich zwischen staatlichen Eingriffen und zivilrechtlichen Eingriffen etwa in Form von Abmahnungen etc. Gegen Ersteres solltest du dich politisch wehren, gegen das Zweite mit einem guten Anwalt. Beides in einen Topf zu werfen, halte ich für gefährlich, weil es das differenzierte Bild derer verwässert, die deine Freiheit einschränken möchten.
Thilo: Ihnen sind Belege egal? Es reicht, wenn Ihre Vorstellung von der Welt in Ihrem Kopf (und Ihrem Blog) sind, der Bezug zur Wirklichkeit ist irrelevant? – Oha!
Im Internet finden man jeden Schwachsinn, Verschwörungstheorien, jeder (Aber-)Glaube findet seine Plattform. Nicht immer erkennt man sie als Belege der Dummheit ihrer Urheber. Das sei Ihrer Ansicht nach jedoch zu tolerieren, da einfach auszufiltern, die beschränkte Berichterstattung in den Medien jedoch verurteilenswert?
Sie vertreten eine Meinung, die mir durch Widersprüche gekennzeichnet scheint.
Sorry, wenn etwa die c’t schreibt, das Update von Vista auf Win7 sei einfach, dann glaube ich es denen. Wenn Sie schreiben, Sie hätten Probleme, vermute ich die Ursache dafür nicht bei Windows.
PhilLab: Ja, dafür sollten wir den IT-Nerds auch sehr dankbar sein. Letztlich aber, glaube ich, waren es Menschen mit Visionen, die das Ganze entwickelt haben. Jemand wie Bill Gates war beispielsweise niemals für mich ein „Nerd“, aber vielleicht sind das ja einfach nur verschiedene Vorstellungen von Begriffen.
Ich denke, Innovationen werden schlicht nur sehr selten von konform denkenden Menschen geschaffen. Die meisten kippen die Erwartungen und Konventionen über Bord und machen einfach ihr Ding. Gates hat vor der Entwicklung von DOS bestimmt keine Umfrage unter Amerikanern gemacht, ob sie zu Hause einen Computer nutzen würden. Es war unvorstellbar (und es gab insofern auch keine „Belege“ für die Notwendigkeit von Computern zu Hause). Das unterscheidet den divergent denkenden Visionär vom konvergent denkenden Regelbefolger.
Hubert: Sie sind offenbar auch angetreten, um nicht verstehen zu wollen, was gemeint ist. Nein, ich liefere keine Belege fürs Offensichtliche, und wenn Sie welche brauchen, tut mir das Leid.
Ich kümmere mich nicht selbst um meine Windows-Rechner, ich gebe das ab. Insofern geht Ihre subtile Unterstellung der Dummheit ins Leere.
Anders, als zunächst behauptet, fehlten jede Menge Treiber, und das ist auch ausreichend diskutiert. Bei mir fehlte sogar der Treiber für die Grafikkarte eines nagelneuen Rechners, der gerade erst auf Vista lief. Ich glaube nicht, dass Threads wie dieser:
http://forum.chip.de/windows-7.....44766.html
dafür sprechen, dass es einfach war. Das Problem war oft, dass der Rechner sich nach dem Update in einer Endlosschleife verfing. Es gibt noch viele weitere dieser Threads, und MS fiel dadurch auf, dass es keine Lösung parat hatte.
Anyway, aufgrund des Ärgers arbeite ich jetzt auf Mac und bin glücklich.
Hubert, Nachtrag extra für Sie und c‘t:
26.10.2009, 15:01 Uhr
Autor: Panagiotis Kolokythas
User-Beschwerden
Windows 7-Upgrade von Vista führt zu endlosen Reboots
Einige Windows-7-User, die von Windows Vista auf das neue Betriebssystem upgraden wollen, haben mit nicht enden wollenden Reboots zu kämpfen.
Im Support-Forum von Microsoft melden sich User zu Wort, bei denen das Upgrade von Windows Vista auf Windows 7 schief läuft. Der Fehlversuch endet damit, dass der Rechner immer wieder neu startet, ohne dass dabei Windows 7 erfolgreich installiert wird.
http://www.pcwelt.de/specials/.....n_reboots/
Oder auch hier:
Windows 7 – Upgrade Unsuccessful -Reboot Loop
http://social.answers.microsof.....128cc5f86c
Und für Sie genügt es als Beleg, wenn c’t etwas behauptet? Na aber hallo. Mir aber gleich vorwerfen, dass ich solcherlei Art Beleg hinterfrage. Ich habe für meine Zweifel gegenüber der Beleggläubigkeit weiter Teile naturwissenschaftlich oder it-technisch orientierter Denker schon meine Gründe.
> Unterscheiden würde ich zwischen staatlichen Eingriffen
> und zivilrechtlichen Eingriffen etwa in Form von
> Abmahnungen etc.
Das eine ist das Werkzeug der Politik, die eben die Macht hat, es einzusetzen. Die braucht sich nicht die Mühe machen und sich auf einer tieferen Ebene mit Rechtsstreitigkeiten zu ärgern, sie macht sich einfach das Recht, wie es ihr gefällt.
Das andere ist das Werkzeug der Wirtschaft, die (noch) nicht genug Einfluß auf die Politik ausüben konnte, um sich ihr Gesetz zu kaufen. Da muß man dann eben die Abmahnungskeule schwingen.
Beide verbindet, daß ihr Zweck einzig ist, die eigenen Pfründe zu schützen und Schwächere durch ihre Überlegenheit in Sachen Macht und/oder Geld zu unterdrücken. Selbst wenn man eindeutig im Recht ist, ist es oft finanziell günstiger, die Abmahnung zu zahlen und sich daran zu halten, als vor ein Gericht zu ziehen und dort zu siegen. Allein die Anwaltskosten übersteigen meist den Abmahnbetrag.
So gesehen kann man da zwar unterscheiden, aber es ist eher eine Feinunterteilung.
Davon ausgenommen sind natürlich zivilrechtliche Klagen, die tatsächlich angebracht sind, wenn es z.B. um Beleidigung oder Schlimmeres geht.
Aber ich glaube, im Prinzip sind wir dennoch einer Meinung ^^
D.
Lieber D., ja, sind wir. Sicher. Für mich ist die Feinunterteilung hier aber wichtig. Warum? Weil es zu verschwörungstheoretisch ist, sie zusammenzuwerfen. Nur wenn man differenziert darauf reagiert, hat man dagegen eine Chance.
Beispiel: Webseiten wasserdicht machen, sich mit Presserecht befassen, einen RA ans Impressum setzen und so weiter. Viele Abmahnungen sind zwar nicht gerechtfertigt, und mancher, der vermutlich bei einer gerichtlichen Prüfung im Recht wäre, scheut den Konflikt und gibt nach. Andere Abmahnungen dagegen sind gerechtfertigt. Und gegen die hilft es nur, sich wasserdicht zu machen. Es gibt Kanzleien, die machen deine Webseite fit und versorgen dich wie bei einem Abo mit sämtlichen rechtlichen Neuerungen.
So, und jetzt möchte ich mich fürs Erste verabschieden, ich fahre jetzt nach Hamburg zum Xing-Moderatoren-Treffen. Kommentare gebe ich heute Abend wieder frei, sofern sie das Thema weiterbringen und nicht auf irrelevanten Details herumreiten. Das Detaildenken an sich trägt nämlich auch dazu bei, dass die Menschheit wesentliche Entwicklungen verpennt. Während der Sturm schon längst aufzieht, sind die Konvergenzdenker noch am Belegesammeln.
Ich glaube nicht dass das Internet die Lokalmedien ablösen wird. Der einzige Blog den ich kenne, in dem über lokales aus meiner Stadt geschrieben wurde, wurde geschlossen. Hat letzten endes keine Sau interessiert.
Und für mich wird das Internet niemals eine Lokalzeitung ablösen können. Man muss ja nicht jeden Schwachsinn gleich für bare Münze nehmen ;)
Ich halte es für eine wichtige Beobachtung, dass u.a. die Tagesschau (natürlich auch als Konkurrent der Internetmedien) sich lieber mit dem Demokratiedefizit im Iran als mit dem in Deutschland auseinandersetzt.
Zu glauben oder zumindest zu behaupten, dass die Strukturen des Internets zwangsläufig zur Demokratisierung der Medien beitragen, halte ich aber für zu kurz gegriffen. Lobbyismus in einschlägigen Foren klappt und wird immer besser, Gatekeeper sind in ihrer Funktion vielleicht abgeschwächt, aber noch lange nicht überwunden, zumal noch neue entstehen. Und erst recht ist es kein Naturgesetz, dass die Entwicklung in diese Richtung weitergeht.
Das Internet schafft neue Möglichkeiten, keine Frage, aber daraus zu schließen, dass sich von diesen Möglichkeiten automatisch die wünschenswertesten durchsetzen, ist ein Schluss, den ich nicht nachvollziehen kann. Vor allem aber behindert dieser Schluss einen ganz wichtigen Prozess, nämlich die Suche nach nötigen Maßnahmen, die dazu führen, dass das (positive) Potenzial des Internets auch tatsächlich Früchte trägt.
Dazu geht Ihre Einschätzung davon aus, dass große (Monopol-)Medien ihre Macht lediglich aus einem Informationsmonopol im Sinne von Kommunikationskanälen besteht. Das ist auch sehr kurz gegriffen. Die Macht von alten Medien speist sich nicht zuletzt auch aus eigenem Kapital, Arbeitsplätzen und anderen Aspekten der Etabliertheit, die ihnen eine Machtposition jenseits der Informationshoheit gewähren.
Das zum Inhalt, nun noch eins zum Stil:
„Nein, ich liefere keine Belege fürs Offensichtliche, und wenn Sie welche brauchen, tut mir das Leid.“
Jemand bittet um Belege, und Ihre Reaktion ist, dass Sie das doof finden? Wozu schreiben Sie einen Bericht über nicht weniger als 15 Absätze, wenn Ihrer Meinung nach sowieso jeder vernunftbegabte Mensch sehen kann, was Sie sehen?
Lieber Ommelbommel, nur weil jemand um Belege bittet, muss ich doch keine liefern. Auch so ein gängiger Irrtum, dass man Fragen in jedem Fall beantworten muss. Das ist ja die Sache, gegen die ich mich wehre. Dass Menschen Fragen nutzen, um die Bedeutung einer Botschaft zu ignorieren und die Diskussion aufzuhalten. Nein, es steht mir frei, Fragen zu ignorieren. Ist das was Neues?
Der fragliche Kommentator beleidigt mich inzwischen mit Kommentaren und ist jetzt auf der Spamliste.
@ Jan
Das sie die Tageszeitung für Informationen tatsächlich dem Internet vorziehen, halte ich für peinlich. Außer fürs Klo kauf ich mir keine Lektüre mehr und sobald Tablet pcs irgendwann mal besser sind als heute , dann werde ich auch diese Lektüre für das Internet und vielleicht noch PDFs eintauschen.
Es mag viel Schund im Internet geben, aber wer wirklich ungefilterte und unmanipulierte Infos haben will, der kommt um die eigene Recherche im netz nicht drum herum und als Medium hat das Internet alle anderen Medien schon bei weitem überholt, das einzige was die Statistik dabei drückt sind ältere Mitbürger und dessen Skepsis vor allem neuen.
Zur Demokratie gehört auch, Dinge nicht zu tun, wenn man das selbst für richtig hält. Eben auch nicht tun zu müssen, selbst wenn die Mehrheit glaubt, es sei notwendig. Es gibt nämlich keine Bringeschuld in der Demokratie gegenüber der Mehrheit, sondern zunächst eine gegenüber der Minderheit. Jedem nicht meine Meinung, sondern jedem seine Meinung, und dafür gilt der indviduellen Meinung jeder Schutz in einer Demokratie.
Meinung bedarf keiner Belege, sie bedarf eines Standpunktes. Nicht sowohl als auch, sondern so. Und dazu darf sich jeder positionieren. Das Schöne daran: Man muss es nicht. Nur: Wer es tut, darf Gegenwind erwarten. Er muss allerdings keine Schmähungen ertragen. Die darf er – individuelle Meinung – einfach ignorieren.
@ Mäcki: Meines Erachtens müssen wir Informationen *immer* prüfen. Egal, ob sie in der c’t stehen, im lokalen Heimatregionalblättchen oder im Netz. Das ist eigentlich immer so, das gilt in meinen Augen für jedes Medium.
@ Cujau: Guter Gedanke. Wenn jemand eine Tendenz sieht, können Belege dafür auch Unsinn sein. Eine Meinungsäußerung lässt sich ja nun nicht beweisen.
In dem Zusammenhang noch mal der Hinweis auf den grundsätzlichen Unterschied zwischen Tatsachenbehauptung und Meinungsäußerung:
http://www.thilo-baum.de/loung.....r-meinung/
… woraus auch folgt, dass beispielsweise die Holocaust-Leugnung nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt sein kann:
http://www.thilo-baum.de/loung.....chtssache/
Manueller Trackback vom Grimme-Online-Preisträger carta.info:
http://carta.info/24109/vorsic.....tie-kommt/
Davidoff, Nachtrag. Du schreibst:
>Die bisher überraschten und digital überforderten Gegner sammeln sich zum Gegenangriff.
Das ist doch mal eine wunderbare These. Darüber würde ich gerne mal einen Aufsatz lesen.
@ Jan: Dass Blogs den Tageszeitungen bislang nicht wirklich Konkurrenz machen, liegt meines Erachtens an der mangelnden Professionalität von Blogs.
Der Umgang mit Informationen und das Schreiben sind journalistisches Handwerk, das weitestgehend unterschätzt wird. Geordnet zu denken und tatsächlich Dinge mit Nachrichtenwert auf den Punkt zu bringen, das können selbst nur wenige Journalisten gut.
Darum brauchen Blogger nicht nur Kurse in Medienrecht, damit sie sich keine unnötigen Abmahnungen einfangen, sondern auch schlicht Know-how in Sachen Schreiben.
Die typischen links, bürgerrechtlich und autonom geprägten Blogger lehnen beides ab: 1. sei Medienrecht Unsinn, weil es Freiheitskampf ist, gegen Anwälte in den Krieg zu ziehen und bei einer Niederlage laut zu heulen, und 2. denken sie, sie hätten Sprechen und Schreiben als Kinder gelernt, was schlicht nicht der Fall ist.
Um den Bogen zu Davidoff zu ziehen: Es kommt den demokratiefeindlichen und verfassungsfeindlichen Bestrebungen gegen das Internet durchaus entgegen, dass die Blogosphäre sich großteils aus Menschen zusammensetzt, die weder von Nachrichtenwert noch von Presserecht eine Ahnung haben. Da können diese Blogs lange von Demokratie faseln, solange sie handwerkliche Fehler machen, nimmt man sie nicht ernst.
Es geht also um eine Professionalisierung dieser neuen Medien im Internet, wenn wir sie wirklich sinnvoll nutzen wollen. Wenn ein Blog professionell und verfassungskonform ist, wird man es nicht kleinkriegen, und dann kann es Tageszeitungen und andere klassische Medien überholen.
Zum Thema Lokalzeitung vs. Internet noch eine Anmerkung:
Das ist soweit ja sehr schön, wenn das Internet den Zeitungen einen Rang ablaufen will, soll und kann. Konkurrenz kann nie schlecht sein, solange die Konkurrenz verfügbar ist. Denn noch ist auf dem flachen Land das Internet hochgradig im Rückstand. Warum? DSL ist lange nicht so verbreitet wegen der nicht vorhandenen Bandbreite in den Leitungen; neue zu verlegen, ist reichlich teuer.
Also gibt’s hier ein Defizit, das sich auch auf die Demokratie auswirkt. Wer weniger Informationen zur Verfügung hat als andere, wird abgehängt – Info-Schere. Also besitzen da draußen wieder wenige mehr Informationen als die Masse; und die wenigen haben enormen Enfluss auf die öffentliche Meiniung mit ihrer veröffentlichten Meinung.
Die kann in einer Lokalzeitung doch einfacher verbreitet werden. Allerdings: Der Zuspruch zu Zeitungen sinkt im Allgemeinen; Print ist auf dem Rückzug – keine Meinung, ein Fakt. Und somit sinkt die Verbreiteung von Informationen und Meinungen, was wiederum bedeutet, es existieren nur wenige Meinungen. Nur: Demokratie lebt von Meinungsvielfalt. Von Pluralität.
Wer das für absurd hält, darf gern mal aufs flache Land in Brandenburg, Sachsen-Anhalt oder MV gehen und dort nach Meinungen wie nach DSL suchen. Es wird beides geben; aber überschaubar weniger als in Ballungsgebieten. Kausalität von DSL und Demokratiegrad – eher schon statt umgekehrt.
@ Cujau: Auch ein wichtiger Gedanke. Ich bin ja von Berlin raus nach Brandenburg gezogen, und wir hatten hier erst kein DSL.
Was viele nicht wissen, ist, dass es halbwegs gute Satellitenlösungen gibt, ich habe hier eine Schüssel von http://www.filiago.de. Die Kosten sind relativ hoch, aber man hat Netz.
Dann gab’s hier DSL, und ich habe meinen Telefonanschluss entsprechend aufgemotzt. Der nächste DSL-Knoten ist drei Kilometer weg, weil ich hier mitten im Wald wohne, also ist das Ding langsamer als versprochen.
Und so nutze ich nach wie vor beide Kanäle: Das DSL für den Alltag, und den Satelliten für stramme Down- und Uploads.
Was den Demokratiegedanken angeht, spielen hier in den Dörfern vor allem überregionale Printmedien eine Rolle und natürlich – vor allem – die Kneipen. Und sobald Strom ausfällt (oder die Satellitenverbindung wegen eines Gewitters über Warschau), sitzt man eben im Winter am Kaminfeuer oder im Sommer am Feuer auf der Wiese.
Professionalisierung von Blogs findet ja momentan auch ohne die klassischen Medien statt und zwar durch Vermarktung des eigenen Standpunktes. Wer vermeintlich meinungsbildend ist, wird bei Meta-Blogs gebucht und als Gastblogger der klassischen Medien verpflichtet – siehe Niggemeier, DonAlphonso oder Trainer Baade. Schon unterliegen sie den Old-Media-Regeln. Allerdings ohne sie selbst anwenden zu müssen.
Allerdings ist auch hübsch zu beobachten, wie die Außenwelt versucht, Meinungen im Internet mit ihrer Deutungshoheit darüber zu verknüpfen. Im Fall der Auseinandersetzung zwischen dem Sportjournalisten Jens Weinreich und dem Detuschen Fußball-Bund wurde das zum Paradebeispiel. Ein Verband, der sechs Millionen Mitglieder hat, wollte mit seiner Anwaltsmacht einen einzigen Blogger und Journalisten zerlegen, bedrohte ihn mit einstweiligen Verfügungen und hat die Auseinandersetzung zur Glaubensfrage über die Grenzen von freier Meinungsäußerung erhoben, ohne selbst die Grenzen zu kennen. Hier gibt’s die Zusammenfassung davon:
http://jensweinreich.de/2009/0.....as-finale/
Ohne die Hilfe und Möglichkeiten des Internets hätte JW die Prozesse nie durchgestanden, wie man sehen kann. Professionell müssen also nicht nur Blogger, sondern muss auch die Alte Welt werden, wenn es um Meinungsäußerungen geht, besonders den im Internet. Obgleich sie denselben Regeln folgen, wie außerhalb des Netzes. Das Grundgesetz schützt die freie Meinungsäußerung; man muss sie sich nur erstreiten, also leisten können. Das Internet als Community ist so ein Weg. Nicht der dickste Geldbeutel, gefüllt von sechs Millionen Mitgliedern, zählt, sondern Aufrichtigkeit zum eigenen Standpunkt und zum Ertragen von anderen Meinungen.
Hm. Vielleicht hättest du meinen Aufsatz schreiben sollen. Genau darum geht’s. :-) Das Internet bietet das Potenzial, die Demokratie zu fördern, und wir können dieses Potenzial nutzen oder es bleiben lassen.
Bildblog zitiert mich:
http://www.bildblog.de/17041/o.....emokratie/
Ich möchte erstens zum Artikel selbst Stellung nehmen und zweitens zur Beleg-Debatte.
1. Der Artikel ist kreativ gedacht und ich selbst bin der Überzeugung, daß das Internet sogar gerade in Demokratien dabei helfen wird, Demokratie und Freiheit zu sichern. Denn damit man überhaupt im Netz sprechen kann, sind bereits gewisse Grundfreiheiten erforderlich. Ich stelle mir hier das Internet in einem totalitären Überwachungstaat wie der DDR vor. Dort würde das Internet gar nichts helfen. Nicht einmal anonymisierte Netzwerke wie freenet könnten dort etwas ausrichten, weil jedes verdächtige Verhalten mit verschlüsselten Verbindungen etc. sofort zu einer Unterredung in Hohenschönhausen geführt hätte.
Ich sehe es auch tatsächlich so, daß das Internet derzeit eine Art „Kontrollfunktion“ für die klassischen Medien erfüllt. BildBlog ist ein gutes Beispiel dafür, denn BildBlog behandelt nicht ausschließlich das Blatt, von dem man seit Wallraffs Esser weiß, daß es eh lügt.
Ein anderes Beispiel: Bei Frontal 21 wurde mal ein gefährlicher Hassprediger vorgestellt. Seine Vorträge waren damals im Internet zu hören. Als ich mir das anhörte erkannte ich das Zitat von Frontal 21 wieder und fiel fast vom Stuhl, weil man es mehr nicht verzerren konnte: Statt nämlich gegen das Christentum zu hetzen, es wären schließlich christliche Staaten gewesen, die die großen Vernichtungskriege in der Geschichte geführt hätten; predigte der Redner die Friedfertigkeit des Islam. Der Vergleich mit den Staaten der Kreuzzüge und der Weltkriege diente ihm dabei nur als Veranschaulichung. Bei Frontal 21 erschien der zitierte Auszug seiner Rede eher als Aufruf, gegen die christlichen Staaten Krieg zu führen. – Diese Information gab ich natürlich auch an Freunde und andere weiter.
2. Diejenigen, die mit dem „reality check“-Argument auf Belegen bestehen unterschätzen den Artikel. Der Autor jedoch vertritt eine Position, die sich unter einer Kreativ-Denken-Doktrin zu arg gegen Belege wendet. Er lehnt das Belegesammeln sogar explizit ab, weil es die Kreativität bremse.
Hierin sehe ich schon das Problem, daß man vieles kreativ denken und so zu neuen Sichtweisen gelangen kann. Macht man das aber mit einer Haltung, die sich der Prüfung des Gedachten energisch verschließt, dann läuft man Gefahr, sich in kreativ gedachten Luftschlössern zu verlieren. Der Autor sieht richtig, daß das Belegesammeln eine langwierige Arbeit ist. Sie kann auch äußerst frustrierend sein, wenn man merkt, daß sich mit Blick auf die Wirklichkeit, manche der schönen Überlegungen in Luft auflösen; und man merkt: „Was ich mir überlegt habe, könnte so sein, könnte auch noch so werden und es wäre schön – aber es ist nicht so.“
Belege sind in meinen Augen unverzichtbar, wenn man nicht bereit ist zugunsten der Kreativität darauf zu verzichten, auch die Wahrheit zu denken. Belegesammeln ist also keine stupide Arbeit für einfältige Köpfe, wie es der Autor darstellt, sondern es ist eine selbst sehr kreative, weil selbstkritische, Arbeit, die der Wahrheit dient.
In diesem Fall aber sehe ich durchaus Beispiele, die den Inhalt des Artikels belegen. Der Autor behauptet ja nicht, daß es überall und jedenorts inzwischen so sei, wie er beschreibt. Er behauptet doch eher, eine Tendenz zu sehen, in die es sich entwickelt und in die es sich in Zukunft weiter entwickeln kann. – So ist der Kommentar, das passiere derzeit nur in Heddesheim verfehlt. Im Sinne des Artikels ist vielmehr zu sagen: Und siehe da! In Heddesheim passiert das auch schon!
Hallo Bernd, vielen Dank für diesen Kommentar!
Ganz kurz noch mal zur Beleg-Debatte. Ich copy-und-paste mal die ursprüngliche Forderung des Lesers Willi:
>sie schreiben:
>Heute überholt das Internet die klassischen Medien mal eben.
>haben sie dafür belege mal eben zur hand??
Nein, auf diese Frage antworte ich nicht, und ich lasse mich auch nicht dazu hinreißen, Zeit damit zu verschwenden, Belege für Binsenweisheiten aus dem Internet zu kramen.
Wer nicht sieht, dass das Internet derzeit die klassischen Medien überholt, möge selber googeln:
- Print-Auflagenzahlen 2000 bis 2010
- Einnahmen durch Anzeigen im Print 2000 bis 2010
- Werbepreise im TV 2000 bis 2010
- durchschnittliche tägliche Pro-Kopf-Nutzungsdauer von Internet im Vergleich zu TV und anderen Medien 2000 bis 2010
Und er möge sich selbst fragen, wo er heute sucht nach …
- einem neuen Auto
- einer Wohnung
- einer Bekanntschaft
Tut Willi das immer noch mit dem Kleinanzeigenteil seiner Zeitung?
Und wo kaufen die Menschen heute Musik? Zunehmend bei iTunes und Amazon oder kaufen sie immer mehr CDs, und die iTunes-Zahlen sinken?
Sollte Willi wirklich für meine Überlegung einen Beleg brauchen, dann dürfte ich ihn fragen, seit wann er eigentlich an der öffentlichen Kommunikation teilnimmt.
Nein, dieses Blog richtet sich *nicht* an Menschen, die mit spitzfindigen Fragen versuchen, Botschaften zu zerstören und die Aufmerksamkeit der anderen auf Nebenschauplätze zu lenken. Dieses Blog richtet sich an Menschen, die die Tendenzen dieser Gesellschaft sehen. Es ist nicht die Aufgabe dieses Blogs, angebliche Wissenslücken von Querschießern zu füllen, deren eigentliches Ansinnen die Störung eines Blogs ist. Solcherlei Spielchen spiele ich nicht.
Insofern bitte ich noch einmal um Verständnis: Ich liefere keine Belege fürs Offensichtliche.
thilo ,ich begrüße dein denken ,ich bin ganz deiner Meinung ,ich finde es gut das du dich so einsetzt,mach weiter so , ich werde immer deine kommentare lesen du hast interresante gedanken
Das geht mir schon eine ganze Weile durch den Kopf: es gibt viel zu wenig richtige „lokale“ Blogs. Selbst in großen Städten gibt es nur wenige Zeitungen mit Lokalteil, in den meisten nur eine einzige.
Demokratie findet nicht nur vor dem Verfassungsgericht in Karlsruhe statt, sondern überall, in jedem Dorf. Und viel interessengetriebene, dämliche, schädliche und teuere Politik wird auf lokaler Ebene betrieben.
Viele Leute erfahren von Entscheidungen, die sie betreffen, die sie richtig viel Geld kosten erst, wenn Kommunalpolitik in Komplizenschaft mit ihrer Verwaltung längst Fakten geschaffen hat. Die Lokalpresse steigt frühestens in die Berichterstattung ein, wenn ein paar „Querulanten“ von irgendeinem Verwaltungsgericht abgefertigt werden.
Ist den meisten Lokalpolitik zu langweilig, weil sie nichts mit Goldmedaillen, Kriegseinsatz oder Steuerreformen zu tun hat?
Einen für mich sehr wichtigen Punkt in dem Aufsatz von Thilo Baum möchte ich kommentieren.
Thilo Baum fordert von allen Akteuren eine hohe Qualität.
Das Internet arbeitet derzeit scheinbar nach dem Quantitätsprinzip. Anbieter mit unzähligen Links, Videos, Veröffentlichungen, Bildern und Aktualisierungen bestimmen die Suchmaschinenratings und die zum Thema passende Expertenmeinung.
Im Mitmachweb wird scheinbar bewusst kritisch geschrieben oder kommentiert. Die Erwähnung der eigenen Aufsätze bei besonders bekannten oder anerkannten Multiplikatoren ist die Währung in der bezahlt wird.
Vermarktungsprofis erzeugen Inhalt für die eigenen Fans. Kritik an den Inhalten wird zensiert oder hinter den Kulissen weggeklagt. Die Dienstanbieter sind gewillt zur Vermeidung von rechtlichen Konsequenzen jegliche, auch berechtigte Kritik, zu löschen.
Die Thesen von Thilo Baum erscheinen plausibel und sind dennoch vereinfacht. Das Buch von Prof. Kruse „nextpraktice“ gibt Antworten zu der Komplexität in einem intelligenten Netzwerk.
Nachdem ich soeben von der Autobahn komme und den Print-“Spiegel“ lese: Das Blog http://www.wir-in-nrw-blog.de ärgert wohl sehr erfolgreich Herrn Rüttgers.
Ach ja: Beleg, damit keiner sagt, ich würde mir hier was ausdenken: „Spiegel“ 11/2010, Seite 38. Online ist es wohl noch nicht.
Bruno: Ich halte Vereinfachung für enorm wichtig. Ohne sie verstricken wir uns in Details und kommen bezüglich der großen gesellschaftlichen Aufgaben kaum weiter. Ohne Popularisierung bleibt der Fortschritt Sache verkopfter Experten.