Diese Geschichte über Bundeswirtschaftsminister von und zu Guttenberg im „Bildblog“ finde ich herzallerliebst. Vor allem, weil es recht üblich ist, Wikipedia als Maßstab des Richtigen zu verwenden.
Dabei ist die Ausrede „Fehler kommen vor“ komplett unzumutbar, wenn Menschen aus Faulheit oder falsch gesetzten Prioritäten Schlamperei veranstalten, auch wenn man es einfach nur als oberflächlich bezeichnen kann.
Der Name eines Menschen ist der Name eines Menschen. Und wenn zu Guttenberg den Vornamen „Wilhelm“ nun einmal nicht hat, dann hat er ihn nicht, auch wenn „Spiegel Online“ den Fehler übernimmt und dem neuen Wirtschaftsminister seinen eigenen falschen Namen im Zitat sogar in den Mund legt. Und das finde ich schlimmer als die Seite eins der „Bild“. Denn durch den Fehler im Zitat dürfen wir sämtliche Zitate hinterfragen, die die Schreiberlinge von „Spiegel Online“ den Menschen an den Bildschirmen zumuten. Woher soll ich wissen, ob der Rest des ganzen Medien-Elends nicht ebenso erfunden, geschätzt, spekuliert oder interpretiert ist?
Es ist auch nicht nur ein kleiner Fehler wie ein Buchstabendreher, ein Tipp-, Rechtschreib- oder Redigierfehler. Das Problem ist ein semiotisches: Der Name ist falsch, also ist der betreffende Wirtschaftsminister nicht gemeint. Mein Vorname ohne „h“ ziert so manches Dokument, ohne dass ich einen Aufstand machen würde, aber streng genommen betreffen mich diese Dokumente nicht. Ebenso wie „Tilo Baum“ nicht ich bin, ist zu Guttenberg mit „Wilhelm“ eben jemand anderes. Ebenso wenig ist Wasser Wasserstoff.
Vielleicht ist es ja der Zwang, alles in der zunehmend oberflächlichen Betrachtung gleichzumachen. Auf RTL läuft das Gewinnspiel:
Wer eine Tat begeht, hat meistens auch ein …
- Motiv
- Dativ
Und obwohl die Antwort „Motiv“ richtig scheint, hat auch jeder Mensch einen Dativ. Vom grammatischen Genus abgesehen, stimmen beide Antworten. Der Intelligenz-Sender RTL wird aber vermutlich kaum den Dativ als Antwort anerkennen. Was mir die Erkenntnis abringt, dass bei Bild, Spiegel Online und RTL etwa gleich intelligente Menschen arbeiten. Als Medienkonsumenten sollten wir angesichts der zunehmenden Schlamperei davon ausgehen, dass ein Sender wie RTL Maskulin und Neutrum vermischt. Schließlich lesen wir oft genug auch in schlauen Blättern „die Datenkrake“ statt „der Datenkrake“.
Und wie bei dem Spruch „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“ gilt: „Wer einmal dumm ist, ist immer dumm“.



[…] Dann allerdings kommt ans Licht, es geht gar nicht um Hadschi Halef Omar, sondern um Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, unseren neuen Wirtschaftsminister. Und zwischen den Philipp und den Franz hat besagter Schelm noch einen Wilhelm gebastelt […]
Auf jeden Fall hat RTL ein Naiv. Naiv auch, wie Spiegel Online begründet, warum sie den falschen Namen aus Wikipedia übernommen haben – aus „Zeitdruck“. Also wird lieber schnell etwas falsches vermeldet, statt gar nichts. Das nenne ich mal neuen Nachrichtenjournalismus. Das Ungefähre wird zur Nachricht, weil die Zeit drängt. Nicht nur im Krieg ist der erste Opfer die Wahrheit. Auch im Nachrichtenjournalismus.
Erstmal einen Mord-Verdächtigen hinrichten und dann herausfinden, ob er wirklich schuldig ist. Texas-Journalismus nenne ich das mal fortan, was der Spiegel da macht.
„Denn durch den Fehler im Zitat dürfen wir sämtliche Zitate hinterfragen, die die Schreiberlinge von „Spiegel Online“ den Menschen an den Bildschirmen zumuten.“
Sollte man das nicht ohnehin? ;-)
Schön wäre es vielleicht, wenn man sich auf Medien verlassen könnte …