„Thank you for smoking“

 

Wie tickt ein Tabak-Lobbyist? Der Film „Thank you for smoking“ zeigt es, und das nicht mit aufklärerischem Schwulst, sondern als Komödie. Ging es 1999 in „Insider“ sehr dramatisch um die internen Dokumente der Tabakindustrie, taugen Tabak-Lobbyisten heute sogar zur Komödienfigur. Heißt: Die Debatte darüber, ob ein Produkt böse ist, das jeden vierten Kunden tötet, ist geführt. Die moralische Bewertung ist Konsens.

Handlung: Der PR-Stratege Nick Naylor (Aaron Eckhart) will per Bestechung in Hollywood erreichen, dass in Kinofilmen wie zu „guten alten Zeiten“ wieder mehr geraucht wird. Denn heutzutage rauchen ja nur noch „Russen, Araber und Verbrecher“ – also müssen neue Vorbilder her, um Teenager zum Rauchen zu bringen. Dabei stolpert Naylor, der volksnah Economy fliegt, um Jugendliche zu infiltrieren („Wenn einer von denen mit dem Rauchen anfängt, sind meine Reisekosten wieder drin“), über die Verführungskünste einer Journalistin (Katie Holmes) – und die setzt nach dem einen oder anderen Bettstündchen alle im Liebesrausch ausgeplauderten Interna in die Zeitung. Dass Naylor seinen Job verliert, ist halb so wild, vielmehr fühlt er sich in seiner Ehre gekränkt und stellt seinen Ruf als perfekter Verdreher von Wahrheiten aus eigener rhetorischer Kraft vor Kameras wieder her.

Schöne Persiflage auf Lobbyismus und PR nach dem Motto „Wer die übelste Branche öffentlich vertritt, kann alle Branchen vertreten“ beziehungsweise „Wer Zigaretten verkaufen kann, kann alles verkaufen“. Das zeigen auch die netten Plauderrunden, in denen Naylor immer wieder mit seiner Kollegin von der Alkohol-Lobby und dem netten Herrn von der Waffen-Lobby fachsimpelt – und beim Experten-Streit darüber, wessen Produkt die meisten Amerikaner pro Jahr tötet, gewinnt der Tabak-Mensch natürlich mit Abstand. Am Ende des Films ist die Runde erweitert um Lobbyisten von der Fast-Food-, der Öl- und der Pharmaindustrie – die nächsten Zielscheiben des gesunden Menschenverstandes.

Zwei wichtige Lehren in Sachen PR für Bösewichter erteilt der Film:

1. Nicht verhandeln, sondern argumentieren.
2. Moralisch flexibel sein.

Kinostart in Deutschland: 31. August.

2 Kommentare zu „„Thank you for smoking““

  1. nana

    Public Relations wird nach wie vor unterschätzt.

    Im Spiegel 31/2006 las ich dazu auch einen schönen Artikel. Immer wieder spannend und schockierend zugleich, auch wenn man selbst mit diesem Berufszweig zu tun hat. PR als verdeckte Manipulation vermag für die jeweiligen Interessengruppen alles zu erreichen. Aus Schwarz wird Grün, aus Dick wird Dünn, aus Schädlich wird Gesund … Gut das diese Mechanismen zunehmend auch eine öffentliche Plattform erhalten (ob als Artikel oder Film, ob humorvoll oder ernst, …).

    Insbesondere zum Thema Kriegs-PR kann ich den Film „Loose Change“ empfehlen (frei im Web zu haben). Aber auch hier, wie für viele dieser Dinge – erst mal skeptisch sein und sich sowieso sein eigenes Bild machen.

    Dass PR aber auch einen guten Charakter haben kann, beweist das derzeitige Fantasy Filmfestival – das Filmfest hat sich echt gemausert.

    Ich empfehle: Hingehen!

  2. Cujau

    Als Vorlage des Films diente das Buch „Danke, dass Sie hier rauchen“. Witzig und komisch zugleich. Lesen unbedingt erwünscht. Warum wurde der Filmtitel eigentlich nicht übersetzt? Vielleicht in: Rauchen erwünscht.

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