Finden Sie manchmal Dinge mysteriös? Vorsicht: Sie könnten ins voraufgeklärte Denken des Aberglaubens abgleiten. Denn nichts auf der Welt ist mysteriös – wir haben nur keine Erklärung dafür. Wer diese Unsicherheit nicht erträgt (also ohne sogenannte Ambiguitätstoleranz durchs Leben geht), hält sich lieber an eine unbelegte Vermutung, als sich einzugestehen, dass er etwas nicht weiß. Vor der Aufklärung war die finstere Macht der Teufel und oft waren es „die“ Juden; und auch nach der Aufklärung halten sich Verschwörungsgläubige an Spekulationen, die sich zudem nicht prüfen lassen. Dass es Unsinn ist, sich mit solcherlei Dingen zu befassen, verstehen Wissenschaftler, Behörden und Redaktionen (der sogenannte Mainstream), während publizistisch-wissenschaftliche Laien tatsächlich immer wieder beim Antisemitismus landen, der wohl ältesten bekannten Verschwörungstheorie der Geschichte. Schon der Philosoph Karl Popper erklärte 1958, Verschwörungstheorien hätten den Aberglauben abgelöst – und so verkörpert eben nicht mehr die schwarze Katze den Teufel, sondern Bill Gates. Wichtige Podcastfolge, wenn Sie wie die „Querdenker“ unbelegten und unprüfbaren Behauptungen glauben oder Menschen kennen, die in dieser mentalen Falle sitzen.

Links zu dieser Folge:

Putin: Finnland nach dem NATO-Beitritt werde „Probleme bekommen“

Warum gegenstandslos ist, was unbewiesen und zugleich unprüfbar ist

Quelle für die Theorie, dass Menschen ohne Ambiguitätstoleranz auf Unklarheiten mit „psychischem Unwohlsein“ reagieren: A. P. MacDonald: Revised Scale for Ambiguity Tolerance: Reliability and Validity. In: Psychological Reports. 26, 1970, S. 791–798.

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