Ich schreibe, dass ich nichts schreibe

Manchmal vergehen Tage, an denen ich nichts in mein Blog schreibe. Öffne ich Wordpress, die Bearbeiter-Oberfläche meines Blogs, grinst mich der Link an: „Beitrag schreiben“. Das Ding verführt zum Output. Output, Output, Output.

Nichts gegen Output. Davon habe ich derzeit sehr viel. Seit unserer Amerika-Reise häufen sich die Ideen ebenso wie die Arbeit, und im Wesentlichen befindet sich unter meinen Händen eine Tastatur. Insofern keine Sorge: Ich habe zu tun.

Meine bisherigen Blog-Beiträge entstanden eher nebenher, mühelos, sicher oft zeitraubend, aber letztlich mühelos. Mein Blog ist für mich eine Nebensache, ein Hobby, hier versuche ich gestrandete Gedanken kondensieren zu lassen, die zum Teil angerissene Ideen sind und zum Teil kaum anders zu veröffentlichende Dinge. Nicht, dass es Quatsch wäre, was in Blogs steht, aber Blogs sind für mich einfach nur eine Möglichkeit, Dinge ohne Aufhänger und ohne Zusammenhang und ohne Notwendigkeit zu schreiben, anders als im so genannten Journalismus, die Älteren werden sich erinnern. Mein Blog ist Hobby. Es hat für mich keine berufliche Funktion.

Momentan habe ich das Gefühl, ich will hier nicht mehr so viel schreiben. Zum Einen habe ich wie gesagt auch sonst jede Menge zu tun und leide nicht unter einem Überangebot an so genannter Freizeit. Dann empfinde ich die Bloggerei in letzter Zeit immer mehr als unwichtig – viele Blogs schreiben entweder über Blogs (so wie ich hier heute, pardon), was im Grunde nur Medien-Autismus ist, oder sie erreichen keine politisch relevante Zahl von Lesern, oder beides, oder sie versuchen verzweifelt, aus der Bloggerei Geld zu machen, was ich angesichts der in Blogs herrschenden Null-Themen für absurd halte. Oder aber sie klammern sich an ein Medium, um das zu kritisieren, was natürlich im Falle von Bildblog sicher rühmlich ist, aber auf Dauer auch keine befriedigende Tätigkeit.

Insgesamt also sehr mau, die Sache. Finde ich.

Vielleicht ist die deutsche Leserin / der deutsche Leser zu saturiert. Die interessieren sich nicht für Vorratsdatenspeicherung, die guten oder schlechten Seiten von Neoliberalismus oder Möglichkeiten, aus einem Jammerleben ein glückliches Leben zu machen. Weiß wer auch immer, warum das so ist, aber wir denken, was man uns zu denken aufträgt. Darum sind Blogs, die einzige Möglichkeit, für die klassische Presse eine Alternative zu bieten, hierzulande so langweilig.

Deutsche Blogger sind für mich, wie ich sie kennen gelernt habe, im Wesentlichen ein überakademisierter Haufen linksalternativer bis linksliberaler Attac-naher Systemkritiker, die zum einen zu dem für Uni-Leute typischen Verheddern zwischen Theorien neigen und zum anderen zur für politische Extremisten typischen Gleichmacherei. Eine abenteuerliche Mischung. In jedem Fall nicht die Charaktereigenschaften, um mit jemandem ein Business aufzuziehen. Zu verknotet, zu viele Turns im Kopf, zu wenig ergebnisorientiert – zu viele Ideen im Kopf, aber keine bis zum Ende und zum Erfolg gebracht. Gibt es Gegenbeispiele? Her damit! Aber bis dato empfinde ich Blogger als Überdenker und Unterhandler, und was den Erfolgreichen vom Erfolglosen unterscheidet, ist am Ende das Handeln. Wobei die Eigenart, als Überdenker und Unterhandler publizistisch bedeutsam zu tun, eine überaus skurrile Eigenschaft einer vermuteten politischen Minderheit ist, was vielleicht ein wenig erklärt, warum deutsche Blogs einfach durch das soziale Milieu ihrer Macher so unbedeutsam sind.

Für mich heißt das: Ich mache weiter, wie gehabt. Ich erzähle auch nur, was ich will. Mein Blog ist ein Spiegel meines Tuns. Ich schreibe als Hobby. Und weil ich es als Hobby betrachte, gibt es Phasen, in denen ich über Tage nichts schreibe.

Im Übrigen empfehle ich Menschen, sich nicht mehr als 30 Minuten täglich mit Blogs zu befassen. Das Leben ist draußen.

22 Kommentare zu „Ich schreibe, dass ich nichts schreibe“

  1. ugugu

    „Mein Blog ist Hobby. Es hat für mich keine berufliche Funktion.“

    Vielleicht diesen Satz nochmals überdenken. Jedenfalls ist es nicht der Eindruck, den dieses Blog hier auf mich hinterlässt. So rein Seminar-Verkaufstechnisch gesehen.

  2. Thilo

    Das ist aber ein nettes Kompliment für mein Blog. Danke.

  3. creezy

    Im Übrigen empfehle ich Menschen, sich nicht mehr als 30 Minuten täglich mit Blogs zu befassen. Das Leben ist draußen.

    Ich fand diesen «get a life»-Spruch Bloggern gegenüber schon immer etwas zu dumm herablassend. Wenn die vielen Blogger kein Leben «da draußen» hätten, hätten sie nichts zu bloggen. (Da nehme ich jetzt die Canon- oder Apple-Pressmitteilungblogger aus.)

    Unter den vielen Statler und Waldorfs, die sich alle auf dem einen Balkon drängen und verächtlich auf die anderen Blogger runterrotzen (obwohl sie es ja nicht anders tun), wird dieser Balkon eines Tages noch runterkommen. Und dann hat’s Euch zerlegt.

  4. buchstaeblich

    „Ich mache weiter, wie gehabt. Ich erzähle auch nur, was ich will.“

    Ja und? Tausende von Bloggern tun das, ohne es thematisieren zu müssen.

  5. Horst Schulte

    Im Übrigen empfehle ich Menschen, sich nicht mehr als 30 Minuten täglich mit Blogs zu befassen. Das Leben ist draußen.

    Genau das sagt mir meine Frau auch immer. Leider höre ich nicht (immer) auf sie. Dann jedenfalls nicht, wenns ums Bloggen geht.

  6. Thilo

    Aus den vielen Kommentaren und externen Beiträgen zu dieser Geschichte schließe ich, dass die meisten Leser meines Blogs wohl selbst Blogger sind. Möglicherweise sollte ich das ganze Treiben wegen Irrelevanz einstellen? :-)

  7. Boris

    Warum einstellen, wenn die Leser derselben Schublade entsteigen? Die Bloggerei in Deutschland ist – als nennenswertes Phänomen – erst gefühlte 1,5 Jahre alt. Kein Wunder, dass das alles noch weitgehend selbstreferenziell und inzestuös ist. Das wird sich aber ändern.

    Oder, alternativ, es machen wie die traditionellen Medien? (Achtung: Voll-Pauschalisierung)

    Als Teil eines „überakademisierten Haufens linksalternativer bis linksliberaler Attac-naher Systemkritiker“ schreiben für einen unterakademisierten Haufen rechtskonservativer denkfauler Systemkonformisten?

    Das kann’s doch auch nicht sein …

  8. asaaki

    verwende nur einmal das wort blogger im text … und du hast nur blogger auf der seite. die reine leserschaft wird nur noch passiver, einzig selbst publizierende werden sich (so wie ich) zu worte melden. das scheint schon eine art naturgesetz der blogosphäre zu sein.

    und mit sozialkritischen abschnitten und pseudo-guten ratschlägen hagelt’s meist nur unmut. nicht, weil mangel an kritikfähigkeit vorherrscht oder der/die eine oder andere sich gar persönlich angegriffen fühlt.

    vielmehr sehen viele es eben nicht so schwarz, weil es das auch nicht ist. das bloggen.

    ich denke auch eher, dass das „draußen“ dadurch definiert wird, wo menschen zueinander finden. und das ist wohl heutzutage nicht mehr nur „draußen vor der tür“ …

    um auch mal einen dummen spruch loszulassen:

    weitsicht üben und über den tellerrand schauen!

  9. Thilo

    @ Boris. Du schreibst: „Als Teil eines „überakademisierten Haufens linksalternativer bis linksliberaler Attac-naher Systemkritiker“ schreiben für einen unterakademisierten Haufen rechtskonservativer denkfauler Systemkonformisten? Das kanns doch auch nicht sein.“

    An sich finde ich den Ansatz nicht schlecht. Wenn es denn so wäre. Bislang schreibt die Szene für sich und bleibt unter sich. Der Wunsch, durch gute Texte und Argumente etwas politisch zu bewegen, erinnert mich ein wenig an die „taz“, deren Meinungen und Ansichten auch kaum jemand außerhalb der sozialen Gruppe erreichen.

    Und nein, ich stelle das Bloggen nicht ein. Es ist für mich ein schönes Hobby, und das behalte ich auch gerne bei. Für einige Menschen weit weg ist das eine schöne Möglichkeit, ein Bild von mir zu bekommen.

  10. Michael Grom

    Wollen Sie uns damit sagen, Sie selbst seien ein überakademisierter, linksalternativer bis linksliberaler Attac-naher Systemkritiker, der zum einen zu dem für Uni-Leute typischen Verheddern zwischen Theorien neigt und zum anderen zur für politische Extremisten typischen Gleichmacherei?

  11. Thilo

    @ Michael Grom: Nein. Ich versuche schon zu schauen, dass mein Denken und Handeln konkrete Ergebnisse zur Folge haben. Als Selbstständiger lebe ich ohnehin so.

    Jedoch sind mir überakademisierte, linksalternative bis linksliberale Attac-nahe Systemkritiker, die zu dem für Uni-Leute typischen Verheddern zwischen Theorien neigen, zunächst mal sympathisch, ich war selber mal an einer deutschen Uni und habe viel wirres Zeug gelernt, das keiner braucht. Und fremd ist mir das Denken auch nicht, schließlich hatte ich auch mal einen 9-to-5-Job und habe für die Presse das allgemeine Gejammer und die typische Wirtschaftsfeindlichkeit Berlins recycelt.

    In meinen Augen gibt es inzwischen eine wachsende Schnittmenge zwischen Attac-Ecke und Business-Ecke. Deren Ansichten vermischen sich. Das finde ich spannend.

    Schade finde ich es, wenn die Anti-Business-Leute das nicht sehen, und wenn sich gute oder wichtige Inhalte dann deswegen nicht durchsetzen, weil man zum Inzest neigt oder anders Denkende pauschal verurteilt, indem man etwa über alle herzieht, die Geld verdienen. Keine Ahnung, wovon Menschen leben, die Business und Wirtschaft verteufeln. Ich weiß es nicht. Aber diese Haltung nehme ich unter deutschen Bloggern eben vermehrt wahr.

    Und da wundert es mich weder, dass die Blogs wirtschaftlich nicht aus dem Knick kommen (sofern sie es wollen und nicht nur Hobby sind), noch dass man so miteinander umgeht, wie das manchmal geschieht.

  12. ben_

    Lieber Thilo,

    ich kann Dich gut verstehen. Seit fast sieben Jahren bin ich Blogger und seit zwei Jahren arbeite ich mit Online Journalisten zusammen. Die Perspektive, mit der man aus dem Journalismus-Betrieb auf die deutsche Blogsphäre schaut, führt sehr schnell – und ich glaube fast notwendig – zur Beschreibung jener Symptome, die Du hier aufgeschrieben hast. Und in der Beschreibung stimme ich Dir sogar doppelt zu, wenn man man einen Blick in die Amerikanische Blogsphäre wirft. Die deutsche Blogsphäre ist selbstreferentiell, techniklastig und ignoriert viele gesellschaftlich relevante Themen.

    Aaaber – und das hat Dir meiner bescheidenen Meinung nach die Prügel eingebracht – das mag für Dich uninteressant und enttäuschend sein. Für viele von uns Bloggern ist es das nicht. Als ich und andere anfingen mit Bloggen wären wir nie auf die Idee gekommen, dass Bloggen auch nur im geringsten eine Ähnlichkeit mit Journalismus, dessen Inhalten, Methoden, Anspruch und Relevanz hätte. Wir hatten unseren eigenen Traum vom Netz, von Text im Netz, von Publizieren im Netz. Und viele von uns haben ihn heute immer noch.

    Die Feststellung, dass wir Überdenker und Unterhandler sind ist richtig. Aber das Urteil, das Du daraus ableitest, beruht auf der Annahme und vielleicht sogar Deinem Wunsch, dass es da irgendwie ein publiszistisch bedeutsames Business aufzuziehen gibt, bei dem am Ende des Tages die Erfolgreichen von den Erfolglosen getrennt werden. Das ist exakt das Gegenteil all der Gründe aus denen ich blogge.

    Das Wichtigste ist nämlich: Wordpress hatte lange die Selbstbeschreibung „Personal Publishing Platform“. Bloggen ist für viele etwas sehr Persönliches und durch den intensiven sozialen Aspekt weit mehr als ein Hobby, mehr als ein Tagebuch oder Zettlekasten und – in gewissen Hinsicht – mehr als ein Business. Es ist für viele Blogger eine spannender und wichtiger Bestandteil ihrer aktiven Lebenswelt. Bloggen ist kein Business. Bloggen Teil unseres Lebens und es IST draußen.

  13. Thilo

    Es geht mir nicht darum, dass Blogs journalistisch sein müssen. Ich finde es nur schade, dass sie es nicht schaffen, in Deutschland die Lücke zu füllen, die manche Medien reißen. Das Bildblog macht ja schon mal gute Arbeit, aber unterm Strich ist es halt leider viel zu klein, um etwas zu bewirken. Darüber denke ich nach.

    Und einen Grund dafür, warum deutsche Blogs nicht so relevant sind, wie sie sein könnten, meine ich gefunden zu haben, und du hast ihn auch genannt.

    Die Prügel, die ich hier einstecke, übersteigen inzwischen bei weitem das, was angemessen wäre. Ich habe keine Ahnung, wer diese Leute sind und was sie wollen. Ich sehe nur Aggression. Aber das scheint wohl der Stil zu sein.

    Auch verstehe ich mich nicht als Teil der „Blogosphäre“. Ich finde den Begriff affig. Blogs sind ein neues Medium, und ich nutze das eben und mache ein Blog. Na und? Bin ich Teil einer Buch-Sphäre, nur weil ich ab und zu lese und schreibe? Das wäre genauso Blödsinn wie „Blogosphäre“. Kindergeburtstag.

    Und ich bin weit weg davon, mit Blogs etwas publizistisch Bedeutsames aufzuziehen. Mit Blogs Geld zu verdienen gehört in meinen Augen zu den dümmeren Geschäftsideen der vergangenen Jahre, jedenfalls meine ich nach einiger Zeit des Nachdenkens, dass das für mich geschäftlich nicht in Frage kommt, genauso wie der unbeholfene Versuch, durch Werbung auf meiner Seite, die die Leute möglicherweise nur nerven würde, ein paar Pfennige zu verdienen. Auf der anderen Seite haben wir hierzulande nun mal ein Vakuum, in das Blogs oder andere Online-Medien treten könnten, aber um erfolgreich zu werden, müssen sie halt wirtschaftlich professionell aufgezogen sein. Das wäre die Aufgabe. Und nun schaue ich mir die Leute so an, die ohne mich zu kennen auf anderen Webseiten über mich herziehen, und ich sehe mich bestätigt in meiner Auffassung, dass das mit denen nicht unbedingt möglich ist. Ich habe keine Ahnung, auf welchen Planeten die sitzen.

    Naja. Und vielleicht denkst du ja noch mal über deinen Vorwurf mir gegenüber nach, ich wünschte mir ein Modell, das die Erfolgreichen von den Erfolglosen trennt? Wie kommst du denn auf so ein Zeug? Das ist ja ein fürchterlicher Unterton. Ich verstehe ja, dass der Begriff „Erfolg“ in der wirtschaftsfeindlichen Ecke für Pickel sorgt, aber andersherum frage ich mich eben, ob nicht auch diese Leute erfolgreich sein wollen mit dem, was sie tun. Das hat doch nichts mit irgendeiner Form der „Auswahl“ zu tun.

    Mir ist es übrigens auch völlig gleichgültig, wer was bloggt, ich sage nur: Die meisten deutschen Blogs interessieren mich nicht, weil sie meist nur aus intellektueller Masturbation bestehen und ihren Lesern nicht wirklich viel bringen.

  14. ben_

    Manueller Freistunden-Trackback.

  15. ben_

    Öhm. Zuerst: In deinem Artikel stehen folgende Zeilen:

    „… nicht die Charaktereigenschaften, um mit jemandem ein Business aufzuziehen.“

    „Aber bis dato empfinde ich Blogger als Überdenker und Unterhandler, und was den Erfolgreichen vom Erfolglosen unterscheidet, ist am Ende das Handeln.“

    „Wobei die Eigenart, als Überdenker und Unterhandler publizistisch bedeutsam zu tun …“

    Das klang für mich zusammengenommen schon so, als wärst Du nicht nur über das allgemeine Niveau der deutschen Blogs enttäuscht, sondern auch von einer publizistisch, verlegerischen Seite her. Wenn Du das nicht gemeint hast, haben wir uns missverstanden und mein Argument zielt natürlich ins Leere.

    Und natürlich, natürlich, natürlich hast Recht, wenn Du sagst, dass Dich die meisten deutschen Blogs nicht interessieren, weil sie ihren Lesern nichts bringen. Das ist doch aller Normalste.

    Wenn ich im Supermarkt vor dem Zeitungsregal stehe, dann kommen von den ca 100 Zeitungen und Zeitschriften, die da stehen doch auch allerhöchstens 5 für mich in Frage. Und bei 90% der Publikationen, die da liegen würde ich wohl die Pimpernellen kriegen, wenn ich die lesen müsste.

    Oder um meine Freistunden-Metapher mal weiter zu bemühen: früher in der Schule hatte man in einer Stufe von 100 oder 200 Leuten ja auch nur 4 oder 5 gute Freunde mit denen man dann die Freistunden zugebracht hat. Mit dem Rest hatte man doch kaum was zu tun und wollte das auch nicht. So war das zumindest bei mir.

    Und womit Du auch völlig Recht hast ist die extrem aggressive Eigendynamik, die sich in Blogs entwickeln kann. Ich fürchte den Tag, an dem ich als Sau durch Klein-Bloggersdorf getrieben werde so sehr wie den Tag an dem die Bildzeitung über mich schreibt.

  16. Thilo

    Solche Missverständnisse kommen bei der Menge an Kram sicher mal vor. Zu meinen Zitaten allerdings stehe ich, nur würde ich hier ein Wort einfügen wollen (versal):

    „Aber bis dato empfinde ich DIE MEHRHEIT DER Blogger als Überdenker und Unterhandler, und was den Erfolgreichen vom Erfolglosen unterscheidet, ist am Ende das Handeln.“

    Und danke für deinen Hinweis auf die aggressive Eigendynamik vor allem bei wirres. Zeigt mir halt, dass man auch in dieser sich so wichtig nehmenden Szene sooo weit vom Lemming nicht weg ist.

    Zu deiner Freistundentheorie: Wir haben natürlich damals in den Freistunden Joints geraucht. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, da irgendwas zu tun, was mit Arbeit zu tun hat. Bloggen ist für mich eine Art der Arbeit, durch die ich mich von anderer Arbeit erhole. Wenn man viele verschiedene Dinge macht, kann man sich das so einrichten. Vielleicht bin ich ja im Unterschied zu damals heute ein Nerd, der in der Freistunde keine Joints mehr raucht, sondern am Rechner sitzt. ;-)

  17. Thilo

    Ach ja, was vergessen: Natürlich bin ich auch das Verlegerische betreffend enttäuscht. Das Blog der „Berliner Zeitung“ beispielsweise, findest du das gut? Oder die anderen Versuche etablierter Medien, was zu reißen? Ich kaum.

  18. ben_

    Oh, nein! Von Verlagen und etablierten Medien inszeniertes Bloggen ist – mit den Ausnahmen, die die Regel bestätigen – ganz grauenhaft. Es erinnert mich immer an Wiglaf Drostes Ausspruch von den „Moderatoren-Darstellern“, die das Privatfernsehen bevölkern.

    Zu den Freistunden-Joints von damals und heute: Siehste, das hab ich mir doch gedacht, dass wir da nicht weit auseinander sein können. :]

  19. hintze

    darf man auch als nicht-blogger etwas dazu sagen? danke :)

    was soll das ganze? worueber wird hier geredet? geht es a) um blogs, die schlecht, belanglos und sinnfrei sind, weil sie sich nur auf andere schlechte, belanglose und sinnfreie blogs beziehen, welche sich wiederum nur auf schlechte.. ihr wisst was ich meine. selbstreferenziell wurde es hier genannt. oder geht es b) um wirtschaftsfeindlichkeitsfeindlichkeit? was soll das schreckliche wort? es soll zeigen, dass es dinge gibt, die so falsch sind, dass nichteinmal ihr gegenteil richtig ist. man kann nicht gegen feindlichkeit durch feindlichkeit sein. mann sollte mit meinungen und argumenten gegen meinungen und argumente sein. ganz ohne feindlichkeit. die extremisten, von denen hier gesprochen wird, sehen denn herrn baum ebenso als extremisten. und wer hat jetzt recht? herr baum, weil er so denkt wie das system denkt? oder die anderen? ich weiss es nicht und will es nicht entscheiden. wenn herr baum das entscheiden will, dann braucht man hier ja garnichtmehr zu reden, dann weiss man wo er sich intellektuell befindet.. und er weiss es am ende eh am besten. oder geht es c) um zu wenig frische luft fuer bloggerInnen und ihre leserInnen?

    egal ob jetzt a, b oder c. in jedem fall: wirres.net hat recht. wieso anderen sagen wollen, wie sie zu denken haben? oder kann man als coach nicht anders? mal eben die anderen blogger+leser coachen, ihnen einen guten rat geben? dann haette ich in der zukunft gerne einen guten rat, wie man sich einen solchen guten rat erspart.

    oder fehlt auch mir nur die einsicht, der gute glaube, das wissen, dass alles was herr baum sagt, befehl ist und nur befolgt werden muss, um zu einer besseren welt zu kommen? ok, jetzt wirds aggressiv-eigendynamisch.. oder so. ich lass das. aber man soll halt nicht ins internet schreiben, wenn man mit dem internet nicht klarkommt. oder die kommentarfunktion abschaffen ;)

  20. Frank

    Na was fürn Glück, daß ich kein Akademiker bin. Ich bin auch nicht wirtschaftsfeindlich per se – ich find es halt nur ekelig, wenn Medien (Blogs, Zeitungen, Zeitschriften, TV usw.) keine vernünftige Arbeit inhaltlicher Art mehr leisten, weil „Kohlemachen“ alles andere verdrängt hat. Da bin ich wirtschaftsfeindlich und stehe dazu! Von irgendwelchen Großkotzkonzerenen reden wir ja hier nicht. Freiberufler, die ein gutes blog machen und natürlich direkt oder indirekt dann davon auch profitieren – wie blöd müßte man sein, um etwas dagegen zu haben? Nur bitte ich darum, mein strikt nichtkommerzielles (mehr und mehr sozialpolitisch engagiertes) Bloggen eben auch das sein zu lassen, was es ist: je nach Interessenlage gut oder shit. Was solls? Und bitte auch nicht ständig die Begriffe Professionell und kommerziell gleichsetzen. Es gibt ne Menge kommerziellen Mist, der sehr amateurhaft ist und umgekehrt.

    Und ganz zum Schluß: der Thilo kann auch Kritik vertragen, er ist nach meiner Erfahrung (auch wenn wir uns nur über die Kommentiererei „kennen“) weder arrogant, noch mit dem Besserwissermodul ausgestattet. Ab und zu muß man nun mal provokativer argumentieren, damit ich ein bißchen was los ist beim Diskutieren ;-)

  21. HG

    Im Grunde stimme ich dir zu. Da haben wir alle erstmals ein System in der Hand, mit dem sich nahezu kostenlos und mir enormer Reichweite publizieren lässt, und wir kriegen es nicht gebacken, mehr daraus zu machen. Woran liegt es? Ich glaube, dass es am Geld liegt. Klingt blöd, ist aber so.

    Mal ein paar Thesen.

    1. Viele Blogger sind gegen Werbung. Sie betrachten ihr Blog als Privatveranstaltung und „Wohnzimmer“, dass sie sich nicht mit Reklame tapezieren wollen. Gegen Werbung zu sein, das gehört in der Szene zum guten Ton.

    2. Ich habe manchmal den Verdacht, dass ein Teil dieser Blogger sich diese ablehnende Einstellung leisten kann, weil er an der Uni rumhängt, zum Beispiel promoviert und dafür mit dem halben BAT II (so hieß das früher…) bezahlt wird. Da hängt man gerne lange vorm Rechner, gibt sich geschäftig – und schreibt sein Blog. Von „Vatta Staat“ alimentiert, lässt es sich gut gegen kommerzielle Bestrebungen in Blogs wettern. Aber dass ein Großteil der Blogs von der Uni aus befüllt werden, ist natürlich eine gemeine Unterstellung meinerseits, nicht wahr?

    3. Blogs sind Publikationen von Einzelnen. Sowas hat noch nie fuktioniert – es sei denn, im schriftstellerischen Sinne. Aber für eine öffentlichkeitswirksame Publikation braucht man ein Team, eine schöne Ansammlung unterschiedlicher Themen, Meinungen und Interessen, vielleicht auch unterschiedlicher Schreibstile zu einem Themenbereich. Ein einzelner Blogger kann, zumal dann, wenn er einer regulären Arbeit nachgeht und womöglich noch Familie hat, ein Blog nicht so regelmäßig mit qualitativ hoch stehenden (d.h. Zeit raubenden…) Beiträgen füllen, um wahrgenommen zu werden. Diese These enthält zugleich einen Lösungsvorschlag: Zusammenlegung von Blogs, mindestens aber eine gemeinsame Vermarktung von themenähnlichen Blogs. Früher gab es doch diese „Webringe“…

    4. Wir brauchen ein viel effizienter funktionierendes Vermarktungssystem der Werbeflächen in Blogs. Ich habe es auf meiner Seite mit amazon, jpc sowie 1&1-Partnershops probiert – die Einnahmen sind kleiner als das Taschengeld eines Grundschülers. Adical? Adical! Adical war eine eigentlich gute Idee: Blogs tun sich zusammen und vermarkten ihren Werbeplatz. Derzeit hat man den Eindruck, dass es nicht funktioniert hat. Und immer schon war es eine geschlossene Veranstaltung. Aber das muss ja nicht an der Idee liegen… Vielleicht greift, zu einem anderen Zeitpunkt und an einem anderen Ort, jemand diese Idee auf?!

    5. Mal ein Erfolgsszenario (von dem meine eigene Seite himmelweit entfernt ist, um das gleich zuzugeben): Wenn ein Blog so viele Einnahmen generieren könnte, dass nach und nach auch externe Autoren bezahlt werden könnten, so dass die Reichweite und damit auch die Werbeeinnahmen immer größer werden, dann könnte sich ein solches Blog möglicherweise irgendwann tragen („sich tragen“ heißt: so viele Nebeneinnahmen bringen, dass der Blogger sich zeitweise seinem Blog widmen und seine Arbeitszeit reduzieren kann). 20000 – 30000 Besucher pro Monat sind für eine Online-Magazin jedenfalls kein Problem. Das ist mehr als so manches Special-Interest- Magazin mit dicken Hochglanzanzeigen hat…

    Aber vielleicht sollte man die Sache dann nicht Blog nennen. Sondern Webzine oder Online-Magazin oder wie auch immer. Blog klingt nach Online-Tagebuch. Und wer will schon fremder Leute Tagebuch lesen?

  22. Argus

    „Wir brauchen ein viel effizienter funktionierendes Vermarktungssystem der Werbeflächen in Blogs.“

    Wieso?
    Wozu?
    Und wer ist „wir“?
    Und wieso *brauchen* *wir* angeblich irgendwas?

    *Wir* brauchen vielleicht sinnvolle und schnellwirkende Maßnahmen gegen den Klimawandel, damit *wir* nicht aussterben, aber *wir* brauchen ganz sicher kein Vermarktungssystem der Werbeflächen in Blogs.

    Blogs waren ganz zu Anfang eine schöne, weil kommerzfreie, Nische im Internet. Damals hat die Bloggerei Spaß gemacht. Diese Zeit wünsche ich mir zurück, denn sie entspricht dem eigentlichen Ursprungsgedanken des Internets. Durch das Kommerzgedöhns ist die Bloggerei kaputtgegangen und – meiner Meinung nach – zu einer nur noch auf sich selbst bezogen „wie generiere ich mehr Leser/Umsatz“-Maschine verkommen.
    Das brauchen *wir* ganz sicher nicht.

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