Schützt Nachtschattengewächse!

 

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Bitte entschuldigt, wenn ich schon wieder mit dem Thema Rauchen nerve. Ich weiß. Das Thema ist nicht der Nabel der Welt, selbst wenn man sich beruflich damit befasst. Aaaaaber. Einen kleinen Hinweis mögt ihr mir gestatten.

Wie ihr wisst, gibt es seit kurzem die Deutsche Gesellschaft für Nikotinprävention e.V. (DGNP). Was die so treibt, will ich hier nicht schon wieder ausbreiten, bitte schaut dazu auf die Seite der DGNP.

Nun gibt es zur DGNP seit kurzem auch einen Wikipedia-Eintrag. Was nicht weiter erwähnenswert wäre, wenn nicht eben dieser Eintrag schon kurz nach seinem Erscheinen zum Abschuss freigegeben worden wäre, was bei Wikipedia „Löschantrag“ heißt. Eine der diskutierten Fragen: Diskriminiert die DGNP Nachtschattengewächse? Ist solches Verhalten wikipediakonform?

Jetzt läuft die „Löschdiskussion“. Deren wichtigste Fragen: Ist der Eintrag zur DGNP „relevant“ oder nicht? Entspricht er den Wikipedia-Grundsätzen? Das wird in einer Frist von sieben Tagen diskutiert, und jede/r ist eingeladen mitzudiskutieren. Aufgrund der Diskussion entscheidet ein Wikipedia-Redaktions-Kollektiv am Ende der Frist über Löschung oder Beibehaltung des Beitrags.

Ich selbst beobachte manche Argumente der Eintragsgegner mit Schmunzeln. Und als Mitbegründer der DGNP bin ich denn wohl auch auf Seiten der Befürworter des Beitrags. Was ich bitte aber nicht überbewertet wissen will. Eine Löschung fände ich zwar schade, aber nicht schlimm, ehrlich gesagt. Euch wundert das? Verstehe ich. Aber mir geht es nicht um Grundsätze oder um kämpferischen Einsatz Marke „Der! Beitrag! Muss! Bleiben!“. Ich gehe einfach davon aus, dass die DGNP den Menschen sowieso sehr schnell anhand ihrer Praxis ihre Relevanz beweisen wird. Eine reine Frage der Zeit. Und Wikipedia ist für mich ein Spiegel der Zeit. Eine Oberfläche, an der die Gegenwart kondensiert.

Wer mitdiskutieren will – ob pro oder contra Eintrag – kann das in der Löschdiskussion auf der Wikipedia-Seite tun. Dabei geht es weniger um die Bewertung der Inhalte der DGNP oder um die Darstellung von Meinungen pro und contra Rauchen (den erforderlichen journalistischen Scharfsinn, diese Dinge zu differenzieren, haben die Wikipedia-Macher schon) als vielmehr um die Bewertung der öffentlichen Relevanz der DGNP an sich. Was ich spannend finde angesichts der Relevanz des Themas Nikotinprävention einerseits und des noch frischen Alters des Vereins andererseits. Ich bin gespannt, wie es ausgeht.

Ach ja: Die DGNP diskriminiert natürlich keine Pflanzen – auch keine Nachtschattengewächse. Sie diskriminiert niemanden. Im Unterschied zu mancher militanten Nichtraucherschutzorganisation diskriminiert die DGNP auch keine Raucher. Die DGNP rät nur von der Einnahme mancher Nachtschattengewächse ab. Und das ist sicher auch im Sinne der Nachtschattengewächs-Schützer …

8 Kommentare zu „Schützt Nachtschattengewächse!“

  1. Christoph Lövenich

    > Im Unterschied zu mancher militanten Nichtraucherschutzorganisation diskriminiert die DGNP auch keine Raucher

    So, so. Und was muss ich bei der militantesten dieser Organisationen, „Pro Rauchfrei“, lesen:

    „Besonders hervorzuheben ist der Vortrag der Deutschen Gesellschaft für Nikotinpraevention e.V. (DGNP), die durch Herrn Thilo Baum (Pro Rauchfrei Mitglied) vertreten wurde. […] Pro Rauchfrei und die DNGP werden in Zukunft Hand in Hand arbeiten.“

    Motto: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, Hauptsache Kohle machen???

  2. Thilo

    Nee. Geschwätz von gestern in die Tat umsetzen. :-) Wir diskriminieren nach wie vor keine Raucher. Nichtraucher sind für uns nicht die besseren Menschen, sondern für uns sind alle Menschen gleich viel wert. Und die Kooperation mit Pro Rauchfrei ist eine gute Sache: Während die DGNP dem Rauchen unter Kindern vorbeugt, will Pro Rauchfrei erreichen, dass Menschen geruchsneutral atmen und essen gehen können. Beides passt in komplementärer Weise zueinander: Nikotinprävention ist etwas anderes als Nichtraucherschutz, und beides ergänzt sich prima. Denn wer nicht raucht, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit Interesse an geruchsarmer Luft. Mit Diskriminierung hat das nichts zu tun: Anders als manche andere Nichtraucherorganisation, die Raucher diskriminiert, arbeitet Pro Rauchfrei durchaus pragmatisch.

  3. Vivendi

    Pro Rauchfrei will (nur?) erreichen, dass Menschen geruchsneutral atmen und essen gehen können?
    Fahren und fliegen diese Menschen auch geruchsneutral? Zu deren Glück hat es die Industrie zumindest geschafft, die Schadstoffe so weit geruchsfrei zu machen, dass man nicht mehr feststellen kann, ob und wann man Schadstoffe einatmet.

    Geruchsneutral essen steht jedem frei, dazu brauchen wir keine militanten Vereine, sondern nur unseren gesunden Menschenverstand.

    Und das, was pro Rauchfrei publiziert hat mit Diskrimination nichts zu tun? Bin ich vielleicht auf dem falschen Internet unterwegs?
    „VdC (Verband der Criminellen) und seine korrupten Politiker“, „Bestechungsleine“, „Verbrechern, Mördern, ..“, „Mörderbande“, „Stinkdrogengaststätten“, „Davidsstern“.

    Das alles im selben Beitrag eines der militantesten Miglieder mit insgesamt 571 Beiträgen. Von den ad hominem-Attacken, die die selbe Person und sein Kollege gegen mich geführt haben (nachdem ich ausgesperrt wurde) ganz zu schweigen. Da heisst es dann „Wie schläft man eigentlich nachts, wenn man weiss, man ist schuldig am Tod von Menschen und an der Misshandlung von Kindern?“
    Jedenfalls herzlichen Glückwunsch für Ihre Zusammenarbeit mit diesem Verein. Das gibt Ihren sonst sicher löblichen Bemühungen um Raucherentwöhnung einen völlig neuen Anstrich. Nur gefällt mir die Farbe absolut nicht …

  4. Thilo

    Ja, die Diktion von Pro Rauchfrei ist mitunter drastisch. Da ist die DGNP sicher ein wenig zurückhaltender. Warum? Weil die DGNP konkret über die Nikotinabhängigkeit informiert, sie führt keinen politischen Kampf. Pro Rauchfrei kämpft politisch. Da sich DGNP und Pro Rauchfrei ergänzen, aber nicht verheiratet sind, mischen wir uns nicht gegenseitig in Dinge wie Wortwahl etc. ein. Pro Rauchfrei kämpft für gute Luft und wählt dazu die Worte und Strategien, die man dort für richtig hält. Ich vermute, dass Menschen zu drastischen Worten neigen, wenn die Politik ihre Belange jahrelang beharrlich ignoriert.

    Ob man auch geruchsneutral fliegt oder fährt? Keine Ahnung. Wieso ist das interessant? Mich interessiert das eher nicht, weil das nicht mein Thema ist. Ich bin sicher, andere Vereine kümmern sich auch um diese Belange.

    Geruchsneutral essen steht *mir* nicht frei übrigens, ich kann hier in Berlin-Mitte in keine Kneipe gehen, ohne hinterher zu stinken. Selbst wenn jemand im Stau im Auto vor mir raucht, zieht der Gestank in meine Nase, und für so eine Nichtrauchernase mit intaktem Geruchssinn ist das schon ziemlich unangenehm. Ich kann es daher gut verstehen, wenn Leute dafür kämpfen, dass das künftig anders ist.

  5. Werner Paul

    Sehr geehrter Herr Thilo Baum,

    Pro Rauchfrei kämpft nicht politisch sondern gehässig und menschenverachtend.
    Mit diesem Schulterschluss haben Sie sich endgültig diskreditiert.

    Und dem Jargon und der Gesinnung können Sie sich auch schon langsam anpassen:

    „Selbst wenn jemand im Stau im Auto vor mir raucht, zieht der Gestank in meine Nase, und für so eine Nichtrauchernase mit intaktem Geruchssinn ist das schon ziemlich unangenehm“

    Die Abgase vom Stau scheinen Sie nicht mehr zu riechen mit Ihrem „intakten Geruchssinn“

  6. Vivendi

    „Pro Rauchfrei kämpft für gute Luft und wählt dazu die Worte und Strategien, die man dort für richtig hält.“
    Ist das als Versuch Ihrerseits zu verstehen, sich von diesen Strategien und Worten zu distanzieren? Was bleibt dann noch an Gemeinsamkeiten?

    „Ich vermute, dass Menschen zu drastischen Worten neigen, wenn die Politik ihre Belange jahrelang beharrlich ignoriert.“
    Es wird wohl gute Gründe geben, warum Politiker nicht jede persönliche Empfindlichkeit zum Anlass nehmen, die Verfassung neu zu schreiben.

  7. Thilo

    Lieber Werner Paul,

    ad 1: Abgase im Stau stören mich nicht, stimmt. Es gibt kaum noch Autos, die Kopfschmerzen erzeugen. Ich glaube, zu DDR-Zeiten oder im Westen in den 70ern haben Autos noch so gequalmt, dass es ein Aufreger wäre … Offenbar haben die Gute-Luft-Aktivisten in Sachen Auto-Abgase in den vergangenen Jahren tatsächlich gute Arbeit geleistet („Feinstaub“ halte ich für vernachlässigenswert, so lange auf dieser Erde Menschen rauchen). Jetzt geht es eben um drastischere Geruchsbelästigungen, es hat also alles seine Zeit. Ansonsten wünsche ich Ihnen eine Nichtrauchernase, sowas schärft die Sinne. :-)

    ad 2: Nein, wir haben uns damit nicht diskreditiert. Wir stehen jetzt mit einer Gruppe in Verbindung, die anders als viele andere tatsächlich über das Rauchen und seine unmittelbaren Folgen spricht und nicht über irgendwelche Nebenaspekte oder Folgen für Raucher/innen in 30 Jahren. Und wenn Pro Rauchfrei die Tabakindustrie und deren Verbindung zur Politik angreift, dann ist das in einer pluralistischen Gesellschaft ebenso legitim wie Ihre Bestrebungen auf Raucherseite. Stichwort „Davidstern“: Pro Rauchfrei ist eben *gegen* das von Wulff vorgeschlagene Raucher-R auf ausgewählten Raucher-Gaststätten, *weil* es eben stigmatisiert. Und ich denke, die Verbindungen zwischen Tabakindustrie und Politik sind einer der Hauptgründe, warum ich immer noch ständig meine Sakkos in die Reinigung geben muss, wenn ich mal was essen war.

    Liebe(r) Vivendi,

    ad 1: Nein, ich distanziere mich nicht. Erstens, weil ich mich von nichts distanzieren muss, was nicht meines Ursprungs ist. Und zweitens, weil ich die Haltung von Pro Rauchfrei nachvollziehe und die Kollegen dort sehr gut verstehe, da viele Menschen einfach möglichst keinen Gestank wollen und stattdessen möglichst reine Luft in ihren Lungen. Ich verstehe es, wenn jemand versucht, Geruchsbelästigungen politisch zu bekämpfen, weil Appelle in der Praxis keine Wirkung zeigen – und wenn er zu drastischen Worten greift, weil normale Worte in der Politik zu nichts führen.

    Wenn Sie ein Alkoholproblem haben, dann dürfen Sie gerne saufen, so viel Sie wollen, da fühlt sich vielleicht außer Ihrem/r Partner/in kaum jemand beeinträchtigt. Aber das Rauchen ist halt leider mit Rauch verbunden – und wenn wir zwei im Whirlpool sitzen, tolerieren Sie meine Inkontinenz und meine Blasenschwäche vermutlich auch nicht so locker, wie Sie es von Nichtrauchern in puncto Atemluft erwarten. Können Sie nicht auf Nikotinkaugummis umsteigen? Dann wäre allen geholfen! Sie könnten sich Ihr Nervengift reinpfeifen, und die Nichtraucher könnten atmen.

    Gemeinsamkeiten zwischen DGNP und Pro Rauchfrei bleiben insofern, als die DGNP wie gesagt versucht, das Rauchen einzudämmen und als Pro Rauchfrei versucht, die Lebensqualität der Nichtraucher zu erhöhen. Zwei verschiedene Dinge, die einander ergänzen. Ich respektiere by the way auch Ihre Haltung. Ich selbst hätte als Raucher nicht anders gehandelt bis Mai 1996. Doch heute distanziere ich mich nicht von der Haltung von Pro Rauchfrei, weil ich sie sehr gut verstehe. Ich distanziere mich auch nicht von Ihnen, denn ich verstehe Sie genauso gut, schließlich war ich selbst zwölf Jahre lang Raucher.

    Was Ihre Vermutung erklärt, ich wollte mich distanzieren, ist einfach: Ich befasse mich thematisch mit etwas anderem als Pro Rauchfrei. Ich kämpfe nicht für den Nichtraucherschutz. Ich kämpfe gegen das Rauchen. Insofern beackern Pro Rauchfrei und wir schlicht verschiedene Felder, und es ist müßig, wenn sie mich auf die Position eines anderen Bauern festnageln. Wenn Sie was über einen Acker wissen wollen, sollten Sie schon den Bauern fragen, dem er gehört.

    ad 2: Natürlich gibt es gute Gründe, dass wir nicht wegen jeder Kleinigkeit das Grundgesetz neu aufsetzen. Aber darüber spricht glaube ich auch niemand.

  8. Thilo

    Nachtrag: Hey, der DGNP-Eintrag bei Wikipedia ist gelöscht. Tja! Sind wir wohl nicht so wichtig …

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