… schreiben solche E-Mails:
komm zum punkt! ja, aber lass das ausrufezeichen weg. oder weißt du (sorry, wissen sie) nicht mehr, was dein deutschlehrer dir über seine funktion gepredigt hat?
Super, erst mal alles klein schreiben wie die RAF, aber mit Deutschlehrern daherkommen. Und natürlich erst mal zwischen den Zeilen Recht haben mit einer blöden rhetorischen Frage. Natürlich erinnere ich mich, welche Bedeutung ein Ausrufezeichen hat: Es folgt bei Imperativen. „Komm zum Punkt!“ ist ein Imperativ. Und jetzt?
Bei manchen Menschen auf dieser Welt frage ich mich, was sie wollen … – pure Wadenbeißerei?
Ist das der gleiche Menschenschlag, der beim Radio anruft und in bürokratischem Polizeideutsch erklärt: „Auf der Bundesautobahn A 24 zwischen Herzsprung und Neuruppin in Fahrtrichtung Berlin kommt es zu einer Geschwindigkeitskontrolle!“? Oder der dir, wie in vielen Xing-Gruppen üblich, pawlowmäßig widerspricht, nur weil du ungewohnte Gedanken skizzierst? Ist das der Typ Mensch, der sich ein Detail heraussucht, anhand dessen er dich als Person diskreditieren will? Oder auch in freundlicher Ausprägung der Herr-Lehrer-ich-weiß-was-Troll im Seminar, der sich mit Null-Inhalten zu Wort meldet und damit deine und die Aufmerksamkeit deines Publikums sucht?
Ihr Psychologen der Welt, erklärt mir dieses Phänomen! Was sind das für Typen?
Nachtrag 15. Mai:




Nun gut, Du nervst Dich also. Aber warum eigentlich? Weil die „Wadenbeisser“ nicht sagen, was sie Dir mit ihrem Beitrag mitteilen wollen? Und was hilft das denn, wenn Du „weisst“, was das für Typen sind? Warum sollte ein Dritter eine Interpretation wagen, wenn Du doch die „Nervtüten“ gleich selber fragen könntest, was genau sie (von Dir) wollen? Was hält Dich davon ab, das zu tun?
Das sind Leute mit einer Profilneurose, die ständig Aufmerksamkeit brauchen. Das ist keine Störung, die man im ICD-10 findet, sondern der ganz normale Wahnsinn.
Ist ja irre, oder?
Nihilisten, alles Nihilisten. Kenne ich aus dem Berufsalltag: Erstmal sagen, wenn ein neuer Vorschlag kommt, der das Althergebrachte infrage stellt und neue Wege ausprobiert, dass dies und das nicht geht. Und sie begründen dann ausgiebig, warum etwas nicht geht. Die Betonung liegt immer darauf, die neuen Vorschläge zu zerhackstückeln, bis sie kaputtgeredet sind. Reine Energieverschwenung.
Ich sage dann immer: Ich will nicht wissen, was nicht geht. Ich will wissen, was geht. Oder: Ich will nicht wissen, dass der- oder diejnige dafür nicht zuständig ist, dann will ich wissen, wer zuständig ist, wer die Dinge ändern kann, wenn nicht die unmittelbaren Gesprächspartner.
Klar ist doch, dass man sich Maximalziele setzen sollte, um in Schritten voranzukommen. Das hat den Menschen das Feuer, das Licht und das Rad gebracht. Nihilisten würden, gäbe es nicht auch andere Menschen, noch heute mit Feuer Licht machen.
Ich weiß, liebe Nihilisten, das tun wir heute auch noch. Nur brennt in keinem Wohnzimmer dafür ein Lagerfeuer mit Fackeln drumherum. Das Feuer brennt noch in Kohle- oder Gaskraftwerken; doch wie lange noch ..?
@ Gabriela: Ich nerve mich nicht. Und deine Fragen verstehe ich, ehrlich gesagt, auch nicht. Wie auch immer: Vielleicht gibt es ja ein Wort für diese Leute. Trolle ist die richtige Richtung, Nihilisten weiß ich nicht so recht. In jedem Fall geht es um Menschen, die sich schon deswegen angegriffen fühlen, weil jemand eine Position vertritt oder auch nur ein Ausrufezeichen setzt. Es geht um ein Wort für einen pawlowschen Reflex, dem wir hierzulande oft begegnen, wenn etwas nicht ins Weltbild der betreffenden Menschen passt.
Ausrufezeichen-Angsthasen: Woher das kommt? Sie vertragen nicht, dass jemand eine Meinung hat, sie artikuliert und dann auch noch verteidigt; also vertritt und sich selbst treu bleibt. Und: Sie haben Angst davor, dass jemand etwas von ihnen fordert. Warum? Bisher gab’s das in ihrem Leben nicht. Trolle? Ja, sicher. Aber diese Spezies gab es schon vor dem Internet-Zeitalter. Es sind Leute, die Thesen anderer nicht mögen, weil sie selbst nicht in der Lage sind, Thesen aufzustellen.
Und hübsch ist ja auch, sich selbst nerven. Reflexiv gegen sich selbst. Selbstreflektion ist per se mal gut. Das gilt für jeden und nicht nur für die, die es wagen, gegen den Mainstream eine Theorie zu haben und zu belegen, dass diesse nachhaltig ist.
Das Spannende ist ja, dass diese Gesellschaft und der Staat auch deswegen immer mehr ihren Geist aufgeben, *weil* sie immer beliebiger werden. Weite Teile der Gesellschaft ächten klare Aussagen – man fühlt sich angegriffen, statt eine ungewohnte These einfach mal stehen zu lassen oder sie sich sogar mal anzuhören. Die Reaktionen sind reflexhaft, d.h. unüberlegt und eben unreflektiert.
Medien spiegeln das wider, indem sie das Diverse bringen und nicht das Klare. Klartext gilt als „Populismus“, obwohl es viel populistischer ist, dem Volk nach dem Maul zu reden. Klartext redet dem Volk eben nicht nach dem Maul, sondern bezieht Position, ist somit natürlich auch angreifbar und anfechtbar. So wie das eben sein soll in einer Demokratie.
Doch statt die spannende Auseinandersetzung zwischen spannenden Positionen zu genießen, leiden wir unter Gleichmacherei. Am besten zeigt sich das in der Politik: Die Aussagen werden immer mehr wischiwaschi. Und die Menschen gehen eben wegen dieser Gleichmacherei immer seltener zur Wahl – sie haben eh nur die Wahl zwischen kaltem und warmem Müll zum Mittagessen.
Warum? Wie sich keiner mehr profiliert. So sehr haben die Gleichmacher unsere politische Kultur zerstört. Nicht einmal mehr Ausrufezeichen sind erlaubt. Ich finde das extrem krank.
@ Gabriela: Ich glaube nicht, dass es Thilo darum geht, über einen Menschenschlag zu motzen. Eher weist er auf ein Phänomen hin, das allgemein bekannt, für Mitmenschen nervtötend und sogar für den „Wadenbeißer“ (oder wie auch immer tituliert) lästig ist, denn er schießt sich so ja ständig selbst ins soziale Aus. Das Phänomen zu beschreiben und zu versuchen, es einzuordnen, geht besser in der Außenperspektive – und ist keine Frage an den Wadenbeißer selbst. Der blinde Fleck dürfte dabei stören.
Thilo wird sich nach einer endlich langen Zeit die Frage stellen: Warum ziehe ich diese Art von Kritik an? Wenn diese Frage beantwortet und bearbeitet ist, wird sich das Phänomen „Wadenbeißer“ auflösen oder einfacher: Ein Brandstifter wurdert sich, dass es brennt.
Spannender Gedanke.
Da veröffentlicht Eichborn vor mehr als einem Jahr mein Buch „Komm zum Punkt!“ mit einem Ausrufezeichen, und ich biete entsprechende Seminare an, in denen ich mein Know-how als Schlagzeilenschmied Menschen und Unternehmen zugänglich mache.
Eine Dame, die sich aus unerfindlichen Gründen von einem Ausrufezeichen angegriffen fühlt, macht mich per E-Mail blöd an, und von Roger heißt es, ich zöge eine bestimmte Art von „Kritik“ an und sei ein Brandstifter. Die Welt ist doch total krank. Was ist daran eine „Kritik“, wenn die Dame ein Problem mit Satzzeichen hat? Ist es heute Brandstiftung, Positionen zu beziehen? Mir wird langsam klar, warum das Land stillsteht.
Vielleicht sollte ich noch mehr mit Ausrufezeichen machen, wie etwa in meinem neuen Buch „Mach dein Ding!“ (Vorsicht, Imperativ), denn offenkundig treffe ich mit den Ausrufezeichen einen Nerv.
Entschuldige Thilo. Ich habe Dir eine mögliche Erklärung angeboten. Deine Idee, dass die Welt krank ist, teile ich weniger.
Okay, in Ordnung. Vielleicht ist es einfach eine Zielgruppenfrage? Es gibt offenbar eine Menge Menschen, die auf eindeutige Ansagen allergisch reagieren, was sogar in der Ablehnung eines Ausrufezeichens gipfelt. Vielleicht finde ich einfach diesen Zustand absurd und auch nicht gleich die ganze Welt krank.
Thilo, vergiss es! Du bringst Unruhe in das Bewährte. Das schaffen viele nicht. Sich an Normen und Regeln – auch die der Interpunktion – zu halten, bedeutet Sicherheit. Bedeutet Orientierung und Halt. Vorschriften einhalten heißt, ich muss mich nicht entscheiden, nicht selbst verhalten. Mit neuen Gedanken und Ansätzen überforderst du. Das kann freilich nicht zugegeben werden. Also wird nicht die Idee abglehnt, sondern der Urheber. Das erspart die Auseinandersetzung mit Varianten und Anderem. Keine Entscheidungen. Leider auch keine Erkenntnis und kein Erlebnis. Wenn jemand grundsätzlich nichts Süßes will, ist es mühsam ihm Mars schmackhaft zu machen. Oder Snickers. Oder Bounty. Die Armen.
Babette, gründsätzlich kann auch der Verweigerer überzeugt werden, Mars, Snickers oder Cola zu konsumieren. Ob der Imperativ (Befehl) dafür die richtige Lösung ist, bezweifle ich.
Neue Buchtitel: „Ach bitte, bitte, liebe Leute, drückt euch klar aus“. Und: „Es wäre schön, wenn ihr euer Ding machen würdet“. Sehr überzeugend. ;-)
Gibt es viele Sachbücher mit Befehl im Titel?
- „Sag es treffender“ von Textor
- „Halt den Mund, hör auf zu heulen und lebe endlich!“ von Larry Winget
- „Mach deinen Job!“ von Larry Winget
- „Simplify your life“ von Küstenmacher/Seiwert
- „Never eat alone“ von Ferrazzi
- „Denke nach und werde reich“ von Hill
- „Raus aus der Bananenfalle!“ von Drubin
- „Coach dich selbst, sonst coacht dich keiner“ von Miedaner
- „Sorge dich nicht, lebe!“ von Carnegie
- „Your attention, please“ von Brown und Davis
- „Schluss mit der Anstrengung!“ von Berckhan
- „Raus aus der Box!“ (Arbinger Institute)
- „Slow down your life“ von Romhardt
- „Speak German!“ von Schneider
Ich mag gar nicht daran denken, welcher Volksaufstand durchs Internet wallt bei Titeln wie „Der Arschlochfaktor“ von Sutton, „Die neuen Spießer“ von Rickens oder gar „Power – Die 48 Gesetze der Macht“ von Greene … Vermutlich fühlen sich die Leute auch enorm unter Druck gesetzt von Titeln wie „Business English in 30 Tagen“ (Langenscheidt) …
Also, also. Und wenn das Neue ist: Ein Sachbuch mit Befehl im Titel! Und es geht dann doch um die Ablehnung des `anders als bisher und sonst`. Was übrigens keine Katastrophe ist. Aber bitte die Ideen- und Faccettenreichen eben einfach in Ruhe klüger sein lassen…..
- „Mach deinen Beruf zur Berufung“ von Baumann-Bay
- „Bring Licht in die Welt“ von Walsch und Kahn-Ackermann
- „Frag mich! 108 Fragen an Kinder, um miteinander ins Gespräch zu kommen“ von Antje Damm von Moritz
- „Frag einen Mann, wenn du mit Männern glücklich werden willst“ von Harvey
- „Setz dich hin und tue nichts: Das Buch der Entspannung“ von Zhi-Chang und Cornelius
- „Finde dich selbst durch Meditation“ von Draayer und de Pree von Schirner
- „Steh auf!“ von Boris Grundl
- „Geh deinen Weg“ von Bickel von Herder
- „Bleib auf deinem Weg“ von Marshall und Schleipen
- „Mach dein Glück, sonst macht es keiner“ von Tschechne und Gregori
- „Finde den Job, der dich glücklich macht“ von Gulder
- „Suche das Glück und finde dich selbst“ von Spilling-Nöker
- „Mach doch, was du willst!“ von Pásztor und Gens
Natürlich, der Boris Grundl, wie konnte der mir nicht beim ersten Schwung einfallen … Lauter Gewaltliteratur, deren Imperativtitel uns mal mit und mal ohne Ausrufezeichen fertig machen?
Titel der aktuellen „Brand eins“: „Dieses Heft macht sexy!“ Bitte setzen Sie sich diesem Gewaltimpuls nicht aus, das Ausrufezeichen ist extrem aggressiv – dabei handelt es sich bei dem Satz grammatisch nicht einmal um eine Befehlsform …
Am besten nur noch „…“ schreiben, damit werden Aussagen schön wässrig und beliebig …
„Mach dein Ding …“
„Komm zum Punkt …“
„Steh auf …“
Nein, Spaß beiseite – wir brauchen heute klare Aussagen, und wir brauchen vor allem Menschen, die sich trauen, klare Aussagen zu formulieren.
„Abhandlung über die Vorzüge des Zum-Punkt-Kommens in geschriebener und gesprochener Sprache unter spezieller Berücksichtigung konformistischen Denkens“
:-)))
Oha. Ob die Gegner klarer Sprache diesen Humor verstehen? Kannst du das nicht ein bisschen knackiger sagen und mit Ausrufezeichen versehen …?
Ach, mir fällt noch ein Buch ein:
- „Ruf! Mich! An!“ von Else Buschheuer
Da müssen die Gegner des Ausrufezeichens ja geradezu die Cholera von bekommen …
- „Lebe dein Leben! Sei du selbst!“ von Robert Betz
- „Lebe deinen Traum! Das Erfolgsgeheimnis von What to do with the rest of your life“ von Martin Sage und Hans Christian Meiser
- „Lebe deine Träume: Werden Sie zu dem Menschen, der Sie immer sein wollten“ von Pam Richardson
- „Liebe dein Leben und lebe deine Träume! Ratgeber für ein glückliches und zufriedenes Leben in allen Bereichen, im Einklang mit dem Rest der Welt“ von Kirsten Schulitz
- „Sei du selbst, alle anderen sind schon vergeben“ von Mike Robbins
- „Sei einfach du selbst!“ von Andrea Tilk
- „Sei gut zu dir, wir brauchen dich: Vom besseren Umgang mit sich selbst“ von Horst Conen
- „Schenk dir selbst ein neues Leben: Die Kunst, sich immer wieder neu zu erfinden“ von Horst Conen
- „Hör mal hin! Auf dem Bauernhof. Soundbuch mit 10 Geräuschen“ von Petra Klose und Yousun Koh
- „Hör auf dein Herz“ von Charlotte Bingham und Sonja Schuhmacher
- „Glaube an die Liebe und hör auf Dein Herz“ von Christa Spilling-Nöker
- „Sei nicht nett, sei echt! Ein Gleichgewicht zwischen Liebe für uns selbst und Mitgefühl mit anderen finden. Handbuch für Gewaltfreie Kommunikation“ von Kelly Bryson, Theo Kierdorf, und Hildegard Höhr
- „Hör auf zu träumen, fang an zu leben. Mit gewaltfreier Kommunikation innere Blockaden lösen“ von Thomas d‘Ansembourg
(Ach. Zwei Mal „gewaltfreie Kommunikation“ mit Imperativ, einmal sogar mit Ausrufezeichen? Wie kann das sein?)
Überwiegend How-to Bücher (Ratgeber). Kann es sein, dass einige Menschen auf Ratgeberbücher besonders aggressiv reagieren?
„Es wäre schön, wenn ihr euer Ding machen würdet“ <- haha klingt super, so ein Titel würde eine ganz andere Zielgruppe ansprechen, als ein "Mach dein Ding!".
Könnte vll. ein Einsteigerbuch sein, ein Vorgänger. Erstmal behutsam an die Hand nehmen und so :)
Ist doch aber immer so, es gibt die Freunde der direkten Ansage und die Durch-die-Blume-Nuschler. Anhänger der jeweiligen Gruppe verstehen die andere schlecht und greifen sie (Vgl. Ihre erhaltene E-Mail) ggf. sogar an.
Ich habe nicht verstanden, warum es wichtig ist, über diese – in meinen Augen – nichtige Mail zu diskutieren, die eventuell sogar nur aus Langeweile heraus geschrieben wurde.
Roger: Ja, es scheint offenbar Menschen zu geben, die auf How-to-Bücher aggressiv reagieren. Der oben diskutierte Typ, ob man ihn Troll nennt oder wie auch immer. Aber schreiben die auch an Carnegie und sagen ihm, er soll das Ausrufezeichen weglassen? Oder an Boris Grundl?
Es sind in jedem Fall Menschen, die sich angegriffen fühlen anhand klarer Aussagen und Anweisungen. Ich schätze, es ist eine Spätfolge der Laissez-faire-Pädagogik der 68er.
Diese Menschen dürften erstens unfähig dazu sein, Kochbücher zu lesen mit den für Rezepte typischen apodiktischen und meist auch kompromisslosen Forderungen, und zweitens dürften sie ziemlich zugenagelt sein für alles, was als Ratgeber mit Aufforderungen daherkommt, weil ihre anerzogene Ablehnung gegen alles Apodiktische wie ein nicht zu tilgender Bimmel-sabber-Reflex eines Pawlowschen Hundes im Denken festsitzt.
Katharina: Weil sich die Geisteshaltung hinter dieser Mail nicht nur durch zahllose Xing-Diskussionen zieht, sondern weil originelle Menschen, die etwas Neues schaffen, nahezu immer Angriffe von dieser Front erfahren. Postet ein Teilnehmer im Chat eines Webinars einen URL, protestiert eine einschlägig bekannte Dame reflexhaft sofort: „Das ist hier keine Werbeveranstaltung!“ Statt dass sie die Menschen in Ruhe kommunizieren lässt, weist sie sie zurecht, und das Andere-Zurechtweisen zieht sich quasi als Leitmotiv durch. Diese intolerante und besserwisserische Haltung sitzt bei vielen dieser Menschen sehr tief, und sie sabotiert neue gedankliche Entwicklungen.
Ich vermute, es ist ein Mix aus Neid, gedanklicher Unflexibiliät, das Gefühl zu allem etwas sagen bzw. protestieren zu müssen und eine große Portion Angst vor dem Ungewohnten. All das hier kann aber immer nur Interpretation sein, deshalb wäre es tatsächlich toll, es würden Menschen mitreden, die gemeint sind. Aber ich denke, wird sich keiner freiwillig dazu zählen.
Thilo, ein bekannter deutscher Denker hat zu Dale Carnegie ausgeführt: „Seine Verallgemeinerungen beleidigen jeden denkenden Menschen.“ oder „Das Werk ist von erstaunlicher intellektueller Anspruchslosigkeit.“ Das steht öffentlich in einem Buch.
Inzwischen wird sogar empfohlen Anbeiter abzumahnen, wenn diese behaupten die „Nr. 1″ oder „der führende Experte“ zu sein. Ich vermute, kann es nicht beweisen, dass auch andere Autoren Mails mit Kritik bekommen, denn es gibt die Gruppen der Fans und Nichtfans und ein öffentliches Netz, indem beide Gruppen gleichberechtigt zu Wort kommen. Das müssen wir alle inzwischen aushalten und entsprechend agieren.
Da widersprechen wir uns nicht. Ich bin auch der Meinung, dass wir Kritik erdulden müssen, und von der Kontroverse lebt ja auch die öffentliche Debatte. In Veröffentlichungen stehen mitunter noch viel härtere Dinge als der Satz über Carnegie. Und dagegen habe ich auch nichts, wenn dadurch die Debatte lebt und der Angegriffene die realistische Chance hat, sich zu wehren.
Das Spannende heute ist in meinen Augen vor allem, dass die Gatekeeperfunktion der Medien wegfällt und damit nahezu jeder jede Position broadcasten kann. Doch wenn wir beides zusammen nehmen (Toleranz von Kritik und Multiplikation für alle), dann steht es auch den Angegriffenen zu, die Angriffe der Angreifer zum Thema zu machen und auch deren Armseligkeit freizulegen, sofern gegeben.
Insofern finde ich beides gut und gerechtfertigt: das Recht, jemanden anzugreifen ebenso wie das Recht, sich gegen Angriffe zu wehren.