Windows‘ last fight

 

Mein Acer-Rechner ist aus der Reparatur zurück. Tasten hatten beim Schreiben dopppeltt angescchlagen. Beim ersten Versuch einer Reparatur meldete Acer, man habe den Fehler nicht nachvollziehen können, und klebte einen hässlichen Kleber auf den Rechner neben das Touchpad. Jetzt heißt es im Reparaturbericht: „Notebook getestet, Uppercover ausgetauscht, System recovered, BIOS aktualisiert“. Zur Tastatur kein Wort. Da schreibt man sich die Finger fusselig, weil die Acer-Hotline um eine exakte Fehlerbeschreibung bittet, und dann erwähnen die nicht einmal das Problem.

Bedeutung der kryptischen Worte: Festplatte platt, alle Software weg, Drucker weg, Vista auf Anfang, und zugleich wollte das Gerät erst 24 Dinger installieren, was ewig dauerte, dann jammerte „McAfee“ nach Aktualisierung, obwohl ich das nie nutzte. AntiVir weg, so wie alles. Und Acer will, dass ich meinen Rechner erneut registriere. Ob der Fehler behoben ist, weiß ich noch nicht, dazu müsste ich mal ein paar Absätze schreiben. Aber zunächst gleicht der Rechner einem Rohbau beziehungsweise einer Ruine, was ja ungefähr das Gleiche ist.

Gibt man einem Kunden auf diese Weise ein repariertes Produkt zurück? Stellen Sie sich vor, Sie holen Ihr Auto aus der Werkstatt, und Sie müssen erst mal wieder die Sitze einbauen, die Hupe montieren und den Wagen neu zulassen. Ohne ein Wort zur Sache. Das ist etwa so, als spucke man Ihnen vor die Füße.

Im Grunde aber ist es egal, Hauptsache, es ist der richtige Rechner. Vermute ich. Eine Schraubenabdeckung fehlt, und die fehlte auch bei dem Rechner, den ich eingeschickt habe. Die Festplatte (1 TB) ist nach wie vor partitioniert, aber die Partitionen heißen nicht mehr „System (C:)“ und „Daten (D:)“, sondern „ACER (C:)“ und „Daten (E:)“. Ich bin schon die Doppelpunkte und Klammern Leid, die für eine Geisteshaltung sprechen, deren Anhänger ihre Finger auf dem Nummernblock lassen sollten, und es ist schön, von einem Mac aus im Internet zu schauen, wie man Windows 7 installiert.

Als Erstes soll ich schauen, ob eine 32-Bit- oder eine 64-Bit-Version nötig ist, und das Softwarepaket von Windows 7 enthält zwei DVDs – eine für 32 und eine für 64 Bit. Schaue ich bei Wikipedia, lese ich was von „Adressbus“ und „Datenbus“. Es ist so krank. Alleine sich da reindenken zu müssen, macht unendlich müde. Man will einfach nur noch sterben, gäbe es da nicht den Mac.

Die Microsoft-Installationsanleitung spricht davon, unter F12 erscheine ein „Boot Device Menu“ mit der Option „Onboard or USB CD-ROM Drive“. Habe ich nicht. Ich fahre das Ding jetzt schon zum vierten Mal runter und rauf. Bei mir steht bestenfalls „IDE CD: PIONEER BD-ROM BDCTD01RS-(“. Die anderen Optionen sind nicht weniger kryptisch: „IDE HDD: TOSHIBA MK5055GSX-(S1)“, „IDE HDD: ST9500325AS-(S5)“ und „PCI LAN: MBA v11.4.1 Slot 0600″.

In dieser Sprache reden diese Leute miteinander und sogar mit Kunden – wie sollen ihnen da kundenfreundliche Produkte gelingen?

Ich wähle „IDE CD: PIONEER BD-ROM BDCTD01RS-(“ aus, weil ich von „CD“ irgendwie darauf schließe, dass die Ingenieure mit der begrenzten Empathie das CD-Laufwerk meinen, in dem meine Windows-7-DVD liegt. Doch der Rechner bootet nicht von der DVD, sondern von der Festplatte mit Vista. Obwohl ich gerade die Festplatte mithilfe der Windows-7-DVD formatieren will. Beim zweiten Versuch dann geht’s, der Rechner startet von der DVD.

Die DVD meldet drei Optionen: „Jetzt installieren“, „Wissenswertes vor der Windows-Installation“ und „Computerreparaturoptionen“. Da ich die Festplatte formatieren will, gehe ich auf Letzteres, aber da habe ich nur die Wahl zwischen Wiederherstellungstools zum Lösen von Problemen beim Starten von Windows und der Wiederherstellung des Computers mithilfe eines zuvor erstellten Systemabbilds.

Hä?

Nach der Installation von Windows 7 stellt sich der Bildschirm irgendwie dar, aber leider fehlen mal wieder der Computer und der Arbeitsplatz auf dem Schreibtisch – und nach ein wenig Gefrickel finde ich die Information, beim Acer-PC sei eine „Problembehandlung erforderlich“. Im Detail heißt es dauernd: „Die Treiber für dieses Gerät wurden nicht installiert (Code 28)“ oder „Das Gerät kann nicht gestartet werden (Code 10)“. Die Liste der nicht funktionierenden Treiber ist enorm, sie reicht vom „A 310″ (was ist das?) über den Fingerprint-Reader bis zur Grafikkarte.

Whow, was für ein Ausflug in die Windows-Welt! Wer hat da gesagt, mit Windows 7 werde irgendwas besser? Ich habe den Medien entnommen, die Windows-7-Installation sei einfach. Leider nur finde ich innerhalb vernünftiger Zeit keine Chance zum Formatieren der Platte, und betriebsbereit ist der Rechner auch nicht. Ich glaube, Microsoft verschwendet meine Zeit. Also bringe ich den Rechner lieber wieder kostenpflichtig zu jemandem, der die Sprache dieser Leute und ihr Denken versteht, eine Art Windows-Deutsch-Dolmetscher.

Und arbeite weiter auf meinem Mac.

Beitrag kommentieren