Die Umstände um die Todesfälle bei der Duisburger Love Parade werden immer undurchsichtiger. Hatte Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland zuletzt noch behauptet, von umfangreichen Sicherheitswarnungen keine Kenntnis gehabt zu haben, behaupten Ortskundige nun, es habe gar keine Love Parade gegeben.
„Es war ein ganz normales Wochenende“, berichtet Augenzeuge Martin S. „Ich habe die ganze Zeit bei mir zu Hause in Duisburg auf dem Sofa gesessen und über Kopfhörer laut Musik gehört. Ich habe nirgendwo eine Love Parade gesehen.“ Medienberichte, wonach es am vergangenen Samstag eine Musikveranstaltung in der Stadt gegeben habe, kann er nicht bestätigen. Von einem Tunnel in der Nähe des Alten Güterbahnhofs wisse er beim besten Willen nichts, weil er noch nie dort gewesen sei.
Die Zweifel über die zuletzt in zahlreichen Medienberichten genannten Vorwürfe gegenüber Stadtvertretern und einem Fitness-Unternehmer scheinen nun wie aus der Luft gegriffen. „Auch einen Oberbürgermeister Sauerland gibt es nicht“, sagen Augenzeugen, die den Mann noch nie gesehen haben. Bei Sauerland könne es sich möglicherweise um Hubert Krehe handeln. Krehe sei von 1946 bis 1948 Oberbürgermeister der Stadt Castrop-Rauxel gewesen und nicht von Duisburg. Er sei längst tot und könne daher nichts von Sicherheitsbedenken im Jahr 2010 gewusst haben. Eine Love Parade könne ihm nicht bekannt gewesen sein, zumal es sie ohnehin nie gab.
Auch die frühere „Tagesschau“-Sprecherin Eva Herman hatte in einem Blogbeitrag die Überlegung angeregt, inwieweit möglicherweise höhere Mächte die dubiosen Todesfälle verursacht haben könnten. Wie es sich für eine seriöse Journalistin gehört, trug sie mit ihrer These maßgeblich zur Klärung der Umstände bei. Allerdings war auch sie stets davon ausgegangen, dass es eine Love Parade gegeben habe, die sie mit „Sodom und Gomorrha“ verglich. Experten zufolge ist allerdings schon das Geschehen in den antiken Städten Sodom und Gomorrha äußerst fraglich – ähnlich wie die Love Parade heute. Eine Musikveranstaltung sei nicht belegt, die Elektrizität noch nicht erfunden gewesen.
Die neuen Erkenntnisse werden es den ermittelnden Behörden nicht leichter machen. Veranstalter Schaller hatte Medienberichten zufolge bereits am Mittag der Veranstaltung von mehr als einer Million Teilnehmern geschwärmt, während die Stadt Duisburg nur eine Veranstaltung für maximal 250.000 Personen zuließ. Zugleich irritierten Medienberichte, wonach die Genehmigung für die Veranstaltung erst am Tag der Veranstaltung oder sogar erst tags darauf zugestellt worden sei. Jetzt erklärte ein Behördensprecher: „Es ist noch gar keine Genehmigung erteilt worden, wir arbeiten noch daran.“
Genehmigungen für Veranstaltungen pflege die Stadt Duisburg erst weit nach Ende der Veranstaltungen zu bearbeiten, um die Rechtsunsicherheit möglichst lange aufrechtzuerhalten und um später noch korrigierend eingreifen zu können. „Vielleicht genehmigen wir die Love Parade 2010 im November“, sagte der Sprecher. Hinsichtlich der Teilnehmerzahl zeigt er sich wenig entgegenkommend: „Wir plädieren im Augenblick für eine negative Zahl. Angedacht ist, dass die Love Parade nur mit einer Teilnehmerzahl von weniger als minus 100.000 Teilnehmern steigen kann.“ Alternativ im Gespräch sei eine mathematisch möglichst komplizierte Zahl, etwa die Wurzel aus 17. Genehmigt sei die Veranstaltung nur dann, wenn der Veranstalter genau die genannte Zahl von Teilnehmern aufbieten könne.
Solcherlei Logik passt durchaus ins Bild der Stadt Duisburg und der Berichterstattung über Veranstaltungen, die es nicht gibt. Auch der Behördensprecher betont: „Wenn es zum Zeitpunkt der Veranstaltung keine Genehmigung gab, kann es auch keine Veranstaltung gegeben haben.“ Dies folge der langen Tradition nicht statt findender Veranstaltungen in Duisburg. Vor allem besonders viele Love Parades hätten in Duisburg bisher nicht stattgefunden. Und wo nichts stattfinde, so der Sprecher, gebe es auch keine Veranstalter. „Dieser Rainer Schaller oder wie er heißt, den kann es nicht geben.“
Inzwischen mehren sich die Zweifel, ob es Duisburg überhaupt gibt, oder ob es sich bei Duisburg nicht eher vielmehr um Gelsenkirchen oder um Dortmund handelt. Auch die Rolle des Leiters des Krisenstabes, Wolfgang Rabe, gerät zusehends ins Scheinwerferlicht. Gemeinsam mit dem mutmaßlichen Oberbürgermeister Sauerland und dem mutmaßlichen Veranstalter Schaller hatte er in einer okkulten Sitzung vor der Presse bereits am Tag nach dem nicht stattgefundenen Geschehen ausschweifendes Schweigen demonstriert und damit den Eindruck von Beobachtern gestärkt, es gebe nichts zu sagen, weil nichts geschehen war. Ein Teilnehmer: „Wer nichts sagt, existiert nicht. Das wusste schon Descartes.“
Descartes allerdings war vom Denken ausgegangen, nicht vom Sprechen, und der Beweis der Gültigkeit des Umkehrschlusses seines Aphorismus‘ „Cogito ergo sum“ steht bislang noch aus. Von einer Love Parade im Ruhrgebiet oder insbesondere in Duisburg findet sich indes auch bei Descartes keinerlei Nachweis. Zudem stießen Beobachter bislang vor allem in Duisburg auf keine belastbaren Hinweise auf wirkliches Denken.
Die Polizei Köln und die ermittelnde Staatsanwaltschaft verzweifeln nun an der Frage, ob sie gegen nicht existierende sowie nicht denkende Personen wegen ausbleibender Todesfälle auf nicht stattfindenden Ereignissen in irrealen Städten überhaupt ermitteln können.



Ich vermute, auch Duisburg ist gar nicht existent. Schon paradox, was man alles rausfindet, wenn man Politikersprechbalsen zugrundelegt.
Gute Satire!