
Der Blick aus dem Lesezimmer war heute ein wenig ungewohnt: Eine Herde von etwa vierzig Kühen trabte heran und kommentierte das Haus mit lautstarken Unmuhtsbekundungen. Auf diesem riesigen, LPG-großen Feld sind die Kühe mal hier und mal da, aber wenn sie sich mal für eine Ecke entschieden haben, dann bleiben sie da eine Weile. Und heute war eben ich gesegnet mit hohem Besuch – hoch, weil die Weide der Kühe etwa einen Meter über dem Bodenniveau des Hauses liegt. Selten sieht man Kühe von unten.

Wenn Kühe eines gut können, ist es staunen. Die meisten in der Gruppe fixieren mein Haus, nur ein paar Jungbullen schauen auch in andere Richtungen. Das Haus inmitten der Wallachei passt offenbar nicht ins Weltbild der Kühe. Sie blöken ihm entgegen, als wollten sie es weg haben. Oder aber sie warten auf den Beginn der Show – keine Ahnung. Sie sind dabei aber auch nicht anders als Menschen bei Menschenansammlungen, bei denen es nichts zu sehen gibt.

Kühe im Blick aus dem Treppenhausfenster: Wo einst der Roggen stand, wird nun extensiv gedüngt. Kühe sind Stickstoff- und Milchproduzenten und nutzen dafür die verschiedensten Öffnungen.
Heute war ich ja beim Tierarzt. Mit der Katze. Nichts Schlimmes, ein wenig Fieber und eine Art Magenverstimmung (die Katze). Es kam uns schon am ersten Tag seltsam vor, als das Vieh nichts mehr fraß – ist Frau Schröder doch eher eine Fressmaschine als eine Katze. Außerdem quatschte sie nicht so viel wie sonst: Üblicherweise redet die Katze am Stück und ohne Pause, wenn sie nicht gerade schläft oder frisst. Ein bisschen ist sie wie der Esel aus „Shrek“, nur ein wenig unsportlicher und insgesamt langsamer.
Als wir also ins Wartezimmer der Tierärztin kamen, Frau Schröder in ihrer Box an meiner Hand, bellte und knurrte uns eine Schäferhündin entgegen, die da mit ihrem tumben Besitzer wartete, der sie dürftig zurechtwies. Ich wechselte ein paar Worte mit der Hündin, zwinkerte ihr zu, und alles war in Ordnung. Frau Schröder und ich nahmen Platz. Der Hund schwieg und blinzelte zurück.
Nach zehn Minuten kam eine Frau ohne Tier ins Wartezimmer. Sie wollte nur etwas abholen. Die Hündin kläffte und knurrte wieder, und wieder bewies Herrchen seine Unfähigkeit im Umgang mit Tieren, indem er dem Hund nicht etwa die Angst nahm, sondern ihm befahl, die Klappe zu halten. Die Frau allerdings verhielt sich psychopathisch: Stocksteif blieb sie erst vor dem Hund stehen und starrte ihm ernst in die Augen. Dann ging sie langsam an ihm vorbei, weiterhin starrend, und stellte sich neben die Tür zum Behandlungszimmer (obwohl Stühle frei waren) und fixierte das arme Tier weiter. Herrchen hatte Mühe, den verängstigten Hund still zu bekommen. Schließlich redete ich ruhig auf ihn ein, und er beruhigte sich und legte seinen Kopf wieder auf die Terracotta-Fliesen und blinzelte mich an.
Die Frau ist das, was ich als „krank im Kopf“ bezeichnen möchte. Üblicherweise meide ich solche Leute, aber da sie nicht aufhörte zu starren, mischte ich mich ein. „Wenn Sie den Hund so durchdingend anstarren, ist es klar, dass er bellt.“ Die Frau wendete den Kopf wichtig zu mir. Sie hob die Augenbrauen und deklarierte: „Wissen Sie, ich habe schon zwei Hundebisse hinter mir.“ – „Das wundert mich nicht“, antwortete ich. „Wenn Sie einem Hund in die Augen starren, bekommt er Angst und bellt und beißt möglicherweise auch.“ Die Frau zeigte keine Regung und starrte wieder den Hund an, und meine Theorie von wegen „krank im Kopf“ bestätigte sich vermutlich. „Wenn Sie wollen, dass sich ein Hund beruhigt, dann reden Sie ihm ruhig zu und zwinkern Sie beim Augenkontakt öfter. Dann merkt er, dass er keine Angst vor Ihnen haben muss.“
Die Frau reagierte nicht. Sie war dumm wie Stulle. Als ein Pärchen mit einem Welpen den Raum betrat, warf sie sich auf den Welpen. „Wie süüüüß!“ Das arme Tier. Immerhin starrte die Tante den Welpen nicht an: „Vor dir habe ich keine Angst!“ Da ich schon unangenehm genug als Besserwisser aufgefallen war, ersparte ich mir den Vortrag, dass es Welpen bei der Orientierung im Rudel verwirrt, wenn sie jeder angrapscht. Bei dem Pärchen, das den Kleinen dabei hatte, wäre das sowieso aussichtslos – spätestens an Weihnachten wird der arme kleine Hund zum Hit für die Kinder und zum Teddybär für die besoffenen Erwachsenen und darf dann vermutlich auch im Bett schlafen, weil er so süß ist. Das Pärchen gehört nicht zu jenen Menschen, die einem jungen Hund die Einordnung im Rudel erleichtern, weil sie ihn verstehen würden.
Na gut: Starrende Psychopathinnen und Welpen-Irritationen sind immer noch besser als die Lage vieler verwahrloster und ausgesetzter Tiere. Appell an meine Leserinnen und Leser: Bitte holt euch nie einen Hund beim Züchter. Denn Tiere, die Hilfe brauchen, gibt es genug. Holt euch einen Hund aus dem Tierheim oder einen, der aus dem Ausland nach Deutschland gerettet wurde. Bei Interesse habe ich Kontakte.



…zum Beispiel aus Zypern…wir tun unser bestes, um möglichst viele Hunde aus den Tötungsstationen und Tierheimen rauszufliegen…
Das ist unsere Homepage:
http://www.cyprusdogs.eu
gerne stehe auch ich zur verfügung, falls jemand einem hund aus italien eine zweite chance & ein liebevolles, sicheres zuhause geben möchte!
ich arbeite mit dem großartigen team von NiemandsHunde e.V. zusammen, das sich sehr für die mißhandelten, vergessenen und gequälten hunde & auch katzen in sardinien/italien einsetzt:
http://www.niemandshunde.de/index.html
lg
judith (die selbst eine italienische hündin bei sich aufgenommen hat und es jedem ans herz legen möchte, es ihr gleich zu tun)