
Kommt man also nach einem Seminar wie so oft abends am Haus im Wald an, alles finster, keiner da, der ganze Hof verlassen, dann erwartet einen immerhin die Katze. Frau Schröder ihr Name. Grau getigert, im Auftrag der Mäusejagd unterwegs, eine „Draußen-Katze“, nicht verhätschelt, sondern geerdet. Denkt man so. Dass Frau Schröder antrabt, wenn ein Auto daherkommt, ist normal, und mich erwartet sie oft und gerne.
Frau Schröder ist sehr gesprächig. Sie maunzt und miaut, schnurrt mir um die Beine und plappert in einem Fort. Vielleicht weil wir uns verstehen. Sagt sie „rrrrr“ zu mir, sage ich „rrrrr“ zu ihr, und sie fühlt sich offenbar sehr verstanden. Ich war seit einer Woche nicht hier, das Anwesen ist verlassen, ich weiß nicht, wie lange Frau Schröder schon draußen ist. Sie kommt mit rein ins Haus und bestellt auch gleich Essen: „Rrrrr“, sagt sie und streicht mir um die Beine.
Weil für solche Notfälle eine Packung Katzentrockenfutter in der Küche steht, mache ich Frau Schröder ein übliches deutsches Katzenabendessen. Das natürlich nicht nach Maus oder Singvogel schmeckt, sondern nach Huhn, weil eben meistens Menschen Tiernahrung kaufen, die von sich selbst ausgehen. Mäuse gibt es in meinem Haus eh nicht mehr, seit ich diese absonderliche Ultraschall-Lärm-Mäuse-Vertreib-Maschine habe, deren hochfrequentes Pfeifen offenbar sogar für Frau Schröder zu hoch ist — denn sie lässt sich von dem Krach nicht stören (ich auch nicht, aber angeblich die Holzwürmer). Frau Schröder sitzt also in der Küche und frisst aus meiner Müslischale krachend ihr Trockenfutter.
Kurze Zeit später gibt es auch für mich Essen. Und kaum sitze ich am Tisch, kommt Frau Schröder. Ein Blick in die Küche beweist: In meiner Müslischale ist noch genug Trockenfutter. Doch Frau Schröder will mein Essen. Keine Ahnung, warum. Denn was gibt es? Fleischfreie, fischfreie, vogelfreie und überhaupt fettfreie und kohlenhydratfreie Ratatouille aus Gemüse. Sellerie, Aubergine, Paprika, Tomate, Zucchini, Pfeffer, Salz, Petersilie, Wasser. Und das will die blutrünstige Frau Schröder? Die Mäusemörderin, die hier schon ganze Sippen ausgerottet und aufgefressen hat? Natürlich bekommt sie nichts, sie hat ja schon gegessen, und das immerhin aus meiner Müslischale.
Vielleicht doch einfach ein verwöhntes Vieh. Das ich nach ein paar Happen Trockenfutter wieder rauskommandieren sollte auf den kalten, unwirtlichen Hof. Wo sie hingehört als Kammerjäger-Katze. Soll sie doch in der Scheune nach Mäusen suchen, wenn sie hier bei mir schon nicht mehr fündig wird. Hängt hier rum, tut gelangweilt, mault die ganze Zeit, plappert ohne Ende und wärmt sich für lau auf.
Raus jetzt!



Sie haben sie natürlich nicht rausgeworfen. Oder irre ich mich?
Sie sollte lieber das Fort gegen die heranrückenden Rothäute verteidigen, anstatt zu plappern.
scnr :D
Toll, endlich mal Premium-Content hier :)
übrigens sollten Sie es genießen und sich geehrt fühlen, wenn eine Katze Ihre Nähe sucht. Katzen tun einfach gut, zu jeder Tages- und Nachtzeit, so ein kuschliges, warmes Tier auf dem Schoß oder Bauch, ein wohliges Schnurren, eine raue Zunge, die die fütternde Hand putzt…für mich gibt es nichts Schöneres, als die Zuneigung einer Katze zu spüren….etwas Ehrlicheres werden Sie auf dieser Welt kaum finden.
Konstantin: Natürlich habe ich sie rausgeworfen. Leider ist sie nicht schlafen gegangen wie sonst, sondern hat sich vollgefressen und mich dann vollgequatscht und vollgequatscht. Nächstes Mal lasse ich sie drin, versprochen.
Holgi: Zitat Werner: „Wir lagen vor Abfahrt Goslar und hatten ein Fest im Ford“, und alte schwäbische Weisheit: „Fährsch mim Ford fort, kommsch mim Zug hoim.“
Robert: Mir geht das oft mit Tieren so, auch mit Hunden und anderen Katzen. Gestern stand ein Fuchs am Wegrand und schaute mich an, doch statt zu fliehen setzte er sich hin und schaute weiter. Früher in Süddeutschland hätten wir gesagt: Vorsicht, Tollwut, aber die gibt es hier so gut wie nicht. Und momentan kreisen Hunderte Wildgänse über mir.
ich hatte übrigens auch schon sehr freche Besucher in meinem Büro:
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Cooler Nager.
Immerhin waren’s keine Geier …
Auch Katzen haben gelegentlich Redebedarf. Ich handhabe das dann wie bei Frauen. Still da sitzen, so tun als ob man zuhört und unregelmäßig „Ja“, „Ja“, „Nein“ sagen. Ein bewährter Rhythmus. Passt immer. Bei Katzen ist es noch einfacher. Da muss man nur gelegentlich unmotiviert „Frrr“ sagen, und sie sind zufrieden.
Katzen und Frauen.
Stillsitzen und zuhören ist gut. Manchmal hätten Männer besser gar nichts gesagt. Manchmal wollen wir auch nur
rumhängen, gelangweilt tun, maulen, plappern ohne Ende und unsere Herzen wärmen. Für lau ;-).
Fliegt ihr dann auch immer raus?
Ich unterhalte mich auch öfter mal mit „meiner“ Katze. Natürlich nur, wenn sie will und wenn ihr danach ist. Allerdings sind diese Gespräche häufig angenehmer als die mit anderen Tieren meiner Art…
..manchmal fliegen wir auch raus. Wenn wir mehr wollen, als wir kriegen. Wie die Katzen.
Vertreibt die Maschine tatsächlich auch Mühlen-Mäuse? Nicht nur die ordentlichen Hausnager?
Dann muss Frau Schröder eines Tages das Weite suchen, wenn sie Mäuse braucht!
Hm, meine erste Katze war ein Kater und stumm wie ein Fisch, kein Ton, kein Danke und gefressen hat sie trotzdem. Nun habe ich ein Kätzchen, ein charmantes Wesen, eine weibliche Katze, mit einem großen Wortschatz…Zufall? ;-)
Die Maschine scheint Mühlenmäuse tatsächlich zu vertreiben. Anfangs hatte ich weder Maschine noch Fallen: 100% Chaos in der Speisekammer. Dann hatte ich Fallen: Immer noch 100% Chaos in der Speisekammer und manchmal bis zu vier Mäuse pro Nacht gefangen. Trotzdem Chaos, weil die Mäusefamilein hier eben groß sind. Dann Maschine und Fallen: 50% Chaos in der Speisekammer. Woraus ich schließe: Mäuse kommen bei Maschinenlärm nicht mehr ganz so gern, aber immer noch dann, wenn Käse in der Falle lockt. Heute (nur noch Maschine und keine Fallen mehr): 0% Chaos in der Speisekammer.
Was ist denn das für eine Maschine? So was könnten wir auch brauchen…wie oft hab ich schon die Spülmaschine aufgemacht und es kam mir eine Maus entgegen…oder meine Butter-Pinsel in der Besteckschublade, sie eignen sich offenbar bestens zum Nestbau. Ich muss aber dazu sagen, dass das Beutemäuse unserer Katzen sind, die Mäuse zwar nach Hause bringen, dann aber gegen Futter tauschen…
Und ja, unsere Katzen sind auch allesamt sehr kommunikativ, besonders wenn sie uns anmotzen, weil wir mal wieder Besuch haben…das mögen sie gar nicht.
Es ist übrigens auch so, dass gefütterte Katzen (nicht in Form von Mänteln, nein) wesentlich mehr Mäuse fangen als hungrige Katzen.
Und es ist übrigens auch so, dass Menschen, die Katzen haben, sich stundenlang darüber unterhalten können und fortwährend Geschichten von ihren Katzen zu erzählen haben. Manchmal möchte ich dazwischenfragen: „Und, wie geht es Deinem Alpenveilchen?“
Dennoch: Ohne Katze? Ohne mich.
@ Karin: Kannst du bei ProIdee bestellen:
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bitte vergesst nicht, frau schröder regelmäßig zu entwurmen, da sie offenbar eine freigängerin ist und sehr viele mäuse sowie anderes getier frisst!
das ist wichtig, da sie ansonsten würmer und recht krank werden kann. auch das impfen nicht vergessen ;-)
lg
frau katze
Frau Katze. Man sagt ja, dass Frauen wie Katzen sind. Aber mal ehrlich: Wollt ihr wirklich nur was zu fressen?