So ziemlich das Dümmste, was mir in Sachen „hohle Marketingsprüche“ untergekommen ist, findet sich hier und da. Ein TK-Anbieter, also Verkäufer eines Me-too-Produktes, weil nicht wirklich voller realer Innovation, versucht gedankliche beziehungsweise inhaltliche Leere durch Phrasen zu füllen. Der Laden verdient sein Geld vor allem damit, den Kommunikationskanal herzustellen, wenn Menschen miteinander sprechen oder sich schreiben wollen. Mehr machen die im Wesentlichen nicht.
Weil aber „wenig“ für manche Marketingleute besonders wenig ist, blasen sie es auf. Viele dieser Leute werden fürs Aufblasen bezahlt. Und so geht es um „Challenges“, „TV-Spots“, Making-of“, „Helden“, „Produkte“ und „Channels“. Dieses Elend muss auch kein Werber schönreden. Ich habe keine Ahnung, was von Substanz sich diese Menschen nach Feierabend oder an Weihnachten zu sagen haben. Wenn der Strom ausfällt oder Krieg ausbricht – worüber reden die? Kommen die durch? Wissen die, worum es im Leben geht?
Die Generation Upload „steht mitten im Leben, ist voller Energie und lässt sich von Konventionen nicht begrenzen. Durch Vernetzung teilt sie sich der Welt mit, sucht den Kontakt zu Anderen und lässt alle an ihrer Begeisterung teilhaben.“
Ach? Klingt ja beeindruckend. Man versucht mal wieder, eine weitere „Generation“ zu definieren. Und weil alle irgendeinen Müll uploaden, dann eben „Generation Upload“. Was für ein Blödsinn. Ein Text ohne Substanz. Gleichmacherisch, weil er die Kreativität einer Generation auf eine Technik reduziert und auf dieser Grundlage mit einer Marke zu verbinden versucht. Warum nicht „Generation Müll“ oder „Blöd“?
Das Ganze erinnert mich an den Spruch „Null-zwei-null“ dieses Mobilfunkanbieters mit den Blasen im Wasser, was ich auch nie verstanden habe – sollen sie doch besser schauen, dass die Auslandsabfrage der Mailbox funktioniert, ohne dass plötzlich ein Password erforderlich ist, statt ihre Etats mit absurden und realitätsfernen Images in an den Haaren herbeigezogenen Vorstellungswelten zu verbraten. Wer will denn außerdem aufwändig eine Zwei tieferstellen? Hallo, Leute! Ihr macht Kommunikationskanäle! Keine Currywurst-Klitsche bläst sich so auf. Bleibt auf dem Boden! Ihr macht doch nur Telefon.
Mit solchem Zeug sind die Marketingleute von TK-Unternehmen auch verantwortlich für die Verdummung der Menschen und ihrer Ablehnung von Verantwortung. Da ist kein Ansatz, das individuelle Potenzial herauszuarbeiten, stattdessen sehe ich nur marketingtypische Klischees. Wenn die Kinder dieser Marketingleute dumm werden, liegt es auch an dem Müll, den diese Marketingleute produzieren, und für den die Masse der Verbraucher diesen Marketingleuten Geld bezahlt. Diese Gesellschaft verblödet sich selbst. Warum? Weil wir Konsumenten und Nutzer das wollen.
Wenn jemand etwas zu sagen hat, ist der Kommunikationskanal zweitrangig. Diese Kampagne mit Sascha Lobo allerdings konzentriert sich auf die Form, in der junge Menschen heute kommunizieren. Ich bin vor diesem Hintergrund froh, dass ich keinen Account bei dieser Firma habe. Ich weiß zwar nicht, ob meine derzeitigen Anbieter besser sind – meine Internet-Klitsche hat eben wieder die Hardware neu geschickt, damit endlich die Technik-Probleme ein Ende haben. Aber wenigstens verarschen die mich nicht mit hohlen Sprüchen, sondern schauen, dass sie mir konkret helfen.
Es wäre wirklich sinnvoll, wenn die IT- und TK-Branche erst die dringendsten Probleme der Usability beseitigen würde, bevor sie sich an die zweitrangige Kür macht, abstruse Marketing-Pirouetten auszuführen. Das ist leider das Problem in der Branche: Die Bedürfnisse der Kunden spielen keine Rolle, und stattdessen gefällt man sich mit abgehobenem Marketing-Gewäsch. Und die so genannte Zielgruppe mit ihrer anerzogenen Toleranz gegenüber Systemausfällen macht man unter dem Stichwort „Web 2.0″ gefügig, um den Anbietern minderwertiger Produkte nach dem Mund zu reden.
Ich bin überzeugt: Wer gute Arbeit leistet und im Dienste der Kunden für Umsatz sorgt, muss keinen Schaum schlagen. Wäre ich in dem Haus Arbeitnehmer, bräuchte ich sicher sehr dringend einen Plan B. Aber vermutlich hängt die Masse der Leute am Wochenende posend im Düsseldorfer Medienhafen rum und macht sich null eine Rübe.



Ein sehr guter Beitrag. Klar, sauber und fachlich auf den Punkt. Weiter so.
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