Sehr geehrter Herr Lövenich, sehr geehrter Herr Tremper,
Kompliment für Ihre Raucherlobby-Seite http://de.forces-nl.org! Ich war selbst bis vor zehn Jahren einer der Ihren.
Einen Satz auf Ihrer Seite finde ich besonders bemerkenswert:
„Dem Trend, dass in letzter Zeit zwar intensiv über Raucher gesprochen wurde, selten aber mit ihnen, muss ein Ende gesetzt werden.“
Sie haben völlig Recht. Dass an Rauchern vorbeigeredet wird, geht so nicht. Darum sprechen wir monatlich mit Hunderten von Rauchern in Deutschland. Mit dem Ergebnis, dass diese Menschen wieder Nichtraucher werden und hinterher viel glücklicher sind als noch zu Raucherzeiten. Denn die wenigsten von ihnen hätten sich als Raucher je vorstellen können, dass Marlboro Country ihnen jemals wieder eine Ausreisegenehmigung erteilt.
Haben Sie sich schon einmal bei dem Gedanken ertappt, mit dem Rauchen aufzuhören? Wenn ja, dann schauen Sie doch mal rein in unser Seminar. Vielleicht ergeben sich Synergieeffekte?
Herzliche Grüße aus Berlin
Thilo Baum



Sehr geehrter Herr Baum!
Hinter der aktuellen Hetzjagd auf RaucherInnen stehen auch wirtschaftliche Interessen, z.B. die der Pharmaindustrie, welche die global führende Akteurin für eine „tabakfreie Welt“, die WHO, massiv sponsert.
Daneben profitieren auch viele kleinere Unternehmen von diesem Trend bzw. heizen ihn an. Dazu gehören auch Sie, die mit Ihren „Seminaren“ finanziell davon profitieren, dass viele RaucherInnen sich unter Druck gesetzt fühlen, ihrem Genuss zu entsagen.
Ob man tatsächlich glücklicher wird, wenn man sich von irgendwelchen Gurus und Askesepredigern mit Eurozeichen in den Augen hat ‚belehren‘ lassen, sei dahingestellt. Ihrem Glück steht das eingenommene Geld sicherlich nicht entgegen.
Vielleicht hat ja auch ihr Kumpan Frädrich durch die WDR-Sendung „Der große Gesundheitscheck“ (hätte als Dauerwerbesendung gekennzeichnet werden müssen) redaktionelles Programm getarnt hat) zum Geschäftserfolg beigetragen. Wie man der Sendung entnehmen konnte, wird vor nichts zurückgeschreckt, um kleine, naive ZuschauerInnen oberlehrerhaft zu disziplinieren und ihnen mit fragwürdigen Methoden Angst und Bange zu machen. Ich habe mich seinerzeit bei der WDR-Redaktion hierüber mit deutlichen Worten beschwert und dabei nicht verschwiegen, dass das Idealbild der schlanken, alkohol- und „rauchfreien“ Untertanen in der deutschen Geschichte schon einmal mit ähnlicher Inbrunst den Menschen aufgezwängt werden sollte.
Das Netzwerk der Raucherinnen und Raucher – FORCES Germany kämpft gegen diesen Gesundheitswahn. Wir stehen für selbstbestimmten Konsum, was Essen, Trinken und nicht zuletzt Rauchen angeht.
Wir sind ein von wirtschaftlichen Interessen unabhängiger, überparteilicher Verband, der in keinem Zusammenhang mit der Tabakindustrie steht. Unser Ziel ist, dass RaucherInnen nicht durch unverhältnismäßige Verbote u.ä. Maßnahmen das Leben unnötig schwer gemacht wird.
Sie können also davon ausgehen, dass Sie von uns keinerlei Unterstützung für Ihre Trittbrettfahrerei auf der Abstinenzwelle erhalten werden.
Mit freundlichen Grüßen
Christoph Lövenich
Netzwerk der Raucherinnen und Raucher – FORCES Germany
c/o Christoph Lövenich
Bornheimer Str. 104
53119 Bonn
P.S. Weshalb Sie diesen Offenen Brief auf Ihrer Website ausgerechnet unter „Verbraucherschutz“ abgelegt haben, bleibt ein Rätsel.
Herr Lövenich: Würden Sie einem Arzt vorwerfen, er profitiere von Krankheiten, weil er damit sein Geld verdient?
Ja, wir verdienen unser Geld mit Gesundheit. Und die derzeitige Welle „Weg vom Gift“ ist sehr gut. Ich finde es wichtig, dass Kinder zunehmend begreifen, dass das Rauchen eine Marketing-Falle der Tabakindustrie ist. Ich finde es gut, dass die Gesellschaft nach und nach begreift, dass 60-jährige Raucher in Deutschland großteils Geringverdiener mit schlechter Bildung sind, und dass die anderen irgendwann die Kurve gekriegt haben.
Um Sie gleich zu beruhigen: Bleiben Sie bitte Raucher. Im Unterschied zu vielen militanten Nichtraucher-Aktivisten wollen wir niemanden zum Nichtrauchen zwingen, auch Sie nicht. Ich finde auch grundsätzlich die Tatsache gut, dass Sie Ihre Webseite betreiben – Minderheitenschutz finde ich in einer Demokratie absolut wichtig. Darum habe ich Ihren Link auf meiner Seite auch publiziert. Ich gehe mit Ihnen konform, dass wir niemandem in sein Leben reinreden und keinem Vorschriften machen sollten. Das hätte ich als Raucher nicht gemocht, und ich würde es auch heute nicht mögen.
Wir sind wie Sie dagegen, Druck auf Raucher auszuüben. Ich selbst bin übrigens auch gegen Rauchverbote, weil sie eben Druck erzeugen. Die Rauchverbote an Berliner Schulen beispielsweise haben nur zur Folge, dass die rauchenden Kinder jetzt den Radweg versperren. Sinnvoller finde ich es, Rauchern beim Aufhören zu helfen. Dann erübrigen sich nämlich die Verbote.
Verbote machen Druck, und den wollen Sie nicht, den wollen wir nicht. Mir als Nichtraucher könnte es ja egal sein, aber auf Druck reagieren die meisten Raucher mit Gegendruck. Bitte glauben Sie nicht, dass Druck einen Raucher in unser Seminar treibt. Der Gegendruck sorgt eher dafür, dass der Raucher auf Trotz schaltet, sich angegriffen fühlt und aus seiner Ecke heraus wirr herumargumentiert. Insofern profitiert unser Seminar durchaus nicht vom gesellschaftlichen Druck auf Raucher. Viele militante Nichtraucher erschweren uns unsere Arbeit eher, indem sie Raucher diskriminieren oder sogar kriminalisieren.
Wenn ein Raucher Gegendruck aufbaut, dann kommen da oft ziemlich unlogische Argumente daher:
- „Ich werde schon nicht krank“: Doch, warten Sie’s ab, wenn Sie bis jetzt noch keine körperlichen Folgen spüren sollten.
- „Nichtraucherseminare profitieren von der Gesundheitswelle“: Ja, stimmt, und das ist auch völlig in Ordnung so.
- „Andere Dinge sind auch gefährlich“: Stimmt auch, spielt aber keine Rolle. Tags scheint die Sonne, nachts der Mond – alles richtig, aber eben unwesentlich. Wir reden übers Rauchen, nicht über Risiken im Allgemeinen.
- „Irgend jemand muss doch Steuern zahlen“: Bitte, kaufen Sie Zigaretten, aber werfen Sie den Dreck dann in den Müll.
Wir nennen solche kruden Argumente und die Unfähigkeit, in der Sache beim Thema zu bleiben, „Raucherlogik“. „Raucherlogik“ ist ein Denksystem von Rauchern in Verteidigungshaltung fernab des gesunden Menschenverstandes. Im Kern suchen diese Raucher Argumente für etwas, wofür es keine Argumente gibt, und dabei vergaloppieren sie sich logischerweise.
Weil wir von „Nichtraucher in fünf Stunden“ selbst alle mal Raucher waren, können wir auch nachvollziehen, wie so ein Denken im Kopf entstehen kann. Heute erkennen Raucher mit unserer Hilfe im Seminar, warum sie möglicherweise bisher so gedacht haben und werden wieder klar.
Glauben Sie mir: Wir wollen den Rauchern wirklich nicht das Rauchen wegnehmen. Zumal das auch gar nicht geht. Manche Raucher sind so verhärtet im Kopf, so stur und dumm, dass wir sagen: „Den musst du einfach sterben lassen.“ Manche ältere Raucher haben sich über Jahrzehnte ihre grauen Zellen schon so kaputtgequalmt, dass die mangelnde Flexibilität im Denken auch keinen mehr wundert.
Insofern sehen wir es nicht als unsere Aufgabe an, Raucher zu „bekehren“. Bei weitem nicht. Wir helfen nur sehr gerne denjenigen, die von dem Zeug nicht alleine loskommen und Hilfe suchen. Das sind meist intelligente, besser verdienende, beruflich erfolgreiche und gut gebildete Menschen zwischen 30 und 50. Und weil viele Ärzte und Psychologen auf dem Gebiet für Raucher keine große Hilfe sind, gibt es Seminare wie das unsere oder anderer Anbieter. Wer will, dem helfen wir. Die anderen mögen weiterrauchen.
Also rauchen auch Sie bitte weiter, so lange Sie wollen, so viel Sie wollen. Ich bin diesbezüglich wirklich leidenschaftslos, das können Sie mir gerne glauben. Sollten Sie aber irgendwann feststellen, dass Sie mit dem Rauchen aufhören wollen und von alleine den Ausstieg nicht schaffen, dann kann Ihnen unser Seminar helfen.
Und noch einmal: Ihren Grundgedanken der Freiheit und Selbstbestimmung teile ich absolut. Ich will wie Sie, dass jeder frei entscheiden kann, was er zu sich nimmt.
Beste Grüße / Thilo Baum
Sehr geehrter Herr Baum,
ja Sie haben recht. Wir Raucher ticken anders, als die Nichtraucher. Sonst würden wir ja nicht rauchen.
Und sie haben auch recht, dass aktives Rauchen statistisch gesehen ungesund ist und dass jeder Raucher, so wie übrigens auch jeder Nichtraucher hofft, dass ihn keine schwere Krankheit trifft.
Dieser „Raucherlogik“ den gesunden Menschenverstand abzusprechen, scheint mir allerdings verfehlt. Es tickt nämlich letzten Endes jeder Mensch anders und die meisten, die leben, gehen irgendwelche „unlogischen“ Risiken ein.
Oder ist Motorradfahren, Skifahren, Arbeit in staubiger Atmosphäre, Liebe (und häufig damit verbundene massive Entzugserscheinungen) logisch?
Wir müssen schon über die Unzahl anderer Lebensrisiken gewärtig, auch wenn Sie das einfach ausklammern wollen, wenn man über das Rauchen reflektiert.
Was uns aber sehr verletzt, sind Kommentare, wie folgender:
„Manche Raucher sind so verhärtet im Kopf, so stur und dumm, dass wir sagen: „Den musst du einfach sterben lassen.“ Manche ältere Raucher haben sich über Jahrzehnte ihre grauen Zellen schon so kaputtgequalmt, dass die mangelnde Flexibilität im Denken auch keinen mehr wundert.“
Es ist wahrscheinlich belegbar, dass ältere Raucher gehäuft Geringverdiner mit geringer Bildung sind. Auf mich und viele andere Raucher trifft das nicht zu.
Trotzdem lässt mich meine „Raucherlogik“ fragen, ob Armut an Geld und Bildung sich nicht besser ertragen lässt, wenn man raucht. Oder glauben Sie man wird automatisch reich und gebildet, wenn man nicht raucht?
Ob ausserdem genau diese Korrelation die Statistiken zum früheren Rauchertod verfälscht, ist sehr umstritten.
Was uns Raucher aber am meisten stört, ist die unsägliche Hatz auf uns, die mit einer Schädigung unserer Mitmenschen begründet wird.
Dazu werden sämtliche Register von Pseudowissenschaft und Propaganda in den Medien gezogen um uns, wie Sie richtig sagen, zu kriminalisieren.
Deshalb wehren wir uns und klären über diese sogenannte Gefahr auf unter:
http://www.passiv-rauchen.de und
http://www.forces-germany.de
Kennen Sie Helmut Schmidt? Hat er sich „seine grauen Zellen schon so kaputtgequalmt, dass die mangelnde Flexibilität im Denken auch keinen mehr wundert“?
Oder Albert Einstein?
Natürlich sind das Schutzargumente. Da haben Sie völlig recht. Aber das ist doch nicht abnormal!
Glauben Sie, es sei unlogisch, dass man sich wehrt, wenn man angegriffen wird?
Sie haben völlig recht: Druck erzeugt Gegendruck. Alles andere wäre unlogisch.
Beste Grüsse
Werner Paul
Hallo Herr Paul,
danke für Ihren Kommentar!
Wenn Sie einige meiner Bemerkungen verletzen, dann ist das nicht meine Absicht. Bitte nehmen Sie sie nicht persönlich. Dass viele ältere Raucher sich ihr Hirn weggequarzt haben, hat mir der Chef einer Inneren Abteilung eines Berliner Krankenhauses gesagt – er meinte, ich könne von Glück sprechen, wenn die Patienten im Seminar den Inhalten überhaupt folgen könnten. Der Spruch war nicht auf Sie gemünzt. Nein, ich empfinde unsere Debatte hier bislang als äußerst anregend.
Was mich sehr freut, ist, dass Sie die Existenz der „Raucherlogik“ sehen. Mir ging es als Raucher sehr komisch: Ich wusste, dass in meinem Denken etwas anders war als bei den Nichtrauchern. Ich wusste nur nicht, was.
Zu Helmut Schmidt und Albert Einstein: Kennen Sie das Argument, Raucher seien sowieso die spannenderen Leute? Im Unterschied zu langweiligen Nichtrauchern?
Das sehe ich auch so. Und zwar aus einem einfachen Grund: Spannende, risikobereite Menschen probieren eher mal was Riskantes aus als ängstliche Typen. Und dadurch bleiben sie eher in einer Suchtfalle hängen als andere – und sind dann den Gesetzen dieser Suchtfalle unterworfen.
Wer hat denn in der Schule mit dem Rauchen angefangen? Die Langweiler und die Streber bestimmt nicht. Es waren die, die die wilden Partys gefeiert haben. Die, die auch mal Mist gebaut haben. Die Sitzenbleiber. Kurz – die spannenderen Typen. Also die, die schon spannend waren, *bevor* sie überhaupt geraucht haben.
Und jetzt probieren diese spannenden, weltoffenen Kinder das Rauchen. Erst wirkt das Nikotin mit Kopfschmerzen und Schwindel, doch nach wenigen Tagen oder Wochen sind diese Vergiftungserscheinungen weg. Warum? Weil das Nervensystem von nun an auf Nikotin angewiesen ist und dem Raucher ohne Nikotin was fehlt. Was tut man da als wilder Junge, der seine Freiheit liebt? Man macht das Rauchen zu einem Stilmerkmal. (Ich war auf dem Robbie-Williams-Konzert in Berlin, und der Gute braucht wie die meisten Raucher alle 45 bis 60 Minuten eine Zigarette. Also hat er einfach beim Singen geraucht.)
Darum sind nur wenige „Streber“ Raucher. Und darum sind viele interessante Leute Raucher. Wie Helmut Schmidt meinetwegen (der nicht einmal in einer TV-Show aufs Rauchen verzichten kann und dessen Hörprobleme ja vielleicht auch eine Folge der Durchblutungsprobleme sind, die das Kohlenmonoxid zu verantworten hat? Keine Ahnung). Sache ist nur: Die meisten erfolgreichen Raucher durchschauen irgendwann, wie die Sucht funktioniert, und steigen aus. Daher besteht die qualmende Mehrheit älterer Menschen in Deutschland aus Geringverdienern mit geringer Bildung. Rauchen ist meiner Ansicht nach bald sowieso nur noch ein Bildungsproblem: Wer kapiert, wie das Rauchen funktioniert, lässt es bleiben.
Wo viele Raucher Henne und Ei verdrehen, das ist der Fehlschluss: „Rauchen macht interessant“. Oder: „Rauchen hilft beim Kreativsein“. Ja was habe ich denn auch für eine andere Wahl als süchtiger Autor, Komponist oder Maler? Ich muss doch rauchen, um kreativ sein zu können. Denn ohne Nikotin fehlt mir doch was. Wie soll ich denn kreativ sein auf Entzug? Das weiß ich noch aus eigener leidvoller Erfahrung als rauchender Schüler und Student. Ich konnte mich ohne Zigaretten einfach nicht konzentrieren. Nichtraucher können das.
Klar hilft Rauchen einem Nikotinabhängigen dabei, sich zu konzentrieren. Machen Sie eine Umfrage unter 1000 Rauchern: „Entspannt Nikotin?“ Dann erhalten Sie ein riesiges Ja. Das können Sie als Studie an die Medien pusten, und irgendwelche in Empirie und Statistik unbewanderten Journalisten werden es sicher auch ohne Scheck vom VdC abschreiben, weil sie im Ernst glauben, eine Aussage in der Hand zu halten.
Nur – wen wundert es denn? Fragen Sie 1000 Trinker: Beruhigt Alkohol? Aber hallo! Geben Sie dann aber mal einem Nichtraucher Nikotin zum Kreativsein, dem wird dadurch nur schwindelig, weil seine Rezeptoren das Zeug eben nicht brauchen.
Nein, Motorradfahren ist nicht „logisch“. Und ein Leben ohne Risiko zu leben ist unmöglich. Sicher – das Rauchen ist nicht die einzige Todesursache in Europa. Aber eben die wichtigste. Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit Ihrem Motorrad gerne 210 km/h, und Ihre Frau hat Angst um sie. Sie sagt: Bitte fahr langsamer, ich habe Angst um dich. Was antworten Sie: „Du Schatz, ich könnte auch die Kellertreppe runterfallen“?
Oder pflegen Sie das Rauchen als irrationales, morbides Ritual mit ein bisschen Todesbewusstsein? Warum drücken Sie Ihre Kippe dann nicht auf Ihrem Handrücken aus? Sie werden doch bitteschön vor diesem bisschen Schmerz keine Angst haben, wenn Sie sich gerade fürs jahrelange Verrecken als Krebspatient zurecht machen?? Bitte sehen Sie mir meine Nichtraucher-Logik nach. ;-)
Zur Schädigung der Mitmenschen durch Passivrauchen: Wenn Sie neben mir rauchen würden, würde ich Sie eben bitten, mir den Qualm nicht direkt ins Gesicht zu pusten und gut, ich bin da relativ schmerzfrei. Einen Kaffee oder ein Bier (Drogen!!) könnten wir trotzdem miteinander trinken. Sie dürfen sogar in meiner Wohnung rauchen. Warum? Ganz einfach: Weil ich Nikotinabhängigen nicht ihr Suchtmittel verwehren kann, wenn ich will, dass sie im Gespräch bei der Sache sind (darum übrigens auch alle 45 bis 60 Minuten eine Rauchpause in unserem Fünf-Stunden-Seminar).
Was ich in Sachen Passivrauchen allerdings nicht witzig finde, sind rauchende Eltern mit Kindern auf dem Rücksitz im Auto neben mir. Wie finden Sie das? Sind Sie dafür oder dagegen, dass Kinder in Autos und Wohnzimmern passiv rauchen müssen und keine andere Wahl haben?
Und nein: Ich finde es nicht unlogisch, wenn man sich wehrt. Ich halte das, was Sie tun, für die vorhersehbare Reaktion auf die Neigung vieler Nichtraucheraktivisten, Raucher zu diskriminieren. Ich würde an Ihrer Stelle als Raucher genauso reagieren und alles, was ich für Argumente halte, hinauspusten. Ich würde genauso Gegendruck aufbauen wie Sie. (Bin ich froh, dass ich nicht mehr rauche! Man fühlt sich einfach weniger unter Druck ;-).
Ich mag keine militanten Nichtraucher. Und ich mag auch keine militanten Raucher. Ich mag überhaupt keine Fundamentalisten. Wie gesagt, wir diskriminieren Raucher nicht, sondern wir helfen ihnen, wenn sie das wollen. Kaum einer der militanten Nichtraucheraktivisten kann von sich behaupten, dass er schon tausenden Rauchern geholfen hat, wieder Nichtraucher zu werden. Insofern halte ich uns einfach für relativ pragmatisch und effektiv.
Dabei sind Ihre Leute und die militanten Nichtraucher gar nicht so verschieden: Wenn einer der militanten Nichtraucher plötzlich in Ihrem Forum wäre, würden Sie ihn vielleicht mit der gleichen unsachlichen Polemik niederschreien wie die militanten Nichtraucher einen der Ihren, der sich dort als Maulwurf einschleicht, um Unruhe zu stiften? Ich weiß es nicht.
Für mich ist die Tendenz einfach traurig. Nur wenige Raucher verstehen die Nichtraucher. Und nur wenige Nichtraucher verstehen die Raucher. Die Fronten sind verhärtet, und der Grund dafür sind Polemik, Diskriminierung, Beleidigungen und so weiter. Manchmal denke ich, dass wir mit unserem bescheidenen Seminar sowie einige Ärzte und Wissenschaftler in unserem Umfeld fast die einzigen sind, die beide Seiten verstehen. Weil wir selbst eben alle ausnahmslos Raucher waren (wir nehmen nur Ex-Raucher als Trainer) und dadurch die Raucherlogik aus eigener Erfahrung kennen. Das unterscheidet uns von vielen Experten, die Ihnen eben erzählen, wie Krebs entsteht oder wie gefährlich Passivrauchen ist – die aber nicht wissen, warum Raucher glauben, das Rauchen sei ein Genuss.
Heute hat mir der Leiter einer Allgemeinmedizinischen Klinik von einem seiner Hochrisikopatienten erzählt. Der sei am Verrecken und halte sich an seinen Kippen fest. Der Arzt erzählte dem Patienten nicht, wie krank er sei und wie schlimm ihn seine Qualmerei umbrächte. Er hat ihn auch nicht damit belästigt, worauf er verzichten müsse. Sondern er hat ihn gefragt, was er in seinem Leben noch vorhabe. Antwort: „Ich will hier rausmarschieren und meine Harley aus der Garage holen.“ (Hat mich an die Antwort eines Hamburger Aids-Kranken im Endstadium erinnert, den ich mal interviewt habe.) Antwort des Arztes: „Das können Sie tun, wenn Sie aufhören zu rauchen.“ Daraufhin hat es im Kopf des Patienten Klick gemacht, und er raucht seit einigen Tagen nicht mehr. Das nenne ich positive Motivation. Jetzt erholt sich sein Körper von der jahrzehntelangen Giftzufuhr, und die Harley rückt näher.
Ja, ich denke auch, dass die meisten Dinge auf dieser Welt irrational sind. ;-) Nur das Rauchen, das ist ein in sich sehr zwingend logisches System, eine perfide Falle, die seit Jahrhunderten funktioniert und seit Jahrzehnten im großen Stil Menschen arm und krank macht. Das Rauchen ist ein System, das auf ein paar Lügen beruht, die viele Präventionsexperten und Gesundheitspolitiker nicht durchschauen, und die das Denken der Opfer dieser Falle so sehr manipulieren, dass diese Opfer den ganzen Unsinn irgendwann sogar auf Webseiten verbreiten, ohne von der Tabakindustrie auch nur einen Pfennig zu kassieren, die sich darüber sicher freut.
Ich behaupte aber: Wenn Sie als intelligenter Mensch verstehen, auf welchen Tricks und auf welchen logischen Schleifen das Rauchen beruht, wenn auch Sie durchschaut haben, warum Raucher das Rauchen für einen Genuss halten müssen, obwohl ihnen als Ex-Rauchern nichts fehlen wird, und wie die Kettenreaktion funktioniert, die das Rauchen ausmacht, dann hören auch Sie mit dem Rauchen auf und sind froh, sich von dieser dann für Sie komplett unwichtigen Nebensache nicht länger ihr Denken dominieren zu lassen.
Das war das Wichtigste vor zehn Jahren, als ich mit dem Rauchen aufgehört habe: Endlich war der Kopf frei.
Beste Grüße / Ihr Thilo Baum
Warum argumentieren Raucher immer damit, dass andere Dinge auch gefährlich sind?
Ich rauche und bin vielleicht nicht ganz so gebildet wie der ein oder andere Anwesende, aber das klingt für mich nach Schulmädchenargumentation.
Warum fühlen sich Raucher immer so unter Druck gesetzt? Das Gefühl kann doch eigentlich nur entstehen, wenn man sich etwas nicht gewachsen fühlt.
Warum pochen Raucher auf Selbstbestimmung, fallen aber vor Schreck um, wenn man sie bittet die Konsequenzen für ihre Gesundheit später aus eigener Tasche zu bezahlen?
Warum denken müllsortierende Raucher nicht daran, dass eine Kippe über 100 Jahre braucht um zu verrotten?
Warum bricht man mit dem Rauchen alle anderen Prinzipien nach denen man sonst lebt?
Ich würde das gerne mal von einem „Raucher aus Leidenschaft“ hören. Dazu zähle ich mich nämlich nicht.
Dass es mehr und mehr eine Lobby für Nichtraucher gibt, entspricht wohl dem Zeitgeist – gesund leben, viel Wellness über sich ergehen lassen, nur Naturprodukte konsumieren (ich meine das ausschließlich auf Nahrungs- und nicht auf Genussmittel bezogen), fit sein, sportlich aktiv sein und seinen hellen Geist auf Trab halten.
Solange es Tabak und damit das Rauchen gibt, gab und gibt es immer auch eine Lobby dafür. Jetzt nun gibt es halt die Gegenlobby. Na und, das ist nun mal der Wettbewerb, dem sich auch alle Teilnehmer an diesem Markt stellen sollten. Wenn es genügend Menschen gibt, die von dem einen oder anderen Laster loskommen wollen, dann ist da offenbar ein Markt entstanden, um es mal völlig unideologisch zu formulieren. Das muss noch lange nicht heißen, dass hier jemand manisch eine Mission zur Befreiung der Welt vom Tabak betreibt. Dafür ist die Lobby der Raucher viel zu stark – nämlich finanzstark. Und nun also entwickelt sich seit ein paar Jahren eine Gegenthese, die sich dem Gegenteil widmet: der Lobby für Nichtraucher.
Das tut sie aus rein egoistischen, weil wirtschaftlichen Gründen. Würde man damit kein Geld verdienen, dann gäbe es sie praktisch nicht. Dass man mit Rauchen Geld genauso verdient wie vernichtet, leuchtet jedem ein. Mit Nichtrauchen passiert das in ähnlicher Weise, weil zum einen Arbeitsplätze in der Tabakindustrie gefährdet sind und zum anderen die Leute durch ihr Nichtrauchen künftig schlicht Geld sparen. Das Rauchen kostete zudem das Gesundheitswesen Milliarden.
Und nun kommen da welche, die den Leuten auch noch Geld dafür abknöpfen, dass sie mit dem Rauchen aufhören. Na und? Jeder, der mal geraucht hat weiß, dass er nicht nur sich selbst schädigt, sondern vor allem andere. Seit wann schadet Passivrauchen nicht? Argumente, wonach andere Dinge genauso gefährlich und lebensbedrohlich seien wie das Rauchen, sind ja allein schon deshalb Unfug, weil bei sämtlichen anderen Dingen nur der Nutzer sich selbst schädigt. Genau darum geht es bei der aktuellen Nichtraucher-Debatte: Wenn sich jemand durch das Rauchen ruiniert, dann ruiniert er seine Umgebung mit, ungefragt. Jeder Raucher sollte sich mal fragen, ob er gern neben einem Atomkraftwerk wohnt, neben einem Atomtestgelände gerne Urlaub machen wollte, in Bitterfeld vor 1989 gern gewohnt hätte.
Darum geht es. Jeder darf sich so gut ruineiren wie er möchte. Aber darf er das auf Kosten anderer? Und genau das verursacht das Rauchen – Schädigung auf Kosten anderer. Und deshalb ist eine Lobby für das Nichtrauchen wichtig, nicht deshalb, weil Raucher die vermeintlich schlechteren Menschen wären. Das sind sie nämlich genauso wenig wie jeder Nichtraucher.
Liebe (Nicht-)Raucher,
wir wollten mit unseren Seminaren nie jemanden „bekehren“, sondern Ausstiegswilligen Hilfe und Unschlüssigen die (aus unserer Sicht) bestmögliche Orientierung geben. Ferner möchten wir Kinder und Jugendliche darüber aufklären, dass es besser ist, nicht mit dem Rauchen anzufangen.
Wer uns zuhören will, darf es gerne tun. Dann wird er/sie erfahren, wie die teilweise erstaunlich subtilen Psycho- und Biomechanismen des Rauchens funktionieren und warum etliche es schaffen, ganz einfach mit dem Rauchen wieder aufzuhören. Wer will, kann das dann auch auf sich selbst anwenden.
Wer nicht zuhören will, muss nicht. Und wer weiter rauchen will, darf das tun. Allerdings wird er/sie es schon aushalten müssen, dass wir hinter dem „freien“ Willen die Unfreiheit einer Sucht vermuten bzw. diese selbst erlebt haben.
Ich wünschte, die Diskussion würde weniger im Stile eines rhetorischen Schlagabtausches geführt. Uns (und ich denke, ich kann da auch für Thilo sprechen) ist nicht daran gelegen, Recht zu haben. Wir möchten auf Zusammenhänge hinweisen, die an sich logisch sind und zusammenpassen – auch wenn unser menschliches Verhalten nicht immer logisch ist. Und wir möchten denen, die das Rauchen loswerden wollen, dabei helfen, denn wir wissen, wie es geht.
Bitte lasst uns das weiterhin tun, ohne uns gegenseitig in Scharmützeln aufzureiben.
Stefan Frädrich
Damit Sonjas Frage aus ihrem Kommentar von 11.23 Uhr nicht untergeht:
„Warum argumentieren Raucher immer damit, dass andere Dinge auch gefährlich sind?“
Sonja (Raucherin) wünscht zu dieser und anderen Fragen eine Antwort von einem „Raucher aus Leidenschaft“.
Wer will?
Zu Sonjas Fragen:
>Warum argumentieren Raucher immer damit, dass andere Dinge auch gefährlich sind?
Weil andere Dinge nun mal auch gefährlich sind. Und um darauf hinzuweisen, dass immer einseitig beim Rauchen etwas abgeladen wird, was für vieles andere auch oder sogar verstärkt gilt.
> Warum fühlen sich Raucher immer so unter Druck gesetzt? Das Gefühl kann doch eigentlich nur entstehen, wenn man sich etwas nicht gewachsen fühlt.
Derzeit wird der Druck auf RaucherInnen zunehmend erhöht. Durch einseitige Propaganda der WHO bzw. ihres sog. „Kollaborationszentrums“ in Heidelberg, durch die unkritische Übernahme dieser Propaganda in den meisten Medien und der Politik. Und durch die drohenden, massiven Verbote. Dies alles ist so wirkmächtig, dass man sich dem als RaucherIn möglicherweise nicht gewachsen fühlt.
>Warum pochen Raucher auf Selbstbestimmung, fallen aber vor Schreck um, wenn man sie bittet die Konsequenzen für ihre Gesundheit später aus eigener Tasche zu bezahlen?
1. Weil wir ein solidarisches Krankenkassensystem haben, in dem von der Idee her nach Leistungsfähigkeit Zahlungen entrichtet werden und nach Bedarf Behandlungen bezahlt werden.
Jeder Angriff auf dieses Prinzip (RaucherInnen, Dicke, Alte sollen mehr zahlen) ist gefährlich. Zumal dann diskutiert werden müsste, wer alles ’selber schuld‘ ist? Ski- und SnowboardfahrerInnen mit Knochenbrüchen und Schlimmerem? Pech gehabt? Gebärende Frauen im Kreißsaal, weil sie selbst Verantwortung für ihre Schwangerwerden tragen? Personen, die einen stressigen Job ausüben und mit dadurch bestimmte Krankheiten erleiden?
Wer so etwas ernsthaf möchte, muss konsequenterweise wie die FDP die radikale Abschaffung der gesetzlichen Krankenkassen fordern.
2. Die Behauptung, RaucherInnen belasteten die ‚Allgemeinheit‘ erheblich, seien also eine Art ‚Sozialschmarotzer‘ ist nicht nur menschenverachtend, sondern schlichtweg falsch. Dass die Sozialversicherungen per Saldo durch das Rauchen entlastet werden (statistisch früherer Tod von RaucherInnen) ist lange bekannt, daran zweifelt noch nicht mal die Deutsche Krebsstiftung.
Über die Sozialversicherungen hinaus entstehen zwar bestimmte volkswirtschaftliche Kosten, denen stehen aber Steuereinnahmen und Arbeitsplätze gegenüber. Im Tabakhandel, in der Tabakindustrie, in der Werbeindustrie, bei Automatenaufstellern, Werbekunden etc. Überall indirekte Steuern, direkte Steuern, Sozialabgaben. Wer also höhere Tabaksteuern und sonstige Sonderbelastungen für RaucherInnen fordert, hat dafür keine wirtschaftliche Rechtfertigung, sondern möchte den RaucherInnen und dem Rauchen schaden. (Was viele einschlägige AkteurInnen auch offen zugeben.)
> Warum denken müllsortierende Raucher nicht daran, dass eine Kippe über 100 Jahre braucht um zu verrotten?
Das ist sie wahrlich nicht das einzige Produkt. Gilt übrigens nicht für filterlose Kippen.
> Warum bricht man mit dem Rauchen alle anderen Prinzipien nach denen man sonst lebt?
Macht das jemand? Ich nicht. Außer, dass ich ab und zu einen Stummel achtloser wegwerfe, als ich das sonst mit anderen Abfallprodukten tun würde.
Danke Herr Lövenich,
ich möchte trotzdem nochmals weiter nachfragen. Es sind wirklich ernst gemeinte Fragen.
„Weil andere Dinge nun mal auch gefährlich sind. Und um darauf hinzuweisen, dass immer einseitig beim Rauchen etwas abgeladen wird, was für vieles andere auch oder sogar verstärkt gilt.“
Aber ist es nicht das Gleiche wie ein Übel mit dem anderen Übel zu rechtfertigen? Vergleichbar mit: wenn ich mir ein Bein breche, dann kann ich mir auch gleich auch das andere dazu brechen? Wenn ich Dir auf die linke Wange haue, kann ich auch gleich auf die rechte hinterher hauen?
„Weil wir ein solidarisches Krankenkassensystem haben, in dem von der Idee her nach Leistungsfähigkeit Zahlungen entrichtet werden und nach Bedarf Behandlungen bezahlt werden.“
Okay, ich finde das Gesundheitssystem sollte dringen reformiert werden. Jedoch nicht so, dass man das Riskio des Kinder gebärens selbst bezahlt. Immerhin ist dies definitiv ein Beitrag zur Gesellschaft.
„Das ist sie wahrlich nicht das einzige Produkt. Gilt übrigens nicht für filterlose Kippen.“
Nikotin und Teer verseuchen den Boden und töten z.B. Mikroorganismen nachhaltig ab. Kippen wegwerfen ist ökologisch nicht ganz unproblematisch ;-)
„Macht das jemand? Ich nicht. Außer, dass ich ab und zu einen Stummel achtloser wegwerfe, als ich das sonst mit anderen Abfallprodukten tun würde.“
Ja, ich tue es täglich. Ich versuche mich gesund zu ernähren, treibe Sport, achte auf E300ff in den Lebensmitteln etc. Trotzdem stecke ich mir nach dem gesundem Gemüseauflauf eine an. Empfinde ich als Prinzipienbruch auf mich und meinen Körper zu achten.
Und andere tun es auch. Ich werde angemault, dass mein Hund auf eine Wiese „pullert“ (nichts grosses, das mache ich weg ;-)), 100%-ig biologisch abbaubau, von Menschen, die im gleichem Atemzug ihre Kippe ins Gebüsch werfen. Sie maulen mich mit der Argumentation an, mein Hund würde die Natur verschmutzen.
„Und durch die drohenden, massiven Verbote. Dies alles ist so wirkmächtig, dass man sich dem als RaucherIn möglicherweise nicht gewachsen fühlt.“
Ich fühle mich nicht durch die Rauchverbote unter Druck gesetzt. Ich fühle mich durch mich unter Druck, denn es ist schwer, solange auf Nikotin zu verzichten. Ich schränke mich ein, weil ich an Ort a nicht rauchen darf und das empfinde ich als selbstaufgelegte Einschränkung. Ich fänd`s netter, wenn es mir wurscht wäre, ob ich auf einem Amerikaflug rauchen darf. Geht es Ihnen nicht genauso?
Verstehen Sie mich nicht falsch Herr Lövenich, ich reflektiere nur mich selbst und ich persönlich „verstehe“ das rauchen bei mir nicht. Es verstößt gegen alles, was mir ansonsten wichtig ist.
Ich würde gerne einmal von Ihnen als Raucher hören, gegen was es bei Ihnen verstößt. Gegen welche Prinzipien und Einstellungen. Und zwar nicht hin und wieder, sondern ständig, ein-, zweimal die Stunde.
Liebe Sonja,
gerne antworte ich.
> Aber ist es nicht das Gleiche wie ein Übel mit dem anderen Übel zu rechtfertigen? Vergleichbar mit: wenn ich mir ein Bein breche, dann kann ich mir auch gleich auch das andere dazu brechen? Wenn ich Dir auf die linke Wange haue, kann ich auch gleich auf die rechte hinterher hauen?
Nö. Erstens ich Rauchen kein Übel, zweitens brauche mich nicht dafür zu rechtfertigen. Es geht nur um die richtige Einordnung des Risikos.
>Okay, ich finde das Gesundheitssystem sollte dringen reformiert werden. Jedoch nicht so, dass man das Riskio des Kinder gebärens selbst bezahlt. Immerhin ist dies definitiv ein Beitrag zur Gesellschaft.
Das Gesundheitssystem finanziert nicht „Beiträge zur Gesellschaft“, sondern med. Behandlungen. Und Prämien nach Risiko passen nicht zu einem solidarischen System, wenn man denn ein solches weiterhin möchte.
> Nikotin und Teer verseuchen den Boden und töten z.B. Mikroorganismen nachhaltig ab. Kippen wegwerfen ist ökologisch nicht ganz unproblematisch ;-)
Kommt auch darauf, auf welche Art Boden man sie wirkt. Ansonsten entsteht durch die menschliche Zivilisation nun mal viel Müll, selbst Giftmüll. Damit muss man umsichtig und ökologisch vernünftig umgehen.
> Ja, ich tue es täglich. Ich versuche mich gesund zu ernähren, treibe Sport, achte auf E300ff in den Lebensmitteln etc. Trotzdem stecke ich mir nach dem gesundem Gemüseauflauf eine an. Empfinde ich als Prinzipienbruch auf mich und meinen Körper zu achten.
Auf den Körper zu achten heißt nicht zwangsläufig ihm Genüsse welcher Art auch immer zu verwehren. Ansonsten gilt: Niemand ist so konsequent, hundertprozentig ‚gesund‘ oder ‚ungesund‘ zu leben. Manches gönnt man sich einfach. Das ist übringes eine gesunde Haltung.
Vor den ‚Tausendprozentigen‘ muss man sich vielleicht sogar in Acht nehmen.
> Und andere tun es auch. Ich werde angemault, dass mein Hund auf eine Wiese „pullert“ (nichts grosses, das mache ich weg ;-)), 100%-ig biologisch abbaubau, von Menschen, die im gleichem Atemzug ihre Kippe ins Gebüsch werfen. Sie maulen mich mit der Argumentation an, mein Hund würde die Natur verschmutzen.
So sind Menschen nun mal. Den Splitter im Auge des Bruders sehen, aber nicht das Brett vor dem eigenen Kopf. Z. B. Leute, die auf die angeblich massive Bedrohung des ‚Passivrauchens‘ hinweisen und selber Auto fahren oder Flugzeug fliegen.
> Ich fühle mich nicht durch die Rauchverbote unter Druck gesetzt.
Die massivsten Verbote stehen in Deutschland ja erst noch bevor.
> Ich fühle mich durch mich unter Druck, denn es ist schwer, solange auf Nikotin zu verzichten.
Es ist auch schwer auf alles mögliche andere zu verzichten. Man muss nur mal schauen, was man so alles täglich macht und wie schwer es einem fallen würde, darauf zu verzichten.
> Ich schränke mich ein, weil ich an Ort a nicht rauchen darf und das empfinde ich als selbstaufgelegte Einschränkung.
Faktisch ist die Einschränkung von oben aufoktroyiert. Ihre Wahrnehmung wundert mich.
> Ich fänd`s netter, wenn es mir wurscht wäre, ob ich auf einem Amerikaflug rauchen darf. Geht es Ihnen nicht genauso?
Ich fände es schön, wenn Smintair, die Raucherairline, wie geplant nächstes Jahr an den Start gehen könnte.
> Verstehen Sie mich nicht falsch Herr Lövenich, ich reflektiere nur mich selbst und ich persönlich „verstehe“ das rauchen bei mir nicht.
Ich verstehe nicht, warum ich lieber Tee als Kaffee trinke. Es ist eben so. Mein Rauchen verstehe ich hingegen besser.
> Es verstößt gegen alles, was mir ansonsten wichtig ist.
Ich würde gerne einmal von Ihnen als Raucher hören, gegen was es bei Ihnen verstößt.
Nichts. Es passt sehr gut zu mir. Und der Widerstand gegen den Anti-Tabak-Kreuzzug liegt mir auch.
Lieber Herr Baum,
zwar schreiben Sie Intelligentes und Differenziertes, aber bestimmte zweifelhafte ‚Weisheiten‘ über das Rauchen müssen Sie wohl von Berufs wegen vertreten:
> Auch dafür kann ich nichts, und auch das ist keine Meinungsäußerung, sondern eine wesentliche Information für die Prävention: Infolge des Sauerstoffmangels macht Rauchen unter anderem dumm. Was wiederum zur Folge hat, dass das Denken sich nicht mehr so gut bewegen lässt.
Eine wesentliche Desinformation für die ‚Prävention‘. Der Bildungsgrad älterer RaucherInnen wird im wesentlichen an Ihrer Schul- und Ausbildung gemessen. Es werden keine Gehirntests durchgeführt. Dass man durch das Rauchen dümmer wird, höre ich zum ersten Mal. Erzählen Sie Ihren SeminarteilnehmerInnen tatsächlich, dass Sie durch Nichtraucher klüger werden?
Um so was zu glauben, muss man relativ dumm sein, aber das kommt eben nicht vom Rauchen.
> Und weil durch Dokumente der Tabakindustrie (www.tobaccodocuments.org) belegbar ist, dass man am besten zwischen 13 und 17 mit dem Rauchen anfangen sollte, um hinterher für Jahrzehnte ein treuer, weil abhängiger Goldesel für die Tabakindustrie zu bleiben (und die Raucherlogik für normal zu halten
Typischerweise probiert man Rauchen in der Pubertät aus und wir irgendwann, oft in der Spätpubertät zum/zur regelmäßigen RaucherIn. Das liegt nicht an der Tabakindustrie, mit der ich zwar nichts zu tun habe, außer dass ich ihre Produkte erwerbe, die ich aber gegen unqualifizierte Kritik in Schutz nehme.
Rauchen, auch bei jungen Leuten (und seine Bekämpfung), ist ein jahrhundertealtes Phänomen, viel älter als die Belieferung durch Tabakkonzerne.
> Es ist nun einmal so, dass die Klügeren eher wieder mit dem Rauchen aufhören, weil sie die Mechanismen durchschauen.
Nein. Ein Arzt oder Humanbiologe, der den menschlichen Stoffwechsel durchschaut hat, hört deshalb nicht mit dem Essen oder Trinken auf.
Herr Paul schrieb gestern richtigerweise:
„Trotzdem lässt mich meine „Raucherlogik“ fragen, ob Armut an Geld und Bildung sich nicht besser ertragen lässt, wenn man raucht.“
> und dessen Hörprobleme ja vielleicht auch eine Folge der Durchblutungsprobleme sind, die das Kohlenmonoxid zu verantworten hat? Keine Ahnung
„Keine Ahnung“ trifft es ganz gut. In dem Alter können viele (NichtraucherInnen) viel schlechter hören (und reden, und denken) als Helmut Schmidt.
>Rauchen ist meiner Ansicht nach bald sowieso nur noch ein Bildungsproblem: Wer kapiert, wie das Rauchen funktioniert, lässt es bleiben.
Jaja, die Arroganz gegenüber ‚Ungebildeten‘. Schlimm. Und formaler Bildungsgrad hat gerade in der älteren Generation nur bedingt mit Intelligenz und Verstand zu tun. Aber als ‚Guru‘, nicht nur in Nichtraucher-Seminaren gehört die Attitüde ‚Ich bin sowieso viel schlauer, als die Leute, die meine Seminare besuchen‘ wohl zum Geschäft. Und sie stimmt sogar meistens. Was aber nicht am Rauchen, sondern der Art der Leute liegt, die derartige Veranstaltungen (auch zu ganz anderen Themen) besuchen.
> Warum drücken Sie Ihre Kippe dann nicht auf Ihrem Handrücken aus? Sie werden doch bitteschön vor diesem bisschen Schmerz keine Angst haben, wenn Sie sich gerade fürs jahrelange Verrecken als Krebspatient zurecht machen??
Einfache wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Logik: Der Schmerz des Ausdrückens tut sofort und ganz sicher weh, Krebs bekommt man – wenn überhaupt – nur irgendwann mal. Und so viel Größer ist die Krebswahrscheinlich eines Rauchers ggü. einem Nichtraucher auch nicht.
> (Bin ich froh, dass ich nicht mehr rauche! Man fühlt sich einfach weniger unter Druck ;-).
Rauchen kann auch wunderbar als Mittel funktioniernen, um Druck abzubauen.
> Ich mag keine militanten Nichtraucher. Und ich mag auch keine militanten Raucher.
Militante Nichtraucher wollen, dass keiner mehr raucht. Deshalb wollen sie so viel verbieten.
Militante Raucher, die wollen, das alle zwangsweise rauchen und das Nichtrauchen verbieten wollen, gibt es nicht. Das Herbert-Wehner-Zitat „Wir Nichtraucher sind immer toleranter“ bewahrheitet sich gerade zur Zeit in voller Pracht.
> Wenn einer der militanten Nichtraucher plötzlich in Ihrem Forum wäre, würden Sie ihn vielleicht mit der gleichen unsachlichen Polemik niederschreien wie die militanten Nichtraucher einen der Ihren, der sich dort als Maulwurf einschleicht, um Unruhe zu stiften? Ich weiß es nicht.
Wenn Sie es wissen wollen, schauen Sie unter
http://www.raucherforum.de.vu/
einmal nach:
Wir lassen auch militante Anti-RaucherInnen zu und löschen höchstens beleidigende Teile aus deren Mails. Im Gegensatz zu Pro Rauchfrei etc. sind wir nämlich sehr liberal und schreien diese Leute nicht nieder bzw. verweigern ihnen nur bei extremen persönlichen Beschimpfungen die weitere Forumsteilnahme.
Wir machen uns aber natürlich im Forum gelegentlich über den Fanatismus dieser Leute lustig.
> Ja, ich denke auch, dass die meisten Dinge auf dieser Welt irrational sind. ;-) Nur das Rauchen, das ist ein in sich sehr zwingend logisches System, eine perfide Falle, die seit Jahrhunderten funktioniert und seit Jahrzehnten im großen Stil Menschen arm und krank macht.
Das Rauchen ist keine Falle. Es macht Menschen auch nicht per se arm und kann eine Bereicherung sein.
Und die Krankheiten, an denen das Rauchen als Risikofaktor beteiligt sein können, treten v.a. wegen unserer gestiegenen Lebenserwartung gehäuft auf.
> dann hören auch Sie mit dem Rauchen auf und sind froh, sich von dieser dann für Sie komplett unwichtigen Nebensache nicht länger ihr Denken dominieren zu lassen.
Durch meinee Funktion im RaucherInnennetzwerk Forces kann das Rauchen keine Nebensache sein.
Und wenn, dann eine der schönsten Nebensachen der Welt ;-)
Okay. Stück für Stück.
>“Infolge des Sauerstoffmangels macht Rauchen unter anderem dumm. Was wiederum zur Folge hat, dass das Denken sich nicht mehr so gut bewegen lässt.“ Eine wesentliche Desinformation für die ‘Prävention’. Der Bildungsgrad älterer RaucherInnen wird im wesentlichen an Ihrer Schul- und Ausbildung gemessen. Es werden keine Gehirntests durchgeführt. Dass man durch das Rauchen dümmer wird, höre ich zum ersten Mal. Erzählen Sie Ihren SeminarteilnehmerInnen tatsächlich, dass Sie durch Nichtraucher klüger werden?
Nein, aber wir sagen ihnen, dass sich alle Organe davon erholen, wenn man aufhört, sie regelmäßig mit Giftcocktails zu quälen. Und dass auch das Gehirn natürlich dann besser mit Sauerstoff versorgt wird.
>Typischerweise probiert man Rauchen in der Pubertät aus und wir irgendwann, oft in der Spätpubertät zum/zur regelmäßigen RaucherIn. Das liegt nicht an der Tabakindustrie, mit der ich zwar nichts zu tun habe, außer dass ich ihre Produkte erwerbe, die ich aber gegen unqualifizierte Kritik in Schutz nehme. Rauchen, auch bei jungen Leuten (und seine Bekämpfung), ist ein jahrhundertealtes Phänomen, viel älter als die Belieferung durch Tabakkonzerne.
Ja, natürlich. Darüber hinaus hat dann die Tabakindustrie belegbarerweise lange darüber nachgedacht, wie man diese Tendenz Jugendlicher nutzen kann. Und die Erkenntnisse zum Beispiel dazu genutzt, um bestimmte Markenprofile zu entwickeln.
>Ein Arzt oder Humanbiologe, der den menschlichen Stoffwechsel durchschaut hat, hört deshalb nicht mit dem Essen oder Trinken auf.
Natürlich nicht, denn Essen und Trinken sind ja etwas Normales und Lebensnotwendiges, was die Evolution vorsieht. Das Rauchen hat bis zu seiner Einführung in Europa keiner vermisst. Nur Nikotinabhängigen fehlt Nikotin. Nichtrauchern fehlt es nicht. Wer erkennt, auf welchen Denkfehlern die Sucht beruht, durchschaut sie und stellt sie ab. Weil Nikotin eine komplett absurde Droge ist, die nicht mal ballert. Jede Zigarette beseitigt nur kurz das Leeregefühl („Ich brauche eine Zígarette“), das die vorige Zigarette hinterlassen hat.
>Herr Paul schrieb gestern richtigerweise:
„Trotzdem lässt mich meine „Raucherlogik“ fragen, ob Armut an Geld und Bildung sich nicht besser ertragen lässt, wenn man raucht.“
Bei 4 Euro pro Schachtel bin ich mir da nicht so sicher. :-) Aber klar: Solange die Menschen das Rauchen nicht verstehen, halten sie es für einen Trost. Schließlich beseitigt es regelmäßig ein unangenehmes Gefühl, das diese Leute nicht hätten, wenn sie nicht rauchen würden. Und wer das und andere Mechanismen nicht durchschaut, hält es dank selektiver Wahrnehmung vielleicht wirklich für angenehm. Ich selbst dachte als Raucher ja auch, es sei ein Genuss.
> „und dessen Hörprobleme ja vielleicht auch eine Folge der Durchblutungsprobleme sind, die das Kohlenmonoxid zu verantworten hat? Keine Ahnung“. „Keine Ahnung“ trifft es ganz gut. In dem Alter können viele (NichtraucherInnen) viel schlechter hören (und reden, und denken) als Helmut Schmidt.
Ja klar. Wenn ein alter Raucher gelbe Zähne hat, würden Sie bestimmt sagen, alle alten Leute haben gelbe Zähne. :-) Nein – wie gesagt, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass meine Migräne und mein Tinnitus vom Rauchen kamen. Beides Durchblutungsprobleme. Der Tinnitus u.a. ein Durchblutungsproblem im Innenohr. Und ich weiß, dass der Rauchstopp die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung ankurbelt. Immerhin meine Migräne ist seit dem Rauchstopp 1996 weg. Viele unserer Seminarteilnehmer sind wenige Wochen nach dem Seminar viel gesünder als zuvor. Sogar Asthmatiker sind schon ihr Asthma losgeworden.
> Jaja, die Arroganz gegenüber ‚Ungebildeten‘. Schlimm.
Nein, Herr Lövenich. Keine Arroganz. Ich meine das ganz sachlich: Wer das Rauchen versteht, hört damit auf. Sie verstehen es nur leider nicht. Und das können Sie auch nicht. Nicht weil Sie den Grips dazu nicht hätten, nein. Sie sind einfach nicht offen. Sie sind zu. Sie denken, Sie wissen schon alles. Sie sind ein Gefangener Ihrer selbst und Ihres Halbwissens übers Rauchen, auf dem Sie jetzt sogar eine Art Job aufbauen. Es wird nicht leicht für Sie werden, sich einzugestehen, dass Ihr mühsam errichtetes Gebilde auf Irrtümern beruht. Und dadurch machen Sie es sich schwerer als andere, mit dem Rauchen aufzuhören. Dabei würde ich Ihnen wirklich besonders wünschen, diese wunderbare Erfahrung zu machen, wie leicht und schön es ist.
> „Warum drücken Sie Ihre Kippe dann nicht auf Ihrem Handrücken aus? Sie werden doch bitteschön vor diesem bisschen Schmerz keine Angst haben, wenn Sie sich gerade fürs jahrelange Verrecken als Krebspatient zurecht machen??“ Einfache wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Logik: Der Schmerz des Ausdrückens tut sofort und ganz sicher weh, Krebs bekommt man – wenn überhaupt – nur irgendwann mal.
Yep. Genau. Darum funktioniert auch die herkömmliche Abschreckungsdidaktik in der Schule nicht. Weil es 12-Jährige nicht kratzt, ob sie später vielleicht mal krank werden. Rauchen tut ja nicht wirklich weh, weil wir in den Bronchien keine Schmerzempfindung haben. Da wäre was los in der Lunge. :-)
>Und so viel Größer ist die Krebswahrscheinlich eines Rauchers ggü. einem Nichtraucher auch nicht.
Dann kann ich meinen Kindern ja ruhigen Gewissens empfehlen, das Rauchen anzufangen. ;-)
> „Bin ich froh, dass ich nicht mehr rauche! Man fühlt sich einfach weniger unter Druck ;-).“ Rauchen kann auch wunderbar als Mittel funktionieren, um Druck abzubauen.
Ja, das habe ich auch gedacht, als ich noch Raucher war. Heute weiß ich: Das stimmt leider nur bei Süchtigen, muss es, und die halten den Mechanismus für normal. Alkohol hilft Alkoholikern auch, um Druck abzubauen. Klar bauen Sie Druck ab, wenn Sie eine rauchen. Ohne Zigarette fehlt Ihnen ja auch was. Sie kommen ohne Zigaretten ja nicht klar, Sie können ja gar nicht ohne. Deswegen verteidigen Sie die Dinger ja auch so vehement. Natürlich tut es einem Raucher gut, wenn er eine rauchen darf. Das bestreitet auch keiner. Nur finden wir halt, dass Raucher deswegen nicht wirklich zu beneiden sind. :-) Und sich die eigene Gefängniszelle als Kultur schönzureden, bedarf schon diverser Knoten im Denken. Nicht, dass *Sie persönlich* verknotet denken, nein – es ist ein allgemeines Phänomen, das auf mich früher auch zugetroffen ist. Die Verknotung kommt u.a. durch die Gewöhnung ans Nikotin und endet, wenn Sie mit dem Rauchen aufhören. Nikotin irritiert die Nerven und zwingt Sie, bestimmte unnormale Dinge für normal zu halten, und je länger Sie das mit sich machen lassen, desto eingefahrener ist die Raucherlogik.
>Militante Nichtraucher wollen, dass keiner mehr raucht. Deshalb wollen sie so viel verbieten. Militante Raucher, die wollen, das alle zwangsweise rauchen und das Nichtrauchen verbieten wollen, gibt es nicht.
Na ja. Es gibt schon militante Raucher, die von anderen erwarten, dass sie sich vollqualmen lassen. Das ist, wie wenn ich in Ihr Badewasser kacke und Sie bitte, sich nicht zu beschweren, weil es uncool wäre. Sorry, aber da fänden Sie es wahrscheinlich auch seltsam, wenn ich von Ihnen Toleranz für meine Inkontinenz verlangen würde. Andersrum würden Sie von mir erwarten, Ihr sauberes Badewasser zu respektieren. Und militante Raucher fordern Toleranz für eine Sucht ein, die aus Sicht vieler Nichtraucher nicht mal mehr nur eine Krankheit ist, sondern die Sie durch Ihre Propaganda auch noch ganz bewusst zur *vorsätzlichen* Rücksichtslosigkeit machen. Also ganz klar: Militante Raucher gibt es. Das wird der veränderungsresistente harte Kern sein, wenn wir in zwanzig, dreißig Jahren noch einen Raucheranteil von 5 Prozent haben werden.
>Das Rauchen ist keine Falle.
Ich weiß, dass Sie das so sehen. Sonst würden Sie nicht mehr rauchen.
Doch seien Sie versichert: Die Falle existiert. Die Falle ist perfide, die Kinder laufen der Reihe nach rein. Aber man kann die Falle verstehen und sie den Menschen erklären. Und wer sie versteht, hört mit dem Rauchen auf.
>Es macht Menschen auch nicht per se arm und kann eine Bereicherung sein.
Wenn man seine Kippen klaut und seine OPs nicht selber bezahlen muss, macht es nicht per se arm. Das stimmt. Eine Bereicherung war das Rauchen für mich als Raucher zeitweise auch. Seit ich nicht mehr rauche, bin ich froh, es los zu sein. Ich habe mich nur geärgert, nicht zehn Jahre früher damit aufgehört zu haben. Und mir tun die Raucher leid, die immer noch nicht wissen, dass es sich bei dem Gefühl der Bereicherung um eine Illusion handelt.
>Und die Krankheiten, an denen das Rauchen als Risikofaktor beteiligt sein können, treten v.a. wegen unserer gestiegenen Lebenserwartung gehäuft auf.
Nein. Sie treten insbesondere durch das Rauchen auf. Das Rauchen ist der Schlüssel zu einem Drittel der Krankheiten in der westlichen Welt. Es ist Todesursache Nummer eins in Europa, kurz vor dem Fettfressen.
Und wissen Sie was? Die Krankheiten interessieren mich eigentlich gar nicht. Mir ist es egal, mit welcher Wahrscheinlichkeit Raucher an welchen Krankheiten sterben. Mir ist es egal, wie Krebs entsteht. Die Krankheiten kümmern weder mich noch unsere Teilnehmer. Sie werden uns mit viel geringerer Wahrscheinlichkeit treffen als Sie. Denn wer mit dem Rauchen aufhört, wird gesund.
>Durch meine Funktion im RaucherInnennetzwerk Forces kann das Rauchen keine Nebensache sein. Und wenn, dann eine der schönsten Nebensachen der Welt ;-)
Verstehe ich gut. Ich denke gerade an jemanden, der ebenso verbissen wie Sie kämpft – nur für die andere Seite. Extremisten und Fundamentalisten mögen für verschiedene Ideologien kämpfen. Aber in ihrer Methodik sind sie gleich. Menschlich finde ich Extremisten und Fundamentalisten zumindest sehr, sehr fragwürdig.
:-) So, jetzt geben Sie es endlich zu: Sie sind gar kein Raucher, sondern ein hoch bezahlter Tabakindustrie-Brüller, der natürlich das Zeug niemals selber nimmt, weil er weiß, wie die Falle funktioniert. ;-) Okay, war‘n Witz. Irgendwie glaube ich Ihnen, dass Sie Raucher sind, dafür ist Ihre sympathische Raucherlogik einfach zu festgefahren.
By the way: Haben Sie eigentlich „Thank you for smoking“ gesehen? Würde mich mal interessieren, wie Sie den Film finden. Ich habe ihn hier auf meiner Seite irgendwo kritisiert, Sie finden den Text, wenn Sie in der Suchmaske „Thank“ eingeben.
Zum Thema „Rauchen und Gehirn“ hier das aktuellste, das ich finden konnte:
European Journal of Neuroscience, Vol. 24, pp. 1744–1750, 2006
Abstract
Growing evidence from animal studies indicates brain-damaging properties of nicotine exposure. Investigations wide range of functional cerebral effects of nicotine and cigarette smoking, but studies focusing on brain damage smokers and 23 never-smokers possible differences of the cerebral structures were investigated using magnetic and voxel-based morphometry. Significantly smaller grey matter volume and lower grey matter density (P ¼ observed in the frontal regions (anterior cingulate, prefrontal and orbitofrontal cortex), the occipital lobe and including parahippocampal gyrus, in smokers than in never-smokers. Group differences of either grey matter volume density were also found in the thalamus, cerebellum and substantia nigra, among other regions. Smokers volumes than never-smokers in any cerebral region. Magnitude of lifetime exposure to tobacco smoke (pack-correlated with volume of frontal and temporal lobes and cerebellum (P ¼ 0.001, uncorrected). The data indicate several cortical and subcortical regions in smokers relative to never-smokers. The topographic profile of the group some similarities to brain networks known to mediate drug reinforcement, attention and working memory processing. Findings may explain in part the frequently reported cognitive dysfunctions in chronic cigarette consumers.
Herr Lövenich,
Danke für Ihre Antwort. Eins mal vorweg, ich habe weder ein Seminar besucht noch bisher das Buch von Thilo Baum gelesen. Das nur kurz zur Erklärung und damit Sie mein Nachfragen verstehen, denn ich plappere nicht nach ;-)
Ich bin „nur“ der lebende Beweis, dass anwesende Nicht-Raucher Raucher nicht ständig „bekehren“ wollen.
In Ihren Ausführungen gibt es ein paar Punkte, die ich gerne aus Ihrer Sicht nochmals hören möchte.
Und ich möchte dazu mal etwas ausführlicher werden, denn gelinde gesagt, glaube ich, dass die Anwesenden von vielen Punkten die sie aufführen keine Ahnung haben. Und damit meine ich auch die Nicht-Raucher.
Es geht um die Punkte: Genuss, Verzicht und Sucht.
Herr Lövenich,
sie sagten, Rauchen sei für Sie ein Genuss. Gut, ich bin auch ein Genussmensch. Ich sterbe für eine gute Sachertorte und würde ich mich diesem Genuss hingeben, wäre Sachertorte eins meiner Grundnahrungsmittel. Aber ich bin auch eitel und ich möchte meine gute Figur behalten. Daher fällt es mir nicht schwer, die meiste Zeit meines Lebens auf die Sacher zu verzichten. Mit „nicht schwer“ meine ich, dass ich nicht jeden Abend nervös auf meinem Sofa rumrutsche, weil ich keine Sachertorte essen kann. Ich kann auch bei Besprechungen den Ausführungen meines Gegenübers über Stunden ohne Sachertorte folgen.
Ehrlich gesagt, fällt mir das bei längerem Verzicht auf Nikotin schon schwerer. Sie wissen was ich meine ;-)
Kein anderes Genussmittel verursacht dieses Gefühl des Verzichtes wie Nikotin. Keins hat bei Verzicht solche Wirkung. Ist das bei Ihnen anders?
Es ist auch ein Genuss beim Sport meinen Körper an die Leistungsfähigkeit zu treiben. Ganz simple Biochemie macht einfach extrem glücklich. Ergeiz ist befriedigt, wenn man endlich den Kick im Sprung schafft und dabei das Brett zerdeppert. Trotzdem kann ich beruhigt einige Tage wegfahren ohne zu trainieren. Ich stehe dann nicht hektisch am Strand und überlege mir nachts um 23:00 Uhr wo ich noch ein Brett zum durchschlagen bekomme.
Aber ich quäle mich nachts raus, um an der Tankstelle Zigaretten zu holen. Und ehrlich gesagt würde ich lieber auf dem Sofa sitzen bleiben. Ist das bei Ihnen auch anders?
Überwiegt da nicht der Zwang den Genuss?
Ist ist nicht dieser Zwang ein Merkmal von Sucht?
Was ist es, dass wir auf andere angenehme Dinge verzichten, um dieses eine Genussmittel zu konsumieren?
Ich meine diese Frage sehr ernst und bitte Sie wirklich mal in Ruhe darüber nachzudenken, bevor Sie mir antworten.
Ich erzähle Ihnen jetzt einmal was über das für mich nicht verständliche am Nikotin:
Meine erste Kippe war wie bei wohl jedem wirklich eklig. Mein Mund war danach taub und mir war schlecht. Trotzdem rauchte ich fleissig weiter. Ich frage mich wirklich warum, welche Mechanismen wirken, dass man sich das antut, denn ich habe einen wirklich guten, direkten Vergleich.
Im Gegensatz zu den meisten hier, weiß ich, wie der erste Kick von illegalen“ Drogen wirkt. Es ist bei fast allen ein durchaus genussvolles Erlebnis. Man spürt seinen Körper, hat eine erweiterte Wahrnehmung, setzt Endorphine in einer Masse frei, die man noch nicht kannte. Man ist euphorisch. Ich kann aus eigener Erfahrung gut verstehen, dass man nach dieser Erfahrung die zweite sucht. Nochmal zum Vergleich, nach meiner ersten Zigarette habe ich mich recht unvornehm übergeben ;-)
Ich denke kein Mensch hier, mich eingeschlossen, würde behaupten, dass Drogen ein Genussmittel sind. Jeder hier wird mir zustimmen, dass man davon besser die Finger lässt.
Und zwar, obwohl es über die meisten Designer-Drogen kaum Erkentnisse über gesundheitliche Spätfolgen gibt. Selbst die viel zitierten akuten Gefahren von Überhitzung und Kreislaufkollaps lassen sich durch genügend Wasser und Ruhe verhindern. Tote bei Designer Drogen sind sehr, sehr selten.
Ein gesellschaftlicher Absturz ist auch nicht umbedingt gegeben. Ich hatte zu dieser Zeit gerade mein Studium unterhalb der Regelstudienzeit abgeschlossen und hatte einen dieser heissbegehrten Jobs bei jungen Wirtschaftswissenschftlern. Ich hielt vor Menschen Vorträge, die ich kurz davor noch in meiner Diplomarbeit im Quellenverzeichnis zitiert hatte und veröffentlichte Artikel in den USA und der Schweiz. Ich nahm diesen Mist nicht, weil ich den Druck nicht aushielt, ich nahm ihn schon weit vor meiner Karriere. Also nicht wirklich ein Absturz ;-).
Und ich bin auch nicht das, was man sich landläufig unter einem Ex-Junkie vorstellt. Herr Lövenich, wenn Sie mal in Berlin sind, lassen Sie uns essen gehen. Sie werden merken, dass ich eine durchaus charmante und geistreiche Begleitung bin ;-) Das ist ein ernstgemeinter Vorschlag.
Ich habe mit den Drogen von heute auf morgen aufgehört. Einfach so, ohne gesundheitliche oder juristische Notwenigkeit. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde es war leicht, aber es war auch nicht schwer. Obwohl mir wohl jeder zustimmt, dass Drogen definitiv eine Sucht sind.
Rauchen tue ich immer noch. Ich kenne Sucht und von etwas, dass kaum nachweilsich abhängig macht kann ich mich nicht lösen? Warum meinen Sie? Was arbeitet da?
Ich sage es Ihnen aus meiner Sicht. Nikotin ist wie Alkohol gesellschaftlich anerkannt. Rauchen ist nicht schlimm. Und das, obwohl es mehr erschreckende Studien zu den Spätfolgen des Rauchen gibt wie über die Folgen von XTC und LSD. Im Gegenteil, eine Spätfolge der illegalen Substanzen, das Absterben der Synapsen im Gehirn, kann nachweislich vom Körper abgefangen werden. Das Argument, Menschen springen auf LSD vom Dach fällt für mich flach, denn es rasen wesentlich mehr Menschen mit 220km/h über die Autobahn weil sie denken, dass sie Autofahren können, als LSD`ler glauben sie können fliegen.
Ich möchte nicht rauchen, ich empfinde es als Einschränkung, denn mein Büro ist verqualmt, meine Klamotten riechen nach Rauch und nicht nach Jil Sander.
Und dann lese ich ihre Ausführungen von Genuss und frage mich, ob ich ein so schwacher Mensch bin. So schwach, dass ich auf Genuss nicht verzichten kann. Nein, denn bei der Sachertorte klappt es ja. Mangelnde Disziplin ist es auch nicht, denn ich betreibe seit Jahren einen asiatischen Kampfsport, der viel Disziplin erfordert.
Ist es bei Ihnen so anders als bei mir, denn bei mir ist es eine fiese Sucht. Eine, die von aussen aufrecht erhalten wird. Ist es bei Ihnen wirklich nur der reine Genuss? Warum ist es dann so schwer für Sie aus verschiedenen Gründen mal auf eine Zigarette zu verzichten ebenso wie auf andere Genussmittel? Warum wehrt man sich dagegen mal nicht zu rauchen. Es wäre doch gar kein Problem, wenn es in den meisten Restaurants keine Sacher gäbe.
Ihr Engagement ist in meinen Augen nicht mit der blossen Selbstbestimmung begründbar. Denn wäre es so, dann lassen Sie uns bei unserem Abendessen besprechen, gegen was wir alles umbedingt etwas unternehmen müssen. Wir werden bestimmt viele Punkte finden, die der Gesetzgeber einschränkend regelt und uns gemeinsam betreffen.
Die Koreaner sagen, der beste Krieger ist die Angst. Angst etwas zu verlieren ohne das man nicht Leben kann. Können Sie ohne Nikotin ihrer Meinung nach nicht leben? Es ist doch nur eins von vielen Genussmitteln. Ich spendiere Ihnen auch die beste Sachertorte, die in Berlin zu bekommen ist ;-)
Sucht bedeutet von etwas abhängig zu sein, dass der Körper nicht von Natur zur Aufrechterhaltung braucht. Plötzlich braucht man die Sacher zum Leben….und verteidigt sie wie ein asiatischer Krieger ;-)
@Sonja
„Sucht bedeutet von etwas abhängig zu sein, dass der Körper nicht von Natur zur Aufrechterhaltung braucht.“
Predigen sie Askese? Leben Sie von Wasser, Brot und gelben Rüben?
„Plötzlich braucht man die Sacher zum Leben….und verteidigt sie wie ein asiatischer Krieger“
Warum muss man die Sacher verteidigen? Wer macht sie uns streitig? Doch wohl der nur der gutmeinende aber böse Nachbar. „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“
Ist es Aufgabe der Nachbarn, sich um meinen (im Fall des Rauchens öffentlich zur Schau gestellten) Lebensstil zu kümmern, während sie heimlich vielleicht anderen Lastern frönen? Wenn diese Nachbarn bereit sind, auch die Anstrengungen, Wirren und Verpflichtungen meines Lebens zu übernehmen, dannwäre das etwas anderes . Aber bis auf Weiteres lebe ICH MEIN Leben.
Über Genuss lässt sich ebenso wie über Geschmack streiten. Solange wir uns darüber noch streiten dürfen, ist die Welt noch in Ordnung. Sobald uns der Staat (auf Druck von militanten Weltverbesserern) vorschreibt, welcher „Genuss“ noch erlaubt ist, wird aus dem Leben nur noch ein Warten auf das Ende.
Stellen Sie sich nur vor, die Thesen des Vatikan würden zum Gesetz erhoben ….
@Stefan Frädrich
„Findings MAY explain IN PART the frequently reported cognitive dysfunctions in chronic cigarette consumers.“
… oder auch nicht. Ohne zu wissen, welche Störgrössen eliminiert wurden (wenn überhaupt), gibt die Studie nur Anstoss, weitere Untersuchungen durchzuführen. Es könnte ja auch sein, dass Rauchen nur die Co-Wirkung einer anderen (biologischen) Ursache ist (siehe unten).
Alle Nachtschattengewächse (Tomate, Kartoffel) enhalten übrigens Nikotin, der Kotinin-Level im Blut kann denjenigen eines passivrauchenden Barbesuchers übersteigen.
Und was tut man, um von der Zigarette wegzukommen? Man nimmt (rezeptfrei) Nikotin ein, geliefert von der Pharmaindustrie. Die langfristigen Erfolgsraten sind übrigens vernichtend.
Oder man geht in ein Seminar der Luftfabrik. Können wir einmal Einsicht bekommen in die Erfolgsraten dieser Seminare, kurz- und langfristig? Oder ist das Firmengeheimnis?
Nikotin hat aber auch seine guten Seiten, es behebt oder verhindert gewisse Krankheiten. Eine davon ist die Hyperaktivität, die häufiger vorkommt, als man annimmt, weil man sich hauptsäclich auf schwerere Fälle konzentriert. Es kann sehr wohl sein, dass jemand unbewusst die Wirkung der Zigarette benutzt, um seine Hyperaktivität zu bewältigen. Das würde auch erklären, warum das Verlangen nach der Zigarette in Stressituationen besonders stark ist.
„Scientists reported yesterday that nicotine seems to diminish mental impairment stemming from stress or an underactive thyroid – the latest in a growing body of evidence that the long vilified substance may help people with brain disorders ranging from Alzheimer’s disease to schizophrenia.“
„Studying twins, investigators at Washington University School of Medicine in St. Louis have found that children with a particular type of attention deficit-hyperactivity disorder (ADHD) often don’t get treatment and are at increased risk for cigarette smoking.
„Children and adolescents with ADHD can be divided into two primary subgroups: those with only severe inattention and those with both inattention and hyperactivity. For the last several years, a team of psychiatry researchers has been studying Missouri families with twins, looking in detail at 800 families where at least one child had symptoms of ADHD.“
„Attention Deficit Hyperactivity Disorder (ADHD) is characterized by inattention, impulsivity, and hyperactivity that are frequently treated with stimulant medications such as Ritalin. Many people with ADHD smoke. The smoking prevalence rates are 40% in adults with ADHD compared to 26% in the general population. People with ADHD have also more difficulty to quit smoking. Only 29% of smokers with ADHD quit smoking compared to 48.5% of smokers in the general population. Nicotine is a stimulant, which may have similar properties than stimulant medications (e.g., Ritalin) used to treat ADHD. Nicotine may increase attention and reduce hyperactivity and impulsivity and, thus, may regulate behavior in individuals with ADHD.“
Das pharmakologische Produkt Ritalin zur Bekämpfung der Hyperaktivität (Abgabe streng kontrolliert), wird in den USA in grossen Mengen konsumiert, häufig auch von „gesunden“ Menschen. Vielleicht sind das nur verhinderte Raucher?
„# Ritalin is abused by diverse segments of the population, from health care professions and children to street addicts.
# Between 30 and 50 percent of adolescents in drug treatment centers report Ritalin use.
# Ritalin ranks in the top 10 most frequently reported controlled pharmaceuticals stolen from licensed handlers.
# Reports from students and faculty on college campuses show Ritalin used as a study aid and party drug in the same manner that amphetamine was used on campuses in the 1960s.
# Research suggests that Ritalin causes long-lasting changes in brain cell structure and function. The drug appears to initiate changes in brain function that remain long after the therapeutic effects dissipate.“
… an estimated 48 million people (ages 12 and older) have used prescription drugs for non medical reasons in their lifetimes. This represents approximately 20 percent of the U.S. population.
Die Menschheit scheint doch etwas vielfältiger zu sein, als dass man sie einfach in „Normale“ und Drogensüchtige unterteilen könnte.
Ach Leute. Dann raucht halt, wenn ihr wollt. :-)
Liebe Sonja!
> Kein anderes Genussmittel verursacht dieses Gefühl des Verzichtes wie Nikotin. Keins hat bei Verzicht solche Wirkung. Ist das bei Ihnen anders?
1. Es gibt Geseligkeits- und GelegenheitsraucherInnen – davon kenne ich viele – auf die das so nicht zutrifft.
2. Es gibt andere Abhängigkeiten (nach Essen, Drogen) etc., wo Leute auch nicht lange ohne können.
3. Ich komme selten stundenlang ohne Zuführ von Getränken aus. Und der Durst – der die Abhängigkeit von Flüssigkeitseinnahme verdeutlicht – verringert nicht unbedingt den Genuss beim Trinken.
> Ich stehe dann nicht hektisch am Strand und überlege mir nachts um 23:00 Uhr wo ich noch ein Brett zum durchschlagen bekomme.
Ich bin kein richtiger Sportler, obwohl ich mehr Kondition habe als viele NichtraucherInnen. Ich habe allerdings einen gewissen Bewegungsdrang. Wenn ich einen ganzen Tag nicht Fahrrad gefahren bin (oder einen Ausgleich dafür hatte), fühle ich mich nicht wohl. Davon bin ich also auch irgendwie ‚abhängig‘ für mein Wohlbefinden.
> Aber ich quäle mich nachts raus, um an der Tankstelle Zigaretten zu holen. Und ehrlich gesagt würde ich lieber auf dem Sofa sitzen bleiben. Ist das bei Ihnen auch anders?
Das ist bei ihr anders. Ich habe fast immer Vorrat. Und außerdem mehrere Ziggi-Automaten in 200 m Umkreis meiner Wohnung.
> Überwiegt da nicht der Zwang den Genuss?
Wenn ich Mörderkohlkampf habe und essen, überwiegt der Zwang dann den Genuss? Wenn ich mörderischen Durst habe und trinke, überwiegt der Zwang den Genuss. Bei mir ergänzt sich beides.
> Ist ist nicht dieser Zwang ein Merkmal von Sucht?
Ich sehe mich zum Essen, Trinken, Bewegen und zum Kommunizieren mit Menschen ‚gezwungen‘, weil mir sonst was fehlen würde. Bin dabei aber nicht süchtig. Und Sucht ist ein Definitionsproblem. Natürlich bin ich nikotinsüchtig gemäß Alltagssprachgebrauch.
> Was ist es, dass wir auf andere angenehme Dinge verzichten, um dieses eine Genussmittel zu konsumieren?
Ich sage nur: Opportunitätskosten entstehen permanent und unausweichlich.
> Ich denke kein Mensch hier, mich eingeschlossen, würde behaupten, dass Drogen ein Genussmittel sind. Jeder hier wird mir zustimmen, dass man davon besser die Finger lässt.
Hier dürften illegale Genussmittel gemeint sein. Ich kenne einige (Gelegenheits- und Gewohnheits-)KifferInnen sowie Personen, die sich schon mal Pilze einwerfen u.ä. Für die ist das ein Genuss. Damit habe ich kein Problem.
> Sie werden merken, dass ich eine durchaus charmante und geistreiche Begleitung bin ;-) Das ist ein ernstgemeinter Vorschlag.
Danke für das Angebot. Sie können mir gerne Ihre Kontaktdaten mitteilen.
> Obwohl mir wohl jeder zustimmt, dass Drogen definitiv eine Sucht sind
Ein Stoff ist keine Sucht. Ich kenne Leute, die nehmen nur einmal im Jahr eine illegale Substanz. Die sind nicht danach süchtig.
> Rauchen tue ich immer noch. Ich kenne Sucht und von etwas, dass kaum nachweilsich abhängig macht kann ich mich nicht lösen? Warum meinen Sie? Was arbeitet da?
Das Zeug ist einfach höllisch gut. Deshalb ist es schwierig, davon zu lassen. Außerdem Rezeptoren im Gehirn etc. pp.
> ch möchte nicht rauchen, ich empfinde es als Einschränkung, denn mein Büro ist verqualmt, meine Klamotten riechen nach Rauch und nicht nach Jil Sander.
Och, ich mag den Geruch sehr. Nicht zuletzt die Faszination des Geruchs hat mich bewegt, seinerzeit die erste Kippe zu rauchen.
Und bei jemanden, mit dem ich ausgehe, mag ich Rauch auch lieber als Jil Sander ;-)
> Und dann lese ich ihre Ausführungen von Genuss und frage mich, ob ich ein so schwacher Mensch bin. So schwach, dass ich auf Genuss nicht verzichten kann.
Herr Baum, der damit Geld verdient, und ideologische RauchgegnerInnen versuchen, einem ein schlechtes Gewissen zu machen. Gerne wird das Bild des ’starken‘ Asketen bemüht.
Das geht aber an der menschlichen Realität definitiv vorbei. Der Mensch ist immer irgendwie ’schwach‘ und braucht Hilfsmittel, Genüsse etc.
> st es bei Ihnen so anders als bei mir, denn bei mir ist es eine fiese Sucht. Eine, die von aussen aufrecht erhalten wird.
Von außen? Bei mir wird sie von innen aufrecht erhalten. Sie ist auch nicht fies.
> Warum wehrt man sich dagegen mal nicht zu rauchen. Es wäre doch gar kein Problem, wenn es in den meisten Restaurants keine Sacher gäbe.
Warum soll ich mich gegen das Rauchen wehren? Ich wehre mich doch schon gegen so viel anderes.
Und gerade in einer Kneipe will ich rauchen. Das heißt nicht, dass ich Nichtraucherzonen in Restaurants oder ganze Nichtraucheretablissements nicht befürworte, aber nicht als Zwang, der kein gemütliches Kippchen zum Bier ermöglicht.
> Die Koreaner sagen, der beste Krieger ist die Angst. Angst etwas zu verlieren ohne das man nicht Leben kann. Können Sie ohne Nikotin ihrer Meinung nach nicht leben? Es ist doch nur eins von vielen Genussmitteln. Ich spendiere Ihnen auch die beste Sachertorte, die in Berlin zu bekommen ist ;-)
Angst vor der gleichgeschalteten Gesundheitswahngesellschaft ohne Zigaretten und Sachertorten.
> Sucht bedeutet von etwas abhängig zu sein, dass der Körper nicht von Natur zur Aufrechterhaltung braucht.
Wir ‚brauchen‘ so vieles, das der Steinzeitmensch noch nicht gebraucht hätte. Das macht die menschliche Gesellschaft aus.
> Aber ich bin auch eitel und ich möchte meine gute Figur behalten.
Wir können in Berlin auch gerne mal über Schlankheitswahn reden. Ich freue mich.
Liebe(r) Vivendi,
die Formulierung „MAY explain IN PART“ ist übliche Wissenschaftssprache, die sich bemüht, so objektiv wie möglich zu bleiben. Interessanter finde ich die Feststellung von „frequently reportet cognitive dysfunctions in chronic cigarette consumers“. Die einzelnen gemessenen Defekte sind aufgezählt. Ob das jetzt primär mit dem Rauchen korelliert oder auf eine dritte Ursache hinweist, vermag ich nicht sicher zu sagen. Gestatten Sie jedoch, dass ich anlässlich eines Cocktails von 4000 zum Teil sehr giftigen Substanzen im Zigarettenrauch einen direkten Zusammenhang vermute.
Die Luftfabrik arbeitet ohne Nikotinpräparate. Wir sind da Ihrer Meinung: Es wäre sinnlos, teure Nikotinpräparate einzunehmen, wenn es doch darum geht, vom Nikotin und seinen Wirkungen loszukommen.
Unsere Erfolgsquote liegt in den Wochen nach dem Seminar bei etwa 90 Prozent Nichtrauchern. Ein Jahr nach dem Semimar rauchen ca. 50 Prozent nicht mehr, von denen ca. 80 Prozent seit dem Seminar keine Zigarette mehr angefasst haben. 25 Prozent unserer Seminarteilnehmer rauchen weniger als vorher. Und weitere 25 rauchen nach wie vor. Diese Statistik wird gerade von der Berliner Charité epidemiologisch überprüft. Sobald die Ergebnisse publikabel sind, werden wir darüber berichten.
Zwei Punkte zu ADHS:
- ADHS-Patienten sind hyperaktiv. Das führt eher zum Ausprobieren von Neuem – wie etwa dem Zigarettenrauchen. Wer das Rauchen übt, wird süchtig (vielleicht bei ADHS schneller?). Wer süchtig ist, braucht Nikotin, weil ihm ohne Nikotin etwas fehlt. Wem Nikotin fehlt, der empfindet Nikotin-Zufuhr als Entspannung (übrigens „hilft“ Nikotin nur Rauchern bei der „Entspannung“). Ergo ist er ganz normal süchtig. Die indirekte Korrelation könnte hier also nicht im Merkmal Nikotin liegen, sondern im Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom selbst.
- Ihre Ritalin- und ADHS-Ausführungen berücksichtigen keine wirtschaftlichen, psychologischen und gesellschaflichen Aspekte. Sie reduzieren uns Menschen leider auf synapsengesteuerte Bio-Maschinen. Meine Zeit als in der Psychiatrie tätiger Arzt verbrachte ich in der Ulmer Uni-Klinik bei Prof. Spitzer, einem der führenden deutschen Neurowissenschaftler. Und so spannend die biologische Psychiatrie auch ist, so sehr ermutigt sie zum Blick über den Tellerrand: Wie ist es um unsere Selbstbestimmung bestellt? Wie können wir mit den Neuronen und Synapsen in unserem Kopf optimal umgehen? Wie schaffen wir es selbst, Belohnungssysteme zu aktivieren, ohne Drogen? Selbst wenn das, was dann im Kopf passiert, zum großen Teil auf Neurotransmittern beruht.
Bitte verstehen Sie mich richtig: Ich zweifle nicht die Wichtigkeit neurowissenschaftlicher Forschung an (ich habe die Gehirnschädigung durch das Rauchen ja selbst mit einer entsprechenden Quelle belegt). Nur frage ich mich nach der Anwendbarkeit. Und hier denke ich, verhält es sich wie mit dem Verhältnis zwischen Physiker und Automechaniker. Der Physiker vermag zu erklären, nach welchen Gesetzmäßigkeiten ein Motor funktioniert. Der Automechaniker setzt das Ganze dann so zusammen, dass das Auto fährt. Als (Nichtraucher)-Coach verstehe ich mich eher als Automechaniker.
Ach ja: Wenn Sie wörtlich zitieren, seien Sie bitte so freundlich und geben Ihre Quellen an.
Und bitte gestatten Sie mir eine einzige Spitze: Mich würde wirklich interessieren, ob ADHS-Patienten zur Beruhigung mehr Kartoffeln und Tomaten essen als Nicht-ADHSler.
Sehr geehrter Herr Braun,
da Sie in Ihrer Lounge viel schreiben, machen Sie sich natürlich auch viel anfechtbar. Obwohl sie einerseits die Raucher angeblich leben lassen wollen, gehen Sie doch auch stark unter die sogen. „Gürtellinie“, wenn es gegen diese gesellschaftliche Gruppe geht. Ich billige das im Zusammenhang mit der Mission die Sie verfolgen nicht unbedingt.
Ich könnte nun genauso unzählige Kommentare abgeben, wie Sie und andere es schon getan haben. Das unterlasse ich, weil es die ohnehin bekannte Diskussion nur weiter aufblasen würde.
Wie sehr Sie und wir aber den gebetsmühlenartigen Zitaten der Massen-Medien unterliegen, möchte ich ich an einem Zitat ihrer sehr umfangreichen Ausführungen aufhängen, das mit Tabakkonsum herzlich wenig zu tun hat:
„Es ist Todesursache Nummer eins in Europa, kurz vor dem Fettfressen.“
Kennen Sie Udo Palmer? Er ist ein Apostel (=Querdenker) gegen die Apostel der Ernährungswissenschaft. Im letzten Heft von EU.L.E.N-Spigel ( http://www.das-eule.de ) steht u.v.a.m auf Seite 34 12. Jahrgang geschrieben:
„Abspecken verkürzt das Leben unabhängig vom Ausgansgewicht …“ Wenn Sie wollen, stelle ich den ganzen Beitrag samt Quellennachweis gerne im Internet zur Verfügung.
Ausserdem habe ich zu folgender Aussage eine vollkommen konträre und wichtige Meinug:
„Für mich ist die Tendenz einfach traurig. Nur wenige Raucher verstehen die Nichtraucher. Und nur wenige Nichtraucher verstehen die Raucher“
Meine Lebenserfahrung ist, dass die meisten Nichtraucher für die Raucher Verständnis haben und auch genau so die meisten Raucher für die Nichtaucher.
Mit wehrhaften Grüssen
Werner Paul
PS: Ich habe übrigens keine Migräne und auch keinen Raucherhusten und keinen Tinnitus, bin also (noch) kein potentieller Kunde für Thilo Baum, trotz oder wegen meiner „Raucherlogik“ :-) Aber ich verstehe natürlich, dass Sie Ihren Kundenkreis auf potentielle Opfer ausdehnen wollen. Das tun alle, die sich „präventiv“ engagieren.
Ja, und es ist auch völlig in Ordnung so, dass wir möglichst vielen Rauchern helfen wollen. Nur verstehe ich diese Leute nicht als „Opfer“. Die Raucher sind vielleicht Opfer, *bevor* sie zu uns kommen. Opfer ihrer selbst, Opfer der Tabakindustrie, so wie ich es damals war als Raucher, wobei ich damals genauso gedacht habe wie Sie heute. Nach dem Seminar sind unsere Seminarteilnehmer keine Opfer mehr. Dann haben sie sich aus ihrer Sucht befreit, mit den oben von Stefan Frädrich dargestellten Wahrscheinlichkeiten.
Herr Lövenich: Wenn die langfristigen Erfolgsraten eines Aufhörproduktes vernichtend sind, wie Sie sagen – ist das dann nicht ein Zeichen dafür, dass es sich beim Rauchen doch schon irgendwie um etwas Zwanghaftes handelt? Sonst würden die Aufhörwilligen doch einfach aufhören?
So, liebe Leute. Ich bitte euch jetzt mal um Geduld mit meinen Freigaben. Eine ganze Menge Raucher wollen wieder Nichtraucher werden und wissen nicht, wie. Ich muss arbeiten. Bis später.
Lieber Herr Baum!
> Ja, und es ist auch völlig in Ordnung so, dass wir möglichst vielen Rauchern helfen wollen.
Sie wollen Geld verdienen, und deshalb reden Sie Leuten ein, dass ihnen von Ihnen geholfen werden muss.
> die Raucher sind vielleicht Opfer, *bevor* sie zu uns kommen. Opfer ihrer selbst, Opfer der Tabakindustrie
Ach, die armen Opfer und die heldenhaften Retter. Von wegen. Der Mensch als Opfer seiner selbst, der vor sich selbst gerettet werden muss.
Viele Menschen wollen aber nicht bekehrt werden.
Und wer ein Produkt kauft, ist nicht Opfer des Produzenten.
> ist das dann nicht ein Zeichen dafür, dass es sich beim Rauchen doch schon irgendwie um etwas Zwanghaftes handelt? Sonst würden die Aufhörwilligen doch einfach aufhören?
Nicht beim Rauchen per se, siehe Gelegenheits- und GeselligkeitsraucherInnen.
Und ansonsten gibt es nun mal eine Menge Dinge, die wie auch immer ’süchtig‘ machen.
> Eine ganze Menge Raucher wollen wieder Nichtraucher werden und wissen nicht, wie
Schön, dass Sie mehr wissen und vor allem den freien Platz auf Ihrem Konto für diese Menschen opfern ;-)
>Sie wollen Geld verdienen, und deshalb reden Sie Leuten ein, dass ihnen von Ihnen geholfen werden muss.
Schön wär’s, wenn wir diese publizistische Power hätten :-) Nein, Sie irren sich, sorry. Die Leute sind überzeugt, Hilfe zu brauchen, *bevor* sie zu uns kommen. Und wir können ihnen helfen.
>Ach, die armen Opfer und die heldenhaften Retter. Von wegen. Der Mensch als Opfer seiner selbst, der vor sich selbst gerettet werden muss.
Wittere ich da Ironie am Horizont als Zeichen dafür, dass Ihnen die Argumente ausgehen? Ich meine das, was ich sage, wirklich völlig ironiefrei: Raucher sind Opfer ihrer selbst und der Tabakindustrie. Viele wissen es nicht – so wie ich das damals als Raucher auch nicht wusste.
>Viele Menschen wollen aber nicht bekehrt werden.
Und wer ein Produkt kauft, ist nicht Opfer des Produzenten.
Right. Wir bekehren auch niemanden. Wir helfen denen, die Hilfe wollen. Menschen, die rauchen wollen, sagen wir: Rauchen Sie weiter – so wie ich auch Ihnen das sage, Herr Lövenich. Ich wünsche Ihnen wirklich von ganzem Herzen, dass Sie noch viele Jahrzehnte massenhaft rauchen können. Und weil – wie Sie richtig sagen, Käufer keine Opfer sind, sind auch unsere Seminarteilnehmer keine Opfer.
>(Ich fragte: Rauchen per se zwanghaft?) Nicht beim Rauchen per se, siehe Gelegenheits- und GeselligkeitsraucherInnen. Und ansonsten gibt es nun mal eine Menge Dinge, die wie auch immer ’süchtig’ machen.
Etwa 85 Prozent der Raucher gelten als süchtig. Die verbleibenden 15 Prozent sind die von Ihnen angesprochene Gruppe. Indem Sie betonen, dass es die 15 Prozent gibt, widerlegen Sie nicht, dass es die 85 Prozent gibt.
Herr Lövenich. Beantworten Sie bitte einfach meine Frage: Warum können viele Raucher, die aufhören wollen, nicht einfach aufhören? Warum ist es für viele schwierig? SIE SELBST sagen doch, dass manche Entwöhnungsmethoden vernichtende Quoten haben – damit beweisen Sie doch, dass Sie wissen, dass es nicht eine Angewohnheit ist wie Pizza essen oder Opernbesuch oder Zoobesuch (ohne diese Dinge fehlt einem ja nichts, da keine Sucht). Können Sie KONKRET antworten, ohne ins Allgemeine abzudriften wie bisher? WARUM KÖNNEN VIELE RAUCHER, DIE AUFHÖREN WOLLEN, NICHT EINFACH AUFHÖREN?
Dass andere Dinge süchtig machen, ist richtig. Ohne Frage. 85 Prozent der Raucher sind süchtig, und ich vermute: Sie auch. Bei anderen Suchtmitteln haben wir eben andere Prozentzahlen. Keine Ahnung – x Prozent der Alkoholkonsumenten sind süchtig, x Prozent der Spielbankbesucher sind süchtig. Wenn Sie aber als Patient über Magenschmerzen klagen, hilft es Ihnen nicht, wenn der Arzt sagt: „Stellen Sie sich nicht so an, andere haben Krämpfe oder denen fehlt ein Bein.“ Und wenn Sie als Spielsüchtiger Hilfe suchen, dann hilft es Ihnen nicht, wenn irgendein militanter Spieljunkie sagt: „Mooooment. Erst mal gibt es ein paar Spieler, die nicht süchtig sind. Außerdem: Rauchen macht auch süchtig. Also Schluss mit der Debatte!“ Sie würden sich verarscht fühlen, weil der Kollege aufgrund seiner eigenen persönlichen Probleme am Thema vorbeidiskutiert. Aus Angst vor sich selbst.
> (Ich sagte: „Eine ganze Menge Raucher wollen wieder Nichtraucher werden und wissen nicht, wie) Schön, dass Sie mehr wissen und vor allem den freien Platz auf Ihrem Konto für diese Menschen opfern ;-)
Ja! Finde ich auch. Schön, dass Sie wissen, an wen Sie sich wenden können – wenn Sie erkennen, dass Sie ohne Nikotin nicht klar kommen, gerne das Zeug los wären und einen Weg suchen, das hinzubekommen. Und weil wir das gesamte Wissen übers Rauchen recherchiert haben und Ihnen gerne zugute kommen lassen wollen, kostet unsere Dienstleistung – wie jede andere – Geld. Übrigens mit Geld-zurück-Garantie, wenn Sie scheitern.
> Schön wär’s, wenn wir diese publizistische Power hätten :-) Nein, Sie irren sich, sorry.
Ihr Kompagnon Frädrich hatte so was wie seine eigene Werbesendung zur besten Sendezeit im WDR (‚Der große Gesundheitscheck‘). Das hätte ich auch mal gerne.
Ich würde dann allerdings nicht belehren oder einschüchtern, sondern die Leute ermuntern, selbstwußt zu dem zu stehen, was sie machen.
> Die Leute sind überzeugt, Hilfe zu brauchen, *bevor* sie zu uns kommen. Und wir können ihnen helfen.
Manche stehen aber auch unter mehr oder weniger sanftem Druck. Privat und/oder beruflich und/oder durch die politische Entwicklung.
Gehören Sie auch zu den Anbietern, die Arbeitgeber anschreiben und diese mit der Behauptung, es diene ihrer Kostenreduzierung, dazu bewegen wollen, ihre MitarbeiterInnen zu ihnen zu ’schicken‘?
> Wittere ich da Ironie am Horizont als Zeichen dafür, dass Ihnen die Argumente ausgehen?
Das ist nicht der Zweck von Ironie.
> Ich meine das, was ich sage, wirklich völlig ironiefrei: Raucher sind Opfer ihrer selbst und der Tabakindustrie. Viele wissen es nicht – so wie ich das damals als Raucher auch nicht wusste.
Schön, dass Sie jetzt erleuchtet und bekehrt sind und andere zur Sonne geleiten.
> Etwa 85 Prozent der Raucher gelten als süchtig. Die verbleibenden 15 Prozent sind die von Ihnen angesprochene Gruppe. Indem Sie betonen, dass es die 15 Prozent gibt, widerlegen Sie nicht, dass es die 85 Prozent gibt.
Ob die Zahlen exakt so stimme, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich bezweifle ds Phänomen als solches aber gar nicht.
> Warum können viele Raucher, die aufhören wollen, nicht einfach aufhören? Warum ist es für viele schwierig?
Wegen der Entzugserscheinungen, physisch wie psychisch. Das ist ja kein Geheimnis. Außerdem ist das Verhältnnis zwischen RaucherIn und Zigarette ja eine Art Liebesbeziehung.
Wer wirklich ernsthaft aufhören, schafft das früher oder später. Die meisten übrigens ohne größere Hilfe von außen. Manche nicht im ersten Anlauf, aber irgendwann erreichen sie das, wenn sie das tatsächlich, im Innersten und nicht nur aufgrund äußeren Drucks oder aus einer Laune heraus, wollen.
Dies zeigt die hohe Zahl von Ex-RaucherInnen auf unserem Planeten.
> Und wenn Sie als Spielsüchtiger Hilfe suchen, dann hilft es Ihnen nicht, wenn irgendein militanter Spieljunkie sagt: „Mooooment. Erst mal gibt es ein paar Spieler, die nicht süchtig sind. Außerdem: Rauchen macht auch süchtig. Also Schluss mit der Debatte!“ Sie würden sich verarscht fühlen, weil der Kollege aufgrund seiner eigenen persönlichen Probleme am Thema vorbeidiskutiert.
Wäre ich spielsüchtig, bräuchte ich nicht Hilfe, sondern Geld ;-)
Im Ernst: Ich finde zuviel Regulierung des Glücksspiels puritanisch und lehne das ab.
> Aus Angst vor sich selbst.
So schlimm ist mit mir noch nicht gekommen ;-)
> Und weil wir das gesamte Wissen übers Rauchen recherchiert haben und Ihnen gerne zugute kommen lassen wollen,
Das gesamte Wissen übers Rauchen hat noch niemand recherchiert.
Und ihres dürfte aus Geschäftsinteresse sehr selektiv sein.
Ihren Wissenshorizont können Sie bei uns erweitern, z.B. auf http://www.forces-germany.org.
An sich müßten wir uns überhaupt nicht in die Quere kommen. Sie verkaufen Ihre gesundheitsreligiösen Läuterungstage und Reinigungsriten, wir kümmern uns um Rechte von RaucherInnen und eine pluralistische, freiheitliche Gesellschaft.
Schwierig wird es, wenn aus Ihrer Ecke Leute wie Herr Frädrich öffentlich Menschen zur ‚Umkehr‘ zwingen wollen.
Das ist aber auch denjenigen vorzuwerfen, die dies nicht aus kommerziellem Interesse tun wollen.
Völlig richtig. Wir müssen uns nicht in die Quere kommen. Ich empfinde das übrigens auch nicht so, ich sehe das Ganze nicht kämpferisch, sondern ich bin begierig nach Ihren Meinungen. Ich finde es spannend. Ich verstehe die Raucherlogik nun viel besser als vorher. Das freut mich, und dafür bin ich Ihnen auch dankbar. Für mich ist das ein Austausch, den ich im Übrigen sehr nett finde. Sie können gerne bei Ihrer Haltung bleiben.
Es geht wie gesagt nicht um „Umkehr“, schon gar nicht in dem erweckungsbewegerischen Sinne, den dieses unsägliche Wort andeutet, und mit dem Sie mir im Grunde zeigen, dass Sie hier zwar eifrig schreiben, aber wenig lesen. Wenn Sie Stefan Frädrichs Kommentare in diesem Blog gelesen haben, werden Sie wissen, dass es ihm um eine äußerst sachliche Auseinandersetzung geht, und dass auch er weit entfernt davon ist zu missionieren. Wir sind keine Fanatiker, weder ideologisch noch religiös. Ich bin mit Ihnen auch – wie schon öfter gesagt – einer Meinung, dass die Diskriminierungsversuche vieler militanter Nichtraucher nicht unbedingt von Toleranz zeugen. Ich denke, kaum einer mag Fanatiker, egal ob sie nun rauchen oder nicht.
Wir verteidigen die Rechte von Raucher/innen auch, wenn wir beispielsweise Unternehmen empfehlen, keine Rauchverbote zu verhängen, weil sie damit 27 Prozent ihrer Leute diskriminieren würden.
Zum kommerziellen Interesse: Darf ich fragen, womit Sie Ihre Brötchen verdienen? Finden Sie Ihren Job verurteilenswert, weil er von Ihrem Interesse gesteuert ist, dass Sie Geld haben?
Herr Lövenich,
ich persönlich definiere Sucht sehr eng und Genuss sehr weit ;-). Darauf an dieser Stelle genauer einzugehen, sprengt den Rahmen. Meine Kontaktdaten werde ich hier nicht veröffentlichen, aber bestimmt kann Herr Baum als Betreiber diese Page weiterhelfen.
Thilo,
zur Raucherlogik: wenn es um Argumente und veränderte Sichtweisen von „Süchtigen“ geht, empfehle ich Dir die Schriften der schweitzer Organisation „Eve&Rave“. Diese sind jedoch in Deutschland verboten, da sie Tipps enthalten wie man z.B. einen Kreislaufkollaps bei XTC verhindert und wie man im Falle eines Falles damit umgeht. Sowas gilt hier nicht als Prävention, sondern als Drogenverherrlichung. Diese Definition ist vielleicht auch ein guter Ansatz über die Tabakindustrie weiter nachzudenken. Die darf sowas nämlich ;-). Die Lebensmittelindustrie übrigens auch ;-)
Zudem hilft eventl. die Lektüre verschiedener Bücher über das Thema Drogen. A. Hoffmann veröffentlichte ein Buch mit dem Titel: „LSD, mein Sorgenkind“. Es ist auf alle Fälle lesenswert, da Hoffmann in erster Linie Wissenschaftler ist und recht kühl analysiert.
Danke für den Tipp.
Noch was ganz Einfaches zum Thema Sucht:
Sucht ist meiner Einschätzung nach u.a., wenn man etwas zwanghaft braucht, ohne das man sich nicht normal fühlt, während der Mensch an sich – also die Spezies – diese Sache nicht braucht.
Will sagen: Wir sind nicht süchtig nach Sauerstoff und Wasser, sondern ohne Sauerstoff und Wasser können wir nicht überleben.
Wir als Spezies Mensch können aber sehr wohl ohne Nikotin, ohne Alkohol, ohne Glücksspiel und ohne Heroin überleben.
Und wer sich von etwas abhängig macht, von dem andere nicht abhängig sind, unterwirft sich einer Sucht.
Und wer süchtig ist und nicht raus kann, neigt dazu, sich das Ganze schönzureden und sein Suchtmittel als „Grundbedürfnis“ zu bezeichnen. Das ist suchtimmanent auch nachvollziehbar.
Ja. Kurz und bündig. Die am häufigsten vorkommenden Süchte sind übrigens die, die auf körpereigener Bio-Chemie beruhen. Hier kann sowohl eine psychische wie auch eine physische Abhängigkeit entstehen. Stichwort Adrenalin bei Sport, Stress und Sex. Auch bei „nur“ psychischer Abhängigkeit kann es übrigens zu starken körperlichen Symptomen kommen.
Wobei nicht alle Süchtigen „den Stoff“ als Grundbedürfnis betiteln. Häufiger geht es wie hier entweder über die Argumentation des Genuss oder aber über ein völlig verschobenes Wertebild.
Ein Abhängiger der Designer-Drogen wird z.B. niemals von Genuss sprechen. Hier wird eher über eine Verharmlosung und/oder eine Abwertung der Nicht-Süchtigen gearbeitet.
Vergleichbar mit „Dünne sind nur zu dumm zum essen“.
Weiterhin ist nicht zu unterschätzen, dass unter den meisten Drogen ein „scheißegal“-Gefühl entsteht. Sprich die Werte verschieben wie o.g. Dadurch bedingt sich der soziale Abstieg etc. Aber selbst dieser ist Abhängigen egal.
Die meisten Designer Drogen sind übrigens zunächst als Medikamente auf dem Markt gewesen. MDMA wurde (mal wieder von den Schweizern ;-)) als Appetitszügler recht lange offiziell vertrieben. LSD lange als Psychopharmakon eingesetzt.
Und als großer Unterschied zwischen legalen und illegalen Drogen: ein XTC-abhängiger würde meiner Meinung nach niemals XTC als Grundbedürfnis betiteln. Würde er das tun, wäre es der erste Schritt, eine Sucht zuzugeben. Das Wort Sucht impliziert Schwäche und Unterschicht. Der Konsum von illegalen Drogen erweckt genau dieses Bild bei den meisten Menschen: völlig fertige Junkies. Also wird die Sucht als solche verleugnet.
Es gibt bestimmt Parallelen zur Nikotinsucht. Jedoch sind die Bilder in unseren Köpfen bei Rauchern nicht erschreckend. Gäbe es von Rauchern vergleichbare Geschichten wie „die Kinder vom Bahnhof Zoo“, würde niemand Nikotin als sein Grundbedürfnis bezeichnen. Zu groß wäre die Schande ;-)