Immerhin ein kleiner Schritt in die Richtung eines belästigungsfreien Lebens, dass der Bundesgerichtshof nun Mobilfunkanbieter zwingt, SMS-Spam-Opfern den Halter einer Spam-Absendernummer zu verraten, damit sie gegen ihn vorgehen können.
Als ich einmal per SMS gestalkt wurde, fragte ich bei der Hotline nach einer Möglichkeit, Handynummern auf eine Spam-Liste zu setzen – so dass Anrufe und SMS von dort gar nicht mehr durchkommen. Das gehe leider nicht, sagte die Hotline.
Warum geht das nicht? Es geht doch sonst auch alles?
Zum Glück hörte das Stalken von alleine auf, und ich brauchte keine neue Handynummer. Ich will keine neue Handynummer, und ich verstehe es auch kaum, dass jemand seine Handynummer wechselt, weil dann Hunderte von Leuten alles umtragen müssen, im Handy, im Autotelefon, im Rechner, im Papierbuch. Stalking allerdings ist ein Grund, den ich respektiere.
Und: Warum muss erst ein ziemlich hohes Gericht einen Mobilfunkanbieter zwingen, Daten von jemandem herauszurücken, der Leute belästigt und den man juristisch verfolgen will? Es ist mir schwer verständlich, dass der Mobilfunkanbieter nicht den Anstand hat, das selbstverständlich auch im Sinne der Rechtspflege zu tun und entsprechend seine Verträge aufsetzt: Wenn Sie Ihre Mobilfunknummer für Spam missbrauchen, geben wir Ihre Daten an den Geschädigten weiter. Könnte doch ein Teil der AGB sein?
Finden die Mobilfunker das BGH-Urteil jetzt doof oder atmen sie auf? So nach dem Motto „Wir wollten ja, aber durften nicht, und wir mussten natürlich leider unseren Juristen ins Rennen schicken, damit der irgendwas von Datenschutz erzählt, aber wir wussten auch schon vorher, dass der Schutz der Daten von jemandem, der die Leute belästigt, geringer zu werten ist als die Möglichkeit des Geschädigten, den Belästiger zu verfolgen“?
Vor einigen Monaten gab es dann irgendeinen schnieken Partyveranstalter, der mir immer wieder Einladungen zu angeblichen VIP-Partys geschickt hat. Über den Veranstalter dieser VIP-Partys war es kein Problem, den Spammer zu ermitteln. Ich schrieb ihm eine Mail und bat ihn, mich vom Verteiler zu nehmen. Er schickte wieder Spam. Ich schrieb ihm wieder und rief ihn irgendwann an. Dann war erst Ruhe, nach Wochen kam noch eine Einladung zu einer dieser merkwürdigen VIP-Partys, und dann war Schluss. Ich nehme an, er hat mich nicht vom Verteiler genommen, sondern ist pleite gegangen. Wundert mich nicht, wenn jemand so ignorant ist.
Und auch eine gute Idee im Kommentar des oben verlinkten „Focus“-Beitrages: Warum kann man die SMS-Funktion am Handy nicht einfach ausschalten? Es geht doch sonst auch alles?


