Thilo Baum

thilo.jpgThilo Baum ist Experte für Klartext. Der Journalist und Buchautor hilft Menschen und Unternehmen in seinem Seminar „Komm zum Punkt!“, ihre Inhalte so auf den Punkt zu bringen, dass die Botschaften ankommen. Sein Buch „Komm zum Punkt! Das Rhetorik-Buch mit der Anti-Laber-Formel“ ist im April 2009 bei Eichborn erschienen.

Rhetorik – die Kunst zu sprechen!

Thilo Baum versteht den Begriff „Rhetorik“ nicht als die „Kunst der Rede“, sondern vor allem als die „Kunst zu sprechen“. Sprechen heißt, mit Sprache umzugehen – und das hat zunächst mit Sätzen, Wörtern und Silben zu tun. Rhetorik bedeutet daher zuerst, Gedanken in Worte zu fassen. Und zu sagen, was man meint.

Erst wenn Inhalt und Formulierungen definiert sind, hat es Sinn, sich mit den üblichen Themen der Rhetorik wie mit Stimme oder Körpersprache zu befassen. Erst wenn klar ist, worum es geht, sind diese Elemente der Rhetorik ebenso wichtig wie die Ausdruckskunst.

Nicht sinnvoll findet Thilo Baum Rhetorik-Techniken wie das „Spiegeln“ und das „Paraphrasieren“. Das „Spiegeln“ soll dem Gegenüber Empathie vortäuschen und ist kontraproduktiv für jede Authentizität. Das „Paraphrasieren“ soll Reflexion vortäuschen und bewirkt den ungenauen Ausdruck. Bei beiden Techniken fühlen sich Menschen eingeseift – und keine der beiden Techniken lässt Sprecher besonders angenehm wirken. Menschen hören Menschen gerne zu, wenn sie Klartext sprechen.

Auch betrachtet Thilo Baum die Rhetorik nicht als Therapie. Rhetorik vermittelt weder Selbstsicherheit, noch macht sie freundlich. Bestenfalls studieren die Menschen leicht zu durchschauendes Gestik-Theater ein, welches sie am Ende gekünstelt wirken lässt. Die Schule der Ausdruckskunst ist nicht geeignet, psychische Probleme zu lösen. Sie ist dazu geeignet zu lehren, wie Menschen Inhalte treffend ausdrücken, und sie hilft, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Wer nichts zu sagen hat, dem hilft Rhetorik nicht. Entsprechend bringen Gestik-Theater und Manipulationstechniken wenig, wenn der Inhalt nicht stimmt.

Die Regeln des guten Ausdrucks gelten für die schriftliche und für die mündliche Kommunikation. Daher ist es nicht sinnvoll, zwischen Texten fürs Lesen und Texten fürs Hören zu unterscheiden. „Schreiben Sie gleich wie fürs Radio“, sagt Thilo Baum in Seminaren für Journalisten. Denn auch geschriebene Texte sollen die Menschen nicht zum Zurücklesen zwingen. Auch beim stillen Lesen hören die Menschen Rhythmus und eine Satzmelodie.

Damit Worte wirken, sollten sie nicht nur Gedanken klar zum Ausdruck bringen, sondern das auch aus Sicht des Gegenübers beziehungsweise Publikums tun. Die Kunst, den Menschen etwas aus deren Perspektive zu vermitteln, ist rar gesät – und das ist der Wettbewerbsvorteil für alle, die es können.

Biografie

Thilo Baum wurde am 19. Dezember 1970 in Schwäbisch Hall geboren. Er besuchte das Gymnasium bei St. Michael und machte 1990 Abitur mit den Leistungskursen Deutsch und Französisch.

Seine Ferienjobs genoss Thilo Baum schon als Kind besonders: In den Sommerferien trat er als Statist bei den „Freilichtspielen Schwäbisch Hall“ auf, dem Open-Air-Theater Schwäbisch Halls auf der Freitreppe vor der Kirche St. Michael. Seinen ersten Auftritt vor zweitausend Menschen hatte Thilo Baum mit 13 Jahren als Sängerknabe beim „Kaufmann von Venedig“ von William Shakespeare. Nach einigen Jahren bei der Statisterie wechselte Thilo Baum mit seinen Ferienjobs zum Licht. In „Jesus Christ Superstar“ fuhr Thilo Baum den Spot auf Judas. Er sah das Musical mehr als 80 Mal, so dass er die meisten Stücke daraus ohne Noten dem Gehör nach auf dem Klavier nachspielen konnte.

In der Schulzeit lernten sich zwei Menschen kennen, die seitdem sehr viel gemeinsam unternehmen: Thilo Baum und Stefan Frädrich spielten gemeinsam in der Schultheatergruppe bei „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt – Thilo Baum spielte Einstein und Stefan Frädrich die Irrenärztin.

Nach dem Abitur machte Thilo Baum Zivildienst in der Staatlichen Blindenschule Ilvesheim. Einer seiner größten Erfolge dort: Er zeigte einer von Geburt an blinden Schülerin der achten Klasse anhand eines Tisches, wie man die Raumdiagonale eines Quaders berechnet.

Im Sommersemester 1992 begann Thilo Baum sein Studium der Theaterwissenschaft und Publizistik in Berlin. Von 1993 bis 1995 spielte er nebenher am Theater Reissverschluss, beispielsweise den Orsino in „Was ihr wollt“ von William Shakespeare. Ab 1995 reizte Thilo Baum das Schreiben stärker als die Schauspielerei, und er widmete sich dem Journalismus. Von 1995 an begann Thilo Baum neben dem Studium für die „B.Z.“  als freier Mitarbeiter im Kulturressort zu arbeiten. Thilo Baum porträtierte Künstler und schrieb Film- und Theaterkritiken. Die Entscheidung für den Boulevard war bewusst: Thilo Baum wollte lernen, die Dinge knapp zu sagen.

1998 schloss Thilo Baum sein Studium ab mit einer Arbeit über die „Dramaturgie des interaktiven Fernsehfilms“. Weitere Schwerpunkte waren die Spielfilme im Nationalsozialismus, insbesondere die Filme des Regisseurs Veit Harlan, Spannungsaufbau in dramatischen Handlungen, Alfred Hitchcock und dessen Film „Psycho“ (1960) sowie Bildgestaltung im Fernsehjournalismus. Die wichtigsten Themen waren Dramaturgie und Wissenschaftsjournalismus: Sie bildeten die Grundlage für Thilo Baums weitere Arbeit, komplexe Dinge allgemeinverständlich und zugleich eingängig und spannend zu vermitteln.

Nach dem Studium wurde Thilo Baum Volontär beim „Berliner Kurier“. Im Rahmen des Volontariats machte Thilo Baum ein Praktikum bei „Die Woche“ und besuchte die Journalistenausbildung an der Henri-Nannen-Schule Berlin, die heute „Klara“ heißt.

Nach dem Volontariat wurde Thilo Baum erst Lokalredakteur und dann Schlussredakteur beim „Berliner Kurier“. Seine Aufgabe als Schlussredakteur war es, die Spätausgabe der Zeitung druckfertig zu machen: Da die Berliner Zeitungen bereits um 21 Uhr des Vortages im Straßenverkauf sind, ist am Abend die aktuelle Berichterstattung zu aktualisieren. In diesem Job schrieb Thilo Baum Texte und Überschriften um, setzte neue Fotos auf die Seiten, warf ganze Geschichten raus und setzte neue ein. Hier trainierte er seine Fähigkeit des Schnellschreibens – unter spannenden Voraussetzungen, da nach ihm niemand mehr aus der Redaktion über die Texte drüberschaute, bevor sie in den Druck gingen.

Der Wunsch nach Eigenständigkeit machte Thilo Baum schließlich zum Selbstständigen: Seit 2004 schult Thilo Baum Journalisten und PR-Leute und hilft Unternehmen in Seminaren und Workshops, besser zu kommunizieren. Ebenfalls 2004 erschien sein erstes Buch: „30 Minuten für gutes Schreiben“ (GABAL). Von 2004 an unterrichtete Thilo Baum an der „Klara“-Journalistenschule.

Ebenfalls im Jahr 2004 gründeten Thilo Baum und Stefan Frädrich ihr Seminarunternehmen „Luftfabrik“. Die Luftfabrik bietet unter anderem ein Nichtraucherseminar an, das viele Krankenkassen anerkennen und das im deutschsprachigen Raum sehr erfolgreich ist. Thilo Baums Anteil in der Seminarentwicklung betrifft vor allem die Entwicklung und Visualisierung von Modellen, die straffe Dramaturgie des Seminars und die einfachen und klaren Formulierungen selbst komplexer wissenschaftlicher Inhalte. Seit 2008 ist das Seminar-Team auch in den USA aktiv und gibt das Seminar dort als „Pigdog Foundation“ in englischer Sprache.

In Stefan Frädrichs Buchreihe „Günter, der innere Schweinehund“ schrieb Thilo Baum zwei Bücher: „Günter, der innere Schweinehund, wird Nichtraucher“ und „Günter, der innere Schweinehund, lernt flirten“. Zu Stefan Frädrichs Buch „Business Book of Horror“ (GABAL 2008) steuerte Thilo Baum einen Erfahrungsbericht über das arrogante Verhalten eines Automobilherstellers bei, und bei dem Buch „Das Domino-Prinzip“ (DroemerKnaur 2009) machte Thilo Baum die Redaktion. Ebenfalls im Jahr 2009 erschien „Komm zum Punkt! Das Rhetorik-Buch mit der Anti-Laber-Formel“.

Ende 2008 verlegte Thilo Baum nach fünfzehn Jahren in Berlin seinen Wohnsitz aufs Land. Er lebt in einer Wassermühle aus dem 15. Jahrhundert, umgeben von Wald und Wiesen. Das Wasser kommt aus dem Brunnen, die Internetverbindung läuft über Satellit. In seiner Freizeit spielt Thilo Baum Klavier und Schlagzeug. Thilo Baum liebt Nordskandinavien und fotografiert gerne Landschaften und Tiere.