Warum Grüne und SPD nicht wählbar sind

By |2018-10-31T08:54:46+00:0022. Juli 2017|Categories: Klarheit|12 Comments

In Deutschland führt man wieder Listen über politische Gegner.
Dieses Mal führen die Listen nicht die Nazis und nicht die Stasi, sondern die Grünen.
Die grünennahe Heinrich-Böll-Stiftung hat eine Denunziationsplattform ins Leben gerufen, angesichts derer sich Heinrich Böll im Grabe umdrehen würde: agentin.org.
Die Plattform heißt eigentlich „Agent*In“, aber weil sich der Unfug mit Sternchen und Binnen-Versalien – zum Glück! – nicht in einem URL darstellen lässt, heißt der URL eben agentin.org.
Über die Journalistin und Autorin Bettina Röhl heißt es beispielsweise:
Bettina Röhl schrieb im April 2005 für die Zeitschrift Cicero drei antifeministisch geprägte Texte:

  • Die Sex-Mythen des Feminismus[1]
  • Die Gender Mainstreaming-Strategie[2]
  • Der Sündenfall der Alice Schwarzer?[3]

In diesen Texten kritisierte Bettina Röhl den Feminismus der 1970er Jahre und das Konzept Gender Mainstreaming.
Unter dem Titel „Der Irrsinn der Entmännlichung unserer Gesellschaft“ bezeichnete Bettina Röhl 2013 feministische Strömungen als ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und Gender Mainstreaming als „geistige Brandstiftung“.[4]
So, so. Bettina Röhl kritisiert also den Feminismus in diversen Ausprägungen – als ob das in einem freien Land mit Meinungsfreiheit etwas Verwerfliches wäre. Bei agentin.org stellen es die Agitatoren von der Heinrich-Böll-Stiftung so dar. Damit zeigen die Grünen kurz vor der Bundestagswahl zum Glück endlich für alle sichtbar ihre wahre Fratze: Sie sind intolerant und totalitär.
Den Journalisten Matthias Matussek denunziert die Heinrich-Böll-Stiftung als antifeministisch und homophob, weil er nicht in Jubelarien ausbricht, wenn es um Homosexualität geht:
Matthias Matussek ist ein deutscher antifeministisch orientierter und homophober[1] Journalist und Buch-Autor.

Aktivitäten und Positionen

Matthias Matussek fiel immer wieder mit antifeministisch, homophob oder islamfeindlich ausgerichteten Äußerungen auf.[2][3]
Matthias Matussek ist bekennender Katholik.[4]
Matthias Matussek gehört zu den Personen, die den politischen Kampfbegriff Political Correctness nach Deutschland importierten.[5]
So, so. Matthias Matussek „fiel“ also „auf“. Es klingt wie in einem Stasi-Bericht. „Auffallen“ kann man nur durch Abweichung vom Erwarteten, und genau darum geht es hier. Matussek ist nonkonform, und das rechtfertigt es für totalitäre Denker, ihn auf einer Feindesliste zu führen und öffentlich zu diskreditieren.
Die Fußnote 2 führt zu einem Text Matusseks in der „Welt“, in dem er eben genau das kritisiert – dass der linke Rand jemanden schnell als Schwulenhasser abstempelt, der darauf hinweist, dass Männer keine Kinder bekommen können. (Wer sagt, dass Frauen Kinder bekommen, ist nach Maßstäben der extremen Linken dann entsprechend frauenfeindlich – recht machen kann man es Ideologen nicht, weil sie populistisch und in Schablonen denken, wie das eben bei totalitären Denkern so ist.)
Und Matussek ist also bekennender Katholik – das muss aus Sicht von Linksextremen wirklich schlimm sein.
Dass Matussek den „Kampfbegriff“ der „Political Correctness“ nach Deutschland importierte, ist mir neu – aber ich verstehe den Gedanken, wenn ich mich in das krude Denksystem der extremistischen Linken hineindenke. Es entspricht deren Prinzip, die Wirklichkeit zu verzerren: Sie deuten den Begriff einfach um und bezeichnen ihn als – selbstverständlich – ungerechtfertigte Kritik an politisch korrekten Sprech- und Schreibweisen, was man dann gleich noch als antifeministisch und anderes diffamiert. Radikalen fehlt es eben an differenziertem Denken – genau wegen ihres simplen Schwarzweißdenkens in populistischen Entweder-oder-Schemata.
Nein, die Grünen sind nicht wählbar. Die Grünen arbeiten an einer linksextremen, totalitären und kommunistischen Diktatur. Dies geschieht in erster Linie durch diskursiven Dekonstruktivismus, also die Umdeutung der Wirklichkeit; durch den Anspruch an die Menschen, diese Verzerrungen als real und korrekt zu akzeptieren; und dadurch, all jene zu stigmatisieren, die dieser Ideologie nicht folgen. (Mehr zu dieser Strategie in meinem Blogbeitrag „Der politisch korrekte Mensch“.)
Jetzt haben diese Fanatiker sogar das Wort „Familismus“ erfunden und brandmarken damit Menschen, die die Kombination Vater/Mutter/Kind bevorzugen – es ist Intoleranz in Reinform. Diese politisch korrekte Fraktion spricht von Sexismus, wenn US-Präsident Donald Trump der französischen Präsidentengattin ein Kompliment macht. Aber bei einem Ereignis wie in Köln Silvester 2015/2016 kommt diesen Leuten das Wort Sexismus merkwürdigerweise nur schwer über die Lippen. An dieser Doppelmoral sehen wir, dass wir es mit dogmatischen Ideologen zu tun haben und nicht mit vernunftgesteuerten Denkern.
Derzeit haben die Grünen das Glück, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) so wenig Vorstellungsvermögen und Weitsicht hat, dass sie sich als U-Boot instrumentalisieren lässt. Ich erinnere mich an keinen Regierungschef in der Bundesrepublik Deutschland mit so wenig Innovationskraft. Vielleicht ohne es zu merken, verwirklicht Merkel als Regierungschefin gleichmacherische, antiliberale und kommunistische Prinzipien. Dies tut die Kanzlerin vor allem auch mithilfe der SPD. Die SPD bringt in Person von Heiko Maas nicht nur ein Gesetz durch, das Zensur in die Hände privater Unternehmen legt, sondern lässt ihre Friedrich-Ebert-Stiftung auch Grundgesetzwidriges verfassen – zum Beispiel folgenden unsäglichen Ausspruch:
„Weil Identitäten sich stetig verändern und Werte sich wandeln, muss gesellschaftlicher Zusammenhalt immer wieder neu ausgehandelt werden.“ (PDF, Seite 6)
Das ist natürlich Unsinn und verfassungswidrig. Der Rechtsstaat gewährt, dass wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt eben nicht immer wieder neu aushandeln müssen, sondern auf der Basis von Werten in einem Rahmen von Grundrechten leben, die durch Gesetze näher geregelt sind. „Immer wieder neu auszuhandeln“ ist da gar nichts – höchstens für Leute, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung ohnehin beseitigen wollen und uns daher ihren ideologischen Quatsch einreden. Welche Identitäten verändern sich denn ständig?
Mich erschreckt die Feindesliste der Grünen zutiefst. Zugleich bin ich froh, dass die Grünen so einfältig sind und noch rechtzeitig vor der Wahl ihr wahres Gesicht zeigen. Endlich gibt es einen handfesten Beleg, wenn es darum geht, dass die Grünen linksradikal und intolerant sind – analog zur entsprechenden rechtsstaatswidrigen Haltung der SPD, die das Zusammenleben „immer wieder neu aushandeln“ will und deshalb ebenfalls unwählbar ist.
Das SPD-geführte Bundesfamilienministerium fördert die Amadeu-Antonio-Stiftung, von der übrigens auch in meinem aktuellen Buch mit Koautor Frank Eckert die Rede ist. Die Amadeu-Antonio-Stiftung hat 2016 eine Broschüre gegen Hetze gegen Flüchtlinge herausgebracht – im Ansatz wunderbar, denn Hetze gegen Flüchtlinge ist nicht hinnehmbar.
Leider aber verfallen die Fanatiker um Stiftungschefin Anetta Kahane selbst leicht ins Hetzen – indem sie es beispielsweise schon als Form rassistischer Hetze bezeichnen, wenn jemand das Wort „Wirtschaftsflüchtling“ verwendet. Dieses sei eine „abwertende Bezeichnung“, weil es „suggeriert, dass das Grundrecht auf Asyl hier von Menschen ausgenutzt werde, die nur aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen, nicht, weil sie Schutz vor Verfolgung suchen.“
Das finde ich sehr bezeichnend vor dem Hintergrund, dass die deutschen Behörden nur den allerwenigsten Einwanderern seit 2015 tatsächlich Asyl gewähren können. Das ist so, weil es eben keine „Flüchtlinge“ im Wortsinne sind und das Recht keine Asylgründe sieht, wenn jemand aus Kamerun stammt oder aus Österreich einreist. Und solange die SPD solche fanatischen Eskapaden wie die Amadeu-Antonio-Stiftung finanziert, die jeden rassistisch nennt, der ihrer Faktenverdreherei nicht folgt, sollte auch die SPD in Deutschland nichts zu sagen haben.
Ich schätze, dass die Linksextremen auch mich in die rechte Ecke stellen. Das machen sie mit allen normalen Menschen. Damit einem das nicht passiert, gibt es nur einen Weg: Man muss selbst linksradikal sein. Und das ist ganz logisch: Aus einer linksextremistischen Sicht ist alles rechts.
Deshalb noch kurz folgende Anmerkung: Ich wähle ganz sicher nicht die AfD. Denn dort spüre ich eine ähnliche Intoleranz wie bei den linken Parteien, nur dass sich diese Intoleranz gegen andere Menschen richtet. Auch sind mir viele Töne aus AfD-Kreisen zu nationalistisch. Wir brauchen eine lebendige Internationalität und den interkulturellen Austausch.
Auch wähle ich nicht die CDU – die CDU ist für mich eine Partei ohne Markenkern geworden, sie ist inhaltlich völlig beliebig. Außerdem kommuniziert mir die CDU zu schwammig: Dass es beim Asyl keine Obergrenze geben darf, ist natürlich richtig, aber eben beim Asyl, in dessen Zusammenhang das Wort „Flüchtlinge“ korrekt ist. Eine Obergrenze bei der Zuwanderung, die nichts mit Asyl zu tun hat und in deren Rahmen das Wort „Flüchtlinge“ nicht treffend ist, ist etwas völlig anderes. Und es gelingt der CDU nicht, klarzumachen, worüber wir hier überhaupt sprechen – es geht bei allem nur ganz am Rande tatsächlich um Asyl.
Tatsächlich wähle ich die FDP. Dort finde ich das angenehmste Umfeld und die meiste Luft zum Atmen. Wenn ich bei einer FDP-Veranstaltung bin, beispielsweise in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach, erlebe ich ein Maximum an Toleranz: Die Leute lassen einander in Ruhe, sie hören einander zu, ohne gleich zu urteilen. In diesem liberalen Umfeld dürfen Schwule schwul sein und Heteros hetero, da diskriminiert und bevormundet man niemanden. Bei der FDP sind die Leute offen und bewerten Ideen sachlich statt ideologisch.
Die FDP ist in meinen Augen die einzige Partei, die sich tatsächlich für die Freiheit einsetzt – beispielsweise für die Freiheit, die politische Korrektheit kritisieren zu dürfen, ohne deswegen gleich diffamiert zu werden wie im Stalinismus. Und das gilt es derzeit zu verhindern – wir sind auf dem Weg in eine neue McCarthy-Ära, nur dieses Mal von links. Wer die Grünen oder die SPD wählt, bereitet diesem neuen Totalitarismus den Weg.

12 Comments

  1. Thilo Baum
    Thilo Baum 22. Juli 2017 at 18:43 - Reply

    Aus Gründen der Dokumentation kopiere ich hier einen Kommentar aus Facebook rein mit meiner Antwort:
    Thilo Baum – mal ganz im Ernst, meinen Sie nicht, dass wenn Sie Begriffe wie „Stasi“ und „Totalitarismus“ zur Beschreibung der Grünen in den Mund nehmen, nicht gleichermaßen „radikal“ und „kämpferisch“ vorgehen, wie die von Ihnen angeklagten Ideologen? Da scheinen Sie mir doch gleichsam im Netz eines dumpfen Antagonismus gefangen zu sein. Klüger und sachlicher wirkt das auf mich nicht gerade. Grüne als Linksextremisten zu betiteln, da fallen ernsthaft Linksextreme vor Lachen vom Stuhl. Als moderner, urbaner Mensch Matussek antifeministisch, homophob, islamfeindlich und einfach blöd zu empfinden, fällt jetzt nicht gerade schwer, macht aber niemanden zum Linksextremisten. Und ich glaube ein Herr Matussek braucht das sicherlich auch nicht Ihre Verteidigung in Form eines beschworenen Kulturkampfes – der macht sich sicherlich selbst gerne streitbar. Nicht zuletzt verdient er ja auch sein Geld damit.
    Meine Antwort:
    Ich wünschte, Sie hätten recht. Leider nur *ist* es am Ergebnis gemessen linksextrem, was die Heinrich-Böll-Stiftung da als Wiki veröffentlicht hat. Es *ist* eine Hexenjagd. Und dafür kann ich nichts. Das Wiki hat die Heinrich-Böll-Stiftung eingerichtet, nicht ich. Und die Heinrich-Böll-Stiftung ist grünennah.
    Wir haben den Linksextremismus ein wenig aus dem Blick verloren im sicher notwendigen Kampf gegen den Rechtsextremismus.
    Darf ich auf Heiko Maas‘ Buch „Aufstehen statt wegducken“ hinweisen? Maas unterscheidet darin *null* zwischen rechts und rechtsextrem. Für ihn ist „rechts“ an sich bereits böse, obwohl „rechts“ eine legitime Ausprägung im demokratischen Parteienspektrum ist.
    Sind Sie daher so lieb und weisen auch Heiko Maas darauf hin, dass er hier in einem dumpfen Antagonismus gefangen ist, so, wie Sie mir das vorwerfen?
    Mir fällt es übrigens als ebenfalls moderner und urbaner Mensch durchaus schwer, Matussek als homophob zu bezeichnen. In meinen Augen wehrt er sich genau gegen diesen Vorwurf, den er erhält, weil er darauf hinweist, dass Schwule keine Kinder bekommen können, und er sich insofern an die katholische Kirche hält. Ich bin überzeugt, dass er nichts gegen Schwule hat. Wieso sollte er homophob sein? Woran lässt sich das festmachen? Können Sie bitte mit Quelle einen Matussek-Satz zitieren, aus dem hervorgeht, dass er etwas gegen Schwule hat?
    Und selbst wenn Mattusek homophob sein sollte: Was rechtfertigt seine Aufzählung in einer Liste der Verfemten? Hat in Ihren Augen eine solche Liste nicht genau den Anschein des Totalitären? Anders gefragt: Wer, wenn nicht ein radikaler Ideologe, führt solche Listen? Weshalb sollte die Assoziation zur Stasi fern liegen? Hallo – da steht, Matussek „falle“ durch bestimmte Äußerungen „auf“, obwohl seine Äußerungen allesamt zulässige Meinungsäußerungen sind, auch wenn man sie nicht teilen muss. Wie bezeichnen Sie diesen Stil?
    Nein, es ist leider so: Die Grünen bringen sich mit ihrer Feindesliste selbst in die Nähe von Fanatikern mit Hang zu McCarthy 2.0 – ich überbringe hier nur die Nachricht. Und ich finde es wichtig, eine solche Strömung als das einzuordnen, was sie ist, als fanatisch und extrem. Wir sollten als Gesellschaft laut stopp rufen, wenn jemand so tut, als sei es ganz normale bürgerliche Politik, solche Listen zu führen.

  2. Frank Eckert 22. Juli 2017 at 19:49 - Reply

    Steht von mir so auch bei Facebook:
    Diese Liste stellt für mich eine neue Stufe der Eskalation dar, die wir derzeit erleben in der öffentlichen Auseinandersetzung zwischen den Meinungsblöcken. Wenn wir soweit sind, die anderen nicht mehr ausreden zu lassen, ihnen nicht mehr zuhören zu wollen und nur noch uns als die einzig Wahrhaftigen verstehen, dann hat das viel mit dem beschriebenen Totalitarismus zu tun. Bist du nicht für mich, dann bist du gegen mich. Dabei geht es nicht darum gegen jemanden zu sein, sondern nur darum dessen Meinung nicht zu teilen oder Teile der Meinungen anderer. Das ist ein gravierender Unterschied zu dem, was die Böll-Stiftung jetzt initiiert hat.
    Natürlich lebt eine Auseinandersetzung druchaus von Übertreibungen. Das darf auch mal überdeutlich empfunden werden und damit erlaubt sein, wenn wir so etwas wie eine Plattform namens „Agentin“ nun erleben; von der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegeben. Da darf ich als jemand, in dessen Familie die Stasi tief hineingehorcht hatte, weil mein Großvater Pfarrer in der DDR gewesen ist, der auch auf einer Liste stand; und dann auch einer seiner Söhne und die Töchter. Und diese Böll-Stiftung erhält Steuergeld. Auch von mir. Warum also soll ich soetwas nicht im gleichen Raum verorten, wo ich die Stasi einsortiere? Nur so als Gedanke. Die Böll-Stiftung hat für mich durch so etwas schwer Schlagseite. Schade. Leider.

  3. Markus 22. Juli 2017 at 21:24 - Reply

    Hallo Herr Baum,
    zum Einen finde ich es interessant, dass sie in einer Überschrift zu einem Artikel über eine Aktion der den Grünen nahe stehenden Stiftung im Titel „SPD und Grüne“ unterbringen. Ist das die neue Form der Sippenhaft? 😉
    Dann preisen Sie die Toleranz der FDP. Man mag ja zu diesem Verzeichnis stehen wie man will, aber wenn jemand einen – in meinen Augen sehr intoleranten – Herrn Matussek, der öffentlich von der „Tatsache, dass die schwule Liebe selbstverständlich eine defizitäre ist, weil sie ohne Kinder bleibt“ schreibt, öffentlich als homophob bezeichnet, dann nennen Sie das im Gegenzug selber intolerant?
    Ist das dann nicht ebenfalls freie Meinungsäußerung?
    Viele Grüße!

  4. Markus 22. Juli 2017 at 21:46 - Reply

    Ich muss da doch noch was loswerden…
    Sie schreiben: „Den Journalisten Matthias Matussek denunziert die Heinrich-Böll-Stiftung als antifeministisch und homophob, weil er nicht in Jubelarien ausbricht, wenn es um Homosexualität geht:“
    Wenn man sich das Zitat von ihm noch mal vor Augen führt: „Was für ein Eiertanz um die einfache Tatsache, dass die schwule Liebe selbstverständlich eine defizitäre ist, weil sie ohne Kinder bleibt.“ Ein natürliches Gefühl als „defizitär“ zu beschreiben und das dann auch noch als „Tatsache“ darzustellen ist doch schon starker Tobak. Sie umschreiben das mit „Matussek ist nonkonform“. Ist doch irgendwie lustig: Herr Matussek bezeichnet Nonkonforme, nämlich die Schwulen als defizitär und bekommt dafür von ihnen das legitimierende Prädikat der Nonkonformität verliehen. Ich finde das zumindest mal ironisch…
    Nochmals viele Grüße!

  5. Babette Halbe-Haenschke 23. Juli 2017 at 8:29 - Reply

    Auf den Punkt gebracht. Wie immer. Ich wähle übrigens seit Jahren die FDP und bin jetzt – motivierter denn je – auch eingetreten.

  6. Thilo Baum
    Thilo Baum 23. Juli 2017 at 10:32 - Reply

    Liebe Babette, das freut mich sehr! 🙂
    Markus: Nein, es ist keine Sippenhaft. Die SPD kommt im Text weiter unten vor: mit einer Broschüre der Friedrich-Ebert-Stiftung, die sinngemäß darlegt, was Aydan Özoguz (SPD) als Satz geprägt hat – wir müssten unser Zusammenleben immer wieder neu aushandeln. Das stellt in meinen Augen den Rechtsstaat infrage. Und ich hatte die Amadeu-Antonio-Stiftung angeführt, vom SPD-geführten Bundesfamilienministerium finanziert, die in einer Broschüre als „rassistisch“ brandmarkt, wer das Wort „Wirtschaftsflüchtling“ verwendet – und damit übrigens auch den Begriff „Rassismus“ verwässert, wodurch die wahren Rassisten unerkannt bleiben.
    Das sind allesamt Zeichen dafür, dass linksextremes Gedankengut aus den Reihen von Grünen *und* SPD heute den Ton anzugeben versucht.
    Dann: Natürlich ist es eine legitime freie Meinungsäußerung, wenn Sie Herrn Matussek kritisieren. Ich denke, das hatte ich auch nicht infrage gestellt.
    Hier geht es um die Prangerfunktion, die die Seite agentin.org hat: Sie suggeriert, die Äußerungen der aufgeführten Personen seien illegitim. Das tut sie, indem sie sich als Wiki einen sachlich-fachlichen Anschein gibt. Zugleich aber sind viele der dargestellten Positionen schlichtweg konservativ. Man muss sie nicht teilen, aber sie sind rechtlich zulässig. Und jemanden für eine ungeliebte Meinung auf diese Weise anzuprangern, halte ich für hochgradig gefährlich für die Meinungsfreiheit und die Toleranz in unserer Gesellschaft.
    Ich selbst leite aus Matusseks Satz übrigens nicht ab, dass er homophob ist. Vielleicht ist er es, aber ich lese es eben nicht heraus. Wenn er die „schwule Liebe selbstverständlich“ als „defizitär“ bezeichnet, „weil sie ohne Kinder bleibt“, dann folgt er möglicherweise vollkommen ohne jeden Hass schlichtweg der katholischen Theologie, nach der die Ehe zwischen Mann und Frau ein Sakrament ist, in dem die Bindung zu Gott zum Ausdruck kommt und aus der heraus die menschliche Art sich erhalten soll:
    „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib.“ (1. Mose 1, 27)
    „Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.“ (1. Mose 2, 18)
    „Seid fruchtbar und mehret euch und reget euch auf Erden, dass euer viel darauf werden.“ (1. Mose 9, 7)
    „Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn, und Leibesfrucht ist ein Geschenk.“ (Psalm 127, 3)
    „In dieser ganzen Bedeutungsvielfalt erscheint aber doch die Liebe zwischen Mann und Frau, in der Leib und Seele untrennbar zusammenspielen und dem Menschen eine Verheißung des Glücks aufgeht, die unwiderstehlich scheint, als der Urtypus von Liebe schlechthin, neben dem auf den ersten Blick alle anderen Arten von Liebe verblassen.“ (Benedikt XVI., Enzyklika „Deus Caritas Est“, 25. Dezember 2005)
    Ihre intellektuelle Aufgabe besteht nun darin, mir nicht gleich mit einer linken Moralkeule zu kommen und mir vorzuwerfen, ich sei der Meinung der katholischen Kirche, sondern bitte zwischen Beschreibung und Bewertung zu differenzieren. Ich zitiere hier lediglich, um darzulegen, worauf sich Matussek als Katholik aller Wahrscheinlichkeit nach bezieht.
    Aus dieser theologischen Position zu folgern, Matussek habe etwas gegen Homosexuelle, ist zwar im Rahmen der Meinungsfreiheit in Ordnung, aber möglicherweise auch einfach falsch. Für mich ist es eine Überinterpretation, eine Mutmaßung. Ich gehe davon aus, dass Matussek Homosexuelle ebenso in Frieden lässt wie andere Menschen. Er ist halt konservativ, und das darf er sein.
    In einer sachlichen intellektuellen Auseinandersetzung, ungefärbt durch Ideologie, wären übrigens keinerlei Disclaimer im Sinne weltanschaulicher Bekenntnisse nötig. Aber weil die Debatte so etwas von vergiftet ist und wir kurz vor McCarthy 2.0 stehen, dieses Mal von links, seien auch Sie bitte gewiss, dass ich selbst nichts gegen Homosexuelle habe, nur weil ich Benedikt XVI. zitiere.
    Für mich ist es völlig in Ordnung, wenn zwei Männer einander lieben oder zwei Frauen, und ich habe mit der katholischen Theologie nichts am Hut. Und ich respektiere auch, dass es um ein natürliches Gefühl geht, das nicht defizitär ist. Was mich stört, ist der gedankliche Kurzschluss, dass jemand, der dem konservativen Weltbild folgt, deswegen bereits homophob sei. Das halte ich schlicht für falsch gedacht. Ihn deswegen anzuprangern, hat totalitäre Züge.

  7. WikiMANNia 24. Juli 2017 at 18:34 - Reply

    > Tatsächlich wähle ich die FDP. Dort finde ich das angenehmste Umfeld und die meiste Luft zum Atmen. Wenn ich bei einer FDP-Veranstaltung bin, beispielsweise in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach, erlebe ich ein Maximum an Toleranz: Die Leute lassen einander in Ruhe, sie hören einander zu, ohne gleich zu urteilen.
    In der FDP gibt es vielleicht die letzten (und gefährdeten) liberalen Biotope in Deutschland. Ob das ausreicht?!??
    Jetzt lesen wir aber dies:
    >>Die halbe EU hat es getan, große Teile Südamerikas und selbst die USA haben sich getraut: Dort wird die gleich­geschlechtliche Ehe schon anerkannt. In Deutschland hat der Bundestag nun endlich die jahrelange Blockade­haltung konservativer Unions­politiker durchbrochen. So kann dieses Grundrecht, das für viele gar nichts ändern würde, für manche aber einfach alles, Realität werden.
    Für die Freien Demokraten ist es ein Meilenstein für die Gleichstellung in Deutschland: Damit ist unser Land freier, toleranter und moderner geworden. Love wins.<<
    http://www.fdp.de/position/ehe-fuer-alle
    http://commons.wikimannia.org/File:FDP_-_Ehe_fuer_alle_-_Christian_Lindner.jpg
    und erkennen: Auch die FDP macht denselben Genderwahn, Vielfalt, Bunt und EheFürAlle mit, wie SPD, Grüne und Linke auch. Unterschiede kann ich da nicht erkennen.

  8. Thilo Baum
    Thilo Baum 24. Juli 2017 at 19:31 - Reply

    Vielleicht ist die Ehe für alle schlichtweg kein Teil des „Genderwahns“, sondern bewirkt Gleichberechtigung?
    „Genderwahn“ sind für mich die Erwartung des zwanghaften Stern*_Chen-Schreib*Innens und andere Versuche der Bevormundung. „Genderwahn“ ist für mich, wenn die Heinrich-Böll-Stiftung jemanden als Antifeministen bezeichnet, der die Frauenquote hinterfragt, obwohl das gar kein Antifeminist sein muss. Das Anmaßende und Übergriffige stört mich beim „Genderwahn“.
    „Genderwahn“ ist für mich aber nicht, wenn Homosexuelle heiraten dürfen. Das bevormundet und nötigt nämlich niemanden. Es passt vielleicht nicht in Ihr Weltbild, aber es ist letztlich nicht anmaßend und nicht übergriffig.

  9. Skythe 25. Juli 2017 at 17:48 - Reply

    Ja, die FDP würde ich auch wählen, wenn sie keine assoziale Politik für Besserverdiener machen würde.
    Für Bürgerrechte. Für Grundrechte. Gegen den Überwachungsstaat.
    Alles super. Aber dann mit dem Hintern alles einreißen:
    Gegen Erbschaftssteuer. Gegen Umverteilung von oben nach unten. Gegen Mindestlohn. Gegen soziale Absicherung. Für Turbokapitalismus. Für Neoliberalismus…
    Leider auch unwählbar.

  10. Thilo Baum
    Thilo Baum 27. Juli 2017 at 8:59 - Reply

    Sehe ich nicht so. Wie ich die FDP erlebe, geht es ums Individuum und darum, dass jeder etwas aus seinem Leben machen kann – ohne Gleichmacherei, ohne absurde Regeln (wie beispielsweise einen fixen Renteneintritt).
    Umverteilung halte ich für einen Fehler, weil sie den Reiz senkt, produktiv zu sein. Geben Sie einfach mal jemandem, der ärmer ist als Sie, so viel von Ihrem Geld, damit Sie gleich vermögend sind, das können Sie an jeder Supermarktkasse ausprobieren. Machen Sie mal.

  11. Hajo von Kracht 15. August 2017 at 13:55 - Reply

    Immerhin idt die „agentin.org“ offline gegangen. Die Ktitik (von vielen Seiten) scheint nicht ohne Eindruck geblieben zu sein. Und als jemand, der den Grünen nahestand und nahesteht, finde ich die Kritik nicht ganz ohne „Punkt“, aber doch etwas platt. Ich kann ich Ihnen sagen: auch dort gibts solche und solche. Auch einen starken freiheitlichen Zweig.

  12. Thilo Baum
    Thilo Baum 15. August 2017 at 18:04 - Reply

    Danke für Ihren Kommentar. Das ist auch gut, dass es bei den Grünen auch einen freiheitlichen Zweig gibt. Leider nehme ich von dem nicht so viel wahr – kann natürlich an meinem Filter liegen …

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