Wie das Gendern Menschen ausgrenzen kann

By |2019-03-23T09:35:21+00:0023. März 2019|Categories: Sprache|0 Comments

Verfolgen Sie auch die Diskussion über das Gendern in der deutschen Sprache? Also über Dinge wie das Gender-Sternchen („Politiker*innen“) und Ähnliches? Dann will ich Ihnen einen Gedanken nahelegen: Gendern grenzt oft aus, obwohl es integrieren soll. Inwiefern? Einfach weiterlesen.

Die Stadt Hannover will das Gendern ja zur Vorschrift machen, siehe zum Beispiel hier:

http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Gender-Sternchen-in-Hannover-Das-denken-die-Einwohner

Meine Meinung dazu besteht aus zwei Teilen:

1. Prinzipiell sollten wir so reden dürfen, wie wir wollen – das erlaubt uns Artikel 5 des Grundgesetzes. Also dürfen wir eine Sprache verwenden, in der wir gendern, oder eben auch eine Sprache, in der wir nicht gendern. Wir leben in einem freien Land und müssen uns insofern keine Vorschriften machen lassen. Bevormundung widerspricht dem Gedanken der Freiheit. Das Gendern ist also so lange in Ordnung, solange es nicht zur Pflicht wird – auch wenn man es sprachlich für falsch hält, wie das viele Gender-Gegner tun. Wer aber sprachlich verschiedene Geschlechter respektieren will, darf das ebenso tun.

2. Ich würde nicht gendern, wenn es das Verständnis erschwert. Für Fremdsprachler ist es mitunter mühsam, Wörter wie „zu Fuß Gehende“ anstelle von „Fußgänger“ zu erfassen. Insofern kann das Gendern durchaus ausgrenzend und damit diskriminierend wirken. Es läuft also in manchen Fällen dem eigenen Gedanken der Integration entgegen.

Eine Übersicht von Gendervorschlägen finden Sie übrigens hier:

https://geschicktgendern.de

Darin steht beispielsweise als Alternative zu „Gründer“ die Bezeichnung „gründende Person“. Ein anschauliches Beispiel, wie das Gendern die Sprache verfälschen kann. Denn das Wort „Gründer“ (oder auch „Gründerin“) sagt nichts über den Zeitpunkt der Gründung aus, die Bezeichnung „gründende Person“ dagegen schon. Wir müssten also differenzieren zwischen der „gründenden Person“ und der „gegründet habenden Person“. Und das ist zumindest mir zu verkorkst. Was denken Sie darüber? Schreiben Sie mir gerne Ihre Meinung.

A propos barrierefrei: Wie barrierefrei ist Ihre Sprache? Kürzlich war im Seminar die Rede von einer „Bezuschussung“ statt von einem „Zuschuss“. Fremdsprachler schauen also im Wörterbuch unter „B“ nach statt unter „Z“. Das halte ich nicht für barrierefrei und insofern für diskriminierend. Bürokratische Sprache diskriminiert oft! Vergangene Woche erhielt ich eine Seminaranfrage, ob ich Fremdsprachlern in einem Team beibringen kann, wie man deutsche Behördenbriefe versteht. Kann ich natürlich. Aber schon die Anfrage zeigt, wie sehr Behörden oft ihre Empfänger ignorieren.

Wie sieht das in Ihrem Unternehmen aus? Verwenden Sie eine Sprache, die andere ausgrenzt und nebenbei Ihre Reichweite verringert? Das wäre nicht klug. Also finden Sie es doch einfach heraus – zum Beispiel in meinem Klartext-Seminar am 4. und 5. April 2019 in Fulda. Bringen Sie Ihre Texte mit und auch einen Laptop zum Arbeiten, denn wir besprechen die Texte aller Teilnehmer, die das wollen. Noch gibt es Plätze:

https://klartextexperte.de/p01/seminar/

Sollten Sie mehrere Personen anmelden wollen, schreiben Sie mir bitte eine E-Mail.

Ich freue mich, wenn wir uns in Fulda sehen – und denken Sie daran: Sprache ist vor allem dann gut, wenn sie niemanden ausgrenzt. Wie das geht, erfahren Sie bei mir.

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