Mit ihrem „Democracy-Score“ will die „Democracy Intelligence gGmbH“ um Mirko Lange den Menschen zeigen, wie sie sich ihre Meinungen bilden sollen („sinnformierte Meinungen“). Dafür unterzieht das Team Äußerungen von Politiker/-innen pseudowissenschaftlichen Textanalysen und gibt vor, die Ergebnisse dieser Analysen lieferten eine sachlich begründete Orientierung bei der Meinungsbildung.

Tatsächlich würdigen die Macher zulässige Äußerungen herab und brandmarken beispielsweise Polemik als abträglich für die Demokratie – obwohl sie laut Bundesverfassungsgericht zulässig ist. Zahlreiche Meinungsäußerungen werden einer Wahr/falsch-Prüfung unterzogen, obwohl Meinungen nach ständiger Rechtsprechung dem Beweis nicht zugänglich sind.

Zudem fließen in die angeblich objektiven Urteile zahlreiche subjektive Haltungen ein – die Begründungen sind qualitativ letztlich Textinterpretationen wie im Deutschunterricht, bei denen es keine „richtige“ Lösung gibt, sondern nur unterschiedliche subjektive Zugänge. Die „Democracy Intelligence gGmbH“ allerdings verkauft der Öffentlichkeit ihre Interpretationen als richtig.

Und: Die gGmbH rechnet der FDP sowie der CDU und der CSU eine geringere „demokratische Qualität“ zu als der SPD und den Grünen. Alles sei wissenschaftlich fundiert und „verfassungslogisch“, wird behauptet. Eine höchstrichterliche Quelle, nach der die Grünen demokratisch wertvoller seien als die CDU, wird nicht genannt.

Für diese Inhalte und ihre Kommunikation beansprucht die gGmbH Gemeinnützigkeit. Seit Anfang Dezember 2025 darf sie Spendenquittungen ausstellen. Doch was hat das ganze Konstrukt mit Gemeinnützigkeit zu tun? Politisches Handeln bei gemeinnützigen Organisationen bedarf „geistiger Offenheit“ (BFH, V R 60/17). Die ist hier fraglich.

(Dieser Beitrag wurde mehrfach aktualisiert.)

Screenshot der Seite https://democracy-intelligence.de/modell vom 24. November 2025: Es geht darum, zu zeigen, wer mit seinen Äußerungen zur Demokratie beiträgt und wer nicht. In den konkreten Bewertungen der jeweiligen Äußerungen zeigt sich: Der Bewertungsmaßstab ist rein subjektiv, zugleich aber hinter enormem Wortnebel versteckt, der den Eindruck von Wissenschaftlichkeit und Seriosität erwecken kann.

Screenshot vom 24. November 2025: „TRUST“ mache sichtbar, wie „gesund“ politische Kommunikation für die Demokratie sei. Der „Democracy-Score“ messe, wie sehr eine Aussage „den Werten der freiheitlich-demokratischen Grundordnung entspricht oder sie verletzt“, obwohl für solche Entscheidungen Gerichte zuständig sind. Dies sei gemeinnützig, so Gründer Mirko Lange. Zugleich unterstellt er („Trust-Score“ C), Polemik belaste die Demokratie, obwohl das Bundesverfassungsgericht auch polemische Meinungsäußerungen für zulässig erklärt.

Politische Bildung muss laut BFH neutral sein

Wie neutral ist die „Democracy Intelligence gGmbH“ um Gründer Mirko Lange? Darf eine gemeinnützige Organisation in den Meinungsstreit eingreifen? Und vor allem: Ist die Art und Weise sauber, in der die „Democracy Intelligence gGmbH“ Äußerungen von Politiker/-innen beurteilt? Das Ganze soll schließlich wissenschaftlich und gemeinnützig sein. Darum geht es in diesem Blogbeitrag.

Wichtig ist hier zunächst die Entscheidung V R 60/17 des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 10. Januar 2019. Sie thematisiert, inwiefern sich politische Betätigung und Gemeinnützigkeit ausschließen. So erklärt das Gericht:

Politische Bildung vollzieht sich in geistiger Offenheit. Sie ist nicht förderbar, wenn sie eingesetzt wird, um die politische Willensbildung und die öffentliche Meinung im Sinne eigener Auffassungen zu beeinflussen.

Seit September 2025 nun bewertet die „Democracy Intelligence gGmbH“ mit ihrem „Democracy-Score“ (vormals „Trust-Score“, davor „Desinfo-Score“, bei der Volkshochschule Gütersloh ist die Rede vom „Sinnflut Score“) Äußerungen von Politiker/-innen. Und sie vergibt dafür Noten:

  • A: Stärkt demokratische Werte, Diskurs und Gemeinsinn
  • B: Unterstützt die faire demokratische Auseinandersetzung
  • C: Belastet die Demokratie durch Einseitigkeit oder Polemik
  • D: Schwächt Demokratie durch Verzerrung und Delegitimierung
  • E: Gefährdet die Demokratie durch Angriffe und Entwertung

Die Quelle ist die Seite https://democracy-intelligence.de/modell, abgerufen am 23. November 2025, wobei es da noch „Trust-Score“ heißt:

Screenshot vom Modell am 23. November 2025 – das Datum ist wichtig, weil sich das Konzept ständig ändert. Das Publikum muss sich immer wieder neue Versionen anschauen, die jeweils gültig sein sollen.

Positionen durchsetzen soll etwas Negatives sein

Rechts in der Grafik sehen Sie schon, weshalb dieser Ansatz der Demokratie eher schadet als dient: Das „Bemühen, Position durchzusetzen“, wird als negativ dargestellt – obwohl es in einer Demokratie darum geht, Positionen durchzusetzen. Positionen durchzusetzen, ist ein entscheidender Kern der Demokratie. Kein Demokrat stellt dieses Bemühen als etwas Negatives dar.

Als angeblicher Gegensatz steht links das „Bemühen, Wahrheit zu fördern“ – doch die Annahme, das Bemühen um Wahrheit schlösse das Durchsetzen von Positionen aus, ist natürlich Unsinn. Beides sind keine einander widersprechenden und ausschließenden Kategorien. Bereits hier zeigt sich die Pseudowissenschaftlichkeit. Ich weiß nicht, wer sich diese Systematik ausgedacht hat, aber über Aussagenlogik sollten wir mit ihm oder ihr einmal sprechen.

Das Kategorienschema wurde inzwischen erneut geändert, die aktuelle Version ist anscheinend diese:

Screenshot vom 24. November 2025: Äußerungen sollen bitte ermutigend sein oder sogar „Gemeinsinn“ stiften – alles andere schadet nach Mirko Lange der Demokratie. „Förmlich“ gibt null Punkte. Wieso? Und weshalb sollte eine Äußerung, die „rein sachlich“ ist, nicht auch „faktisch belegt“ sein können?

Laut Mirko Langes gGmbH ist Polarisieren undemokratisch

Die Kategorie „-1“ in der rechten Spalte hieß erst „empört abgrenzend“, dann „emotional abgrenzend“ – jetzt heißt sie „polarisierend“. Ob das so bleibt? Vielleicht ändert sich die Bezeichnung ja in Kürze wieder.

Möglicherweise hat die „Democracy Intelligence gGmbH“ inzwischen eingesehen, dass Empörung, Emotionalität und Abgrenzung nicht undemokratisch sind. Jetzt also „polarisierend“. Der Fehler ist der gleiche: Die Macher tun so, als sei das Polarisieren der Demokratie abträglich.

Natürlich dürfen wir polarisieren, warum auch nicht? Und vor allem müssen wir uns dafür nicht maßregeln lassen. Schon gar nicht von jemandem, der zulässige Meinungsäußerungen öffentlich abwertet und für seine Fehleinschätzungen Objektivität beansprucht.

Das Konzept verkennt den demokratischen Meinungsstreit

Wessen Vorstellungen allem Anschein nach nicht mit demokratischen Prinzipien wie der Meinungsfreiheit und dem damit verbundenen Meinungsstreit zusammengehen, dessen Urteile sind in der öffentlichen Debatte in einem demokratischen Rechtsstaat wenig maßgeblich. Zumal dann, wenn es fachlich an Absenderkompetenz mangelt, was das Einordnen von Informationen angeht.

Ich habe mich seit den ersten lautstarken Ankündigungen Mirko Langes mit diesem Konzept beschäftigt. Erst am 20. November wurde der „Trust-Score“ in „Democracy-Score“ umbenannt, wobei die Bezeichnung „Trust-Score“ nach wie vor auftaucht. Bitte verschaffen Sie sich daher auch in meinem Blogbeitrag „Die subjektive Objektivität des Mirko Lange“ einen Überblick über die turbulente Entwicklung dieses Konzeptes.

Jede Version war angeblich wissenschaftlich fundiert

Am Anfang stand ein Ausschlussprinzip: Ist eine Äußerung nicht falsch, delegitimierend, verzerrend oder framend, sollte sie als wahr gelten. So ergab die Summe von wahren und falschen Aussagen eben auch mal 23 Prozent. Nicht etwa, weil die anderen 77 Prozent der untersuchten Äußerungen Meinungsäußerungen gewesen wären (weder wahr noch falsch), sondern weil Mirko Lange sie als delegitimierend, verzerrend oder framend eingestuft hat.

Dieses Vorgehen hat uns Mirko Lange allen Ernstes als wissenschaftlich fundiert präsentiert. Von diesem Unsinn ist er inzwischen weg, doch er hat diesen Unsinn gegenüber beispielsweise meiner Kritik oder jener von Martina Vogel wie ein Löwe verteidigt. Mirko Langes Versuche, dieses Ausschlussprinzip der Öffentlichkeit als wissenschaftlich fundiert zu verkaufen, sind ja nun in meinem erwähnten früheren Blogbeitrag dokumentiert.

Letztlich behauptet Mirko Lange bisher für jeden Status wissenschaftliche Fundiertheit. Trotzdem ändert die „Democracy Intelligence gGmbH“ die Parameter immer wieder, in aller Regel geräuschlos. Seltsam eigentlich: Wenn bereits die erste Version des Ganzen nach sozialwissenschaftlichen Kriterien entwickelt war, weshalb war diese Version zu ändern?

Eine übersichtliche Versionsgeschichte, in der Vorher und Nachher als jeweiliger Status dokumentiert und die Änderungen erklärt werden, finde ich nicht.

Hier befasse ich mich jetzt mit dem aktuellen Stand – natürlich auf die Gefahr hin, dass Mirko Langes gGmbH erneut Kategorien und Begriffe ändert und die Öffentlichkeit mit der Kritik wieder von vorne anfangen kann.

Förmliche Kommunikation kann angeblich nicht kooperativ sein

Sehen Sie in dem Screenshot übrigens, dass förmliche Kommunikation schlechter für die Demokratie ist als kooperative Kommunikation, obwohl förmliche Kommunikation natürlich auch kooperativ sein kann? Mit den Kriterien geht es nach wie vor kreuz und quer durcheinander.

Wie schon im vorigen Blogbeitrag geschrieben: Die Wissenschaftler/-innen, die diese Systematik erstellt haben, sollten bald mal ihr Gesicht zeigen. Noch immer fehlt die Information, an welches sozialwissenschaftliche Institut wir uns mit den vielen Fragen zum Konzept wenden können. (Sollte sich hier etwas ändern, bitte ich um einen Hinweis.)

Das Konzept verkennt den Pluralismus

Insbesondere der Ansatz des Gemeinsinns in der rechten Spalte ist ein Beispiel für Demokratieferne. Denn Demokratie bedeutet nicht Konsens – den gibt es eher in Diktaturen. Demokratie bedeutet Meinungsstreit und Mehrheitsentscheidung. Unter anderem wegen dieser Meinungsvielfalt sprechen wir von Pluralismus und Diversity.

Von einem Gemeinsinn mögen vielleicht die Macher dieses „Democracy-Scores“ träumen. Doch deren Vorstellungen sind wohl eher die einer kaum mehrheitsfähigen utopistischen Strömung. Mirko Langes gGmbH scheint eine von Harmoniestreben geprägte Nische zu repräsentieren, die mit Wortgewalt für ein Regime der Sanftmut eintritt, unter dem wir so zu reden haben, wie es Mirko Lange und seinen Mitarbeiter/-innen gefällt.

Mirko Langes gGmbH wertet Meinungen als Behauptungen

Was der Screenshot „So berechnen wir den DEMOCRACY-Score“ ebenfalls zeigt, ist ein grundlegender Denkfehler, der auf einem Wissensdefizit gründen könnte: die Verwechslung von Behauptungen mit Meinungen. So ist die Äußerung, wir ließen niemanden zurück, keine Tatsachenbehauptung, die im Sinne des Äußerungsrechts „dem Beweis zugänglich“ wäre. Sie kann also nicht falsch sein (allerdings auch nicht richtig).

Es ist eine Position, vielleicht eine Einschätzung, vielleicht eine Forderung – was auch immer. Eine Tatsachenbehauptung ist diese Äußerung nicht. Diese Äußerung ist nicht wahr oder falsch und entsprechend auch nicht „faktisch unwahr“, wie Mirko Lange und seine Leute behaupten. Denn für die Annahme, dass wir jemanden oder niemanden zurücklassen, gibt es keine Beweise, sondern lediglich Argumente. Wir können das so oder so sehen. Und eine Argumentation ist eben kein Beweis.

Ich sage damit nicht, dass wir der Überlegung nicht zustimmen können. Doch wir können eben auch anderer Meinung sein. Und damit haben wir es nicht mehr mit einem Fakt zu tun, wie Mirko Lange vorgibt.

Und ja: Dass es Menschen in Deutschland gibt, die in Armut leben, stimmt sicher. Doch „müssen“ sie es? Und ist deshalb die Äußerung falsch, wir würden niemanden zurücklassen?

Die Vorlage lautet ja nicht: „Niemand in Deutschland lebt in Armut“ – das wäre falsch. Stattdessen lautet sie: „Niemand in Deutschland muss mehr in Armut leben.“ Und das ist weder wahr noch falsch, weil es eine Meinungsäußerung ist. Wer definiert, worin das Müssen besteht? Zumal es nicht nur vom Staat oder der Gesellschaft abhängt, ob jemand in Armut lebt. Da spielen viele Faktoren eine Rolle.

Mirko Langes gGmbH tut so, als seien Argumente Beweise

Wer Mirko Lange hier widerspricht, führt möglicherweise an, dass der Sozialstaat eine Grundsicherung bietet. Doch auch das wäre kein Beweis, sondern schlicht ein Argument. Weder Mirko Lange noch seine Gegner können Beweise anführen, sondern nur Argumente. Wir sind eben in einer politischen Diskussion, nicht bei einer wissenschaftlichen Definition. Schon das Wort „zurücklassen“ ist unspezifisch und weist auf eine Meinungsäußerung hin. Die ganze Debatte darüber ist schlicht eine Meinungsdebatte, also eine politische Auseinandersetzung.

Wenn ich sage, dass es den Machern an Informationskompetenz mangelt, meine ich genau das damit: Es fehlt die Fähigkeit, Informationen einzuordnen. Hier werden Äußerungen als falsch abqualifiziert, obwohl es Meinungen und subjektive Einschätzungen sind. Mirko Langes gGmbH verkauft uns Argumente als sachlich richtige Beweise, was bei Unwissenheit ein Kategorienfehler wäre, bei Vorsatz aber Manipulation. Die Seite https://democracy-intelligence.de/trust-now ist eine wahre Fundgrube für diese verzerrende Logik. Beispiele folgen.

Wer dagegen Informationskompetenz hat, kennt den Unterschied zwischen Behauptungen und Meinungen sowie zwischen Beweisen und Argumenten. Informationskompetente Menschen denken geordnet und halten Interpretationen nicht für Fakten.

Informationskompetente Menschen argumentieren auch nicht so lange sophistisch, bis der Gegner mundtot ist, sondern sie überzeugen durch gesicherte Erkenntnisse. Keinesfalls lassen sie sich durch subjektive Argumentationen und Postulate verunsichern, sondern sie erwarten Belege. Kommen statt Belegen immer wieder nur Argumentationen, wittern Menschen mit Informationskompetenz irgendwann heiße Luft.

Modell führt Menschen ohne Informationskompetenz in die Irre

Von der immer wieder angekündigten wissenschaftlichen Validierung ist bis heute kaum etwas bekannt – nach wie vor ist unklar, welche Wissenschaftler/-innen mit welcher Qualifikation das Konzept auf seine Tauglichkeit prüfen. Laut der Seite https://democracy-intelligence.de/wissenschaftliche-hilfe sucht Mirko Lange hier aktuell Leute. Daraus dürfen wir ableiten, dass es noch keine Validierung gibt und damit keine Validität. Nichts von allem ist also bisher nach wissenschaftstheoretischen Maßstäben als Aussage gültig.

Screenshot von der Seite https://democracy-intelligence.de/wissenschaftliche-hilfe vom 24. November 2025: Die Methode soll „gegenüber Fachkreisen“ abgesichert werden – offenbar sind Fachkreise Gegner. Warum steht da nicht sachlich „fachlich abgesichert“? Und mit der Äußerung „Jede Form wissenschaftlicher Expertise hilft uns, Demokratie robuster zu machen“ wird unterstellt, das Modell mache selbstredend die Demokratie robuster. Dabei muss sich genau das noch erweisen. Der Effekt, der erst nachgewiesen werden muss, wird hier einfach behauptet.

Entsprechend stellt sich die Frage: Was von dem, was wir bei dieser Initiative lesen, hat Hand und Fuß? Wir finden Behauptungen, Unterstellungen und Interpretationen. Mirko Langes gGmbH behauptet einfach irgendwelche Dinge und deutet an Äußerungen herum.

Auch der Beleg dafür, dass das Ganze die Demokratie robuster macht, wie die gGmbH suggeriert, steht noch aus. Die gGmbH stellt sich selbst als Helden dar und behauptet einfach ohne jeden Beleg, die Demokratie zu retten. Doch ein entsprechender positiver Effekt auf die Demokratie dürfte erst noch zu messen sein. Zumal Mirko Lange eben erst angefangen hat, wie er selbst auf der gGmbH-Website betont.

Welche seriösen Wissenschaftler/-innen würden schon im jetzigen Stadium einen gesicherten positiven Effekt auf die Demokratie behaupten? Wie überhaupt sollte das gemessen werden? Ich sage nicht, dass es nicht geht, irgendwie lässt es sich bestimmt operationalisieren. Der Punkt ist schlicht, dass dies hier nicht geschieht.

Dass Mirko Langes gGmbH die Demokratie stärkt, ist eine unbelegte Selbstaussage, mithin unbegründetes Eigenlob, das manche Menschen nicht kritisch hinterfragen.

Konzept wertet zulässige und legitime Äußerungen ab

Wenn Sie sich fragen, warum ich mich in dieses Thema so verbeiße, antworte ich gerne: Dieses Modell muss dringend kritisch öffentlich diskutiert werden. Und das aus mehreren Gründen:

  • Mirko Langes gGmbH wertet öffentlich zahlreiche zulässige und legitime Meinungsäußerungen ab und belehrt die Betroffenen, wie sie es hätten sagen sollen. Dass die Meinungsfreiheit den Betroffenen erlaubt, sich so auszudrücken, wie sie wollen, übergeht Mirko Lange.
  • Mirko Langes gGmbH tut so, als übertrumpfe ihre „Einordnung“ die Äußerungen anderer. Doch dafür, zu glauben, dem sei so, gibt es keinerlei Anlass. Die dafür nötige Autorität ist nicht ersichtlich. Mirko Langes Einordnungen spiegeln lediglich eine von vielen Positionen in einem großen Chor der Meinungen und Betrachtungen wider und haben keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
  • De facto verkauft dieses Unternehmen der Öffentlichkeit subjektive Einschätzungen als objektiv gesichert. Die Macher tun so, als seien ihre persönlichen Einschätzungen wesentlich und als seien sie wissenschaftlich fundiert, obwohl die angegebene Wissenschaftlichkeit nach wie vor nicht nachzuvollziehen ist.
  • Mirko Langes gGmbH verbreitet politische Meinungen, indem sie Meinungen anderer als falsch bezeichnet und sie mit ihrer „richtigen Version“ korrigiert. Das wäre als Privatsache von Art. 5 GG gedeckt, allerdings beansprucht Mirko Langes gGmbH für ihre subjektiven Belehrungen Allgemeingültigkeit und auch Gemeinnützigkeit.
  • Eine Absenderkompetenz ist bis heute nicht ersichtlich, es wird argumentiert statt bewiesen. Das Einzige, worauf sich dieses Modell stützt, scheinen die subjektiven Ansichten Mirko Langes zu sein.

Und diese Anmaßung ist etwas, worüber wir reden müssen. Vor allem die Art und Weise, mit der Öffentlichkeit umzugehen, braucht dringend eine kritische Betrachtung. Dass dieser Ansatz der Demokratie zuträglich ist, ist stark anzuzweifeln. Eher dürfte er der Demokratie schaden, weil er zulässige Meinungsäußerungen verurteilt.

Mirko Langes Meinungen sollen objektiv wahr sein

Sicher sind Mirko Langes Einordnungen von Politikeräußerungen zulässige Meinungen, meinetwegen auch legitime. Mirko Lange darf seine Meinungen im Sinne von Art. 5 GG verbreiten. Er darf Äußerungen anderer als falsch bezeichnen und seine alternativen Formulierungsvorschläge ins Spiel bringen. Auch in einer GmbH, so, wie das beispielsweise auch Medien machen.

Aber es sind eben Meinungen. Ohne einen nachvollziehbaren Nachweis, dass Mirko Langes subjektive Deutungen auch objektiv richtig sind, haben sie keine öffentliche Relevanz. Es ist oft nicht einmal maßgeblich, was ein Bundesminister meint – weshalb sollte es eine Rolle spielen, was Mirko Lange meint? Meinungen können wir einfach stehen lassen, wie schon Hannah Arendt erklärt hat. Es gibt keinen Grund, sich damit zu befassen, denn Meinungen stellen ja keine entscheidenden Informationen dar (Hannah Arendt spricht von „Tatbeständen“).

Und wir können Mirko Langes Einschätzungen natürlich teilen und seine Meinungen übernehmen – doch auch das macht sie nicht objektiv oder gar neutral. Selbst wenn wir einer Meinung zustimmen, wird diese Meinung dadurch nicht richtig und allgemeingültig. Diesen Unterschied gilt es zu verstehen.

Die gesamte „Democracy Intelligence gGmbH“ wäre keiner Erwähnung wert, wenn sie eine Redaktion wäre, die Mirko Langes Vorstellungen von der Welt verbreiten soll. Doch das ist nicht der Fall. Gegründet wurde eine gemeinnützige Organisation. Gemeinnützigkeit beanspruchen Medien nicht.

Hinzu kommt die ständige Behauptung von Wissenschaftlichkeit, ohne dass diese jemals nachvollziehbar gemacht worden wäre.

Beide Elemente – Wissenschaftlichkeit und Gemeinnützigkeit – bringen gewisse Implikationen mit sich:

  • Wenn Wissenschaftlichkeit behauptet wird, spielen subjektive Meinungen und persönliche Deutungen keine Rolle. Die Wissenschaftlichkeit ist nachvollziehbar zu machen. Behauptetes muss objektiviert stimmen. Es genügt nicht, wenn es den Machern plausibel erscheint. Auch ist etwas nicht maßgeblich, nur weil es von Mirko Lange kommt.
  • Wenn das Ganze zudem gemeinnützig sein soll, ist eine gewisse Neutralität geboten. Laut Satzung sind die Zwecke der Gesellschaft die Förderung der Volksbildung (§ 52 Abs. 2 Nr. 7 AO) sowie die Förderung des demokratischen Staatswesens (§ 52 Abs. 2 Nr. 24 AO). Der Bundesfinanzhof mahnt hier zur Zurückhaltung. Die Meinungen Einzelner sind nicht gemeinnützig.

Mirko Langes verschwurbelte Erklärung für seine Gewichtung 35:40:25

Was die Wissenschaft angeht, fehlt beispielsweise nach wie vor die Erklärung, inwiefern und warum sich bei der Bewertung von Äußerungen eine Gewichtung von 35:40:25 „verfassungslogisch“ herleitet, wie die gGmbH auf https://democracy-intelligence.de/modell behauptet:

„Verfassungslogisch“ sind Äußerungen zu 35 Prozent nach der Kategorie „Fakten“ zu werten, zu 40 Prozent nach der Kategorie „Verantwortung“ und zu 25 Prozent nach der Kategorie „Emotion“ – denken sich Mirko Lange und Team.

Solche Dinge sind unbedingt nachvollziehbar zu machen – ansonsten ist es Geschwurbel und erkenntnistheoretisch kein Stück besser als das faktenferne Geraune vom rechten Rand. Aus welcher Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes beispielsweise ergibt sich Mirko Langes Gewichtung? Welche Wissenschaftler/-innen und Jurist/-innen kommen aufgrund welcher gesicherten Erkenntnisse zu diesen Zahlen?

In seinem LinkedIn-Profil gibt Mirko Lange unter „Top-Kenntnisse“ ja „Verfassungsrecht“ an – vielleicht kann er diese Zahlen einmal anhand einschlägiger Urteile verfassungsrechtlich solide verständlich machen? Sodass andere Verfassungsrechtler zustimmen und sagen: „Ja, der Kollege Lange liegt hier zweifelsfrei richtig“?

Solange diese Dinge nicht transparent sind, sind die angeblichen Erkenntnisse aus allem und die daraus abgeleiteten Regeln nur behauptet.

Konzept ordnet Parteien demokratische Werte zu

Dass Mirko Langes gGmbH keine neutrale politische Bildung betreibt, zeigt sich spätestens durch eine erneute Aktualisierung der Seite https://democracy-intelligence.de/modell um die Tabelle verschiedener politischer Ideologien (Nachtrag 7. Dezember 2025). In dieser Tabelle ordnet die gGmbH verschiedenen politischen Strömungen wie der Sozialdemokratie oder dem Konservatismus Werte bezüglich der „demokratischen Qualität“ zu:

Wie unschwer zu erkennen ist, verortet die gGmbH die Grünen und Volt bei der „partizipativen Demokratie“ und bewertet sie mit „+1,5 legitimierend“. Dahingegen bekommt der Konservatismus mit CDU und CSU (in einen Topf geworfen mit den Freien Wählern und der „WerteUnion“) nur den Wert „+0,5 stabilisierend“.

Wenn ich das Ganze richtig verstehe, will uns Mirko Lange mit seiner gGmbH weismachen, es sei „verfassungslogisch“ objektiv gesichert, dass FDP und CDU/CSU eine geringere Qualität für die Demokratie haben als die Grünen und die SPD.

Ob das noch als politische Bildung durchgeht und das Siegel der Gemeinnützigkeit verdient, sodass Mirko Langes gGmbH steuerlich abzugsfähige Spendenquittungen ausstellen darf und keine Körperschaftsteuer bezahlen muss?

Ich fürchte, sooo überparteilich, wie Mirko Lange seine gGmbH öffentlich darstellt, ist sie nicht.

„Wer wir sind“: Die „Democracy Intelligence gGmbH“ verkauft sich der Öffentlichkeit als überparteilich, erstellt aber ein Ranking der politischen Parteien.

Es geht um eine Machtposition

Politische Bildung stärkt Menschen zwar darin, selbst zu denken, sie darf informieren und Methoden vermitteln. Aber darf sie festlegen, welche politische Strömung wie viel wert ist? Ab diesem Punkt haben wir es wohl nicht mehr mit Bildung zu tun, sondern eher mit einer subjektiven Wertung und einer Einflussnahme auf die Meinungsbildung.

Sobald eine Organisation beginnt, Meinungen zu bewerten – und das tut Mirko Langes gGmbH hier – betreibt sie politische Einflussnahme. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Absicht gut ist.

Wer behauptet, Meinungen objektiv klassifizieren zu können, will sich für meine Begriffe eine Machtposition verschaffen, was im Widerspruch zu demokratischen Prinzipien steht – ganz gleich, wie nobel die Mission formuliert ist. Die Sache selbst kann, je mehr sie sich als institutionalisierte manipulative Meinungsmache erweist, allerdings nicht mehr demokratisch sein. Denn Demokratie lebt davon, dass Menschen streiten dürfen. Dass Meinungen konkurrieren. Dass argumentiert wird und nicht klassifiziert mit dem irrealen Anspruch an eine Objektivität durch Scores.

Und genau das ist der Punkt, an dem Mirko Langes Konzept der Demokratie schadet:

  • Wenn ein Konzept nicht nur analysiert, sondern aktiv Diskurse lenken will – also bestimmen, was als „guter“ Diskurs gilt und was nicht –, dann ist das politische Einflussnahme, nicht Wissenschaft. Die Bevormundung, die aus jeder Pore der „Democracy Intelligence gGmbH“ dringt, steht im Widerspruch zu Offenheit, Meinungsvielfalt und demokratischem Diskurs.
  • Was die gGmbH da aufbaut, ist weniger ein neutrales Analyse-Tool als vielmehr eine normative Diskurs-Maschine. Sie hat die klassische Schwäche vieler Bewertungssysteme für Kommunikation: eine hohe subjektive Komponente und geringe Transparenz. Zudem ist deutlich ein Machtanspruch zu erkennen: Mirko Lange wünscht sich die Deutungshoheit über die politische Debatte. Die steht ihm natürlich nicht zu, und da hilft auch kein Deckmantel einer vorgegaukelten Objektivität. Insofern haben wir es hier mit einiger Anmaßung zu tun.
  • Wer ein solches Modell nutzt oder sich darauf verlässt, muss sich darüber bewusst sein: Es ist nicht neutral. Es wertet. Und wessen Werte es vertritt, hängt von denen ab, die das System entwerfen – nicht von objektiven Kriterien. Das Modell dient in aller erster Linie Mirko Lange dazu, seine Haltung zu verbreiten. Und daran ist für meine Begriffe nichts gemeinnützig.

Kurz: Ein wirklich gemeinnütziges Projekt der politischen Bildung würde nicht im Sinne des einen oder anderen politischen Akteurs werten, sondern den Menschen ihre Meinungsbildung selbst überlassen. Hier – gerade durch die Zuordnung von Werten zur „demokratischen Qualität“ von Strömungen und Parteien – will jemand den Menschen vorschreiben, was sie zu denken haben.

Pseudo-intellektueller Wortnebel

Durchgängig wirken auch die Begriffe willkürlich gewählt. Die Erklärungen erweisen sich als Wolken der Wortgewalt, die Lesern das Gefühl geben, das Modell sei zu komplex, um es zu verstehen. Tatsächlich versprüht Mirko Lange Phrasen und politische Schlagwörter, wie wir es aus dem Bullshit-Bingo kennen – nur dass hier nicht das Business-Management fürs Vorgaukeln einer tiefgründigen Durchdachtheit missbraucht wird, sondern die Demokratie.

Dass zahlreiche sophistische Ausflüge die Wahrnehmung vernebeln und intellektuelle Macht und Deutungshoheit inszenieren, hat offenbar System:

Doch Wahrheit allein genügt nicht. Wer sie missbraucht, spaltet. Deshalb folgt auf Logos immer Ethos.

Autoritäre oder populistische Systeme kehren die Gewichtung um: Sie arbeiten mit 20 : 20 : 60, ersetzen Verantwortung durch Loyalität und Wahrheit durch Gefühl.

Diese rhetorische Nebelwand ist unbedingt beim Namen zu nennen. Und wir müssen Nachweise für diese intellektuell wirkenden philosophischen Ausflüge fordern. Will Mirko Lange dem Vorwurf der Augenwischerei vorbeugen, müssen Belege her, nicht nur Argumentationen.

Auch apodiktisch vorgetragene Postulate wie:

Demokratische Kommunikation ruht auf drei Säulen: Fakten, Verantwortung und Emotion.

… sind schlüssig darzulegen.

Sämtliche Buzzwords sind nach nachvollziehbaren wissenschaftlichen Maßstäben zu operationalisieren und verständlich zu machen. Wird Bedeutung nur angedeutet und gaukelt die Rhetorik die Substanz nur vor, haben wir es mit heißer Luft zu tun und nicht mit einem soliden Konzept.

Klar muss auch werden, dass sich das alles nicht Mirko Lange zusammengereimt hat und für seine subjektiven Überlegungen jetzt Allgemeingültigkeit beansprucht. Es müssen objektiv gesicherte Erkenntnisse sein, die auch unabhängig von Mirko Langes Überlegungen faktisch existieren und stimmen. Ansonsten sind es einfach nur seine persönlichen subjektiven Vorstellungen.

Wissenschaftlicher Anstrich ohne Validierung

Aktuell jedenfalls entsteht der Eindruck des pseudo-intellektuellen Wortnebels, durch den Mirko Lange seinen Gedanken Autorität verleihen will:

  • Statt Klarheit erleben wir Überkomplexität – wir erleben viel Sprache und wenig Substanz. Mirko Lange konfrontiert uns mit überladenen Fachtermini ohne methodische Präzision.
  • Die Komplexität erregt dabei den Anschein der Seriosität – auch wenn Begriffe nicht wissenschaftlich abgesichert sind.

Gibt jemand subjektive Wertungen ab und vermittelt dabei den Eindruck, es seien objektive Kriterien, entsteht quasi ein wissenschaftlicher Anstrich ohne wissenschaftliche Validierung. Genau das ist typisch für Wortnebel: Ein Konzept klingt wissenschaftlich, ohne wissenschaftlich zu sein.

Vor allem muss Mirko Lange das fehlende Kettenglied in der Erklärung liefern, weshalb diese seine theoretischen Gedanken exakt in der Art und Weise Widerhall finden, in der er beziehungsweise sein Unternehmen Äußerungen beurteilt. Und warum genau das richtig ist. Und wodurch sich diese Korrektheit der Öffentlichkeit nachvollziehbar macht.

Klar muss dabei zum Beispiel auch werden, weshalb der Pluralismus in Mirko Langes Überlegungen so gut wie keine Rolle spielt, also die Meinungsvielfalt und der damit verbundene Meinungsstreit sowie die Toleranz gegenüber Minderheitsmeinungen.

Gerade weil die Wortgewalt in Mirko Langes Konzept so enorm ist, müssen wir uns die Inhalte genau ansehen. Wortgewalt und sophistische Rhetorik sind oft Indizien dafür, dass mit der Substanz etwas nicht stimmt. Oft soll Wortnebel Substanzlosigkeit kaschieren und Kritiker einschüchtern – sie sollen sich intellektuell unterlegen fühlen und darum lieber nicht widersprechen.

Beispiele für Abwertungen von Äußerungen

Nehmen wir ein Beispiel, an dem deutlich wird, inwiefern Mirko Langes Ansatz der Demokratie schadet:

Laut Mirko Langes System belastet der Grünen-Politiker Schäfer die Demokratie durch Einseitigkeit oder Polemik – dabei bringt er lediglich seine Position zum Ausdruck, und zwar auf eine für Demokratien übliche zugespitzte Weise. (Die Fotos der betroffenen Politiker sind geblendet, weil ich daran keine Nutzungsrechte habe.)

Mirko Langes gemeinnützige GmbH stört sich an der Formulierung „dröhnend schweigen“ des Grünen-Politikers Sebastian Schäfer. Doch schon die Interpretation, diese Formulierung unterstelle bewusste Ignoranz und Gleichgültigkeit, ist gewagt. Wir kennen die Motive der Menschen nicht. Und selbst wenn die Deutung stimmt, ist deswegen Schäfers Äußerung nicht unzulässig.

Es ist ein deutliches Beispiel dafür, wie die „Democracy Intelligence gGmbH“ auf reine Interpretationen statt Informationen setzt und Äußerungen anderer anhand von Vermutungen abwertet. Da wird einfach herumgedeutet wie bei einer Gedichtsinterpretation, die sich zu weit vom Text entfernt.

Zudem: Sollte Schäfer dem Kanzler und dem Finanzminister tatsächlich Ignoranz und Gleichgültigkeit vorwerfen, wäre auch daran im Sinne der Demokratie nichts falsch oder schlecht.

Oder nehmen wir eine Äußerung von Cem Özdemir, offenbar am 19. November 2025 auf X gepostet:

Screenshot vom 24. November 2025: Für Mirko Lange und Team ist Cem Özdemir Bundesverkehrsminister.

Im Sinne des Gemeinnutzes stört sich Mirko Langes Truppe an einer alltäglichen Politikeräußerung Özdemirs:

  • Der Grünen-Politiker zeige „eine emotional aufgeladene Kritik“ – doch was ist falsch oder schlecht daran?
  • Er nutze „drastische Metaphern (‚Fass ohne Boden‘, ‚Hohn‘)“ – was ist falsch oder schlecht daran?
  • Özdemir distanziere sich „von der eigenen Verantwortung“ und jener seiner Partei – na und? Was ist daran undemokratisch? Weiß Mirko Langes Team denn gesichert und bewiesen, wer die Verantwortung de facto final trägt?

An diesem Beispiel zeigt sich deutlich, dass die „Democracy Intelligence gGmbH“ die Meinungsfreiheit angreift und damit schwerlich im Dienste der Demokratie unterwegs sein kann: Sie gibt vor, zugespitzte Meinungsäußerungen (die das Bundesverfassungsgericht grundsätzlich als zulässig ansieht) seien zu vermeiden. Sie will Äußerungen und damit Meinungen weichspülen.

Dass Mirko Langes Team Cem Özdemir in der grün unterlegten vorzuziehenden Formulierungsversion nahelegt, er möge erklären, was er „als Bundesverkehrsminister“ tun werde, spricht zugleich für einige Verwirrung bei den Machern. An der Regierung sind CDU/CSU und SPD, Bundesverkehrsminister ist Patrick Schnieder (CDU). Cem Özdemir ist nicht und war auch noch nie Bundesverkehrsminister.

Nachtrag 25. November 2025: Özdemirs Rolle wurde korrigiert.

Korrigierte Rolle: Özdemir ist jetzt Bewerber fürs Ministerpräsidentenamt in Baden-Württemberg.

Statt zugespitzter und pointierter Formulierungen empfiehlt Mirko Langes gGmbH Cem Özdemir eine Phrase: „Als [Rolle] werde ich mit allen Beteiligten an verlässlichen Lösungen arbeiten und für Transparenz sorgen.“ Es scheint, als präferiere Mirko Lange weichgespültes Politiker-Gewäsch – obwohl doch gerade die Zuspitzung die demokratische Debatte so interessant macht.

Insgesamt ist es wenig im Sinne der Demokratie, wenn uns die „Democracy Intelligence gGmbH“ Vorgaben macht, wie wir uns auszudrücken haben – dieses übergriffige Verhalten finden Sie unter https://democracy-intelligence.de/trust-now wie gesagt bei zahlreichen Bewertungen.

Mirko Lange und sein Team maßen sich an, für andere zu wissen, was richtig ist und was sie sagen sollen – obwohl das Team selbst zahlreiche Denk- und Logikfehler begeht und obwohl die wissenschaftliche Fundiertheit bis heute nur als Behauptung im Raum steht.

Wenn das Modell ein Mensch wäre

Wäre das Modell ein Mensch, wäre in seiner Persönlichkeit wohl ein starker Machtwunsch ausgeprägt – gepaart mit dem Wunsch, andere belehren und herabwürdigen zu dürfen. Beansprucht wird Deutungshoheit – und die jeweilige Deutung ist dann richtig. Die eigene Sicht ist die Wahrheit, andere Meinungen erscheinen als falsch oder als Bedrohung. Diese werden dann deutlich, laut und belehrend verurteilt, und das mit der Behauptung einer wissenschaftlichen Fundiertheit. Eigene Fehler sehen wir nicht, und das normale Verhalten anderer werfen wir ihnen als Fehler vor.

Der rechthaberische Stil der „Democracy Intelligence gGmbH“ erinnert mich persönlich sehr an Donald Trump – auch er stellt sich mit dem Habitus der Unfehlbarkeit in die Öffentlichkeit und behauptet irgendwelches Zeug. Auch Trump stellt seine Überzeugungen apodiktisch als angeblich bewiesene Fakten in den Raum.

Was ich besonders gefährlich finde: Mit ihrem Sendungsbewusstsein versteht die „Democracy Intelligence gGmbH“ ihre belehrenden Korrekturen offenbar ernsthaft als Dienst an der Menschheit. Die Akteure halten ihre Einschätzungen offenbar wirklich für substanziell. Wer widerspricht, hat im Zweifel das Modell nicht verstanden – so jedenfalls Mirko Langes übliche Reaktion auf Kritik.

Schon aus der Kritik an dem ursprünglichen Ausschlussverfahren hätten die Macher auf ihre methodische Befähigung schließen können – doch eine Selbstreflexion scheint kaum stattzufinden, siehe dazu den bisherigen Umgang mit Kritik in meinem vorigen Blogbeitrag zum Thema.

Eher wird Kritik lautstark abgebügelt, die Kritiker werden angegriffen. Und die Kritikpunkte finden dann doch sehr leise Eingang ins Konzept. Wie gesagt ohne Versionsgeschichte und ohne Verweis darauf, dass beispielsweise das Ausschlussverfahren von außen massiv kritisiert wurde, insbesondere durch Martina Vogel und mich.

Doch der Schein muss eben gewahrt bleiben – es geht hier wohl eher um Marketing und weniger um Wissenschaft.

Selbstüberhöhung in der Beurteilung anderer

Was ebenfalls durchweg sichtbar wird, ist ein äußerst stark ausgeprägtes Bedürfnis, normative Maßstäbe zu setzen. Wir sehen eine gewisse Selbstüberhöhung in der Beurteilung anderer und den Wunsch, deren Verhalten zu bewerten, und zwar anhand eines quantifizierenden Scores.

Nach dieser Logik gilt nicht mehr, was Politiker sagen, sondern das, was Mirko Langes Team sagt. Denn Politiker reden ja nur irgendwas daher – sie sind in Mirko Langes Setting zunächst einmal kommunikativ unbedarft und müssen sich in ihrer Beschränktheit Mirko Langes weisen Belehrungen unterwerfen. Denn er hat ein systematisierendes Tool, angeblich wissenschaftlich fundiert, das ihn überlegen macht.

Kernaspekte scheinen zu sein:

  • Mirko Lange erfindet ein „Modell“, mit dem er die Äußerungen anderer anhand seiner Maßstäbe abqualifizieren kann.
  • Er stellt seine Sicht als die richtige dar.
  • Er gibt Objektivität vor, ohne sie fundiert nachzuweisen. Er vernebelt uns den Blick durch Phrasen.
  • Er führt Scores ein, um den Anschein von Objektivität zu erzeugen.
  • Er setzt scheinbare Fachsprache als Machtmittel ein.
  • Er bewertet Meinungen als richtig oder falsch.
  • Er betont das Normative, also Regeln, es geht um „richtige Sprache“.
  • Er will mit seinem Projekt gemeinnützig sein, wobei politische Bildung neutral sein muss.
  • Er gibt anderen Hinweise, wie sie sich auszudrücken haben.
  • Er wertet andere Positionen ab.
  • Er reagiert auf Widerspruch nur vordergründig mit Neugier, de facto aber mit Abwehr und auch mit Angriffen ad hominem.
  • Letztlich erzeugt er damit Distanz statt Verbindung, stärkt Feindbilder und beendet den Dialog mit Wortgewalt, wie in dem bereits verlinkten Blogbeitrag an zahlreichen Beispielen deutlich wird.

Macht und Grandiosität

Es geht bei Mirko Langes Konzept also letztlich um ein Machtinstrument, mit dem sich Äußerungen anderer herabwürdigen lassen, ohne dass jemand dabei die Grandiosität dieses Instruments anzweifelt. Denn für diese Grandiosität sprechen Buzzwords wie „verfassungslogisch“ oder „epistemisch“, von denen sich Laien leicht beeindrucken lassen, ohne zu hinterfragen, was da eigentlich gesagt wird.

Das scheint auch die Funktion der aufgeblasenen Rhetorik zu sein. Für einfache Gemüter, die nicht wissen, dass Meinungen nicht objektiv richtig sein können, mögen die vielen pseudoakademisch-bemühten Herleitungen ausreichen – einige in Mirko Langes Bubble scheinen dem Argumentationsnebel tatsächlich unkritisch zu folgen und jubeln ihm beispielsweise bei LinkedIn zu.

Und das ist auch klar: Wer keine Informationskompetenz hat, durchschaut das Ganze nicht.

Für eine qualifizierte öffentliche Betrachtung von Äußerungen dagegen genügen die vielen als Erklärung vorgebrachten Interpretationen nicht. Zumal Mirko Lange die Meinungsfreiheit in einer pluralistischen Gesellschaft unberücksichtigt lässt, die Unbeweisbarkeit und Unwiderlegbarkeit von Meinungen verkennt und offenbar tatsächlich glaubt, seine persönlichen Ansichten ließen sich der Öffentlichkeit als objektiv verkaufen.

Zugleich wissen Menschen mit Informationskompetenz: Ginge es hier um ein wissenschaftlich funktionales Tool, wären weder die enorme Wortgewalt noch ständige Aktualisierungen nötig. Stattdessen hätten wir es mit einem einfachen, klaren und leicht nachvollziehbaren Konzept zu tun. Und – im Falle von Änderungen – mit einer transparenten Versionsgeschichte.

Mirko Lange sagt uns, wie wir zu reden haben

Doch diese Elemente der Nachvollziehbarkeit finden sich bisher nicht. Die Initiative ist eher so streng subjektiv gefärbt, dass wir es weder mit Wissenschaft noch mit Demokratie oder Meinungsfreiheit zu tun haben können. Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes über die Zulässigkeit polemischer Meinungsäußerungen ignoriert das Programm geradezu. Zugleich beansprucht die „Democracy Intelligence gGmbH“ für sich die Weisheit zu wissen, wie man richtig kommuniziert.

Mirko Lange selbst betont immer wieder das „Normative“ – und offenbar geht es hier in der Tat um normative Kontrolle. Die „Democracy Intelligence gGmbH“ sagt uns, wie wir zu reden haben. Das Ganze ist ein Sprach-Compliance-Check, der am Ende der Freiheit der Meinungsäußerung zuwiderläuft. Deshalb schadet dieses Projekt der Demokratie und wir sollten auch die Gemeinnützigkeit hinterfragen.

Denn ist ein Projekt gemeinnützig, das den Menschen vorschreibt, was sie wie zu sagen haben? Zumal die Kompetenz beziehungsweise Qualifikation dahinter (noch) gar nicht gesichert ist? Und das, obwohl sich die betroffenen Politiker/-innen im Wesentlichen einfach nur normal äußern, wie es in einer Demokratie eben üblich ist?

Behauptete wissenschaftliche Autorität, für die der Nachweis fehlt

Bisher behaupten die Macher einfach, aus der verfassungsmäßigen Ordnung ergäbe sich ein bestimmter Gewichtungsmaßstab – und den wenden sie auf subjektive Weise irgendwie an und weisen zahlreiche Politiker/-innen zurecht. Und für all das beansprucht Mirko Lange Gemeinnützigkeit. Anfang Dezember 2025 hat die gGmbH vom Finanzamt München den entsprechenden Feststellungsbescheid bekommen.

Ich fürchte jedenfalls: Worum es hier geht, ist nicht politische Bildung, sondern Meinungsmacht. Seine Meinungen kann Mirko Lange natürlich wie gesagt öffentlich vertreten – das ist dann allerdings nicht gemeinnützig. Dann hat Mirko Lange sich den Regeln des politischen Wettbewerbs unterzuordnen, statt für sich eine gemeinnützige und allwissende höhere Stellung zu beanspruchen, durch die er sich über andere erhebt und von zahlreichen Steuervorteilen profitiert. Andere Meinungsbildner wie Tageszeitungen bezahlen auch Körperschaftsteuer.

Insbesondere ist zu klären, um die Worte des Bundesfinanzhofs zu bemühen: Beeinflusst Mirko Langes Unternehmen „die politische Willensbildung und die öffentliche Meinung im Sinne eigener Auffassungen“?

Meine Einschätzung der „Democracy Intelligence gGmbH“

(Nachtrag 16. Dezember 2025)

Zum Ende dieses langen Blogbeitrags versuche ich mich mal an einer zusammenfassenden Einschätzung.

1. Die „Democracy Intelligence gGmbH“ beansprucht Welpenschutz, schont aber selbst niemanden

Einmal beansprucht die „Democracy Intelligence gGmbH“ Welpenschutz, zugleich aber schont sie niemanden. Sie verurteilt andere hart und kompromisslos, reagiert selbst aber allergisch und aggressiv auf Kritik. Mirko Langes Reaktionen auf Kritik von Martina Vogel oder von mir bei LinkedIn stehen beispielhaft für dieses ungewöhnliche Verhalten.

Das Delta zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist eklatant: Wenn ein Projekt einerseits heftige öffentliche Bewertungen vornimmt, beansprucht es für sich eine Rolle mit hoher normativer Autorität. Diese Rolle verpflichtet zu Offenheit, Kritikfähigkeit, Fehlerkultur und methodischer Transparenz. Beruft sich dasselbe Projekt andererseits bei Kritik auf Welpenschutz – also darauf, „gerade erst angefangen zu haben“ –, verlässt es diese Rolle wieder.

Mirko Lange beansprucht den Einfluss einer Instanz, allerdings ohne deren Rechenschaftspflicht. Er will ein Platzhirsch sein und geschont werden. Andere stehen im Feuer, er selbst beansprucht Immunität. Wir dürfen das als Doppelmoral bezeichnen.

„Wir fangen gerade erst an“ – und trotzdem werden Politiker-Äußerungen mit einem Score gewertet und die jeweilige Fassung ist „epistemisch“ richtig.

Das Argument „Wir fangen gerade erst an“ würde nur ziehen, wenn die Akteure als Anfänger auftreten. Doch von der zu erwartenden Zurückhaltung ist bei der gGmbH nichts zu finden. Sie tritt auf als Instanz, Bewertungsautorität und als Korrektiv für öffentliche Kommunikation, das die Weisheit gepachtet hat.

Im Nachhinein erleben wir jetzt eine Kennzeichnung als „Beta“, doch die ersten drastischen Verurteilungen von Politikern wie Johann Wadephul und anderen waren nicht als „Beta“ gekennzeichnet.

Der Punkt ist: Wir können nicht gleichzeitig Lernender und Richter sein. Geben wir es vor, offenbaren wir einen inneren Widerspruch, der nach außen kaum seriös wirkt.

Welpenschutz gilt für Projekte, die lernen, testen und vorsichtig kommunizieren. Nicht für solche, die früh harsche normative Urteile fällen und Kritik rhetorisch abwehren mit dem Verweis darauf, dass das Ganze wissenschaftlich fundiert sei. Um später, wenn die Kritik anhält, das Argument anzuführen, neu dabei zu sein, und über die Kritik zu jammern. Mit der weinerlichen Betonung, man wolle doch nur etwas für die Demokratie tun.

2. Die „Democracy Intelligence gGmbH“ bezeichnet sich als „Bewegung“ und „NGO“, hängt aber an einer einzigen Figur

Die „Democracy Intelligence gGmbH“ kommuniziert wie eine Bewegung und behauptet von sich selbst, eine „NGO“ zu sein.

Es geht hier allerdings nicht um eine Gruppe demokratiebewegter Bürgerinnen und Bürger, die gemeinsam einen Verein gegründet hätten, sondern um das Projekt eines Einzelnen. Und in diesem Projekt werden Äußerungen anderer und deren demokratische Legitimität bewertet.

Seriöserweise müssten Geschäftsführung und Bewertungsabteilung personell getrennt sein. Zudem wäre ein unabhängiger wissenschaftlicher Beirat erforderlich, der die Behauptungen und Einordnungen der Bewertungsabteilung mit den gängigen wissenschaftlichen Standards der westlichen Welt abgleicht.

Insgesamt ist bisher immer noch unklar, worin die „Organisation“ („NGO“) über ihre reine Organisiertheit als GmbH hinaus besteht. Aktuell haben wir es mit einer GmbH und ihrem Gründer und Geschäftsführer zu tun. Das Wesen einer GmbH ist, dass sie sich im Eigentum von jemandem befindet – und der gibt vor, wo es langgeht. Hier ist die zentrale Figur Mirko Lange.

Möglicherweise wäre der e.V. die besser geeignete Rechtsform – mit Kontrolle durch die Mitgliederversammlung und andere demokratische Elemente. Die Rechtsform der GmbH ist ihrem Wesen nach nicht demokratisch, der e.V. schon.

3. Das „Kernteam“ wirkt wie ein Feigenblatt

Dass unter „Kernteam“ Namen genannt werden, zahlt möglicherweise auf den Eindruck einer „Bewegung“ ein – doch nur weil eine Organisation eine Geschäftsstelle hat, ist sie noch keine Bewegung. Zumal nicht transparent gemacht wird, in welchem Verhältnis die öffentlich präsentierten Akteure unter dem Stichwort „Kernteam“ zur GmbH stehen.

Steffen Buch beispielsweise, auf der Website mit dem Stichwort „Unternehmenskommunikation“ genannt, ist zumindest laut seinem verlinkten LinkedIn-Profil „External Communication Manager“ bei Melitta.

Bei der Unternehmenskommunikation der „Democracy Intelligence gGmbH“ scheint es in erster Linie um eine stimmige externe Wahrnehmung zu gehen – die Rede ist von Strategien, von konsistenten und wirkungsvollen Botschaften und davon, die gGmbH als Partner zu positionieren. Dass die Unternehmenskommunikation auch Anlaufstelle für Journalistenanfragen ist, steht nicht dabei – möglicherweise spielt ja eher das Marketing eine Rolle.

Von seiner Tätigkeit als „Unternehmenskommunikation“ bei der „Democracy Intelligence gGmbH“ steht auf Steffen Buchs LinkedIn-Profil Stand heute nichts. Laut der gGmbH-Seite müsste er zugleich bereits sehr umfassend aktiv sein. Dort ist zu lesen:

Er gestaltet die interne und externe Kommunikation von Democracy Intelligence und sorgt für konsistente, wirkungsvolle Botschaften über alle Kanäle hinweg. Seine Expertise in Change-Kommunikation und Stakeholder-Management stärkt das Vertrauen in die Organisation und ihre Mission.

Steffen Buch stärkt also laut Mirko Langes gGmbH schon jetzt nachweislich das Vertrauen in die Organisation und ihre Mission – wird behauptet. Und er sorgt für „wirkungsvolle Botschaften über alle Kanäle hinweg“, heißt es wörtlich. Alle Kanäle! Steffen Buch ist also dem Vernehmen nach auf TikTok, Xing, RTL und auch auf der Website der gGmbH selbst aktiv. Sagt jedenfalls die gGmbH, deren Stimme angeblich Steffen Buch ist.

Wie auch immer: Laut gGmbH arbeiten die meisten Mitglieder des Kernteams „derzeit noch ehrenamtlich“. Doch welche nicht? Wer ist bereits sozialversicherungspflichtig angestellt, wie sich aus der Formulierung „die meisten“ ergibt? „Derzeit noch ehrenamtlich“ suggeriert dem verständigen Leser, dass die Genannten bald hauptamtlich für die „Democracy Intelligence gGmbH“ tätig sein werden.

„Die meisten“ im Kernteam arbeiten „noch ehrenamtlich“. Wer denn nicht? Suggeriert werden Hauptamtliche.

Eine transparente Organisation würde hier für Transparenz sorgen. Stattdessen unterstellt eine suggestive Rhetorik Hauptamtliche, ohne die Sache näher zu erklären.

Der Eindruck festigt sich, dass wir es bei der gGmbH mit einem Scheinriesen zu tun haben, der vor allem durch eloquente Formulierungen riesig erscheint.

Ist am Ende etwa Mirko Lange der einzige bisherige Hauptamtliche? Die windelweiche Formulierung der gGmbH an dieser Stelle, die sich zugleich einer subtil einschüchternden Rhetorik bedient, würde das einschließen.

4. Die „erweiterte Community“ wird bislang nur behauptet

Unter „Unsere erweiterte Community“ heißt es:

Democracy Intelligence lebt von einem Netzwerk aus Experten, Praktikern und engagierten Menschen, die unsere Vision teilen:

Wissenschaftler:innen aus Kommunikations-, Politik- und Medienwissenschaft, die Forschung und Praxis verbinden.

Praktiker:innen aus Politik, Medien, NGOs und Bildung, die unsere Tools nutzen und verbessern helfen.

Technolog:innen und Entwickler:innen, die ethische KI und demokratische Technologien vorantreiben.

Engagierte Bürger:innen, die sich für bessere demokratische Kommunikation einsetzen.

Nichts davon ist überprüfbar. Eine „erweiterte Community“ ohne Namen ist nichts als eine Nebelwand. Ist das ein Netzwerk? Keine Ahnung. Bisher ist das Netzwerk einfach nur eine Behauptung, die mit ihren Buzzwords bestimmt manche Menschen anspricht. Doch wer sind denn die Praktiker und „Technologen“?

Weil die Öffentlichkeit diese Behauptungen nicht prüfen kann, sind sie wertlos. Sie widersprechen dem Falsifizierbarkeitsgebot Karl Poppers. Was wir nur glauben können oder eben nicht, ist mangels Transparenz keine qualifizierte Information. Menschen mit Informationskompetenz wissen das.

Erneut stärkt sich der Scheinriesen-Eindruck. Eine NGO ist mehr als eine Person mit Netzwerk. Sie braucht institutionelle Eigenständigkeit.

Wenn Strategie, Außenauftritt, Deutungsrahmen und öffentliche Reaktionen maßgeblich von einer zentralen Figur geprägt sind, stellt sich die Frage: Handelt es sich hier tatsächlich um eine Nichtregierungsorganisation – oder eher um eine individuelle Initiative, die sich NGO nennt, bevor sie organisatorisch eine ist? Gerade wer andere Akteure öffentlich bewertet, sollte bei der eigenen Selbstbeschreibung sauber kommunizieren.

5. Buzzwords vermitteln Pathos statt Substanz

Auffällig ist die hohe Dichte an Buzzwords. Die Website ist voll von Wortwucht, hinter der unbedarfte Menschen Substanz vermuten, ohne dass diese Substanz belegt wäre. Es geht um ein „umfassendes Ökosystem für demokratische Kommunikation und Transparenz“, „eng an wissenschaftlichen Standards orientiert“. Doch was bedeutet das alles inhaltlich?

Was fehlt, ist die Übersetzung dieser Buzzwords in überprüfbare Kriterien: Was genau gilt hier als Evidenz? Wo beginnt Normativität? Wie wird Objektivität praktisch abgesichert? Ohne Definitionen und transparente Abgrenzungen bleiben diese Wörter semantische Platzhalter. Sie erzeugen Autorität, ohne dass sie abgesichert wären.

Menschen ohne Informationskompetenz bekommen signalisiert: Hier wurde bereits geprüft, sortiert und entschieden – eigenes Nachdenken ist nicht mehr nötig. Für diese Menschen wirken die vielen beeindruckenden Begriffe wie Qualitätssiegel, ohne dass ihre inhaltliche Bedeutung oder ihre methodische Einlösung überprüfbar wäre.

Und damit betreibt die „Democracy Intelligence gGmbH“ im Grunde die gleiche Rhetorik wie die Absender von Desinformation: Sie behauptet etwas und macht die Nachvollziehbarkeit kompliziert und schwammig. Für das Publikum entsteht der Eindruck von Neutralität und Unangreifbarkeit, obwohl de facto zahlreiche Fragen offen sind.

Das Gefährliche bei dieser Rhetorik: Buzzwords lassen den Eindruck von Autorität entstehen, ohne die Methode sichtbar zu machen – und besonders Menschen ohne Informationskompetenz sind dafür anfällig. Viele Menschen können diese Wirkung nicht reflektieren. Daher ist ja Informationskompetenz so wichtig.

Und: „Wir sind Demokratie“ heißt es über dem „Kernteam“. Kommunikationsprofis erkennen die Rhetorik: Pathos statt Inhalt. Es geht ums Emotionalisieren, nicht ums Informieren.

Der Spruch „Wir sind Demokratie“ klingt gut, ist aber hohl. Der Satz sagt genau überhaupt nichts. Das marketingartige Wording eignet sich hervorragend zum Einseifen, aber die Aussage ist null, solange das behauptete Postulat, diese Company mache die Demokratie robuster, nicht tatsächlich evidenzbasiert gesichert ist. Und solange uns Mirko Lange nicht transparent macht, wer die von ihm behaupteten beteiligten Wissenschaftler/-innen nun sind.

Solange in puncto wissenschaftlicher Fundiertheit irgendwelche Dinge behauptet werden, und das Muster beobachten wir bei Mirko Lange ja nun schon seit Monaten, könnte der Gedanke an Augenwischerei ins Bewusstsein rücken.

„Wir sind Demokratie“: Klingt gut, sagt nichts. Dass es sich um eine Bewegung handelt, wird einfach unterstellt – es ist nicht nachzuvollziehen und daher als Information wertlos.

6. Fehlende Versionierung bewirkt Transparenzdefizit

Ein weiteres strukturelles Problem ist die fehlende Versionierung von Methodik, Kriterien und Bewertungen. Immer wieder ändert jemand die Paramater. Wer eigentlich? Mirko Lange allein im stillen Kämmerlein? Doch wenn Scores, Gewichtungen oder Begründungen immer wieder angepasst, nachgeschärft oder still verändert werden, ohne dass frühere Fassungen öffentlich dokumentiert bleiben, entsteht ein gravierendes Transparenzdefizit.

Wie soll beispielsweise überprüfbar sein, ob sich eine Bewertung aufgrund neuer Erkenntnisse geändert hat oder aufgrund öffentlicher Kritik etwa durch Martina Vogel oder mich?

In wissenschaftlichen Kontexten sind Versionsgeschichten Standard: Sie schaffen Nachvollziehbarkeit, schützen vor klandestiner nachträglicher Glättung und ermöglichen Lernprozesse. Und da Mirko Lange mit seiner gGmbH ständig Wissenschaftlichkeit behauptet, sollte er sich auch an die wissenschaftlichen Regeln halten.

Wer evidenzbasiert arbeitet, muss zeigen können, was wann warum gegolten hat. Ohne Versionsgeschichte gibt es keine Nachvollziehbarkeit – nur einen jeweils aktuellen Zustand, der angeblich korrekt und wissenschaftlich ebenso fundiert ist wie angeblich alle vorigen Versionen zum damaligen Zeitpunkt auch. Und das oft sogar mit dem Vorwand, man stehe erst am Anfang. Der erwähnte reklamierte Welpenschutz soll die Organisation – und alles, was sie verlautbart – unangreifbar machen.

7. Der Irrglaube, Sprache formalisiert bewerten zu können

Das vielleicht Wichtigste ist der Irrglaube, Sprache formalisiert bewerten zu können.

Auf mich wirkt Mirko Lange wie jemand, der über der Auseinandersetzung stehen will. Er bewertet, wie andere diskutieren. Das könnte die Reibung mit Kritikern erklären. Wer von unten fragt, stört die Perspektive von oben.

Doch Demokratie lebt von Streit und Kritik. Es ist auch normal in einer Demokratie, dass ein öffentlich präsentiertes Konzept öffentlich kritisch diskutiert wird. Da Mirko Lange Wissenschaftlichkeit für sich beansprucht, genießt auch die Kritik an seinen Modellen Wissenschaftsfreiheit. Und es gehört zur offenen Debatte, Denkfehler anzusprechen.

Hier behauptet jemand, sprachliche Äußerungen, mithin Kommunikation, nach einer qualitativen Analyse quantifizieren zu können, und das erzeugt erwartungsgemäß Gegenwind. Überraschend ist das null. Wegen dieses Missverhältnisses jedenfalls ist der denklogische Ansatz des Projektes in meinen Augen der Demokratie abträglich.

Woher kommt der Gedanke, Sprache formal bewerten zu können? Ich vermute, Mirko Lange sehnt sich nach Eindeutigkeit und finaler Einordnung. Wer als Strategieberater gearbeitet hat, ist möglicherweise darauf trainiert, Komplexität zu strukturieren und Botschaften zu ordnen.

Vor diesem Hintergrund ist die „Democracy Intelligence gGmbH“ lesbar als Fortsetzung dieser Logik: Politische und gesellschaftliche Kommunikation soll nicht nur beschrieben werden, sondern auch messbar, vergleichbar und steuerbar sein.

Hier entsteht die eigentliche Problematik. Demokratie, Öffentlichkeit und politische Kommunikation folgen nicht der Logik von Effizienz oder Optimierung, sondern der Logik von Widerspruch und Debatte. Der Wunsch nach klaren Kategorien, Scores und objektiven Maßstäben mag verständlich sein, doch er kollidiert mit der Natur der Sache.

Je stärker der Anspruch auf Messbarkeit, desto größer die Gefahr, Normativität als Neutralität zu verkleiden. Sinnbildlich gesprochen: Mirko Lange hat einen Hammer. Daher sind die Phänomene dieser Welt für ihn eben Nägel.

Ein klassischer Denkfehler ist dabei zu glauben: „Weil ich für Demokratie bin, ist meine Einordnung demokratisch.“ Der Wunsch, dass dem so sei, ist menschlich nachvollziehbar, aber die Idee ist logisch falsch.

Und sie lädt zu Fehlübertragungen ein: Kritikern wird vorgeworfen, sie seien gegen die Demokratie. Das Muster ist der klassische falsche Dreisatz, der bereits im Sommersemester 1992 im Fach Publizistik an der FU Berlin als Denkfehler und Fehlschluss gelehrt wurde, wenn auch anhand anderer Beispiele:

  1. Mirko Lange sagt, er setze sich für die Demokratie ein.
  2. Thilo Baum kritisiert Mirko Langes Methodik.
  3. Daher kann Thilo Baum kein Demokrat sein.

Ist in dieser falschen Logik jemand gefangen und von Gegenvorstellungen nicht zu erreichen, erscheint auch berechtigte substanzielle Kritik als Störung der Mission. Ein kognitiver Kurzschluss, der sich in Mirko Langes Reaktionen auf meine Kritik oder jene von Martina Vogel bei LinkedIn gut zeigt.

Und noch einmal: Alles, was Mirko Lange und seine gGmbH an Äußerungen verbreiten, mag von Art. 5 GG gedeckt sein. Nur: Gemeinnützig sind die Meinungen Einzelner nicht. Und zu behaupten, persönliche Meinungen seien wahr, ist schlicht Unsinn.

Aussagen werden sowohl strukturiert als auch willkürlich gesammelt

(Ergänzung 19. Dezember 2025)

Auf der Seite https://democracy-intelligence.de/monitor findet sich inzwischen eine weitere Kuriosität. Einerseits behauptet die gGmbH dort, sie würde politische Aussagen „strukturiert“ sammeln:

Andererseits sagt die gGmbH zu, willkürlich eingereichte „demokratisch konstruktive Aussagen von Spitzenpolitikern“ zu ergänzen, und zwar „sofort“:

Wird hier einfach herangezogen, was sich anbietet? Sogar die Öffentlichkeit wird aufgerufen („Aufruf“), „konstruktive“ Äußerungen von Politikern beizusteuern.

Damit sagt Mirko Langes gGmbH im Grunde schon: Auch Laien erkennen konstruktive, evidenzbasierte, kooperative, Gemeinsinn stiftende und zuversichtliche Äußerungen. Denn sonst könnten sie sie kaum mitteilen. Nur: Wozu dann eine nähere Untersuchung?

Wird hier ein angeblich wissenschaftliches Ergebnis schon vorweggenommen?

Erneut stellt sich die Frage, welche Wissenschaftler/-innen mit ihren Namen für diese Arbeitsweise stehen – nun eben mit Blick auf die Qualität der Auswahl der herangezogenen Äußerungen. Ein Zufallsprinzip scheint es ganz offenkundig nicht zu sein. Und die Frage stellt sich: Wie belastbar ist die Behauptung der gGmbH, die Äußerungen würden „strukturiert“ gesammelt?

Kostenlos für alle – außer für die, die bezahlen

(Ergänzung 21. Dezember 2025)

Die Vollmundigkeit in der Selbstdarstellung ist insgesamt außergewöhnlich. So auch bei der Selbstaussage auf der Startseite https://democracy-intelligence.de, auf der es heißt, die Mission sei „komplett offen für alle“ und „kostenlos für jeden“:

Offenbar allerdings sind manche gleicher. Wer bezahlt, bekommt frühere Einblicke. Auf der Seite https://democracy-intelligence.de/freundeskreis wird unter anderem ein Wissensvorsprung versprochen – etwa durch exklusive Newsletter, die andere also offenbar nicht bekommen, und frühere Einblicke in den Jahresbericht:

Noch gleicher sind dann die „Supporter“, die sogar regelmäßige „Ask-me-anything“-Sessions mit dem Spiritus Rector Mirko Lange besuchen dürfen. Die „Förderer“ bekommen darüber hinaus noch Einladungen zu einem „Democracy Dinner“ – mit Gesprächen, trotz aller Transparenz, in vertraulicher Runde:

„Komplett offen für alle“ scheint also schlicht eine weitere reine Marketingbotschaft zu sein, ebenso wie „kostenlos für jeden“.

Ich bin gespannt, wie das alles weitergeht.