Tod ohne Ursache

 

Von Frank Eckert und Thilo Baum

Die so genannte „Netzgemeinde“ trauert um einen Mitstreiter. In zahlreichen Veröffentlichungen bekunden Blogger ihre Betroffenheit über den Tod von Jörg-Olaf Schäfers. So schreibt Stefan Niggemeier ein größeres Stück; bei Netzpolitik heißt es, der Verstorbene sei „viel zu früh gestorben“; Don Dahlmann schreibt vom „völlig überraschenden Tod“; und auch bei Heise lesen wir über den Tod des Verstorbenen.

Neben allen Gefühlen und allem Gedenken fragt sich: Woran ist er denn gestorben? Das schreibt offenbar keiner, und die Kommentatoren fragen es auch nicht.

Bei Heise geht das journalistische Gespür immerhin noch so weit, festzustellen, dass er mit achtunddreißig Jahren gestorben ist. Aber zur Antwort auf die naheliegende Frage, woran jemand mit achtunddreißig Jahren stirbt, reicht es offenbar nicht.

In Ordnung: Wenn Johannes Heesters stirbt (sofern er das jemals tun sollte), wird sich die Frage kaum stellen. Sie wäre dann von Belang, wenn er vom Bus überfahren oder von einem Igel gefressen würde. Aber mit achtunddreißig stellt sich die Frage nach der Todesursache definitiv.

Vielleicht ist das ein wesentlicher Punkt, weshalb Blogs den Journalismus nicht ersetzen können: Viele Schreiber sind so eingesponnen in ihre Welt, dass sie ihr Wissen auch bei anderen voraussetzen. Sie setzen bei ihrem Publikum zu wenig Unwissen voraus, wie es geboten wäre. Und viele sind Feuilletonisten: Sie machen Nebensachen zur Hauptsache, thematisieren abwegiges Zeug und unterschlagen die Hauptfakten.

(Nachtrag 5. August, 9.21 Uhr: Es stimmt zwar, dass Blogs den Journalismus nicht ersetzen können, aber zugleich machen nicht nur Blogger handwerkliche Fehler, sondern auch Journalisten, dazu der Verweis auf den Kommentar von Heinz F. Becker. Es geht uns hier nicht darum, die absurde Front „Blogs vs. Presse“ aufzumachen, da letzten Endes in beiden Fällen einfach nur Menschen an Tastaturen sitzen, von denen viele, auch in den Redaktionen, das journalistische Handwerk nicht beherrschen.)

Und wenn die Debatte über den Tod von Jörg-Olaf Schäfers eine Insider-Diskussion ist – warum findet sie dann bei Heise statt? Heise schreibt: „Er sammelte Informationen, dokumentierte haarklein Fakten und Argumente. Er (…) arbeitete sich auch in komplizierte Materie ein.“ Offenbar verstand Jörg-Olaf Schäfers etwas vom Handwerk – anders als die, die jetzt über ihn schreiben.

Im Sinne des Toten ist es vermutlich nicht, dass Kommentatoren schreiben: „Verhungert ist er jedenfalls nicht.“ Doch die Leserinnen und Leser stellen sich diese einfache Frage nun einmal. Und wo keine Antworten stehen, sprießen die Spekulationen. „Netzpolitik“ schließt die Kommentare, so dass die Frage gar nicht erst auftauchen kann.

Oder die Schreiber sind so ignorant, dass sie ihr Wissen entgegen dem Geist von Julian Assange und anderen Netz-Aktivisten nicht teilen möchten. Dabei wäre da die Devise, öffentlich zu reden und nichts öffentlich zu verschweigen.

Es mag auch sein, dass die Schreiber so konventionsgesteuert sind, dass sie sich von der scheinbaren Pietätlosigkeit der Frage beirren lassen. Oder aber – und das ist die schlimmste Variante – die Schreiber denken so kompliziert, dass sie die einfachen Dinge nicht mehr sehen und also auch die einfachen Fragen nicht mehr stellen.

Sofern eine wesentliche Information fehlt und ein guter Journalist eine naheliegende Frage nicht beantworten kann, ignoriert er die Frage nicht einfach. Sondern er stellt klar, dass die Information fehlt. Sofern sie sich beantworten lässt, recherchiert er die Antwort über Angehörige oder Behörden. Aber wenn die Antwort auf eine derartig naheliegende Frage in der Veröffentlichung verborgen bleibt, ob sie bekannt ist oder nicht, bleibt die Frage unbeantwortet und aufgeworfen zugleich.

Politisch korrekten Betroffenheitsrhetorikern, die jetzt ein Theater machen Marke „So eine profane und pietätlose Frage könnt ihr doch nicht stellen!“, entgegnen wir: Doch! Die Frage stellt sich auch ohne unser Zutun. Ihre Antwort ist relevant. Und den Vorwurf drehen wir um: Diese Relevanz zu ignorieren, zeugt von einigem Mangel an Empathie und der Fähigkeit mitzudenken.



57 Kommentare zu „Tod ohne Ursache“

  1. Heinz F. Becker

    Abgesehen von der Frage, warum Du es nicht schreibst, wenn es Dir doch so wichtig ist, sei hier an die Kollegen vom Qualitätsjournalismus verwiesen:

    http://www.nw-news.de/lokale_n.....efers.html

  2. Heinz F. Becker

    Natürlich nicht „an“, sondern „auf“.

  3. Casi

    Die Frage ändert nichts…für mich nicht, für Jo erst recht nicht…ich denke mir, dass die Menschen, die ihn kannten, es schon erzählen werden, wenn es was zu erzählen gibt – und wenn sie es nicht tun, haben sie vielleicht einen guten Grund. Mangel an Empathie lasse ich mir deswegen natürlich noch lange nicht unterstellen. Vielleicht kommt uns viel zu oft die Fähigkeit abhanden, einfach mal Dinge auf sich beruhen zu lassen…

  4. Thilo Baum

    Wie soll man etwas auf sich beruhen lassen, was man nicht kennt? Beziehungsweise: Warum erst die Öffentlichkeit mit Halbwissen anfüttern, um dann zu sagen, es gebe nichts zu erzählen?

    Und zu erzählen gibt es schon was, solange der Tod nicht geklärt ist. Gibt es nichts zu erzählen, stellt sich die Frage, warum alle was erzählen.

  5. Thilo Baum

    Wer verlangt, ich sollte selbst die Todesursache darstellen, bevor ich darüber schreibe, möge sich die Frage gefallen lassen: Was ist denn das für ein totalitäres Denken? Gelingt es noch, ein Thema von einem anderen zu unterscheiden, oder denken wir heute nur noch fleischwolfmäßig verwurstet?

    Dass der Qualitätsjournalismus oft nicht besser ist, weiß ich. Beispielsweise in der Geschichte über Horst Mahler bei spiegel.de.

    Vor dieser Geschichte:

    http://www.spiegel.de/politik/.....82,00.html

    kam diese Geschichte:

    http://www.spiegel.de/politik/.....09,00.html

    Und genau da müssten sich die Autoren die Frage gefallen lassen, warum sie nicht einfach in den Knast gehen und Horst Mahler fragen.

    Ja, viele Journalisten arbeiten genauso oberflächlich und schlampig.

  6. wolframcgn

    Ist das nicht völlig wurscht, woran dieser Mensch gestorben ist?

  7. Uwe

    Habe Deinen Artikel jetzt überflogen. Steht da nun drin, an was er starb? Ich habe nix gefunden :-(

  8. Silvan Rehberger

    Ich finde diesen Artikel komplett absurd. Es mag in der menschlichen Natur und Neugier liegen, wissen zu wollen, woran jemand gestorben ist. Ein Recht, es zu erfahren gibt es nicht.

    Mag sein, dass daher die Frage im Raum steht – aber wer hat sie gestellt?

    Die Personen, die ihn gut kannten, offenbar nicht. Und welche Relevanz hat die Frage für die, die sie stellen, ihn aber gar nicht kannten?

    Freunde und Wegbegleiter von Jörg-Olaf Schäfers haben darüber geschrieben, was sie mit ihm verlieren, wofür und wogegen er sich engagierte, welche Bedeutung sein gesellschaftliches Engagement hatte – zum Beispiel für die Freiheit der Netze.

    Die Todesursache haben sie in diesem Kontext nicht erwähnt. Ob sie dies aus Rücksicht auf den Verstorbenen oder die Familie tun, oder weil es für den Kontext schlicht irrelevant ist, solange er nicht aufgrund seiner politischen Arbeit ermordet wurde, wissen Sie nicht, und werden Sie wohl auch nicht erfahren.

    Insofern ist Ihr Vorwurf vollkommen absurd, hieran manifestiere sich der Unterschied zwischen Blogs und Journalisten. Liegt es nicht im Wesen eines guten Journalismus, relevante von irrelevanten Informationen zu trennen, und die Welt mit letzteren zu verschonen?

  9. Thilo Baum

    Ich kann nicht glauben, was ich hier lese. Den Menschen ist es entweder komplett gleichgültig, woran Jörg-Olaf Schäfers gestorben ist, oder sie spielen „Schwarzer Peter“ und verlangen von mir, dass ich es recherchiere.

    Ersteres ist ziemlich respektlos gegenüber dem Toten Marke „Ist es nicht völlig egal, woran dieser Mensch gestorben ist?“ Nein, es ist nicht egal. Die Leute fragen sich das. Wenn es schon unbedeutend ist und „dieser Mensch“, dann finde ich das enorm ignorant.

    Zweiteres ist ziemlich kindisch und erinnert mich an die beleidigte Reaktion eines kritisierten Künstlers, der dem Kritiker vorwirft, es selbst nicht besser zu machen.

    Und auch der Gedanke, die Todesursache sei im Zusammenhang mit einem Toten irrelevant, spricht für eine deutliche Verzerrung im Denken.

  10. Cujau

    Der Tod eines jungen Menschen, eines Aktivisten legt die Frage einfach nahe und damit ist sie nicht absurd. Warum bildet sich denn um den bedeutenden Netzaktivisten eine Wagenburg in dieser Frage? Der Eindruck entsteht, wenn die, die behaupten ihn gekannt zu haben, die Todesursache nicht kennen oder diese Information für sich behalten. Und wenn es denn keine Rolle spielt, woran jemand Bedeutendes stirbt, dann kanns doch ganz einfach jemand sagen.

  11. Thilo Baum

    Stellen wir uns vor: Amy Winehouse, Person der Zeitgeschichte, stirbt. Und ihre Fans schreiben: „Es ist doch völlig egal, woran dieser Mensch gestorben ist.“ Und die Medien, beispielsweise Heise und Niggemeier, stellen die Frage auch nicht. Stellen wir uns vor, wir lesen nur: „Amy Winehouse ist tot, und alle trauern.“ Das war’s. Und wir läsen keine Todesursache, weil es keine Sau interessiert.

    Kurt Cobain – tot. Warum? Egal. Janis Joplin, Jim Morrison – die Medien melden, sie sind tot, und verschweigen die Todesursache. Denn: Ist doch wurscht! Stellen wir uns vor, Elvis Presley ist tot, und niemand fragt, warum. Was wäre das bitte für eine Öffentlichkeit?

    Aber genau so ist es bei Schäfers, gemäß den vorigen Kommentaren ganz offenbar auch bedeutend: Da kommt keiner der Journalisten (Schäfers war u.a. FAZ-Kolumnist) auf die Idee, diese naheliegende Frage auch nur zu stellen, ob Stefan Niggemeier oder Heise.

    Das verwundert mich vielleicht nur. Aber was mir die Gänsehaut auf den Rücken schickt, ist das Unter-den-Teppich-kehren und Kleinreden einer relevanten Information als irrelevant und das Diskreditieren derjenigen, die nach dieser einfachen Sache fragen.

    Ich halte es für totalitär, die Fragen anderer Menschen herabzuwürdigen oder diese Menschen süffisant anzugreifen, weil sie selbst die Antwort nicht kennen. Der Vorwurf in dieser Süffisanz lautet: Beantworte entweder selbst die Frage, oder halt den Mund. Genau das ist totalitär.

    Zudem ist es respektlos, nicht einfach akzeptieren zu können, dass diese Frage definitiv im Raum steht. Und es ist respektlos, nicht einfach akzeptieren zu können, dass es völlig in Ordnung ist, Fragen zu stellen.

    Wer hat nach der Todesursache gefragt, heißt es in einem Kommentar. Ganz einfach: Wir hier in diesem Blogbeitrag. Und auch einige andere im Netz. Die Frage ist völlig ok und steht im Raum, da gibt es gar nichts zu zensieren.

    Wenn Schäfers so bedeutend war für den Freiheitskampf im Netz und mit 38 stirbt – warum halten seinen Tod so viele offenbar für normal und nicht erklärungsbedürftig?

    Ist er eines natürlichen Todes gestorben? Welches? Oder eines unnatürlichen, da gibt es nur Selbstmord, Unfall und Tötung? Alles völlig irrelevant, sagen einige aus der Netz-Community.

  12. Silvan Rehberger

    Ok, etwas mehr Differenzierung ist hier sicherlich, auf allen Seiten, sinnvoll. Wen es interessiert: Ich habe meine Haltung ausführlicher in der sehr lebhaften Diskussion auf Google+ ausführlich dargestellt, siehe

    https://plus.google.com/118359023992790949354/posts/8FMETM7MZYP

    und dort

    https://plus.google.com/109995045276761171393/posts/bJF9yRCoFA6

    Zumindest ich sage nicht, dass diese Frage per se irrelevant ist. Auch die Antwort ist es per se möglicherweise nicht.

    Insofern darf die Frage natürlich gestellt werden. Aber genau so darf, so meine ich, die Antwort nicht gegeben werden.

    Ich finde es insofern absolut nicht ok, über die Motive derer zu spekulieren, die die Antwort kennen, nicht darüber zu sprechen. Und ihnen deswegen gar »unjournalistisches Vorgehen« vorzuwerfen!

    Das ist das, was mich an dem obigen Beitrag gestört hat.

    Sein Verdienst ist es dennoch, hier und anderswo Diskussionen angestoßen zu haben – in diesem Sinne bedanke ich mich für den Anstoß.

  13. Thilo Baum

    OK, verstanden. Und von unserer Seite war es wohl Unsinn, hier die Differenzierung zwischen Blogs und Journalismus aufzumachen. Ich mag diese Differenzierung eigentlich sowieso nicht, weil die Grenzen eh zunehmend verschwinden und unterm Strich eben nur Menschen an Tastaturen sitzen. Zum Glück ist der Journalist nach wie vor ein freier Beruf.

    Habe oben einen Nachtrag eingefügt:

    Nachtrag 5. August, 9.21 Uhr: Es stimmt zwar, dass Blogs den Journalismus nicht ersetzen können, aber zugleich machen nicht nur Blogger handwerkliche Fehler, sondern auch Journalisten, dazu der Verweis auf den Kommentar von Heinz F. Becker. Es geht uns hier nicht darum, die absurde Front „Blogs vs. Presse“ aufzumachen, da letzten Endes in beiden Fällen einfach nur Menschen an Tastaturen sitzen, von denen viele, auch in den Redaktionen, das journalistische Handwerk nicht beherrschen.

  14. Shred

    Es ist doch interessant, dass Sie einerseits einen ganzen Artikel darüber schreiben, dass die Todesursache von Jörg-Olaf Schäfers nicht bekannt ist, uns aber ebenfalls eine Antwort schuldig bleiben.

    Herr Baum, die Frage ist naheliegend und ich habe sie mir auch schon gestellt, wie wahrscheinlich alle anderen, die von dem Tod erfuhren. Aber wenn die Personen, die ihm nahe standen, entschieden haben, die Todesursache nicht zu publizieren, dann hat man das zu respektieren.

    Das Recht auf Menschenwürde endet nicht mit dem Tod, und so ist die Todesursache von Jörg-Olaf Schäfers seine Privatsache. Was Sie hier schreiben, ist voyeurhaft und übelstes Bild-Niveau.

  15. sascha

    Auch wenn mich die Frage nach der Todesursache kaum interessiert, so muss ich doch akzeptieren, dass es doch vielleicht ein allgemeines Interesse an der Antwort gibt.

    Aber, und das ist meiner Meinung nach dieses Artikels, ist es falsch andere dafür zu kritisieren, dass sie diese Frage nicht klären.

    Ob Blogger oder Journalist, schlussendlich kann, darf und soll doch jeder schreiben was er für richtig hält.

    Wenn diejenigen, die Jo kannten (ob real oder virtuell ist dabei egal) der Meinung sind, die Todesursache für unwichtig zu halten (obwohl sie sie kennen, aber auch wenn sie sie nicht kennen) und deshalb nicht erwähnen bzw. erforschen, so ist das doch ihre persönliche Entscheidung.

    Ob die Informationen relevant oder nicht ist entscheidet jeder für sich, sowohl der einzelne Medienkonsument als auch jeder Journalist oder Blogger.

    Es hindert ja niemand andere Blogger oder Journalisten daran, eigene Recherchen anzustellen.

  16. Thilo Baum

    Shred: Gegenstand dieses Blogbeitrags ist nicht der Tod eines Bloggers. Sondern Gegenstand ist die Frage, warum Autoren, die über den Tod des Bloggers schreiben, nicht eine in jeder Hinsicht naheliegende Frage beantworten.

    Den Dingen auf den Grund zu gehen und sie nicht zu werten, ist weder voyeurhaft noch „Bild-Niveau“. Meiner Meinung nach gehört das Warum zum journalistischen Handwerk. Mich als Leser interessiert das Warum bei jeder Geschichte. Und ich denke, ich bin damit nicht allein. Wären die W-Fragen „Bild-Niveau“, wäre der komplette Journalismus auf „Bild-Niveau“. Selbst FAZ und „Süddeutsche“ beherzigen die W-Fragen.

    Aber vielleicht müssen wir uns auf einen Journalismus einstellen, der relevante Informationen künftig je nach Bedarf mit den buntesten Ausreden verschweigt (Moralkeule, vorgeblicher Respekt, political correctness und Konventionen im Sinne eines „Das tut man nicht“) und unsere Gesellschaft dadurch mit noch mehr Tabus belegt.

    „Er starb an Krebs“ oder auch diffus „Er starb nach langer Krankheit“ würde ja schon reichen, wenn es denn stimmt. Dann wissen wir wenigstens, dass er nicht erschossen wurde. Es hat nichts mit „Bild-Niveau“ zu tun, wenn jemand durch die Frage nach klaren Fakten Spekulationen vorgreifen will.

    Und noch mal von außen betrachtet: Netzaktivist und Kämpfer für Freiheit im Internet stirbt. Und das im Alter von achtunddreißig. Todesursache ist entweder unbekannt oder wird verheimlicht. Community redet die Frage klein und diffamiert den Frager. Community verweist auf Respekt und Privatsache.

    Ich denke, jeder gute Journalist wird bei diesem Setting sehr neugierig.

  17. Bernd

    Wenigstens einer bringt es mal auf den Punkt. „Mitgefühl“, „toller Hecht“ und ernstgemeinte Vergleiche mit Goethe: Ja. Aber die Frage, die sich jeder als erstes stellt? Fehlanzeige. Klare Worte sind eben weniger wichtig als poltisch korrektes Rumgejaule. :3

  18. Thilo Baum

    Danke, Bernd. Du bringst es auch auf den Punkt: Wir sind stark darin, Nebenaspekte zu thematisieren, aber was vor unserer Nase liegt, das Einfache, nehmen wir offenbar nicht mehr wahr.

  19. Ernst Haft

    Ich verstehe das auch nicht. Da wird wirklich überall bekundet, was für einen tollen Freund man da verloren habe (den man aber leider kaum persönlich kannte). Und die Frage nach dem „warum“ wird als pietätlos diskreditiert? Sagt mal, geht es eigentlich noch? Ich mochte den Typen nicht, soweit man jemanden überhaupt aufgrund einiger bisweilen ziemlich selbstverliebter und patziger Aussagen „mögen“ oder „nicht mögen“ kann, und anerkenne dennoch, daß er eine mindestens grundlegende Rolle im Kampf um mehr „gutes Internet“ gespielt hat, und natürlich interessiert mich der Grund für seinen Tod, genau so wie mich der Tod von z.B. Axel E. Fischer oder auch Zensursula interessieren würde. Ich will kein Protokoll seiner letzten Leberwerte oder die GPS-Daten der Brücke, von der er gesprungen ist, aber die üblichen sachlichen Hinweise, die man bei jeder anderen Person des öffentlichen Lebens bekommt, erwarte ich hier genau so wie bei irgendjemand anderem vergleichbar exponierten Menschen.

    Jedenfalls wäre mir das um Lichtjahre lieber, als mir nun aus

    - niemand spricht drüber, vielleicht Aids?
    - war ziemlich dick, vermutlich Herzinfarkt?
    - kam plötzlich, womöglich Suizid?

    selbst irgendwas zusammenzureimen. Und ja, das tue ich, denn was bleibt mir übrig? Soll ich das Gehirn, das diese Frage nun mal beschlossen hat, lobotomieren (welch ein Wort in diesem Zusammenhang, haha) lassen?

    Und dann wird jemand, der diese ganzen berechtigten Punkte sehr sachlich vorbringt und sich nicht, wie einige andere, auf Spekulationen in pseudo-/anonymen Netzbereichen beschränkt, hier ausgerechnet von den selbsternannten Verfechtern offener und freier Rede gedisst?

    Wirklich Leute, kommt mal auf den Teppich zurück. Ihr macht euch sowas von lächerlich und merkt es noch nicht mal.

    Ach ja: Das ist meine Meinung. Und ja, ich habe keinen Bock, auch gedisst zu werden, deshalb Pseudonym. Lernt, damit zu leben. Und zu sterben, btw. Danke. Auch an Herrn Baum.

  20. Thilo Baum

    Eigentlich verlinke ich nicht zu Menschen, die um des Schmähens Willen schreiben, aber diese krude Interpretation ist einfach zu herzallerliebst:

    http://rz.koepke.net/2011/08/0.....nd-gaffer/

    Geht es nach diesem Autor, so ist die kurze Notiz bei „NW“ ein „Nachruf“:

    http://www.nw-news.de/lokale_n.....efers.html

    Was für ein literarisches Verständnis journalistischer Texte. :-)

    Die naheliegende Frage nach der Todesursache beim Tod eines 38-Jährigen verurteilt dieser Blogger als „Voyeurismus“, und er rückt mich wegen meines Hinweises auf das Naheliegen dieser Frage in herabwürdigender Weise in die Nähe eines Gaffers bei einem Autounfall.

    Ob er sich bei Michael Jackson und Amy Winehouse ebenso nicht für die Todesursache interessiert hat?

    Vielleicht dürfen wir manches einfach nicht wissen wollen. Das ist der totalitäre Aspekt dabei: anderen vorschreiben, welche Fragen sie nicht stellen dürfen. Ein Kämpfer für Freiheit im Denken ist dieser Blogger mit seiner Tendenz wohl eher nicht.

    Da der Thread-Eröffner des fraglichen Threads in Google+ die zum Teil unverfrorenen Anwürfe seiner Kommentatoren entgegen meiner Bitte nicht rügt, hier eben von mir zur Klarstellung einige Zitate aus dem Thread, die zeigen, wie Leute über jemanden herfallen, der keine konforme Meinung vertritt:

    1. Fehlinterpretationen

    „Lieber Herr Baum, es kommt mir allmählich vor, dass Sie einen reinen Informationsvorsprung einfach nicht vertragen“

    Falsch vermutet. Um den Informationsvorsprung, also die Differenz zwischen „Ich kenne die Todesursache“ und „Ich kenne sie nicht“, geht es mir in keiner Weise. Mir geht es nur um das, was ich schreibe, um nichts anderes. Es geht um das Handwerk, naheliegende Fragen zu beantworten. Und beim Tod eines 38-Jährigen ist die Todesursache eine naheliegende Frage. Darum geht es. Nicht um die Details des Falls. Deswegen ist es auch am Thema vorbei argumentiert, von mir zu verlangen, ich solle doch die Todesursache recherchieren und liefern oder – sinngemäß – die Klappe halten.

    Woher nimmt jemand so eine Interpretation, es ginge um den Wissensvorsprung? Bzw. warum vermengt die Kommentatorin zwei Themen? Es ging nur um die Frage, wes Geistes Kind jemand ist, der eine naheliegende Frage unterschlägt und – in der Folge der Diskussion – dieses Schweigen bis aufs Messer verteidigt und als normal darstellt.

    Oder:

    „Ich finde, wer Klartext austeilt muss auch Klartext einstecken können. Ohne beleidigt zu reagieren.“

    Dem stimme ich grundsätzlich zu. Leider haben wir in diesem rhetorisch sehr böswilligen Satz eine fiese subtile Unterstellung, die eine Unwahrheit als selbstverständliche Wahrheit voraussetzt: Ich sei beleidigt. Problem: Ich bin es nicht. Beleidigt zu sein, gehört nicht zu meinem Charakter-Repertoire, und wenn das Beleidigtsein für andere ein verfügbarer Zustand ist, dann tut mir das Leid. Es ist mir mehr oder weniger wurscht, was Leute über mich denken, die mit schmutzigen Rhetorik-Tricks kommunizieren und ihre assoziativen Vermutungen für die Wahrheit halten.

    Nur weil jemand beleidigende Bemerkungen moniert, ist er nicht automatisch beleidigt; nur weil jemand beklagt, dass man auf ihn schießt, ist er nicht getroffen. Es ist in Ordnung, sich bereits das Schießen zu verbitten. Und ich will aus Gründen der Hygiene einfach kein negatives Zeug lesen, keine Unterstellungen im Subtext, keine Verdrehungen und auch keine Beleidigungen, und bevor mir schlecht wird, steige ich aus einem solchen Thread aus. Bedeuten tut das gar nichts.

    2. Verdrehen und Zerreden

    „Ja, es geschieht genau das, was ich auch erwartet habe. Nämlich dass Sie sich mit den Stichworten „beleidigend“ und „diffamierend“ zurückziehen. Ich kann nicht sehen, dass hier irgendwer beleidigend geworden wäre.“

    Das schreibt einer, der mich vorher so angegangen ist:

    „Von jemandem, der sich selbst als „Klartextexperte“ bezeichnet, der „Prägnanz schafft“, hätte ich weniger Geschwurbel erwartet.“

    Mit diesen Worten wirft der Mann selbst die Frage auf, inwieweit er fähig ist zu erkennen, was an seinen Worten beleidigend ist – er erkennt offenkundig nicht einmal die Wirkung seiner eigenen Subtexte. Er diskreditiert meine berufliche Arbeit, bezeichnet meine klaren Worte herabwürdigend als „Geschwurbel“ und tut hinterher so, als seine Worte seien nicht beleidigend.

    Und natürlich bemüht er mit dem aggressiven Anzweifeln meiner professionellen Kompetenz das rhetorische Mittel, vom Thema abzulenken. Denn nach wie vor steht im Raum: 38-Jähriger tot, Todesursache fraglich, Clique verteidigt eisern das Schweigen. Darüber spreche ich ohne jedes Geschwurbel, sondern sehr klar.

    3. Spielchen spielen

    „Persönliche Diffamierungen und Beleidigungen konnte ich auch nach mehrfacher Lektüre nicht erkennen“, schreibt eine Kommentatorin spitzfindig trotz der skizzierten Anwürfe. Was nicht unbedingt für ihre Kommunikationskompetenz spricht: Ist sie wirklich so unfähig, Subtexte zu erkennen, wie sie behauptet? Nein, das glaube ich nicht. Ich schätze, die Dame ist intelligent und weiß, was sie schreibt. Diffamierende Subtexte zu erkennen, dürfte ihr mit etwas Offenheit dafür gelingen.

    Für alle, denen das Benehmen vieler dieser Leute bis zu diesem Punkt nicht bewusst war, schrieb der eingangs erwähnte Blogger noch folgenden Satz:

    „Diese Person (Baum) ist das lebende Beispiel für eine Verquerung von Neugier und Wissbegierde.“

    „Diese Person“! :-) Nein, beleidigend und diffamierend ist an diesem Stil natürlich gar nichts. ;-) Das wahre Niveau dokumentiert schließlich ein Anonymer:

    „Herr Thilo Baum wäre der letzte, der Empathie für den Verstorbenen zeigen würde, nur weil er die Ursache wüsste“, behauptet er wahrheitswidrig und in diffamierender Weise und bekennt: „Und ja, ich senke das Niveau hier mal auf ein Minimum herab, vielleicht beendet das die Diskussion: der Artikel des Herrn Baum kotzt mich an!“

    Vor diesem Hintergrund, lieber Ernst Haft, freut mich Ihr Kommentar. Wir haben es hier zum Teil mit erheblich intoleranten und vorurteilsgesteuerten Menschen zu tun, und ich verstehe Sie sehr gut, lieber anonym bleiben zu wollen.

    Dem Thread-Eröffner hatte ich per Xing eine Nachricht geschickt, ob er die Beleidigungen denn so stehen lassen wolle. Er hat daraufhin öffentlich gepostet:

    „@Thilo Baum: Ihre Mail auf XING hat mir nicht gut gefallen. Sollte ich wieder eine Mail von Ihnen im Rahmen einer öffentlichen Diskussion erhalten, werde ich sie möglicherweise veröffentlichen.“

    Ich weiß nicht, was er sich davon verspricht, möglicherweise glaubt er ja, mir wäre die Veröffentlichung peinlich. Merkwürdig. Ich würde, wenn ich als Berater Unternehmen im digitalen Business beraten wollte, auf eine zweifelsfrei persönliche Xing-Nachricht eher nicht öffentlich bei Google+ antworten. Und ich würde auch als Dipl.-Jur. nicht öffentlich jemandem damit drohen, seine persönlichen Nachrichten zu veröffentlichen, die er mir schickt. Denn vermutlich wäre das nicht besonders förderlich für das hohe Gut der Vertrauenswürdigkeit, das im Business wichtig ist. Immerhin schreibt der Threaderöffner auf seiner Webseite: „Ihr Anliegen bleibt unter uns, versprochen. Denn (FIRMENNAME) lebt von Vertraulichkeit.“

    Seltsame Parallelwelt da draußen.

  21. Heike Rost

    Wenn Sie schon aus einem Thread auf Google+ zitieren, Herr Baum, dann doch bitte korrekt. Der Komplettheit halber mein „spitzfindiger Kommentar“ zur Gänze, um das aus dem Zusammenhang gerissene Zitat abzurunden:

    „Andere, sehr deutlich formulierte Meinungen zu Ihrer Position,+Thilo Baum, gibt es in diesem Kommentarstrang sehr wohl – aber persönliche Diffamierungen und Beleidigungen konnte ich auch nach mehrfacher Lektüre nicht erkennen. Aus der Existenz unterschiedlicher Positionen zum Thema mehr oder weniger direkt vorsätzliche „Informationsunterdrückung“ abzuleiten oder gar auf die Qualität von Journalisten zu schließen, ist allerdings eine interessante Auslegung….;-)
    (Nicht zu Unrecht gehört das Thema „Beleidigung“ zum juristisch schwierigsten Sachgebiet – der „gefühlten Beleidigung“ wegen …;-) ….)“

    Und was Kommentare mit „diese Person…“ angeht – die sind erst NACH diesem Kommentar geschrieben worden. ;-)

    Die komplette Diskussion in der gefühlten Parallelwelt gibt es hier:
    https://plus.google.com/118359023992790949354/posts

  22. Thilo Baum

    Danke für die Ergänzung.

    >Und was Kommentare mit „diese Person…“ angeht – die sind erst NACH diesem Kommentar geschrieben worden. ;-)

    Ja. Das dachte ich deutlich gemacht zu haben, indem ich Ihre Bemerkung *vor* dem „Diese-Person“-Kommentar angeführt habe. Die Formulierung „schrieb der eingangs erwähnte Blogger noch folgenden Satz“ ist eigentlich klar. Ich weiß, dass Sie sich mit diesem nicht gemein machen, und wollte Ihnen das auch nicht unterstellen.

    Aber vielleicht sehen Sie an dem „Diese-Person“-Kommentar, dass es tatschlich nur noch ums Bashing ging. Das ist eine Gruppendynamik wie auf dem Schulhof, da sind studierte Erwachsene oft nicht anders.

    Finden Sie das Wort „Parallelwelt“ nicht auch sehr dezent? ;-)

  23. Heike Rost

    Tja, das mit dem Zitieren und der Deutlichkeit ist so eine Sache, die scheinbar auch Meistern der deutlichen Worte nicht immer glasklar gegeben ist ;-))))

  24. Thilo Baum

    Finden Sie? Ich denke, die Auswahl war schon ok und nicht verfälschend.

  25. Heike Rost

    Ersteres: Ja.
    Letzteres: Ansichtssache.
    In summa: Klargestellt – und gut is‘. ;-)

  26. Christoph Kappes

    Lieber Herr Baum,

    zunächst mal können Sie gern meinen Namen öffentlich nennen, mir macht das nichts.

    Ich bin sehr irritiert über den Ton, den Sie anschlagen.

    1. Sie schreiben, Sie seien in meinem Thread beleidigt worden etc. Ich sehe das nicht so, und Frau Rost oben, die Mitglied im Presserat ist, sowie einige andere durchaus nicht unseriöse Personen sehen das nicht so. Für mein Empfinden sind zwei Kommentatoren über das Ziel hinausgeschossen, das fand ich aber nicht beleidigend im strafrechtlichen Sinne. Bedenken Sie bitte, das werden Sie als Journalist wissen: Sie sind hier in Ihrem Beitrag nicht zimperlich. Sie nennen Redakteure „Schreiber“ (in diesem Fall Jürgen Kuri?), stellen Handwerk in Abrede, dass journalistisches Gespür nicht reiche, sie zögern auch nicht, von „Unterschlagung“ von Hauptfakten“ zu sprechen, mit dem Totalitarismus-Vorwurf sind sie schnell zur Hand, . Herr Baum: Hier gilt das Recht des Gegenschlags, BVerfGE 12, 113, 132. Das sollten Sie doch wissen, Sie haben doch Publizistik studiert? Ich wüsste nicht, warum ich als Teledienstanbieter in meinem Google Plus Bereich hier einschreiten sollte. Das müssen Sie ertragen, weil Sie austeilen. Sie sehen sich als Opfer? Dann zeigen Sie diesen Ihren Text mal einem Dritten und fragen den, wenn Sie mir und vielen anderen Leuten nicht glauben.

    2. Sie schreiben oben: „Da der Thread-Eröffner des fraglichen Threads in Google+ die zum Teil unverfrorenen Anwürfe seiner Kommentatoren entgegen meiner Bitte nicht rügt…“ Sie haben mich nicht geben, Kommentatoren zu rügen. Diese Aussage trifft nicht zu. Sie haben mir um 11.57 Uhr eine Mail auf XING geschrieben, in der Sie mich gebeten haben, den Thread meiner Ankündigung entsprechend zu schliessen, da Sie sich beleidigt sahen. Das ist, dass werden Sie als Klardenker verstehen, etwas anderes.

    3. Was nun die fragliche Kontaktanfrage angeht, haben Sie diese gelöscht? Egal, ich habe den Text noch hier. Sind Sie einverstanden wenn ich ihn veröffentliche? Sie erwecken oben den Eindruck, dass mir die Veröffentlichung peinlich wäre. Dieser Eindruck wäre falsch. Ich wollte Ihnen klar und ohne Geschwurbel sagen – das mögen wir ja beide nicht – wenn Sie mir noch einmal inmitten einer öffentlichen Diskussion eine Mail als private Nachricht mit einem derartigen Inhalt schicken, veröffentliche ich diese. Sie wissen sehr genau, was ich meine, Herr Baum, denn dumm sind sie ja nicht.

    4. Nun, zur eigentlichen Sache. Sie wiederholen in Varianten immer die Story einer Clique, einer Verschwörung, die eine wichtige Information unterschlage. Wie Sie hoffentlich am Beginn unserer Diskussion sehen, habe ich Ihren Beitrag mit dem Hinweis geteilt weil auch ich mit die Frage nach der Todesursache gestellt habe. Nach dem Hinweis auf das allgemeine Persönlichkeitsrecht durch Herrn Kuri und das Zitat des Presse-Codex ist aber Ihre Argumentation nicht mehr haltbar. Es ist nicht nur so, dass Sie als Dritter keinen Anspruch auf das Erfahren der Todesursache haben, nein: die Presse darf darüber nicht anlasslos berichten. Und das dient dem Schutz höherer Güter (von Pietät bis Personen im Umfeld) und behindert auch nicht Menschen daran, die Ursache direkt zu erfahren, wenn sie denn eine Vertrauensstellung haben. Da Sie diese nicht haben, werden Sie die Ursache nicht von selbst erfahren, sondern Sie müssten schon der Quelle plausibel machen, was nun genau Ihr Interesse wäre, denn höherrangige Prinzipien wie „Qualitätsjournalismus“ existieren m.E. nicht, auf die Sie sich berufen könnten. Fazit: Die Presse darf nicht berichten. Wenn Sie und ich etwas erfahren wollen, müssen wir selbst tätig werden, und das wird wohl nicht über einen Blogbeitrag gehen.

    So. Und nun ein Satz noch: Sie schreiben, dass ich ihnen „öffentlich gedroht“ hätte. Das bestreite ich. Ich habe geschrieben: „Sollte ich wieder eine Mail von Ihnen im Rahmen einer öffentlichen Diskussion erhalten, werde ich sie möglicherweise veröffentlichen.“ Herr Baum, Sie haben mir gedroht, so herum ist die Sache. Wie sonst kann ich Ihre Formulierung deuten, dass Sie nicht wissen, ob meine weitere Duldung von „Beleidigungen …“ „an der Grenze zur Schmähkritik“ mir „gut zu Gesicht steht ;-)“. Da haben Sie ein bisschen mit gezündelt, gelle?

    Falls Sie von mir noch abschließend eine Rat hören wollen: Wenn eine Lokalzeitung einen Todesfall meldet und eine Computerzeitung einen Nachruf veröffentlicht und beide die Todesursache nicht nennen, dann ist da weder eine Verschwörung am Werk, die Sie aufdecken müssen, auch liegt keine schwerwiegende Verletzung journalistischer Pflichten vor. Eigentlich ist der Vorgang gemessen an dem, was täglich auf uns einprasselt, völlig banal. Ich bereue, dass ich Ihren Aufbauschungen auf den Leim gegangen bin. Richtig ist nämlich: Heise hat sich korrekt verhalten, Ihr Vorschlag wäre eine Verletzung des Pressekodex gewesen. Richtig ist auch: Hier ist in der Tat ein Tabu, aber Tabus haben einen Sinn, nämlich etwas zu schützen. Das ist etwas sehr menschliches und ich bereue, mit dem Weiterleiten Ihres Postings das meine dazu beigetragen zu haben, dass ich hier möglicherweise an etwas gerührt habe, was mir nicht zustand.

    Viele Grüssse
    Christoph Kappes

  27. baranek

    Verstehe die Aufregung nicht und den ganzen Kram mit der Presse. Nennung der Todesursache widerspricht definitiv Pressekodex. Zitat: „[..] achtet die Presse das Privatleben, die Intimsphäre und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung des Menschen.“ Das gilt selbstverständlich auch bei Ableben über den Tod hinaus. Von daher kann ich dieses Pochen auf Berichterstattung nur als sensationsgeil bezeichnen. SERIÖSE Medien halten sich da zurück. Ein „öffentliches Interesse“ kann ich in diesem Fall jedenfalls nicht erkennen. Nur weil jemand als Blogger unterwegs war, kann daraus ein Eindringen in das Privatleben nicht begründet werden. Geschmacklos.

  28. Thilo Baum

    Guten Abend, Herr Kappes,

    danke für Ihre ausführlichen Worte.

    Natürlich müssen Sie nicht einschreiten, ohne Frage. Es war von meiner Seite ja auch nur eine vielleicht nicht deutlich genug formulierte Bitte, dass Sie angesichts der Anwürfe und des Umgangs etwas tun.

    Für mich waren die Bemerkungen im Thread am Rande der Schmähkritik, vor allem das „Geschwurbel“, und ich bitte, diese Empfindung zunächst einmal einfach anzunehmen. Ich stehe nach wie vor dazu, dass es Ihnen nicht sehr gut zu Gesicht steht, so etwas in einem Thread zu dulden. Es wirft einfach kein gutes Licht auf *Sie*, ob Sie für den Thread nun formalrechtlich verantwortlich sind oder nicht. Das meinte ich damit, darauf wollte ich Sie hinweisen. Es war ein wirklich partnerschaftlicher Hinweis, den ich Ihnen eigentlich am Telefon geben wollte.

    Ich habe heute mehrfach versucht, Sie telefonisch zu erreichen, was leider nicht geklappt hat. Einfach mal miteinander reden, ist oft sinnvoll. Aber weder ging ein Büro ans Telefon, noch gab es einen AB. Zurückgerufen haben Sie mich, obwohl beide meine Nummern durchgehen, auch nicht.

    Sicher können Sie sich aufs Formale beziehen, klar, und sagen, ich hätte Sie zu nichts aufgefordert. Sie hätten auch sagen können: Okay, da sind zwei übers Ziel hinausgeschossen, so wie Sie das jetzt hier auch geschrieben haben, und das sage ich jetzt noch mal im Thread. Müssen Sie aber natürlich nicht. Wir sind zu vielem nicht verpflichtet, was anständig wäre.

    Sie haben dann eben den Weg gewählt, öffentlich klarzumachen, meine Nachricht habe Ihnen nicht gefallen, und mir in Aussicht zu stellen, künftig persönliche Nachrichten von mir zu veröffentlichen. Das anzukündigen, war Ihre Entscheidung. Welchen Sinn sollte das eigentlich haben? Was haben Sie sich davon versprochen, wenn meine persönlichen Nachrichten an Sie öffentlich werden?

    Ihre Ankündigung jedenfalls empfand ich als Drohung, nicht im juristischen Sinne, aber eben im landläufigen Sinne, und dieses Empfinden bitte ich zu respektieren. Ihre Entscheidung hat zur Folge, dass ich Ihnen keine persönliche Nachricht mehr sende, weil ich nicht weiß, was Sie damit machen. Für mich steht Ihre Ankündigung in einigem Widerspruch zu dem Versprechen von Vertraulichkeit auf Ihrer Webseite, in dem Sie Diskretion und eine Verlässlichkeit in puncto Informationen in Aussicht stellen. Derart inkonsistentes Verhalten macht mich vorsichtig.

    Auf meinen Versuch hin, Ihnen eine weitere Xing-Nachricht zukommen zu lassen, musste ich dann feststellen, dass ich Ihnen dort nicht mehr schreiben konnte. Jedenfalls war das die Meldung des Systems, wie sie üblich ist, wenn man definiert, dass ein Xing-Mitglied einem keine Nachrichten mehr senden darf. Eine E-Mail-Adresse habe ich von Ihnen in vernünftiger Zeit nicht gefunden. Ich ging also davon aus, dass Sie mir nicht ermöglichen wollten, Sie einfach zu kontaktieren. Warum? Das Einfachste ist doch immer noch, unkompliziert und direkt miteinander zu kommunizieren. Warum wollten Sie das nicht? Können Sie mir dafür einen Grund nennen?

    Und jetzt kommen Sie mit dem Presserat und seriösen Menschen. Wissen Sie was? Wäre ich im Presserat, würde ich es mir verbitten, in Verbindung mit so einem Vorgehen gebracht zu werden und als Feigenblatt der Seriosität für Ihre schräge Art zu kommunizieren herhalten zu dürfen. Das hat der Presserat nun wirklich nicht verdient.

    Ihre Ausführungen über den Pressekodex habe ich natürlich mit Interesse gelesen, und ich will Ihnen in vielen Punkten beipflichten. Schön wäre es gewesen, Sie hätten Ihre Gedanken vorher in die Debatte eingebracht. Auch wenn die Stimmungsmache im Thread mich in eine bestimmte Ecke gestellt hat, in der scheinbar alles klar ist: Ich selbst halte große Stücke auf den Pressekodex und lehne eine voyeuristische Berichterstattung ebenso wie Sie ab. Der Presserat ist ein zahnloser Tiger, den wir stärken sollten, das dürfen Sie mir bitte nach vielen Erfahrungen mit Medienopfern glauben.

    Dennoch ist die Todesursache beim Tod eines 38-Jährigen eine naheliegende Frage und gehört zum journalistischen Handwerk. Das bedeutet nicht, dass man das Thema auswalzt, und es muss auch nicht voyeuristisch sein. „starb nach langer Krankheit“, „starb nach kurzer Krankheit“ genügt oft völlig, einfach damit keine Spekulationen entstehen. Ein einfacher Satz „Über die Todesursache ist/wurde nichts bekannt“ oder „Die Familie bittet um Respekt, dass die Todesursache nicht bekannt wird“ würde wenigstens die Frage auffangen. Es geht einfach darum, die Leute nicht mit dieser offenen Frage im Regen stehen zu lassen. Man kann Plausibilität auch herstellen, ohne dass eine Geschichte beim Presserat landet.

    Dass Sie vorwegnehmen, wie der Presserat entscheiden würde, würde ein Medium in meinem Sinne berichten, finde ich einigermaßen abenteuerlich. Auch dagegen würde ich mich, wäre ich im Presserat, deutlich wehren. Dem Presserat tun Sie mit Ihren Äußerungen in meinen Augen keinen Gefallen. Zudem stellen Sie mich damit suggestiv als Haudrauf-Journalisten dar, der ich definitiv nicht bin. Und diese Vorverurteilung finde ich schade. Sie würden so etwas nicht schreiben, hätten wir telefoniert.

    Übrigens, weil das ein wenig durchklang, noch eine Klarstellung: Ihnen selbst werfe ich bitte keinerlei totalitäres Denken vor. Das ist mir sehr wichtig. Dass Menschen anderen Menschen verbieten, Fragen zu stellen, finde ich eher bei Nicht-Profis.

    Und: „Schreiber“ ist für mich nicht despektierlich. Ich bin selbst einer. Leute, die recherchieren und gut schreiben können, genießen viel zu wenig Wertschätzung.

    Wenn Sie wollen, können wir die Sache jetzt auch gerne beenden. Vielleicht finden wir ja doch einmal die Gelegenheit zu telefonieren. Das räumt viele Irrtümer und falsche Bilder leichter aus als eine öffentliche Schlammschlacht.

  29. Christoph Kappes

    Lieber Herr Baum,

    ich habe an unserem Kontaktstatus nichts verändert. Meine Mailadresse ist leicht zu finden, ebenso wie meine Handynummer. Auf beiden Kanälen hat mich kein Kontaktversuch erreicht. Ich gehe Ihnen nicht aus dem Weg, versuchen Sie es gern am Wochenende.

    Ich mache auch keine Voraussage über eine Entscheidung des Presserates, sondern ich sagte oben, dass Frau Heike Rost, mit der Sie zuletzt hier in Ihrem eigenen Blog kontrovers diskutiert haben, im Presserat ist. Sie war es auch, die in meinem Blog den Codex postete. Was ich also sagen wollte: Sie haben hier eine andere Auffassung gezeigt als Frau Rost aus dem Presserat in Bezug auf die Auslegung von Presserecht und Verhaltensnormen.

    Wir haben übrigens einen gemeinsamen Bekannten, das ist Herr Wulff, der Ihnen eine Referenz gegeben hat.

    Gute Nacht
    C.K.

  30. Alex Kahl @probefahrer

    Widerliches Leichenfledderposting.

    Ja als ich von Jos Tod las stellte ich mir auch die Frage „Warum? Woran? Wie?“ und beantwortete sie mir relativ schnell mit:

    „Geht mich nichts an.“

    Die relevante Information ist: Ein guter Kerl, Blogger und Journalist ist nicht mehr unter uns. Und darüber haben viele Blogger geschrieben.

    Das warum war auch für sie nicht relevant. Und das ist der Unterschied zwischen Blogger und auflagengeilem Journalist, der eine Story aus etwas machen will, die niemanden etwas angeht: Blogger schreiben über das was sie persönlich interessiert.
    Nicht über das, was sie anderen als relevant oder mindestens interessant aufdrängen wollen.

    Und das schließt jeden Kommentar zu einer Todesursache, die niemanden etwas angeht ein.

  31. Thilo Baum

    Das ist kein „widerliches Leichenfledderposting“. Wenn Sie solche Vokabeln für diesen Beitrag verwenden, welche Bewertung bleibt Ihnen dann noch für übelste „Bild“-Berichterstattung, die wirklich Leichen fleddert?

    Und wie schließen Sie Spekulationen aus, die bei einem solchen Todesfall in Richtung Tron gehen, und die sich bei Unbeteiligten definitiv aufwerfen, wenn Sie nicht wenigstens klarstellen, dass solche Spekulationen unzutreffend sind?

    Herr Kappes: Xing hat sich genauso verhalten, wie ich es geschrieben habe. Normalerweise darf ich neuen Kontakten Nachrichten senden, bei Ihnen war das nicht so.

    Und bezüglich Ihrer Behauptung „Auf beiden Kanälen hat mich kein Kontaktversuch erreicht“ wird es mir nun ein wenig zu bunt.

    In Ihrem Impressum http://www.fructus-gmbh.de/kontakt, wo u.a. steht, dass Sie Vertraulichkeit wahren, habe ich keine E-Mail-Adresse gefunden. Ich habe allerdings sowohl Ihr Festnetz als auch Ihre Mobilnummer angerufen. Auf dem Festnetz, das Sie hier nicht erwähnen, ging auch mindestens ein Kontaktversuch ein.

    Ich möchte Sie inständig bitten, nicht den Eindruck zu erzeugen, ich hätte nicht versucht, Sie zu erreichen. Dieser Eindruck ist falsch.

    >Ich mache auch keine Voraussage über eine Entscheidung des Presserates

    Sie schreiben: „Ihr Vorschlag wäre eine Verletzung des Pressekodex gewesen.“ Da Sie das Leben vorwiegend unter rechtlichen Aspekten zu betrachten scheinen, wissen Sie, dass so eine Verletzung der Presserat feststellt.

    Schade, dass Sie nicht verraten, was Sie sich von der Veröffentlichung einer privaten Xing-Nachricht versprochen haben, mal unabhängig von den Xing-AGB, die Sie mit Ihrem juristischen Blick sicher auch im Auge haben.

  32. Thilo Baum

    Neben seinem Angebot zu telefonieren hat Herr Kappes einen weiteren Thread in Google+ eröffnet mit der Behauptung:

    „Thilo Baum setzt die hiesige Diskussion zur Berichterstattung über den Tod von Jo Schäfers in seinem Blog fort und eskaliert die Sache noch, indem er seinen Lesern erzählt, ‚der Thread-Eröffner‘ habe ihm gedroht.

    http://www.thilo-baum.de/loung.....ment-22325

    Ich mochte das nicht so stehen lassen und komme inzwischen sogar zu dem Schluss, dass alle Vorwürfe seiner Seite unzutreffend sind:

    http://www.thilo-baum.de/loung.....ment-22335

    Schönes Schulbeispiel, wie sich einer verrennt. Damit meine ich natürlich Herrn Baum ;-)“

    Das ist meine Reaktion dort im Thread:

    Hallo zusammen,

    einige Dinge möchte ich klarstellen:

    - Ich setze die Debatte nicht in meinem Blog fort. Sondern dort hat sie ihren Ausgang genommen, dort lief sie von Anfang an. Herr Kappes hat meinen Blogbeitrag aufgegriffen und darüber einen Google-Plus-Thread eröffnet, weil er sich zunächst selbst fragte, woran der Blogger gestorben war. Nicht ich eröffne nach dem geschlossenen Thread also eine Kampagne gegen Herrn Kappes und „verrenne“ mich. Sondern Herr Kappes eröffnet, nachdem mein Blog-Thread schon seit langem läuft, einen neuen Thread mit mir als Hauptthema.

    - Herr Kappes wunderte sich ebenso wie ich über das Ausbleiben der Frage nach der Todesursache. In seinem alten Thread schreibt er: „Bei mir trat die von Ihnen beschriebene Irritation auf, als aus der Nachricht eine Meldung des ‛offiziellen‛ Mediensystems wurde. (…) Als Niggemeier und Heise gemeldet haben, hat mich das erst wirklich verunsichert, weil ich dachte: gerade die werden gefragt haben, muessen es also wissen und nun ist noch klarer, dass es einen Grund gibt, den man aber ohne erkennbaren Grund verschweigt. Das ist ungefähr so, als wenn man in die Welt (das Internet !) hinausruft: Hier ist ein wichtiges Ereignis, aber wir schweigen zur Ursache – und zwar so, dass wir nicht einmal unser Schweigen begruenden.“ Das ist der O-Ton von Christoph Kappes.

    - Genau darum ging es mir: nicht um das Herumreiten auf der Todesursache, sondern um die Verwunderung, dass Journalisten die Frage danach gar nicht erst zu stellen scheinen. Das habe ich sowohl im Blog als auch in Herrn Kappes‘ vorherigem Thread deutlich gemacht.

    - In der Sache gebe ich Herrn Kappes in vielem Recht, insbesondere in Sachen Pressekodex. Wir sind da gar nicht allzuweit auseinander, und das habe ich ihm in meinem Blog auch geschrieben. Es ist schade, dass er das hier nicht anmerkt, was seine Darstellung hier für meine Begriffe einseitig macht.

    - Bei einer Todesursache wie im fraglichen Fall haben wir es in der Tat mit einer schwierigen Frage zu tun, einer Abwägungsfrage zwischen Anstand und Informationsbedarf, und diesen Informationsbedarf fühlte anfangs ja auch Herr Kappes, wie er selbst schrieb. Rein juristisch lässt sich so etwas für meine Begriffe nicht in jedem Fall klären. Reine Regelorientierung genügt dazu nicht. Das ist eine Meinung, die sicher nicht jeder teilt, weil unsere Welt regelorientiert gelenkt ist und nicht sinnorientiert, aber ich denke hier wirklich, es ist eine Abwägung im Einzelfall nötig, gerade wegen der sich aufdrängenden Spekulationen bei einem toten 38-jährigen Internet-Aktivisten.

    - Ich respektiere die Privatsphäre von Verstorbenen und auch von lebenden Medienopfern durchaus. Ich kenne selbst viele Medienopfer und deren Situation. Ich selbst habe einmal den Bruder einer in den einschlägigen Medien übel zur Schau gestellten toten Frau beraten, indem ich ihm das Innenleben der Redaktionen und ihre Mechanismen auseinandergesetzt und ihm einen renommierten Medienanwalt vermittelt habe. Die Sache ist juristisch erfolgreich beendet worden und wäre ohne mich nicht vor Gericht gelandet. Ich selbst habe als Reporter einer von Schlägern verprügelten ÖPNV-Fahrerin mitten in der Nacht ihre Sachen ins Krankenhaus gebracht, weil ihr Mann sich dazu nicht in der Lage sah, ohne dass das jemals bekannt geworden wäre, während die anderen längst im Feierabend waren und keinen Gedanken mehr an das Opfer verschwendet haben, nachdem die Story im Kasten war. Ich bin kein gewissenloser Mensch, als den mich hier einige darzustellen versuchen.

    - Ich weiß aber als Journalist auch, dass man Leserinnen und Leser nicht ohne jeden Hinweis auf die Antwort einer W-Frage im Regen stehen lassen kann. Und genau das weiß Herr Kappes auch, der selbst die Antwort vermisst hat, wie er selbst geschrieben hat, der dann aber hier diesen neuen Thread eröffnet, um zu sagen, ich hätte mich „verrannt“. Dabei dürfte klar sein: Stirbt ein 38-jähriger Internet-Aktivist, werden Assoziationen in jede Richtung wach. Es würde genügen, diese kurz auszuräumen, um Spekulationen vorzubeugen, und genau dafür bin ich eingetreten. Plausibilität in einem Text lässt sich auch in so einem Fall herstellen, ohne dass die Geschichte gleich vorm Presserat landet und ohne dass man pietätlos wird. Es gibt hier nicht nur Entweder und Oder.

    - Ich habe in Herrn Kappes‘ ursprünglichem Google-Plus-Thread geschrieben: „‛Er starb an Krebs‛ oder auch diffus ‛Er starb nach langer Krankheit‛ würde ja schon reichen.“ Wer wollte, konnte diesen Satz lesen. Wer nicht wollte, konnte ihn ignorieren und weiter auf der aggressiven und falschen Behauptung herumreiten, ich träte für Krawalljournalismus ein. Die Energie dieser Kämpfer für den Anstand wäre im Kampf gegen wirkliche Krawalljournalisten sicher besser investiert, aber wenn es gut tut, auf jemandem herumzuhacken, der eine abweichende Meinung vertritt, dann machen manche Leute das eben.

    - Obwohl ich Herrn Kappes auch in Sachen Pressekodex in vielem Recht gebe, und obwohl meine Position erkennbar nicht die eines Haudrauf-Journalisten ist, behauptet er hier, ich hätte mich „verrannt“. Ich habe mich nicht verrannt. Ich stehe zu meiner Meinung, die viele Kommentatoren in meinem Blog und in Google Plus verdrehen, möglicherweise um mir Bosheit zu unterstellen. Ich habe Herrn Kappes gestern Abend im Blog angeboten, dass wir die Sache nun auf sich beruhen lassen. Einerseits schrieb er, er wolle sich nicht verweigern, und bot an, dass wir telefonieren. Andererseits hat er diesen weiteren Thread eröffnet. Aus dieser Inkonsistenz im Handeln ist in meinen Augen nicht zu schließen, dass ich mich verrannt hätte. Welche Motivation Herr Kappes für diese erneute Auseinandersetzung hat, ist mir unklar.

    - Herr Kappes bringt diesen neuen Thread, obwohl er in Google-Plus-Thread erklärt hatte, er wolle „bei Gelegenheit hier nachher mal den Rolladen runterlassen“, also den Thread schließen, nachdem ich noch zu einem Anwurf Stellung nehmen konnte. Bevor der Thread dann geschlossen war, landeten noch zwei despektierliche Aussagen über mich in Herrn Kappes‘ Thread: „Schwachsinn“ und die wahrheitswidrige Behauptung, ich sei „der letzte“, der Empathie für den Verstorbenen zeigen würde. „Schwachsinn“ ist meinetwegen noch eine launige Äußerung, aber die letzte Äußerung wird meiner Person definitiv nicht gerecht und schmäht sie. Herr Kappes erklärt in meinem Blog, er sei nicht rechtlich verantwortlich dafür und müsse den Kommentar nicht löschen. Ich sage: Ja, wir sind zu vielem nicht verpflichtet, was anständig wäre. Eine ausschließlich rechtliche Sicht auf die Welt wird für meine Begriffe gerade dem Gebot des Anstandes oft nicht gerecht.

    - Ich habe Herrn Kappes über eine persönliche Xing-Nachricht darauf hingewiesen, dass das Niveau (es ging um die beiden Kommentare, nicht um ihn) ihm in seinem Thread nicht gut zu Gesicht steht, was ich nach wie vor finde, und ob er etwas tun werde. Herr Kappes hat darauf in der Sache nicht reagiert, sondern in Google-Plus angekündigt, weitere persönliche Nachrichten von mir an ihn „möglicherweise“ zu „veröffentlichen“. Den Zweck einer Veröffentlichung einer privaten Nachricht habe ich nicht verstanden, aber ich empfinde diese Ankündigung als Drohung im landläufigen Sinne, die natürlich zur Folge hat, dass ich ihm nicht mehr schreibe, weil ich nicht weiß, was er dann tut. Da er einerseits die Veröffentlichung zweifelsfrei nicht zur Veröffentlichung gedachter persönlicher Nachrichten ankündigt, zugleich aber im Impressum seines Unternehmens versichert: „Ihr Anliegen bleibt unter uns, versprochen. Denn Fructus lebt von Vertraulichkeit“, ist mir sein Konzept zu handeln nicht durchsichtig. Aufgrund dieser weiteren Inkonsistenz nehme ich Herrn Kappes‘ Ankündigung für bare Münze, so dass ich ihm keine persönlichen Nachrichten mehr schicke. Das ist für mich eine ganz logische Folge seiner Bemerkung: „Sollte ich wieder eine Mail von Ihnen im Rahmen einer öffentlichen Diskussion erhalten, werde ich sie möglicherweise veröffentlichen“ in Kombination mit der Zusage von Vertraulichkeit auf seiner Webseite.

    - In meinem Blog habe ich ihn nach dem Zweck einer Veröffentlichung von persönlichen Nachrichten gefragt. Leider bisher ohne Antwort (Stand 06.08.11, 11.45 Uhr).

    - Nachdem Herr Kappes in meinem Blog behauptete, auf seinem Handy habe ihn kein Kontaktversuch von mir erreicht, musste ich klarstellen, dass ich ihn durchaus mehrfach versucht habe, telefonisch zu erreichen, weil sich am Telefon Missverständnisse leichter ausräumen lassen als in einem Thread. Ich habe in meinem Kommentar geschrieben: „Und diese Vorverurteilung finde ich schade. Sie würden so etwas nicht schreiben, hätten wir telefoniert.“

    - Meine Erwiderung auf Herrn Kappes‘ Kommentar finden Sie selbstverständlich auch im Thread meines Blogbeitrags etwa ab hier: http://www.thilo-baum.de/loung.....ment-22344

    - Ich weiß nicht, auf wen Interpretationen wie beispielsweise „Muster eines gekränkten Menschen“ zutreffen sollen. Ich halte derlei Aussagen für beliebiges Zerreden und Umdeuten und vermute dahinter keine gutwillige Absicht.

    Die einseitige Darstellung, die Herr Kappes hier aus welchen Gründen auch immer über mich verbreitet, weise ich deutlich von mir.

    Falls Sie mich sprechen wollen, erreichen Sie mich unter 0171-8387017.

    Beste Grüße / Thilo Baum

  33. Viktor Dite

    Ich finde es moralisch eigentlich unter aller Sau auf Jörgs Schultern eine Diskussion über Qualitätsjournalismus zu führen. Er war halt so bekannt, dass Heise über ihn schreibt. Und ja, auch in heise Kreisen so bekannt, dass es mehr oder minder Insider betrifft.

    Und es ist völlig egal woran der Mensch von uns scheidet. So oder so ist er zu früh gegangen! Mehr Info braucht die Öffentlichkeit nicht.

    Und eine Diskussion darüber ist absurd!

  34. editlore

    Elvis lebt.

  35. Sven

    Was geht dich das an? Er war nicht Bundeskanzler. Ich würde mir mehr Respekt gegenüber den Angehörigen wünschen.

  36. Astui

    Ist es so schwer zu erkennen, dass es ganz klar einen Grund gibt, dass man die Ursache nicht nennen möchte?!

    Dass sich die Frage nach der Todesursache stellen würde war ja wohl zu erwarten. Die Wenigen, die die Ursache kennen, wollen sich dazu aber nicht äussern. Aus Gründen im Sinne von JoSchaefers, ist doch klar. Dazu muss man kein Insider sein um das zu erkennen.

    Also darf man das auch akzeptieren.

  37. Thilo Baum

    Viktor Dite:

    Ja, das tut mir auch Leid. Ich verstehe Ihr Ansinnen.

    Leider aber ist es wohl manchmal nötig, auch angesichts einer traurigen Tatsache nicht die schnöden Fakten aus dem Blick zu verlieren.

    Das „Recht am eigenen Bild“ beispielsweise, das das Kunsturhebergesetz regelt, ist auch angesichts einer traurigen Sache entstanden, wenn ich mich richtig an meine Medienrechts-Seminare erinnere.

    Otto von Bismarck, verstorben, wurde Opfer von Paparazzi. Und trotz ihrer Trauer trennten die Menschen das Geschehen scharf vom emotionalen Aspekt. Sie haben nicht gesagt: Angesichts des Todes sprechen wir über sowas Schnödes wie ein neues Gesetz nicht. Sondern es war, in Ihren Worten, eine Debatte auf den Schultern des toten Bismarck.

    Ich halte es mit der Trennung zwischen Beschreibung und Bewertung von Dingen und würde gerne auch weiterhin über alle Dinge sprechen, über die ich sprechen will, auch wenn sie in einer anderen Betrachtungsweise eine andere Bedeutung haben. Das ist für mich informationelle Freiheit. Meine Gedanken nicht durch andere Gedanken beschneiden zu lassen.

  38. Thilo Baum

    Sven: Was mich das angeht? Die Geschichte war bei Heise. Und dort fehlte ein wesentlicher Gedanke ohne Hinweis darauf, warum er fehlt. Ich lese Heise eben ab und zu und empfinde mich als Rezipient. Aber bitte lies den Thread durch, dann siehst du, dass es nicht um das Beharren auf der Info zur Todesursache geht, sondern um Plausibilität.

    Astui: Nein, das war für Außenstehende nicht so leicht zu erkennen. Die dachten eher an ein Mysterium. Weiter oben finden Sie dazu einige Gedanken zur Frage, ob man mit einem bekannten oder einem unbekannten Publikum kommuniziert.

    Wir haben zuerst wirklich gedacht, die Todesursache sei den Autoren entweder unbekannt oder egal. Die Möglichkeit, dass sie sie kennen und vorsätzlich nicht bringen, haben wir nicht für wahrscheinlich gehalten, weil in den Texten schon der Gedanke der Todesursache fehlte, ob er nun beantwortet wird oder nicht und nur erwähnt. Den Gedanken auszublenden, erschien einfach als handwerklicher Fehler.

    Es hätte beispielsweise genügt zu schreiben, dass die Familie um Respekt dafür bittet, dass keine Einzelheiten bekannt werden. So, wie Sie sagen: Man hätte kommunizieren können, dass die Angehörigen nicht wünschen, dass etwas darüber bekannt wird.

    Doch nichts dergleichen stand da. Wir wussten nicht, was die Angehörigen wünschten. Der Gedanke erschien einfach wie unter den Tisch gefallen und ignoriert, und ergo dachten wir und andere erst mal an „Tron“.

    Und „sich etwas denken können“, also zu interpretieren, das haut in der öffentlichen Kommunikation eher nicht hin. Was da steht, steht da, was nicht da steht, steht nicht da und verleitet zu Spekulationen. Dass wir es mit Insidern zu tun hatten, die als Insider mit Externen kommunizieren, ohne deren Sicht mit einzubeziehen, hielten wir nicht wirklich für möglich.

    Wenn Sie den Thread lesen, sehen Sie, dass wir mit dieser Sicht nicht alleine waren.

  39. tschill

    Sehr geehrter Herr Baum,

    Sie schließen von Ihrem Interesse nach der Todesursache auf ein allgemeines, das zusätzlich noch über dem Interesse der Angehörigen zu liegen scheint, die Todesursache nicht zu nennen.
    Nun, ich habe ein Interesse, alle Ihre Sexualpartner in der Reihenfolge der Geschlechtsaktgüte zu erfahren und postuliere nach Ihrer Logik ein allgemeingültiges Interesse, welches über Ihrem Interesse des Verschweigens zu verorten ist. Ist mir irgendwie auch wichtiger als was Sie bisher so geleistet haben.
    Danke für die Antwort im, äh, vorneraus.

  40. Thilo Baum

    Lieber tschill, bitte auch erst lesen, bevor Sie urteilen.

    Der eine kommt mit dem Presserat, der andere mit Wissenschafts-Vokabeln. Beeindruckt mich beides nicht. Wenn ein 38-Jähriger stirbt, stellt sich die Frage nach der Todesursache. Auch wenn Sie es noch so sehr umzudeuten, zu verdrehen und zu zerreden versuchen.

    Der Punkt ist: Ich lese eine unvollständige Geschichte. Heise u.a. werfen eine naheliegende Frage auf und gehen nicht einmal darauf ein, dass sich diese Frage aufwirft. Darum geht es. Nicht um die Todesursache selbst. Sondern darum, dass die Frage danach verschwiegen wird, obwohl sie im Raum steht.

    Das Verschweigen kann ja sinnvoll sein, aber es war in den Veröffentlichungen kein Thema und wurde daher auch nicht plausibel.

    Dass das Verschweigen einen Sinn hat, kann sich der Außenstehende *nicht* denken. Er ist angewiesen auf das, was dasteht. Zumal dann, wenn er von Medien erwartet, dass sie ihn nicht zum Interpretieren nötigen. Was nicht dasteht, können wir nicht wissen.

    Ihre Abwägung mit dem Gedanken, ob etwas „zusätzlich noch über dem Interesse der Angehörigen zu liegen scheint“, kann also gar nicht stattfinden, weil der Grund des Verschweigens nicht genannt ist in den fraglichen Veröffentlichungen und wir nichts über Angehörige und ihre Interessen erfahren.

    Der unbeteiligte Leser kann nicht einmal wissen, ob der Tote überhaupt Angehörige hat, solange es ihm niemand sagt. Nur weil es jemand als Insider weiß, müssen es Außenstehende noch lange nicht wissen. Und nur, weil ich selbst Angehörige habe, heißt das nicht, dass jeder andere mir unbekannte Mensch ebenfalls Angehörige hat. Wir haben es hier einfach mit einer unvollständigen Darstellung zu tun. Sie zu vervollständigen, ist nicht zwangsläufig pietätlos oder ein Verstoß gegen den Pressekodex.

    Ich schließe auch nicht von „meinem Interesse“ auf ein allgemeines Interesse. Unabhängig von meinem Interesse meldet ein menschliches Gehirn bei der Rezeption eines Textes Irritation, wenn der Autor eine naheliegende Frage ignoriert. Im Kopf bildet sich ein Fragezeichen. Geschieht das bei mehreren Autoren zu diesem Thema, wird das Fragezeichen üblicherweise immer größer. Genau das ist hier geschehen.

    Aber gut: Vielleicht scheinen Sie fehlende Antworten auf naheliegende Fragen nicht zu stören. Ihr Gehirn meldet vielleicht kein Fragezeichen. Okay! Respektiere ich. In diesem Thread habe ich sowieso gelernt, dass sich erstaunlich viele Menschen mit einem Journalismus abfinden, der auf wesentliche Fragen nicht eingeht und der es nicht für nötig hält, der nicht eingeweihten Öffentlichkeit kurz einen Hinweis zu geben, warum eine Antwort ausbleibt.

    Ich weiß jedenfalls eines: Die Menschen da draußen *wollen* Anteil nehmen. Ich auch. Aber wir können nicht Anteil nehmen, wenn wir nicht wissen, woran. Wir fühlen uns als Öffentlichkeit außen vor gehalten. Wir sind gut genug als Leser, die eine Story anklicken, aber dass man uns verrät, worum es geht, verdienen wir nicht.

    Die unvollständigen Berichte bringen uns dazu, einen Hintergrund wie bei „Tron“ zu vermuten. Man zwingt uns auf eine offenbar völlig falsche Spur, weil die Insider offenbar nicht in der Lage sind, den externen Blick einzunehmen und zu verstehen, dass andere ihr Vorwissen nicht haben. Und wenn wir fragen, warum man uns nicht aufklärt und uns sagt, worum es eigentlich geht, wenn man uns schon öffentlich einbezieht, beschimpft man uns.

  41. Claas-Hendrik

    Ich bewundere Sie für Ihre Geduld, Herr Baum. Ich meine das ehrlich. Auch für Ihre gegen wirklich jede noch so offensichtliche Trollerei scheinbar absolut immune Höflichkeit und Sachlichkeit, mit der Sie selbst den abstrusesten Anfeindungen selbsternannter Wächter über „Pietät“ und „Moral“ begegnen. Ich selbst hätte es schon nach den ersten drei Beiträgen dieser ignoranten Art aufgegeben oder wäre ausfallend geworden. Wenn Ihr Artikel irgendetwas bewiesen hat, dann ja wohl vor allem, dass Sie den Finger ziemlich genau in eine Wunde gelegt haben, die arg juckt. Ich will jetzt eigentlich nicht mit Platon kommen, aber das Gezeter der Höhleninsassen angesichts ihrer Blendung ist einfach unüberhörbar.

    Verzeihen Sie mir diesen hochtrabenden und zweifelsohne hinkenden Vergleich, aber er war das erste, was mir beim Lesen der ganzen hysterischen Anfeindungen in den Sinn kam. Gleichzeitig müssen wir aber wohl auch mit den Geblendeten nachsichtig sein. Das, was Sie tun, nämlich eine vermeintlich unziemliche Frage stellen und auch nach wiederholtem Hinweis auf deren Unziemlichkeit einfach nicht davon abrücken, ist eben auch in der so aufgeklärten „Web-2.0-Community“ einfach nicht vorgesehen. Menschen bleiben Menschen, egal in welchem Gewand.

    Bleiben Sie trotzdem so!

  42. Thilo Baum

    Ach, ja. Ich danke Ihnen. (Und das meine ich auch ehrlich.)

    Für mich spielen da mehrere Dinge eine Rolle.

    Einmal finde ich, hat jemand, der sich an mich wendet, auch einen Anspruch darauf, dass ich reagiere. Da bin ich vielleicht einfach konventionell. Ich finde das höflich.

    Dann – Thema Trolle: Ich habe ja oft keine Ahnung, wer die Trolle sind. Die meisten posten ja anonym. Vielleicht ist so jemand fünfzehn und weiß gar nicht, dass er trollt?

    Und ich versuche schon seit einiger Zeit, die Charakterstruktur des Trolls zu verstehen. Es gibt da sehr viele verschiedene. Gemein scheint ihnen das Schwarz-Weiß-Denken zu sein, also das Undifferenzierte. Aber was fehlt ihnen? Was macht einen Menschen zum Troll?

    Dann ist ein wichtiges Thema das totalitäre Denken. Als totalitäres Denken empfinde ich es, wenn jemand den Vertreter einer vermutlichen Minderheitsmeinung angreift, weil er ihn in der Minderheit sieht. Manchen Leuten ist die Meinungsfreiheit offenbar so zuwider, dass sie für eine Nivellierung von Meinungen eintreten. Diesen Charakterzug würde ich gerne ebenfalls verstehen.

    Vor allem erschreckt mich die enorme Intoleranz vieler Menschen. Eine moderne, tolerante Gesellschaft sind wir sicher nicht. Ich würde gerne etwas zu mehr Toleranz beitragen. Und das tue ich hier, indem ich als Vertreter einer angeblichen Minderheitsmeinung nicht die Klappe halte, nur weil eine angebliche Mehrheit das will.

    Ist Ihnen die Theorie der Schweigespirale bekannt? Danach wird eine mutmaßliche Minderheit irgendwann tatsächlich zur Minderheit, weil sie schweigt, da sie die Mehrheit für übermächtig hält. Dieser Mechanismus, von Elisabeth Noelle-Neumann beschrieben, erklärt gut, wie und warum Totalitarismus zustande kommen kann:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Schweigespirale

    Außerdem schreibe ich derzeit ein Buch, in dem es unter anderem darum geht, sich in die Lage anderer Menschen zu versetzen und beispielsweise die Sicht eines unwissenden Gegenübers einzunehmen.

    Hier haben wir es mit einer Gruppe von Insidern zu tun (über einen Grund informierte Menschen), die über das Thema öffentlich schreiben, ohne zu berücksichtigen, dass den Externen die wesentliche Information des Grundes fehlen wird. Aber es scheint ihnen egal zu sein.

    (Wobei ich hier klar sagen will, dass ich mit den Trollen nicht die Autoren der Ursprungstexte meine. Die Trolle sind hier in den Kommentaren an ihren Schmähungen zu erkennen.)

    Kurz: Die Beschäftigung mit diesen Menschen ist für mich keine Zeitverschwendung. :-)

  43. Claas-Hendrik

    Ein sehr interessanter Link, dankeschön. Vermutlich hat Frau N.-N. da ziemlich nah an der Realität theoriert. Dieser implizite Gruppenzwang ist wohl genau das, was ich vorhin meinte, und ich glaube auch, dass die ganzen „solidarisierenden Anfeindungen“ besonders von Menschen stammen, die sich so, um es mal ungeschickt zu formulieren, um eine Zugehörigkeit zu ihrer selbst gewählten Bezugsgruppe öffentlich „bewerben“ wollen.

    Übrigens, Stichwort „tolerant“: Ich musste sehr laut lachen, als man Ihnen vorwarf, nicht den „offensichtlichen Wunsch der Angehörigen“ zu respektieren/tolerieren. Der ist nämlich erstens auch nur ein gemutmaßter. Und zweitens toleriert man nicht, dass Sie etwas Gemutmaßtes nicht einfach tolerieren. Ein wunderbares Paradoxon, zumal es eben, anders als von Ihrer Seite, alles andere als respektvoll geäußert wurde…

    Ich fürchte, wir sind nicht nur von einer toleranten Gesellschaft weit entfernt. Sondern auch von einer, in der kritischem Fragen nicht nur dann gehuldigt wird, wenn es in der eigenen Bezugsgruppe gerade opportun/“schick“/“angebracht“ scheint, sondern grundsätzlich, als Bestandteil einer Gesellschaft aus zwar sozialen, aber eben dennoch selbst denkenden und fragenden Individuen. Der Mensch ist, wie man bei jeder solcher Gelegenheit erkennen kann, eben auch „nur“ ein Tier, das, wenn es „normal“ funktioniert, beim Anblick eins vom Muster der eigenen Herde abweichenden Gattungsgenossen unverzüglich mit Abwehr reagiert, bisweilen auch offensiv („schwarzes Schaf“). Aber ich drifte nun schon fast in „genetische“ Theorien ab, und das will ich ganz, ganz sicher nicht.

    Alles Gute für Ihr Buch!

  44. Thilo Baum

    Ja, Genetik hat damit für meine Begriffe auch nichts zu tun.

    Ich denke, es ist einfach Intoleranz gegenüber Abweichungen. Die allermeisten Menschen, scheint es mir, denken in Konventionen und Normen. Gut ist, was der Entsprechung genügt, schlecht ist, was von ihr abweicht.

    Diese Ablehnung von Abweichungen dominiert das Denken intoleranter Menschen so sehr, dass sie viele Argumente schlicht ignorieren, auch wenn man sie ihnen mehrfach vor Augen hält.

    Beispielsweise habe ich jetzt zwei Mal denselben Stapel von Zitaten in den Google-Plus-Thread bei Don Dahlmann reinkopiert, wonach auch andere nach der Todesursache fragen (die Frage in meinem Blogbeitrag war ja auch der Aufhänger für den ersten Thread bei Google Plus).

    Eine freundliche Dame erklärte, die Frager hätten inzwischen den Respekt respektiert. Vielleicht stimmt das. Vielleicht ist es auch so, dass man sich bereits darauf geeinigt hat, dass ich der Gegner und zu bashen bin.

    Es ist wirklich sehr unschön, dass all das auf einer Todesnachricht beruht. Denn mir ist es wirklich wichtig zu sagen, dass ich Mitgefühl habe und Respekt vor den Angehörigen. Mir tut das alles wirklich Leid.

    Nur ich kann nichts dafür, dass sich diese Meinungsmache nun ausgerechnet infolge eines Todesfalls über mich ergießt. Andererseits dürfte es auch niemanden wundern, wenn ich mich wehre und diese Debatte daher – leider – weiterläuft.

    Die Konvention, um die es hier geht, ist das moralische Verbot, angesichts der Sachlage bestimmte Fragen zu stellen. Die Meinungsmache geht aber auch ohne Todesfall. Ich kopiere mal hier rein, was Markus Beckedahl, Autor von netzpolitik.org, bei Don Dahlmann über mich schreibt:

    „Ich fragte mich eben erstmal, an wen mich der Name des Autors erinnerte. Dann fiel mir ein, dass der sich mal mit einem ziemlich dämlichen CfP-Beitrag bei einer re:publica beworben hatte. Der Tenor war in etwa „Ich bin der coolste und bring Euch Bloggern jetzt mal schreiben bei und promote damit meine Bücher und Workshops“. Nach einer freundlichen Absage heulte er dann rum und versuchte mit Schlamm zu schmeißen. Sehr unsympathisch, dieser Artikel bestätigt meinen Eindruck.“

    Ich war damals wirklich bei der Republica, mein Vorschlag war Medienrecht und journalistisches Handwerk für Blogger. :-) Dieses würde Schmähungen und falschen Behauptungen sicher vorbeugen. Einigen Bloggern das Schreiben beizubringen, wäre echt keine schlechte Idee, dachte ich, so dass deren freiheitsliebende Ideen auf mehr Wiederhall treffen. Heute denke ich, würden wir durch Textkurse in dieser Szene vermutlich nicht unbedingt dem freien Denken dienen, sondern Beleidigungen, Unterstellungen und Schmähungen optimieren.

    Als ich im Plenum dummerweise erklärte, dass ich Kommentare moderiere, weil ich keine Beleidigungen auf meiner Seite haben will, hat man mich ebenso niedergebrüllt wie jetzt. Die Mechanismen der Bildung öffentlicher Meinung waren die gleichen wie hier. Damals habe ich diesen Blogbeitrag zur Schweigespirale verfasst:

    http://www.thilo-baum.de/loung.....e-spirale/

    In der Folge gab es dann noch eine Menge Blogbeiträge über politische Korrektheit und Gesinnungsterror.

    Es ist eigentlich egal, gegen welche Konvention intoleranter Menschen man verstößt – die Meute wird immer über einen herfallen.

  45. Cujau

    Eines war mir noch nie so deutlich klar wie in dieser Diskussion: Der Tod eines Menschen ist noch immer ein Tabu in unseren Breiten; und darüber hinaus eines Menschen, der eine relative Person der Zeitgeschichte zu sein scheint. Denn die Anteilnahme ist erheblich, was viel über die Bedeutung des Toten sagt. Und dann wird hier in diesem Blog die Frage gestellt, warum der Grund seines Todes nicht kommuniziert wurde. Das ist mal eben eine Feststellung; eine Feststellung für eine Unterlassung.

    Diese Feststellung muss niemand teilen, vielen genügt die Todesnachricht. Das ist sehr gut nachvollziehbar. Nur: Dürfen deswegen Menschen, die dem Toten nicht so nahestanden wie Angehörige und Freunde, ihn weniger kannten und dennoch seine Bedetung für die Netzkultur feststellen, nicht danach fragen, weshalb er tot ist? Mit 38 Jahren stirbt man nicht einfach so. Hierin liegt kein Voyeurismus, sondern eine völlig normale Reaktion auf den Tod einer nicht unbedeutenden Internetpersönlichkeit. Völlig normal empfinden das die ihm Nahestehenden nicht. Das ist okay. Nur ist im Umkehrschluss dann die Frage nach der Todesursache verboten, steht sie auf dem Index? Wenn ja, warum?

    Und: Resultiert aus dem Aufwerfen der Frage und rechtfertigt das, dass man Begriffe wie „Leichenfledderei“ bemüht? Rechtfertigt das, dass jemand an den Pranger gestellt wird, weil er, zugegeben, eine Frage so zuspitzt wie hier? Sind wir also an der Stelle, wo die Mehrheit Fragen verbietet, die eine Minderheit hat? Oder ist es eher eine Mehrheit? Dass die Fragen nicht gestellt werden dürfen, weil die scheinbare Mehrheit sagt, dass man die Klappe zu halten hat, ganz gleich, ob man den Hintergrund kennt oder nicht?

    Schließlich geht es soweit nach den Sexualpartnern von Thilo Baum zu fragen, er möchte sie offenlegen. Sind hier alle Baum-Gegner in dieser Frage der Meinung, das ist der Streitkulturstil, der erlaubt ist, wenn eine vermeintlich sensible Frage gestellt wird? Wie kommt es, dass Thilo Baum wegen einer solchen Frage soweit herabgewürdigt werden kann, ohne dass den meisten die Herabwürdigung auffällt? Hier schießt jemand über alle Grenzen des Streitgeschmacks erheblich hinaus. Was ist der Grund dessen? Und der Ausgangspunkt für eine solche Entgleisung kann mitnichten die Ausgangsfrage dieses Blogbeitrages sein, sondern es ist eine Charakterfrage, solch eine Entgleisung öffentlich zu stellen. Worin besteht die Gleichschaltung der Sexualpartner Baums mit dem Tod eines Menschen? Abscheulich ist genau das. Und seit wann deckt das Recht auf freie Meinungsäußerung solche Art der Herabwürdigung? Thilo Baum hat jedenfalls nichts Vergleichbares mit seiner Frage im Blogbeitrag begangen.

    Mich stößt zutiefst die Haltung in einigen Kommentaren ab, dass man auf Defizite bei anderen nicht hinweisen, eine Frage nicht aufwerfen, geschweige denn stellen darf. Diesen Geist kannte ich aus einem Leben von vor über 20 Jahren. Da waren eigene Meinungen und eigene Fragen nicht erlaubt. Kann sein, dass das hier einige nicht nachvollziehen können, was ich meine. Ich spreche vom Respekt vor Minderheitenmeinungen, -haltungen und vor der Frechheit, eigene Fragen zu stellen und sich nicht dem Mainstream anzuschließen.

  46. Thilo Baum

    Chriszim schreibt in seinem Blog:

    >UPDATE (04.08., 08:58): Da ich in der Statistik sehe, dass viele nach der Todesursache suchen, ein kleiner Nachtrag.

    http://chriszim.com/2011/joerg.....-gestorben

    Finde ich interessant. Viele suchen nach der Todesursache. Nur mal so nebenbei.

  47. User

    tja da keiner die Todesursache nennen will, kann man davon ausgehen, dass es eben nichts ist was man gerne über einen Toten sagt. Jetzt darf sich jeder der will selbst denken was das sein könnte.

    was für ein chaos

  48. Iris

    Hallo Herr Baum,
    nach dem lesen dieses Beitrages schwirrt mir der Kopf. Mein erster Gedanke und meine ersten Gefühle waren Neid und Missgunst. Ich frage mich wem sind sie auf den Schlips getreten? Diese einfache Frage, die nach den Todesumständen kann doch unmöglich zu solch einem Inferno führen. Anscheinend haben sie einen guten Freund und der Anlaß wäre denke ich egal, auf welcher Grundlage man sie versucht zu diskreditieren. Ihre menschlichen Reaktionen und ihre Ausdauer finde ich sehr anerkennenswert. Da schließe ich mich dem Herrn Claas-Hendrick an.
    Ich bin sehr an den Biographien von Menschen interessiert. Diese beinhalten das Leben zwischen Geburt und Tod. Die Ursache des Todes ist für mich oftmals ein Schlüssel zu diesem Menschen. Im Mittelalter war es normal das die Menschen mit 35 Jahren starben. Es hat für mich nichts Voyoristisches nach dem Ableben eines Menschen zu fragen. Diese ganze Diskussion eingeschlossen den Trittbrettfahrern, finde ich befremdlich. Interessant ist es in diesem Zusammenhang sich mit der Definition des Vigilantismus zu beschäftigen. Das Desinteresse der Menschen, hinter dem Mantel des Schutzes der Privatsphäre auf rechtlicher Grundlage …bitte wo sind wir ??? Nichts Menschliches ist mir fremd, dafür brauch ich keine Gesetze. Ein natürlicher Instinkt und Emphatie in der jeweiligen Situation reichen in der Regel aus zur menschlichen Kommunikation. Dies schließt das Recht auf eine Frage ein. Bin ich zu neugierig hat mein Gegenüber das Recht mir Grenzen auf zu zeigen. Erst hier kommt der Schutz der Privatsphäre ins Spiel.
    Öffne Dich und Du erkennst einen Freund oder Feind.
    Das was bei Ihnen im Blog abging war eine versuchte Hinrichtung. Auf einer ganz subtilen Ebene. Sie haben sich tapfer geschlagen, alle Achtung.
    Mir hat ein Lehrer mal gesagt, lehne dich zurück und laß sie erst mal ping pong spielen. Dieser Boden der Diskussion war ein Sumpf.
    Stichwort für ihr Buch: Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B.Rosenberg beinhaltet das empathische Verstehen.
    Ich bleib Ihrem Blog treu.

  49. Thilo Baum

    Hallo Iris,

    danke für Ihren Kommentar!

    Die „versuchte Hinrichtung“ auf „einer ganz subtilen Ebene“, von der Sie sprechen, nennt man „Mobbing“. Dieses Wort kommt vom „Mob“, einem randalierenden Pöbel, in dem das Individuum nicht mehr denkt, sondern lemmingmäßig agiert.

    Es ist erschreckend, ja, aber es ist auch typisch für die Szene. Sehr viele so genannte Premium-Blogger sammeln ein Volk hinter sich, dem wertschätzende Kommunikation sehr fremd ist. Die Vorwürfe der Demagogie und auch der Nähe zum Totalitarismus dürfen diese Protagonisten sich in meinen Augen gefallen lassen.

    Dass Mobbing auch mit Meinungs- und Stimmungsmache zu tun hat, ist im Google-Plus-Thread von Don Dahlmann zu sehen, wo ein User schreibt, er vertraue da der Sicht von Don Dahlmann, und müsse sich nicht alles durchlesen. Don Dahlmann schreibt selbstverständlich, ich müsste schon zugeben, dass ich mich vergriffen hätte mit meinem Beitrag – eine in der Demagogie übliche Unterstellung einer falschen Tatsachenbehauptung oder angeblich „zutreffenden Meinung“ (was es nicht gibt), der das Volk gerne eifernd und sabbernd folgt. Sache ist: Ich habe mich mit meinem Beitrag nicht vergriffen. Ich stehe nach wie vor dazu.

    Und unser herzallerliebster Dipl.-Jur. fordert in Don Dahlmanns Thread, Don Dahlmann möge den Thread bitte schließen. Die Kämpfer für Freiheit im Denken, zumal einer, der mit Presserat, Bundesverfassungsgericht und Rechtsstaat fuchtelt, will eine freie Diskussion beenden. Das ist die Art von Freiheit, um die es dieser Szene zu gehen scheint.

    Das Demagogie-Prinzip ist einfach: Man gibt eine Meinung als Tatsache aus, wie netzpolitik.org-Autor Markus Beckedahl, der eine herabwürdigende Meinung über mich verbreitet, die er aufgrund eines Geschehens von vor etwa sieben oder acht Jahren hat (ich weiß nicht mehr, wann das genau war, aber seitdem hatten wir nichts miteinander zu tun). Und weil er ein „Meinungsführer“ in dieser leicht zu manipulierenden Szene ist, übernehmen die Lemminge seine Meinung einfach als Fakt. Das ist einfacher, als selber zu denken.

    Mein Vorschlag damals für die „Republica“ war u.a., Presserechtsseminare zu machen, in denen die Leute den Unterschied zwischen Tatsachenbehauptungen und Meinungsäußerungen erfahren. Denn bis heute halten viele dieser einschlägig ungebildeten Blogger beides so gut wie nicht auseinander. Es gelingt ihnen insgesamt nur selten, Dinge klar zu differenzieren. Was damals angesichts dieser Ideen zu spüren war, war der pure Hass.

    Beckedahl bezeichnet sich laut Wikipedia als „Evangelist“, was ihn in gewisser Weise charakterisiert ( http://de.wikipedia.org/wiki/Markus_Beckedahl ). Und er ist offenbar in der Enquête-Kommission Internet und digitale Gesellschaft. Wir wissen also, mit welchem Kommunikationsstil wir zu rechnen haben.

    Für mich war diese Auseinandersetzung eine Erfahrung zur Toleranz. Es gibt offenbar eine sehr radikale Gruppe vorgeblicher Kämpfer für Zivilgesellschaft und Freiheit, die aber anderen verbieten wollen, Fragen zu stellen. Folgen sie nicht ihrem Willen, greifen sie eben zu Schmähungen.

    Das ist übler als die übliche politische Korrektheit, sondern durch die extreme Intoleranz und Feindseligkeit geht es Richtung Diktatur. Der ost-sozialisierte Cujau hat das an früherer Stelle hier im Thread schon thematisiert.

  50. Iris

    Hallo Herr Baum, ich wollte die Bezeichnung Mobbbing als dieses nicht so offen benennen. Ausgrenzungen gab es seit Menschengedenken. Anhand der einzelnen Ausführungen und Anfeindungen hatte ich nur eine ungenaue Vorstellung vom Ausmaß dieser lapidaren Anschuldigungen. Ich lag also mit meiner Vermutung nicht so ganz falsch. Mit ihren Ausführungen schließt sich bei mir der Kreis. Selbst ehemals gemobbt bin ich sehr sensibel geworden für Ungerechtigkeiten und Unverschämtheiten. Spontan erinnere ich mich an ihren Beitrag vom Egozentriker. Dies kommt der Sache in meinen Augen auch noch nahe, wenn ich mir die Hinterhältigkeit und Skrupellosigkeit in der Vorgehensweise vor Augen führe. In dem Buch“ Die Ich-Gesellschaft“ von Uta Hess, beschreibt sie eine gesellschaftliche Entwicklung, die zunehmende Entwicklung von egozentrischem Verhalten und Charakteren. Diesem sollte jeder entgegenwirken. Dies haben sie ja mit, wie schon erwähnt, einer bewundernswerten Ausdauer getan. Gibt es da nicht ein Sprichwort: Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken.

  51. Thilo Baum

    Die „Ich-Gesellschaft“ habe ich mir nach Ihrem ersten Tipp inzwischen zugelegt, und ich zitiere Frau Hess in meinem soeben entstehenden Buch auch ab und an. Danke für den Tipp!

    Auch der Egozentriker-Text spielt mit rein. Wir haben es hier mit einem Phänomen zu tun, das genau in diese Richtung geht. Bitte geben Sie mir noch ein wenig Zeit, das Buch zu Ende zu schreiben. Ich würde Ihnen dann gerne eins schicken, wenn es erschienen ist.

  52. Iris

    Hallo Herr Baum,
    ich danke Ihnen für ihr Angebot und nehme es zu gegebener Zeit dankend an.
    Ich bin an diesem Thema auf anderen Pfaden dran. Dieses Wissen stellt für mich eine „Überlebenschance“ dar. Emotionen und Verstehen sind manchmal schwer zusammen zu bringen. Mit Emotionen meine ich eher den Instinkt und die daraus für sich selbst abzuleitenden Konsequenzen. Ich neige doch eher zur Flucht. Ich bewundere ihre Ausdrucksweise, sozusagen Klartext zu sprechen.
    Als eine Erich Fromm-Jüngerin habe ich mich über dessen Ausführungen „Die Pathologie der Normalität“ auf diesen Weg begeben. Und glauben Sie mir, manchmal wünschte ich mir nicht zu verstehen. Diesen Weg beschreiten nicht viele. Ich beschäftige mich seit ca.10 Jahren mit dieser Thematik. Die Begrenztheit des Denkens kann einen in der Realität schon manchmal selbst zum „Wahnsinn“ bringen. Aber ich übe mich in Demut :-)Nochmals vielen Dank und vielleicht geben Sie eine Buchlesung,in Berlin wenns geht? :-)

  53. Thilo Baum

    Als Jünger würde ich mich nicht bezeichnen, aber Fromm liefert schon so manchen Vorgedanken gegen die Egozentrik. Irgendwo in einem seiner Bücher steht das Beispiel von dem Patienten, der beim Arzt anruft, ob er kurz vorbeikommen könne. Der Arzt sagt: Sorry – Praxis voll. Keine Zeit. Der Patient: „Aber ich bin doch nur wenige Minuten von Ihnen entfernt!“ oder so. Sinngemäß.

    Lesungen mache ich nicht allzu viele, aber wenn sich was ergibt, gebe ich Bescheid.

  54. Iris

    Freue mich auf kommende Beiträge. Einen schönen Abend wünsche ich.

  55. Cujau

    Der Mob funktioniert offenbar unabhängig von den gesellschaftlichen Verhältnissen und auch unabhängig von den technischen Umständen. Aufklärung in unfreinen Gesellschaften dürfte in gleichem Maße vorhanden sein, wie Unfreiheit in den Köpfen von Menschen in vermeintlich freien Gesellschaften.

    Freiheit wird auch oft verwechselt mit Grenzenlosigkeit. Und die Grenzen des Geschmacks, der Kultur, des Stils sind hier wie in Dahlmanns Google-Thread erheblich überschritten worden. Vielleicht auch, weil den meisten Unfreiheit ein viel zu abstrakter Begriff ist. Und wenn der berühmte Satz von Rosa Luxemburg stimmt, „Freiheit ist auch immer die Freiheit des Andersdenkenden“, dann trifft das hier ganz sicher zu. Jeder Teilnehmer an einer solchen Diskussion muss schon zulassen, dass es andere Meinungen als die der Mehrheit gibt. Damit schränkt jeder seine Freiheit ein; nur das ist einfach notwendig, anderfalls läuft alles auf Diktatur und Dogmatismus hinaus. Ohne die Einschränkung der individuellen Freiheit ist eine allgemeingültige Freiheit wohl kaum realisierbar. Freiheit meint sicher nicht, alles machen zu können, was machbar ist.

    Sondern der Begriff ist zu sensibel, um ihn durch eine Mehrheit mit Füßen treten zu lassen. Doch hier in dieser Diskussion trat sehr deutlich zutage, dass vielen die Fähigkeit des Perpektivwechsels abgeht. Die Fähigkeit zu hinterfragen, warum etwas passiert. Stattdessen wird verunglimpft und pöbelhaft verachtet. In der Hoffnung, das decke schon die Mehrheitsmeinung. Komisch, dass sich Menschen dahinter verstecken müssen oder das schon Gesagte noch verstärken müssen.

    Es tut dennoch wohl, dass es noch Menschen gibt wie @Iris oder @Claas-Hendrik. Oder ein zwei andere hier. Was passiert, wenn man die Meinung des anderen nicht erträgt, zeigt der Chefredakteur der Märkischen Oderzeitung in diesen Tagen in einem Interview, das er in seiner eigenen Zeitung gegeben hat, nachdem ihm Stasi-Kontakte vorgehalten wurden. Ich sag mal einfach BASTA-Mentalität und ganz nah bei dem hier im Blog erwähntem Dipl.Jur.
    Viel Spaß beim Lesen des Interviews und vor allem der Kommentare unter dem Hinweis

    „Angesichts der leider oftmals unsachlichen Diskussion schließen wir die Kommentare für diesen Text.“

    Interview:
    http://www.moz.de/nachrichten/...../1/895083/

    Kommantare hier:
    http://www.moz.de/kommentare/?.....9188b2fefc

  56. Iris

    Hallo,
    habe versucht, das Interview und die Kommentare zu lesen. Es kommt mir wieder wie eine Hühnerhackparty vor. allerding mit einem IQ von 116 und einen Verstand auf Niveau des Kleinkindalters:“Du hast meine Puppe gehaun“.
    Ist es nicht wissenschaftlich erwiesen, dass die Hirnmasse des Menschen im Laufe der Evolution abnimmt? Dann haben wir schon eine hohe Entwicklungsstufe.

    Aber vielleicht gibt es eine andere Erklärung ich möchte da E.Fromm zitieren. E.Fromm beschreibt den Marketingcharakter als Entwicklung des Menschen.
    Ich zitiere: … Die Marketing Orientierung beeinflusst Denken und Fühlen. Das Denken bekommt die Funktion Dinge rasch zu begreifen, um sie mit Erfolg verwenden zu können. Wird diese Einstellung … gefördert, so führt sie zu einem hohen Intelligenzquotienten, nicht aber zu Vernunft. … für bloße Verwendungszwecke genügt es, die Außenseite, die Oberfläche der Dinge zu kennen. Die Wahrheit, die sich nur enthüllt, wenn man zum Wesen einer Erscheinung vordringt, gerät als Begriff in Vergessenheit. … es ist die Wahrheit gemeint die ein Mensch findet und die für Revisionen offen ist, indem er seine Vernunft auf seine Beobachtungen anwendet.

    Ich ergänze rein hypotetisch: Biologisch verliert der Mensch an Sehkraft im Laufe der Evolution, was zur Folge hat, dass seine Beobachtungsgabe verkümmert.
    Wär doch mal ein Ansatz für eine groß angelegte wissenschaftliche, empirische Forschung.

  57. S.Kolb

    Schade. Ich dachte inzwischen wäre etwas über die Todesursache bekannt geworden. Ich habe die Sache aus statistischem Interesse verfolgt, weil ich über einen Tron-Link (der auch „Bj“ 1972, hoch/höchstintelligent, unbequem und mysteriös gestorben war) vor ein paar Monaten darauf gestoßen bin.

    Ich fand die Fragestellung übrigens auch interessant, warum nicht auf die Ursache eingegangen wurde. Deshalb hatte ich mir diese Seite hier als LZ gespeichert.

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